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Entdecken Sie Nostradamus

Faszinierende Prophezeiungen enthüllt

Michel de Nôtredame, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, geboren 1503 in St.-Remy-

de-Provence, erlebte im Alter von 22 Jahren den Ausbruch einer Pestepidemie in seiner Heimat.  Er war Apotheker und erwarb sich Renommee als Mediziner, konnte aber im Alter von 34 Jahren nicht verhindern, dass seine Frau und zwei Kinder an einer unbekannten ansteckenden Krankheit starben.

In der folgenden tiefen Existenzkrise zog er mehrere Jahre als fahrender Heiler umher.

In dieser Zeit der Wanderschaft soll die visionäre Begabung, die er später für sich beanspruchte, zum Ursprung gekommen sein.  Das ist plausibel, aber Legende,

denn Beweise gibt es dafür nicht.

Ebensowenig ist beweisbar, dass die dunklen, d.h. erklärungsbedürftigen Texte, die er der Nachwelt hinterlassen hat, wirklich von Ereignissen handeln, die für ihn in der Zukunft lagen, wie es der häufige Gebrauch futurischer Verbformen in seinen Texten nahelegen will.

Eines aber ist klar:  Wenn es sich wirklich um echte Eingebungen handelt und nicht nur um die Produkte einer verirrten Seele, müsste mehr als 450 Jahre nach der Veröffentlichung

die eine oder andere Prognose auch schon einmal eingetroffen sein.

Der Kommentar umfasst zehn Dateien

Band 1

1.0  Einführung (31 Seiten)

1.1  Verzeichnis der Schlüsselbegriffe (67 S.)

1.2  Vorrede an König Heinrich II. (VH) (87 S.)

1.3  Die Exkurse (40 S.)

1.4  Detailanalyse 1/51 (6 S.)

1.5  Die Sechszeiler (Sz) (40 S.)

1.6  Glossareinträge der Vorschau (2 S.)

1.7  Vorschau (247 S.)

Band 2

2.0  Die kompletten Vierzeiler (472 S.)

Band 3

3.0  Die historischen Kapitel (420 S.)

  •   Bei den​ kompletten Vierzeilern sind geklärte und ungeklärte Texte,

         erfüllte und nicht erfüllte Prognosen bunt durcheinander gemischt.

  •   Der historische Teil ordnet die Verse nach ihren geschichtlichen Kontexten.

         Entsprechende Einordnungen werden in der Vorschau versucht.

  •   Eine Blütenlese erfüllter Vorhersagen bieten die  Exkurse (1) und (2).

  •   Welche Motive der biblischen Apokalyptik den Bezugsrahmen

         der Deutung bilden, wird in  Einführung (11)  erklärt.

  •   Wovor N. gewarnt hat und noch warnt, stellt Exkurs (8) an Beispielen dar.

  •   Das Gesamtbild der fünf Jahrhunderte umfassenden Story,

         die N. zu erzählen hat, zeichnet Exkurs (14)  nach.​​

Hier auf der website gibt es als Leseproben​

 

 

 

 

 

 

 Vom Intro ("Entdecken Sie...") abgesehen, sind alle Texte ohne

den Einsatz von künstlicher Intelligenz erstellt.

Der komplette Kommentar (10 Dateien) kann entweder gespeichert

auf einem Datenträger (USB-Stick) an Postadressen versandt, oder

an email-Adressen gemailt werden, beides ohne Berechnung (null Euro). 

Bestellungen laufen über hakerjoern@gmail.com.  

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1.0 Einführung

Übersicht

(1) Worum geht es überhaupt?

(7a) Propheten als Sprachrohr Gottes

(7b) Christliches Bekenntnis

(7c) Gibt es bei N. erfüllte Prophezeiungen?

 

 

I

 

  (21) Abkürzungen

  (22) Benutzte Literatur

 

(1) Worum geht es überhaupt?

 

Es geht um eine alte Prophetie und darum, ob man sie verstehen und ihr glauben kann. 

Um hier ins Klare zu kommen, möge man sich zunächst an schon erfüllte Verse halten

(3.0 Die historischen Kapitel); wenige Stichproben helfen vielleicht schon weiter.  So eine Prüfung kann allerdings nur dann zielführend sein, wenn der Prüfende Geschichtskenntnisse

in den Bereichen hat, von denen gehandelt wird.  Dann kann es ein Wiedererkennen des Bekannten in dem unbekannten und zunächst unverständlichen Text aus dem 16. Jahrhundert geben.  Die Kommentierung ist die Hilfe zum Verständnis, die der Kommentator anbieten kann, nachdem er sich zuvor selbst davon überzeugen musste, ob und wo ein Text geschichtlich zugeordnet werden kann.

Erst wenn das Ergebnis der Prüfung positiv ausfällt, wird auch ein Interesse an der angebotenen Vorschau geweckt sein.  Auch hier geht es zunächst um Glaubwürdigkeit,

aber dann vor allem darum, vor einem falschen Heilsbringer zu warnen.  Die Frage der Glaubhaftigkeit ist bei noch nicht eingetretenen Prophezeiungen noch schwieriger zu beantworten als bei erfüllten, weil Historisches, selbst meist nicht Erlebtes aus der Distanz betrachtet wird, während sich an die Zukunft Erwartungen und Wünsche knüpfen, die nicht gern enttäuscht werden.  Aber genau das muss Prophetie tun, weil sie, wenn sie echt ist, nur von Gott kommen kann und daher der Wahrheit verpflichtet ist.  Sie muss die Hoffnungen

auf eine friedliche Zukunft enttäuschen, indem sie den Menschen den Spiegel vorhält,

in dem ihr hartnäckiger Unwille und ihre Unfähigkeit zum Frieden erkennbar werden. 

Freilich scheiden sich da schon die Geister.

 

Wäre etwa nach dem ersten Weltkrieg prophetisch vorausgesagt worden, dass in Deutschland bald ein Mann an die Macht kommen werde, den die Deutschen begeistert feiern, fast wie einen Messias verehren würden, der dann auch wirklich dem Land wieder aufhelfen, aber nach einigen Jahren einen Krieg vom Zaun brechen und das Land in den Abgrund führen werde  -  hätte man dieser Prophezeiung geglaubt?  Die Anhänger Hitlers, die er sich damals schon erwarb, sicherlich nicht, denn sie hatten ja schon ihren Propheten, und der sprach vom Verfall der Nation, von ihrem Lebenskampf, von der nationalen Wiedererhebung, aber nicht vom Krieg (Reichstagsrede vom 21.3.33).  Was hätten seine politischen Gegner gesagt?  Wir wissen um die Gefährlichkeit Hitlers, deshalb bekämpfen wir ihn, und auf diese >Prophetie< geben wir nichts, denn wir glauben nicht, dass unser Kampf aussichtslos sein soll.  In der Politik hätte die Prophetie nichts ausgerichtet, es wäre alles genauso gekommen wie es gekommen ist.

 

Es ist nicht anzunehmen, dass es mit der Prophetie des Nostradamus anders sein wird; die Welt nimmt davon im Ernst keine Notiz, und eben deshalb kann es so kommen, wie es prophezeit ist.  Wozu dann also das Ganze?  Die Texte des N. können helfen, sich ein Urteil

zu bilden über einen Mann, der in nicht mehr ferner Zukunft selbst mit dem prophetischem Anspruch auftreten wird, dass er demnächst dem Gottesreich auf Erden zum Durchbruch verhelfen werde.  Er wird es verstehen, sich zu bewerben für die noch >offenen Stellen< der drei Offenbarungsreligionen und wird auch angenommen werden.  Diesen falschen Messias machen die Menschen groß, weil sie den Wolf im Schafpelz nicht erkennen und auch nicht erkennen wollen.  Da ihm große Macht verliehen wird, wird kein Zeitgenosse umhin kommen, Stellung zu nehmen zu den Anordnungen seines Regimes.  Das Verbot der alten Religionen, das am Ende ergeht, führt zur Ausgrenzung und Verfolgung von deren Anhängern, die von ihrem jeweiligen alten Glauben nicht lassen wollen.

 

Diese Ungeheuerlichkeiten zu glauben, ist freilich eine gewaltige Zumutung, zumal es ja

genügend konkurrierende Deutungen der Centurien des Nostradamus gibt, die zwar auf Missverständnissen beruhen, aber leichter geglaubt werden, vielleicht weil sie das Gemüt

weniger belasten, vielleicht auch, weil sie unterhaltsamer sind.  Oder man verwirft alles

zusammen als Spinnerei, dann hat man es leicht, hat aber auch eine Chance vertan.

 

(2) Moderne Deutungsmuster

Zu Michel de Nôtredame gibt es unübersehbar viel Literatur.  Allein schon der Name >zieht<

und lässt sich gut vermarkten.  Wer sich Unterhaltung der gruseligen bis grotesken Art erhofft,

wird reichlich bedient.  So gibt es keinen Mangel an Werken, die >den Schlüssel< zum Nostra-

damus >endlich gefunden< oder ihm gleich noch die >letzten< Geheimnisse entrissen haben

wollen.  Autoren auf der Höhe der Zeit bedienen sich dabei komplizierter Computer-Programme.

Die Ergebnisse haben es in sich. „Der Bedeutungszuwachs der Raumfahrt wird unser Überleben sichern“ - „Die Existenz außerirdischen Lebens findet Bestätigung“, um nur ein Beispiel zu nennen (Manfred Dimde, Die Weissagungen des Nostradamus, Neu entschlüsselt, 2. Aufl. 1991).  Ist das

Werk des Verseschmieds aus dem 16. Jahrhundert vielleicht ein Vorläufer der Literaturgattung

Science Fiction, seiner Zeit weit voraus, noch viel weiter als die utopischen Romane eines Jules

Verne oder die genialen Zeichnungen eines Lionardo da Vinci?

 

Fragt sich nur, warum Nostradamus Aussagen dieser Art in schwer verständlichen Verslein

versteckt haben sollte.  Das hätte er doch auch klar sagen können.  Freilich hätte man ihn

verlacht, aber er hätte die Genugtuung gehabt, in ferner Zukunft als Prophet des Hightech-

Stadiums der Zivilisation anerkannt zu sein.

 

Es gibt noch andere moderne Deutungsmuster. Der Autor der in Hundertschaften (= Zenturien) zusammengestellten Verse habe vor >Auswüchsen< technischer Entwicklungen warnen wollen,

die der Beherrschung durch den Menschen entgleiten könnten, sei so etwas wie ein früher Wissenschaftskritiker und Umweltschützer.  Beispielsweise übersetzt Kurt Allgeier (Die Prophe-

zeiungen des Nostradamus, München 1988) den Vers               (= Zenturie 3, Vers 44) so:

                   „Wenn das vom Menschen gezähmte Tier

                   wird zu sprechen beginnen, nach großen Mühen und Sprüngen,

                   wird der Blitz aus dem Stab so verderblich sein,

                   dass er von der Erde genommen und in die Luft gehängt wird.“

 

Es soll sich da um Manipulationen am Genom von Tieren handeln, die deren Intelligenz sprung-

haft steigern und sie zum Sprechen befähigen werde, und dann gehe es um Laserstrahlen, die

in den Weltraum verbannt werden - beides Entwicklungen, die auf nicht näher erklärte Weise Unheil bringen. (In Wahrheit ist der Vers nur in Anlehnung an die Offenbarung des Johannes zu deuten.)

 

Interpretationen dieser Art lassen den Verdacht aufkommen, dass in den Text etwas hineingelesen

wird, was der Autor nicht wirklich gemeint hat.  In solchen Ergebnissen spiegelt sich nicht das Bewusstsein des Sehers, sondern das des betreffenden Interpreten.  Der füttert mit solchen

Deutungen den Wissenschaftsglauben, gleich ob in der optimistisch-utopischen oder in der kritisch warnenden Variante. Denn die Kritik an Wissenschaft und Technik geht auch meist davon aus, dass

der Mensch schon noch alles im Griff habe, wenn er nur immer brav seine Hausaufgaben mache.

Viel interessanter als sich selbst zu spiegeln, könnte es werden, die Schau eines Mannes auf unsere

Zeit nachzuvollziehen, der bei allem ihm eigenen Wissensdurst noch ganz im christlichen Weltbild

des Mittelalters und im Glauben seiner Kirche verankert ist.  Manches heute Selbstverständliche

könnte dann in Frage gestellt erscheinen.  Freilich muss man vom Mittelalter nichts übernehmen;

aber die eigene Zeit aus der gleichen Distanz wie geschichtliche Zeiten zu betrachten, könnte

reizvoll oder sogar nützlich sein.

(3) Entstehungszeit der Zenturie

Man kann die Zenturien nur aus ihren Voraussetzungen, d.h. aus den geschichtlichen Erfahrungen

ihrer Entstehungszeit heraus verstehen.  Zu diesen Erfahrungen gehört die Infragestellung des alten Glaubens durch die neuen Lehren Luthers und Calvins, aber ebenso die Bedrängnis des Abendlandes durch den militant vordringenden Islam.  In Frankreich wird die Schwäche des Königshauses der Valois nach dem Tod des Königs Henri Deux von den Konkurrenten ausgenutzt unter dem Vorwand, die katholische Religion gegen ihre Feinde besser schützen zu müssen.  Der Kaiser ist schwach, muss hinnehmen, dass sich die protestantisch gewordenen Reichsstände 1532 in Nürnberg und 1555 in Augsburg behaupten können.  All das hat Nostradamus, der über eine weitreichende Bildung

verfügte, gewusst, und vor allem das Brüchigwerden der mittelalterlichen Glaubensgewissheiten

hat ihn schwer beunruhigt.  Die In-Frage-Stellung des alten Glaubens und der kirchlichen Autorität

gilt ihm als direkter Weg zum Ungehorsam auch gegen die weltliche Herrschaft der Fürsten.  Wer

die alte Religion in Frage stelle, werde am Ende auch keinen weltlichen Herrn mehr über sich dulden.  Die Herrschaft der Könige und Fürsten ist im 16. Jahrhundert noch nicht wirklich bedroht, aber N. hat gesehen, dass es einmal soweit kommen werde, wie aus den historischen Kapiteln 8 und 9 über die britische Monarchie und aus den Kapiteln 15 bis 18 über die französische Revolution hervorgeht.

 

Bei aller Aufgeschlossenheit für den Wandel des Weltbildes seiner Zeit, etwa in der astronomischen Wissenschaft, ist Nostradamus noch in der Glaubensgewissheit des Mittelalters verankert.  Dem modernen Menschen ist diese Glaubensgewissheit abhanden gekommen, weil er als aufgeklärter Mensch an Anderes glaubt, z.B. daran, dass der Mensch kraft seiner Vernunft fähig sei, die Welt auch ohne Gott zu einem immer besser bewohnbaren Ort zu machen.

(4) Selbstverständnis des Sehers

Neben Geschichtskenntnissen, ohne die es gar nicht geht, muss man wissen, wie der Seher sich

selbst versteht und nach welchen Maßstäben er die Dinge beurteilt.  In der Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (11), zitiert er Joel Kapitel 3 Vers 1: „Ich will meinen Geist über alles Fleisch ausgießen,

und es werden weissagen eure Söhne und eure Töchter“.  Immer und überall sei es deshalb möglich, dass Menschen von Gott dazu berufen werden, den anderen Menschen etwas mitzuteilen, so dass

sich niemand wundern müsse, wenn das geschehe.  Er selbst sei nun aber kein Prophet, da er nicht

das Wort Gottes wiedergeben könne, sondern nur ein Seher mit Visionen, zu denen auch akustische Wahrnehmungen gehören,                   .

 

Und er sei ein ehrlicher Visionär, denn in die von Gott verliehene Sehergabe habe er „nichts hinein-gemischt, was von einem Schicksalsspruch herrührt“, VH (11).  Was von Schicksalssprüchen herrührt,

ist deren Deutung, die bezweifelt werden kann, weil auch andere Deutungen möglich sind.  Er denkt

an die delphische Pythia und ihre stets mehrdeutigen Antworten und will zu verstehen geben,

             - dass er seine Visionen nicht mit eigenen Zusätzen und Deutungen des Geschehens                                   belastet habe, sondern >nur das wiedergebe, was er gesehen habe<,

             - dass seine Texte zwar mehrdeutig formuliert sind, aber jeweils nur einen Sinn haben,

               der zutrifft, VH (10), und ermittelt werden kann, wenn die Voraussetzungen vorliegen.

 

Dass er >nur das wiedergebe, was er gesehen habe<, ist sicherlich falsch, denn wer Bilder,

gleich welcher Herkunft, mit Worten beschreibt, kann gar nicht anders, als sie mit dem schon

vorhandenen Wissen zu beschreiben und sie nach irgendwelchen Kriterien zu beurteilen, d.h.

sie zu deuten.  Wer die Verse erklären will, muss also wissen, dass er es mit gedeuteten Visionen

zu tun hat und dass die Deutungsmuster herauszuarbeiten sind, die dem Seher sein Weltbild

nahelegte.  Zu den Voraussetzungen für eine zutreffende Deutung der Texte gehört dann auch,

dass der Deutende keine eigenen Ideen mitbringt, die er in den Texten wiederfinden will, sondern

nur Hörender ist, der sich allein für das interessiert, was der Visionär eigentlich mitteilen will.

(5) Notwendigkeit der Verdunklung

Aber warum hat es N. der Nachwelt überhaupt so schwer gemacht, warum hat er sich so unklar

und vieldeutig ausgedrückt ?  Er wollte nicht Klartext reden, erstens weil er fürchtete, sich bei welt-lichen und kirchlichen Autoritäten unbeliebt zu machen, wie er in Abschnitt (5) der Vorrede an seinen König Henri II. zu Protokoll gibt.  Das ist begreiflich insofern, als es für das Königshaus der Valois, mit dem er Umgang hatte, nicht viel Angenehmes vorauszusagen gab.  Der herrschende König wird nicht alt, und gleiches gilt für alle noch kommenden Herrscher aus diesem Haus.  Das Land ist ab 1562 in Glaubenskriegen zerrissen, und im Jahr 1589 sterben die Valois auch noch aus.

 

Mehr als die Ungunst der Fürsten fürchtete Nostradamus, bei kirchlichen Autoritäten als Ketzer,

d.h. als Abweichler vom Kirchenglauben verdächtigt und denunziert zu werden.  Das ist damals sehr gefährlich, kann Haft, peinliches Verhör und Scheiterhaufen bedeuten.  Um dem vorzubeugen,

betont er in der erwähnten Vorrede seine Treue zum Glauben und zur römischen Kirche, VH (8),

und sucht die Protektion durch den König und die königliche Familie, VH (46), was ihm in den

letzten Jahren seines Lebens auch gelingt.

 

Um Denunziationen vorzubeugen, drückt er sich aber auch absichtlich unklar aus.  So benutzt er

z.B. den Ausdruck le prelat der Prälat im historischen Vers            (Kap.37) und im noch nicht erfüllten

Vers 6/93 [V], um jeweils einen Papst zu benennen.  Ein Prälat ist der Inhaber der Jurisdiktion einer Ortskirche oder ein anderer hoher Würdenträger der Kirche.  Derer gibt es viele, und so hätte der Verseschmied immer abstreiten können, dass von Päpsten und damit von Vorgängen die Rede sei,

die die ganze katholische Kirche betreffen.

Doch manche Verse, gerade die schon erfüllten, handeln von politischen Ereignissen und betreffen Kirche und Glauben nur mittelbar oder gar nicht.  Hier war es noch aus einem anderen Grund notwendig, die Prophezeiungen zu verdunkeln.  Wenn Vorhersagen die Ergebnisse des Handelns

der Menschen vorwegnehmen, können sie, soweit sie verstanden werden, sich als Eingriff in die Handlungsfreiheit auswirken.  Sie könnten dann geglaubt werden, und es kann sich in der Vorstellung bewusst oder unterbewusst ein Zwang zur Erfüllung festsetzen; die Prophezeiungen erfüllen sich

dann selbst.  Also dürfen Vorhersagen konkreter Ereignisse vorher nicht verstanden werden und

müssen entsprechend nebulös formuliert sein, wenn man sich nicht entschließen kann, sie für sich

zu behalten.

(6) Sinn der Prophetie

Wenn Prophetie schon ein heikles Gebiet ist, stellt sich umso nachdrücklicher die Frage nach

ihrem Sinn.  Eine Antwort gibt Paulus im ersten Korintherbrief, Kap. 14: Die prophetische Rede

sei ein „Zeichen für die Gläubigen“ (Vers 22), und sie diene den Gläubigen „zur Erbauung,

Ermahnung und Tröstung“ (Vers 3).  Aus eigenem Vermögen kennt kein Mensch die Zukunft.

Wenn aber doch einer weissagen kann, muss ihm diese Fähigkeit von Gott verliehen sein. Weissagungen sind also ein Zeichen dafür, dass Gott bei seiner Gemeinde ist und kann so

ihren Glauben stärken.

 

Oft geht es den Propheten darum, vor nahendem Unheil zu warnen und es dadurch womöglich

noch abzuwenden.  Da haben sie allerdings in der heutigen Zeit schlechte Chancen.  Denn man

kann nicht einfach wie Jeremia zu seinem König gehen und ihn warnen.  Denn es gibt keine

Könige mehr;  die herrschenden Mächte sind längst anonym geworden, verbergen sich in der Unaufhaltsamkeit der technologischen Innovationen und in der Zerstörung der Welt durch den immanenten Zwang zu wirtschaftlichem Wachstum, das Reichtum und Armut zugleich schafft.

(7) Wahre und falsche Propheten

Die meisten Propheten behaupten, nicht im eigenen Namen, sondern auf Geheiß Gottes zu

sprechen. Sie sind sich aus dem eigenen Erleben gewiss, nur ein Werkzeug zu sein, dessen sich

Gott bedient.  Auch N. beteuert das in den beiden Vorreden. Wie aber können die Angesproche-

nen, selbst nicht Berufenen entscheiden, ob diese Behauptung zutrifft ?  Woran erkennt man

einen wahren Propheten ?  In der Bibel werden hauptsächlich drei Kriterien genannt: 

1) Es muss deutlich sein, dass der Prophet den Willen Gottes verkündet. 

2) Dem Briefschreiber Johannes zufolge müsste er sich zu Jesus Christus als Gottessohn bekennen. 

3) Es müsste etwas Vorhergesagtes auch schon einmal eingetroffen sein.

(7a) Propheten als Sprachrohr Gottes

Wahre Propheten des alten Bundes verkünden den Willen des Jahwe sich nennenden Gottes,

neben dem man keine anderen Götter haben soll.  Betrügerische Propheten dagegen „betören

euch nur; sie verkünden Visionen, die aus dem eigenen Herzen stammen, nicht aus dem Mund

des Herrn. Immerzu sagen sie denen, die das Wort des Herrn verachten:  Das Heil ist euch sicher;

und jedem, der dem Trieb seines Herzens folgt, versprechen sie:  Kein Unheil kommt über euch (Jeremia Kapitel 23, Vers 16 und 17 [Einheitsübersetzung]).  Falsche Propheten verkünden z.B.

im Namen der Wissenschaft technische Utopien, oder machen den Menschen weis, die Vernunft

sei mehr als nur ein Hilfsmittel, sich in der Welt zurechtzufinden, sondern eine starke Kraft, deren

Einsatz den Menschen befähige, aus eigener Kraft eine gerechte Gesellschaft und Frieden auf

Erden zu schaffen.

 

Bei wahren Propheten wird immer deutlich, dass es die Abwendung von Gott ist, in dem alles

Unheil letztlich wurzelt.  Was sie sagen über das Abweichen des Volkes von dem Weg, den der

Himmel markiert hat, macht er an den drohenden Folgen deutlich.  Seine Voraussagen sind

die Konsequenz aus seiner Diagnose der zunehmenden Entfernung der Menschen von Gott. 

Als Grund künftigen Unheils erkennt N. neben dem Ansehensverlust der Kirche, dessen Gründe

z.T. auch deutlich werden, die Vertreibung der Herrscher, von welcher sich die Völker die Freiheit erhoffen, die sie aber in Wahrheit in die Unfreiheit führe,                 .

 

(7b) Christliches Bekenntnis

„Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in

das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist

nicht von Gott“ (1. Brief des Johannes, Kapitel 4 Vers 3 und 4 [Einheitsübersetzung]).  Für einen

wahren Propheten steht Jesus Christus im Mittelpunkt der Weltgeschichte.  Man wird aber über mögliche Lippenbekenntnisse hinaus darauf lauschen müssen, wes Geistes Kind einer ist, der behauptet, Seher oder Prophet zu sein. Wie sieht es da bei Nostradamus aus?

 

Neben dem Schicksal seines Heimatlandes ist es vor allem das Schicksal der christlichen

Religion, vornehmlich ihrer Behausung in der katholischen Kirche, das ihm am Herzen liegt. 

Das wird schon in den historischen Kapiteln deutlich, besonders in denen über die antiklerikale französische Revolution und den aus ihr hervorgegangenen Napoleon.  Noch deutlicher wird

das in der Vorschau, da hier die Entwicklung so auf die Spitze getrieben erscheint, dass man

es beim ersten Lesen nicht glauben mag.  Dieses mit Bedauern und Erschrecken einhergehende Interesse des provencalischen Visionärs am Ansehensverlust und an den Bedrängnissen des

christlichen Glaubens und der Christen ist für den Schreiber dieser Zeilen der deutlichste und

sicherste Erweis dessen, dass Nostradamus kein falscher Prophet ist.

 

(7c) Gibt es bei Nostradamus erfüllte Prophezeiungen ?

„An der Erfüllung des prophetischen Wortes erkennt man den Propheten, den der Herr wirklich gesandt hat“ (Jeremia Kapitel 28 Vers 9). „Wenn ein Prophet im Namen des Herrn spricht und

sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das nicht der Herr gesprochen

hat. Der Prophet hat sich nur angemaßt, es zu sprechen“ (5. Buch des Mose Kapitel 18 Vers 22 [Einheitsübersetzung]).

 

Gibt es also bei N. erfüllte Prophezeiungen, die klar eingetroffen sind ? In der Vorrede an

Heinrich II. gibt es im                               eine Stelle, wo es im Zusammenhang mit einer „Verfolgung

der Kirche“ heißt, dass man im „Jahr 1792 glauben werde, es gebe eine Erneuerung des Zeitalters“. Nun ist in modernen Zeiten die Rede von neuen Zeiten oder neuen Ären, etwa aufgrund technischer Innovationen, nahezu alltäglich geworden.  Das gilt auch im Bereich von Politik und Ideologie;

fast jeder neue amerikanische Präsident nutzt die Rhethorik des New Age.  Doch zu Zeiten des

Sehers gibt es noch keine Inflation neuer Ären und neuer Zeitalter;  das Zeitalter, das mit der Inkarnation des Gottessohnes einsetzt, beherrscht unangefochten das Terrain;  denn auch die protestantischen Reformchristen seiner Zeit wollen daran nichts ändern.  Wenn N. im Kontext

einer Kirchenverfolgung sagt, dass man an ein neues Zeitalter glauben werde, dann ist klar,

                      - dass ein anderer als der christliche Glaube sich geltend macht und vordrängt

                      - dass die christliche Zeit verlassen werden und ein neues Zeitalter

                        an seine Stelle treten soll.

 

Die erwähnte Stelle in der Vorrede ist deshalb frappierend, weil der aus der Revolution in

Frankreich hervorgegangene Nationalkonvent im Jahr 1793 tatsächlich beschließt, rückwirkend

ab dem 22.9.1792, dem Tag der Abschaffung der Monarchie, eine neue Zeitrechnung einzuführen.

Die Revolutionäre sind antiklerikal motiviert;  man will die christlich geprägte Ära sogar ganz hinter

sich lassen.  Dieser neue Kalender kann sich immerhin zwölf Jahre halten.  Wenn man sich überlegt,

wie selten neue Zeitrechnungen eingeführt werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Zufalls-

treffers hier mit unter einem Prozent, wenn nicht unter einem Promille anzusetzen.

 

Aus einem solchen Einzelbeispiel weitreichende Schlüsse zu ziehen, wäre sicher voreilig. 

Man wird nach weiteren erfüllten Vorhersagen fragen. Im Folgenden werden einmal jene Verse zusammengestellt, die sowohl in den historischen Kapiteln der hier gegebenen Kommentierung

wie auch bei J.-C. Pfändler (Nostradamus, Seine Prophezeiungen, Die Urtexte, Chieming 1996)

in gleicher Weise erklärt werden.  Zugegeben, die Übereinstimmung zweier Kommentatoren

bietet keine Gewähr dafür, dass Deutungen zutreffen - und das wäre nicht anders, wenn man

mehr Autoren hinzunähme.  Denn letztlich ist die Frage nach der Wahrheit in Sachen Prophetie 

- wie in religiösen Fragen überhaupt -  keine für Experten oder für Abstimmungen, sondern kann

nur von einem jedem für sich selbst auf der Grundlage seines Empfindens und seiner Erfahrungen beantwortet werden.  Dennoch mag es von Interesse sein, wenn zwei Kommentatoren, die sich

mit der Materie befasst haben und öfter zu unterschiedlichen als zu gleichen Ergebnissen kommen, manchmal doch übereinstimmen.

Es sind gerade einmal 31 Verse, die im hier gegebenen Kommentar gleich oder fast gleich wie

bei J.-C. Pfändler erklärt werden; das sind 3,1 % von den tausend Versen, auf die man kommt,

wenn man die 58 Sechszeiler zu den 942 Vierzeilern hinzurechnet - also eine kleine Schnittmenge.

Im einzelnen sind es

               - Vers 6/63 im Kapitel 3 über Heinrich II. von Frankreich

               - Vers 10/39 im Kapitel 4 über den Beginn der Religionskriege in Frankreich

               - die Verse            ,            ,             und            im Kapitel 8 über Cromwells Revolution

               - Vers            im Kapitel 9 über Britanniens >glorreiche Revolution<

               - Vers            im Kapitel 10 über Ludwig XIII. und Ludwig XIV.

               - Vers 4/02 im Kapitel 12 über den Krieg um die spanische Erbfolge

               - die Verse 1/44,            und              im Kapitel 15 über die Neuerungen der franz. Revolution

               - die Verse           ,            und 5/33 im Kapitel 16 über den Bürgerkrieg1789ff.

               - die Verse           und 9/77 im Kapitel 17 über das Schicksal des XVI. Louis und seiner Familie

               - die Verse           ,            und 8/57 im Kapitel 19 über Herkunft und Karriere Napoleons

               - die Verse            , 2/99 und 10/34 im Kapitel 24 über den Untergang des Empire

               - Vers              im Kapitel 27 über die Restauration, Ludwig XVIII. und Louis-Philippe

               - Vers              im Kapitel 30 über Kaiser Napoleon III. und den deutsch-franz. Krieg

               - Vers            Kapitel 32 über Hitlers Herkunft und sein Regime

               - Vers           im Kapitel 33 über den spanischen Bürgerkrieg

               - Vers 3/57 im Kapitel 34 über den Ausbruch des zweiten Weltkrieges

               - Vers           im Kapitel 39 über den Holokaust

               - Vers                im Kapitel 40 über die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg

               - Vers           im Kapitel 42 über den Wiederaufstieg des Islam.

Im Vers            erkennt Pfändler zutreffend in der >Hure< die französische Republik;  genau

genommen ist es das französische Volk in republikanischer Verfassung, das sich N. zufolge

von seinem wahren Herrn abwendet und >mit jedem geht, der ihm hohen Lohn verspricht<;

damit ist hier ein Einstieg in die Metaphorik von Ehe und Ehebruch gegeben, die das Glossar

unter "dame" und "mariage" erklärt.

 

In Vers            [VIII], der oben nicht dabei ist, erkennt Pfändler zutreffend im >Fischerboot< die

katholische Kirche;  da haben wir den Einstieg in die Schiffs- und Meeresmetaphorik des

Sehers, die das Glossar unter ---> nef und ---> mer entfaltet.

 

(8) Können die angebotenen Deutungen beanspruchen, wahr zu sein in dem Sinn,

dass sie die von N. erschauten Vorgänge zutreffend wiedergeben?

In der Vorrede an seinen König sagt N., dass seine Texte jeweils "nur einen Sinn und eine

Bedeutung und nichts von zweideutiger und doppelsinniger Berechnung" haben, VH (10). 

Das Gemeinte ist Eines und nicht beliebiges Vieles, teilt uns der Autor mit, der das ja wohl

wissen muss.  Wer der Ansicht ist, es dürfe jeder das Gewünschte aus den Texten heraus-

oder in die Texte hineinlesen, ist demnach im Irrtum.  Wer vermutet, es müsse neben den

vielen Fehldeutungen doch auch eine jeweils zutreffende Deutung geben, darf sich ermuntert

fühlen, auf die Suche zu gehen.

Die Ergebnisse dieser zum Teil aufwendigen Suchvorgänge werden in den Kommentaren zu

des historischen Teils (Datei 3.0) und in der Vorschau (Datei 1.7) ausführlich dargestellt und be-

gründet.  Wo Verse historisch zugeordnet werden, wird hier schon der Anspruch erhoben, dass

die Deutung auf bestimmte geschichtliche Vorgänge jeweils zutrifft.  Dies aber nicht aufgrund

eines vermeintlichen >Expertentums< und einer daraus abgeleiteten >Autorität<, sondern nur aufgrund der sachlichen Darstellungen, die unterfüttert sind mit der kritischen Betrachtung der

manchmal schwierigen Textbasis.  Es werden auch alternative Deutungen dargestellt, und es wird

begründet, warum sie verworfen werden.  Einwände und Zweifel sind also erlaubt und sogar

erwünscht, weil sie die Deutung auch einmal weiterbringen können.

Für die gewonnenen Prognosen kann nicht der Anspruch erhoben werden, dass sie unbedingt eintreffen müssen und kein Zweifel daran erlaubt sei.  Letzteres schon deshalb nicht, weil es für

die Sterblichen wegen ihrer Willensfreiheit >die Zukunft< prinzipiell nicht im Singular gibt,

sondern nur in der Mehrzahl verschiedener möglicher Zukünfte.  Die Perspektive der Ewigkeit

scheint anders auszusehen, so als ob alles schon feststeht, bevor es noch geschehen ist.  Aber das ändert nichts an der zeitlichen Verantwortung der Menschen für die Gestaltung ihrer Welt.

Die Kommentare sollen die Leser/innen befähigen, sich ein begründetes eigenes Urteil

über die prophetischen Texte des Nostradamus zu bilden, nicht mehr und nicht weniger.

In der Folge werden einige Merkmale der Vorgehensweise bei der Deutung besprochen:

     -  Fortschreiten vom Bekannten zum Unbekannten

     - >Archäologische< Rekonstruktion

     - Heranziehung der biblischen Apokalyptik

     - Nutzung des biblischen wie außerbiblischen Fundus an Symbolen, Mythen usw.

(9) Fortschreiten vom Bekannten zum Unbekannten

Im Bild des Auslegens ist enthalten, dass die Deutung von einigermaßen sicherem Terrain,

definiert durch die oben unter (7c) aufgeführten erfüllten Textstellen, fortschreitet zu den noch

freien Stellen, etwa so, wie es der Löser eines Kreuzworträtsels macht.  Nur sind im Kreuzwort-

rätsel die Wörter zweidimensional durch Buchstaben, in den Texten des N. dagegen vieldimen-

sional durch ihre Bedeutungen verknüpft.

           Beispiel: Im Kommentar zu Vers              (Kap.9) heißt das britische Königreich von 1689 „Reich des                               Gleichgewichts“ (regne de balance), weil durch eine Verfassungsänderung ein Ausgleich zwischen                               Königs- und Parlamentsherrschaft zustande kommt.  Die Herrschaft ist in Britannien fortan gleicher-                             maßen >von oben<, durch den Monarchen von Gottes Gnaden, wie auch >von unten<, d.h. durch

           ein von Menschen bestelltes Parlament legitimiert.  Darauf gestützt, kann der Begriff der „Waage“                               (Libra), den N. im gleichen Sinn wie die balance benutzt, in Vers             (Kap.41) als Allgemeinbegriff

           für die konstitutionelle Monarchie gedeutet werden, die den Fürsten von Gottes Gnaden an eine

           von Menschen gemachte Verfassung bindet und sich im 19. Jahrhundert durchsetzt.

 

Auf dieser Basis wird „Libra“ in Vers             [II] zum Kennzeichen einer globalen Ordnung, die nach

dem Kataklysmus entsteht. Sie wird beanspruchen, das Gottesreich auf Erden zu verwirklichen,

sich aber auch eine Legitimation durch die Menschen, d.h. durch Wahlen verschaffen,            [III].

(10) Zusammensetzung eines Puzzles

Die Verteilung der Visionen auf eine riesige Zahl von Versen entspricht einer in tausend Teile zerborstenen antiken Vase, die erst mühsam wieder zusammengesetzt werden muss, wenn ihre

einstige Gestalt wiedererstehen soll.  Es werden die auf der Außenseite eingebrannten Fragmente

von bildlichen Darstellungen sein, die dabei entscheidende Hinweise geben.  Wer einmal ein

Puzzle zusammengesetzt hat, weiß, was gemeint ist.

Im Fall der Zenturien muss zunächst das Wortmaterial aufgenommen werden, ob nun auf dem

PC oder herkömmlich mit einem Zettelkasten.  Dann beginnt man mit Übersichten zu einzelnen Wörtern, z.B. werden alle Textpassagen zum Wort sang Blut zusammengestellt.  Dann geht es

weiter mit Übersichten inhaltlich verwandter Wörter, z.B. cave/ cercueil/ sepulchre/ tombe/

tombeau Keller/ Höhle/ Sarg/ Grab/ Grabmal. Weiter werden Konkordanzen zu Themen ange-

fertigt, z.B. alle Verse nebeneinander gestellt und verglichen, die das Thema Verlobung, Heirat

und Ehe berühren.  So kann man in die Bedeutungsschichten der Texte eindringen.  Das Ergeb-

nis ist dann ein Verzeichnis der möglichen Bedeutungen, welche die Schlüsselbegriffe in den Centurien annehmen können, ein Glossar (1.2).

 

(11) Biblische Apokalyptik als Bezugsrahmen

Woher aber sollte man wissen, was aus dem Sprachmaterial der Verse entstehen soll?  Was

entspricht in diesem Fall den Darstellungen auf der Oberfläche der zerbrochenen Vase, woher

das Bild nehmen, das die richtig zusammengesetzten Puzzleteile ergeben?  Genau genommen

ist es logisch nicht möglich, ein Puzzle zusammenzusetzen, dessen Bild nicht vorgegeben ist,

sondern erst während des Zusammensetzens entsteht.  Das wäre so, als wollte man sich selbst

aus einem Sumpf ziehen.  Da ist dann auch die Gefahr nicht weit, bei sich selbst, in der eigenen

Seele nach Motiven oder Lieblingsideen zu suchen, die man gern wiederfinden würde.  Ganz

ohne eine  v o r der Deutung schon vorhandene Skizze kommt man also nicht aus.

N. ist der Ansicht, dass ihm seine Einblicke vom Heiligen Geist eingegeben wurden, dass er

also wie die biblischen Propheten vom Heiligen Geist inspiriert wurde,                 .  Daher ist

es nicht abwegig, bei der Deutung der Zenturien vorauszusetzen, dass sich dort Motive der

biblischen Apokalyptik wiederfinden müssten.  Dazu zählen

  1) das Kommen des Widersachers Christi (= des Antichristen), 2 Thess 2,3

  2) das Auftreten falscher Christusse und falscher Propheten, Mt 24, 23-26

  3) die Verfolgung der Anhänger Christi, Mt 24,9

  4) die Wiederkunft Christi, Mt 24, 27-30

  5) das Ende der alten Erde und der Anfang einer neuen Erde, Mt 24,14; Offb 21,1.

Die Deutungsarbeit bestätigt, dass sich die ersten drei der aufgezählten Motive bei N. wieder-

finden, namentlich die Erscheinung des Antichristen.  Der Widersacher heißt so, weil er die Gottessohnschaft Jesu abstreitet, 1 Joh 2,22, und sich als Mensch der Gesetzlosigkeit erweist,

indem er sich gegen Gott auflehnt, 2 Thess 2,3.  Nostradamus hat drei große, nacheinander

auftretende Herrscher gesehen, die er als Antichristen einstuft.  Zwei von ihnen sind schon

erschienen, und nur der letzte steht noch aus,            [VIII].

 

Von der apokalyptischen Texten der Bibel abgesehen, wird es hier aber durchgängig vermieden,

die Aufzeichnungen anderer Paragnosten (Hellseher) für die Deutung der Zenturien heranzuziehen.

Es gibt in der Literatur schon genügend >Gemischtwarenläden<, hier wird kein weiterer eröffnet. 

Auf der anderen Seite soll nicht verschwiegen werden, dass die Kenntnis modernerer, später aufgetretener Propheten die Deutung der Zenturien erleichtert hat.  

Hier sind zu nennen

  - Jakob Lorber (* 1800, gest. 1864), der ein umfangreiches Werk hinterlassen hat,

  - und Bertha Dudde (*1891, gest. 1965), deren Kundgaben schriftlich vorliegen und

    abrufbar sind unter www.bertha-dudde.info

Im Unterschied zu Nostradamus haben diese beiden Inspirierten aber Worteingebungen

erhalten, während der Franzose (nur) ein Visionär war, was er in der Vorrede an seinen König

auch offen so kommuniziert,                .

(12) Schöpferische Metaphorik

Die verhüllten Enthüllungen der Bibel von der Wiederkunft Christi und der Erscheinung der Antichristen sind zentral, würden aber für das Verständnis der Zenturien nicht ausreichen. 

Zu Lebzeiten des Sehers hat das Abendland herbstlich bunte Farben angenommen, und so

lieben es die Gebildeten damals, virtuos auf der Klaviatur der ererbten Symbole zu spielen.

N. hat seine Verse mit Anspielungen auf Gestalten des antiken Mythos und der Geschichte,

mit Symbolen und Allegorien reich gespickt.  In manchen Passagen verdichtet sich sein Stil

zu einer Symbol-Algebra, die dem Leser einiges abverlangt, z.B. in den Versen 4/28 bis 4/30.

Es gilt dann herauszufinden, welches Merkmal des metaphorisch benutzten alten Namens

es jeweils ist, auf das angespielt wird.  Anders gesagt, die Hinsicht des Vergleichs (das tertium comparationis) ist zu ermitteln aus den Zusammenhängen, in denen die Metapher an ihren

Fundstellen jeweils steht.

            Beispiel: Der mehrfach vorkommende Merkur war Sohn des höchsten Gottes, Bote der

            Götter, Gott der Herden und Hirten, schützte die Reisenden und noch einiges mehr.

            Die Aussagen des Verses             [X] lassen im Kontext erkennen, dass dieser alte Götter-

            name dem Seher als Deckname für Jesus Christus dient.

 

N. hat es nicht bei der Benutzung bekannter Symbole und Metaphern belassen, sondern hat,

wohl auch aus Freude an der Verdunklung, gelegentlich selbst neue Symbole erschaffen.  So

kann z.B. die >toskanische Sprache< im Verskontext zur Metapher für die Rede derer werden,

sich für die Einigung Italiens einsetzen,             (Kap.29), weil im Zuge dieser Einigung die mittel-italienische Mundart, das gesprochene Florentinisch, als hochitalienische Schriftsprache ver-

bindlich wird.  

 

Auch geographische Namen von Städten, Flüssen und Ländern schienen N. geeignet, sie mit

einer symbolischen Bedeutung aufzuladen.  So ist z.B. Frankfurt der Ort, an dem seit dem 12. Jahrhundert die Kaiser gewählt werden; daher kann >Frankfurt< allegorisch für diese Institution

des Reichs, für den Kaiser also stehen.  Frankreich ist das Land der Revolution, an die sich große Hoffnungen auf eine bessere Zukunft knüpfen;  so wird >Frankreich< im Sechszeiler 48 zum Ort

der großen, leeren Heilsversprechen.  Weitere Beispiele finden sich in                      .

(13) Willkür statt Methode ?

Man kann gegen die hier gewählte Vorgehensweise bei der Deutung der Centurien einwenden, es werde aus den verschiedenen Übersetzungs- und Deutungsmöglichkeiten willkürlich ausgewählt.

Ein methodisches Vorgehen, das diesen Namen verdiene, sei nicht erkennbar, eine Überprüfung

der Ergebnisse daher unmöglich. Nur die Willkür habe Methode, indem schon bei der Übersetzung alles so hingebogen werde, dass es zur dann vorgeschlagenen Deutung passe.

 

Aber der Vorwurf der Willkür bei der Übersetzung ist unberechtigt.  Der Rahmen der möglichen Wortbedeutungen wird nicht verlassen, die bevorzugte Möglichkeit in besonders schwierigen

Fällen en detail abgeleitet.  Von willkürlichem Zurechtbiegen könnte man ja nur sprechen, wenn lexikalisch nicht nachweisbare Wortbedeutungen ohne nähere Begründung gewählt würden. 

Wer die Übersetzung überprüfen will, kann sich dazu auch auf den Anmerkungsapparat stützen,

der jeweils anschließend gebracht wird und sich davon überzeugen, dass hier keine Willkür waltet.

 

Die gefundenen Deutungen wurden weder methodisch noch willkürlich gewonnen.  N. schrieb aus seiner Erkenntnis der wirkenden Ideen sowie aus der Anschauung des Wesens und Beweggrundes

der Akteure.  Die Deutung entsteht aus dem Nachvollzug der auf das Gefüge des Ganzen gehenden Schau.  Sie gründet im Sich-Einlassen auf die Visionen und deren Deutung durch den Seher vor dem Hintergrund seines christlich geprägten Weltbildes.  Das Kriterium für die Güte einer Deutung ist

ihre Schlüssigkeit im Gesamtkontext der Vorschau und ihre Übereinstimmung mit den Werturteilen

und Anschauungen des Sehers, wie sie in der Vorrede an Heinrich II. und in den historischen Kapiteln herausgearbeitet werden.

(14) Einwand: Einseitigkeit der Deutung

Die vorliegende Deutung sei ganz einseitig auf den Bereich der Religion und des Glaubens ausgerichtet.  Bei einem so vielseitig interessierten und gebildeten Mann wie Nostradamus sei

es unwahrscheinlich, dass er von wenigen Gegenständen wie vom Schicksal der katholischen

Kirche oder von drei großen Herrschern, die nacheinander auftreten und von ihm als antichristlich erkannt werden,            [VIII], in so vielen Versen unter so vielen Decknamen und Verschleierungen

handle, wie es die hier gegebene Deutung nahelegen will.

Auch dieser Einwand geht fehl.  Bei einem wirklich von Gott berufenen Seher oder Propheten wird immer auch und gerade das religiöse Motiv und seine Perspektive erkennbar sein.  So wird man Nostradamus das Recht einräumen müssen, mit besonderer Anteilnahme das Schicksal seiner Kirche und der Bedrängnisse, in die sie geraten würde, zu verfolgen.  Man wird ihm auch nicht verwehren können, besonderes Interesse an einem Mann zu nehmen, der auf die Menschen eine starke Faszination ausüben wird, weil das Böse überall und allzeit eine Faszination ausübt, wenn es sich

als Heilsbringer getarnt aus der Deckung traut und dabei von seiner reichhaltigen Garderobe

Gebrauch macht.

(15) Aber ist N. nicht ein Feind der Kirche, wenn er ihr den Untergang prophezeit ?

Da Nostradamus beanspruchte, im Namen des Gottes der Christen zu weissagen, können sich

die Kirchen als zuständig für seine Prophetie betrachten.  Die katholische Kirche hat die Centurien

im Jahr 1781, acht Jahre vor der französischen Revolution, auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.  Die Indizierungen wurden für die Öffentlichkeit fast nie begründet, aber die in dem

Verbot enthaltene Aussage der kirchlichen Autorität war, dass Nostradamus ein Scharlatan oder

ein falscher Prophet sei.  Der genannte Index ist aber nun seit März 1967 außer Kraft gesetzt.   

Einen formellen Verstoß gegen den Kirchengehorsam bildet die Beschäftigung mit seinen

Schriften also nicht mehr.

 

Man könnte allerdings meinen, die Tendenz seiner Prophetie sei kirchenfeindlich, da er, wie aus

der hier gegebenen Vorschau klar ersichtlich, den Kirchen den Untergang prophezeit.  Aber bei näherem Hinsehen erweist sich diese Meinung als falsch.  Denn N. spricht vom Untergang der

Kirchen nicht im Ton des Triumphes, sondern mit warnendem Gestus und mit Erschrecken, deutlich

z.B. in Vers               [XI].  Dennoch - mögen Kleriker einwenden - verunsichere er die Menschen mit

seiner düsteren Prophetie in ohnehin schon unsicheren Zeiten.  Da suchten die Menschen Halt

und Trost auch und gerade bei der Kirche und müssten ihn dort auch finden.

 

Dagegen ist nichts zu sagen, es setzt aber voraus, dass die Kirchen weiter bestehen.  Es fragt sich

dann, ob es möglich ist, den Untergang dadurch zu vermeiden, dass man davon nichts wissen will. 

Das Verbot der Centurien hat die Niederlagen der Kirche in den Jahren 1789ff. nicht verhindern können.  Man kann auch die Möglichkeit des Untergangs gänzlich verneinen, z.B. weil Gott das nicht zulassen werde oder weil es die Kirchen schon so lange gebe.  Aber was Gott zulässt und warum, übersehen wir nicht und müssen es ihm überlassen.  Und beim hohen Alter denke man an sehr alte Bäume, die dennoch irgendwann sterben müssen, damit neues Leben an ihrer Stelle wachsen kann.  Außerdem gibt es keine Auferstehung ohne vorherigen Tod.  Nicht, dass der Untergang von

vornherein die Wahrheit auf seiner Seite habe und unfehlbar eintreten müsse, wird hier behauptet.

Aber wenn durch das gewachsene Ansehen der Kirchen nach Krieg und Kataklysmus die alte

Warnung überhört wird von den Oberen des Klerus, kann sich gerade deshalb die alte Weissagung erfüllen.  Nicht die Warner sind in Wahrheit die Gegner der Kirche, sondern jene Kleriker, die sich verlocken lassen, teilnehmen zu wollen an der Errichtung des Gottesreichs auf Erden.

(16) Erfüllen Prophezeiungen sich selbst ?

Die Vorschau ist in neun Rubriken aufgeteilt, während die bereits erfüllten Verse sich auf 43

Kapitel verteilen.  Daran wird schon deutlich, dass in der Vorschau nur einige Grundinien der Entwicklung aufgezeigt werden.  Es wird kein >Geschichtsbuch ex ante<, also keine Vorschau

mit Angabe von Ort und Zeit einzelner Ereignisse geboten. Wer das bieten könnte, dürfte es

nicht tun, denn er würde die Freiheit der Menschen beschädigen.  Es würden Ereignisse eintreten,

weil sie vorhergesagt sind und der Vorhersage Glauben geschenkt wird.  Vorhersagen von Untaten könnten Übeltätern dazu dienen, ihre Untaten damit zu >rechtfertigen<, dass sie von Gott oder

der Vorsehung gebilligt seien.  Alles das kann nicht Sinn und Zweck von Weissagungen sein.

 

Wie die historischen Kapitel zeigen, erfasst N. wesentliche Züge des Geschehens, die auch in

der Geschichtsbetrachtung der Nachgeborenen als wesentlich erachtet werden.  Als Beispiel

sei der fundamentale Wandel in der Beurteilung Hitlers durch die deutschen Zeitgenossen

genannt, der einmal sehr prägnant formuliert ist,            Vz 4.  Die Vorgänge werden summarisch umrissen, und nur gelegentlich kommen echte Details zum Vorschein wie in Vers            Vz 3, der

vom Attentat auf Hitler am 20.7.1944 handelt.  Solche Details sind aber vor Eintreten der Ereig-

nisse kaum verständlich.

Die Vorschau umreißt das Geschehen nur in den wesentlichsten Zügen. Vereinzelte Details

findet nur, wer sich mit den Übersichten der Vorschau-Kapitel nicht zufriedengibt und in die kommentierten Texte selbst einsteigt. Bei den bevorstehenden kriegerischen Ereignissen

gibt es solche Details nicht, und wenn es sie gäbe, wären sie nicht aufgenommen worden. 

Was die Naturereignisse angeht, so konnten auch sie aufgenommen werden, weil der Vorwurf,

dass die Prophezeiungen sich selbst erfüllen, bei ihnen ins Leere geht.  Denn es ist nicht zu

befürchten, dass ein irregulärer Himmelskörper in die Nähe der Erde kommt, weil er irgendwem

etwas geglaubt hat.  Seine Ankündigung durch Seher und Propheten ist ein klares Argument für

seine zutreffende Beurteilung als Eingriff des Schöpfers in das irdische Geschehen, das den

Menschen völlig aus dem Ruder läuft.  Drauf und dran, die Welt unbewohnbar zu machen, wird

dem Menschen dies doch verwehrt.

(17) Welche Leser Nostradamus vertreiben wollte

Dass mit seinen Weissagungen auch Unfug getrieben uns Schaden angerichtet werden kann,

wusste N. nur zu gut, weil er selbst dieser Gefahr ausgesetzt war, wie später jeder, der sich mit seinen Texten beschäftigt.  Daher findet sich bei ihm folgender Bannspruch (am Ende der 6. Zenturie):

                     Legis cantio contra ineptos criticos

                     Qui legent hosce versus, mature censunto

                     Profanum vulgus et inscium ne attrectato:

                     Omnesque Astrologes, Blenni, Barbari procul sunto,

                     Qui aliter facit, is rite sacer esto.

 

                    Des Gesetzes Bann gegen törichte Kritiker

                    Wer diese Verse liest, prüfe sie reiflich.

                    Heilloses und unwissendes Volk möge wegbleiben.

                    Alle Astrologen, Dummköpfe, Barbaren sollen sich fernhalten.

                    Wer das nicht beachtet, sei regelrecht verflucht.

Lat. cantio bedeutet eigentlich Zauberspruch, und „das Gesetz“ ist mittellateinisch das Alte

Testament. In der Haltung dessen, der Gottes Gesetz vertritt, wie ein biblischer Prophet will N.

hier „törichte Kritiker“ verscheuchen, zu denen auch „unwissendes Volk“ gehört.  Vom hoch-

fahrenden Gestus abgesehen, wird man ihm da recht geben müssen.  Ohne Geschichts- und Sprachkenntnisse hat man keine Chance.  Dann geht es gegen die „Barbaren“.  So nennt N. all

jene >heillosen Ungläubigen<, die sich nicht zum katholischen Glauben und zur römischen Kirche bekennen.  Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche wird aber wohl niemandem helfen, aus den Zenturien einen Nutzen zu ziehen.  Es werden auch Menschen, die an Christus nicht glauben,

die vorliegende Deutung verstehen können.  Ob sie aber jemandem hilft, kann nur jeder selbst beurteilen, sei er nun >katholisch oder ungläubig<.

 

Fernhalten sollen sich laut N. auch Astrologen, die als besondere Erscheinungsform der Dumm-

köpfe und Barbaren verwundern mögen, da N. selbst auch astrologisch tätig war. Allerdings hat

er seine astrologische Tätigkeit mit seiner Sehergabe und deren schriftlichen Niederschlag nicht vermengt,                Anmerkung 4.  Er kann also nur die unfähigen oder betrügerischen Vertreter

dieses Berufsstandes gemeint haben. Daher braucht sich niemand angesprochen zu fühlen.  

Und die Verfluchung, die er am Schluss ausspricht, erscheint als hilflose Drohung angesichts der Wehrlosigkeit nach dem Tod.  Ein Fluch von Menschen kann nur Abergläubische einschüchtern.

(18)  Sind die Zenturien wirklich so aktuell, wie hier behauptet ?

Einer Stelle in der Vorrede an César N. zufolge reichen die Weissagungen „von jetzt [1555] an

bis zum Jahr 3797“.  Wenn damit die christliche Zeitrechnung gemeint ist, würden sich die

Zenturien auf einen Zeitraum von 2242 Jahren beziehen.  Es scheint, dass dem Seher auch

Einblicke in eine fernere Zukunft gewährt worden sind.  Doch andernorts heißt es, dass nach 500

Jahren, also im Jahr 2055, „plötzlich große Klarheit“ über seine Texte herrschen werde,           . 

B i s h e r herrschte Klarheit über die Verse frühestens dann, wenn sie in Erfüllung gegangen

waren.  Nimmt man an, dass sich das nicht ändern werde, müsste der größte Teil der Verse bis

2055 erfüllt sein, denn sonst würde es die angesagte „große Klarheit“ dann nicht geben können.

Die Jahrzehnte und Jahrhunderte werden von N. ja nicht gleichmäßig bedacht.  So sind z.B.

dem Vierteljahrhundert von der französischen Revolution bis zur Abdankung Napoleons mehr

Verse gewidmet als ruhigeren Zeiten.  Ein großer Teil der Verse kann also von Ereignissen handeln,

die sich auf wenige Jahrzehnte zusammendrängen.  N. interessiert sich für das Ende der gewor-

denen Formen auf politischem und religiösen Gebiet und ist daher zu Recht als Untergangs-

prophet bekannt geworden.

Seine Texte sind vereinbar mit der biblischen Prophetie, die in der Offenbarung des Johannes

Kapitel 21 das Ende der alten Erde und eine neue Erde ankündigt.  Das Ende der alten Erde

fällt demnach in die Zeit bis 2055.

Innerhalb der 266 Jahre des hauptsächlichen Vorhersagezeitraums von 1789 bis 2055 gibt es

drei große Cluster von Texten, die sich wie Sternhaufen um drei große antichristliche Herrscher gruppieren (---> Antechrist).  Der erste der drei ist in Nostradamus' Schau Napoleon, der aus

einer antiklerikalen Revolution hervorgeht und das alte christliche Kaisertum zerstört (histori-

sche Kapitel 19 bis 26).

Der zweite Weltkrieg ist in N.s Schau der Krieg des zweiten großen Antichristen.  Deshalb

kommt dieser Krieg ausführlich vor in den Centurien (historische Kapitel 32 bis 39).  Hitlers

auf Landraub und Völkermord abzielender Krieg verstößt offensichtlich diametral gegen das

Gebot der Nächstenliebe der Tora und der Evangelien.  Nur in seiner ersten Zeit beteuert er

noch seinen Friedenswillen und tarnt so sein unchristliches Projekt.  Dabei kommt ihm die

Bereitschaft der katholischen Kirche entgegen, mit den faschistischen Regimen in Italien

und Deutschland Verträge zu schließen.

Eine dritte große Gruppe von Texten ist der Erscheinung des dritten großen Antichristen im

„siebten Jahrtausend“ gewidmet, der Zeit vom Kataklysmus bis zum Ende der alten Erde,

             , in der „ein Anderer seine Alleinherrschaft errichtet“,            .  Näheres über diesen

Alleinherrscher und seine Zeit findet sich unter 1.7 Vorschau.

Wer dagegen die Erfüllung der Verse auf ferne Zeiten verschieben will, nimmt der Prophetie

die Dringlichkeit, die sie heute hat, und macht aus ihnen ein unverbindliches Rätsel, eine

Spielwiese für wertlose Spekulationen.  Er reiht sich damit ein in die Front derer, die die Wahr-

heit der Zerstörung der alten Erde abwehren und damit den falschen Propheten das Feld

überlassen, die den Menschen versprechen, sie seien nun bald reif, das Himmelreich auf

Erden zu errichten.  Wer vom Untergang spricht, wird schnell verdächtigt, seine >Panikmache<

trage selbst dazu bei, dass die Menschen das Vertrauen in die Entwicklung verlören und so

der Boden für katastrophale Ereignisse bereitet werde.  Aber das ist ein Argument der Börsen-spekulanten und aller verwandten Seelen, die an sich selbst, aber nicht an der Wahrheit inter-

essiert sind und sich daher von Prophetie fernhalten sollten, weil diese nicht für sie gemacht ist.

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(19) Textausgaben und Sekundärliteratur

Bonhomme (1555)              Textausgabe bei Macé Bonhomme, Lyon 1555 (umfasst Verse 1/1 bis                                                          4/53), reproduziert durch Michel Chomarat, Lyon 1983.  Diese älteste                                                          Ausgabe wird hier verwendet, soweit sie reicht.

​​

du Rosne (1557)                  Textausgabe bei Antoine du Rosne, Lyon 1557 (umfasst Verse 1/1 bis 7/40),

                                              online bei bvh.univ-tours.fr

​​

P. Rigaud (1558)                  Textausgabe bei Pierre Rigaud, Lyon 1558 - 1566, abgedruckt bei

                                              Pelletier, Anatole, Les oracles de Michel de Nostredame (1867),

                                              Nachdruck publiziert von Wentworth Press (support.cretivemedia.io)

                                              online: reader.digitale-sammlungen.de (Münchner Digitalisierungs-

                                              zentrum der Bayrischen Staatsbibliothek)

​​

B. Rigaud (1568)                  Die erste posthume Textausgabe bei Benoist Rigaud, Lyon 1568.

                                              online unter https://www.propheties.it/booksfrom1568to1599.htm

                                              Diese Ausgabe von 1568 wird hier ab Vers 4/54 fast durchgehend                                                                verwendet, 1) weil die ältere Ausgabe von P. Rigaud (1558) viele                                                                  Abschreibfehler aufweist und weil sie 2) dem größten Teil der                                                                      Sekundärliteratur zugrunde liegt.  Die älteren Ausgaben werden

                                              nur vergleichsweise herangezogen, wenn das zur Erhellung des

                                              Textes beiträgt.

​​

P. Chevillot (1611)                Textausgabe bei Pierre Chevillot, Troyes 1611, Reproduction Nice 1981

 

​​

 

Es gibt unübersehbar viele Seiten im Internet und Sekundärliteratur zu Nostradamus.  Fast nichts davon kann empfohlen werden.  Ausnahmen sind

       -  Allgeier, Kurt, Die Prophezeiungen des Nostradamus, Erstmals vollständig übersetzt,                            kommentiert und neu gedeutet, Heyne Verlag, München 1988.  Allgeier übersetzt die beiden                Vorreden sowie die Vierzeiler komplett, sammelt und prüft in der Literatur angebotene                          Deutungen und fügt eigene Deutungen hinzu.  Muss kritisch gelesen werden, ist aber als

          erster Einstieg geeignet und antiquarisch günstig zu bekommen, z.B. unter www.zvab.com.

       -  Carius, Christoph, Nostradamus Band 1, Erfüllte Prophezeiungen, Nostradamus Band 2,

           Vom Schicksal der christlichen Religion, Endymion Verlag 2000 (Band 1) und 2002 (Band 2).                     Diese Bücher sind vom selben Autor wie der hier angebotene Kommentar.  Die eigenwillige                 Anordnung der Texte und der Preis erschweren den Zugang.  Vieles ist nicht mehr auf dem                     neuesten Stand.

       -  Pfändler, Jean-Claude, Seine Prophezeiungen, Die Urtexte, neu übersetzt und kommentiert,                 Laredo Verlag, Chieming 1996. Pfändler bietet einen zuverlässigen Text, eine möglichst                           wörtliche Übertragung und vorsichtige, von Spekulationen sich fernhaltende Kommentare. 

           Auf ein breites, solides Fundament kann man bauen, aber man kann noch nicht darin wohnen.               Dem Forschenden wird viel geboten;  wer mit Prognosen bedient werden möchte, geht                         praktisch leer aus.

       -  Pfändler, Jean-Claude, Der missverstandene Nostradamus, Populäre Irrtümer über die                         berühmtesten Prophezeiungen der Welt, Laredo Verlag, Chieming 1999.  Der Autor will                         aufklären und sieht Vieles ganz richtig.  Manche Einzelfrage wird anders beurteilt als hier; 

           das schmale Bändchen kann daher Lesern empfohlen werden, die in die Problematik der                       Deutung einsteigen und sich eigene Urteile bilden wollen.

       -  Ross, Scarlett, Nostradamus for Dummies, Hoboken 2005.  Eine gelungene Einführung in das               Denken und den geschichtlichen Hintergrund des Sehers.  Die Autorin nimmt den Leser wie                 eine professionelle Lehrerin an die Hand und erklärt an vielen Beispielen, wie man einen                         Zugang zu den Versen finden kann.  Zum Schluss ein sehr nützliches Kapitel mit Tipps, worauf               man achten sollte, um „quality resources“ zu unterscheiden von den vielen weniger wertvollen             Büchern und Netzbeiträgen zum Thema Nostradamus.

       -  Scheck, Frank Rainer, Nostradamus, dtv 1999.  Scheck stellt die Centurien in den historischen               Kontext der Entstehungszeit - einer Zeit des Umbruchs und des Zerfalls der alten religiösen

           und weltanschaulichen Gewissheiten.  Er bietet ein detailreiches, lebendiges Bild der                             Persönlichkeit des Sehers, seines Lebens und seiner Zeit.  Er glaubt nicht an die prophetische               Begabung des Nostradamus, sondern hält die Centurien für eine ungewöhnliche Form der                   Bewältigung von Ängsten und Aggressionen, die aus der Infragestellung des alten Glaubens                 durch das Aufkommen des Protestantismus im 16. Jahrhundert resultieren.

(20) Zeichenerklärungen

Mit der in Klammern gesetzten Jahreszahl am Ende des Verstextes wird die Herkunft des Textes

aus der Ausgabe von Macé Bonhomme (1555) oder der Ausgabe von Benoist Rigaud (1568) bezeichnet.   Mit einem in Klammern gesetzten Ausrufezeichen (!) wird eine bedeutsame Abweichung dieses Urtextes von späteren Ausgaben kenntlich gemacht.

---> mont Querverweis auf einen Artikel im Glossar

 

Die historisch eingestuften Verse sind unter 2.0  "Die Vierzeiler" grün unterlegt und werden unter

3.0 "Die historischen Kapitel" ausführlicher erklärt.

 

Die unter 2.0 "Die Vierzeiler" blau eingerahmten Verse handeln von Ereignissen, die noch in der

Zukunft liegen und werden unter 1.7 Vorschau ausführlicher erläutert.

 

„raubt“                               So werden wörtliche Zitate kenntlich gemacht.

>Hochzeit<                        so gekennzeichnete Wörter sind nicht wörtlich zu verstehen, sondern

>große Heldentat<           a) sinnbildlich oder b) ironisch-sarkastisch oder enthalten

>Sonne verdunkelt<          c) Wertungen oder Urteile, die der Kommentator nicht teilt

             Herausragende Beispiele für Wertungen und Anschauungen, die der Kommentator nicht teilt,

             finden sich in der Vorschau.  Dort ist von einem >wiedergekommenen Heiland< die Rede, eine                               Bezeichnung, die die Anschauung und Wertung der Zeitgenossen reflektiert.  In diesem Mann

             erkennt N. den nach Napoleon und Hitler dritten Antichristen (---> Antechrist); der Kommentator                           übernimmt diese Einschätzung und muss daher zur Wertung der Zeitgenossen auf Distanz gehen.                           Gleiches gilt für die >Weltfriedensordnung<, die die Zeitgenossen nach dem Kataklysmus

             errichten wollen, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, dass ein wirklicher Frieden nicht

             politisch erzwungen werden kann, sondern Menschen voraussetzt, die ihren Frieden mit Gott

             gemacht haben.  Diese scheinbare Friedensordnung erweist sich am Ende als instabil, weil sie offen

             totalitär wird, die alten Religionen verbietet und sich damit als Friedensordnung disqualifiziert.

50-100-Gruppe      Das sind alle Verse mit den gleichen Endnummern im Abstand von 50 oder

                                100 Versen.  Die Gruppe 15 - 65 enthält z. B. die Verse 1/15, 1/65, 2/15, 2/65,                                            3/15, 3/65, 4/15, 4/65, 5/15, 5/65, 6/15, 6/65, 7/15, 8/15, 8/65, 9/15, 9/65, 10/15                                        10/65.  In diesen Gruppen ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Verse in den                                        gleichen inhaltlichen Kontext gehören.  Wenn Verse dieser Gruppen in den                                            gleichen Kontext gehören oder gehören könnten, wird darauf in der Datei                                              „2.0 Die Vierzeiler“ jeweils in der Spalte links neben den Kommentaren                                                    hingewiesen.

Beispiele                    1) Den Versen 2/37, 3/37 und 4/37 ist gemeinsam, dass sie von der Belagerung Mantuas                                            durch französische Truppen unter General Bonaparte in den Jahren 1796/97 handeln.

                                    2) Die Verse 1/7, 1/57 und 10/57 handeln von der Guillotine, die 1793/94 nacheinander

                                    den König von Frankreich, 1/57, dann die Königin, 1/7, und noch viele Andere tötet

                                    durch die Umtriebe eines grausamen Herrschers, 10/57.

​                                    3) Die Verse 1/15, 2/15, 2/65, 3/65, 5/15, 5/65 und 10/65 handeln alle vom Schicksal des

                                    christlichen Glaubens , besonders seiner Behausung in der katholischen Kirche.

Die Angaben zu Positionen der Wandelsterne (Planeten) wurden ermittelt mit dem lizenzierten Programm Horoskop 5.0.16.14 (Copyright Döbereiner & Bertrand GbR 2013).  Für den Zeitraum

1900 bis 2050 wurden sie zusätzlich überprüft durch die als Buch vorliegenden Ephemeriden (Gestirnstandstabellen), herausgegeben vom Maison Rosicrucienne, Aubenas, France, 1987. 

Diese Ephemeriden beruhen auf Daten des United States Naval Observatory.

Hinweis:  Die Datei 2.0 "Die Vierzeiler" kann auch mit Open Office als Tabellendokument geöffnet werden.

Die Darstellung am Bildschirm ist besser als mit Microsoft Works.

1.3  Die Exkurse

 

(1) Die Adlerperspektive  -  Überschau und Nahsicht​​

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exkurs (1) Die Adlerperspektive  -  Überschau und Nahsicht

Die natürlichen Augen des Nostradamus waren vermutlich nicht anders beschaffen als

die aller Menschen.  Anders die Augen seiner Seele, die in die Weiten des europäischen

Raumes und in die Fernen der kommenden 500 Jahre schauten,            .  Sie erfassten manche

großen Linien der Entwicklung, z.B. den etappenweisen Niedergang des absoluten König-

tums als akzeptierter Staatsform, das "Verlassen der ersten Wege",                 , das sich in

den Jahren ab 1789 beschleunigt.  Vielfach beschrieben (in den historischen Kapiteln 1,

15, 29 und 39) wird der Niedergang der weltlichen Macht der katholischen Kirche, der sein

letztes Stadium noch nicht erreicht hat.  In den Auseinandersetzungen des christlichen

Abendlandes mit dem islamisch geprägten Orient erkennt er eine Konstante während

der ganzen 500 Jahre mit einem wellenförmigen Auf und Ab,              .

Unterhalb dieser großen, Jahrhunderte durchziehenden Linien beobachtet er Entwicklungen,

die Jahrzehnte ausfüllen.  Da ist die Zeit von 1642 bis 1689 in England, deren Ergebnis eine

konstitutionelle Monarchie ist,            Vz 4.  Diese Verfassungsänderung werde einen verderb-

lichen Einfluss auf Frankreich ausüben,             Vz 3/4.  Die Zeit von 1789 bis 1815 bildet dann

einen weiteren Schwerpunkt in den Centurien.

Wenn man sehen wird, dass der Islam "schwach werde",             Vz 1, werde anschließend

"ein noch viel verführerisches Gesetz kommen", 3/95 Vz 2.  Der Islam wird 1917-23 in der

Türkei schwach, weil am Ende eine säkulare Republik kommt.  Und die Kommunisten sind

im russischen Bürgerkrieg 1917-20 siegreich.  Ihr Gesetz ist "viel verführerischer", weil es

den Menschen nur diesseitige Ziele als erstrebenswert hinstellt.  Es werde dann ein >neues

Babylon< geben, "groß geworden durch die Gräuel des ersten Holokaustes", und werde sich "dreiundsiebzig Jahre und sieben Monate" halten können,                .  Zwei weit gespannte

Bögen, die niedergehende politische Macht des Islam und der aufsteigende Kommunismus,

überlappen sich für einige Jahre.

Die Zeit vom Kataklysmus bis zum Ende der alten Erde nennt N. das >siebte Jahrtausend<,

                .  Vers            gibt eine Überschau über die religionspolitischen Entwicklungen dieser

Zeit in einer dichten Symbolsprache.  Ähnlich verdichtet handelt Vers            vom Schicksal der

>Weltfriedensordnung<, die nach Krieg und Kataklysmus errichtet werden soll.

N.s Adleraugen können von ihrer Überschau aber auch umschalten und Szenen aus der Nähe fokussieren.  Bilder von konkreten Personen und Vorgängen, manchmal mit echten Details,

erscheinen in seinen Visionen.

Eine "Brücke" über die 700 Meter breite Schelde, ufernah aus Holzgerüsten, in der Mitte

"aus Schiffen", blockiert im Sommer 1585 die Zufahrt zu der von den Spaniern belagerten

Handelsmetropole Antwerpen,            Vz 1.

Der englische König James II.  wird in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1688

auf der Flucht aus seinem Land verhaftet, nach einigen Tagen wieder frei gelassen und kann

sich dann nach Frankreich absetzen, wo er sich Hilfe vom Sonnenkönig erhofft  -  "nächtliche Überraschung führt in gallische Luft",            Vz 4.

König Louis XVI. wird am 21.1.1793 auf der Guillotine hingerichtet;  zur Inszenierung gehört

ein Trommelwirbel, der kurz vor dem Vollzug ertönt,            Vz 1/2.  Seine inhaftierte Gattin

versucht einige Monate später, Briefe aus dem Gefängnis zu schmuggeln;  die werden

"abgefangen", die Königin bald darauf hingerichtet.  Ein Freund, der sie retten will, kommt

zu spät,            Vz 1/2.  Die Tochter des Königspaares, zur Vollwaise geworden, heiratet später

ihren Neffen, 10/17 Vz 3/4.

"Kurz vor" dem 1812 für Frankreich unheilvoll ausgehenden Russlandfeldzug heiratet

Napoleon 1811 ein zweites Mal,            Vz 1/2.  Er zeugt dann zwar einen Sohn, aber aus der

angestrebten napoleonischen Dynastie wird nichts,            Vz 4.  Sein letzter Aufenthalt in der

Verbannung, bewacht von einer britischen Garnison, liegt "fern von seinem Himmel unter

fremder Sitte und Sprache" und ist ein kleiner Ort, dessen Bevölkerung Vers             beziffert

und die Größenordnung trifft.

Nach Napoleons Abdankung besteigt ein jüngerer Bruder des hingerichteten Königs von

Frankreich den Thron.  Louis XVIII. ist ein leidenschaftlicher Esser, ihn plagt die Gicht, er

kann kaum gehen, wird mit dem Rollstuhl bewegt;  ein "Lahmer" kommt an die Macht, 

           Vz 1.

Als im November 1848 sein Ministerpräsident bei einem Attentat ums Leben kommt, 

befürchtet Papst Pius IX., dass die Revolutionäre, die es auf seinen Kirchenstaat abgesehen

haben, auch ihm etwas antun könnten und flieht, als einfacher Pfarrer verkleidet, Schutz

suchend nach Gaeta bei Neapel.  Er "wird nicht seinen Rock riskieren",            Vz 1/2.

Im zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg stehen Anfang Juni 1859 piemontesische,

französische und österreichische Heere in der Lombardei.  Umkämpft ist auch die kleine

Gemeinde "Boffalora"-sopra-Ticino bei der Stadt Magenta;  wenige Tage später zieht

Kaiser Napoleon III. triumphal in Mailand ein,            .  Elf Jahre später, Anfang September

1870 gibt es Granateneinschläge, und der Kaiser verbringt die Nächte in der Präfektur

von Le Torcy ("Lectoyre"), einem Stadtteil von Sedan.  Die Niederlage Frankreichs im

Krieg gegen Preußen mit dessen süddeutschen Verbündeten besiegelt das Ende seines

Kaisertums,            .

Ein "starker Nizzaner" (namens Garibaldi) ist bei seinen Zeitgenossen umstritten;  er kämpft

für eine Republik Italien, kann sich aber gegen die Aristokraten, die ein Königreich Italien

ausrufen wollen, nicht durchsetzen,            .  Die auch im Ausland für die Vereinigung Italiens

eintretenden Patrioten sprechen die "toskanische Sprache", weil das gesprochene Floren-

tinisch im Zuge der Vereinigung als Hochitalienisch anerkannt wird,             .

Anfang August 1846 richtet der Brite James Challis in Oxford sein Fernrohr auf das voraus-

berechnete Himmelsareal und sieht den neuen Planeten, der dann "Neptun" genannt wird.

N. schaut ihm sozusagen über die Schulter und nennt neben dem Namen, der dem neuen

Planeten gegeben wird, auch mehrere Planetenkostellationen, die bei der Entdeckung zu

beobachten sind und in ihrer Gesamtheit einen Zufallstreffer ausschließen,             .

Der "Rhein der norischen Berge" ist der Inn, der wie der Rhein in den Graubündner Alpen

entspringt und wie der Rhein den Alpenraum auf seinem Weg dann verlässt.  "Bei" diesem

Fluss, der die römische Provinz Noricum im Westen begrenzte, wird 1889 im österreichischen

Braunau ein "Großer" geboren von Leuten, die bei der Kolonialisierung der Welt "zu spät

gekommen" sind,            Vz 1/2.

Im ersten Weltkrieg sieht N. "das Schwein, halb Mensch", einen Menschen mit Gasmaske,

           Vz 2, offenbar ohne zu verstehen, worum es sich dabei handelt.  Er sieht auch die

vielen Leichname der im Niemandsland zwischen den feindlichen Schützengräben liegen-

gebliebenen Soldaten;  "im nächsten Kampf tummeln sich die Raben" um die besten

Fressplätze,           Vz 2.

Als der Duce Mussolini 1922 in Italien an die Macht kommt, wird fast zeitgleich, wenige Tage

danach, eine "antike Höhle" entdeckt,           Vz 1/2, das Grab des Pharaos Tut-Anch-Amun,

international großes Aufsehen erregend.  Auf seiner Flucht in die Schweiz Ende April 1945

wird Mussolini gefasst;  der anreisende Chef des Mailänder Widerstandes ("der in Mailand")

lässt ihn kurzerhand erschießen, samt der Gefährtin ("mehrere"),            Vz 4.

Die deutsche Politik betreibt ab 1933 eine Militarisierung der Gesellschaft, die N. an das

antike Sparta erinnert.  In Deutschland spielt "jener in Sparta große Hinker" (celuy en

Sparthe Claude) ein tragende Rolle, Propagandaminister Goebbels, den sein Klumpfuß

nicht daran hindert, als hoch begabter Demagoge das deutsche Volk erfolgreich zu

"verführen",            Vz 1/2.

Das über 300.000 Mann starke britische Expeditionscorps wird bis zum 4.6.1940 vom

Festland vertrieben;  "gleich danach" würde es gebraucht, als Hitler ab dem 5.6.1940

Frankreich angreifen lässt,             Vz 1/2.  Am 10.6., nachdem "sechs Tage der Angriff vor-

getragen" wurde, 3/22 Vz 1, erklärt die französische Regierung, dass man Paris nicht ver-

teidigen werde, man "gibt die Stadt wieder her",            Vz 3.

Am 16.6.1040 bietet der britische Premier Churchill der bedrängten französischen Regie-

rung eine politische Union beider Länder an, um den Durchhaltewillen der Franzosen zu

stärken (und so Zeit für die eigene Aufrüstung zu gewinnen);  er versucht, durch eine 

>höchste Heirat< Hoffnung zu wecken,             Vz 2.  Das Angebot erweist sich als Luft-

nummer ("leerer Schein"), denn in Wahrheit "sind Löwe und Hahn nicht allzu konföde-

riert",            Vz 2.

Am 30.1.1939 sagt Hitler im Reichstag, dass ein neuer Weltkrieg "die Vernichtung der

jüdischen Rasse in Europa" bringen werde, ohne sich als deren Initiator zu bekennen.

Ein "Großer" werde einmal "Verschleppungen im eisernen Käfig befehlen",            Vz 3,

in Güterwaggons.  Ein "junger Nero" werde "friedliche Juden in Kamine werfen, um

sie zu verbrennen",             Vz 1/2.

Der "finstere, blutrünstige Räuber, hervorgegangen aus dem Bett des unmenschlichen

Nero", werde "mit linker militärischer Hand durch einen jungen Hitzkopf verletzt werden",

             , "am Oberschenkel",             Vz 2.  Der Attentäter vom Juli 1944, Klaus Graf Schenk

von Stauffenberg, hat in Tunesien die rechte Hand verloren.  Nach dem Tod des Diktators

"werden zwei auf dem Gips gegrillt", auf einem Boden aus Beton (den N. noch nicht

kannte), die Leichname Hitlers und seiner Frau, die neben der Reichskanzlei mit Benzin

übergossen und abgefackelt werden,            Vz 4.

In Persien werde einmal "der Glaube allzu stark" sein und "den Monarchen verraten";

er werde "am Ende in Frankreich begonnen" haben,             Vz 4.  Der Anführer der islami-

schen Revolution im Iran namens Khomeini, ein Geistlicher, lebt seit 1963 im irakischen

Exil.  Im Oktober 1978 übersiedelt er von dort nach Frankreich  -  für N. ein Vorzeichen

seines Erfolges.  Von Paris aus fliegt er am 1.2.1979 nach Teheran, wo ihm ein triumphaler

Empfang bereitet wird.  Der Schah hat zuvor das Land verlassen müssen.

 

Exkurs (2) Andere als optische Wahrnehmungen

N. hat Visionen, aber es sind keine >Stummfilme<, die sich ihm darbieten, denn er hört

auch Vieles.

Geschützdonner.  
Im ersten Weltkrieg sind Haubitzen schwersten Kalibers im Einsatz, deren Fauchen und

bohrendes Rollen die Zeitgenossen stark beeindruckt hat.  N. hört "Dröhnen, Pfeifen,

eine Schlacht, .. und grobe Bestien wird man sprechen hören",           Vz 3/4.  Von den

schauerlichen Geräuschen geht Todesgefahr aus;  sie muten N. an, als wären wilde Tiere

losgelassen, denen die Menschen zum Fraß vorgeworfen werden.

Nächtlicher Bombenkrieg.  
Ein Separatfrieden mit Großbritannien, den Hitler am 19.7.1940 öffentlich anbietet,

wird von Churchill umgehend abgelehnt,            Vz 4.  Daraufhin befiehlt Hitler ab dem

7.9.40 einen Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung britischer Großstädte.  Die deutschen

Bomberflotten kommen nachts, wenn wenig zu sehen ist.  "Auf den Inseln wird ein schreck-

licher Tumult sein, nichts wird man hören als kriegerische Manöver",                Vz 1/2.  
Zu hören sind Flugzeuge, Explosionen, vereinzelt Flugabwehrkanonen.

Ruf nach einer neuen Zeit.
Nach einem "großen Krieg",             Vz 2, "wird man nach dem Tagesanbruch rufen,

Land nach Land", 5/70 Vz 4.  Bei den Verlierern der Grande Guerre 1914-18 ertönt

der Ruf nach einer neuen Zeit;  Republiken werden ausgerufen, wo bis dahin

Monarchien bestanden, in Mittel- und Osteuropa und in der Türkei.

Schreie, Geheul.  
Im Frühjahr 1793 wird in der Vendée ein royalistischer Aufstand von denTruppen des

revolutionären Pariser Republik blutig niedergeschlagen.  "Sie zerstückeln Männer,

unheilvolles Getümmel, Schreie, Geheul in Nantes, erbärmlich anzuschauen", 5/33 Vz 3/4.

"Schreie, Geheul sind um Mitternacht zu hören", 2/77 Vz 2, wenn im Mai 1871 der

Aufstand der Pariser Kommune von den regulären Truppen des Nationalkonvents

niedergekämpft wird.

Im Winter 1918/19 ist Budapest nach dem verlorenen Krieg erfüllt von "Heulen, Klagen

und Geschrei",            Vz 3.  Wegen des Mangels an Lebensmitteln und Heizmaterial

kommt es zu Plünderungen, die von den Ordnungskräften blutig niedergeschlagen

werden, mit vielen Toten.

Schreihälse.  
Ein dreister und streitsüchtiger "großer Schreihals",             Vz 1, bricht 1649 in London

alle Brücken zur Monarchie ab, 3/81 Vz 4, und lässt den König hinrichten. 

 

Der militant pazifistische Ideologie eines globalen Regimes stellt die Vorwände dafür

bereit, die alten Religionen abzuschaffen,             .  Ein "Vielschreier mit der geschraubten

Sprache" liefert den philosophisch geschraubten Begleittext,            Vz 1, und öffnet den

>Ketzern< -  das sind die dann noch verbliebenen Anhänger der alten Religionen -  eine

letzte Möglichkeit zu konvertieren, 8/78 Vz 3.

Große Reden.
Ein französischer General reitet im Mai 1796 an den Reihen von 4000 Mann seiner Infanterie

entlang und hält eine "Rede" (oraison), er >nimmt die Soldaten ins Gebet<, um sie für

den "Angriff" zu begeistern,             Vz 1.  Nach dem erfolgreichen Angriff wird "Mailand

eingenommen", 3/37 Vz 2.

Aus "weltanschaulicher Sprache" (secte langue) und "machtvollem Getön" (puissance son)

erwächst einem Redner "Ruhm",            Vz 3.  Menschen ohne lebendigen Gottesglauben

werden "durch" seine "brillante Rede an den Ohren ergriffen",             Vz 3/4.  

Eine >tollwütige Sprache<  - das ist eine Sprache, die ohne >lebendiges Wasser<, d.h.

ohne den Heiligen Geist auskommen will -  wird einmal für kurze Zeit siegen, 4/56 Vz 1. 

Und dieser Sieg wird vom Sieger in einer "Festrede" gefeiert,             Vz 3.

Heulen schwerer Stürme.  
Einmal werde "ein dicker Hund die ganze Nacht heulen",            Vz 3.  Der auf die Erde

zurasende Komet wird eine besondere >Nacht< verursachen, während der schwere

Stürme zu erwarten sind.  Später werde noch ein "größter Hund" Jagd auf die Seelen

machen, VH (22).

Lieder, Gesänge.
"Lieder, Gesänge" und "an Gott gerichtete Bitten" sind zu hören von Menschen,

die wegen ihrer religiösen Gesinnung im Gefängnis sind und von der Mehrheit

für dumm gehalten werden,             .

N. nimmt auch die Emotionen der Menschen wahr, echte und vorgetäuschte, ein

breites Spektrum verschiedener Gefühle.  

Zorn, tiefer Hass.
Die vor Repressalien und nicht zuletzt vor der Guillotine ins Ausland geflohenen französi-

schen Emigranten, meist Adlige, Geistliche oder reiche Bürger, empfinden"Zorn und tiefen

Hass" auf die Revolution,            Vz 1.  Ihre heimlichen Kontakte zur internierten Königsfamilie

tragen entscheidend dazu bei, dass der König zum Tod verurteilt wird, 1/13 Vz 2.

Furcht.  Hass.
Der als Alleinherrscher "auf die heilige Monarchie folgen" werde, ist "hart und grausam

und wird dafür sorgen, dass man ihn sehr fürchtet",            Vz 3/4.  Sein "herber Ruhm" ist

auf militärische Erfolge gegründet, "ein jeder wird ihn fürchten",            Vz 3.  Furcht erzeugt

oft Hass;  für seine Taten wird der Fremdherrscher von manchem Eroberten gehasst, sogar

noch posthum, 10/34 Vz 4.

Kränkung.  Zorn.
Hitler ist "der Zornige",            Vz 4, dessen Zorn sich an der Niederlage Deutschlands

im ersten Weltkrieg und an der Demütigung der Verlierer in Versailles entzündet. 

Die an der Niederlage Schuldigen seien zu bestrafen, der >Schandfrieden< sei zu

revidieren.  An seinen Reden erkennbar, zielt Hitlers ganzes Projekt ab auf die Tilgung

dieser Schmach.  "Konflikt der gekränkten Beredsamkeit" (conflict du lesé l'eloquence)

kann N. daher den zweiten Weltkrieg nennen,             Vz 1.

Schrecken, Enttäuschung und Glückseligkeit
Bald nach Beginn des Westfeldzugs im Mai 1940 müssen sich die britischen Truppen,

die Frankreichs Verteidigung verstärken sollten, an die Kanalküste zurückziehen  - 

Schrecken erregend für die Franzosen,            Vz 1, weil sie nun ganz auf sich gestellt sind,

            Vz 4.  Die Enttäuschung der Franzosen,              Vz 2, und der Briten,            Vz 4, ist groß. 

Aber "danach wird Glückseligkeit sein", 6/90 Vz 2  -  die Evakuierung von Dünkirchen aus

ist unerwartet erfolgreich und bringt für Großbritannien große Erleichterung.

Zu Tode erschrocken, Schmerz, Ernüchterung, Verlorenheit.
Als dann die Niederlage Frankreichs am 17.6.40 öffentlich eingestanden wird, ist man

"zu Tode erschrocken",            Vz 3/4.  "In großem Schmerz wird das gallische Volk sein",

7/34 Vz 1.  Desorientierung und eine große Mutlosigkeit greifen um sich,             Vz 2. 

"Ernüchterung, Verlorenheit" kennzeichnen die Stimmungslage, 7/34 Vz 3/4.

Verehrung.
Hitler wird von den Deutschen als Mann verehrt ("heilig"), der das Land wieder in die

Höhe geführt habe,               Vz 2. 


Ein vermeintlicher "Hirte" wird einmal "halb wie Gott verehrt werden" (pasteur demi

dieu honore),            Vz 2.  Von überall her "werden sie kommen, ihn zu ehren" (honorer),

              Vz 4.  Die Wertschätzung seiner Person färbt ab auf den globalen Staat, an dessen

Spitze er steht.  Man werde die Zeit seiner Herrschaft "verehren" (vénérer), 10/71 Vz 2. 

Die Verehrung des Staates erscheint im Gewand, d.h. im Anschein einer Religion, wie

im Imperium Romanum der Kaiserzeit.  

>Zorn Gottes<.
Der Bann gegen die alten Offenbarungsreligionen wird im Ton "der Leidenschaft gött-

licher Erregung" vorgetragen,              Vz 1.  Richter sind willens, die alten Lehren zu

"verdammen", 6/72 Vz 3.  Aber die "göttliche Erregung" ist "vorgetäuscht" (faincte),

denn sie kommt in Wahrheit nicht von Gott.  Sie ist schauspielerische Leistung, um den

Anordnungen Nachdruck zu verleihen.
 

​​Exkurs (3)  Wörtliche und bildliche Redeweise im Wechsel

"Die Festung bei der Themse wird fallen",            Vz 1/2.  Das könnte der Londoner

Tower sein, bis 1625 Wohnsitz englischer Könige.  Aber der Tower fällt nicht, er steht

noch heute.  >Die Festung< ist im Kontext der Aussagen des Verses ein Sinnbild für

das 1642ff in die Defensive geratene britische Königtum.

König Charles I. wird im Januar 1649 wegen angeblicher Tyrannei,               Vz 2, zum

Tod verurteilt.  Nahe Whitehall wird das Blutgerüst aufgebaut.  Eine eigens errichtete

hölzerne "Brücke" führt zum Schafott.  "Bei der Brücke" steht er nach Ablegung seines

Mantels dann wörtlich "im Hemd"da, bevor das Beil niederfährt und seinen Kopf

abtrennt, 8/37 Vz 3.

Vor seiner Hinrichtung ist Charles "eingesperrt" worden, zuletzt auf Schloss Windsorcastle,

8/37 Vz 2.  Nach seinem Tod werde >der König weggesperrt<, 8/37 Vz 4;  gemeint ist der

Thron, der König als Institution.  Im Februar 1649 wird die Monarchie durch Parlaments-

beschluss abgeschafft.

Das Nebeneinander von buchstäblicher und sinnbildlicher Redeweise kommt also auch 

im Mikrokosmos eines einzelnen Verses vor.

Im Juli 1806 verbünden sich deutsche Fürsten mit Napoleon in einem nach dem Rhein

benannten Militärbündnis, was einen offenen Bruch ihrer Treue zum Kaiserreich darstellt. 

>Der Rhein< "ist in großer Zwietracht mit dem Kaiserreich",            Vz 2.  Der >große Knoten<,

der die deutschen Fürstentümer und​ Reichsstände zusammenhält, das alte Kaiserreich,

"wird in der Rhein geworfen",             Vz 4;  es hört im August 1806 auf zu existieren.

Nach der von Frankreich 1813 verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig werden die deutschen

Fürsten dann erneut untreu, diesmal dem Fremdherrscher.  Der >keltische Fluss<, gemeint

die dem Kaiser untreu gewordenen deutschen Fürsten, >wechselt< erneut >das Ufer<.

>Das Ufer wechseln< ist auch im Französischen ein Bild dafür, dass jemand seinen Stand-

punkt zwischen zwei Parteien ändert.  >Der Fluss<, gemeint das nach dem Rhein benannte

Bündnis mit Napoleon, >wird Köln nicht mehr haben<,             Vz 2.  Der Rheinbund bricht

nach dem Oktoner 1813 auseinander, und 1814 wird auch das Rur-Departement abge-

wickelt, zu dem Köln seit 1798 gehört hat.

Der Wechsel des Ufers, von dem 6/04 spricht, wird von manchen Interpreten als Natur-

geschehen gedeutet, nämlich dass der Fluss sein Bett verlässt und einen anderen Verlauf

nimmt.  Aber auf N. kann sich eine solche Prognose nicht berufen.  Denn in Wahrheit sind

die oben zitierten Verse schon erfüllt, weil sie alle auf der sinnbildlichen Ebene zugänglich

sind, wie oben gezeigt.

Die Bedeutungsebene kann mitten im Vers wechseln.  Der Fluss Gardon werde die Stadt

Nîmes einmal hoch überfluten,              Vz 1.  Man >werde glauben, Deukalion sei wieder-

geboren<, 10/06 Vz 2, der Überlebende einer großen Flut;  demnach kommen viele

Menschen in den Fluten des Gardon ums Leben.  Er fließt bei normalem Pegelstand

im Abstand von einigen Kilometern an Nîmes vorbei, berührt die Stadt nicht.  Es ist also

ein außerordentliches Geschehen.  Dann werden "die meisten" Bewohner >ins Kolosseum

fliehen<, 10/06 Vz 3.  Es werde dann das >erloschene Feuer im Vestatempel< und gar das

>Grab der Vesta erscheinen<, 10/06 Vz 4.

Die Überflutung von Nîmes ist real, und die Flucht in die Arena mitten in der Stadt, ein

Amphitheater wie das in Rom, könnte auch real sein.  Aber "die meisten" Bewohner von

Nîmes hätten kaum eine Chance, zu dem 20 Meter hohen Gebäude zu gelangen, wenn

das Wasser in den Straßen steht, allenfalls die Anwohner.  In Wahrheit springt N. nach

der ersten Verszeile auf die Symbolebene.  Denn antike Sagen- und Göttergestalten

sind nicht real, ein Grab der Vesta gibt es nicht, es kann nicht "erscheinen", außer in

Visionen, die dann aber symbolische Bilder geben.

Nach einem Krieg und einem außerordentlichen Naturgeschehen, das ihn beendet

hat, suchen die Überlebenden (>Deukalion<) Schutz in einem >Amphitheater<, einer

globalen Friedensordnung, die N. mit dem Imperium Romanum der Kaiserzeit vor der

Christianisierung vergleicht.  Die vestalischen Jungfrauen hüteten das Feuer im Tempel

des Vesta, das nie ausgehen durfte, waren Zelebrantinnen einer Staatsreligion.  In der

globalen Friedensordnung, die nach dem Kataklysmus entstehen soll, lassen sich die Glaubensgemeinschaften der alten Religionen als >Vestalinnen< in Dienst nehmen,

d.h. sie verpflichten sich, dem globalen Staat und seinem Frieden zu dienen.

Es gibt auch den Fall, dass Aussagen wörtlich  u n d  symbolisch gemeint sind. 

Vers            Vz 1/2 spricht von den "Abwesenheiten der Lichter" und sagt dazu, dass

"es von der einen bis zur anderen nicht weit" sein werde.  "Die Lichter" sind Sonne 

und Mond.  Die erste Abwesenheit von Sonne und Mond ist die dreitägige Finsternis,

1/46, im Zuge der außerordentlichen Ereignisse im Monat Oktober, von denen 

spricht.  Die zweite >Abwesenheit von Sonne und Mond< ist dann aber sinnbildlich zu

nehmen.  Die Sonne als Symbol steht bei N. für den Gott der Christen, der Mond als

Symbol bedeutet den Gott der Muslime.  Die >Abwesenheit< dieser >Lichter< zeigt

an, dass sie ihr geistiges Licht nicht mehr spenden dürfen, weil sie "zunichte gemacht",

           Vz 1, d.h. offiziell abgeschafft sind.  Und von der ersten Abwesenheit bis zur 

zweiten werde es "nicht weit" sein, zeitlich.

Die Symbolebene kann mit eingestreuten realen Elementen angereichert werden,

um davon abzulenken, dass der Vers nur symbolisch verstanden werden kann.  Die

Nennung dreier realer Orte in Toulouse, zweier Basiliken und eines Bauwerks an der

Garonne zur Nutzung der Wasserkraft, erweckt in            Vz 3/4 und 8/30 den Eindruck,

es gehe um Grabungen oder Bauarbeiten an diesen Orten.  Aber in Wahrheit wird in

Toulouse nicht gegraben.  Einer der Ortsnamen ruft eine Toulouser Legende aus vor-

christlicher Zeit auf.  Die anderen beiden Orte lenken davon ab, indem sie den Eindruck

realer Vorgänge erwecken.  Die Legende handelt von einem Goldraub aus einem vor-

christlichen Tempel, über dessen Ruinen später eine christliche Basilika erbaut wurde.

Der Goldraub führte den Räuber in seinen Untergang.

Der vorchristliche >Goldschatz< der Legende bedeutet bei N. die antike Philosophie,

die ein >Haupt der Weisheit<,            Vz 1, >ausgräbt<.  Der >Fund des Toulouser Goldes<,

8/29 Vz 3, bedeutet, dass die >neue Religion<, die für alle verbindlich sein soll, >vor-

christliches Gold< raubt, d.h. antike Philosophie den Menschen als Religion aufdrängt.

Der >aufregende Schatz<, 8/30 Vz 3, den die Zeitgenossen >mit Gold überschütten<,

           Vz 4, d.h. sehr hoch wertschätzen, ist die >neue Religion<.  Dieses vermeintliche

>Gold< werde die davon begeisterten Menschen in den Untergang führen.  Das wirk-

liche geistige Gold besteht für den Katholiken in den Evangelien, deren Liebegebote

allein zu Gott führen, wenn man sie befolgt.

Exkurs (4) zum Begriff des Gesetzes (loy) bei N.

Gesetz der Sonne nennt N. die christliche Religion als Grundlage einer Rechtsordnung,

in deren Mitte das christliche Königtum von Gottes Gnaden steht,            .  Katholischer

Glaube und Monarchie (foy & loy) gehören für ihn zusammen,            Vz 3.  Nur eine auf den katholischen Glauben gegründete Rechtsordnung gilt ihm als legitim, denn sie beruht auf

"heiligenGesetzen",             Vz 3.

Wenn einer wie Oliver Cromwell ohne König auskommen will, dann ist die von seiner

Herrschaft ausgeübte Gewalt die eine "Schlächters ohne Glaube und Gesetz" (sans

foy & loy), 8/76 Vz 3.  Ein "großes Volk", gemeint sind die Christen der Welt, werde

einmal "ohne Glauben und Gesetz zugrundegehen",             Vz 3, wenn und soweit es

sich den alten Glauben vom einem >Blutdurstigen<, 2/09 Vz 2, nehmen lässt.

Fundament der staatlichen Ordnung kann der christliche Glaube sein.  Aber auch der

Islam, das "maurische Gesetz" kann diese Aufgabe übernehmen.  Dieses Gesetz werde

man einmal schwach werden sehen,             Vz 1.  Wenn aus einer feudalen, religiös fun-

dierten Ordnung mit Sultanat und Kalifat eine Republik wird, wie das 1917-23 in der

Türkei geschieht, ist das eine "Wandlung der Gesetze",            Vz 2.

Ein Wandel der Gesetze vollzieht sich auch, wenn eine Republik "erste und menschliche

Gesetze", nämlich die Menschenrechte zur Grundlage eines Staates erklärt,            Vz 3,

der vorher ein Königreich von Gottes Gnaden war.

Eine loy, ein >Gesetz< kann bei N. also ein religiöses oder philosophisches Prinzip

sein, auf das sich eine Rechtsordnung als ganze gründet.

"Maurisches Gesetz",             Vz 1, "Gesetz der Araber", 10/62 Vz 4, oder "mohammeda-

nisches Gesetz", 5/55 Vz 2, nennt N. den Islam und die aud ihn gegründete politische

Ordnung.  

Die Herrschaft über Frankreich werde einmal "sehr verwandelt sein.  An einen fremden

Ort ist die Oberherrschaft übertragen",             Vz 1/2;  "nach anderen Gesetzen und Sitten

werde Frankreich "sich richten", 3/49 Vz 3.  Als Frankreich ab Juni 1940 von der deutschen

Wehrmacht besetzt ist, bestimmt Berlin, wo es lang geht.  Ein Pflichtarbeitsdienst ver-

pflichtet junge Franzosen zum Einsatz in der deutschen Kriegswirtschaft.  Jüdische

Franzosen werden unter Mithilfe des Vichy-Regimes festgenommen und deportiert.

Ein "neues Gesetz" werde einmal "neues Land besetzen nach Syrien, Judäa und

Palästina hin",             Vz 1/2.  Das ist die Gründung eines neuen Staates, des Staates

Israel am 14.5.1948.

"Grundlose Gesetze" (loys vaines) erkennt N., wenn sie auf realitätsfernem Idealismus

beruhen,            Vz 4, oder auf pure Machtausübung gestellt sind,            Vz 2.

Auch einzelne Besetze als Bestandteile der Rechtsordnung werden als loy bezeichnet.

So ist z.B. mit dem "Gesetz der Cevennen",            Vz 3, das Edikt von Nantes gemeint,

das Henri Quatre 1598 erlässt und als Toleranzedikt in die Geschichte eingeht.   Darin

werden den Hugenotten Sicherheitsplätze zugestanden und ihnen an genau bezeich-

neten Orten die Ausübung des protestantischen Kultus erlaubt.  Als die Hugenotten

im 17. Jahrhundert immer weiter zurückgedrängt werden, haben sich viele von ihnen

in den schwer zugänglichen Gebirgsregionen der Cevennen erhalten können gegen

die Anfeindungen durch die katholische Mehrheitsgesellschaft.

Im Kontext des Verses            ist "das Gesetz" zu verstehen als die Summe der Regeln,

die der Erbfolge im französischen Königshaus gewidmet sind und zum Teil in der

alten Lex Salica kodifiziert sind.  Wenn es heißt, dass die Königinwitwe Katharina von

Medici "nicht gegen das Gesetz" handeln will, bedeutet das ihren Versuch der Ver-

ständigung mit Heinrich von Navarra als dem rechtmäßigen Thronerben und zugleich

die Ablehnung der Thronansprüche des Gegenkönigs der katholischen Liga.

Das "Salische Gesetz" werde einmal "versagen",            Vz 4, nachdem ein großer König

sich einem unzüchtigen Leben hingegeben und durch sein unbekümmertes Regieren

die Existenz des Ancien Régime auf's Spiel gesetzt hat, 5/38 Vz 1-3.​  Wörtlich genommen,

bedeutet es das Aussterben eines Königshauses in der männlichen Linie, das Fehlen

männlicher Nachkommen.  Das >Versagen des Salischen Gesetzes< steht bei N. aber

als Teil für das Ganze, nämlich für den Verlust de r Monarchie in Frankreich ab 1792,

durch den auch alle Regeln der Erbfolge gegenstandslos werden.

Das "gemeinsame Gesetz" (loy commune), in dem sich das Alte zunächst stark

behaupten kann,            Vz 2, sowie das "Gesetz der Venus", 5/53 Vz 1, sind Decknamen

der >Weltfriedensordnung<, die wenige Jahre nach dem Kataklysmus entsteht.

Dann werden das >Gesetz der Sonne<, d.h. die christliche Religion, und das >Gesetz

der Venus< zuerst noch "rivalisieren, indem sie den Geist der Prophetie" jeweils "für

sich beanpruchen",            Vz 1/2.  N. zufolge haben beide den Geist der Prophetie

nicht verstanden, 5/53 Vz 3.

Am Ende wird das Gesetz der Sonne aufgehoben und erleidet durch die Machthaber

des globalen Regimes "das Schlimmste",             Vz 3/4.   "Das Gesetz", ohne nähere

Bestimmung, ist das christliche Sittengesetz, gegründet auf die biblischen Gebote.

Wenn die alten Religionen einmal verboten werden, sind die Menschen "von der 

Politik befreit", 6/05 Vz 4.  Die Gebote der alten Religionen sollen nicht mehr gelten.

8/76

Exkurs (5) über >Größe< bei N.

​Mit "dem Großen" muss nicht eine einzelne Person gemeint sein, es kann auch ein

Volk oder Land so bezeichnet werden.  So heißt in             das ganze französiche Volk

"groß" im Sinne von großartig, weil es eine Revolution zustande gebracht und sie

erfolgreich gegen alle inneren und äußeren Feinde verteidigt und durchgesetzt hat.

Diese Meinung hat der königstreue N. nicht geteilt;  es ist das mehrheitliche Selbst-

verständnis der Grande Nation, des französischen Volkes nach 1789, das N. wahr-

nimmt und wiedergibt.

Einmal stirbt sehr plötzlich "der Große", 2/57 Vz 2, und gemeint ist wahrscheinlich

auch hier ein ganzes Land;  in diesem Vers ist nur das Ereignis zu Beginn, der "Fall

der großen Mauer", 2/57 Vz 1, schon erfüllt.

Der "Große", der in            "ohne Lärm", ohne großes Aufsehen der Zeitgenossen 

"beerdigt" wird, ist auch keine einzelne Person, ist nicht Franz II, der letzte Kaiser des

Heiligen Römischen Reiches, der nach 1806 noch etliche Jahre munter weiterlebt. 

Es ist vielmehr das Amt des Kaisers, das im August 1806 erlischt, als der Habsburger

die Krone niederlegt und alle Reichsstände von ihren Pflichten entbindet.  Es wird

>der Kaiser beerdigt<  -  bis dahin für die Zeitgenossen wie auch für N. schon durch

das Amt ein "Großer".

Hitler heißt in            und 2/82 "der Große", weil N. sieht, dass er für einige Jahre zum

Herrscher über große Teile Europas werden würde, 9/90 Vz 3.  Obwohl in diesem Mann

einen "Blutrünstigen",            Vz 4, und "finsteren Räuber",            Vz 1, erkennt, nennt er

ihn wegen seiner Machtfülle und außerordentlichen Untaten "groß"  -   offensichtlich 

ohne damit eine positive Wertung zu verbinden.

"Drei Große" sind in            die auch von den Zeitgenossen so bezeichneten "großen

Drei", nämlich Churchill, Roosevelt und Stalin, die während des zweiten Weltkrieges

zusammenkommen, um sich über die gemeinsame Kriegführung, später auch über

die Grundlinien der Nachkriegsordnung zu verständigen.  In Churchill erkennt N. eine

realistische Kämpfernatur, 5/04 Vz 1/2, in Stalin den Herrscher des religionsfeindlichen

>Neuen Babylon<,                 , d.h. des kommunistischen Machtbereichs.

Somit widerspiegelt >Größe< bei N. in der Regel nicht sein eigenes Werturteil,

sondern das von ihm wahrgenommene Urteil der Mehrheit der Zeitgenossen,

welches die Betreffenden oft auch erst zu Großen im Sinne von Mächtigen macht.

Nur in seltenen Fällen legt N. den eigenen Standpunkt zugrunde, so wenn er die

Polen ein "großes Volk" nennt, weil sie 1979ff den Mut aufbringen, gegen die

kommunistische Diktatur aufzubegehren,            Vz 4.

Maria Stuart nennt er eine "große Königin", 1/86 Vz 1, weil die Katholikin und

schottische Königin für ihn die rechtmäßige Thronerbin König Heinrichs VIII. von

England und Irland ist.  Aber die Schotten vertreiben sie, und im England Elisabeths,

der "Mätressentochter", 10/25 Vz 3, ist sie dann eine Gefangene der Krone, weit 

davon entfernt, eine "Große" im Sinne von Mächtige zu sein.

Exkurs (6) zum Begriff der Sekte bei N.

Als Anhänger des Königtums übernimmt N. auch sprachlich nicht den Standpunkt

der Anhänger der Republik.  "Verschworene",            Vz 3, sind bei ihm nicht Gegner

der Republik, sondern Gegner des Königtums.  Wer gegen das Königtum vorgeht,

es schwer erschüttert und dann beseitigt, weil er die Ungleichheit und das Gottes-

gnadentum nicht mehr akzeptiert, der gründet für N. eine >Sekte<, die sich gegen

den christlichen Glauben stellt.  Er wird Partei mit dem Beiklang nicht nur politischer

Verschwörung, sondern auch des christlichen Ungehorsams.  Ist dann die alte

Ordnung umgestoßen, und sind die Revolutionäre an der Macht, sind sie es, die

d​ie politische Sprache bestimmen.

Der Versuch zur Befreiung der internierten Königin Marie Antoinette ist aus republika-

nischer Sicht ein Komplott, eingefädelt von Verschwörern,            Vz 3.  N. aber lässt sich

nicht beirren und bleibt bei seiner Sicht der Dinge.  Für ihn sind in Wahrheit die von

der Republik bestellten Richter, die das Todesurteil fällen, die >Verschworenen< einer

>Sekte<.  So nennt er abschätzig die erfolgreichen Parteigänger der Republik, die 

sich gegen das Königtum gestellt und das Königspaar physisch vernichtet haben.

 

Ebenso abschätzig nennt er die sich für aufgeklärt haltenden Denker des 17. und 18.

Jahrhunderts eine >neue Sekte von Philosophen<,            Vz 1, weil sie sich gegen den

alten Glauben stellen, soweit er als Legitimaton des Ancien Régime dient.  Für ihn greift

ein Bekenntnis um sich, das sich auf "erdichtete Philosophie" beruft,            Vz 3.

​In der Vorschau wird die Anhängerschaft des >neuen Weisen<,             Vz 2, der nach

dem Kataklysmus auftritt, einmal eine Sekte genannt,                  , wobei N. wieder

seinen Maßstab zugrundelegt, weil er die Lehren dieses Mannes als verderblich für

die Christen erkennt. 

 

Doch meist sind es in der Vorschau die Glaubensgemeinschaften der alten Religionen,

die pauschal mit dem abwertenden Begriff der Sekte belegt werden, z.B. in                  ,

           Vz 4 und             Vz 2.  Die Glaubenslehren, die sie bis dahin bewahrt haben, werden

am Ende mit dem Bann eines globalen Regimes belegt;  wer noch an ihnen festhält,

gilt als Sektierer.

Exkurs (7) Divergenz der Urteile

 

In den Centurien stehen ganz unterschiedliche Standpunkte nebeneinander, so dass

der Leser sich ständig fragen muss, wessen Perspektive in einem Satz oder auch nur

durch die Wahl eines Wortes gerade eingenommen wird.  Einen einzelnen Fall der

doppelten Perspektive behandelt der eben in Exkurs (6) besprochene Begriff.  Aber

es ist in den Centurien überall erforderlich, sich im Nebeneinander unterschiedlicher

Wertungshorizonte zurechtzufinden.

1) Allgegenwärtig ist der Standpunkt des Visionärs selbst.  Der absolute Monarch,

der sich auf die Gnade Gottes (dei gratia) beruft, steht für N. an der Spitze einer

gottgefälligen Ordnung;  davon, dass das Königtum in der Bibel gar nicht selbst-

verständlich ist, lässt er sich nicht beirren (--> roy).  Wenn die Monarchie durch eine

Verfassung beschränkt werden soll, ist das für ihn >Gift<,             Vz 3.  Und ein Fürst,

der so ein Zugeständnis macht, gilt ihm als "Feigling",            Vz 3.  Konstitutionelle

Monarchen sind von Gott  u n d  von den Menschen legitimiert und in diesem Sinn

>Bastarde<,           Vz 1.

Sogar ein Diktator wie Kaiser Napoleon III. gefällt ihm, weil der sein Regime ideolo-

gisch auf die katholische Kirche stützt, 10/46 Vz 1.  Wenn nach dem Sturz des Kaisers

eine Republik kommt, "werden die heiligen Gesetze verschlechtert",            Vz 3.  

Die Demokratie ist für N. "die griechische Dame von käuflicher Schönheit",             Vz 1,

ein "großer Abgrund", 9/16 Vz 4.  Einen "fanatischen Abgrund" nennt er einmal den

Islam,             Vz 2.  Aber auch Protestanten sind für ihn "Barbaren", 9/50 Vz 4, wie über-

haupt alle, die auf dem Gebiet der Religion >die Sprache der katholischen Kirche

nicht sprechen< (--> langue).

2) Manchmal treffen N.s eigenes Urteil und die entgegengesetzte zeitgenössische

Wertung direkt aufeinander.  

König Jakob II. von England und Irland wird 1688 vom Thron vertrieben, weil er als

Katholik des Thrones "unwürdig" sei, so sehen das die Briten,            Vz 1;  für N. ist

das ein dreister Ungehorsam.  Auf James folgt der Protestant Wilhelm III. als König,

den die Briten eingeladen haben, der aber im Urteil N.s "niederträchtig" handelt,

3/80 Vz 3, weil er die Rechte des Königs beschneiden lässt, um selbst auf den Thron

zu kommen.

Die "Gelehrtesten in den himmlischen Tatsachen", also die Astronomen, deren Zahl

sich im 17. Jahrhundert nach der Erfindung des Fernrohrs stark vermehrt, findet N.

sehr interessant und benennt sie respektvoll,             Vz 1.  Aber sie werden damals

"von unwissenden Fürsten", gemeint Kirchenfürsten,"verdammt, mit Strafe bedroht",

4/18 Vz 2/3, was N. unangebracht findet.

"Reichtümer von Gold" nennt N. die von ihm hoch geschätzten Lehren Christi, wie

sie die katholische Kirche weitergibt;  "Ehrungen für Tod und Gold" heißen bei ihm

die Achtung der Gebote Christi und der Glaube an die Wirkung seiner Selbstopferung. 

Die "Reichtümer an Tod und Gold" bezeichnen die liturgische Teilhabe der Gläubigen

an der durch Christus erwirkten Versöhnung,            Vz 2.  Ehrungen und Reichtümer

dieser Art werden von einer "neuen Sekte von Philosophen verachtet", 3/67 Vz 1.  
Gemeint sind die kirchenkritischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts, die in Frankreich

als philosophes bezeichnet werden.  

Louis-Philippe II. Joseph de Bourbon Duc d'Orléans (1747-93) sympathisiert mit

der Revolution und lässt sich Philippe Égalité nennen.  N. nennt ihn sarkastisch

die "heldenhafte Persönlichkeit des untersten Frankreich",            Vz 1/2.  Trotz

seiner Gesinnung wird er zum Tod verurteilt, 2/98 Vz 4, weil man ihn beschuldigt,

König werden zu wollen in einer Zeit, als das Land schon Republik ist.

Mussolini (1883-1945) erwirbt sich durch Kriege in Afrika und auf dem Balkan

"stolzen Ruhm",             Vz 3, in Italien, wird zum "Großen von Afrika",             Vz 3. 

Für N. ist er ein "wahrer und grausamer Übeltäter", 8/31 Vz 2.  Hauptgrund für

sein Urteil ist, dass der Faschismus das Königreich Italien (1861-1946) in seinen

Untergang mit hinabzieht,             Vz 3/4.

Von einem zum Papst gewählten "Römer" werde es heißen, "der Thron sei ge-

schwächt",             Vz 3, seine moralische Autorität sei beschädigt;  dieser Papst

werde "getadelt" werden,             Vz 2.  Gemeint ist das Schweigen Pius' XII. zu den

Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland, die seit September 1943 auch

direkt unter seinen Augen geschehen (Deportation römischer Juden).  Diese Ver-

brechen nicht klar und deutlich öffentlich beim Namen genannt und sie verurteilt

zu haben, wird Pius XII. seitdem vorgeworfen.  Aber N. meint, ohne Gründe zu

nennen, die Kritiker seien "im Unrecht", 6/31 Vz 2, und verweist auf die Arbeit

des hoch gebildeten Papstes an Kirchenrecht und Dogma, 5/56 Vz 4.

In den USA werde einmal "ein König weithin gut aufgenommen, geneigte Unter-

tanen werden ihm Beifall spenden",             Vz 1/2.  Seine Anwesenheit werde "Grund

zu Feier und Andacht" geben, 8/74 Vz 4.  N. dagegen erkennt die "Heimtücke"

(perfidie) des Gefeierten, 8/74 Vz 3, die die Beifall spendenden Amerikaner nicht

wahrnehmen.  Er wundert sich über den großen Widerhall, den der Mann findet,

das "Zusammentreffen" so vieler gleich Gesinnter.

3) Das Urteil der Zeitgenossen wandelt sich öfters, manchmal grundlegend.

Dass man auf den angeblichen Tyrannen Charles I. von England und Irland

"weniger Wert legt",              Vz 2, hat 1649 die Abschaffung der Monarchie zur

Folge.  Als dann nach einigen Jahren sich "einer" erst als wahrer Tyrann erwiesen

hat, "ändert man" erneut "die Wertschätzung", 10/36 Vz 4, und nimmt Kontakt

auf zum Sohn des gestürzten Königs;  die Monarchie kehrt 1660 nach London

zurück.

Nach der Zivilverfassung des Klerus von 1790 werden die französischen Priester von

ihren Gemeinden gewählt, vom Staat besoldet und müssen einen Eid auf die Verfassung

ablegen.  N. sieht eine konstitutionelle Kirche in die Dienste eines heidnischen Staates

treten,             Vz 1-3.  Aber bald darauf werde einer kommen, >der die Staatsgötter<

wieder verbrennt<, 5/77 Vz 4.  Gemeint ist Napoleon, der 1801 mit dem Papst ein

Konkordat schließt, in dem die katholische Religion als die Religion der Mehrheit der

Franzosen anerkannt wird.  Man >kehrt zurück zu den Ehrungen der Artemis<,            Vz 3,

die dem Seher wegen der sagenhaften Keuschheit als Chiffre für die Jungfrau Maria dient,

die im Volksglauben der Katholiken eine große Rolle spielt.  Der konstitutionellen Kirche

Frankreichs ist damit die Grundlage entzogen.

Napoleon hat "ein sehr großes Toben und Wüten vorgetragen",             Vz 3, hat viele

Fürstentümer unterworfen oder durch Bündnisverträge an sein Empire gebunden. 

Er hat das alte Kaiserreich erschüttert,             Vz 3/4, und erreicht, dass >der Kaiser<

des alten Reichs >beerdigt< wird, 5/1 Vz 4.  Aber Ende 1812 "wird göttliches Unheil

den großen Fürsten überfallen",             Vz 1;  der Nimbus der Unbesiegbarkeit

Napoleons ist nach dem katastrophalen Russlandfeldzug dahin.  "Rückhalt und

Glaubwürdigkeit" des Kaisers "nehmen auf einen Schlag ab", 1/88 Vz 3, "Rat wird

schwinden für den geschorenen Kopf", 1/88 Vz 4.  Das Urteil über einen Feldherrn

steht und fällt mit seinem Erfolg oder Misserfolg.

Während der Weltwirtschaftskrise 1929ff kommt Hitler mit seiner Partei binnen weniger

Jahre an die Macht;  "er wird von unten nach oben emporgehoben geschwinde",

           Vz 2, ist ein Emporkömmling.  Doch "bald"  - nach immerhin zwölf Jahren -  werde

man ihn "eine verkehrte Bestie" nennen, 1/12 Vz 1, wenn die Verbrechen seines Regimes

vollumfänglich ans Licht kommen.  Das "goldene Zeitalter" Deutschlands ist schnell

vorbei und "der neue König ein großer Skandal",            Vz 4.  Der "Imperator ist bald tot,

er wird verurteilt werden", 4/65 Vz 4.

Nach dem Kataklysmus werde ein Mann erscheinen, der ernstlich im Verdacht steht,

der wiedergekommene Christus zu sein,            Vz 1/2.  >Mutter Kirche< gebiert einen

>siamesischen Zwilling mit zwei Köpfen und vier Armen<,             Vz 1/2, was bedeutet: 

Jesus Christus und der neue Mann werden für geistig >engstens verwandt< gehalten,

unterscheiden sich aber im Denken und Handeln.  Der >siamesische Zwilling mit zwei

Köpfen und vier Armen< ist ein Bild für das gespaltene Urteil über einen Menschen. 

Die einen erkennen >engste< geistige >Verwandtschaft<, andere den Unterschied

im Denken und Handeln.  Erst wenn nach "einigen Jahren", 1/58 Vz 2, "ein Kriegsherr

die Seinen wird ausrotten wollen",             Vz 1, werde mancher Christ lernen, >die siame-

sischen Zwillinge voneinander zu trennen<, d.h. den Unterschied zwischen Christus und

dem vermeintlich >Wiedergekommenen< zu erkennen.  Und Kirchenrechtler werfen

dem >Wiedergekommenen< dann Untreue vor,               Vz 4, während in Wahrheit sie

es waren, die Christus untreu wurden.

Exkurs (8)  Der Visionär als Warner

Eine Warnung ist der Hinweis auf eine Gefahr, d.h. auf negative Folgen, die eine

zukünftige Handlung oder Unterlassung des Gewarnten oder ein von ihm unab-

hängiges Ereignis für ihn haben werden.  Warnungen können unbeachtet bleiben

oder Erfolg haben.  Sie sind erfolgreich, wenn

1) der Gewarnte die Warnung kennt und

2) sie ernst nimmt und

3) die Möglichkeit hat, etwas zu tun, um die Gefahr abzuwenden.

Explizite Warnungen enthalten die Verse 2/97, 3/23, 3/24, 3/87, 4/46, 7/8, 8/32, 9/2,

9/44 und 9/46.  Darüber hinaus kann die Ankündigung von Unglücken im weitesten

Sinn immer auch aufgefasst werden als Hinweis auf Ereignisse, die möglicherweise

abgewendet werden können;  auch solche Ankündigungen sind dann implizite

Warnungen.  Davon ausgenommen sind Naturereignisse, wie sie in Vorschau (II)

beschrieben werden.

Beispiel 1:  König Henri III. von Frankreich hat sich im Frühjahr 1589 mit Heinrich von

Navarra verbündet, dem Haupt der Hugenottenpartei, der ihm dann hilft, das Heer

der Pariser Gegenregierung vor Tours zu vertreiben, der Stadt, die der König zum

Hauptquartier gewählt hat, nachdem Paris in den Händen der katholischen Liga ist.

Darüber freut sich N.,             Vz 1, spricht aber gleich anschließend eine Warnung aus:

"Hüte dich, Tours, vor dem nahen Ruin!" (ta proche ruine), 4/46 Vz 2.  Mit >Tours< 

meint N. hier den König, Exkurs (9) zur Symbolik geografischer Namen.  N. hat gese-

hen, dass Henri III. bald darauf, drei Monate später, von einem Attentäter ermordet

wird;  das meint er mit dem "nahen Ruin".

Ob der König die Warnung des Verseschmieds aus der Provence gekannt hat, wissen

wir nicht.  Es ist wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, denn seine Mutter,

lange seine engste Beraterin, hat N. persönlich gekannt.  Wenn er die Warnung

gekannt hat, wäre die nächste Hürde, die metaphorische Bezeichnung seiner Person

mit dem Namen der Stadt seines Hauptquartiers schon zu bewältigen gewesen.

Dann hätte er auch seine Security verstärken und so vielleicht das Attentat vereiteln

können.  Und wir hätten eine Prognose gehabt, die sich nicht erfüllt hätte.

Beispiel 2:  Der 28jährige tatendurstige, auf Schlachtenruhm versessene General

Napoleon Bonaparte, im Mai 1798 mit N.s Warnungen vor dem Ägyptenfeldzug,

           ,            , 3/87 bekannt gemacht, der in einem militärischen Desaster enden werde,

hätte höchstwahrscheinlich wenig bis nichts auf defaitistische Ansagen dieser Art

gegeben.  In einer Zeit, die sich viel auf ihre Rationalität einbildet und für vernunft-

geleitet hält, werden die Leser alter Prophetien leicht für abergläubisch gehalten.

Und Soldaten wittern dann feindlichen Einfluss oder Verrat oder Feigheit.

Männer der Tat achten nicht auf prophetische Warnungen und verachten sie sogar,

weil sie die ethische Grundlage oder den Erfolg ihres Handelns in Frage stellen.

Die Geisteshaltung der Gewarnten, neudeutsch ihr mindset, nimmt Propheten

einfach nicht ernst.

Beispiel 3:  Vers            enthält eine implizite Warnung.  Verszeile 1 sagt den Bau eines

großen Verteidigungswerkes am Rhein voraus.  Es wird ab 1930 erbaut und nach einem

seiner Initiatoren Maginot-Linie genannt.  Ein französischer Nostradamus-Deuter

schreibt vor dem Frankreichfeldzug der deutschen Wehrmacht als Kommentar zu 4/80:

  

    "La fameuse ligne Maginot, qui incitera l'ennemi à abandonner

     la vieille voie des invasions de la Gaule, n'empêchera pas sa

     capitale d'être prise et incendiée, remplie de mort et d'effroi."

           Dr de Fontbrune (1939)  S. 177 

 

Das Bauwerk an den Ostgrenzen des Landes werde die Feinde nur davon abhalten,

auf den altbekannten Wegen nach Frankreich zu kommen, sie aber nicht daran hindern,

die Hauptstadt trotzdem einzunehmen.  Es kommt dann 1930ff und im Juni 1940 so, wie

N. es vorausgesagt hat.  Das Bollwerk wird gebaut, aber Paris fällt trotzdem den Feinden

in die Hände, 4/80 Vz 3.  >Franzosen, fühlt euch hinter eurem Bollwerk nicht zu sicher,

bereitet euch darauf vor, dass es umgangen werden könnte!<  Diese Warnung war auch

ex ante aus Vers 4/80 ablesbar.  Aber sie wurde von den Entscheidern nicht wahrgenommen

oder nicht beachtet.  Als die Deutschen im Juni 1940 die französischen Verteidigungslinien

durchbrochen haben, stehen keine Reserven bereit.  Man ist sich allzu sicher gewesen,

den Feind vom Zentrum des Landes fernhalten zu können wie im Großen Krieg 1914-18.

Beispiel 4:  Aus der  Vorrede an Henri II.,                                , geht hervor, dass mit dem

"ersten Holokaust" der erste Weltkrieg gemeint ist.  N. zählt bei den Weltkriegen

genau so, wie es seit dem 2. Weltkrieg im 20. Jahrhundert üblich geworden ist. 

In                   kündigt er eine"dritte Überschwemmung mit Menschenblut" an;  er hat

also einen dritten Weltkrieg gesehen.  "Vor dem Konflikt wird die große Mauer fallen",

           Vz 1.  Die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges ist für die Zeit nach 1989 angesagt.  

Daraus, dass N. einen dritten Weltkrieg gesehen hat, folgt nicht, dass der unabänderlich

stattfinden muss.  Wenn eine Atommacht einem Nachbarn nicht erlaubt, in die Einfluss-

sphäre einer anderen Supermacht abzudriften und zur feindlichen Militärbasis zu werden,

muss sie dieser das Denken in Einflusssphären auch zugestehen.  Wer erreichen will, dass

das Völkerrecht respektiert wird, muss zuerst auch selbst das Völkerrecht respektieren. 

Wenn Regime dazu neigen, sich an schwächeren Nachbarländern zu vergreifen, bleibt

diesen nichts anderes übrig, als auf Bündnispartner und Abschreckung durch militärische

Stärke zu setzen.  Wenn aggressive Regime verhandeln wollen, sollte die Gesprächs-

bereitschaft genutzt werden, weil sonst der Krieg näher rückt.  Den Krieg zu verhindern,

kann aber auch unmöglich sein;  wenn eine Seite ihn unbedingt will, ist nichts zu machen. 

Der zweite Weltkrieg war nach dem Januar 1933 wegen der seit den 1920er Jahren fest-

stehenden Eroberungspläne Hitlers kaum noch aufzuhalten.

Beispiel 5:  Ein "römischer Pontifex" wird einmal gewarnt, sich einer Zwei-Flüsse-Stadt

zu nähern,            Vz 1/2.  Gemeint ist das belgische Gent am Zusammenfluss von Leie

und Schelde, wo >Mutter Kirche< >Hochzeit feiern< werde,              Vz 1/2, mit dem

vermeintlich >wiedergekommenen Heiland<.  Dass seine Warnung zu dem Gewarnten

nicht durchdringt, ist aber nicht verwunderlich.  Denn wenn der gemeinte Papst aus

"unbändiger Liebe",             Vz 1, zum >Wiedergekommenen< sich und seiner Kirche

dessen Wohlwollen sichern will, wird er kaum eines Besseren belehrt werden können.

Das Gleiche gilt für seine Umgebung, die "sich allzu sehr berauscht", 6/39 Vz 4, an

den Aussichten einer kirchenpolitisch instrumentalisierten Parusie (= Wiederkunft).

Beispiel 6:  Den Bewohnern von Genf und den dortigen Emigranten rät N. dringend,

aus der Stadt wegzugehen, weil einer, "der gegen den Friedensfürsten ist", dort hin-

kommen und "alle ausrotten" werde,            Vz 1/3.  Ähnliche, weniger klar formulierte

Warnungen gibt es auch für Rom, 9/2, Florenz, 7/8, und Toulouse, 9/46.  Friedensfürst

ist einer der vier Titel, die laut Jesaja 9,5 dem Messias zustehen und wird in der christ-

lichen Theologie Jesus Christus zugesprochen.  Gegner Jesu Christi ist der vermeintlich

>wiedergekommene Heiland<,            , der sich nach wenigen Jahren als Gegner Christi

entpuppt, indem er die Erinnerung an Christus von der Erde tilgen will,            1/2.

Beispiel 7:  N. warnt implizit vor einer >neuen Religion<, die ein >Haupt der Weisheit<,

           Vz 1, der staunenden Menschheit als der Weisheit letzten Schluss präsentieren 

werde.  Diese >neue Religion< werde ein Monopol beanspruchen,            Vz 2;  die

alten Offenbarungsreligionen werden abgeschafft,            Vz 1.  N. erkennt in dieser

>neuen Religion< eine "fixierte, große Nichtigkeit",              Vz 3.  Antike Philosophie

an die Stelle des Evangeliums zu setzen und dieses aus der Welt zu drängen, werde

Unglück bringen, lässt er in             durchblicken.  Das Unglück besteht für den Christen

darin, dass der Zugang zu Gott so verbaut werden soll.  Denn Jesus Christus ist seinem

Selbstzeugnis nach "der Weg, die Wahrheit und das Leben.  Es gibt keinen anderen

Weg zum Vater als mich", Joh 14,6 (BasisBibel). 

Aber N. hat auch gesehen, dass die meisten Zeitgenossen den Verfertiger und "Erfinder",                                 Vz 3, dieser neuen Ideologie, die sich den Anschein einer Religion gibt, hoch ver-

ehren und ihm zujubeln werden,            Vz 4,              Vz 2/3, seine Warnung demnach bis

zu den Jubelnden nicht durchdringt.  Die meisten Menschen achten nicht auf die

Warnungen der Propheten.  Und wenn das so ist, treffen deren Prognosen ein.

Sie können aber denen, die sie doch anhören, ​eine Orientierung geben, die auf Distanz

geht zum vorherrschenden Fehlurteil.  Sie können helfen, Schein und Sein, Lüge und

Wahrheit kenntlich werden zu lassen.  Dann haben sie ihre Warnungen vor Kriegen, an  

der Wahrheit desinteressierten Machtmenschen und falschen Heilsbringern nicht gänzlich

in den Wind gesprochen.

Vorliegende Deutung der Centurien trägt vielleicht dazu bei, die Bekanntheit der

Warnungen des Nostradamus zu erhöhen  -  eingangs genannte Voraussetzung für

ihren Erfolg, ohne da viel erwarten zu dürfen, wie die angeführten geschichtlichen

Beispiele zeigen.

Exkurs (9) Zur Symbolik geographischer Namen bei N.

 

Namen von Städten, Ländern und Flüssen sind meistens wörtlich gemeint, aber sie 

k ö n n e n  auch, anknüpfend an ihre Geschichte, einen politischen oder religiösen

Symbolgehalt haben.  Zu seiner Verschleierungstechnik gehört es, dass N. nicht nur

aus dem Fundus der geläufigen Symbole schöpft, sondern gelegentlich selbst welche

erschafft.  

>Rom< als Name für die Spitze der katholischen Kirche,               Vz 1, ist geläufig, da folgt

N. nur dem Sprachgebrauch.  Gelegentlich aber steht >Rom<, weil es die Hauptstadt des

antiken Imperium Romanum ist, für das Zentrum der>Weltfriedensordnung<, 5/46, 5/49. 

Den globalen Staat, der nach dem Kataklysmus entsteht, versucht N. oft durch Rückgriff

auf die Verhältnisse im antiken Rom der Kaiserzeit zu charakterisieren (--> theatre,

--> Vesta, --> sepulchre).

>Neue Erde< (terre neuve) nennt N. den im 16. Jahrhundert für die Europäer noch neuen

Erdteil Amerika,            Vz 3,             Vz 1.  Attika ist Teil Griechenlands, wo sich in der Antike

die Demokratie erstmals durchsetzen konnte.  Als >attisches Land< kann daher ein Land

bezeichnet werden, das in der Neuzeit zum Hort und zur Speerspitze der Demokratie wird,

          Vz 1, die USA nämlich.

Die Stadt Frankfurt ist seit dem zwölften Jahrhundert der Ort, an dem die Kaiser gewählt

werden.  Daher kann >Frankfurt< diese Institution des Reiches symbolisieren,             Vz 3. 

Die Stadt Venedig verliert 1797 ihre Souveränität,             Vz 4.  Wenn d a n a c h  „Venedig

mit großer Macht die Flügel erhebt“,                 , dann kann das demnach nicht wörtlich

gemeint sein.  >Venedig< steht aufgrund von Ereignissen der Jahre 1606ff. für einen

Staat, der die Autorität der römischen Kirche im kirchlichen Bereich nicht mehr aner-

kennt, VH (35), darüber hinaus aber auch für den säkularen Staat schlechthin, der sich

zu seiner Legitimierung nicht mehr auf den christlichen Glauben beruft.  (Wenn ihm

etwas gegen den Strich geht, ist N. nicht zu Differenzierungen aufgelegt.)

Nach dem Rhein, der Grenze zwischen Frankreich und deutschen Landen, wird 1806 ein

Bündnis dieser Länder benannt, der Rheinbund, dem das alte Kaiserreich zum Opfer fällt. 

Der alte Zusammenhalt des christlichen Europa wird >in den Rhein geworfen<,            Vz 4,

und geht unter im Fluss der Zeit.

Nach der Stadt Marseille ist die Nationalhymne der französischen Republik benannt. 

Daher ist >Marseille< der Ort, wo der moderne Franzose das Gemüt zu den Prinzipien

erhebt, auf die seine Nation seit der Revolution von 1789 verpflichtet ist,              Vz 1/2. 

>Marseille< steht da also für die Revolution und ihre Prinzipien.

In den italienischen Vereinigungskriegen stellt sich auch die Lombardei mit ihrer Haupt-

stadt Mailand gegen die österreichische Herrschaft,             Vz 2.  >Mailand< kann daher

die nationalitalienische Bewegung bedeuten, die im 19. Jahrhundert die >Wiedergeburt<

Italiens als Nation anstrebt.  Einer der Protagonisten dieser Bewegung ist Großgrund-

besitzer im Verchellese, den Ländereien rund um Vercelli;  daher kann >Vercelli< zur

Metapher für diesen Politiker werden,            Vz 1.

Es können Städtenamen also für bestimmte Personen stehen, die zu den betreffenden

Städten eine besondere Beziehung haben.  Als Paris seit 1588 in den Händen der

katholischen Liga ist, hat König Henri III. Tours zu seinem Hauptquartier erwählt. 

N. warnt >Tours< vor dem nahen Ruin und meint den König, auf den ein tödliches

Attentat verübt werden wird,             Vz 2.

Seine >Landsleute in Chartres, Orléans und Rouen< werde „der Alte“, Marschall Pétain

„verraten“, 4/61 Vz 3/4, indem der 83jährige mit den Deutschen kollaboriert.  Orléans

und Rouen sind Schauplätze des Wirkens der Nationalheldin Jeanne d‘Arc, und Chartres

ist Pilgerstätte und ein religiöses Zentrum des Landes.  Gemeint sind im Kontext jene 
Franzosen, die 1940ff als Widerständler das wahre, selbstbestimmte Frankreich erhalten

und verteidigen wollen.  >Rouen und Chartres<, d.h. die aufrechten, widerständigen

Franzosen werden nach ihrem Sieg den Kollaborateuren Schlimmes antun,            Vz 4.

Babylon kann für die Weltgegend stehen, wo diese Stadt einst lag (Irak),            Vz 3. 

Doch >Babylon< bezeichnet wegen des biblischen Hintergrundes auch eine Macht,

die dem >Volk Gottes<  - das sind für N. die Katholiken -  feindlich gesonnen ist. 

>Neues Babylon< heißt in                   (Kap.41) der kommunistische Machtbereich als

Feind der europäischen Christenheit. 

Der Dnjepr fließt durch Russland, Weißrussland und die Ukraine ins Schwarze Meer. 

Daher kann der >Dnjepr< diese Länder bedeuten, die als erste unter die Herrschaft

der kommunistischen Ideologie geraten,             Vz 3.

Der Unterlauf der Donau heißt lateinisch Hister.  >Hister< steht bei N. für Hitler erstens

wegen der ähnlichen Lautung, zweitens weil er aus dem Donauraum stammt und

drittens auch dort >Lebensraum< für sein Volk erobern will,            Vz 2, 5/29 Vz 4.  

In Genf lehrt zu N.s Lebzeiten Calvin;  die Stadt wird im 16. Jahrhundert zu einem

Zentrum des europäischen Protestantismus.  >Genfer Volk< kann N. daher jene

Hugenotten nennen, deren Kultus seit 1685 in Frankreich verboten ist, und die

daraufhin in den protestantischen Kantonen der Schweiz Zuflucht suchen,             Vz 4. 

Im 20. Jahrhundert wird Genf zum Sitz des Völkerbundes und 1946 zum europäischen

Zentrum der Vereinten Nationen.  >Die Genfer< bedeuten seitdem die Mitglieder

der Völkergemeinschaft, 4/59 Vz 4,             Vz 3.


Dieser Katalog erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
 

Exkurs (10)  Ironie und Sarkasmus als Deutungsproblem

 

Die Bezeichnung als "heiliger Barbar",              Vz 2, enthält eine doppelte, in sich

widersprüchliche Wertung, die nur erklärbar ist, wenn man annimmt, dass N. eine

von beiden nicht wörtlich, sondern sarkastisch gemeint hat.  Barbar ist das, was 

Hitler für den Seher war und für die Nachwelt ist, und >heilig< ​​ist die von N.

wahrgenommene Wertung vieler deutscher Zeitgenossen des Diktators, die ihn

wie einen deutschen Messias verehren.  Wer das Ende absieht, kann das nur

in ironischem Ton aussprechen.  D a s s  N. das Stilmittel der Ironie einsetzt, ist

damit belegt, ohne dass dieser Beleg den Status eines Beweises haben könnte.

Ironische oder sarkastische Aussagen meinen das genaue Gegenteil dessen, was

sie zu sagen scheinen.  Wird der Tod Kaiser Karls V. als „Lohn für Nürnberg“

bezeichnet,             Vz 2, für den Nürnberger Religionsfrieden von 1532, dann ist für

Nostradamus dieser >Lohn< in Wahrheit das Scheitern als gerechte Konsequenz

einer Haltung Karls gegenüber Luther und dessen Anhängern, die er als zu nach-

giebig brandmarken will.  Ironisch und sarkastisch gemeinte Aussagen erweitern

also den Deutungsspielraum um das genaue Gegenteil dessen, was sie zu sagen

scheinen.  Die Deutung wird dadurch nicht einfacher, aber ihre Möglichkeiten ver-

vielfältigen sich auch nicht ins Beliebige.
 
N. nimmt in seinen Visionen den Irrsinn und die Verworrenheit des Geschehens,

die Anmaßung und Grausamkeit der Akteure um kurzlebigen Ruhmes willen so oft

wahr, dass die gelegentliche Flucht in die Distanz der Ironie verständlich erscheint. 

Die Schärfe des Sarkasmus ist nur dann zu spüren, wenn ihm Unverzichtbares bedroht

erscheint, namentlich die Einheit der Kirche, das christliche Königtum oder die

Souveränität seines Heimatlandes.  

"Für das Vergnügen eines sinnenfrohen Edikts" werde man "das Gift in den Glauben

mischen",             Vz 1/2.  Das >Gift< sind für N. die Glaubenslehren der französischen

Protestanten.  Als Henri Quatre 1598 die Protestanten legalisiert, werde Liebesgöttin

Venus >auf so tugendhaftem Pfad sein<, dass der katholische Glaube >verdunkelt<

werde, 5/72 Vz 3/4.  In Wahrheit dächten >die Ketzer<, die ihren Priestern die Ehe

erlauben, nur an Sinnenfreuden  -  ein boshaft verzerrender Sarkasmus, den N. sich

da erlaubt.  Er empfindet die Protestanten durch ihre pure Existenz als Bedrohung.  
Warum er so empfindet, reflektiert er nicht ansatzweise.

"Glücklich in der Herrschaft über Frankreich, voller Lebensfreude",               Vz 1, ahnt

König Louis XVI. nichts von der Revolution, die sich in seiner Regierungszeit vorbereitet,

"weiß nichts von Blut, Tod, Raserei und Raub", 10/16 Vz 2.  Im Juni 1791 verlassen er

und seine Familie >mit Fanfaren< Paris, 3/50 Vz 3;  Trompetenstöße zeigen traditionell

an, dass der König mit seinem Gefolge in der Nähe ist.  In Wahrheit schleicht sich die

eingesperrte Familie nachts davon;  die fehlenden Fanfaren bedeuten sarkastisch die

Machtlosigkeit des Königs nach der erfolgreichen Revolution.

Dem revolutionären >Durst< auf Veränderung und Zerstörung der alten Ordnung

Europas wird 1803 die Amtswürde des Kurfürsten von Mainz, des Vorsitzenden des

Kurfürstenkollegiums, >in den Rachen geschüttet<,             Vz 1/2.

Dem Papst, der sich seine Unfehlbarkeit von einem Konzil bescheinigen lässt und zwei

Monate später als weltlicher Herrscher abgesetzt wird, lässt N. milde Ironie zuteil werden. 

Pius IX. hat ein hohes Bild von sich und seiner Bedeutung, lässt einen Kult um seine Person

veranstalten ("Die Kirche bin ich"), ist ein >Einzigartiger<,             Vz 4.  "Er wird sehr

ambitionierte Dinge vollbringen, in der Hierarchie gab es nie einen Ebenbürtigen", 

Vz 3/4.  Gleich danach als Herrscher des Kirchenstaates abgesetzt, "empört er sich",

8/07 Vz 4, über das Unrecht, das ihm und seiner Kirche geschehen sei.

Dass seine Heimat 1940 bis 1944 in die Abhängigkeit, gar Botmäßigkeit einer fremden

Macht gerät, ist für N. schwer mit anzusehen und lässt ihn zu bösem Sarkasmus greifen,

den Philippe Pétain als Herrscher von Hitlers Gnaden abbekommt.  Ein großes Heer,

geführt von einem >jungen Mann<, dem 83jährigen Pétain, werde sich in die Hände

des Feindes begeben, 3/69 Vz 1/2;  fast zwei Millionen Franzosen geraten 1940 in

deutsche Kriegsgefangenschaft.  "Der Alte wird emporkommen zum Oberhaupt 
seines Imperiums", "hat die Herrschaft inne mit großer Macht",             Vz 2/3  -  aber

nur auf dem Papier.  Seit November 1942, als die Deutschen auch seinen Satellitenstaat

besetzen, nimmt sich sein >neues Imperium< noch trostloser aus als zuvor,             Vz 1/2. 

Schon nach dem Großen Krieg 1914-18 habe er zu den Träumern gehört, die sich Hoff-

nungen auf den Frieden gemacht hätten, den der Völkerbund organisieren wollte, 1/97 
Vz 2/3.  Aber das stimmt nicht, hier verzerrt der Zorn N.s auf Pétain das Bild;  dessen

militärstrategische Fehler,            Vz 1/2, sind nicht politischer Naivität geschuldet.

Der Erste eines dritten Imperiums, des >Dritten Reichs< werde "mutig" sein, "das Blut

von Deportierten zu vergießen",             Vz 2  -  ein Sarkasmus, denn es erfordert keinen

Mut, Wehrlose zu töten, nur ein taubes Gewissen.

Die Kirche werde einmal >von Gott verfolgt< werden,             Vz 1, von einem Mann, der

sich aufführt, als wäre Gott durch ihn anwesend,             Vz 2, und als wäre er der >wieder-

gekommene Heiland<,             Vz 1/2.  Hoch aufgestiegen, 1/95 Vz 3/4, zum Weltherrscher,

           , belegt er die Glaubensgemeinschaften der alten Offenbarungsreligionen mit dem

Bann,             Vz 1.  So werde er "die Unzulänglichkeit seines Vorgängers" namens Napoleon

"korrigieren",             Vz 4  -  ein abgründiger Sarkasmus aus dem Mund eines Katholiken. 

Napoleon hat die katholische Kirche auch schon um Geld und Kunstschätze erleichtert,

den Papst verschleppen lassen und den Kirchenstaat abgeschafft, sich aber in den Glauben

nicht eingemischt.

Die Frage, ob Aussagen oder Begriffe ironisch gemeint sind, kann schwer zu entscheiden

sein.  Legt eine große Huldreiche >souveräne Macht< an den Tag, 2/14 Vz 4, oder macht

eine >große Heldentat< von sich reden,             Vz 3, dann sind diese Formulierungen schon

deshalb der Ironie verdächtig, weil ihr uneingeschränkt positiver Klang zu dem Bild des

geistigen Verfalls nicht passt, das N. von der Zukunft im Allgemeinen entwirft und das

für ihn mit dem Niedergang der Monarchien und seiner Kirche untrennbar verknüpft ist. 

Erst wenn dem geistigen Abstieg einmal wirklich Einhalt geboten sein wird, wenn dem-

nächst die Geister geschieden sein werden, Offenbarung Kapitel 20 Vers 4 bis 6, könnten

Hymnen der angegebenen Art auch einmal wörtlich so gemeint sein, 10/89.

Im Zweifelsfall gilt die allgemeine Regel, dass sich alle Teilaussagen eines Verses ins

Gesamtbild einfügen müssen, dessen Perspektive und Farben von den Anschauungen

und Werturteilen des Sehers geprägt werden.  Und manchmal ist dieses Gesamtbild

eben nicht kenntlich ohne die Annahme, dass Ironie oder Sarkasmus im Spiel sind.

 

Exkurs (11) Konnte N. die Namen der erschauten Personen erkennen?

 

Es wird für absurd gehalten, in den Buchstaben D.M. eine Abkürzung für Duce Mussolini

zu erkennen, dann könne hier auch die Deutsche Mark gemeint sein (Pfändler, Jean-

Claude, Nostradamus, Die Urtexte, Chieming 1996 S. 27).  Was diese Deutungsidee

angeht, müsste gezeigt werden, dass Nostradamus des Deutschen mächtig war und

sich auch für Nationalökonomie interessiert hat  -  bisher ist das noch nicht gelungen.  


Am Beispiel Napoleons zeigte sich, dass N. diesen Namen mindestens seiner Lautung

nach wahrgenommen hat, denn er erinnerte ihn an den Engel des Abgrunds namens

Apollyon in der Johannes-Apokalypse,            Vz 1/2.  Das lässt auch Pfändler gelten

(1996 S.107).  Wer aber in einem Fall einräumt, dass N. einen Namen wahrgenommen

hat, wird das für andere Fälle nicht prinzipiell ausschließen können.  

Mussolini, über zwanzig Jahre lang in Italien an der Macht, hat durch seine Politik das

Ende des Königreiches Italien bewirkt und vor allem deshalb das Interesse des der

Monarchie anhängenden N. erweckt,             Vz 3/4.  Die Inschrift D.M., die 1922 in der

italienischen Öffentlichkeit Furore macht, kannte N. von antiken Grabsteinen.  Seine

Intuition erschloss ihm den Zusammenhang beider, die Ahnenverehrung der antiken

wie der modernen Römer der 1920er und 1930er Jahre.  Die selbst ernannten Erben

der Cäsaren haben selbst nicht viel zu bieten und wollen die antike Identität aus-

beuten, um an alte Pracht und Herrlichkeit anzuknüpfen,             Vz 2.

Das deutlichste Beispiel für des Sehers Fähigkeit, die Namen der Akteure zu erkennen,

bietet Vers             Vz 1/3, der die Namen von gleich zwei spanischen Protagonisten nicht

nur andeutet, sondern wörtlich nennt.  Und dann sind da noch der „abhängige Philipp“,

Nachname Pétain,             Vz 4, sowie der polnische Papst „mit dem Beinamen des

Propheten“ namens Johannes,             Vz 1, jenes Propheten, der das letzte Buch der 
Bibel verfasst hat.

Die hier behandelte Frage zeigt wieder, dass vorgefasste Meinungen, über welche

Fähigkeiten Hellseher verfügen müssten oder keinesfalls verfügen könnten, nicht

weiterhelfen.  Ein begründetes Urteil kann sich nur auf die zusammengetragenen

Indizien und ihre Verknüpfung stützen.

Exkurs (12) Göttliche Gerechtigkeit als prophetisches Schema

 

"Das Niedrige wird hoch, und das Hohe wird niedrig“, verkündet Ezechiel Kapitel 21,

Vers 31 bündig, und Jesus schlägt in die gleiche Kerbe:  „Wer sich selbst erhöht, wird

erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“, Matthäus Kapitel 23 Vers 12.  Als

Beispiel für die göttliche Gerechtigkeit nicht geeignet, nennt doch Vers 10/18 Vz 2

diese Sentenz wörtlich und bietet so einen Beleg für ihr Wirken bei N..  E r s t  die

Erhöhung des Ungerechten durch den Willen der Menschen,  d a n n  dessen Erniedri-

gung durch den Willen Gottes, e r s t  der Erfolg des Verkehrten, d a n n  dessen

Scheitern  - so vereinfacht N. des Öfteren die Vorgänge und will gerade durch den

Schematismus klar machen, dass er hier ein Gesetz aus dem Willen Gottes walten sieht. 

Nicht nur Personen, auch verkehrte Ideen sieht er aufsteigen und scheitern.  Ihre Träger

erfahren erst durch das Scheitern die Verkehrtheit.  „Bevor für lange Zeit das ganze

in Ordnung gebracht wird, „erwarten wir ein ganz verkehrtes Zeitalter“,             Vz 2. 

Nach der amerikanischen und der französischen Revolution werde niemand mehr

den ihm bestimmten Platz und Rang einnehmen wollen.  Auch an den Sturz der

alten Ordnung im Habsburgerreich 1918 knüpfen manche Völker große Hoffnungen,

aber „das neue Gesetz wird härter sein als Dienst“, weil die Ideologen, die dann 
emporkommen, die Völker untereinander und in sich entzweien,             Vz 4.

Auch an Personen lässt sich das Schema verfolgen. „Beherztheit, Kraft, Ruhm“

zeichnen Frankreich unter Ludwig XIV. aus,             Vz 1, doch nach dessen Tod geht es

bergab -  Nostradamus zufolge, weil die Franzosen sich für die aufgeklärten politi-

schen Ideen der Briten begeistern,             Vz 4.  Später unter Ludwig XVI. kommt

„eine gute Zeit, große königliche Güte“, doch „allzu“ große Güte,              Vz 1, die

Revolution holt den Mann aus seiner abgehobenen Welt am Hof und überfordert ihn.

Der >Adler< Napoleon verjagt einige andere „Palastvögel“, aber „recht bald danach“

ist „der Fürst vereitelt“, 2/23 Vz 2.  Als ein "Falscher" und "Volksverführer", 10/46 Vz 4,

d.h. als Usurpator des Kaiserthrones muss er scheitern.

Unter König Viktor Emanuel III. von Italien steht das Land im ersten Weltkrieg auf

der Siegerseite, „doch dann wird kommen ein grausamer Übeltäter“, 8/31 Vz 2,

die Berufung Mussolinis zum Regierungschef ist der Anfang vom Ende des König-

reiches Italien, 8/66.

Hitler wird „von unten nach oben emporgehoben geschwinde“, aber „binnen kurzem

wird (man) ihn eine verkehrte Bestie nennen“ wegen seiner Verbrechen, 1/12 Vz 1. 

Wenn diese nach dem Krieg aufgedeckt werden, ist „das goldene Zeitalter tot, der

neue König ein großer Skandal“, 9/17 Vz 4.

Kann in einem schwierigen Fall wie Vers 5/94 gezeigt werden, dass eine Deutung das

prophetische Schema der von Gott gewirkten Gerechtigkeit erfüllt, dann ist das ein

unterstützendes Argument für diese Deutung  -selbstverständlich ohne sie allein

begründen zu können.

Exkurs (13) zum räumlichen Geltungsbereich der Centurien


Diesen beschreibt N. selbst in VH (4) als „den größten Teil der Städte und Großstädte

ganz Europas, einschließlich jener Afrikas und eines Teils von Asien“.  Er meint damit

die Ausdehnung der antiken römischen Zivilisation, zu der noch die christlichen Gebiete Mitteleuropas hinzukommen.  Die Ortsnamen in vielen Versen bestätigen als geographi-

schen Schwerpunkt der Centurien den Mittelmeerraum und damit Südeuropa, aber

auch West- und Mitteleuropa.


Am Beispiel des Verses             ist aber nun ablesbar, dass dieser Schwerpunkt nicht 

e x k l u s i v  zu verstehen ist, sondern in Einzelfällen auch überschritten werden kann. 

N. hat Napoleon in der Verbannung auf St. Helena gesehen,            , eine Insel der

Südhemishäre.  Wenn sich außereuropäische Ereignisse maßgeblich auf Europa

auswirken, lässt N. es sich nicht nehmen, davon zu handeln, o b w o h l  sie außerhalb

seines geographischen Fokus liegen.  Ohne den Kriegseintritt der USA hätte die

Nachkriegsgestalt Europas anders ausgesehen und wäre seine Geschichte anders

verlaufen.  Japan bewirkt den Kriegseintritt der USA und beeinflusst so als weiterer

Kriegsgegner der Vereinigten Staaten von Amerika mittelbar auch den Krieg in 
Europa.  Es ist auch kein Zufall, dass gerade ein Vers, der in den Jahren 1941 bis 1945

sich erfüllt, die geographische Mitte der Centurien verlässt.  Denn nach dem ersten

und mehr noch infolge des zweiten Weltkriegs haben andere Mächte die bis dahin

dominierende Stellung Europas in der Welt übernommen. 

Es gibt andere Beispiele.  Moskau und Stalingrad liegen in Europa, aber schon

außerhalb der geographischen Grenzen der antiken Zivilisation.  Moskau ist im

Jahr 1812 Schauplatz eines Geschehens, das den Wendepunkt im Schicksal des

napoleonischen Empire bringt,            Vz 3/4.  Stalingrad ist im Jahr 1943 Schauplatz

des Wendepunktes im Schicksal Deutschlands<,            .  Die Ereignisse dieser Jahre

prägen die jeweils folgende Geschichte Europas.  Nach dem zweiten Weltkrieg

werden „die beiden großen Meister“  - gemeint sind die Supermächte - „vom

Joch des Krieges befreit“ sein, heißt es in             Vz 1.

Dass in der Zukunft noch mehr Beispiele für die Überschreitung des Schwerpunktes

Europa zu finden sind, ist angesichts der Globalisierung der geschichtlichen Prozesse

nicht anders zu erwarten.  So handeln etwa die Verse 2/60, 3/60 und 3/3 explizit von

Vorgängen in Asien, nicht etwa nur Kleinasien.

 

Exkurs (14)  Hat N. gesehen, dass Christus wiederkommt?

 

N. hat ein düsteres Triptychon entworfen, betitelt "Der Antichrist".  Es zeigt drei

nacheinander auftretende große Herrscher, die er als antichristlich einstuft. 

Das linke der beiden Seitenteile zeigt Napoleon, wie er aus einer antiklerikalen

Revolution hervorgeht, halb Europa mit Krieg überzieht und das alte christliche

Kaiserreich auslöscht,            Vz 3/4.  Das rechte Seitenteil zeigt einen "ungerechten,

hochmütigen, niederträchtigen" Herrscher,            Vz 2, der fast ganz Europa und

die Welt in einen Krieg stürzt und wegen seiner Kriegsverbrechen und der Völker-

morde für die Nachwelt ein "großer Skandal" ist,            Vz 4.

Der Mittelteil des Triptychons zeigt den letzten der drei antichristlichen Herrscher,

9/05 Vz 1, wie er konsequenter als sein >Vorläufer< Napoleon gegen die Kirchen

vorgeht,            Vz 3/4.  Er kann in die Identität Christi schlüpfen, d.h. er wird von vielen

Christen für den wiedergekommenen Christus gehalten.  Er kann sich dann bald

zum Weltherrscher aufschwingen,           Vz 1, der nach wenigen Jahren die alten

Offenbarungsreligionen und ihre dann verbleibenden Anhänger auf dem Altar

seiner angeblich dem Weltfrieden verpflichteten >neuen Religion< opfern lässt,

5/18.  Er lässt altgläubige Christen vor Gericht stellen,            Vz 3/4, wodurch das

Ende der alten Erde eingeläutet wird.  Im Hintergrund des Mittelteils zeigt sich von

ferne das helle Bild der neuen Erde, wenn "eine menschenfreundliche Herrschaft

von engelhafter Herkunft ihrem Reich Frieden und Einheit erhält",              Vz 1/2,

und "der Krieg ergriffen ist, versenkt in sein Verlies", 10/42 Vz 3.  

Der zum Herrscher Europas auf der neuen Erde wird, ist ein Mann, den N. in höchsten

Tönen lobt und einmal als "Stellvertreter Christi" bezeichnet, VH (17), weil er erfolg-

reich die Aufgabe des guten Hirten übernimmt, die Christen zu beschützen,            Vz 4,

           Vz 4.  Dieser christliche Herrscher ist also nicht Christus selbst.  Wenn N. gesehen

hätte, wie, wo und wann Christus selbst wieder zur Erde kommt, hätte er sicherlich

davon erzählt.  Geleugnet hat er die Wiederkunft aber auch nicht;  einmal wird der

vermeintlich Wiedergekommene als Freund bezeichnet, den die Menschen "zu früh

begrüßen",            Vz 2, weil sie nicht warten mögen, bis Christus, der wahre Freund aller

Menschen, wirklich wiederkommt.

N. hat also nicht gesehen, dass Christus wiederkommt.  Wie verträgt sich dieser

Befund mit der Ankündigung Jesu von Nazareth, er werde "auf den Wolken mit

großer Macht und Herrlichkeit kommen", Mk 24,27-36?  Müsste N. das nicht auch

gesehen haben?  Wenn er es aber nicht gesehen hat, steht er dann nicht im Verdacht,

ein falscher Prophet zu sein?  Oder hat umgekehrt Nostradamus recht, wenn er von

der Wiederkunft Christi nichts erzählt, und die biblische Verheißung ist widerlegt? 

Diese letztgenannte Denkmöglichkeit ist aber prinzipiell auszuschließen, denn ein

1500 Jahre nach Christus auftretender Visionär kann nicht die Evangelien wider-

legen, in denen sich Gott den Menschen offenbart hat. 

Das Fehlen der zweiten Wiederkunft Christi in den Visionen des Nostradamus wäre

erklärt, wenn dieses zweite Wiederkommen sich auf gleiche Weise ereignet wie

seine erste Wiederkunft als Auferstandener.

Der Auferstandene kommt zu seinen Anhängern auf eine Weise, dass sie es nicht

nur vom Hörensagen glauben, sondern selbst erleben und erfahren können, dass er

lebt.  Die erschrockenen Jünger meinen erst, einen Geist (pneuma) zu sehen, ein

Gespenst oder Trugbild (phantasma, Mk 6,49).  Die erstaunliche Fleischlichkeit

seines Auftretens, Lk 24,39-43, steht ganz im Dienst der Beteuerung "Ich bin es

wirklich" (autòs egó eîmi).  So kann er Schrecken und Zweifel in Freude verwandeln. 

Eigenartig an seinem Auftreten ist, dass er plötzlich kommt, Lk 24,36, und auch

plötzlich wieder verschwindet, Lk 24,31.  Er kommt auch durch Türen, die fest

verschlossen sind, Joh 20,19 und 26, weil man die Schergen des Tempels fürchtet. 

Und er kommt während der ganzen vierzig Tage seines Auftretens immer nur zu

denen, die in ihm den großen Propheten oder Gottessohn erkannt haben.  Aber er

kommt nie zu seinen Feinden, den Priestern des Tempels oder zu den Gleichgültigen;  
jedenfalls wird davon nichts erzählt.  Ein weltlicher Herrscher muss sich seinen Feinden

stellen.  Aber als weltlicher Herrscher ist der Auferstandene nicht gekommen und

kommt er auch in Zukunft nicht.  Schon vor Beginn seiner Lehrtätigkeit hat er die

Herrschaft über die Welt abgelehnt, Mt 4,8-11;  Lk 4,5-8.  Und am Ende vor Pilatus

bestätigt er, dass das Reich, dessen König er ist, nicht von dieser Welt ist, Joh 18,36.  

Der Auferstandene ist zu den dafür empfänglich gewordenen Menschen im Geistleib

gekommen, dessen Verhältnis zum irdischen Leib Paulus als Formwandel vom vergehenden

Samenkorn (natürlicher Leib) zur ausgewachsenen Pflanze (Geistleib) erklärt, 1 Kor 15,35-49.

(Die Vulgata und Luther übersetzen soma pneumatikon mit "geistlicher Leib", die Einheits-

übersetzung hat "überirdischer Leib", die BasisBibel nennt es einen "vom Geist Gottes

geschaffenen Leib";  bei Jakob Lorber ist durchgängig vom "Geistleib" die Rede.)

Jesus hat den Jüngern beim Abschied die Sendung des Heiligen Geistes versprochen

und sie gesegnet.  Dann wird er vor ihren Augen emporgehoben und entschwindet

den Blicken, Lk 24,50-51; Apg 1,4-9.  "Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel

und schauten ihm nach.  Da standen plötzlich zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen. 

Die sagten: >Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel?  Dieser

Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird wiederkommen - 

g e n a u s o  w i e  i h r  i h n  h a b t  i n  d e n  H i m m e l  g e h e n  s e h e n<",  
Apg 1,10-11 (BasisBibel, Hervorhebung vom Verf.).  Das Wort von der Wiederkunft führt

demnach in die Irre, wenn man es so versteht, dass Christus als weltlicher Herrscher

von Fleisch und Blut wiederkehren werde.

Vor seinem Tod hat Jesus den Menschen aufgegeben, dass sie es  n i c h t  glauben

sollen, wenn ihnen nur  g e s a g t  würde, dass hier oder dort der Christus sei, mit der

Begründung, dass falsche Propheten und Messiasse auftreten würden, Mt 21,8; 24,23-28. 

N. hat gesehen, dass nach dem Kataklysmus ein Mann von Fleisch und Blut auftreten

werde, den viele seiner Zeitgenossen für den wiedergekommenen Christus halten

würden.  N. hat aber auch erkannt, dass dieser Mann ein ganz "Anderer" als der

Erwartete und Ersehnte sein werde,            Vz 2.  Dieser neue Messiasprätendent und

die auf ihn vertrauenden Zeitgenossen verstehen die angekündigte Wiederkunft

Christi nicht als geistige Anwesenheit, die die Menschen durch ein Leben nach den

Geboten Christi erringen können.  Sie beanspruchen sie exklusiv für einen Menschen

von Fleisch und Blut, der die Welt retten soll.  Die Priester des jüdischen Tempels zur 
Zeit des Erdenlebens Christi verbanden mit dem Auftreten des Messias die Hoffnung

auf Befreiung von der Herrschaft der Römer, also die Hoffnung, ein politisches Ziel zu

erreichen.  Nach Krieg und Kataklysmus wird noch einmal ein gottgesandter Mann

ersehnt,             Vz 1/2.  Man wünscht sich, dass Gott selbst eingreifen, die politischen

Verhältnisse durchgreifend zum Besseren wenden und der drohenden Selbstvernich-

tung der Menschheit mit Macht Einhalt gebieten möge.  Noch einmal wird die

Prophezeiung vom Messias fundamental missverstanden.

Christus hat sich nicht als heilig ausgeben lassen, obwohl er es spätestens am Kreuz war. 

Der vermeintlich Wiedergekommene dagegen wird >den Heiligen geben<,           Vz 2,

d.h. so tun, als stünde er in direkter Verbindung mit Gott oder sei gar selbst Gott,

2 Thess 2,4.  Und er wird sich die öffentliche Verehrung der Menschen gefallen lassen,

             Vz 4, im Unterschied zu Christus, der sich noch nicht einmal "guter Lehrer" nennen

lassen wollte, Mk 10,17-18.  Öffentliche Respektsbezeugungen hat Jesus abgelehnt und

die Priester des jüdischen Tempels für ihre ganz andere Praxis verurteilt, Mt 23,5-12.

"Ich werde bei Meiner zweiten Wiederkunft nicht mehr aus einem Weibe wieder als

ein Kind geboren werden;  denn dieser Leib bleibt verklärt so wie Ich als Geist in

Ewigkeit, und so benötige Ich nimmerdar eines zweiten Leibes in der Art, wie du

das gemeint hast.

Ich aber werde zuerst unsichtbar kommen in den Wolken des Himmels, was so viel

sagen will als:  Ich werde vorerst Mich den Menschen zu nahen anfangen durch wahr-

haftige Seher, Weise und neuerweckte Propheten, und es werden in jener Zeit auch

Mägde weissagen und die Jünglinge helle Träume haben, aus denen sie den Menschen

meine Ankunft verkünden werden, und es werden sie viele anhören und sich bessern; 

aber die Welt wird sie für irrsinnige Schwärmer schelten und ihnen nicht glauben, wie 
das auch mit den Propheten der Fall war.

Ebenso werde Ich von Zeit zu Zeit Menschen erwecken, denen Ich alles das, was jetzt

bei dieser Meiner Gegenwart ist, geschieht und gesprochen wird, durch ihr Herz in

die Feder sagen werde, und es wird dann das einfach Geschriebene auf eine eigene,

den dermaligen Menschen wohlbekannte kunstvolle Art in einer ganz kurzen Zeit

von einigen Wochen und Tagen in vielen Tausenden gleichlautenden Exemplaren

können vervielfacht und so unter die Menschen gebracht werden;  und da die

Menschen in jener Zeit beinahe durchgängig des Lesens und Schreibens kundig

sein werden, so werden sie die neuen Bücher auch selbst wohl lesen und verstehen

können.  Und diese Art der Ausbreitung Meiner neu und rein wiedergegebenen

Lehre aus den Himmeln wird dann um vieles schneller und wirksamer zu allen 
Menschen auf der ganzen Erde gebracht werden können denn so wie jetzt durch

die Boten in Meinem Namen von Munde zu Munde.

Wenn auf diese Art Meine Lehre unter die Menschen, die eines guten Willens und

tätigen Glaubens sein werden, gebracht sein wird und zum wenigsten ein Drittel

der Menschen davon Kunde haben werden, so werde Ich denn auch hie und da

persönlich und leibhaftig sichtbar zu denen kommen, die Mich am meisten lieben

und nach meiner Wiederkunft die größte Sehnsucht und dafür auch den vollen

und lebendigen Glauben haben werden."

Zitat aus: Jakob Lorber, Das große Evangelium Johannes, Band 9, Kapitel 94,

Absätze (2) bis (6)

 

Exkurs (15) Wird hier eine jüdische Weltverschwörung behauptet?

"Eine der furchtbarsten und folgenreichsten Verschwörungstheorien der Geschichte

ist die Behauptung, es gebe eine jüdische Geheimorganisation, die nach der Welt-

herrschaft strebt.  Wann immer einflussreiche Politiker oder Geschäftsleute einen

jüdischen oder jüdisch klingenden Namen tragen, betrachten die Anhänger dieser

Verschwörungstheorie dies als Beleg dafür, dass die sogenannten Protokolle der

Weisen von Zion die Realität wiedergeben.  Das Anfang des 20. Jahrhunderts zum

ersten Mal veröffentlichte Dokument enthält Protokolle angeblicher Treffen von zwölf

jüdischen Führern, die darüber diskutieren, wie man Regierungen übernehmen und

schließlich an die Weltherrschaft kommen könnte."  (Süddeutsche Zeitung vom 26.8.2011).  
 

Diese gefälschten, aus verschiedenen trüben Quellen gespeisten >Protokolle< hatten

eine klar antijüdische Tendenz und dienten später u.a. den deutschen Nationalsozialisten

und dienen noch heute z.B. der palästinensischen Hamas dazu, die Juden- bzw. Israel-

feindlichkeit ihrer Politik zu begründen.


Die Centurien des Nostradamus werden hier so gedeutet, dass in nicht mehr ferner

Zukunft ein Mann, der dem jüdischen Volk entstammt, sich in mehreren Etappen bis

zur Weltherrschaft [VIII] aufschwingen und von dieser Position aus u.a. dafür sorgen

werde, dass seinem Volk "Gunst gewährt" wird,             [III]. Ein flüchtiger Leser kann

daher auf die Idee kommen, dass hier anscheinend die Theorie oder besser Paranoia

von einer jüdischen Weltverschwörung unseligen Angedenkens erneut aufgewärmt

werden soll.  Aber in Wahrheit trifft das nicht zu. Der spätere Weltherrscher fängt

klein an, als höchst begabter Prediger und Diplomat, der sein Volk, das jüdische

Volk des Staates Israel,            [III], das in schwerste Bedrängnis geraten ist, vor dem

vollständigen Untergang bewahrt und seine Lebensbedingungen verbessert, 2/07 [III]. 

Viele religiöse Juden, deren Zahl sich in existenzieller Not vermehrt hat, halten den

Mann daher für den ihnen in biblischer Zeit einst versprochenen Messias, 6/18 [III], 
zumal er auch außerordentliche Zeichen zu wirken imstande ist,             [III].

Schon diese räumlich noch sehr begrenzten Vorgänge im Mittelmeerraum finden

nun aber nicht heimlich statt, sondern öffentlich, bei Nostradamus z.B. an Vers       

ablesbar, der die Empörung zweier weit entfernter Großmächte über die schreck-

liche Lage der israelischen Juden in der gemeinten Zeit anspricht.  Dass diese

öffentlichen Vorgänge von irgendwelchen Geheimgesellschaften, Logen oder

Sekten ins Werk gesetzt werden, ist bei N. dagegen nirgends zu erkennen. 

Und dass der Mann, der in die Identität des Messias der Juden hineinschlüpft,

nur Jude sein kann, ergibt sich daraus, dass ein gottgesandter Messias einst dem

Volk der Juden von seinen Propheten versprochen wurde.  Er nimmt die alte

Verheißung für sich in Beschlag und zündet so die erste Stufe einer >Trägerrakete<,

die ihn dann bis in die Umlaufbahn des Weltherrschers emporträgt, [Vorschau VIII].

Wie die zweite Stufe dieser raketenhaften Karriere ihren Schub entfaltet, wird

in den Kapiteln [III] und [IV] deutlich.  Der Gemeinte versteht es, die Spitze der

katholischen Kirche davon zu überzeugen, dass sich durch die Ankunft seiner

Person die Verheißung von der Wiederkunft Christi auf Erden nunmehr erfülle. 

Noch mehr als die Hilfe, die er seinem eigenen, dem jüdischen Volk leisten kann,

wird seine Anerkennung als >wiedergekommener Heiland< in aller Öffentlichkeit

gefeiert, wofür das Kapitel [IV] mehrere Belege bietet.  

In Vers 10/52 [IV] findet sich die einzige Stelle, die als Hinweis auf eine Verschwörung

gedeutet werden könnte:  Die Bindung der katholischen Kirche an den >wiederge-

kommenen Heiland< sei "von langer Hand vorbereitet".  Doch damit ist nur die 2000

Jahre alte Ankündigung der Wiederkunft Christi gemeint, aber keine Steuerung der

Vorgänge aus dem Hintergrund mit irgendwelchen geheimen Machtmitten.  Es ist die

mangelnde Urteilsfähigkeit und Wahrheitsliebe in Sachen Religion sowie auch Ehrgeiz,

Wunschdenken und Abenteuerlust mancher Kleriker, die daraus entstehende leicht-

sinnige Gutgläubigkeit und schließlich Verblendung vieler Menschen, die die Vorgänge

ermöglicht.  Sie mag psychologisch ansteckend sein, wird aber nicht von außen gesteuert.  

Das Bild der Trägerrakete für die Antriebskräfte der Karriere des vermeintlich >Wieder-

gekommenen< macht auch deutlich, dass mit dem Ausbrennen der Stufen diese dann

nicht mehr gebraucht werden;  sie verglühen im Raum, weil der Karrierist nicht mehr

auf sie angewiesen ist.  Im Klartext wird dann „verjagt, wer ihm taugte“,            [VII],

seine Karriere überhaupt erst zu ermöglichen.

Exkurs (16) Braucht Gott Blutzeugen?
 

In den Kapiteln [XI] und [XII] der Vorschau scheint es, dass kurz vor dem Ende der

alten Erde weltweit noch einmal religiös bedingte Verfolgungen stattfinden werden.


Wenn das so kommt, kann sich für alle, die ihrem Gott treu bleiben wollen, dann

die Frage stellen, ob es von Gott her vorgesehen oder gar erwünscht ist, wegen

des religiösen Bekenntnisses bis in den Tod zu gehen.  In dieser heiklen und

schwerwiegenden Frage hätte man gern von Gott selbst eine Auskunft.  Daher

werden hier nur Texte aus den Evangelien sowie aus der Neuoffenbarung in den

Schriften des Jakob Lorber gebracht  -  Texte, die dem Kommentator als von Gott

inspiriert gelten.


"Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die

Schlangen und arglos wie die Tauben", Matthäus Kapitel 10 Vers 16 [Einheitsüber-

setzung].  Demnach soll niemand wegen seines Glaubens sein Leben riskieren oder

die Blutzeugenschaft anstreben, sich gar danach drängen. 


Aber es heißt auch: "Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde

auch ich mich vor dem Vater im Himmel bekennen.  Wer mich aber vor den Menschen

verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. -  Denkt

nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen.  Ich bin nicht gekommen,

um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.  Denn ich bin gekommen, um den Sohn

mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwieger-
tochter mit ihrer Schwiegermutter. und die Hausgenossen eines Menschen werden

seine Feinde sein. -   Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht

würdig.  Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner

nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben

um meinetwillen verliert, wird es gewinnen", 
Matthäus Kapitel 10 Vers 32 bis 39

[Einheitsübersetzung]. 

Das Erdenleben zu erhalten, soll demnach nicht das oberste Ziel sein, die

Unversehrtheit der Seele ist wichtiger;  um diese zu erhalten, darf man Gott und

Christus nicht verleugnen, wenn das etwa verlangt würde - auch dann nicht, wenn

das Nachteile bis hin zum Verlust des Lebens mit sich brächte.  Es scheint, dass

Gott das Martyrium nicht ganz ausschließt.  Das sieht auch in der Offenbarung

des Johannes Kapitel 13 so aus, das den Kampf der antichristlichen Mächte

gegen die Christen in Bildern beschreibt und wo es in Vers 10 heißt:  "Wer zur

Gefangenschaft bestimmt ist, geht in die Gefangenschaft.  Wer mit dem Schwert

getötet werden soll, wird mit dem Schwert getötet.  Hier muss sich die Standhaftig-

keit und die Glaubenstreue der Heiligen bewähren." (Einheitsübersetzug)

"Alles das, was Ich jetzt eben zu euch rede, ist auch von dieser Art, dass es euch

in jeder Lage eures Lebens den wahren, inneren Herzensfrieden geben muss,

wenn ihr eben dieses Gesagte auch nur einigermaßen werktätig beachtet. 

Die Welt möchte euch bedrängen von allen Seiten; aber sie kann es nicht,

weil sie von Mir überwunden ist.  So ihr aber durch eure Liebe Mich in euch

habet, so habet ihr ja auch den ewigen Überwinder der Welt in euch.  Die Welt

aber hat Meine Macht erfahren;  daher darf und kann sie dem kein Haar krümmen,

der wahrhaftig Meinen Frieden in seinem Herzen birgt.
  Sobald aber jemand

sich aus diesem Frieden erheben will und wirft selbst der Welt den Handschuh

zum Kampf hin, der hat sich 's dann nur selbst zuzuschreiben, wenn er gefangen-

genommen und misshandelt wird.  Wer aber wahrhaftig bleibet in Meinem

Frieden, der ist geborgen für die Ewigkeit, und kein weltlicher Hauch wird

ihm je ein Haar krümmen.


Es wird hier freilich mancher sagen: >O Herr!, Siehe die Apostel und Deine Jünger

und so viele der ersten Christen und auch in der späteren Zeit eifrige Streiter um

das reine Evangelium sind zu Märtyrern geworden, und die Welt hat sich schänd-

lichst grauenhaft an diesen von Deinem Frieden Erfüllten gerächt.  Warum, o Herr,

hat sie Dein Friede nicht geschützt vor den Krallen der Welt?  Denn Du hast doch

selbst geredet vor Deinem Leiden, dass der Fürst der Welt gerichtet ist.  Wie

mochte dann der Gerichtete wohl Gewalt haben, die Welt gegen Deine Friedens-

träger also grauenhaft zu entrüsten?<


Diese Frage ist eitel genug, und wer nur einigermaßen in der Geschichte bewandert

ist, der wird es klar finden, dass alle die Märtyrer von den Aposteln angefangen bis

in die späteren Zeiten abwärts nicht durch irgendeinen Zwang oder durch irgend-

eine Bestimmung von Mir, sondern freiwillig nur aus einem Liebeheroismus in den

Martertod darum gegangen sind, weil Ich, ihr Meister, Selbst gekreuzigt ward.


Ich sage euch: Ein jeder Märtyrer hätte auch, ohne ein Märtyrer zu werden, Mein

Evangelium ausbreiten können.  Aber die Ausbreiter kannten Mich, hatten das

ewige Leben vor Augen, und so hatten sie dann auch keine große Lust, lange

in der Welt umherzugehen, sondern konnten den Zeitpunkt kaum erwarten,

in dem ihnen ihr Fleisch abgenommen würde, auf dass sie dahin gelangen

möchten, wohin ich vorangegangen bin.


Johannes aber hatte die größte Liebe zu Mir; darum scheute er die Verfolgungen

der Welt nicht und wollte sie lieber bis auf den letzten Tropfen verzehren, als daß

er Mir von seiner bestimmten irdischen Lebenszeit etwas gewisserart abgebettelt

hätte.  Er war somit in Meiner Ordnung vollkommen zufrieden, während viele

andere Bettler waren und sich lieber die schmählichsten Leibesmartern wollten

gefallen lassen, als noch einige Jahre länger zu wirken für Mein Reich.


Da aber bei Mir ein jeder das haben kann, worum er ernstlich und vollgläubig bittet,

so konnte Ich ja doch auch nicht bei diesen ersten Zeugen Mein Wort zurücknehmen,

das da spricht: >Um was immer ihr Mich bitten werdet, das werde Ich euch geben!< 

Aus dieser Beleuchtung geht nun klar hervor, dass Mein Wort der Blutzeugen nicht

bedurfte;  denn Ich habe ja den Einen ewig gültigen Zeugen, Meinen Heiligen Geist

Selbst allen denen verheißen, die Meine Lehre annehmen und nach derselben leben

werden. Und dieser Zeuge ist der bleibende, während das Blut der ersten Märtyrer

schon lange für alle späteren Zeiten sogar geschichtlich spurlos geworden ist.


Wenn aber dieser Geist ein ewiger Zeuge ist, wozu sollte Ich dann die Blutzeugen-

schaft Meiner Nachfolger verlangen? Wer selbst ein Blutzeuge werden will, der soll

es auch werden;  aber es glaube ja niemand, dass er Mir dadurch einen Dienst erweist,

sondern ein jeder, der das tut, der tut es zum eigenen, aber nicht zu Meinem Vorteile!"


aus: Jakob Lorber, Schrifttexterklärungen, 35. Kapitel, Abschnitte (3) bis (12)

Zu der Frage, ob Christen >vor dem Bild des Kaisers opfern< dürfen, hier eine Auslegung

von Matthäus 22,21 ("So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott

gehört!") durch Jakob Lorber (Himmelsgaben Band 2, S. 327 - 330).

"Gebet also dem Geiste, was rein des Geistes ist, und dem Leibe, was des Leibes ist  -

aber also nach der Ordnung, dass darob dem Geiste kein Nachteil werde!  -  Also dem

Geiste das Seinige und dem Leibe das Seinige!

Wer sieht hier nicht auf den ersten Blick, dass alles, was vom Geiste kommt, als das Wort

Gottes, der Glaube, die Liebe und das feste Vertrauen auf Mich, den Herrn, rein Geistiges

ist und dem Geiste angehört.  Aber irdische Speise und Trank, Kleidung, Wohnung und

Künste und Gewerbe, insoweit sie zum Ernährungserwerb brauchlich, sind Angehör des

Leibes und daher auch dem Leibe zu verabreichen auf die Art, wie er dieselben anzuneh-

men fähig ist im gerechten Maß und Ziele  -  die Speise und der Trank in seiner Art, die

Kleidung ob ihrer zweckdienlichen Art, die Wohnung desgleichen und die nötige Fertig-

keit und Geschicklichkeit zur natürlichen Ausübung von Künsten und Gewerben eben

auch in rechter Art.

Sehet, da ist Gott und der Kaiser nebeneinander gestellt, und jeder von euch kann daraus

überleicht ersehen, was er als reiner Seelenmensch dem einen und dem anderen zu geben

schuldig ist.

Wie sich aber die beiderlei Pflichten bei und in einem und demselben Menschen verhalten,

ebenso verhalten sie sich auch im weitern Sinne zwischen Mir, Gott dem Herrn und einem

weltlichen Oberhaupte, das lediglich von mir aus irdisch bemächtigt ist und keine andere

Macht hat, als die ihm von Mir, dem Herrn aller ewigen und unendlichen Macht und Kraft,

verliehen ist, so oder so, süß oder bitter, nach dem Bedürfnisse der Menschen, die da

sind entweder gut oder böse.

Solch ein weltliches Oberhaupt ist und bleibt stets eine Zuchtrute in Meiner Hand.  
Und jeder Mensch ist daher ihm das zu geben schuldig, was er ordentlicherweise 
seinem eigenen Leibe schuldet.

Aber was er seinem Geiste schuldet, das gehet das Staatsoberhaupt nichts an.  Und

wenn dieses über seine Grenze Forderungen an die Menschen stellt, so wird es darin

auch sein unvermeidliches Gericht finden.

So aber irgendein Monarch durch leiblichen Zwang auch den Geist der Menschen

in Fesseln ziehen und ihm aus der Materie vorschreiben will, welche Gebühr er Mir,

dem Herrn, zu entrichten schuldig sei, so entrichte der Aufgeforderte um des Kaisers

willen, auch solche, damit er ihn nicht ärgere.  Aber im Herzen kehre er sich nicht

daran, sondern gebe Mir im Geist und in der Wahrheit, was Mein ist, so werde Ich

dann schon ein sicheres Mittel treffen, wie er es ob seiner mißbrauchten Gewalt

an der Menschheit verdient hat.

Niemand aus den einer kaiserlichen Gewalt Untergebenen aber soll sich unterfangen,

in irgend etwas den Kaiser richten zu wollen, ob er gut oder böse handelt!  Denn

solches habe Ich Mir ganz allein vorbehalten.

Alles aber, was jemand für den Kaiser tun kann aus gutem Herzen, das tue er und bete

häufig für den auf eine hohe und harte Probe gestellten Bruder, so wird er im Vollmaße

dem Kaiser geben, was er demselben schuldig ist, und in solcher allgemeinen

Nächstenliebe auch sicher Gott, was Gottes ist.

Was darunter oder was darüber  -  ist Sünde."


Exkurs (17) Nicht eingetroffene Prognosen


1) Es gibt einige Verse mit leeren Drohungen oder haltlosen Verleumdungen,
                                die Personen und Ereignisse im 16. Jahrhundert betreffen.

Wie die Deutung von Vers             im historischen Kapitel 1 ergab, unterstellt N. den

Protestanten seines Jahrhunderts, also Menschen nach 1517 pauschal, sie würden

nicht mehr an die leibliche Auferstehung der Toten glauben.  Denn sie würden von

der Erd- zur Feuerbestattung übergehen.  Das hat sich nicht bewahrheitet.  Denn

am Glauben an die leibliche Auferstehung der Toten, der unverzichtbar zur christ-

lichen Religion gehört, halten die Protestanten aller Richtungen fest.  Und die

Feuerbestattung wird erst im 19. Jahrhundert in den industriell geprägten Zentren

Europas zur akzeptierten Alternative.

In Vers             nimmt Nostradamus (1503-66) einen Zeitgenossen, den französischen

Theologen Jean Cauvin (1509-64) ins Visier.  Er beschimpft die Protestanten, die

wegen der staatlichen Verfolgung in Frankreich nach Genf fliehen.  Dass sie und

ihr Vordenker 1555 in Genf die Oberhand gewinnen, ist ihm ein Dorn im Auge. 

Dann legt er eine leere Drohung nach:  Auf dem Augsburger Reichstag von 1555

würden die Fürsten eine Verfolgung und Ermordung der Genfer Protestanten

beschließen;  vom Rhein aus werde man in die Schweiz vordringen.  Das ist schon

Makulatur, bevor der Vers 1558 erstmals veröffentlicht wird.

Im August 1585 können die Spanier die über ein Jahr lang belagerte Stadt Antwerpen

endlich einnehmen,            Vz 1-3.  Anschließend rücken sie weiter vor auf das Gebiet

der seit 1579 abtrünnigen sieben Nordprovinzen der Spanischen Niederlande. 

Es würden dann „sieben mit Spießen massakriert“, 4/81 Vz 4.  Aber die Spanier unter

ihrem Oberbefehlshaber Alexander Farnese können nur Geldern und Groningen

erobern.  Die Provinzen Holland, Zeeland, Utrecht, Friesland und Overijssel bleiben

verschont.  Wo die Spanier einrücken, werden Protestanten ausgewiesen und müssen

fliehen, aber die Massaker bleiben aus.  

König Henri Trois wird 1589 von einem fanatisierten Anhänger der katholischen Partei

in Frankreich ermordet.  Heinrich von Navarra, der sich 1593/94 den Thron erkämpft,

ist mit einer Schwester des ermordeten Königs verheiratet.  Er werde dann „seinen

Schwager rächen.  Er greift nach der Herrschaft im Schatten der Rache“, 10/26 Vz 1/2. 

Auch seine Gegner müssen ihm die Treue schwören.  Aber Rache an ihnen hat er nicht

genommen, wie es viele seiner alten Anhänger erwartet und erhofft hatten.  Vielmehr

glättet er die Wogen nach den jahrzehntelangen Religionskriegen, indem er zur katho-

lischen Religion konvertiert und durch ein Toleranzedikt die Protestanten legalisiert.

Auch wenn diese falschen Ansagen nur Einzelfälle sind, muss die Deutung nicht

erfüllter Prognosen die Möglichkeit weiterer Falschaussagen im Auge behalten,

besonders wenn es um die katholische Religion und Kirche geht.

Der "große Süleyman" (1494-1566) ist der osmanische Sultan Süleyman I., ein Zeit-

genosse N.s.  Er sagt ihm für den Kampf mit nicht näher benannten Feinden im Osten

seines Reiches eine Niederlage am Fluss Aras voraus, 3/31 Vz 3/4  -  eine leere Drohung. 

Der Friedensschluss der Osmanen mit den Persern beendet den Osmanisch-Safawi-

dischen Krieg (1532-1555);  aber eine Niederlage der Osmanen ist ihm nicht voraus-

gegangen.  Zur gleichen Zeit führen die Osmanen Krieg gegen das Reich der

Habsburger;  besonders Ungarn ist betroffen.  Man kann nur vermuten, dass diese

falsche Prognose der Parteinahme N.s  für das christliche Abendland geschuldet ist. 

Der Vers kann ein Ablenkungsmanöver sein:  "Süleyman, schau nach Osten, dass dir 
da die Kontrolle nicht entgleitet, und lass den Westen in Ruhe!"


2) Einige Verse handeln in der Zusammenschau vom gewaltsamen Tod 
    eines großen Mannes der Kirche, der so, wie N. ihn beschreibt, nicht
         eingetreten ist und wahrscheinlich auch nicht mehr eintreten wird.

Vers             Vz 4 spricht von einem "Deutschen, der zu den Sturen und Aufrechten

gehört".  Diese Beschreibung passt gut auf Kardinal Ratzinger, der 2005 zum Papst

gewählt wurde.  Ein andermal ist vom "Neffen des großen Papstes" die Rede, 6/82 Vz 2. 

>Neffe< oder Nepot ist eine alte Bezeichnung für einen Günstling;  Kardinal Ratzinger

wurde von Johannes Paul II. an die Spitze der Glaubenskongregation gestellt.  

Aber was dann mit dem beschriebenen "Deutschen" und "Neffen" geschieht, was

ihm zustößt, das ist Joseph Ratzinger, der Ende 2022 friedlich verstorben ist, nicht

zugestoßen.  Er ist nicht "durch verlassene Orte geirrt", 6/82 Vz 1/2, und er wurde nicht

"erschlagen", 6/82 Vz 3, und der Leichnam "in einen See geworfen", 8/94 Vz 1.

Vers 6/39 konnte man so deuten, dass Ratzinger die Zeit noch erleben werde, in der

"die Schar sich allzu sehr berauscht" und dadurch zur "Geisel" eines Mannes wird,

der dann große Macht über die Kirche bekommt.  Aber auch das ist nicht eingetreten.

Ein Deutscher an der Spitze der katholischen Kirche ist eine große Seltenheit;  dass

noch einmal ein Deutscher es so weit bringt, ist unwahrscheinlich.

Dass N. hier Schauergeschichten erfunden hat, um die Gefahr für die Konservativen

in der Kirche auszumalen, wäre eine mögliche Erklärung.  Dann hätten wir einen Fall

von katholischer Propaganda, wofür die oben unter 1) besprochenen Verse als

Beispiele stehen.

Für eine endgültige Einordnung und Bewertung ist es zu früh.

Zur Vertiefung s. 1.7 Vorschau S. 62ff.

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   Gesamtinhaltsverzeichnis der historischen Kapitel

    Übersicht

    16. Jahrhundert

    Kapitel 1  Kaiserreich, Spanien, Niederlande im 16. Jahrhundert

    Kapitel 2  Britische Inseln im 16. Jahrhundert

    Kapitel 3  Henri II. von Frankreich

    Kapitel 4  Francois II. (1559/60) und Charles IX. (1560-74), Beginn der Religionskriege in Frankreich

    Kapitel 5  Henri III. von Frankreich (1574-89)

    Die Zeit um 1600

    Kapitel 6  Henri IV. von Frankreich (1589-1610)

    Kapitel 7  Die Papstkirche um 1600

    Siebzehntes Jahrhundert

    Kapitel 8  Britische Inseln: Cromwells Militärdiktatur

    Kapitel 9  Britische Inseln: Die >Glorreiche Revolution<

    Kapitel 10  Louis XIII. und Louis XIV. von Frankreich (1610-1715)

    Kapitel 11  Türkenkriege bis 1700

    Achtzehntes Jahrhundert

    Kapitel 12  Spanischer Erbfolgekrieg

    Kapitel 13  Großbritannien und Frankreich im 18. Jahrhundert

    Kapitel 14  Louis XVI. (1774-92)

 

    Französische Revolution

    Kapitel 15  Die revolutionären Neuerungen

    Kapitel 16  Bürgerkrieg und Emigration

    Kapitel 17  Das Schicksal des Königs und seiner Familie

    Kapitel 18  Die Schreckensherrschaft

    Napoleon

    Kapitel 19  Herkunft und Karriere

    Kapitel 20  Der Italienfeldzug 1796/97

    Kapitel 21  Ägyptenfeldzug und Staatsstreich

    Kapitel 22  Napoleon und das Erlöschen des alten Kaiserreichs

    Kapitel 23  Trafalgar und die Kontinentalsperre

    Kapitel 24  Der Untergang des Empire

    Kapitel 25  Herrschaft der hundert Tage

    Kapitel 26  Rückblick

    Neunzehntes Jahrhundert

    Kapitel 27  Restauration, Louis XVIII. und Louis-Philippe

    Kapitel 28  Griechischer Freiheitskampf

    Kapitel 29  Der Papst und die >Wiedergeburt< Italiens

    Kapitel 30  Kaiser Napoleon III. und der deutsch-französische Krieg

    Zwanzigstes Jahrhundert

    Kapitel 31  Erster Weltkrieg, Ende des osmanischen Reiches, Aufstieg des Kommunismus

    Kapitel 31a  Versailles 1919 und die Folgen

    Kapitel 32  Zwischenkriegszeit: Hitlers Herkunft und sein Regime

    Kapitel 33  Zwischenkriegszeit: Der spanische Bürgerkrieg

    Kapitel 34  Vorkriegszeit und Kriegsausbruch

    Kapitel 35  Zweiter Weltkrieg: Schauplatz Frankreich und Großbritannien

    Kapitel 36  Das Vichy-Regime unter Philippe Pétain

    Kapitel 37  Zweiter Weltkrieg: Schauplatz Italien

    Kapitel 38  Der Ausgang des zweiten Weltkrieges

    Kapitel 39  Der Völkermord an den Juden, Papst Pius XII. und die Gründung Israels

    Kapitel 40  Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg

    Kapitel 41  Das Ende des Kommunismus

    Kapitel 42  Der Wiederaufstieg des Islam

    Zweite Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts
   

    Kapitel 1 Kaiserreich, Spanien, Niederlande im 16. Jahrhundert
    05/16       Die Katholiken in der Defensive, bedroht durch innere und äußere Feinde (1517ff)
    06/15       Das Erstarken des Protestantismus im Reich als
                     Zeichen für das Scheitern Kaiser Karls
    01/89       Die Niederlande als Spielball fremder Mächte (1567-1648)
    07/09       Ein Vizekönig >wirbt um die Liebe des Volkes< (1559-67)
    06/59       Dame will >Ehebruch< nicht Ehebruch nennen, aber dann 
                     werden siebzehn dem  Martyrium ausgeliefert (1567-73)
    03/53       Der Kaiser wird getadelt, weil er gegen die Spanier nichts unternehme (1567/68)
    03/20       Der Aufstand der Morisken in den Alpujarras (1568-70)
    05/95       Venedig als Initiator einer >heiligen Allianz< und deren Erfolg (1571)
    09/30       Gefahr vom >fanatischen Abgrund<, 
                     aber dann kommt Hilfe vom großen Philipp (1571)
    08/50       Ein Bastard des guten Greises schneidet dem Großen von Tunis den Kopf ab (1571)
    10/95       Spaniens König unterwirft die vom Freitag auf Land und Meer
    06/75       Der Sieger von Lepanto als Statthalter in den Niederlanden (1576-78)
    06/83       Alessandro Farnese in den Niederlanden (1578-92)
    10/54       Eine >Beischläferin< in den spanischen Niederlanden >doppelt fruchtbar< (1579)
    04/81       Blockade Antwerpens, >sieben mit Spießen massakriert< (1584/85)


    Kapitel 2  Britische Inseln im 16. Jahrhundert
    07/16       Englische Truppen müssen Calais räumen
    10/19       Elisabeth I. wird Königin (Januar 1559) -
                     „Zuvor demütig, war sie niemals so stolz“
    06/74       Unter Maria gedemütigt, wird Elisabeth doch noch Königin  -
                     „Die Verjagte wird umkehren zu Herrschaft“
    10/84       „Die Uneheliche“ kommt „sehr hoch empor“, ihre Heirat
                     beschäftigt die Gemüter, potenzielle „Ehegatten in Streit“
    08/23       Die casket letters der Maria Stuart werden gefunden
    01/86       Maria Stuart flieht nach England, wagt damit zu viel

    Kapitel 3  Henri II. von Frankreich
    05/12       Calvin schaltet in Genf die Opposition aus.
                     N. droht ihm mit dem Augsburger Reichstag (1555)
    06/12       Frankreich mit dem Papst im Bündnis gegen Spanien und England (1557-59)
    07/29       Franzosen gegen Spanier auf dem Boden Italiens,
                     Herzog Alba schlägt den Papst (1557)
    06/26       Päpste Paul IV. (1555-59), Pius V. (1559-65)
    04/57       Heinrich verdrossen über zwei Astrologen
    01/35       Fanfaren, dann stirbt er einen grausamen Tod (1559)
    06/63       Dame allein in der Herrschaft verblieben, langes Leben (1559-89)

    Kapitel 4  Francois II. (1559/60) und Charles IX. (1560-74),
                               Beginn der Religionskriege in Frankreich
    10/39       Erster Sohn der Witwe wird König in unfähigem Alter (1559-60)
    09/72       Die Unruhen von Toulouse 1562, mit Ausblick auf 1621 und 1652
    02/14       Die große Huldreiche auf Tournee durch ihr Reich (1564-66)
    04/47       Ein finsterer, ungeselliger König >übt in seiner Schmiede< (vor 1572)
    04/08       Paris überrascht von plötzlichem Angriff (August 1572)
    Sz 52        Die große Stadt >hat kein Brot< für die Hälfte der Bewohner (1572)

    Kapitel 5  Henri III. von Frankreich (1574-89)
    04/87       Heinrich kann die katholische Partei nicht auf sich verpflichten
    06/62       Die Kräfte der Liga durch Kriegsschiffe zerstört (August 1588)
    03/55       Der Große von Blois lässt seinen Freund töten (Dezember 1588)
    08/44       Henri III. >muss sich vor dem Führer der Protestanten niederwerfen< (April 1589)
    01/85       Henri III. isoliert, lässt Glaubensbrüder umbringen
    06/11       Glaubensbrüder bringen sich gegenseitig um
    03/51       In Paris wird die Ermordung des Königs geplant
    04/46       Hüte dich, >Tours<, vor der nahen Zerstörung
    01/36       Mit Heinrich erlischt das Königtum der Valois
    01/10       Henri III. letzter Valois auf dem Thron

 

    Die Zeit um 1600


    Kapitel 6  Henri IV. von Frankreich (1589-1610)
    03/25       König von Navarra (Juni 1572)
    02/61       Die Flucht vom Hof in Paris (Februar 1576)
    06/71       Heinrich erhält Hilfe aus Britannien und dem Reich
    06/83       Seine Gegner werden von Alexander Farnese unterstützt
    10/18       Der Lothringer Konkurrent um die Krone Frankreichs unterliegt.  
                     Heinrichs Exkommunikation aufgehoben
    09/50       Kardinal Karl von Bourbon ist der >Rote im Interregnum<
    09/45       Der große „Mendosus“ wird sein Imperium erwerben
    10/45       Die Herrschaft Heinrich von Navarras gilt dem Seher als illegitim
    10/26       Heinrich als >Rächer<
    09/01       Vorgänge bei den Reformierten 
    05/72       Ein >sinnenfrohes Edikt<
    01/54       Jahrhundertwende: Änderung der Religionsgesetzgebung

    Kapitel 7  Die Papstkirche um 1600
    04/18       Gelehrte Astronomen gejagt wie Verbrecher
    08/71       Astronomen gebannt, ihre Bücher zensiert

    Siebzehntes Jahrhundert


    Kapitel 8  Britische Inseln: Cromwells Militärdiktatur
    09/49       Niedergang der spanischen und der britischen Monarchie 1648/49
    08/76       Mehr Schlächter als König in England
    03/81       Großer Schreihals zum Befehlshaber der Armee gewählt
    08/37       >Die Festung fällt<  -  das Königtum, in die Defensive
                     gedrängt, unterliegt seinen Feinden
    10/36       Nach einem >Tyrannenmord< kommt erst der wahre Tyrann
    10/04       Der Sohn Karls I. flieht und kehrt sieben Jahre später zurück
    09/11       Die Pest in London …
    02/53       … als >Rache des Himmels<
    02/51       Cromwells Staat zerbricht.  Der Brand Londons 1666    

    Kapitel 9  Britische Inseln: Die >Glorreiche Revolution<
    08/58       Die katholischen Könige Karl II. und Jacob II.
                     als Gegner der Anglikaner
    10/22       Jakob II. >will nicht einwilligen in die Scheidung<  -
                     der Anglikaner von Rom
    04/89       Eine Verschwörung gegen den König  -  dann
                     „wird ein König gewählt, gebürtig von Friesland“
    02/67       Wilhelm von Oranien verjagt König Jakob
    03/80       Ein „Unwürdiger“ wird verjagt, und dann kommt ein >Bastard<
    02/68       „Das Tor über dem Ozean offen“, und „die Herrschaft
                     auf der Insel wird neu zusammengefügt“
    04/96       Doppel-Inthronisation im >Reich des Gleichgewichts<,
                     Maria II. und Wilhelm III. auf dem Thron

    Kapitel 10  Louis XIII. und Louis XIV. von Frankreich (1610-1715)
    05/89       Böhmisch-Pfälzischer Krieg 1618-23
    04/40       >Verräter< belagert, eingeschlossen, beschossen (1620ff)
    09/18       Ludwig XIII. schlägt Rebellion nieder, belagert Nancy (1633)
    03/30       Tod Wallensteins (1634)
    04/93       Die Geburt von Ludwig XIV. (1638)
    08/04       Richelieu in Monaco, das sich mit Frankreich verbündet (1641)
    08/68       Tod Richelieus und Ludwigs XIII. (1642/43)
    06/47       Frankreich und Spanien >geben verborgene Rivalität auf< (1659)
    03/06       Bedrückung der Hugenotten (1685)
    02/64       Aufhebung des Edikts von Nantes.  Emigration vieler Hugenotten, 
                     die Schweiz überfordert (1685ff)
    09/27       Krieg um die Pfalz (1688-97)
    09/25       Neuigkeiten aus Spanien (1712)

    Kapitel 11  Türkenkriege bis 1700
    02/49       Johanniter von Rhodos nach Malta vertrieben, dort  angegriffen von den Türken (1565)
    10/62       In der Nähe Serbiens stehen sie, um Ungarn anzugreifen
    01/49       Andrang der Orientalen um 1700, sie unterjochen „beinah“den Rand des Reichs
    06/49       Islamischer Kalif unterjocht Anrainer der Donau
    08/59       Das Morgenland wird das Abendland schwächen

    Achtzehntes Jahrhundert


    Kapitel 12  Spanischer Erbfolgekrieg
    04/02       Frankreich marschiert über die Pyrenäen.  „Einige der
                    größten Damen werden nach Frankreich geführt“
    06/02       Ein Reich geht an fünf

    Kapitel 13  Großbritannien und Frankreich im 18. Jahrhundert
    02/87       Wenn ein germanischer Fürst auf den Thron Großbritanniens kommt,
                     >wird die Jungfrau von Orleans zur Dienstmagd<
    03/15       >Kindheit unterwirft Frankreich<: Louis XV. wird 1715 mit fünf Jahren König
    03/67       Vernunftgläubige Aufklärer (>Philosophen<) setzen sich ab vom Christentum
    05/38       Ungehöriges und unzüchtiges Leben
    05/40       Das britische Regierungssystem fasziniert aufgeklärte Franzosen

    Kapitel 14  Louis XVI. (1774-92)
    10/16       Zuviel Glaube an die Küche
    10/43       Unentschlossenheit, Zurückweichen vor Widerständen

    Französische Revolution


    Kapitel 15  Die revolutionären Neuerungen
    02/08       Menschenrechte statt heiliger Monarchie
    02/10       Gleichheit: Die Ordnung der Feudalgesellschaft löst sich auf
    07/14       Das Land wird ganz neu eingeteilt (Dezember 1789)
    Sz 36       Abwendung vom politischen und christlichen Gehorsam
    01/44       Die Aufhebung der Klöster und das Verbot der Orden
    02/12       Berufsverbot für die eidverweigernden Priester
    05/77       Unterstellung der Kirche unter den neuen Staat
    VH (35)    Man wird glauben, es gebe ein Neues Zeitalter
    01/42       Der Nationalkonvent beschließt einen neuen Kalender:
                     Bruch mit der christlichen Tradition (ab 1792)
    07/03       Französischer Staat besiegt Kirche, Revolutionäre berauscht,
                     Marseillaise, Toulon fügt sich (1793)

    Kapitel 16  Bürgerkrieg und Emigration
    06/08       Emigration der Gebildeten
    06/69       Geistliche fliehen ins Ausland (1789-1801)
    01/61       Emigranten arbeiten vom Ausland her gegen die neuen Herren
    01/03       Der Adel gibt sich bürgerlich, Weiße und Rote unversöhnlich
    02/02       Truppen der Revolution gegen königstreue Weiße
    04/63       Revolutionäre Armee gegen royalistische Aufstände
    05/33       Gräuel in der Vendée
    10/40       Großbritannien unterstützt die Aufständischen in der Vendée

    Kapitel 17  Das Schicksal des Königs und seiner Familie
    03/50       Eingesperrt, aber noch nicht ausweglos
    09/20       Ein Fluchtversuch scheitert kläglich in Varennes
    01/13       Diplomatische Aktivität des Exiladels gefährdet den König
    06/89       Der König als Marionette des Nationalkonvents …
    09/23       … und als Opfer einer neuen >heiligen Ordnung<
    09/34       Konflikt >greift über auf Ziegelstein<, Narbonne und Saulce geadelt
    09/21       Die Verfolgung von Geistlichen in Blois (September 1792)
    06/92       Der König abgesetzt und des Hochverrats angeklagt
    08/87       Das Blut des legitimen Königs vom eigenen Volk vergossen
    01/57       Seine Hinrichtung auf der Guillotine als Schauspiel für das Volk (Januar 1793)
    10/17       Die abgesetzte Königin Marie-Antoinette gefangen …
    09/77       … und zum Tode verurteilt
    01/07       Versuch, sie zu befreien.  Ihre Hinrichtung (Oktober 1793)
    02/98       Die Hinrichtung des Herzogs von Orléans

    Kapitel 18   Die Schreckensherrschaft
    04/49       Die Hinrichtung des Königs als Blutschuld des Volkes
    09/74       Heidnische Menschenopfer
    10/57       Das Gesetz über Verdächtige (September 1793)
                     Emporgekommener versteht sich nicht auf sein Zepter
    01/81       Fraktionen im Wohlfahrtsausschuss
    02/42       Ein Tyrann stirbt einen grausamen Tod


    Napoleon


    Kapitel 19  Herkunft und Karriere
    01/76       Nomen est omen
    01/60       Ein Kaiser, geboren nah bei Italien
    03/35       Ein begabter Redner, Feldherr und Verführer
    06/57       Hervorgegangen aus der Revolution
    08/57       Vom kurzen Rock zum langen

    Kapitel 20  Der Italienfeldzug 1796/97
    02/26       Paris erweist einem >Großen< seine Gunst, die Lombardei leidet
    07/30       Bonaparte übernimmt die Italienarmee in Nizza (23.3.1796)
    08/88       Der König von Piemont besiegt, abgesetzt, geht nach Sardinien
    01/33       Schlacht bei Lodi an der Adda (10.5.96), Mailand sperrt erschrocken die Tore auf
    03/37       Napoleons Redegabe begeistert seine Truppen, 
                     Festungsstadt Mantua aufgebrochen (2.2.1797)
    02/37       Österreich schickt Entsatzarmeen für das belagerte Mantua, 
                     drinnen grassieren Hunger und Seuchen
    07/15       Sieben >Jahre< Belagerung, dann ist die lombardische Stadt >befreit<
    04/37       In die Tiefe des oberitalienischen Landes lässt ein Gallier seine Armee einziehen
    04/01       Venedig macht es dem Eroberer leicht (Mai 1797)
    01/75       Stationen 1796/97: Toskana, Ligurien, Mantua, die Marken.
                     1798: Italien-Armee im Kirchenstaat, und Aufbruch nach Ägypten

    Kapitel 21  Ägyptenfeldzug und Staatsstreich
    03/23       Frankreich, wenn du über das ligurische Meer hinausfährst…
    03/24       Frankreich, erinnere dich an meine Worte
    03/87       Französische Flotte gestrandet, gefangen
    07/13       Nach der Exkursion verjagt ein Tyrann die Revolution
    04/26       Die alte Regierung hat den Putschisten eingeladen
    05/05       Ein Usurpator betrügt das Volk der Revolution, bringt es um die Freiheit
    05/20       Eine große Armee zieht über die Alpen

    Kapitel 22  Napoleon und das Erlöschen des alten Kaiserreichs
    Sz 37       Der Mächtigste weicht dem Jungen, wenn der in das Kaiserreich vordringt
    05/61       Das >Kind eines großen Volkes< erschüttert den >Greisen Berg<
    06/46       Schauplatz Italien: Der Papst im Exil, Österreich auf dem Rückzug
    05/01       Zwei verhandeln im Tempel, und ein Großer wird ohne Aufsehen beerdigt. 

                     Dann kommt der keltische Zusammenbruch
    06/40       Schauplatz Deutschland: Ende der rheinischen Kurfürstentümer (1803).

                     Der Rheinbund und das Ende des alten Reiches (1806)
    10/46       Preußen kann nicht helfen, Napoleon usurpiert den Kaisertitel
    06/03       Die nachchristliche Zeit beginnt, die Kirche arrangiert sich

    Kapitel 23  Trafalgar und die Kontinentalsperre
    01/77       Die Niederlage bei Trafalgar
    04/54       Die Blockade Großbritanniens als „furchtsamer Bann“
    02/94       „Erfolgloser Terror“ gegen den Seelöwen

    Kapitel 24  Der Untergang des Empire
    01/88       Wenn Napoleon eine Dynastie gründen will, kommt sein Untergang in Sicht
    02/99       Wenn die revolutionäre Nation zu weit nach Norden
                     vordringt, erleidet sie eine Niederlage
    09/99       >Nordwind< vertreibt eine Belagerung
    04/75       Tod auf weißem Gebiet
    10/34       Murat sagt sich von Napoleon los (Januar 1814)
    08/86       Endloser Zug über die Berge des Baskenlandes
    04/70       Wellington siegt in Spanien und dringt nach Südfrankreich vor
    02/48       Das Oberhaupt muss sich feindlichen Heerführern beugen (Frühjahr 1814)
    10/76       Napoleons Abdankung

    Kapitel 25  Herrschaft der hundert Tage
    10/24       Der gefangene Fürst bei den Italern
    10/23       Dem undankbaren Volk werden >Vorhaltungen< gemacht    
    02/66       Für kurze Zeit hat ein Großer das Glück gewendet
    10/48       Durch ein Bündnis besiegt
    01/23       Dem Leoparden hilft ein Adler, der sich um die Sonne verdient macht

    Kapitel 26  Rückblick
    05/60       Er wird am Ende >mit seiner Fuhre nicht durch die Tür kommen<
    02/23       Der Zug der >Palastvögel< geht weiter
    02/44       Durch andere Vögel aus der Umgebung verjagt
    02/11       Napoleon kann keine Dynastie gründen
    01/98       Weit weg von seinem Himmel unter fremder Sitte und Sprache

    Neunzehntes Jahrhundert


    Kapitel 27  Restauration, Louis XVIII. und Louis-Philippe
    06/04       Köln >wechselt das Ufer<, Ende der Befreiungskriege, Restauration
    10/90       Der Tyrann stirbt „hundertmal“ – an seine Stelle tritt ein Gebildeter und Gutmütiger
    03/73       Die Konkurrenz bourbonischer Linien
    06/32       Ermordung des Herzogs von Berry
    03/96       Dreizehnter Februar
    04/64       Der Schwächling im Bürgerkleid
    02/69       König in einer Republik
    08/42       Louis-Philippe sucht Zuflucht zu repressiver Politik, Habgier
    09/89       „Demütigung der Araber“: Die Eroberung Algeriens
    07/38       Der älteste Sohn des Königs vom Pferd mitgeschleift, stirbt (1842)
    04/33       „…verborgen unter dem weißen Glanz Neptun“ (1846)

    Kapitel 28  Griechischer Freiheitskampf
    05/90       Die Philhellenen Europas unterstützen den Aufstand
    04/39       Die Griechen rufen um Hilfe, die Westmächte richten die Sache

    Kapitel 29  Der Papst und die >Wiedergeburt< Italiens
    06/13       Ein neuer Papst wird für moderner gehalten als er ist
    08/53       Himmelweit entfernt von einer Sympathie für republikanische Ideen
    03/39       Erster italienischer Einigungskrieg (1848)
    05/67       Wenn sieben aristokratisch übernommen werden, wird der Papst
                     total ausgeraubt und ist politisch tot
    07/19       Der Starke von Nizza für die Bürger schrecklich
    07/20       Cavour auf dem Pariser Kongress im Frühjahr 1856
    08/12       Schlacht bei Magenta (Juni 1859), adlige Schurken als Bürger verkleidet
    08/08       Kämpfe am Vorabend der Einheit Italiens 1859/60
    08/07       Frankreich nutzt die italienische Einigung zu seinem Vorteil
    07/31       Große Allobroger wollen Aquino und Brindisi zurückholen
    01/06       Piemont verdrängt Frankreich und den Papst
    10/64       Auch Österreich muss zurückstecken, verliert die Toskana
    05/42       Savoyen >zieht sich aus Italien zurück<, Österreich wird konstitutionell
    05/03       Der König Italiens ist von bourbonischem Geblüt…
    05/39       … und somit ein >wahrer Zweig der Lilienblume<
    03/63       Wenn es mit der weltlichen Macht des Papstes vorbei ist,
                     >tut der große Nachbar es ihm gleich<
    04/36       Verfassungen, Gründung von Nationalstaaten, olympischer Sport,
                     Attentate auf Fürsten und Präsidenten 

    Kapitel 30  Kaiser Napoleon III. und der deutsch-französische Krieg
    05/92       Siebzehn Jahre einer auf dem Thron, fünf Jahre wechseln, 
                     wird für dieselbe Zeit einer gewählt    
    04/73       Krimkrieg und Pariser Kongress, Attentat italienischer Patrioten
    02/92       Die Schlacht bei Sedan  -  der Kaiser sucht den Heldentod
    08/43       Der „Neffe von Geblüt“ rollt die Fahne ein
    05/30       Belagerung von Paris, >Raubzug< in Rom
    05/82       Ein Verzweifelter verlässt die Festung u. wehrt sich gegen die Kapitulation
    06/96       Große Stadt von Soldaten im Stich gelassen, tödlicher Aufruhr
    06/23       Der Aufstand der Pariser Kommune
    04/13       Größte Niederlage, Verblüffung, Banden revoltieren
    06/52       Der Kaiser kehrt nicht zurück, Mac Mahon an seiner Stelle
    10/100     Himmlisches Feuer im königlichen Gebäude beim Friedensschluss
    02/77       Verräter zurückgeschlagen, fliehen durch die Kanalisation
    10/51       Das Elsass und Teile Lothringens gehen an Deutschland (Mai 1871)
    06/87       Inflation der Kaiser im 19. Jahrhundert
    06/22       Falsche Freiheit und unechter Frieden

    Zwanzigstes Jahrhundert


    Kapitel 31  Erster Weltkrieg, Ende des osmanischen
                             Reiches, Aufstieg des Kommunismus
    03/07       Stellungskrieg, Flugzeuge werden eingesetzt
    01/64       Leuchtmunition, Flugzeuge, Gasmasken
    03/71       Die Seeblockade durch Großbritannien und die
                     Ernährungslage im Deutschen Reich
    06/43       Verwüstungen an Seine und Marne, das britische Expeditionskorps „getäuscht“
    02/90       Das Ende der Monarchie Österreich-Ungarn
    03/95       Schwäche des Islam, Aufstieg des Kommunismus
    01/40       Grundlegender Wandel in Byzanz
    05/70       Durch einen „großen Krieg“ geraten Fürsten ins Wanken,
                     und am Ende ertönt der Ruf nach einer neuen Zeit

    Kapitel 31a  Versailles 1919 und die Folgen
    01/92       Unter einem wird der Frieden für alle ausgerufen
    01/97       Die süße Rede im Rat lässt den König traumwandeln
    01/47       Die Predigten vom Genfer See machen zornig,
                     die hohen Beamten verwerfen ihre nutzlosen Gesetze
    06/64       Man wird das Abkommen nicht einhalten,
                     Täuschung über Frieden und Waffenruhe
    04/12       Armee verkleinert, dann wird sie aus ganz Frankreich vertrieben
    04/09       >Genf< in äußerster Not, es wird verraten durch die Schweizer

    Kapitel 32  Zwischenkriegszeit: Hitlers Herkunft und sein Regime
    03/58       Wenn Völker zu spät gekommen sind bei der Aufteilung der Welt, 
                     wird ihnen ein >Großer< geboren
    03/59       Barbarisches Imperium durch den Dritten usurpiert
    06/67       Ein hassgelenkter Imperator
    03/76       Die nationalsozialistische Ideologie als neues Heidentum
    05/29       „Freiheit nicht wiedererlangt“:  Das Diktat der Siegermächte 
                     wird abgelöst durch die Diktatur Hitlers
    03/61       Große Kreuz tragende Bande und Sekte erhebt sich im >Zwischenstromland<
    06/84       Militarisierung der Gesellschaft und ein „großer Hinker“:  Minister Goebbels
    02/36       Die Prophetie in Händen des Tyrannen, und ein Räuber in Schwierigkeiten
    09/90       Der >Anschluss< Österreichs als Vorstufe eines Revanchekrieges


    Kapitel 33  Zwischenkriegszeit: Der spanische Bürgerkrieg
    06/45       Das Ende des Königtums als Ausgangspunkt des Bürgerkrieges
    08/26       Männer wie Cato in Barcelona, Großer will Pamplona
    03/08       Kimbern mit ihren Nachbarn entvölkern Spanien beinah
    09/16       Die Nationalisten/Faschisten siegen
    09/78       Das Ende der demokratischen Republik in Spanien
    02/39       Entscheid des Bürgerkriegs ein Jahr vor Hitlers Westfeldzug

    Kapitel 34  Vorkriegszeit und Kriegsausbruch
    01/34       „Zusicherung vor dem Konflikt“: Münchner Konferenz vom Sept. 1938
    05/51       Großbritannien spricht Grenzgarantien für Polen und Rumänien aus
    09/94       Feinde unaufrichtig, die Schwachen angegriffen
    05/21       Der Papst wird die Kriegstreiber unterstützt haben
    10/38       Der Hitler-Stalin-Pakt als Voraussetzung für Polen- und Westfeldzug
    07/33       Zwei „geheuchelte Freunde“ erwecken eingeschlafenen Hass
    05/04       „Der dicke Hund“ erzürnt über das „befremdliche Bündnis“
    06/65       Keine offizielle Kriegserklärung am 1.9.1939
    03/57       Die Briten nach 290 Jahren wieder im Blut gefärbt
    2/100       Großbritannien sucht den Rückhalt eines „großen Bündnisses“

 

   Kapitel 35  Zweiter Weltkrieg: Schauplatz Frankreich und Großbritannien
    01/51       1940/41: Jupiter und Saturn beim Haupt des Widders
    06/07       „Vereinte Brüder“ überziehen Norwegen und Rumänien mit Krieg
                     (April bis Juni 1940)
    04/80       Die Maginot-Linie ist nicht >wasserdicht< (Mai/Juni 1940)
    06/90       Dünkirchen: Schande, Schrecken und Glück (4.6.1940)
                     London lehnt Hitlers Friedensangebot ab (20.7.1940)
    02/25       Frankreich als „Festung, preisgegeben von fremder Bewachung“:
                     die Evakuierung des britischen Expeditionscorps von Dünkirchen.
                     Churchill bietet Frankreich eine „Union“ an (16.6.1940)
    01/93       Britische Luftangriffe auf Turin (11.6.1940), aber aus der Union wird nichts
    04/22       Großes Heer vertrieben, gerade wenn es gebraucht wird, 
                     Treue gebrochen, König blank (28.5. bis 22.6.1940)

    03/22       Sechs Tage Angriff, dann geben drei die Stadt wieder her,

                     sie werden verschont (4.6. bis 10.6.1940)
    07/34       Nach Pétains Radioansprache (17.6.1940):  
                     Schmerz, Mutlosigkeit, Verzweiflung
    10/01       Frankreich tödlich bedrängt, >der Rest< auf Hilfe von außen angewiesen
    04/65       >Große Heldentat<:  Die Flächenbombardements britischer Städte 
                     (ab September 1940)
    02/40       Die Atlantikschlacht beherrscht das Bild auf dem westlichen Kriegsschauplatz

                     (Sept. 1939 bis Juni 1944)

    Kapitel 36  Das Vichy-Regime unter Philippe Pétain
    01/78       Von einem Greisenhaupt geht Schwachsinn aus
    08/65       „Der Alte“ als Erfüllungsgehilfe Hitlers
    03/49       Gallische Herrschaft, du wirst sehr verwandelt sein,
                     an einen fremden Ort wird die Oberherrschaft übertragen
    08/81       „Von Sizilien her kommt die Erschütterung“  –  des Nazi-Reiches
                     und seiner Satellitenregime (Landung der Alliierten in Juli 1943)
    04/61       Pétain als Kollaborateur und Hochverräter
    03/47       Pétain sucht Hilfe im Osten, fürchtet die >Kreuze<
    04/91       Zu Unrecht angeklagt, lebenslanges Gefängnis, sein >Sohn<
                     bemüht sich zu herrschen, bevor der Angeklagte stirbt

    Kapitel 37  Zweiter Weltkrieg: Schauplatz Italien
    08/66       Wenn die Inschrift D.M. angetroffen wird (1922), 
                     ist das Königreich Italien in Gefahr
    05/23       Afrikanische Eroberungen machen Mussolini zum „Großen von Afrika“
    08/31       Das Bündnis mit Hitler als Wendepunkt im Schicksal Mussolinis (1936)
    01/09       >Punischer< Kampfesmut und eine >libysche< Flotte erzürnen 
                     die italienischen Faschisten (Juli 1943)
    01/12       Ein Emporkömmling erweist sich als Bestie und Mussolini als treulos
    06/31       Mussolinis Entmachtung (Juli 43) und Tod (April 45)
    10/77       Der faschistische Großrat löst sich auf (Juli 43)
    01/08       „Barbarische und sinnlose Gesetze“:  Roms Besetzung 
                     durch die Deutschen (10.9.1943)
    05/81       Separater Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten (3.9.43)
                     Sieben Monate zuvor >fällt die Mauer des Ostens< (2.2.43)
                     Nach sieben Tagen stehen die Feinde vor Rom (10.9.43)
    05/63       Alliierte Landung "nicht weit vom Tiber" (ab 22.1.1944)
                     Attentat von Widerständlern in Rom vom Papst verurteilt (26.3.1944)
    05/99       Die Alliierten haben Rom eingenommen, stehen in Oberitalien (Juni 1944)


    Kapitel 38  Der Ausgang des zweiten Weltkrieges
    04/59       Den Völkern wird von Iran her der Weg gewiesen (November 1943)
    01/31       Die „Großen Drei“ - von Teheran bis Jalta
    09/76       Das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944
    02/82       Der Wolf entkommt seiner Beute nicht
    03/33       Nochmals: Hitler als Wolf
    02/55       Russland leistet einen entscheidenden Beitrag zum Sieg über Deutschland
    06/33       Ein Blutrünstiger im Zweifrontenkrieg, und ein finsterer König siegt
    05/94       Frankreichfeldzug, Bruch des Hitler-Stalin-Pakts, Stalins Sieg
    03/11       Waffen am Himmel über Berlin
    03/01       Kriegseintritt der USA nach Pearl Harbor
    03/99       Truppen unweit von Salon-de-Provence (August 1944), 
                     und Deutschland schwinden die Kräfte
    08/55       Fronten an Maas und Memel (Sept./Okt.1944)

    Kapitel 39  Der Völkermord an den Juden, Papst Pius XII. und die Gründung Israels
    02/24       Verschleppung im eisernen Käfig
    09/53       Friedliche Juden werden in Kamine geworfen
    09/17       Blut wird vergossen im Namen eines >goldenen Zeitalters<
    05/56       Der Heilige Stuhl verliert an Ansehen
    03/97       Ein „neues Gesetz“ in Syrien, Judäa und Palästina (1948)
    08/96       „Aufgenommen unter den Ungläubigen von Babylon“

    Kapitel 40  Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg
    02/80       Die Großen des Nazi-Regimes entkommen nicht
    02/38       Das Nürnberger Tribunal und das Ende der Anti-Hitler-Koalition
    02/89       Vom Joch des Krieges befreit: Zwei „große Meister“
    10/100     Das britische Empire endet nach über dreihundert Jahren
    08/97       Rückzug der Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich

    Kapitel 41  Das Ende des Kommunismus
    02/28       Ein weit gereister Papst befreit ein großes Volk (1978ff)
    04/50       Der Reihe nach sieben Herrscher
    VH (19)    Dreiundsiebzig Jahre und sieben Monate (Januar 1918 bis August 1991)
    02/57       Die große Mauer wird fallen (1989)

    Kapitel 42  Der Wiederaufstieg des Islam
    01/48      Zwanzig Jahre der Herrschaft des Islam verstrichen
                    am Beginn des siebten Jahrtausends (1999)
    01/70      Der Islam als Gegner des persischen Monarchen
    Sz 08       Khomeinis inoffizieller Status in Paris (1978/79)
    08/70      „Schrecklicher König von finsterer Physiognomie“
                    zieht ein in Teheran (1.2.1979).  Krieg gegen den Irak (1980-88)
    01/55       Der Himmel widrig unterhalb von Babylon (Anfang 1991)
    01/56       Extreme Gräuel und Taten aus Rache im Namen des Islam vor dem Kataklysmus (1993ff)
    06/97       Feuer nähert sich der großen neuen Stadt (5.9.2001)
    05/55       Aus dem Süden der arabischen Halbinsel kommt ein Mächtiger des Islam (bis 2011)

 


​​

Kapitel 35  Zweiter Weltkrieg: Schauplatz 
                 Frankreich und Großbritannien

Die Zeit des Krieges ist angedeutet in Vers 3/57 (Kap.34), der auf das Jahr 1939 hinweist. 

Große Erschütterungen werde es in den Jahren 1940/41 geben, 1/51.


Frankreich ist 1940 als >Festung< aufgestellt, man hat sich hinter einem Festungswerk

am Rhein, von Basel bis in die Ardennen verschanzt.  Aber die Deutschen würden über Belgien kommen, 5/94 (Kap.38), und die Bollwerke am Rhein den Franzosen nichts

nützen, 4/80.  Ab September 1939 beginnen die Briten, zur Verstärkung der französischen Verteidigung ein großes Expeditionscorps auf dem Kontinent zu stationieren.  Durch

dessen Vertreibung und Flucht von Dünkirchen im Mai/Juni 1940 fühlen sich viele Franzo-

sen im Stich gelassen, 2/25.  Für die Briten erkennt N. Schimpf und Schande, aber auch

viel Glück bei der Evakuierung ihrer Truppen, 6/90.  


Nach dem öffentlichen Eingeständnis der Niederlage durch Marschall Pétain am 17.6.1940

greift in Frankreich Mutlosigkeit um sich, 7/34.  Manche regulären Soldaten werden im besetzten Europa zu Partisanen, 6/7.  Briten und Westeuropäer sind auf Hilfe von außen angewiesen, 10/1.  N. hat auch die Luftschlacht um England gesehen, 4/65.  Die Atlantik-

schlacht werde dann das Bild auf dem westlichen Kriegsschauplatz beherrschen, 2/40.


Auszug aus dem historischen Inhaltsverzeichnis
   01/51   1940/41: Jupiter und Saturn beim Haupt des Widders

   06/07    „Die vereinten Brüder“ peinigen Norwegen und Rumänien (April und Juni 1940)

                und die britische Insel (ab August 1940)
   04/80    Die Maginot-Linie ist nicht >wasserdicht< (Juni 1940)
   06/90    Dünkirchen:  Schande, Schrecken und Glück (27.5. bis 4.6.1940)
                London lehnt Hitlers Friedensangebot ab (20.7.1940)
   02/25    Frankreich als „Festung, preisgegeben von fremder Bewachung“:
                Die Evakuierung des britischen Expeditionscorps von Dünkirchen.
                Churchill bietet Frankreich eine „Union“ an (16.6.1940)
   01/93    Britische Luftangriffe auf Turin (11.6.1940), aber aus der Union wird nichts
   04/22    Großes Heer vertrieben, gerade wenn es gebraucht wird, König ist blank
   03/22    Sechs Tage Angriff, dann geben drei die Stadt wieder her, sie werden verschont
   07/34    Nach Pétains Radioansprache (17.6.1940):  Trauer, Mutlosigkeit, Verzweiflung
   10/01    Frankreich tödlich bedrängt, >der Rest< auf Hilfe von außen angewiesen
   04/65    >Große Heldentat<:  Die Flächenbombardements britischer Städte (ab Sept.1940)
   02/40    Die Atlantikschlacht beherrscht im Westen das Bild (bis Juni 1944)

 

1940/41: Jupiter und Saturn beim Haupt des Widders


   01/51  Chef (!) d‘ Aries, Iuppiter & Saturne,/
              Dieu eternel quelles mutations !/
              Puis par lôg siecle son maling têps retourne,/
              Gaule & Itale quelles esmotions !  (1555)


              Haupt des Widders, Jupiter und Saturn - /
              ewiger Gott, welche Umwälzungen !
              Dann kehrt für lange Zeit seine böse Zeit zurück./
              Frankreich und Italien, welche Erschütterungen !

                  1) Die Urfassung hat "chef", in späteren Ausgaben steht oft "chefs".
                  3) N.f. siècle 1. Jahrhundert 2. lange Zeit 3. Zeitalter.
                  4) N.f. émotion Aufregung, Bestürzung. Mittelfrz. (Gr): Aufruhr, Krawall, (émeute),

                  gewaltsame Unruhe (agitation violante), Aufstand (soulèvement)  > lat. v. emovere

                  vertreiben, aufwühlen, erschüttern.


Vz 1 [Chef d‘ Aries]  Mögliche Bedeutungen:  A) Astrologisch >regiert< der Planet Mars den Ekliptik-Abschnitt namens Widder und ist daher dessen „Chef“.  B) Mars heißt der römische Kriegsgott, kann also auch Krieg bedeuten. C) Mittelfrz. bedeutet chef auch Anfang, das wären die ersten Grade unter dem Zeichen Widder der Ekliptik.  D) Und dann ist chef von lat. caput auch noch der Kopf oder das Haupt  -  des  S t e r n b i l d e s  Widder.


Vz 2/3/4 [Umwälzungen/ seine böse Zeit]  Der Ereignisgehalt des Verses ist die Ankündigung von „Umwälzungen“ und „Erschütterungen“ in „Frankreich“ und „Italien“.  Über den Grund dafür heißt es, dass für „lange Zeit“ „seine böse Zeit“, die des Krieges (Mars) nämlich, zurückkehren werde. Mit „langem Jahrhundert“ zu übersetzen, ist eher nicht sinnvoll, da Jahrhunderte immer gleich lang sind.


Vz 1 [Haupt des Widders/ Jupiter und Saturn]  In der ersten Verszeile ist mit dem Chef d‘ Aries    n i c h t  der Krieg gemeint, sondern das Haupt des Widders als Teil des gleichnamigen Stern-bildes.  Die anderen Deutungsmöglichkeiten scheiden in der Detailanalyse (Datei 1.4) aus.   In Frage kommen nur Konjunktionen  - optische Treffpunkte -  der beiden großen Planeten.  Denn es leuchtet ein, dass zwei in der Vision nebeneinander erscheinende Sterne auch im sprachlichen Abbild nebeneinander erscheinen.  Konstellationen anderer Art wären gekenn-zeichnet, wie die Opposition in 4/33 (Kap.27).  Der Widderkopf wird in den alten Darstellungen durch den Stern Alpha Arietis markiert.  Jupiter und Saturn treffen sich alle 20 Jahre, in der gleichen Himmelsgegend aber nur alle 60 Jahre, wobei der genaue Treffpunkt alle 60 Jahre um etwa neun Grad vorrückt.  In dem Rahmen 1555 bis 2055, dem hauptsächlichen Prognose-zeitraum, 3/94, treffen sich Jupiter und Saturn am Widderkopf 1940/41 genau und gleich mehrfach.  Weniger genau sind die Treffen von 1880/81 und 1999/2000.  Andere Treffen sind noch weiter weg vom Widderkopf.


Was 1940 geschieht, ist bekannt.  Der deutsche Frankreichfeldzug beginnt am 10.5.1940, der Waffenstillstand datiert vom 22.6.1940.  Danach steht das Land vier Jahre lang unter fremder Besatzung.  Italien erklärt am 10.6.1940 Frankreich den Krieg, der zwei Wochen lang an der Alpenfront geführt wird, 1/93 (s.u.).  Anschließend führt Italien auf dem Balkan und in Nordafrika Krieg.  Das Mutterland ist erst ab 1943 massiv betroffen, 8/81 (Kap.36). 

 

 

"Die vereinten Brüder“ peinigen Norwegen und Rumänien (April und Juni

                                    1940) und die britische Insel (ab August 1940)

   06/07  Norneigre & Dace, & l‘ isle Britannique,/
                Par les vnis freres seront vexées:/
                Le chef Romain issu de sang Gallique/
                Et les copies aux forestz repoulsees. (1568)

 

                Norwegen und Rumänien und die britische Insel/
                werden von den vereinten Brüdern gepeinigt./
                Das römische Haupt (ist) hervorgegangen aus gallischem Blut./
                Und die Truppen (werden) in die Wälder zurückgedrängt.

 

                     1) Der alte römische Name Dacia verweist auf Rumänien.  Norneigre ist ein fehlerhaft

                     gesetztes Norueige oder Norveige, modern Norvège (so auch Leoni).
                     2) Mittelfrz. (Gr) v. vexer peinigen (tourmenter).


Vz 1/2 [Norwegen, Rumänien und die britische Insel durch vereinte Brüder gepeinigt]  Ende August 1939 haben sich das deutsche Reich und die Sowjet-Union auf einen Nicht-Angriffspakt verständigt, 10/38 (Kap.34).  In einem geheimen Zusatzprotokoll haben sie sich Osteuropa untereinander aufgeteilt.  Im September überfällt Deutschland Polen, und die Russen besetzen Ostpolen.  So werden sie zu Waffenbrüdern (---> frere).  


Hitler lässt im April 1940 Dänemark und Norwegen besetzen.  Stalin lässt im Juni 1940 Bessarabien und die Bukowina besetzen, den damaligen Osten Rumäniens.  Die deutsche Luftwaffe fliegt ab Mai 1940 Angriffe auf die britische Marine im Ärmelkanal, ab August auch auf das britische Festland.  Ab September 1940 folgen nächtliche Bombardements britischer Städte, 4/65 (s.u.).  (Dank soweit an J.-C. Pfänder für die Deutungsidee.)


Vz 3 [Römisches Haupt hervorgegangen aus gallischem Blut]  Im Jahr 1940 ist Viktor Emanuel III. König von Italien.  Er ist ein Nachkomme des französischen Königshauses der Valois, hat Marguerite de France im Stammbaum, Schwester des Königs Francois I. von Frankreich;  das sind Zeitgenossen von Nostradamus.  (Ausführlicher Nachweis dieser Herkunft in Vers 5/3 (Kap.29), der vom Großvater des Königs handelt.)


Vz 4 [Truppen in Wälder zurückgedrängt]  Ab 1940 gehen im deutsch besetzten Europa, besonders in Osteuropa und in Frankreich, reguläre Soldaten in den Untergrund.  Sie werden Partisanen, die sich in Wäldern, Dörfern oder im Gebirge verstecken.

 

 

Die Maginot-Linie ist nicht >wasserdicht<

   04/80   Pres du grand fleuue, grand fosse, terre egeste/
                 En quinze pars sera l‘ eau diuisee:/
                 La cité prinse, feu, sang, cris conflict mettre/
                 Et la plus part concerne au collisee. (1568)


                  Nahe beim großen Fluss großer Graben, Erde fortgeschafft./
                 In fünfzehn Teile wird das Wasser geteilt sein.
                 Die Stadt eingenommen. Feuer, Blut, Schreie, Krieg bringen sie./  
                 Und der größte Teil (ist) betroffen beim Zusammenstoß.


                      1) Lat. v. egerere, egessi, egestum fortschaffen, entleeren.
                      2) Zum Wasser s. Glossar unter deluge Überschwemmung.
                      3) Zur Stadt s. Glossar unter cité. 
                      4) Das n.f. collision ist hier abgewandelt, um den Reim zu erfüllen. 


Vz 1 [großer Graben beim großen Fluss]  Wenn N. Richtung Deutschland schaut, sieht er als erstes den Rhein, wie in 6/3 (Kap.22), 2/23 (Kap.23) und 3/61 (Kap.32).  Der „große Fluss“ ist der Rhein.  Hier legen die Franzosen 1930-40 ein über 1000 Km langes Bollwerk mit Bunkern, Gräben und Panzersperren an, die sogenannte Maginot-Linie.  Zukünftige deutsche Angriffe sollen so aufgehalten werden.  Dafür muss „Erde fortgeschafft“ werden.
 

Vz 2 [>Wasser<]  Beim „Wasser“ der zweiten Verszeile denkt man an die „Gräben“ der ersten, und schon ist man auf der falschen Fährte.  Die französische Defensiv-Strategie, verkörpert durch die Maginot-Linie, ist nicht >wasserdicht<, denn sie kann den Einmarsch der Deutschen im Mai 1940 über Belgien und die Ardennen nicht verhindern, wo die Verteidigungslinie nur schwach ausgebaut ist.  Das Bild der >Überschwemmung< für einen massiven Einmarsch fremder Truppen kommt vor, 4/59 (Kap.38), 2/57 (Kap.42).


Vz 2 [geteilt in fünfzehn Teile]  Nach der Kapitulation der Niederlande und Belgiens und der Vertreibung der Briten bis 4.6.40, 6/90 (s.u.), rücken die Deutschen ab dem 5.6.40 vor, um Frankreich zu erobern („Fall Rot“).  Zehn Panzerdivisionen und drei motorisierte Infanterie-divisionen der Wehrmacht bilden die Spitzen des Einmarschs.  Hinzu kommen zwei motorisierte Divisionen der Waffen-SS, nämlich die Leibstandarte SS Adolf Hitler und die SS-Totenkopf-Division (wikipedia Stichwort Schematische Kriegsgliederung der Wehrmacht für den Westfeldzug).  Bei wikipedia Stichwort Westfeldzug, Schaubild 6 Fall Rot, sind die fünfzehn Speerspitzen des Einmarschs auch zu erkennen.


Vz 3/4 [Stadt eingenommen/ größter Teil betroffen beim Zusammenstoß]  Paris, von der französischen Regierung am 10.6.40 zur offenen Stadt erklärt, 3/22 (s.u.), wird am 14.6. von deutschen Truppen besetzt.  Der Süden, die später von Vichy aus regierte >freie Zone<, bleibt 1940 noch verschont.  Aber etwa 60 % der Fläche des kontinentalen Frankreich ist „betroffen beim Zusammenstoß“ der feindlichen Armeen.  Frankreichs Osten, Norden und Westen muss nach der schnellen Niederlage im Sommer 1940 die Fremdherrschaft erdulden.

 


Dünkirchen: Schande, Schrecken und Glück (27.5. bis 4.6.1940)
London lehnt Hitlers Friedensangebot ab (20.7.1940)


   06/90   L‘ honnissement puant abhominable/
                  Apres le faict sera felicité,/
                  Grand excusé, pour n‘ estre fauorable,/
                  Qu‘ à paix Neptune ne sera incité. (1568)


                  Die Schande stinkt Schrecken erregend,/
                  (aber) nach der Sache wird Glückseligkeit sein./
                  Dem Großen (wird) verziehen, keine Gunst erwiesen zu haben,/
                  so dass Neptun nicht zum Frieden angeregt sein wird.


                       1) Mittelfrz. (Gr) n.m. honnissement Schimpf (déshonneur), Schande (honte),
                       Mittelfrz. (Gr) Adj. abominable was Schrecken erregt (qui inspire l'horreur)


Vz 1/2 [Schrecken und Schande, dann Glück]  Ein britisches Expeditionscorps, bestehend aus mehr als 300.000 Mann, bezieht seit September 1939 Stellung in Nordost-Frankreich.  Bald nach Kriegsbeginn müssen sich die Briten an die Kanalküste zurückziehen.  Sie „werden abtrünnig vonder großen Festung“, 4/65 (s.u.), als welche Frankreich zu Kriegsbeginn aufgestellt ist.  Die Übermacht der Deutschen erschreckt Briten und Franzosen, die nach dem Rückzug der Alliierten plötzlich allein dastehen, 4/22 (s.u.).


Aber die Evakuierung ist „im Ergebnis unerwartet erfolgreich und führt zu enormer Erleichterung“

in Großbritannien (wikipedia Schlacht von Dünkirchen).  Etwa 90 Prozent der britischen Truppen können in die Heimat zurückkehren.


Vz 3/4 [Großer entschuldigt, Neptun nicht zum Frieden angeregt]  Die britische Politik ist in den 1930er Jahren darauf angelegt, ein System kollektiver Sicherheit auf der Grundlage des Völker-bunds zu schaffen.  Dadurch soll ein erneuter Krieg in Europa verhindert werden.  Im September 1938 wird die Eingliederung des Sudetenlandes ins deutsche Reich abgesegnet, 1/34 (Kap.34).  Churchill hat dagegen immer vor Hitler gewarnt, 5/4 (Kap.34).  Er erweist der für ihn falschen Politik "keine Gunst", steht aber lange ziemlich allein da mit seiner Opposition gegen das appeasement (Beschwichtigungspolitik) seiner Regierung.


Als am 10.5.1940 mit dem Beginn des deutschen Westfeldzuges die britische Friedenspolitik vollständig gescheitert ist, wird Churchill seine Opposition verziehen.  Am selben Tag zum Premierminister der Seemacht Großbritannien (Meeresgott Neptun) gewählt, schwört der neue Premier seine Landsleute ein auf Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen (blood, soil, sweat and tears).

In seiner Reichstagsrede am 19.7.1940 sagt Hitler, an den britischen Premier Churchill gerichtet, er "sehe keinen Grund, der zur Fortführung dieses Kampfes zwingen könnte", zitiert nach: https://justice4germans.wordpress.com/wp-content/uploads/2013/04/adolf-hitler-rede-vom-19-juli-1940-text.pdf (S.22).  Churchill lässt das Angebot eines Separatfriedens am darauf folgenden Tag durch seinen Außenminister ablehnen.  Großbritannien will keinen Frieden mehr.  Es folgt die Luftschlacht um England 1940/41 und die Atlantikschlacht 1940-44, 2/40 (s.u.)

 

Frankreich als „Festung, preisgegeben von fremder Bewachung“  - 
die Evakuation des britischen Expeditionscorps von Dünkirchen.
Churchill bietet Frankreich eine Union an (16.6.1940)


   02/25   La garde estrange trahira forteresse:/
                 Espoir & vmbre de plus hault mariage./
                 Garde deceue, sort prinse dans la presse,/
                 Loyre, Son. (!) Rosne, Gar. à mort oultrage. (1555)


                 Die fremde Bewachung wird die Festung enttäuschen./
                 Hoffnung und leerer Schein höchster Heirat./
                 Wache getäuscht, Festung genommen in der Bedrängnis,/
                 Loire, Saône, Rhône (u.) Garonne (erleiden) tödliche Schmach.


                      1) Zur Festung s. Glossar unter ---> fort.
                      2) N.f. ombre Schatten, mittelfrz. (Gr) ombre Vorwand (prétexte)
                      > lat. n.f. umbra Schatten, leerer Schein
                      Zur Heirat s. Glossar unter ---> mariage.
                      3) Das n.m. sort Schicksal ergibt in der Verbindung mit prendre keinen Sinn
                      (so auch Pfänder [1996] S.144).  Es hätte fort = Festung stehen sollen. 
                      Die Typen des f und des Eingangs-s unterscheiden sich im Urtext kaum.


Vz 1 [Festung/ fremde Bewachung]  Die >Festung< ist Frankreich zu Beginn des zweiten Welt-
krieges, als das Land eine defensive Strategie verfolgt und sich hinter seiner Maginot-Linie, 4/80 (s.o.), den Befestigungen an der Grenze zu Deutschland und Luxemburg, allzu sicher fühlt.  Vor Ausbruch der Kämpfe ist das britische Expeditionscorps 1940 auf zehn Divisionen ange-wachsen, die in Nordfrankreich stationiert sind.  Diese Truppen des verbündeten Großbritannien nennt N. „fremde Bewachung“ oder „fremde Schutztruppe“.


Vz 3 [Festung enttäuscht]  Als deutsche Panzer bereits zehn Tage nach Beginn des Westfeldzuges die Kanalküste erreicht haben, beginnen die Briten, die Evakuierung ihrer Truppen vorzubereiten, die vom 27.5. bis 4.6.1940 über Dünkirchen durchgeführt wird;  in Frankreich wird das von Manchen als Schande empfunden, 6/90 (s.o.).  Auch auf Seiten der britischen „Bewachung“ hat man sich getäuscht, 6/43 (Kap.31), hat nicht mit der deutschen Blitzkrieg-Strategie, jedenfalls nicht mit ihrer erfolgreichen Durchführung gerechnet.


Vz 2 [höchste Heirat]  Am 16. Juni 1940 bietet der neue britische Premier den Franzosen eine politische Union an, die mit der >höchsten Heirat< gemeint ist.


"An jenem Tag dauerte die Sitzung unseres Kriegskabinetts bis sechs Uhr abends … Die Trauer um

unseren Verbündeten in seinem Todeskampf und der Wunsch, alles in menschlicher Macht Stehende

zu tun, um ihm zu helfen, war die vorherrschende Stimmung … In den vorhergehenden Tagen hatten

wir die Proklamation einer französisch-britischen Union mit gemeinsamem Bürgerrecht und gemein-samen Organen für Verteidigung, für äußere, finanzielle und wirtschaftliche Politik usw. entworfen. 

Von ihrer sachlichen Bedeutung abgesehen, hatte sie den Zweck, Reynaud mit einigen durchschlagenden und anspornenden Argumenten in seinen Bemühungen zu unterstützen, die Mehrheit seines Kabinetts für die Übersiedlung nach Afrika und die Fortsetzung des Krieges zu gewinnen.“
       W.S. Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Bern, München, Wien, 3. Aufl. 1995, S. 360


Vz 3 [Festung genommen]  Die Hoffnung, den Kampf fortsetzen zu können, vergeht schnell (Schatten, leerer Schein).  Schon am folgenden Tag erklärt der neue französische Minister-präsident Pétain in einer Radioansprache der Bevölkerung, dass Frankreich den Kampf aufgeben müsse, 7/34 (s.u.).  Die >Festung<, das defensiv gerüstete Frankreich, ist schon so gut wie genommen.  


Vz 4 [Tödliche Schmach]  Der größte Teil Frankreichs, ab November 1942 auch der zunächst verschonte Südosten („Rhône“), wird von den Deutschen besetzt, anders als im Krieg 1870/71, der nur den Norden des Landes berührt.  Der Nationalstolz der Grande Nation wird durch Besatzung und Kollaboration auf das Schwerste gekränkt, vier Jahre lang.

 

Britische Luftangriffe auf Turin, aber aus der Union wird nichts

   01/93    Terre Italique pres de monts tremblera,/
                  Lyon & coq non trop confederés,/
                  En lieu de peur l’ un l’ autre saidera/
                  Seul Castulon & Celtes moderés. (1555)


                 Italienisches Land wird bei den Bergen beben./
                 Löwe und Hahn (sind) nicht allzu konföderiert./
                 Aus Furcht wird einer sich des anderen bedienen./
                 Allein (der) Kastilier und (die) Kelten (sind) gemäßigt.


                      3) Alte Wendungen (großer Larousse) avoir lieu de Gründe haben
                      (avoir de motifs de) sowie être en lieu de in der Verfassung, in dem
                      Zustand sein (être en état), wörtlich also: aus dem Grund der Furcht,
                      in dem Zustand der Furcht.
                      4) Wie andernorts ist das n.m. castillan Kastilier abgewandelt zu Castulon.


Vz 2 [Löwe und Hahn nicht allzu konföderiert]  Im Mai 1940 ist Frankreich, der gallische Hahn,
mit Großbritannien, dem >Seelöwen<, 2/94 (Kap.23), verbündet.  Am 16.6.1940, als Frankreich geschlagen und seine Kapitulation nahe ist, bietet Churchill der französischen Regierung eine Union beider Staaten an, 2/25 (s.o.).  Die dringend benötigte militärische Hilfe kann er nicht zusagen.  Die britische Führung befürchtet, die für die eigene Verteidigung noch benötigte Luftwaffe vorzeitig zu verschleißen, wenn sie diese im Juni 1940 massiv zugunsten Frankreichs einsetzte  -  eine nachvollziehbare Überlegung, die aber zum hehren Ziel einer Union oder Konföderation nicht recht passen will.  Diese Zeile hat also, deutlich herauszuhören, ironischen Klang.


Vz 3 [Aus Furcht bedient sich einer des andern]  Beide Länder handeln in Wahrheit „aus Furcht“ vor der Gefahr für das eigene Land.  Der britische Vorschlag einer Union soll die Moral der Franzosen darin bestärken, den Krieg auf dem Kontinent weiterzuführen, um Zeit für die lange vernachlässigte eigene Aufrüstung zu gewinnen.  Das französische Ersuchen um Militärhilfe zielt nicht weniger eigennützig auf den Einsatz des britischen Potenzials zugunsten Frankreichs.


Vz 1 [Italienisches Land bei den Bergen bebt]  Französisches Militär verweigert aus Furcht vor italienischen Vergeltungsangriffen der britischen Luftflotte die südfranzösischen Basen.  Daher kommen die Maschinen der Royal Air Force direkt von der Insel, als sie am 11.6.1940 Turin bombardieren, wodurch das Land am südlichen Alpenrand bebt.


Vz 4 [Kastilier und Kelten gemäßigt]  Kastilien im Zentrum Spaniens steht hier für Spanien im Ganzen.  Der spanische Regierungschef Franco erklärt Spanien am 12.6.1940 als nicht krieg-führend und verweigert sich in einer Unterredung mit Hitler am 23.10. endgültig dessen Ansinnen, auf Seiten Deutschlands in den Krieg einzutreten.  Dem schließt sich der Chef der Vichy-Regierung am 24.10. an.  >Kelten< nennt N. Franzosen nach dem Untergang des christlichen Königtums (---> Celtes).  Franco wie Pétain erweisen sich als „gemäßigt“.

Großes Heer vertrieben, gerade wenn es gebraucht

                        wird, Treue gebrochen, König blank

   04/22   La grand copie qui sera deschassée,/
                 Dans vn moment fera besoing au roy/
                 La foy promise de loing sera faussee/
                 Nud se verra en piteux desarroy. (1555)


                 Das große Heer, das hinausgejagt sein wird,/
                 einen Moment später wird der König es brauchen./
                 Die lang versprochene Treue wird plötzlich verlassen sein,/
                 blank wird er dastehen, in erbärmlicher Bestürzung.


                    1) Lat. n.f.pl. copiae Truppen.  V. dechasser mit Gewalt hinausjagen, verjagen,
                    hinauswerfen (faire sortir de force) (großer Larousse).
                    3) Mittelfrz. (Gr) n.f. foy auch: Treue (loyauté).
                    4) Mittelfrz. (Gr) n.m. desaroy auch: Unordnung (désordre), Verwirrung (confusion).


Die Deutung auf Niederlagen Ludwigs XIV. im Krieg um die spanische Erbfolge 1701ff (Dufresne 1999) erklärt das hinausgeworfene Heer nicht und auch nicht die lang versprochene Treue. -
Die US-Truppen in Deutschland werden nach der Wiedervereinigung 1990 und dem Zusammenbruch der Sowjet-Union 1991 nach und nach stark reduziert, z. T. nach Osteuropa verlegt.  Aber sie werden nicht aus Deutschland hinausgejagt. -


Vz 1 [großes Heer hinausgejagt]  Die erste Großoperation des Westfeldzuges der deutschen Wehrmacht ist der Angriff auf die Benelux-Länder und den äußersten Norden Frankreichs, einsetzend am 10.5.1940 („Fall Gelb", Operation Sichelschnitt).  Sie endet am 28.5.40 mit der Kapitulation Belgiens.  Während der Kämpfe hat das etwa 370.000 Mann starke, 1939/40 nach Nordfrankreich verlegte Expeditionscorps der Briten sich an die Kanalküste zurückziehen müssen.  Etwa 90 Prozent der britischen Truppen können bis zum 4.6.40 von Dünkirchen aus über den Ärmelkanal evakuiert werden, 6/90 (s.o.).


Vz 2 [einen Moment später wird es gebraucht]  Am 5.6.40 beginnt mit der Auslösung von „Fall Rot“, 4/80 (s.o.), die zweite Großoperation des deutschen Westfeldzuges, die der Eroberung Frankreichs gilt.  Die von den Briten verlassene französische Armee kann der Wucht des deutschen Angriffs nur wenige Tage standhalten.  Schon am 10.6., dem sechsten Tag des Überfalls, 3/22, erklärt die französische Regierung Paris zur offenen Stadt, d.h. dass die Hauptstadt nicht militärisch verteidigt wird.  Das ist schon die Voranzeige der Niederlage.


Vz 3/4 [König steht blank da, in erbärmlicher Bestürzung]  Der greise Philippe Pétain, Marschall von Frankreich, Nationalheld des ersten Weltkriegs, tritt am 18.5.40 in die Regierung ein und übernimmt am 17.6. das Amt des Regierungschefs.  Am selben Tag hält er eine Ansprache im Rundfunk:  Er stelle seine Person Frankreich zur Verfügung, um dessen Leid zu mildern und werde den Gegner um einen ehrenhaften Waffenstillstand bitten.  Mutlosigkeit, Schmerz und Verzweiflung greifen um sich, 7/34 (s.u.). Das Heer löst sich auf, mancher Soldat geht in den Untergrund, 6/7 (s.o.).  Es gibt Millionen von Binnenflüchtlingen.  Am 10.7.40 wird Pétain zum Regenten des unbesetzten Teils Frankreichs mit diktatorischen Vollmachten eingesetzt.  Daher redet N. ihn als König an, trotz seiner Abhängigkeit von Berlin, wie in Vers 3/47 (Kap.36), wo er „alter Monarch“ heißt.


Vz 3 [lang versprochene Treue]  Frankreich hat sich 1904 mit Großbritannien über Nordafrika verständigt (Entente cordiale) und 1907 mit Großbritannien und Russland ein Defensivbündnis geschlossen (Triple Entente), das sich im ersten Weltkrieg bewährt und den Krieg mit entschieden hat.  


Sechs Tage Angriff, dann geben drei die Stadt wieder her, sie werden verschont

   03/22   Six iours l‘ assaut deuant cité donné:
                 Liurée sera forte & aspre bataille:
                 Trois la rendront & à eux pardonné
                 Le reste a feu & sang tranche traille. (1555)


                 Sechs Tage (wird) der Angriff vor (der) Stadt vorgetragen,
                 man liefert sich einen schweren und harten Kampf./
                 Drei (werden) sie wieder hergeben, und ihnen wird Pardon gegeben./
                 Der Rest (ist) in Feuer und Blut, beschnitten (die) Größe.


                      4) traille dürfte ein fehlerhaft gesetztes taille sein, so auch Pfänder (1996) 
                      und viele spätere Ausgaben.


Die britischen Truppen werden bis zum 4.6.1040 aus Frankreich hinausgejagt, sie werden von Dünkirchen aus über den Ärmelkanal evakuiert, 6/90 (s.o.).  „Einen Moment später“ hätte Frankreich Verbündete gut brauchen können, 4/22 (s.o.)  Denn am 5.6.1940 beginnt der Frankreichfeldzug der deutschen Wehrmacht. 


Vz 1 [Sechs Tage]  Am 10.6., dem sechsten Tag des Überfalls, erklärt die französische Regierung unter MP Reynaud Paris zur offenen Stadt.  Dsd bedeutet, dass die Hauptstadt nicht verteidigt wird.  Am 14.6. ziehen die Deutschen kampflos in die französische Hauptstadt ein.  Französische Verfassungsorgane, Regierung und Parlament sind zuvor in den Süden des Landes geflohen.


Vz 2 [schwerer und harter Kampf]  Auf französischer Seite fallen in der Zeit vom 10.5. bis 22.6.40 etwa 60.000 Soldaten, bei den Deutschen etwa 27.000 (wikip. Westfeldzug).  Auf deutscher Seite werden über 700 Panzer und mehr als 1200 Flugzeuge zerstört.


Vz 3 [Drei geben Paris wieder her, ihnen wird Pardon gegeben]  Zu den ab dem 10.6. Geflohenen gehört auch Marschall Philippe Pétain, der im Mai in die Regierung eingetreten ist und am 17.6. das Amt des MP übernimmt.  Er hält die Fortsetzung des Krieges für aussichtslos und setzt sich auch öffentlich für einen ehrenhaften Waffenstillstand ein, 7/35 (s.u.).  Die fünfköpfige französische Verhandlungsdelegation leitet General Charles Huntziger.


Als erster der drei ist Pétain zu nennen, der >Staatschef< wird, d.h. einer Regierung vorsitzt, die mit den Deutschen kollaboriert und im Kurort Vichy residiert.  Der zweite ist General Huntziger, seit dem 18.6. unter Pétain Kriegsminister;  er unterzeichnet am 22.6.40 im Waggon von Compiègne die Kapitulation.  Der Dritte ist der deutschfreundliche Pierre Laval, der im Parlament von Vichy dafür sorgt, dass die Macht am 10.7. ganz auf Pétain übertragen wird, und damit für das Ende der III. Republik mitverantwortlich ist.  Er wird im September Außenminister des neuen deutschen Satellitenstaates.  Diesen drei kooperationsbereiten Männern "wird Pardon gegeben", indem sie weisungsgebunden mitregieren dürfen.

Dass Paris „wieder“ hergegeben wird, dürfte sich auf die Belagerung und Besetzung der Hauptstadt im deutsch-französischen Krieg 1870/71 beziehen, 5/30 (Kap.30)


Vz 4 [Rest in Feuer und Blut]  Das übrige Land, großeTeile Frankreichs außerhalb der kampflos geräumten Hauptstadt, ist bis zum Waffenstillstand vom 22.6.40 vom Krieg betroffen.  In der Folge löst sich die französische Armee auf;  etwa 1,85 Millionen Franzosen fallen im Frühjahr 1940 der deutschen Wehrmacht in die Hände, 3/69 Vz 1/2 (https://www.deuframat.de).  Millionen Binnenflüchtlinge versuchen, sich im Chaos zu retten.

Vz 4 [beschnitten die Größe]  Der Nationalstolz der Grande Nation wird schwer gekränkt durch die
militärische Niederlage, die demütigenden Umstände der Kapitulation und einen >Staatschef<, der mit dem Feind kollaboriert.

​​

Nach Pétains Radioansprache (17.6.1940): Trauer, Mutlosigkeit, Verzweiflung

   07/34   En grand regret sera la gent Gauloise,/
                Coeur vain, legier croira temerité:/
                Pain, sel ne vin, eau:  venim ne, ceuoise/
                Plus grand captif, faim, froid, necessité. (1568)


                In tiefem Bedauern wird das gallische Volk sein,/
                voll Mutlosigkeit.  Man glaubt an die verwegensten Dinge./
                Kein Brot, Salz, Wein, (nur) Wasser.  Gift, kein Bier./
                Der Größte gefangen, Hunger, Ernüchterung, Verzweiflung.

 

                     2) Mittelfrz. (Gr) n.f. temerité blinder Zufall (hazard aveugle), Leichtsinn (légereté),
                     unbedachte Kühnheit (hardiesse inconsiderée) > lat n.f. temeritas Unbesonneheit, Verwegenheit.
                     4) Mittelfrz. (Gr) n.m. froid auch:  Pech (malchance), Ernüchterung (perte de
                     l‘ enthousiasme).   N.f. necessité auch: Not (besoin), Verzweiflung (détresse).


 

Vz 1/2/3 [Bedauern, Mutlosigkeit, man glaubt verwegene Dinge]  Der Nationalheld und neue MP Philippe Pétain sagt am 17.6.40 mittags in einer Radioansprache mit seiner Greisenstimme:
   "Mit schwerem Herzen teile ich Ihnen heute mit, dass es Zeit ist, den Kampf zu beenden."

Seine Regierung habe den Gegner gebeten, die Kampfhandlungen einzustellen.  Die anschließenden Verhandlungen werden von den Deutschen als Demütigung Frankreichs inszeniert.  Pétain glaubt daran, dass Frankreich sich unter ihm von Grund auf erneuern, sich eine neue Ordnung geben werde.  In einer neuen Verfassung revidiert er dann die Errungen-schaften von 1789;  nicht mehr das Volk, sondern er ist der Souverän, 1/97 (Kap.31a).

In seiner wenig beachteten Rundfunkrede aus dem Londoner Exil ruft der Widerständler de Gaulle am 18.6.40 aus: „Frankreich ist nicht allein!  Es ist nicht allein!  Es ist nicht allein“, um dem Schmerz des Alleingelassenseins und der Verzweiflung etwas entgegen zu setzen.  Ernüchterung, Vz 3, ist ein schwaches Wort für die Gemütslage der Franzosen, von denen Millionen als Binnenflüchtlinge im Land umherirren. (Spiegel Edition Geschichte Nr. 2 [2019] S. 50-55).  Die wenigen, die de Gaulle Glauben schenken, meinen, dass nicht der Krieg, sondern nur eine Schlacht verloren sei  -  im Juni 1940 ist das eine verwegene Meinung.


Vz 4 [Größter gefangen]  Der Franzose mit der größten Autorität zu dieser Zeit ist noch Marschall Pétain;  aber er wird nicht gefangen genommen.  Wegen seiner Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Besatzern darf er den noch unbesetzten Süden Frankreichs regieren.  Als Kollaborateur, der nach der Pfeife Hitlers tanzen muss, 8/65 (Kap.36), und in diesem Sinn >gefangen< ist, nützt er den Deutschen mehr denn als Märtyrer im Gefängnis.
 


Frankreich tödlich bedrängt, >der Rest< angewiesen auf Hilfe von außen

   10/01   A l‘ ennemy l‘ ennemy foy promise/
                Ne se tiendra, les captifs retenus:/
                Prins preme mort & le reste en chemise,/
                Damné le reste pour estre soutenus. (1568)


                Vom Feind (wird) dem Feind Treue versprochen,/
                er wird sich nicht daran halten, die Gefangenen zurückgehalten./
                Genommen, tödlich bedrängt, und der Rest im Hemd,/
                dazu verurteilt der Rest, unterstützt zu werden.


                    1) Mittelfrz. (Gr) n.f. foy Pflichttreue, Verlässlichkeit (fidelité à remplir ses engagements).
                    3) Altfrz. v. premer bedrücken (accabler), bedrängen (presser) > lat .v. premere
                    drücken, drängen, bedrängen. -     Wendung mettre qu. en chemise jdn. an den
                    Bettelstab bringen, rendre jusqu‘ à sa dernière chemise sich ruinieren.


Vz 1/2 [Feind verspricht dem Feind Treue, Gefangene zurückgehalten]  Feinde sind bei N. Feinde der katholischen Religion oder die Feinde Frankreichs.  Ausnahmsweise wird auch einmal die Perspektive eines Feindes eingenommen und dessen Feind als Feind bezeichnet, 2/80 (Kap.40).  
Hitler, ein Feind Frankreichs, verspricht seinem Feind Stalin, auf Gewaltanwendung gegen die SU zu verzichten und im Fall eines Krieges der Sowjet-Union mit Dritten neutral zu bleiben, und Stalin ver
spricht vice versa dasselbe  -  das ist der Nicht-Angriffspakt vom 23.8.1939.  Aber beide sind nur „geheuchelte Freunde“, 7/33 (Kap.34), denn Hitler hat nicht vor, sein Versprechen zu halten.


In einem geheimen Zusatzprotokoll teilen sie sich Osteuropa untereinander in Einflusssphären auf.  Die zur Unterwerfung frei gegebenen osteuropäischen Länder werden dann überfallen und einer Fremdherrschaft unterworfen, durch die sie zu Gefangenen werden.  Diese Absichten werden der Öffentlichkeit vorenthalten.  In diesem Sinn werden beim Abschluss des Paktes >Gefangene zurückgehalten<.


Vz 3 [Das Land genommen, tödlich bedrängt]  Vor dem 2. Weltkrieg ist Frankreich defensiv gerüstet, hat sich bildlich als >Festung< aufgestellt, 2/25 (s.o.), 4/65 (s.u.).  Diese Festung wird „genommen, tödlich bedrängt“, als die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 in wenigen Wochen das Land überrennt.  


Vz 3/4 [der Rest im Hemd, dazu verurteilt, unterstützt zu werden]  Die Wendung "mettre quelqun en chemise" bedeutet jemanden an den Bettelstab bringen, und "il donne sa chemise" sagt man von einem, der sein letztes Hemd hergibt.  >Im Hemd< sind demnach Arme und auf Hilfe Angewiesene.  Für Franzosen wie N. ist Frankreich der Mittelpunkt der Welt, und „der Rest“ sind hier die anderen europäischen Länder, insbesondere Grossbritannien, die zweite Garantiemacht Polens.  Grossbritannien und Europa insgesamt hätten sich ohne die Hilfe eines „großen Bündnisses“, 2/100 (Kap.34), mit den USA und der Sowjet-Union nicht mehr befreien können und sind dringend auf Hilfe von außen angewiesen.

​​


>Große Heldentat<:  Die Flächenbombardements britischer Städte

   04/65   Au deserteur de la grand‘ forteresse,/
                 Apres qu‘ aura son lieu abandonné,/
                 Son adversaire fera si grand prouesse,/
                 L’ Empereur tost mort sera condemné. (1568)


                Dem von der großen Festung Abtrünnigen,/
                nachdem der seine Stellung verlassen haben wird,/
                wird sein Gegner eine große Heldentat antun./
                Der Imperator bald tot, er wird verurteilt werden.


                     1) bis 3) enthalten  e i n e n  Haupt- und Nebensatz, denn nur so erklärt sich

                     der Dativ zu Beginn, nämlich als Objekt zu fera grand prouesse.
                     3) N.f. prouesse Heldentat, Großtat, mittelfrz. n.f. prouesse auch Mut,
                     Tapferkeit (vaillance), aber in der Wendung faire prouesse ist prouesse eindeutig

                     Tat und nicht Gesinnung oder Charakter.

Die Deutung des folgenden Verses auf den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 passt bei näherem Hinsehen nicht.  Marschall Bazaine kapituliert zwar im Oktober 1870 in Metz, verlässt aber seine Stellung nicht.  Und  n a c h  dieser Kapitulation brauchen die Preußen auch nicht mehr heldenhaft gegenüber seinen 170.000 Mann aufzutreten.


Vz 1/2 [abtrünnig von der großen Festung]  Wie in 2/25 (s.o.) ist die >Festung< das zu Beginn des zweiten Weltkriegs defensiv gerüstete Frankreich.  In die französischen Linien sind zehn britische Divisionen eingereiht.  Sie werden im Mai 1940 an die Kanalküste zurückgedrängt und müssen über den Ärmelkanal evakuiert werden.  Sie sind es, die „abtrünnig“ werden, indem sie ihre Stellungen aufgeben.


Vz 3 [große Heldentat des Gegners]  Anschließend werde „sein“, nämlich des Abtrünnigen „Gegner“ ihm, dem Abtrünnigen eine „große Heldentat“ antun.  Das ist ein Sarkasmus, der sich auf die nächtlichen Flächenbombardements britischer Städte bezieht.  Mit diesem Verstoß gegen die Genfer Konvention wollen die Deutschen ab September 1940 die Moral der britischen Zivilbevölkerung brechen, was nicht gelingt.

Vz 4 [Imperator verurteilt]  Hitler wird durch seinen Krieg für ein paar Jahre zum Oberhaupt eines
Imperiums, das große Teile Europas umfasst.  Daher heißt er auch einmal „König der Könige“, 9/90 (Kap.32).  Nach seinem Tod wird er für seine unmenschlichen Befehle „verurteilt“;  die Vernichtung jüdischer Menschen und anderer Völker in den Lagern in Polen ist ein „großer Skandal“, 9/17 (Kap.39).


Für diese Deutung spricht auch, dass hier wieder einmal das prophetische Schema der von Gott gewirkten Gerechtigkeit erfüllt ist,                       .  Der Gegner des Abtrünnigen schlägt diesen in die Flucht (großer Erfolg), begeht eine Heldentat, die keine ist (Wendepunkt), und erleidet den Tod, real und moralisch.

 

Die Atlantikschlacht beherrscht im Westen das Bild (bis Juni 1944)

   02/40   Vn peu apres non point longue intervalle./
                 Par mer & par terre sera faite grand tumulte,/
                 Beaucoup plus grande sera pugne navale,/
                 Feus, animaux, qui plus front d‘ insulte. (1568)


                 Wenig später, nach einer gar nicht langen Zwischenzeit,/
                 wird es auf Land und Meer ein großes Getümmel geben./
                 Sehr viel heftiger wird der Kampf auf dem Meer sein,/
                 Feuersbrünste, Untiere, sie begehen den schwereren Angriff.


                      3) Lat. n.f. pugna navalis  Seekampf, Seeschlacht.
                      4) Lat. n.n. animal  Lebewesen, Tier, Untier.


Vz 1/2 [nach Intervall großer Tumult auf Land und Meer]  Der Vers setzt die Darstellung in 2/39 (Kap.33) direkt fort.  Dort wird der Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940 geschildert.  Mit dem deutschen Sieg über Frankreich beginnt das „Intervall“.  Hitler ist auf dem Höhepunkt seiner Macht und möchte mit Großbritannien Frieden schließen;  aber der neue britische Premier Churchill macht nicht mit, 6/90 (s.o.).  Ab Anfang September beginnen dann die Deutschen mit nächtlichen Flächenbombardements britischer Städte, 4/65 (s.o.).  Der Krieg der deutschen Luftwaffe gegen die Royal Air Force, die Luftschlacht um England, wird auf Land und Meer geführt, denn es werden auch die Schiffe des Gegners attackiert.


Vz 3/4 [heftiger ist der Kampf auf dem Meer, Untiere]  Was die Marine angeht, ist Deutschland auch ohne die USA schon Großbritannien unterlegen.  Im Mai 1941 ist klar, dass aus der geplanten Landung in Großbritannien („Fall Seelöwe“) nichts wird.  Aber die Atlantikschlacht geht unvermindert weiter und beherrscht das Bild auf dem westlichen Kriegsschauplatz bis 1944, als die Westalliierten in der Normandie landen.  Geleitzüge mit Kriegs- und Transportschiffen werden von Marinefliegern und U-Booten attackiert.  Manche der getroffenen Schiffe gehen in Flammen auf.  Die hinterhältigen U-Boote mögen N. wie >Untiere< erschienen sein.

 

 


 

VH (14)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (14)  Katholische Kirche und heidnische                            Sekte  -  Dritte Überschwemmung mit Menschenblut


Text    sera faicte le troisieme inondation de sang humain, ne se tournera de long temps                   Mars en caresme.  Et sera donnee la fille par la conseruation de l’ Eglise                                     Chrestienne, tombant (a) son dominateur à la paganisme secte des nouveaux                           infidels, elle aura deux enfans, elle aura deux enfans, l’ un de fidelité, et l‘ autre

           d‘ infidelité par la confirmation (b) de l‘ Eglise Catholique.  Et l’ autre qui à sa

           grande confusion & tarde repentance la voudra ruiner.


             (a) Mittelfrz. (Gr) v. tomber hinunterwerfen (faire tomber), umstürzen lassen (faire culbuter).
             (b) N.f. confirmation  Bestätigung, Bekräftigung;  Einsegnung, Konfirmation.


               Es wird stattfinden die dritte Überschwemmung mit Menschenblut [1],  Mars wird sich 
               nicht lange in Enthaltsamkeit üben.   Und es wird hingegeben werden die Tochter zur
               Erhaltung der christlichen Kirche, indem sie ihren Herrscher in die heidnische Sekte
               der neuen Ungläubigen stürzt, woraufhin sie zwei Kinder haben wird, ein Kind der Treue,
               das andere (ein Kind) der Untreue zur Bekräftigung der katholischen Kirche [2].
               Und das andere (Kind) wird in seiner großen Verwirrung und mit spätem Bedauern
               trachten, sie (die katholische Kirche) zu zerstören [3].


           Anmerkung 1 [Dritte Überschwemmung mit Menschenblut]  Wenn der römische Kriegsgott
           ein drittes Mal losschlägt, wird damit blumig ein dritter großer Krieg angekündigt.  In VH (19)
           spricht N. von einem „ersten Holocaust“ und meint im Kontext den ersten Weltkrieg, zählt 
           also in gleicher Weise, wie es im 20. Jahrhundert üblich geworden ist.  Daraus ist zu folgern,                     dass N. einen dritten Weltkrieg gesehen hat, Vorschau (I),                      .

           D a n a c h  kommt der Auftritt des >wiedergekommenen Heilandes< und seiner Anhänger-

           schaft, die N. „die heidnische Sekte der neuen Ungläubigen“ nennt.  D a n n  wird der                                 >Wiedergekommene< an die Spitze eines globalen Regimes berufen, das in VH (13)

           >Berg Jupiters< heißt. 

           D a n n  erst kommen die Auseinandersetzungen Europas mit den Zumutungen des Regimes

           der >Weltfriedensordnung<, Vorschau (X), von denen die Abschnitte (12) und (13) der Vorrede                 erstmals handeln.

           Der dritte große Krieg zu Beginn des Abschnitts ist also eine >Rückblende<.


           Anmerkung 2 [Katholische Kirche und heidnische Sekte]  Von der „katholischen Kirche“
           ist die Rede, und vorher noch von der „christlichen Kirche“.  Da aber letztere einen „Herrscher“ 
           hat, dürfte damit die katholische Kirche gemeint sein, weil es in den anderen christlichen

           Kirchen kein dem Papst vergleichbares Oberhaupt gibt.  Die wahre christliche Kirche ist                             N. allemal nur die katholische, VH (8).  
           Die Rede von >Kindern< und einer >Tochter< im Zusammenhang mit der Kirche meint
           das Volk der Gläubigen, das Kirchenvolk, das zusammen mit >Mutter Kirche< und Gott
           als Vater eine >Familie< bildet, 8/19 [XI].  Zunächst tritt >die Tochter< allein ins Blickfeld, 
           dann sind es >zwei Kinder<.  Daran ist ablesbar, dass die katholische Kirche zunächst
           noch eine Einheit bildet, dann aber in  z w e i  Kirchenvölker auseinanderfällt.

 
           Die katholische Kirche werde ihr Oberhaupt „in die heidnische Sekte der neuen Ungläubigen
           stürzen“, woraufhin dem Papst ein Teil der Gläubigen zu folgen bereit ist, die der Seher 
           >Kind der Untreue< nennt.  Dagegen hält sich das >eine Kind< fern von der >heidnischen 
           Sekte<, hält am alten Glauben fest, und ist damit ein >Kind der Treue<.

 
           Eine der historischen Spaltungen, als deren Grund die Abweichler angaben, dass der Papst 
           selbst vom wahren Glauben abweiche, kann hier nicht gemeint sein, weil es dabei in keinem 
           Fall der Beitritt des Papstes zu einer „heidnischen Sekte“, zu einem „heidnischen Bekenntnis“ 
           (paganisme secte) war, welcher die Spaltung auslöste.  Am ehesten wäre noch an die Stellung-
           nahmen der römischen Kirche zu den faschistischen Regimen des zwanzigsten Jahrhunderts 
           zu denken, die umstritten waren, aber zu keiner Spaltung der Kirche geführt haben.  Und von
           Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit Logen usw. kann man ganz absehen, da sich 
           die gemeinten Trennungen öffentlich vollziehen, erkennbar daran, dass sich die Gläubigen 
           dazu ins Verhältnis setzen können.  Die gemeinten Vorgänge liegen also heute (2010) noch 
           in der Zukunft.


           Gleich nach den singulären, hier in der Vorrede Abschnitt (18) erwähnten Naturereignissen ist
           mit dem erstmaligen Auftritt jenes Mannes zu rechnen, der als >wiedergekommener Heiland< 
           gefeiert werden wird.  Ihn erkennt der Seher als die letzte und machtvollste Verkörperung des 
           antichristlichen Prinzips,             [VIII], VH (17).  Die christlichen Kirchen werden sich erklären

           müssen, wie sie zu dem neuen Mann stehen.  Dass sich die katholische Kirche nach inneren                     Auseinandersetzungen positiv zu dem >Wiedergekommenen< stellt, ist öfters belegt, 5/46 [V].


           Anmerkung 3 [Kind der Untreue zerstört die Kirche]  Über das Motiv des Bündnisses mit der                     >heidnischen Sekte<, d.h. mit der Anhängerschaft des neuen Mannes, ist Widersprüchliches

           zu erfahren.  Einerseits geht es um confirmation, d.h. „Bekräftigung“ oder „Einsegnung“ der                       katholischen Kirche.  Aber es heißt auch, die >untreuen Kinder< trachteten danach, die                             katholische Kirche zu zerstören, und es ist von „Verwirrung“ und „spätem Bedauern“ die Rede.                   Dieser Widerspruch würde sich auflösen, wenn man zwischen Wunschdenken und den                             tatsächlichen Wirkungen des Bündnisses mit der >heidnischen Sekte< unterscheidet.  Die                         >untreuen Kinder< wünschen sich Bekräftigung und Segen für die Kirche, bewirken aber,

           ohne es abzusehen, deren Zerstörung.  
 

VH (15)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (15)
                  Religionen, weit entfernt von europäischen Gegenden


Text    seront trois regions par l‘ extreme difference des ligues, c’ est assauoir la Romanie (a),
           la Germanie, l’ Espaigne, qui feront diuerses sects par main militaire, delaissant le

           50 et 52. degrez de hauteur, & ferôt tous hômage des religions loingtaines aux                         regions de l‘ Europe & de Septentrion de 48. degr. d‘ hauteur, qui premier par

           vaine timidité tremblera, puis les plus occidenteaux, meridionaux et orientaux                       trembleront; telle era leur puissance, que ce qui se fera par concorde & union                         insuperable des conquests belliques.  De nature seront esgaux:  mais grandement                   different de foy.


             (a) Der lat. Eigenname Romania bezeichnete das ganze antike Imperium der Römer. 

             Aber bei N. ist Romanie ein Name für Italien, was hier dadurch deutlich wird, dass

             Romanie in einer Reihe mit la Germanie und l‘ Espaigne genannt wird.  Vgl. 8/60 und 4/82.


             Es werden drei Regionen sein, die äußerst verschiedene Bündnisse eingehen, nämlich
               Römerland, Germanien und Spanien, welche verschiedene Sekten mit der Macht des
               Militärs bilden [1], und dabei den 50. und 52.  Breitengrad aufgeben.  Sie werden allesamt
               Religionen huldigen, die weit entfernt sind von europäischen Gegenden [2] und vom 
               48. nördlichen Breitengrad.  Dieser wird als erster in eitler Furcht erbeben, dann werden
               die weiter westlichen, südlichen und östlichen Regionen erbeben.  Ihre Macht wird so
               beschaffen sein, dass erst ihre Eintracht und Einheit sie unüberwindlich bei kriegerischen
               Eroberungen macht.  Ihrer Natur nach werden sie gleichartig sein, aber ganz verschieden

           in ihrem Glauben.


           Anmerkung 1 [Militante Sekten/ Zeitliche Einordnung]  Es wurde vermutet, dass hier der 
           europäische Faschismus der gemeint sei, doch spielten außereuropäische Religionen 
           damals keine Rolle, und Mitteleuropa (50. und 52. Breitengrad) wurde nicht aufgegeben.  
           In Deutschland wurde nationale Romantik mit aufgewärmten germanischen Mythen bedient, 
           und der Wahn von der Höherwertigkeit der >arischen Rasse< wurde mit dem Mythos vom 
           >Reich< vermengt.  Die italienischen Faschisten wollten die antike Größe Italiens wieder
           beleben, waren auch an  e u r o p ä i s c h e r  Vergangenheit orientiert,             (Kap.37).
           Zudem scheint es hier, dass Europa durch die Bündnisse, die man dort mit außereuropä-
           ischen Mächten eingeht, bedroht wird, während in den 1930er Jahren die faschistisch
           beherrschten Staaten zur Bedrohung für ihr Umfeld wurden.  Daraus ist abzuleiten, dass
           die Erzählfolge, die in (14) neu ansetzte, hier fortgesetzt wird.  

           Anmerkung 2 [Außereuropäische Religionen]  Der Bereich des Glaubens werde nach der
           „Zerstörung von Allem“ eine ungeahnte Aufwertung erfahren, und die christlichen Kirchen
           würden „wieder aufgerichtet“ werden, VH (22).  Daneben scheint man sich an außereuro-
           päischen Religionen, vor allem wohl am Islam zu orientieren, 3/27 [VI], und es werden
           „Bündnisse“ eingegangen, die auch politisch von außerhalb Europas unterstützt werden.
           Zudem macht dann bald eine „heidnische Sekte“ von sich reden, womit die Anhängerschaft
           des >wiedergekommenen Heilandes< gemeint ist, VH (14).  Die sich auf ihn berufenden
           Gruppen sind militant pazifistisch ausgerichtet, was sie in Verbindung mit der Unterstützung
           von außen zu einer Bedrohung werden lässt, zumal auch von „Eroberungen“ die Rede ist.
           In der Nähe des 48. Breitengrades liegt Orléans, mit dessen Namen der Freiheitskampf 
           Frankreichs verbunden ist, 10/45 (Kap.6), und liegt auch Blois, wo der spätere König von 
           Europa geboren wird,              .  Von dort ausgehend, kämpft er gegen den Antechristen und
           wird später zum christlichen König von Europa, 10/86.  Vom 48. Breitengrad her werde „der                       Heilige Geist vorankommen“, heißt es weiter unten in VH (17).

 

VH (16)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (16)
                  Unfruchtbare Dame sehr mächtig


Text    Apres cecy la Dame sterille de plus grande puissance que la seconde sera receue 
           par deux peuples, par le premier obstiné par celuy qui a eu puissance sur tous,
           par le deuxiesme & par le tiers qui estêndra ses forces vers le circuit de l’ Orient
           de l’ Europe aux pannôs (a) l’ a profligé (b) & succombé & par voyle marine fera
           ses extensions à la Trinacrie (c) Adriatique par Mirmidons (d) & Germaniques 
           du tout succombé, & sera la secte Barbarique du tout des Latins grandement 
           affligee & deschasee.


             (a) Lat. Pannonia war eine römische Provinz zwischen Ostalpen, Donau und Save.
             (b) Lat. v. profligare niederschlagen, überwältigen, vernichten, stürzen
             (c) Lat. Trinacria Sizilien (>Dreispitzland<)
             (d) Myrmidones hießen die Gefolgsleute Achills, eines griechischen Kriegshelden


               Danach wird die unfruchtbare Dame, von viel größerer Macht als die zweite [1], von zwei
               Völkern aufgenommen werden:  Von einem ersten, widerspenstig durch jenen, der
               Macht über alle gehabt hat, (und) von einem zweiten und dritten (Volk) [2], das seine 
               Macht ausdehnen wird zum östlichen Umkreis Europas hin, (der) bei den Pannoniern 
               niedergeschlagen und unterworfen (wird).  Und mit seinen Seestreitkräften wird es sich 
               ausbreiten bis zum östlichen Sizilien, durch Myrmidonen und germanische (Truppen) 
               gänzlich unterworfen.  Und vollends wird die barbarische Sekte von den Lateinern
               niedergeworfen und verjagt werden.


           Anmerkung 1 [Zweite Dame/ Unfruchtbare Dame …]  Mit der >Unfruchtbarkeit< meint N.
           das unchristliche Wesen der Anhängerschaft des >neuen Heiligen<, 10/30 [X], welches
           verhindert, dass christlich legitimierte Herrscher >empfangen< werden und ihren Platz
           einnehmen, VH (12).  Diese >Dame< wird „aufgenommen“ von europäischen Völkern, 
           d.h. die Anhänger des zur höchster religiöser Autorität aufgestiegenen Charismatikers 
           werden geschätzt, und die betreffenden Völker werden so selbst zu dessen Anhängern.  
           Aus dem Stamm der Synagoge, d.h. aus dem jüdischen Volk als der >ersten<, von Gott
           erwählten >Dame< ist (geistig) die Christenheit als >zweite Dame< hervorgegangen.  
           Aus dem gleichen Stamm wie das Christentum werde die >unfruchtbare Dame< hervor-
           gehen, denn auch sie fängt an als jüdische Sekte,            Vz 3 [III];  doch werde ihr mehr 
           Macht zuwachsen, als sie christliche Kirchen jemals besaßen.


           Anmerkung 2 [… von drei Völkern aufgenommen]  Die >heidnische Sekte der neuen
           Ungläubigen< werde in Römerland, Germanien und Spanien aufgenommen werden, VH (15),
           die demnach mit den drei Völkern gemeint sein dürften.  Italien sei „widerspenstig“, d.h. 
           gegen die christliche Religion eingestellt „durch jenen, der Macht über alle gehabt hat“ -
           eine bemerkenswerte Einschätzung des Papsttums von einem treuen Katholiken.
           Die erwähnten kriegerischen Ereignisse sind zu undeutlich geschildert, als dass man
           damit etwas anfangen könnte.

 

VH (17)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (17)   Imperium des Antechristen

                  auf dem Gebiet des Attila und Xerxes  -  Großer Königlicher


Text    Puis le grand empyre de l‘ Antechrist commencera dans la Atila & Zerses descendre
           en nombre grand & innumerable, tellement que la venue du sainct Esprit procedant
           du 48. degrez fera telle transmigration (a), deschassant à l‘ abomination de l‘                             Antechrist, faisant guerre contre le royal qui sera le grâd Vicaire de Iesus Christ,

           & contre son Eglise, & son regne per tempus, et in occasione temporis,


              (a) N.f. transmigration > lat. n.f. transmigratio Auswanderung, Wegzug


               Dann wird das große Imperium des Antechristen [1] im (Gebiet des) Attila und Xerxes [3] 
               beginnen einzufallen in riesiger Zahl, so dass die Ankunft des heiligen Geistes, vom 48.

               Grad aus vorankommend [3], eine Wanderung auslösen wird (und die Menschen) 
               wegtreibt von den Gräueln des Antechristen.
               Der führt Krieg gegen den Königlichen [1], welcher der große Stellvertreter Christi [2]
               sein wird , und gegen seine Kirche und seine Herrschaft, (die kommt), wenn die Zeit und 
               die Gunst der Stunde es zulassen.


           Anmerkung 1 [Antechrist gegen den Königlichen]  Der angesagte Weltherrscher, 1/4 [VIII], 
           heißt hier „Antechrist“  -  es ist in der Zählung des Nostradamus der dritte Antichrist nach 
           Napoleon und Hitler (---> Antechrist).  Nachdem die vom globalen Regime aufgehetzten                             Menschen sich massenweise in Richtung Europa in Bewegung gesetzt haben, wird der

           Krieg um die Freiheit des Kontinents von dem späteren Heinrich V., dem Mann aus dem
           lange unfruchtbaren Stamm, VH (12) und (20), und seinen Verbündeten geführt,            . 
           Die Bezeichnung „Königlicher“ verdeutlicht, dass der Gemeinte ein persönliches Format
           erkennen lässt, in dem sich natürliche Eignung mit Berufung glückhaft verbindet.
           Er ist einer der aus VH (12) bekannten „drei Brüder“, die sich gegen den „Antechrist“
           verbünden, 1/99.  Er wird am Ende zum „christlichen König der Welt“, 4/77, unter dessen 
           Schutz sich Christen werden stellen können, VH (23).  Unter ihm können sich die Menschen 
           an der (geistigen) Herrschaft Christi erfreuen.


           Anmerkung 2 [Stellvertreter Christi]  Als >Stellvertreter Christi< mit einem Alleinrecht an
           ihrem Stellvertretertum wollten sich seit dem Mittelalter die Päpste verstanden wissen.
           Demnach wäre es nicht nur weltliche Macht, sondern auch höchste geistliche Autorität,
           die der „Königliche“ auf sich vereinigen wird.  Dem widerspricht aber die Angabe in Vers
                      Vz 4, wonach der spätere Heinrich V. den Bereich der Religion frei lässt, d.h. keine
           Vorgaben bezüglich Liturgie und Dogma macht.  
           Dass der christliche Kaiser der Gegner des endzeitlichen Antichristen sei, war im Mittel-
           alter eine geläufige Vorstellung.  Zum Konzept des sakral begründeten Kaisertums (der
           Karolinger und Ottonen) gehörte es, dass der Kaiser  i n   w e l t l i c h e r   H i n s i c h t 
           zum Diener und Stellvertreter (minister et vicarius) Christi bestellt sei.  Dem Kaiser war 
           aufgegeben, draußen in der Welt die Christen und ihre Kirche vor Feinden zu schützen, 
           während die Bischöfe, gewissermaßen als Innenminister Christi, als Hirten und Lenker 
           der Seelen eingesetzt waren.


           Anmerkung 3 [Attila und Xerxes]  Der Hunnenkönig Attila beherrschte im 5. Jahrhundert
           nach Christus ein weitläufiges Reich, das sich von Asien bis Europa erstreckte.  
           Xerxes war ein König der Perser im 5. Jahrhundert vor Christus.  Ein Machtzentrum
           des Weltherrschers werde sich in  A r m e n i e n  befinden, gibt Vers 5/50 Vz 4 zu

           erkennen.  Von  A s i e n  her werde ein „Großer“ kommen, die Christen zu verfolgen,
                        .  

           Der Heilige Geist weht sicherlich, wo er will, und auch die himmlischen Heerscharen
           werden keine irdischen Aufmarschgebiete benötigen.  Wenn der Heilige Geist am 48.
           Breitengrad an- und von da vorankommt, kann nur eine irdische Macht gemeint sein, 
           die der Seher als vom Himmel gesandt erkennt.  Den späteren Heinrich V. erkennt N
           als vom Himmel gesandt,               ;  sein Geburtsort liegt bei 47,6° nördlicher Breite,
           also in der Nähe des 48. Breitenrades,              .

 

VH (18)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (18)
                  Verfinsterung der Sonne im Oktober  -  große Versetzung


Text    & precedera deuant une eclipse solaire le plus obscure, & le plus tenebreux,
           que soit esté depuis la creation du monde iusques à la mort & passion
           de Iesus Christ, & de là iusques icy, & sera au moys d’ Octobre que quelque
           grande translation (a) sera faite, & telle que l’ on cuydera la pesanteur de la
           terre auoir perdu son naturel mouuement, & estre abismee en perpetuelles
           tenebres,


             (a) N.f. translation Übertragung, Überführung, Verschiebung 
             > lat. n.f. translatio Übertragung, Versetzung, Verlegung


              Und vorausgehen wird eine Verfinsterung der Sonne, die finsterste und dunkelste,
              die es gegeben hat [2], seit der Erschaffung der Welt bis zum Tod und Leiden Jesu

              Christi, und von da bis heute.  Und es wird im Monat Oktober [1] sein, dass eine große                          Versetzung [3] geschehen wird derart, dass man meinen wird, die Schwere der Erde

              habe ihre natürliche Bewegung verloren, und die Erde sei gestürzt in den Abgrund

              ewiger Finsternis.


           Anmerkung 1 [Vorausgehen/ Monat Oktober]  Am Beginn von Abschnitt (18) bricht die

           Erzählung offen ab und holt erneut zu einer >Rückblende< aus.  Die gemeinte Verfinsterung

           wird der soeben in Abschnitt (17) behandelten Auseinandersetzung zwischen dem globalen                       Regime und dem späteren Heinrich V.  v o r a u s gehen (precedera) und  n a c h  den                               Erschütterungen der Erde im Frühling eintreten, von denen der folgende Abschnitt (19)

           handelt.  Die Reihenfolge ist also:

                             1. Erschütterungen der Erde im Frühling, VH (19)
                             2. Verfinsterung der Sonne und große Versetzung im Oktober, VH (18)
                             3. Antechrist führt Krieg gegen den Königlichen, VH (17)
           Zu der Monatsangabe muss man wissen, dass N. noch mit dem julianischen Kalender
           rechnet, VH (33), der bis 1582 gültig war.  Zu dessen Datierungen muss man im 21. Jahr-                         hundert 14 Tage addieren, um sich im aktuellen (gregorianischen) Kalender zu bewegen;  
           der julianische Oktober geht also vom 14.10. bis zum 14.11. des aktuellen Kalenders.

           Anmerkung 2 [Verfinsterung der Sonne]  Die gemeinte Verfinsterung hält N. wegen ihrer 
           Begleitumstände für bemerkenswert.  Eine normale Sonnenfinsternis durch den zwischen
           Erde und Sonne tretenden Mond ist damit ausgeschlossen.  Wie es scheint, ist dann das 
           Drehmoment des Planeten gestört und kann infolgedessen die Sonne nur noch einen 
           niedrigen Stand am Horizont erreichen oder gar nicht mehr aufgehen.  Sie werde dann 
           „ihre matten Tage nehmen“,             [II].  Ursache des Geschehens scheint ein irregulärer 
           Himmelskörper zu sein, der in die Nähe des Planeten Erde kommt,             [II].


           Anmerkung 3 [Große Versetzung]  Mit der „großen Versetzung“ ist zunächst der Vorgang des
           Versetzens, d.h. das Kippen der Drehachse der Erde gemeint;  dabei kann dort, wo keine
           Finsternis der außerordentlichen Art eintritt, es so aussehen, als würden die Sterne vom

           Himmel fallen, Mt 24,29.  Zweitens ist damit benannt, was von dem Vorgang zurückbleibt,

           nämlich eine dauerhafte „Versetzung“ der Erde.  Es scheint, dass es eine dauerhafte Änderung                 der Lage des Planeten auf der Erdbahnebene (Ekliptik) geben wird, welche sich als dann

           anschließend als Verschiebung des Fixsternhimmels bemerkbar macht,            [II].  Dieser                         „Umsturz“ werde bis zum Ende des >siebten Jahrtausends< dauern, d.h. bis zum Ende

           der alten Erde, VH (6).


 

VH (19)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (19)   Neues Babylon, groß geworden

                  durch ersten Holocaust  -  73 Jahre und sieben Monate


Text    seront precedans au temps vernal, & s‘ ensuyvant apres extremes changemens,
           permutations de regnes, par grands tremblemens de terre, auec pullulation 
           de la neufue Babylonne fille miserable augmentee par l‘ abomination du premier 
           holocauste (a), & tiendra tant seulement que septante trois ans, sept mois,


             (a) N.m. holocaust 1. Brandopfer (von Tieren) 2. Blutbad, Massaker 
             3. die Massenvernichtung der Juden während des Nationalsozialismus.


               Zur Frühlingszeit [3] vorausgehen und darauf folgen werden extreme Veränderungen,
               Umwandlungen von Reichen durch große Erschütterungen der Erde, mit dem
               Junge-Kriegen [2] des neuen Babylon, groß geworden durch den Gräuel des ersten
               Holokaustes.  Und es wird sich keinesfalls länger halten als dreiundsiebzig Jahre
               und sieben Monate [1].


           Anmerkung 1 [Neues Babylon, groß geworden durch ersten Holocaust, wird sich keinesfalls
           länger halten als 73 Jahre und sieben Monate]  >Babylon< ist im NT ein Deckname für die
           römische Weltmacht und wird von N. im erweiterten Sinn als Name für einen mit großer Macht
           ausgestatteten >Ort des Unglaubens< verwendet,             [VII]  -  für den Katholiken N. ein Ort,
           an dem Mächte herrschen, die den in Christus offenbar gewordenen Gott ablehnen.
           Das >neue Babylon< steht hier für den kommunistischen Machtbereich, und die  >elende 
           Tochter< ist das Volk, das diese Ideologie angenommen hat bzw. dem sie  aufgezwungen 
           wurde.  Denn so gedeutet, passen die beiden Angaben zu seiner Entstehung und zu seinem 
           Ende.  „Groß geworden“ ist dieses >Babylon< „während des ersten Holocaust“, d.h. während

           des ersten Weltkrieges.  Die russische Revolution findet im November 1917 in St. Petersburg                     statt.  Das kurze bürgerlich-demokratische Intermezzo nach der Abdankung des Zaren im                         März 1917 endet erst am 19. Januar 1918, als die Bolschewiken, die bei den Wahlen nach der                 Revolution nur ein Viertel der Stimmen erhalten haben, das verfassunggebende Parlament                       auseinandertreiben und danach ihre Diktatur errichten.  Dort einsetzend, sind es „dreiundsiebzig               Jahre und sieben Monate“ bis zum 20. August 1991, als ein fehlgeschlagener Putschversuch

           der wirtschaftlich maroden Sowjet-Union den Todesstoß versetzt.

           Anmerkung 2 [Junge-Kriegen des neuen Babylon]  Im Zuge „extremer Veränderungen“ 
           sowie „großer Erschütterungen der Erde“ werde sich das neue Babylon vermehren, heißt es.  
           Das Wort pullulation bedeutet Gewimmel, Vermehrung, von lat. pullulare Junge kriegen,
           wimmeln, sich vermehren, um sich greifen.  Aber wie kann das >neue Babylon<, d.h. der 
           ehemals kommunistische Machtbereich sich vermehren, nachdem dieser >Ort gottfeindlicher 
           Mächte< als solcher sich schon aufgelöst hat ?  
           Das >Junge-Kriegen< ist im gegebenen Kontext ein Bild für die Vermehrung unabhängiger
           Staaten durch den Zerfall der alten Zentralmacht.  Die Sowjet-Union löst sich 1991 auf.  
           Es entstehen vierzehn unabhängige Staaten, nämlich Armenien, Aserbaidschan, Belarus, 
           Estland, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Moldau, Russland, Tadschikistan, 
           Turkmenistan, die Ukraine und Usbekistan.


           Anmerkung 3 [Zur Frühlingszeit gehen (dem Geschehen in VH (19)) voraus große 
           Erschütterungen der Erde]  Mit den >Erschütterungen der Erde<, die das Junge-Kriegen 
           des >neuen Babylon< bringt, können kriegerische Ereignisse gemeint sein (à terre).  
           Der 1. Tschetschenienkrieg beginnt im Dezember 1994, der 2. Tschetschenienkrieg 
           beginnt im September 1999.  Der Georgienkrieg findet statt im August 2008.  Der 
           Russisch-Ukrainische Krieg beginnt im Februar 2014 und eskaliert im Februar 2022.
           Es scheint, dass die gemeinten großen Erschütterungen im Frühling jenes Jahres
           eintreten, das dann im (julianischen) Oktober die außerordentliche Verfinsterung der 
           Sonne sowie die „große Versetzung“ bringt, von denen zuvor in VH (18) die Rede ist.


 

VH (20)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (20)  Tollwütiger, der den Weisen spielt  -                        Glaubenskriege  -  Erneuerung der Kirche


Text    puis apres en sortira du tige (a) celle qui auoit demeuré tant long temps sterille 
          procedant du cinquantiesme degré (b) qui renouvellera toute l’ eglise Chrestienne.
          Et sera faicte grande paix vnion & concorde entre vng des enfans des frons esgarez
          & separez par diuers regnes, & sera faicte telle paix que demeurera attaché au plus
          profond baratre (c) le suscitateur & promoteur de la martielle faction par la diuersité
          des religieux, & sera uny le Royaume du Rabieux (d), qui contrefera le sage.


            (a) N.f. tige Stiel, Stamm, Ahne; de la tige wäre korrektes Französisch.
            (b) Mit dem „50. Grad“ ist der Breitengrad gemeint, vgl. oben Abschnitte (15) und (17).
            (c) N.m. barathre Schindanger, griech. barathron Schlund, Kluft, Abgrund.
            (d) Rabieux ist gebildet nach dem lat. adj. rabiosus tollwütig, vgl. 4/56 [XI].


              Darauf wird aus jenem Stamm, der so lange Zeit unfruchtbar geblieben ist,  ausgehend vom
              fünfzigsten Grad, jener Mann hervorgehen, der die ganze christliche Kirche erneuern 
              wird [3].  Und es wird ein großer Friede, Einheit und Eintracht entstehen [3] zwischen unter 
              einem der Kinder, die durch Fronten verstört und getrennt waren unter verschiedenen Herr-
              schaften.  Und es wird ein Frieden geschlossen werden solcher Art, dass im tiefsten Abgrund 
              festgebunden bleiben wird der Anstifter und Förderer [3] der kriegerischen Umtriebe, (die) 
              aufgrund der Verschiedenartigkeit der Glaubensrichtungen (entstehen) [2].  Und es wird 
              geeint werden das Königreich des Tollwütigen, der den Weisen nachäfft [1].


          Anmerkung 1 [Tollwütiger, der den Weisen nachäfft]  Wieder springt N. in die Zeit nach dem
          Kataklysmus.  Der dann auf den Plan tretende vermeintlich >wiedergekommene Heiland< 
          heißt hier „Tollwütiger, der den Weisen spielen wird“ (Rabieux qui contrefera le sage).
          Mit seinen außerordentlichen Begabungen wird er sich als „Haupt der Weisheit“ ausgeben 
          lassen, 5/31 [III], als den >größten Philosophen, der jemals lebte<.  Das Verbum contrefaire 
          bedeutet „spielen“ auch im Sinne von „betrügerisch vormachen“ oder „nachäffen“.  
          Das bezieht sich auf die alte Allegorie, der zufolge >Christus der wahre Salomo<, Heiland  
          u n d  größter Weisheitslehrer der Menschen ist.  I h n  also, s e i n e  Weisheit wird der
          >Tollwütige< nachäffen und den Eindruck erwecken, Christus spreche durch ihn,            [III].  
          Doch werden er und seine Krankheit an seiner >tollwütigen Sprache<,            [XI], erkennbar     
          werden, der jeder echte Jenseitsbezug fehlt.  Ihr wird das >Wasser< fehlen, 5/36 [X], 
          das der an Tollwut Erkrankte scheut  -  das >lebendige Wasser< als Sinnbild für den 
          in der Sprache der Evangelien sich äußernden Heiligen Geist, der im Herzen derer, 
          die ihr Leben danach einrichten, lebendig wird, Johannes 4,7-15.


          Anmerkung 2 [Glaubenskriege]  Es werde noch einmal „kriegerische Umtriebe aufgrund
          der Verschiedenartigkeit der Glaubensrichtungen“ geben.  Gemeint ist die Zeit, da das
          globale Regime der >Weltfriedensordnung< offen totalitär wird und seine >neue Religion< [X]
          überall durchsetzen will.  Dass es noch einmal zu Verfolgungen und kriegerischen Umtrieben
          kommen werde, die sich an dem entzünden, was Menschen glauben, mag bei dem heute
          erreichten Ausmaß der Verweltlichung, und zumal nach dem sang- und klanglosen Ende 
          des Kommunismus abwegig klingen.  Aber das ist eine, wenn nicht die wichtigste Botschaft
          des provenzalischen Sehers.


          Anmerkung 3 [Anstifter gebunden/ Mann aus unfruchtbarem Stamm/ Erneuerung der Kirche]  
          Mit dem Anstifter der Glaubenskriege ist der Gegner Gottes selbst gemeint, der durch den
          vermeintlich Weisen machtvoll wirken kann;  erst auf der Neuen Erde ist er dann „im tiefsten 
          Abgrund angebunden“, was aus der Offenbarung des Johannes Kapitel 20 Vers 3 bekannt ist.
          Der lange unfruchtbare Stamm ist hier wie oben in Abschnitt (12) die europäische Christenheit 
          im Allgemeinen und das „Geblüt von Bourbon“, Sechszeiler 4, im Besonderen, aus dem der 
          spätere Henri Cinq hervorgeht.  Unter seinen Schutz werden sich die Christen Europas 
          am Ende stellen können, VH (23).  Die „Kinder, die durch Fronten verstört und getrennt waren 
          durch verschiedene Herrschaften“, sind die nach seinem Sieg unter der Oberhoheit Heinrichs 
          stehenden Völker Europas.  Das „Reich des Tollwütigen“, das dann „geeint“ sein wird, ist die 
          ganze Welt,            [VIII].  Von der Erneuerung der Kirche auf der neuen Erde handeln u.a. die 
          Verse 5/79 und 10/89.  

 

VH (21)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (21)
                  Freiheit  -  Linke und rechte Partei


Text    Et les contrees, villes, citez, regnes & prouinces qui auront delaissé
           les premieres voyes pour se deliurer se captiuant plus profondement
           seront secrettement faschez de leur liberté, & parfaicte religion perdue,
           commenceront de frapper dans la partie gauche pour retourner à la dextre,
           & remettant la sainteté profligée de long têps auec pristine (a) escrit.


             (a) Lat. Adj. pristinus vormalig, früher


               Und die Gegenden, Dörfer, Städte, Reiche und Provinzen, welche die ersten Wege
               verlassen haben werden, um sich zu befreien, sich (dadurch) viel tiefer verfangend,
               werden insgeheim unzufrieden sein mit ihrer Freiheit [1].  Erst wenn die ganze
               Religion verloren ist [2], werden sie anfangen, auf die linke Partei einzuschlagen,
               um zurückzukehren zur rechten Partei [3], indem sie das Geheiligte, seit langem
               Verfolgte wiederaufrichten mit seiner alten Schrift.


           Anmerkung 1 [Freiheit]  Aus seiner Adlerperspektive holt N. erneut aus, beschreibt
           das >Abfallen< der Völker vom >rechten Weg< und die Rückkehr zu ihm.  Mit dem
           >Verlassen der ersten Wege< meint er die Vertreibung der Könige aus der Herrschaft,
           durch die die Völker gewissermaßen >vom Königsweg abgewichen< seien und sich
           auf Um- und Abwege begeben hätten.  Die wahre Freiheit bestehe darin, der welt-
           lichen Herrschaft zu gehorchen oder sich gegen sie aufzulehnen.  N. erkennt, dass

           die Völker Europas sich gegen ihre Herrscher auflehnen und sie stürzen werden,

           „um sich zu befreien“.  Dabei folgen sie einer ganz anderen Auffassung von Freiheit,

           die er schlicht eine „Scheinfreiheit“ (liberté faincte) nennt, 6/22 (Kap.30).           

           Dem aufklärerischen Begriff von Freiheit zufolge steht der Mensch nicht von Natur aus
           in der Freiheit, sondern wird in die Unfreiheit hineingeboren, in Unwissenheit, vielfältige

           natürliche Notwendigkeiten und soziale Abhängigkeiten.  Frei wird er erst in dem Maße,

           wie er lernt, das Leben nach seinen Wünschen zu gestalten.  Diesem subjektiven 
           Freiheitsbegriff zufolge muss die Freiheit in der Welt erst erworben, auch erkämpft 
           werden und ist an dem Maß zu erkennen, in dem das Subjekt seine Talente entfalten 
           und seine Wünsche verwirklichen kann.  Die Freiheit in Demokratien erweist sich daran,

           dass es legale Opposition gibt.  Die Unzufriedenheit mit dieser Freiheit, die N. erkennt,

           bedeutet das Abgleiten in autoritäre und autokratische Tendenzen. 

           Anmerkung 2 [ganze Religion verloren]  Die christliche Religion hat in Europa nach der                               Aufklärung ihre die Gesamtgesellschaft prägende Kraft verloren.  Solange die Religions-

           freiheit durch Verfassungen beschützt wird, ist aber "die ganze Religion" nicht "verloren".


           Anmerkung 3 [Linke und rechte Partei]  Die „linke Partei“ wird mit dem Verlust der Religion, 
           und die „rechte Partei“ mit der Wiederaufrichtung der Religion in Verbindung gebracht.  
           Das entspricht im Groben den politischen Begriffen von links und rechts, wie sie nach der 
           französischen Revolution aus der parlamentarischen Sitzordnung entstanden sind und kann 
           als erfüllte Vorhersage eingestuft werden.  Die Religion werde gänzlich verlorengehen, 
           und erst dann werde es eine geistige Strömung geben, die in einer so verstandenen Freiheit 
           auch den Verlust erkennt und Unzufriedenheit artikuliert, allerdings nur „insgeheim“;  
           insgeheim wohl deshalb, weil das aufklärerische Verständnis von Freiheit noch weithin die 
           öffentliche Meinung beherrscht.  Was der Grund dafür ist und wer die Schuld daran trägt, 
           dass die Religion und das Reich des Geistes mit Unfreiheit assoziiert werden, statt als 
           das Reich der Freiheit erkannt zu werden, verdeutlicht N. nur selten, 8/71 (Kap.7).  
           Ist nun die angesagte „Rückkehr zur rechten Partei“ schon eingetreten ?  Den Sturz des
           >Neuen Babylon<, VH (19), d.h. das Ende des Kommunismus in Osteuropa kann man
           als Schritt auf dem Weg zur Wiederaufrichtung der Religion bewerten.  Doch im Großen     
           und Ganzen ist diese Vorhersage noch nicht eingetroffen.  Die Zerstörung der Welt durch
           den heidnischen Kult der Wissenschaft wird immer rasanter, und man fragt sich, wodurch 
           das aufgehalten und die angesagte Wiederaufrichtung der Religion erwirkt werden könnte.


 

VH (22)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (22)  Großer und größter Hund  -  Kirchen                        wiederaufgerichtet, dann erneut verlassen durch „Huren und Prunken“


Text    qu‘ apres le grâd chien sortira le plus gros mastin, qui fera destruction de tout,
           mesmes de ce qu’ au parauant sera esté perpetré, seront redresses les temples (a)
           comme au premier temps, & sera restitué le clerc à son pristine estat,
           & commêcera à meretricquer & luxurier (b), faire & commettre mille forfaicts.
           Et estant proche d’ vne autre desolation (c), par lors qu’ elle sera à sa 
           plus haute & sublime dignité,


              (a) Zu den Tempeln s. das Glossar unter à temple.
              (b) Lat. n.f. meretrix Hetäre, Prostituierte; davon ist das Verbum
              meretricquer gebildet.  Lat. v. luxuriare üppig sein, strotzen.
              (c) Mittelfrz. (Gr) n.f. désolation Verwüstung; Betrübnis > lat. v. desolare verlassen


               Und nach dem großen Hund [1] wird hervorkommen der größte Hund [2], der alles

               und sogar das zerstört, was vorher schon zugrundegerichtet ist.   Es werden die

               Kirchen wieder aufgerichtet werden wie in der ersten Zeit, und der Kleriker wird                                                 zurückversetzt werden in seinen früheren Stand [2] und wird wieder beginnen

               zu huren und zu prunken [3], tausend Schandtaten zu begehen und begehen zu lassen. 

               So wird (die Kirche) einer erneuten Verlassenheit nahe sein, wenn sie in höchstem

               und erhabenstem Ansehen steht [2].

 

           Anmerkung 1 [Großer Hund/ Kirchen wieder aufgerichtet]  Der Seher nennt hier den
           Himmelskörper, der Kurs Richtung Erde nimmt, einen >großen Hund<, ähnlich wie in
           2/41 [II], wo er als großer Hund (gros mastin) bezeichnet wird.  Es ist damit dessen
           Erscheinen im Sternbild Orion angedeutet,            [II], eines mythischen Jägers.  
           Dieser >Hund< dient dem >Jäger< (oder den Jägern) bei der Jagd auf die Seelen der 
           Menschen, offenbar mit manchem Erfolg.  Durch Krieg und Kataklysmus könnte der 
           Glaube an Wissenschaft und Fortschritt schwer erschüttert werden.  Wenn danach
           die Kirchen „wieder aufgerichtet“ werden und in „höchstem Ansehen“ stehen, wird

           demnach in der Religion wieder vermehrt Orientierung gesucht und gefunden


           Anmerkung 2 [Größter Hund/ erneute Verlassenheit der Kirchen]  Der „größten Hund“, 
           der auf Seelenfang ausgeht, ist der Weltherrscher, den es nach dem Kataklysmus 
           geben wird [Vorschau VIII].  Er wird  - etwa neun Jahre nach dem Antritt der Herrschaft -  
           die Spur des >Blutes des alten Götter< aufnehmen, nach dem es ihn dürstet,           [III].
           Durch ihn kommt es zu einer erneuten „Trübsal“ und „Verlassenheit“ der Kirchen.  
           Schon seit Jahrhunderten hat die geistige Anziehungskraft der Kirchen abgenommen,
           und haben sie ihre die Gesellschaft prägende Kraft verloren.  Erst der Weltherrscher
           wird dann zu dem „Einen“, der die Welt über alles bisher Dagewesene hinaus zerstört, 
           9/51 Vz 4, indem er die alten Glaubenslehren radikal verbietet,              [X].  


           Anmerkung 3 [Huren und prunken]  Als Grund für die erneute Trübsal der Kirchen wird
           angegeben, dass „der Kleriker“, d.h. der Papst, „hurt“ und „prunkt“ sowie „Schandtaten
           begeht und begehen lässt“.  Sittliche Verfehlungen oder das Gepränge des Ritus sind
           damit nicht gemeint.  An anderer Stelle hat N. den wahren Grund des erneuten Nieder-
           gangs benannt, nämlich das verderbliche Bündnis der Kirche mit den Mächtigen, 
           das sie, vermeintlich um ihrer Erhaltung willen, einzugehen bereit sein wird, VH (14),
           wie sie es seit den Zeiten des Kaisers Konstantin praktiziert.  Im Bild des >Hurens<,
           das den Tatbestand des >Ehebruchs< erfüllt, VH (25), ist das >Fremdgehen mit den 
           Mächtigen< und damit auch der Abfall von Gott enthalten, welcher als >Bräutigam<
           der >Mutter Kirche< nach deren Selbstverständnis die >Ehe< mit ihr geschlossen hat.
           Im Bild des >Prunkens< sind weltliches Ansehen und irdische Machtentfaltung erfasst,
           in deren Genuss die Kirche durch ihren Anschluss an die Mächtigen kommt.  
           Schandtaten schließlich wurden im Namen der Kirche meist an >Ketzern< begangen,
           die beim >Huren< und >Prunken< nicht mittun wollten.

 

VH (23)  =  Vorrede an Heinrich II. von Frankreich, Abschnitt (23)
                  Kirche ganz ohne Schwerter  -  Knechtschaft der Christen  -  
                  Ziel der Machthaber  -  Jupiter und Mars


Text    se dresseront de[s] potentats & mains militaires, & luy seront ostez les deux glaiues,
           & ne luy demeurera que les enseignes (a), desquelles par moyen de la curuature (b)
           qui les attire, le peuple le faisant aller droict, & ne voulant se condescendre à eux 
           par le bout opposite de la main aygue (c) touchant terre, voudront stimuler 
           iusques à ce que naistra d’ vn rameau de la sterile, de longtemps, 
           qui deliurera le peuple vniuers de celle seruitude benigne (d) & volontaire, 
           soy remettant à la protection de Mars (e), spoliant Iupiter (e) de tous ses honneurs 
           & dignitez, pour la cité libre, constituee & assise dans vne autre mezopotamie.


             (a) Mittelfrz. (Gr) n.f. enseigne bedeutet auch: Äußerung, Bekundung (manifestation)
             (b) Mittellat. n.f. curvatura Rundung, Krümmung, v. curvari sich beugen, sich
             demütig verneigen
             (c) Mittelfrz. (Gr) Adj. aigu spitz (pointu), durchdringend, einschneidend (pénétrant, incisif)
             (d) Mittelfrz. (Gr) Adj. bénigne wohlwollend (bienveillant


               Es werden sich rüsten die Machthaber und militärischen Gewalten, und es werden
               ihr (der Kirche) die zwei Schwerter genommen werden [1]Nichts wird ihr bleiben
               als jene Zeichen, mit denen das Volk durch die anziehende demütige Verneigung
               ihn (den Kleriker) auf den rechten Weg führt [2].  
               Es wird sich nicht mit denen auf den Abweg begeben wollen, die zu entgegengesetztem 
               Ziel drängen und mit harter Hand die Erde erschüttern und aufhetzen [3],
               bis aus dem lange unfruchtbaren Zweig der (Mann) erscheint, der das Volk der ganzen 
               Welt aus jener Knechtschaft [2] befreien wird, wohlwollend und willensstark.   
               Man stellt sich unter den Schutz des Mars und wird Jupiter all seiner Ehren und Würden 
               entkleiden [4], um der freien Stadt willen, gegründet und gelegen in einem anderen, 
               kleinen Zwischenstromland [5].


           Anmerkung 1 [Kirche ohne Schwerter]  Im Mittelalter beanspruchte die Kirche, dass dem 
           Papst von Christus >zwei Schwerter< verliehen seien, nicht nur das geistliche, sondern 
           auch das weltliche Schwert.  Das >geistliche Schwert< ist die Spendung der Sakramente, 
           besonders die Macht, Sünden zu binden oder zu lösen, darüber hinaus auch die kirchliche 
           Rechtsprechung, deren schärfstes Mittel der Kirchenbann gegen die Abweichler vom rechten 
           Glauben ist.  Damit nicht zufrieden, erklärte die Kirche auf dem Höhepunkt ihrer Macht, dass 
           auch das Schwert des Kaisers „nach Auftrag und Duldung des Priesters“ nicht von der, aber 
           „für die Kirche“ zu führen sei (so im Jahr 1302 Papst Bonifaz VIII.).  Mit der weltlichen Macht 
           der Kirche ist es schon zu Lebzeiten des Sehers bergab gegangen.  N. hat gesehen, dass 
           dieser Trend sich in der Zukunft dramatisch fortsetzen werde, und hat damit Recht behalten.  
           Er hat die Bedrängung der Kirche durch einen aus einer Revolution hervorgegangenen 
           Herrscher gesehen, 1/75 (Kap.20), 6/46 (Kap.22), und ebenso das Ende der Macht des                             Papstes als weltlicher Fürst (Kap.29).


           Wenn der katholischen Kirche hier nun auch der Entzug des >ersten Schwertes< angekündigt
           wird, sie demnach auch ihre geistliche Macht verliert, also nicht mehr über Liturgie und 
           Dogma bestimmen kann, so kann das bisher nicht bestätigt werden.  Zehn Jahre, 8/69 [VII], 
           nach Konstituierung der >Weltfriedensordnung< [VII], wird die Kirche selbst von einem 
           mächtigen Bannstrahl getroffen, der ihr das Recht nimmt, das Wort Gottes nach ihrem
           Verständnis zu verkünden, 10/65 [XI].  Dass dieses Verderben von ihr selbst seinen 
           Ausgang nimmt, dass ihr eigener Abfall von Gott darin Ereignis wird, macht N. in 
           und                 , aber auch andernorts deutlich, 5/36 [X], Sz 35.


           Anmerkung 2 [Knechtschaft der Christen]  Anscheinend wird die Kirche diese Niederlage
           und ihre vollkommene Machtlosigkeit erleben müssen, um zu einer wahrhaft demütigen 
           Haltung zurückzufinden.  Erst die „Knechtschaft“, in welche „das ganze Volk der Welt“,
           nämlich alle Christen geraten, scheint das möglich zu machen.  Dabei werde es „das Volk“
           sein, gemeint ist das Kirchenvolk, das entscheidenden Anteil nimmt an der Rückbesinnung
           der Kirche auf den „rechten Weg“.  Damit ist nicht gemeint, dass das Kirchenvolk als 
           ganzes in den Widerstand geht  - das wird in VH (14) sehr deutlich -,  sondern nur, dass 
           die Gegenbewegung >von unten< ausgeht, also nicht von den Oberen der Kirche,                .


           Anmerkung 3 [Ziel der Machthaber]  Das „entgegengesetzte Ziel“ ihrer machtvollen Feinde
           besteht darin, das Wort Gottes gänzlich aus der Welt zu entfernen, VH (43).  Sie werden
           anstreben, die Erinnerung an Christus gänzlich auszulöschen,             [XI].  Zu diesem Ziel 
           werden die Machthaber mit Worten drängen (arguer) und ihre Anhänger aufhetzen (stimuler)                     und so mit durchgreifender Hand (main aygue) >die Erde erschüttern<, d.h. die Menschen 
           im irdischen Leben bedrängen (---> terre).


           Anmerkung 4 [Jupiter aller Ehren und Würden entkleidet/ Schutz durch Mars]  Jupiter alias
           Zeus, der Blitzeschleuderer, dient N. als Deckname für den Weltherrscher, der die Endphase
           seiner Herrschaft einleitet, indem er Bannstrahle gegen die alten Religionen verhängt, d.h.
           sie verbietet,            .  Wenn er „all seiner Ehren und Würden entkleidet“ wird, erhellt daraus,
           dass er sie zuvor innegehabt hat,              [X].  Aber dann ist, durch Unterdrückung und staat-
           lichen Terror, das unchristliche Wesen des Weltherrschers endlich unübersehbar, und seine 
           Einschätzung ändert sich gründlich.  Nun benötigen die Menschen Schutz gegen das
           Regime des Weltherrschers und die von ihm aufgehetzten Menschen.  Der Retter erhält 
           hier wie in 6/50 [IV] den Namen des römischen Kriegsgottes, weil er der Bedrängung der 
           Christen Europas mit kriegerischen Mitteln entgegentritt.  Der lange unfruchtbare Stamm ist 
           hier wie in VH (20) die europäische Christenheit im Allgemeinen und das Geblüt von Bourbon 

           im Besonderen, Sz 4, aus dem der spätere Henri Cinq hervorgeht.


           Anmerkung 5 [Anderes kleines Mesopotamien]  Mesopotamien heißt wörtlich Zwischen-
           stromland.  In VH (36) ist von einem „Mesopotamien Europas“ am 45. Breitengrad die 
           Rede in einem Kontext, der nahelegt, dass dort das Mündungsdelta des Po gemeint ist.
           Der spätere König von Europa wird die Stadt in Avignon besetzen, 9/41, und von dort aus 
           auch einmal regieren, 8/38, 8/52;  Avignon am 44. Breitengrad könnte demnach mit der 
           „freien Stadt“ gemeint sein.  Zwischen Durance und Rhône gelegen, die bei Avignon 
           zwei Arme ausbildet, könnte hier das „andere kleine Mesopotamien“ zu finden sein.


 

VH (24)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (24)

                  Oberhaupt weggerissen, Unreinheiten bestritten


Text    Et sera le chef & gouuerneur iecté du milieu, & mis au haut lieu de l‘ ayr, ignorant

           la conspiration des coniurateurs, auec le second trasibulus, qui de long têps aura                     manié tout cecy, alors les immundicitez (a), les abominations seront par la grande                 honte obiectees & manifestees aux tenebres de la lumiere obtenebre (b), cessera                     deuers la fin du changement de son regne:


             (a) Lat. n.f. immunditia Unreinlichkeit, mittellat. Unreinheit, Unzüchtigkeit
             (b) Lat. Adj. obtenebratus verdunkelt


               Und es wird das regiernde Oberhaupt aus der Mitte weggerissen und an einen Ort der
               Luft verbracht [1], ohne etwas zu wissen von der Verschwörung derer, die sich mit dem 
               zweiten Thrasibulos verschworen haben [2], der all das von langer Hand vorbereitet haben
               wird.  Dann werden die Unreinheiten (und) Gräuel zur großen Schande abgestritten [3]                                   werden, doch im Dunkel gedämpften Lichts wird zum Vorschein kommen,  was erst zum

               Ende seiner Herrschaft aufhören wird.


           Anmerkung 1 [Regierndes Oberhaupt weggerissen]  Zuvor in (23) war die Rede davon,
           dass der Kirche die >zwei Schwerter< genommen werden und die Christen eine Knecht-
           schaft erleiden.  Daher könnte mit dem „regierenden Oberhaupt“ der Papst gemeint sein.
           Er werde entführt werden, so könnte man das Wegreißen deuten.  Pfändler (1996 S.541)
           meint, dass er aufgehängt („an einen Ort der Luft verbracht“) werde, was nicht auszu-
           schließen ist.


           Anmerkung 2 [Verschwörung und zweiter Thrasibulos]  Thrasibulos war Bürger Athens und
           tat sich während der Eroberung und Besetzung der Stadt durch Sparta als Befreiungskämpfer
           hervor.  Mit Thebens Hilfe gelang es ihm, Athen von der spartanischen, die Bürger blutig 
           unterdrückenden Oligarchie militärisch zu befreien und die demokratische Verfassung der 
           Stadt wieder aufzurichten.  Die Deutung, die hier General de Gaulle erkennen will (de Font-
           brune 1991 S.218), scheidet aus, erstens wegen des Zusammenhanges, in den (24) gestellt
           ist, und zweitens, weil de Gaulle die Verlegung der französischen Regierung an den Kurort
           Vichy nicht betrieben hat.  Im Hinblick auf die in (23) angesprochene Befreiung der Christen
           aus der Knechtschaft dürfte es sich hier um Vorgänge aus dem Krieg um die Freiheit Europas
           und der Religion handeln.  Trasibulos ist demnach ein Deckname für den späteren
           Heinrich V. oder einen seiner Verbündeten.  Das Heimliche des Vorgehens, 8/61, und
           sein Verschwörungscharakter legen nahe, dass hier vom Beginn des Kampfes die Rede ist.


           Anmerkung 3 [Unreinheiten abgestritten]  Es scheint, dass linientreue Kleriker in der Zeit 
           der Unterdrückung des christlichen Glaubens bestreiten werden, dass die Kirche durch die 
           Dekrete des globalen Regimes beeinträchtigt werde.  Man will den Eindruck erwecken, als
           sei man „von niemandem gekränkt“, 9/82 Vz 4 [XI].  Aber das würde in Wahrheit bedeuten, 
           dass der alte Glaube komplett aufgegeben wird, VH (25).

 

VH (25)  =  Vorrede an Heinrich II. Abschnitt (25) 

                  Die Armen im Geiste  -  Die drei Bekenntnisse
   

Text    & les clefs de l‘ Eglise seront en arriere de l‘ amour de Dieu, & plusieurs d‘ entre

           eux apostateront la vraye foy, & des trois sectes, celle du milieu, par les culteurs (a)

           d’ icelle, sera vn peu mis en decadence.  La prime totallement par l’ Europe, la plus               part de l’ Affrique exterminee de la tierce, moyennant (b) les pauures d’ esprit,

           que par insêsez esleuez par la luxure libidineuse adultereront (c).  La plebe (d)

           se leuera soustenant, deschassera les adherans des legislateurs.


             (a) Lat. n.m. cultor Bearbeiter, Pfleger, Verehrer, insbesondere Verehrer Gottes
             (b) Mittelfrz. (Gr) v. moyenner als Mittelsmann dienen (servir d‘ intermédiaire),
             für Verwendung sorgen (procurer par entremise)
             (c) Mittelfrz. (Gr) v. adulterer Ehebruch begehen, s.a. Glossar unter ---> mariage.
             (d) Lat. n.f. plebes, plebs 1. Bürgerstand 2. Volksmenge, Pöbel


               Und die Schlüssel(bewahrer) der Kirche werden zurückbleiben hinter der Liebe 
               Gottes, und einige von ihnen werden abfallen vom wahren Glauben.  Und von den 
               drei Bekenntnissen [1], wird jenes mittlere durch die eigenen Priester erheblich
               in Verfall geraten [3].  Das erste [2] wird überall in Europa (und) im größten Teil
               Afrikas ausgelöscht werden von dem Dritten, indem die Armen im Geiste [1] dafür
               sorgen, dass sie (die Anhänger des ersten Bekenntnisses) durch emporgekommene 
               Verrückte in zügelloser Ausschweifung die Ehe brechen.  Der Pöbel wird sich als 
               (ihr) Verteidiger erheben und die Anhänger der Gesetzgeber vertreiben.


           Anmerkung 1 [Die Armen im Geiste und die drei Sekten]  „Die arm sind vor Gott“, werden 
           von Jesus selig gepriesen, „denn ihnen gehört das Himmelreich“, Matthäus Kapitel 5 Vers 3 
           (Einheitsübersetzung).  Gott steht denen bei, die bedrückt, demütig, gebeugten Mutes und 
           zerschlagenen Herzens sind und in diesem Sinne geistig arm und bedürftig sind, Jesaja 
           Kapitel 57 Vers 15.  
           Aber hier sind es die Anhänger des >neuen Heiligen<, 10/30, die „arm im Geist“ genannt 
           werden, und das ist anders, nämlich sarkastisch gemeint.  Seine Anhänger halten den 
           >neuen Weisen<, 4/31 [III], für den größten Philosophen, der jemals lebte;  sie werden an 
           seiner Weisheit teilzuhaben meinen, sich also viel auf ihren Geist einbilden und damit das 
           genaue Gegenteil von dem sein, was Jesus mit „arm vor Gott“ meinte.  Diese eingebildeten 
           Reichen werden so attraktiv sein, dass innerhalb von drei Sekten „Verrückte emporkommen“ 
           (insensez eslevez), die für die Bewegung des >großen Philosophen< aufgeschlossen und 
           bereit sind, sich ihm zu verbinden.  Mit den drei Sekten sind die jüdische, die christliche 
           und die islamische Religion gemeint, wie in 8/77 [XII], 1/68 [XII] und mehrfach andernorts. 
           Der abwertende Begriff Sekte widerspiegelt nicht die Wertung des Sehers, sondern die 
           wahrgenommene Abwertung durch die zukünftigen Zeitgenossen, ---> secte im Glossar.


           Anmerkung 2 [Auslöschung der ersten Sekte]  Die genannte Reihenfolge ergibt sich aus der
           Abfolge ihres geschichtlichen Auftretens, und somit ist das „erste Bekenntnis“ die jüdische 
           Religion.  Diese erste Religion werde überall in Europa und im größten Teil Afrikas ausge-
           löscht, heißt es.  Der >neue Heilige<, 10/30, entstammt dem Volk der israelischen Juden, 
                     [III], und wird vielen Juden als der Messias ihres Volkes gelten,            [III].  Es scheint 
           hier aber, dass er nicht in der Lage oder nicht willens sein wird zu verhindern, dass die 
           jüdische Religion „vernichtet“ (exterminee) wird, und zwar „von der Dritten“;  demnach tun 
           sich die Anhänger des Islam bei der Vernichtung der jüdischen Religion besonders hervor.  
           Was Afrika angeht, das bis zum Äquator hinab vom Islam dominiert wird, erscheint das aus 
           heutiger Sicht (2011) denkbar, was Europa angeht, dagegen nicht, weil hier Religionsfreiheit 
           herrscht und Antisemitismus streng verpönt ist.  Geht man aber davon aus, dass nach dem 
           Kataklysmus [II] die Anhänger des Islam vermehrt nach Europa einströmen werden, wie es 
           öfters belegt ist, scheint es nicht mehr ganz so ausgeschlossen, dass auch in Europa 
           die jüdische Religion nicht mehr geduldet ist.

           Anmerkung 3 [Das mittlere Bekenntnis im Niedergang]  Die „mittlere“ der drei „Sekten“, 
           nämlich die christliche Religion, werde „in Verfall geraten“ oder „in den Niedergang geführt“ 
           (mis en decadence), und zwar „durch die eigenen Priester“.  Daran werden nicht alle Kleriker 
           teilnehmen, aber doch „etliche“ (plusieurs).  Insbesondere von denen, die hier „Schlüssel 
           der Kirche“ heißen, den Kirchenoberen also (denen nach alter Vorstellung >die Schlüssel 
           zum Himmelreich< anvertraut sind), wird man befürchten müssen, dass sie „vom wahren 
           Glauben“ im traditionellen Verständnis des Sehers „abfallen“, ihm untreu werden, VH (14).  
           Indem sie der Bewegung des >neuen Heiligen< aufgeschlossen gegenüberstehen, ihn gar
           in der Anfangsphase seines Wirkens >aufbauen<, seine Karriere befördern,             Vz 1/2 [III], 
           werden sie >die Ehe brechen<;  statt dem Herrgott treu zu bleiben, verbinden sie sich dem 
           vermeintlich wiedergekommenen Sohn,            [IV].  Der Ehebruch ist bei N. wie in der Bibel
           ein geläufiges Bild für den Abfall von Gott (---> mariage).  Dabei werden sich breite Teile der                       Bevölkerung, die N. >Pöbel< nennt, zur Unterstützung der >Ehebrüchigen< erheben.  
           Sie lassen sie sich von einem „Tribunen“, d.h. einem hochbegabten Redner und dessen 
           Anhängern bereden, 10/85 Vz 1/2 [X].  Deshalb werden die „Anhänger der Gesetzgeber“, 
           die unter dem Eindruck der Katastrophe das christliche Sittengesetz zur Grundlage der 
           Gesellschaftsordnung machen wollten, „vertrieben“, 5/24 Vz 3 [VIII].


 

VH (26)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (26)
                  Gog und Magog  -  Rote und Weiße


Text    & semblera que les regnes affoiblis par les Orientaux que Dieu la createur aye

           deslié satan des prisons infernalles, pour faire naistre le grand Dog & Doham,                         lesquels feront si grande fraction (a) abominable aux Eglises, que les rouges ne

           les blancs sans yeux ne sans mains plus n’ en iugeront.  Et leur sera ostee leur                           puissance alors sera faicte plus de persecution aux Eglises, que ne fut iamais,


             (a) Mittelfrz. (Gr) n.f. fraction 1. Tätigkeit des Brechens, insbesondere des eucharistischen
             Brotes (action de briser, en partic. de rompre le pain eucharistique)  2. Lärm beim Zerbrechen

             einer Sache (bruit d’ une chose qui se casse)  3. Reißen, Zerreißung (rupture)


               Und die Reiche werden geschwächt erscheinen durch die Orientalen [1], und es wird aus-
               sehen, als habe Gott der Schöpfer Satan aus seinem Höllengefängnis losgebunden, um den 
               großen Gog und Magog [1] erscheinen zu lassen.  Diese werden den Kirchen ein so großes 
               und abscheuliches Zerbrechen bereiten, dass die Roten und die Weißen [2], blind und 
               handlungsunfähig, sie (Gog und Magog) nicht mehr verurteilen werden.  Dann wird eine     
               schlimmere Verfolgung der Kirchen stattfinden als je zuvor.


          Anmerkung 1 [Reiche geschwächt/ Gog und Magog]  Wenn Europa nach dem Kataklysmus 
          darniederliegt, haben es „die Orientalen“, die dorthin vordringen wollen, schon deshalb leicht.  
          Aber nicht „durch die Orientalen“ sind die Reiche geschwächt, sondern weil die Reiche 
          darniederliegen, können Fremde in dieses Niemandsland eindringen, VH (27).
          In der Offenbarung des Johannes Kapitel 20 Vers 8 sind „Gog und Magog“ Namen für die
          „Völker an den vier Ecken der Erde“, d.h. alle Völker, die sich vom Satan dazu verführen 
          lassen, am Ende eines tausendjährigen Reiches Christi gegen Christus, „das Lager der 
          Heiligen und Gottes geliebte Stadt“ zu Felde zu ziehen.  Das „siebte Jahrtausend“ in des 
          Sehers Zählung beginnt mit der vermeintlichen Wiederkunft Christi, VH (6), und endet mit 
          der Verfolgung derer, die ihrem alten Glauben treu bleiben.
          In mittelalterlichen Weltkarten wurden Gog und Magog geographisch lokalisiert und 
          irgendwo in den Tiefen Asiens angesiedelt, was N. an anderer Stelle bestätigt, wo er 
          vom Imperium des Antechristen im Bereich des Attila und Xerxes spricht, VH (17).  
          Von Asien her sind im fünften Jahrhundert die Hunnen gekommen und haben die 
          europäischen Reiche bedroht;  von dort sind im 13. Jahrhundert die Mongolen nach 
          Osteuropa vorgestoßen. 


          Anmerkung 2 [Rote und Weiße]  Es werde den Kirchen ihre „z w e i  Schwerter genommen“
          werden, VH (23), d.h. sie verlieren nicht nur politische Macht, sondern es wird ihnen auch 
          geistlich „ihre Macht genommen“;  das „Zerbrechen der Kirchen“ ist geistlich gemeint.
          „Abscheulich“ nennt es der Seher, weil dann die dem alten Glauben treu Bleibenden zu
          Feinden des Friedens erklärt werden.  Mit den Weißen dürften jene Christen gemeint sein,
          die >die Reinheit des alten Glaubens< bis dahin bewahrt haben  -  für N. sind das die
          Katholiken.  >Rote< betreiben bei N. den Aufstand gegen eine Ordnung, nachdem sie vom
          wahren Glauben abgefallen sind;  hier im Kontext sind vermutlich die protestantischen 
          Christen gemeint.  In beiden Kirchen gibt es dann Menschen, die ihre Verfolger „nicht mehr 
          verurteilen“, d.h. die dem Druck nicht standhalten.  Der Verfolgung unterliegen jene Christen, 
          gleich ob >weiß< oder >rot<, die ihren alten Glauben nicht aufgeben wollen.


 

VH (27)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (27)
                  Seuche  -  Klerus verlassen  -  Seestier und offener Hafen  - 

                  Ansturm über die Meeresstrände
   

Text    & sur ces entrefaictes naistra la pestilence si grande, que de trois pars du monde plus             & les deux defaudront.  Tellement qu’ on ne se scaura ne cognoistra les appartenans               deschamps & maisons, & naistra l’ herbe par les rues des citez plus haute que les                     genoux.  Et au clergé sera faicte totalle desolation (a), & vsurperont les Martiaulx ce                 que sera retorné de la cité do Soleil de Melite (b), & isles Stechades (c), & sera ouuerte             la grâde cheyne du port qui prend sa denomination au boeuf marin.  Et sera faite                   nouuelle incursiô par les maritimes plages, vollant le sault Castulum (d) deliurer de               la premiere reprise Mahumetane.  Et ne seront du tout leurs assaillemens vains,
           

             (a) Mittelfrz. (Gr) n.f. desolation  1. Zerstörung, Verwüstung (destruction, ravage)
            2. Betrübnis (affliction)  > lat. v. desolare einsam machen, entvölkern, verlassen
            (b) Lateinisch heißt Malta Melita
            (c) Die Isles Stechades heißen heute Isles d‘ Hyères (vor Toulon)
            (d) Kastilien ist Zentralspanien und steht für Spanien im Ganzen; der „kastilische
            Sprung“ oder „Übergang“ dürfte Gibraltar sein.  Alternativ kommt die Sierra Morena
            in Frage, lat. Saltus Castulonensis, ein Gebirge in Südspanien.

 

         Und unterdessen wird die Seuche entstehen, so weiträumig [1], dass von drei Teilen
           der Welt mehr als zwei darniederliegen werden derart, dass man nicht mehr wissen wird, 
           wem die Felder und Häuser gehören, und dass das Kraut auf den Straßen der Städte mehr
           als kniehoch stehen wird.  Und dem Klerus wird auferlegt ein völliges Verlassensein [1]
           und es werden die Kriegerischen jenen widerrechtlich ergreifen, der zurückgekehrt 
           sein wird von der Sonnenstadt Maltas und von den Inseln der Hyèren.  
           Und es wird geöffnet sein die große Kette des Hafens, der seine Benennung vom Seestier 
           hernimmt [2]Und es wird einen neuen Ansturm über die Meeresstrände geben, wobei 
           man die Sierra Morena von der vorherigen mohammedanischen Rückeroberung 
           befreien will [3].  Und ihre Angriffe werden nicht ganz vergeblich sein.

            
            Anmerkung 1 [Weiträumige Seuche/ Verlassensein des Klerus]  N. zeichnet mit wenigen 
            Strichen das Bild einer Entvölkerung, die Stadt und Land gleichermaßen trifft, und gibt
            als Ursache eine „Seuche“ an, die daher wörtlich zu verstehen sein dürfte, wie in 9/55.
            Damit einhergehen dürfte der weitgehende Zusammenbruch von Recht und Ordnung, auf  
            deren Schutz die Überlebenden, auch die Kleriker, nicht mehr hoffen dürfen.  In dieses
            Vakuum können Menschen von außen leicht einströmen, auch aus dem Orient,               .  
            Zur Lebensgrundlage nomadisierender Wüstenstämme gehört u.a. das Freibeutertum, mit
            dem die Sesshaften überzogen werden.  Das macht die Nomaden aus Sicht der Sesshaften
            zu „kriegerischen“ Menschen.  Der Rückkehrer von Malta könnte, im selben Atemzug mit 
            dem Verlassensein des Klerus genannt, der Papst sein;  aber das ist ganz ungewiss.
           

            Anmerkung 2 [Seestier und offener Hafen]  Der >Seestier< ist dem griechischen Mythos
            entlehnt, demzufolge der oberste Gott Zeus in Gestalt eines Stiers die am Meeresgestade
            wandelnde schöne Europa für sich einnehmen und über‘s Meer entführen konnte.  
            Zeus alias Jupiter ist bei N. ein Deckname des Weltherrschers.  Wenn er hier >Seestier< 
            heißt, ist er dabei, den Kontinent >für sich einzunehmen<, ihn >hinzureißen<, 8/21, und 
            zu >verführen<, 6/48.  Den nach Zeus/Jupiter benannten >Hafen<  - ein Sinnbild für die 
            Friedenskompetenz des >neuen Weisen<,            [III] -  können alle Staaten und Glaubens-
            gemeinschaften anlaufen;  er will allen Platz bieten und Schutz gewähren,            [X]. 
            Die geöffnete Kette zeigt Aufnahmebereitschaft an und zugleich die Möglichkeit der
            Abschließung und Ausgrenzung, zu der es später kommt.

            Anmerkung 3 [Neuer Ansturm über die Meeresstrände]  Auf dem Boden Spaniens gab es
            vor langer Zeit das Emirat von Cordoba, ein islamisches Reich.  Es scheint, dass Spanien
            nach dem Kataklysmus erneut von Muslimen eingenommen wird (reprise Mahumetane).
            Hier wiederum ist von dem Versuch einer Befreiung die Rede, der wohl im Zusammenhang 
            mit der Unterwerfung der Orientalen unter das globale Regime der >Weltfriedensordnung<
            unternommen wird, von dem gleich anschließend die Rede ist, VH (28).

 

VH (28)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (28)
                  Jovialisten am Ort Abrahams  -  Jovialisten gegen Achem


Text    & au lieu que iadis fur l‘ habitation d‘ Abraham, sera assaillie par personnes qui a                auront en veneration les Iouialistes.  Et icelle cité de Achem (a) sera enuironnee

          & assallie de toutes parts en tresgrand puissance de gens d’ armes.  Seront affoiblies            leurs forces maritimes par les occidenteaulx, & à ce regne sera faicte grande                        desolation, & les plus grandes citez seront depeuplees, & ceux qui entreront

          dedans, seront comprins à la vengeance de L’ yre de Dieu.  Et demeurera le                          sepulchre de tant grande veneration par l‘ espace de long temps soubz le serain

          á l’ vniuerselle vision des yeulx du ciel, du Soleil, et de la Lune, & sera conuerty

          le lieu sacré en ebergement de tropeau menu & grand, & adapté en substances                    prophanes.


            (a) Achem ist, wie der Kontext ergibt, ein rückwärts gelesenes lat. Mecha,
            Heimatstadt des Religionsstifters Mohammed.


              Und an dem Ort, der einst Wohnsitz Abrahams war, wird ein Angriff stattfinden durch
              Personen, welche ihrem religiösen Bekenntnis nach Verehrer Jupiters sind [1].   
              Und jene Stadt Achem wird umringt und von allen Seiten angegriffen werden mit sehr 
              großer Macht von Soldaten.  Es wird ihre Marine geschwächt werden durch die Westler [2].  
              Und diesem Reich wird eine große Verwüstung zugefügt werden, und die größten Städte

              werden entvölkert sein, und die sie betreten, werden ergriffen werden von der Rache des

              Zornes Gottes.  Und es wird das Grab der sehr hohen Verehrung [2] durch einen langen                            Zeitraum frei für jedermann sichtbar unter den Augen des Himmels, der Sonne und des

              Mondes liegenbleiben.  Und es wird der heilige Ort umgewandelt werden in eine Herberge

              für Klein- und Großvieh und hergerichet werden für profane Zwecke.  O in welch unheil-

              volle Bedrängnis werden dann die schwangeren Frauen geraten! [3]


          Anmerkung 1 [Jovialisten am Ort Abrahams]  Abraham war von Mesopotamien aus nach
          Palästina eingewandert, aus einer Gegend, die heute zum Irak gehört.  Der gemeinte Angriff
          könnte also von Irak oder auch von Palästina ausgehen.  Er wird ausgeführt von Menschen,
          die ihrem Bekenntnis nach auf Seiten Jupiters, des Weltherrschers, stehen und daher hier
          „Anhänger Jupiters“ heißen.  Der >Ort Abrahams< kann zudem inhaltliches Kennzeichen des
          >Jovialismus< sein, d.h. der Ideen des Weltherrschers und höchsten religiösen Autorität in
          der Welt.  Denn Abraham gilt als Stammvater sowohl der Hebräer wie auch der Araber, und
          sein Glaube an den einen, sein Volk führenden Gott ist ein Urbild monotheistischer Religiosität.
          Demnach soll ein angeblich >von späteren Verfälschungen und geschichtlich bedingten
          Einseitigkeiten bereinigter Monotheismus< neu begründet werden, den es schon gegeben
          habe, b e v o r  er durch die Stifter der Religionen namens Moses, Jesus und Mohammed 
          verschiedene Formen annahm.  Die Anhänger >Jupiters< vertreten einen Monotheismus,

          der seinem Selbstverständnis nach >erstmals wirklich universell< ist.


          Anmerkung 2 [Jovialisten gegen Achem]  Dadurch müssen sie in Konflikt auch mit dem Islam
          geraten, der seinem Selbstverständnis nach genau dies, eine monotheistische Religion mit
          universellem Anspruch, bereits ist und sich aus diesem Grund auf Abraham beruft.  „Achem“ 
          dürfte daher ein rückwärts zu lesendes Mecha sein.  Mekka, die heilige Stadt der Muslime, 
          findet sich auf einer Karte von 1573 als "Mecha, patria Mahumetis" (Blaeu 1990 S.153).
          Das „Reich“, dem eine „große Verwüstung“ zugefügt wird, ist demnach ein arabisches Reich,
          das hochverehrte Grab die Grabstätte Mohammeds in Medina.  Wenn dieses Grab geschändet
          wird, will das besagen, dass der Islam nach dem gemeinten Angriff am Boden liegt.  Davon, 
          dass der Islam dem Weltherrscher unterliegt, handelt z.B. auch Vers            .  Dabei sind 
          es „Abendländler“ bzw. Westler, wohl US-Amerikaner, VH (13), die zu dieser Unterwerfung 
          des Orients beitragen, indem sie arabische Seestreitkräfte schwächen.  In dieser Niederlage 
          des Islam erkennt N. den „Zorn Gottes“ am Werk, der den Orientalen für ihre Untaten gegen 
          europäische Christen herausgibt.


          Anmerkung 3 [Bedrängnis der Schwangeren]  „Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen
          schwanger sind oder ein Kind stillen“, sagt Jesus in seiner Endzeitrede, Markus Kapitel 13
          Vers 17.  Die Offenbarung des Johannes gibt in Kapitel 12 das Sinnbild einer schwangeren,
          in Wehen liegenden Frau, die vom Drachen verfolgt wird, der ihr Kind gleich nach der Geburt
          verschlingen will.  Mit dem Gebären ist die Wiedergeburt im Geiste gemeint, die sich bei
          manchem erst in der Bedrängnis vollzieht.

VH (29)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (29)  Orientalen als Werkzeug  - 

                  Große Bedrückung und Vermischung der Sprachen


Text    & sera par lors du principal chef oriental la plus part esmeu par les septentrionaulx

           & occidenteaulx vaincu, & mis à mort profligez (a) & le reste en fuite & ses enfans

           de plusieurs femmes emprisonnez, & par lors sera accomplie la prophetie du Royal               Prophete:  Vt audiret gemitus compeditorum, vt solueret interemptorum, quelle grande                   oppressiô que par lors sera faicte sus les princes & gouuerneurs des royaumes                         mesmes de ceux qui seront maritimes & orienteaux & leurs langues entremeslees

           à grande societé:  la langue des Latins & des Arabes, par la communication Punique,


             (a) Lat. v. profligare niederwerfen, überwältigen.


               Und es wird danach der größte Teil (der Leute) des obersten orientalischen Hauptes 
               aufgewiegelt sein durch die aus dem Norden [1], und besiegt durch die aus dem Westen, 
               zu Tode gebracht, niedergeworfen, und der Rest in die Flucht geschlagen.  Und seine Kinder 
               von mehreren Frauen werden gefangen gesetzt, und dann wird erfüllt sein die Prophetie 
               des Königlichen Propheten:  dass (er) hört das Wehklagen der Geknechteten, dass er befreit 
               die Söhne der aus dem Leben Gerissenen [3].  
               Welch große Bedrückung wird dann über den Fürsten und Regenten der Königreiche, 
               auch jener seefahrenden Orientalen liegen!  Und ihre Sprachen (werden) untereinander-
               gemischt (sein) in großer Gesellschaft, die Sprache der Lateiner und der Araber, durch die 
               punische Vermittlung [2].


           Anmerkung 1 [Orientalen als Werkzeug]  Nach ihrer Niederwerfung wird „der größte Teil
           (der Leute) des obersten orientalischen Hauptes aufgewiegelt sein durch die aus dem Norden“.
           Die aus dem Norden dürften die Anhänger >Jupiters< sein, weil Norden >Nacht< im Sinne
           geistiger Finsternis bedeuten kann.  Aber wozu werden die Orientalen angetrieben und in Dienst
           genommen?  Wahrscheinlich dazu, die religiöse Einheitssprache, die >Jupiter< erfunden hat,
           überall durchzusetzen.  So werden sie zu Werkzeugen des globalen Regimes,            Vz 2.


           Anmerkung 2 [Große Bedrückung und Vermischung der Sprachen]  Die „große Bedrückung“
           -  es ist dieselbe, von der Jesus in der Endzeitrede spricht, Markus 13,19 -  wird „ü b e r  den
           Fürsten und Regenten der Königreiche“ liegen.  Sie wird also von einer übergeordneten
           Instanz ausgehen, nämlich vom globalen Regime des Weltherrschers.  Sie trifft auch die
           „seefahrenden Orientalen“, d.h. jene Morgenländler, die das Mittelmeer befahren. 


           Mit der Vermischung der Sprachen ist nicht gemeint, dass es eine Einheitssprache geben
           oder nur noch eine Sprache zu Verständigung zugelassen sein werde.  Vielmehr werden die
           unterschiedlichen >Sprachen<, in denen sich Gott durch die Stifter der Religionen offenbarte,
           miteinander vermischt und von einem >Erfinder<,            [VIII], zu einer erfundenen Religion 
           verrührt.  Auf dem Weg über Nordafrika, wo die Punier einst siedelten, kamen islamische 
           und antike Einflüsse ins mittelalterliche, christlich geprägte Europa, dessen Amts- und Sakral-
           sprache das Lateinische war.  Damit ist hier ein Hinweis gegeben, dass vor allem Islam und                       Christentum vermischt werden,             Vz 1/2 [X].


           In Babylon verwirrten sich die Sprachen, „bis keiner mehr die Rede des anderen verstand“,
           weshalb das Projekt unvollendet blieb, den Himmel auf Erden zu erreichen, mit welchem man 
           „sich einen Namen machen“ wollte, Genesis Kapitel 11,1-9.  So wird die >Sprachen-
           vermischung< auch der Versuch sein, die uralte >Verwirrung der Sprachen<  - die Vielfalt
           der Religionen -  „in großer Gesellschaft“, einer „Ordnung der Gemeinsamkeit“,            [VII],
           aufzuheben, um den Himmel auf Erden zugänglich und >sich einen Namen zu machen<.
           Die große Bedrückung und die >Vermischung der Sprachen< werden in einem Atemzug
           genannt, was auf einen engen Zusammenhang beider schließen lässt.  Die Vermischung
           der Sprachen wird Verbindlichkeit für alle Menschen beanspruchen und daher der Grund
           der großen Bedrückung sein.


           Anmerkung 3 [Königlicher Prophet]  Während ihrer Bedrückung in Ägypten hatten die
           Israeliten Sklavendienste zu leisten, und auf Befehl des Pharaos wurden ihre männlichen
           Säuglinge in den Nil geworfen, Exodus 1,11-14, 22.  Das Wehklagen darüber wurde von

           Gott erhört, Exodus 2,23-25.  Moses, ein Überlebender, der als Säugling vor dem Tod gerettet                   worden war, wurde berufen, sein Volk aus der Gefangenschaft herauszuführen.  Das ist der                       Exodus (Weg aus der Knechtschaft) als Ur- und Vorbild des Handelns Gottes an seinem Volk. 

           Als „Königlicher Prophet“ gilt dem Seher Jesus Christus, der angekündigt hat, dass er am

           Ende der alten Erde selbst kommen werde, die Seinen zu holen, Matthäus 24,31, wenn es

           erneut eine „große Bedrängnis“ geben werde, während der „alle Völker auf Erden klagen“,                         Matthäus Kapitel 24,30.  Es werde sein wie zur Zeit der ägyptischen Knechtschaft der

           Israeliten, aber die Bedrängnis werde weltweit sein, „über den Fürsten der Königreiche“

           liegen.
 

VH (30)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (30)  Solches Bekenntnis und Triumvirat  -                        Herren von Aquilon  -  Nichtaquilonische Brüder


Text    & seront tous ces Roys orientaux chassez, profligez, exterminez non du tout par le                 moyen des forces des Roys d’ Aquilon, & par la proximité de nostre siecle par                         moyen des trois vnys secrettemêt cherchât la mort & insidies (a) par embusches

           l’ vn de l’ autre, & durera le renouuellement du triumvirat sept ans, que la                                 renommee de telle secte fera son estendue par l’ vniuers & sera soubstenu le

           sacrifice de la saincte & immaculée hostie, & seront lors les Seigneurs deux en                         nombre d’ Aquilon victorieux, sur les orientaux, & sera en iceux faict si grand bruict             & tumulte bellique, que tout iceluy orient tremblera de l’ effrayeur d’ iceux freres                   Aquilonaires.


             (a) Lat. n.f.pl. insidiae Hinterhalt, hinterlistiger Angriff


           Und es werden all die orientalischen Könige verjagt, niedergeworfen, ausgelöscht werden, 
               (doch) keineswegs durch die Truppen der Könige von Aquilon, sondern mittels der drei 
               Geeinten [3], die, darin unserer Zeit sehr nah, sich gegenseitig heimlich nach dem Leben 
               trachten, einander nachstellen und Hinterhalte legen.  
               Und es wird die Erneuerung des Triumvirats sieben Jahre dauern, und das Ansehen solchen 
               Bekenntnisses wird sich über die ganze Welt ausbreiten [1], und es wird erhalten bleiben 
               das Messopfer der heiligen und unbefleckten Hostie.
               Und es wird dann Herren von Aquilon geben, zwei an der Zahl, die siegreich sind über
               die Orientalen [2], und eben dabei wird ein sehr großer kriegerischer Lärm und Aufruhr 
               entstehen, bis derselbe Orient zittern wird aus Furcht vor jenen Brüdern, die keine 
               aquilonischen Brüder (sind) [3].


           Anmerkung 1 [Triumvirat und solches Bekenntnis]  Die „drei Geeinten“ oder „Brüder“ auf 
           der einen Seite und das „Triumvirat“ (Dreimännerkollegium) auf der anderen Seite könnten 
           identisch sein.  Das Triumvirat wird in einer Zeit errichtet, in welcher der christliche Ritus,
           gleich welcher Prägung, noch unbeschadet ausgeübt werden kann, denn „es wird erhalten
           bleiben das Messopfer der heiligen und unbefleckten Hostie“.  Das wird später anders werden.
           Die drei „Brüder“ treten aber als solche, das ist hier im letzten Satz erkennbar, erst  n a c h  
           der Unterwerfung der Orientalen durch die „Herren von Aquilon“ in Erscheinung, d.h. nachdem
           das globale Regime sich voll entfaltet hat.  Daraus folgt, dass erst das Triumvirat kommt und 
           später die drei Brüder, beide also nicht identisch sein können. - 
           Die beiden Triumvirate der römischen Antike waren Erscheinungen der Übergangszeit zwischen
           Republik und Kaiserreich.  Sie bereiteten den Boden für ein die antike Welt der Römer um-                       spannendes Kaisertum.  Das Triumvirat, das hier eine „Erneuerung“ erfährt, wird in            [VIII]                 zunächst einmal >ausgegraben<, weil man damit einen >Schatz< zu heben meint.  
           Die Wertschätzung des Triumvirats geht mit der weltweiten Ausbreitung einer „solchen Sekte“
           einher.  Das Ansehen und die Wertschätzung, welche beide genießen, scheinen „Sekte“ und
           „Triumvirat“ zu verbinden.  Inhaltlich wird von der „Sekte“ nichts Näheres vermerkt.  
           Bei der „Sekte“ könnte es sich um die Anhängerschaft des >neuen Weisen<,            [III],
           handeln, von dem eine Ideologie ausgeht, die wie der antike Staatskult der Erhaltung einer

           Völker übergreifenden staatlichen Ordnung dient,            [X].  Diese globale Ordnung wird

           in der gemeinten Zeit von drei großen Mächten gebildet und getragen.


           Anmerkung 2 [Herren von Aquilon]  Lateinisch aquila Adler und lateinisch aquilo Nordsturm,
           Nacht, Finsternis  -  das sind die beiden in Frage kommenden Wortwurzeln.  Der Adler, im 
           alten Rom Kultsymbol des obersten Gottes Jupiter, wurde als Legionsadler den kaiserlichen
           Truppen vorangetragen.  Nimmt man beide Wortwurzeln zusammen, sind unter den >Herren
           von Aquilon< die >Herren der Finsternis im Zeichen des Imperiums< zu verstehen.
           Die Aufgabe dieser >Herren< ist es hier, die Orientalen niederzuwerfen.  Es liegt nicht fern,
           in ihnen jene >Jovialisten< zu erkennen, die in VH (28) „Achem“, d.h. Mekka angreifen und
           sich dort durchsetzen können wie sie hier „siegreich“ sind.  Es sind  z w e i  Herren, wie in
           5/78.  Die >Herren von Aquilon< sind also Mächte im Dienst der >Weltfriedensordnung<.
           Zu deren Charakterisierung zieht N. öfters die Geschichte des antiken römischen Weltreichs    
           heran.  Parallelen sind die universelle Ausdehnung, der nichtchristliche  -  vor- bzw. nach-
           christliche -   Charakter der herrschenden Ideologie und die etappenweise Errichtung eines
           Kaiserthrons.  Dessen Inhaber hat wie der antike Kaiser zugleich die oberste Autorität einer
           Staatsreligion inne, die der Pax Mundana, d.h. dem Frieden des Weltstaats verpflichtet zu 
           sein sich den Anschein gibt.


           Anmerkung 3 [Nicht-aquilonische Brüder]  Von „großen Zwistigkeiten“ unter „drei Brüdern“
           ist in VH (12) die Rede, und dazu passt es, wenn diese sich hier „gegenseitig nach dem 
           Leben trachten“.  Der Hinweis „ähnlich wie in unserer Zeit“ lässt an europäische Mächte
           denken, die schon im 16. Jahrhundert rivalisierten, etwa Spanien, Frankreich und England,
           doch das ist ungewiss.  Was diese >Brüder< dann doch eint, ist offenbar das Bestreben, die
           orientalischen Herrscher aus Europa hinauszujagen.  Da die Orientalen vom globalen Regime
           vereinnahmt sein werden, VH (29), stellen sich die >drei Brüder< mit ihrer Verfolgung der
           Orientalen gegen das globale Regime und heißen daher „nicht-aquilonisch“.


           Anmerkung 4 [Zeitenfolge]  Gleich in (31) wird es der Seher selbst zugeben, dass die
           Reihenfolge der Vorhersagen konfus ist.  Dass er dies gerade im Anschluss an (30) sagt,
           ist kein Zufall, denn hier wurden die Abläufe auch im kleinen verwirrt.  Es lassen sich aber
           unterscheiden und folgen aufeinander
           1) die Zeit des >Triumvirats<  
           2) die Zeit, in der die >Herren von Aquilon< die Orientalen besiegen und vereinnahmen, (28),  
           3) die Zeit, wenn die >nicht-aquilonischen Brüder< als Geeinte in Erscheinung treten.


 

VH (31)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (31)
                  Verwirrung der Vorhersagen


Text    Et pource, Sire, que par ce discours ie metz presque confusement ces predictions,

           & quand ce pourra estre & l’ aduenement d’ iceux, pour le denombrement du temps             que s’ ensuit qu’ il n’ est nullement ou bien peu conforme au superieur, lequel tant                 par voye astronomique que par autre, mesmes des sacrees escriptures, qui ne                         peuuent faillir nullement, que sie ie voulois à chacun quadrin mettre le                                     denombrement du temps se pourroit faire:  mais à tous ne seroit aggreable, ne                       moins les interpreter, iusques à ce, Sire, que vostre maiesté m’ aye octroyé ample                   puissance pour ce faire, pour ne donner cause aux calôniateurs de me mordre.


               Dabei lege ich, Sire, durch diese Ausführung die Vorhersagen ziemlich verwirrend nieder.
               Und wann das wohl sein wird und die Vorhersagen eintreffen, was also die Aufreihung
               der sich anschließenden Zeit angeht, so stimmt sie gar nicht oder wenig überein mit                           dem oben Gesagten.  Sie stimmt aber überein mit astronomischen, teils mit anderen                           Mitteln, besonders mit den Heiligen Schriften, die niemals fehlgehen können, so dass

               ich, wenn ich wollte, jedem Vierzeiler die Zählung der Zeit hinzusetzen könnte, wenn

               das tunlich wäre.  Doch wäre das gar nicht angenehm, noch weniger angenehm, sie zu                       deuten, solange nicht Eure Majestät mir weitgehende Vollmacht dazu gewähren, um                           nicht den Verleumdern Anlass zu geben, mich zu bedrängen.


           Anmerkung  Dass N. keine chronologische oder andere Reihenfolge einhält, ist dem                         aufmerksamen Leser nicht entgangen und wird hier noch einmal ausdrücklich bestätigt. 

           Neu ist seine Behauptung, dass er jedem Vierzeiler seinen Platz in der Zeit anweisen                       könne.  Belegt wird sie z.B. hier in der Vorrede in Abschnitt (34) und in Vers 1/51 (Kap.35).               Seine Furcht davor, dass seine Schrift im Klartext Anstoß erregen würde, was Verleumder                 ausnutzen könnten, hat N. schon in den Abschnitten (5) und (8) zu Protokoll gegeben.


 

VH (32)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (32)
                  Biblische Zeittafel (II)  -  Berechnungen


Text    Toutesfois comptans les ans depuis la creation du monde, iusques à la naissance der               Noé, sont passez mil cinq cens & six ans, & depuis la naissance de Noé iusques à la                 parfaicte fabrication de l’ arche, approchât de l’ vniuerselle inondation passerent six             cens ans si les dons estoyent solaires ou lunaires, ou de mixtions.  Ie tiens ce que les               sacrees escriptures tiennent qu’ estoyent Solaires.  Et à la fin d’ iceux six cens ans

           Noé entra dans l’ arche pour estre sauué du deluge, & fut iceluy deluge vniuersel sus             la terre, & dura vn an & deux mois.  Et depuis la fin du deluge iusque à la natiuité d‘               Abraham, passa le nombre des ans de ceux cens nonante cinq.  Et depuis la nativité               d’ Abraham iusques à la natiuité d’ Isaac, passerent cent ans.  Et depuis Isaac iusques             à Iacob, soixante ans, dès l’ heure qu’ il entra dans Egypte iusques à l’ yssue d’ iceluy               passerent cent trente ans.  Et depuis l’ entrée de Iacob en Egypte iusques à l‘ yssue

           d‘ iceluy passerent quatre cent trente ans.  Et depuis l’ issue d’ Egypte iusques à l’                     edification du temple faicte par Salomon au quatriesme an de son regne, passerent
           quatre cens octante ou quatre vingt ans.  Et depuis l’ edification du temple iusques à             Iesus Christ selon la supputation des hierographes (a) passerent quatre cens nonante             ans.  Et ainsi par ceste supputation que I’ ay faicte colligee par les sacrees lettres sont             enuiron quatre mille cent septante trois ans, & huict mois peu ou moins.  Or de                     Iesus Christ en ca par la diuersité des sectes, ie le laisse, & ayant supputé & calculé                 les presentes propheties, le tout selon l’ ordre de la chaysne qui contient sa                               reuolution le tout par doctrine Astronomique, & selon mon naturel instinct,


              (a) N. hierographe Person, die über die heiligen Dinge schreibt (großer Larousse)


                Zählt man indessen die Jahre seit der Erschaffung der Welt bis zur Geburt Noahs, sind 1506
                Jahre vergangen.  Und von der Geburt Noahs bis zur Vollendung des Baus der Arche, nahe
                der allgemeinen Überschwemmung, vergingen 600 Jahre, seien sie ihrer Beschaffenheit nach
                Sonnen- oder Mondjahre, oder eine von zehn Mischungen.  Ich meine, dass die heiligen
                Schriften meinen, dass es Sonnenjahre seien.  Und am Ende dieser 600 Jahre bestieg Noah
                die Arche, um vor der Flut gerettet zu werden.  Und es ergoss sich diese Flut über die ganze
                Erde und dauerte ein Jahr und zwei Monate.  Und vom Ende der Flut bis zur Geburt Abrahams
                vergingen 295 Jahre.  Und von der Geburt Abrahams bis zur Geburt Isaaks vergingen 100                              Ja
hre.  Und von Isaak bis zu Jakob 60 Jahre, und von der Stunde an, da er Ägypten betrat, bis

                zu seinem Auszug von dort vergingen 130 Jahre.  Und vom Einzug Jakobs in Ägypten bis zu                            seinem Auszug von dort vergingen 430 Jahre.  Und vom Auszug aus Ägypten bis zum Bau des                    Tempels durch Salomo im vierten Jahr seiner Herrschaft vergingen 480 oder 80 Jahre. 

                Und vom Tempelbau bis zu Jesus Christus vergingen, der Berechnung der Verfasser der                                heiligen Schrift zufolge, 490 Jahre.  Und folglich sind es nach dieser Rechnung, die ich aus

                den heiligen Schriften zusammensuchte, ungefähr 4173 Jahre und acht Monate, mehr oder                        weniger.  Nun von Jesus Christus bis zum Auseinanderstreben der Bekenntnisse, das lasse

                ich weg.  Es sind berechnet und kalkuliert die vorliegenden Prophezeiungen alle gemäß der                        Ordnung der Kette, die ihren Umlauf umfasst, alles nach der astronomischen Lehre, und nach                  meiner gründlichen Eingebung.

 
           Anmerkung  Mit der „Ordnung der Kette, die ihren Umlauf umfasst“, sind die Umläufe der
           Planeten gemeint, die  - im geo- wie im heliozentrischen System -  an ihren Ausgangspunkt
           immer wieder zurückkehren.  Ein Umlauf reiht sich dabei an den anderen wie die Glieder einer
           Kette.  Die Berechnungen der Umläufe der Planeten, die dem Seher dazu dienten, seine
           Visionen zeitlich zu ordnen, werden hier wie in VH (11) mit biblischen Zeitangaben in Verbin-
           dung gebracht, ohne dass irgendein Zusammenhang erkennbar ist.
           Die Abweichungen von der ersten, unter VH (9) aufgestellten Berechnung des Alters der
           Welt werden nicht diskutiert.  Daraus darf man schließen, dass dem Autor diese Rechnung,
           jedenfalls aber ihr Ergebnis, nicht wirklich wichtig war.  Die Ausbreitung dieser Kenntnisse
           diente ihm wohl eher dazu, sich als bewandert in den heiligen Schriften zu zeigen.  Wenn das
           zutrifft, ist es müßig, sich mit den Einzelheiten zu beschäftigen.  Dass N. unzutreffend davon
           ausging, die Bibel rechne mit Sonnenjahren, ist dann auch nicht wichtig.


 

VH (33)  =  Vorrede an König Heinrich II. von Frankreich, Abschnitt (33)
                  Konstellation für 1606


Text    & apres quelque temps & dans iceluy comprenant depuis le temps que Saturne
           qui tournera entrer à sept du moys d’ auril jusques au 25. d’ Aoust Iupitre à 14. de                   Iuin jusques au 7. d’ Octobre, Mars depuis le 17. d’ Auril jusques au 22. de Iuin, Venus
           depuis le 9. d’ Auril, iusques au 22. de May, Mercure depuis le 3. de Feurier, jusques
           au 24. dudit.  En aprés du premier de Iuin jusques au 24. dudit & du 25. de                               Septembre jusques au 16. d‘ Octobre, Saurne en Capricorne, Iupiter en Aquarius,                   Mars en Scorpio Venus en Pisces, Mercure dans vn moys en Capricorne, Aquarius &             Pisces, la lune en Aquarius, la teste du dragon en Libra:  Ia queue a son single                           opposite suyvant vn conionction de Iupiter à Mercure, auec vn quadrin aspect de                   Mars à Mercure, & la teste du dragon sera auec vne conionction du Soleil à Iupiter,


                Und nach einiger Zeit und in derselben enthalten ist die Zeit, von der an Saturn wenden und
                eintreten wird vom Siebten des Monats April bis zum 25. August, Jupiter vom 14. Juni bis 
                7. Oktober, Mars vom 17. April bis zum 22. Juni,  Venus vom 9. April an bis zum 22. Mai,
                Merkur vom 3. Februar an bis zum 24. desselben, darauf folgend vom 1. Juni an bis zum 24.
                desselben, und vom 25. September an bis zum 16. Oktober.   Saturn im Steinbock, Jupiter
                im Wassermann, Mars im Skorpion, Venus in den Fischen, Merkur in einem Monat im
                Steinbock, im Wassermann und in den Fischen, der Mond im Wassermann, der Kopf des
                Drachens in der Waage, der Schwanz im gegenüberliegenden Zeichen.  Es folgt eine
                Konjunktion von Jupiter mit Merkur, mit einem Quadrataspekt des Mars zum Merkur,
                und der Drachenkopf wird sein mit einer Konjunktion der Sonne mit Jupiter.


           Anmerkung  Zuletzt war N. in der „Zeit des Auseinanderstrebens der Bekenntnisse“, der Zeit
           der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert, seiner Gegenwart also angelangt, und von da aus
           blickt er nun wieder in die Zukunft.  Saturn werde vom 7.4. bis 25.8. rückläufig sein;  er war 
           es vom 17.4.1606 bis 4.9.1606.  Jupiter werde vom 14.6. bis 7.10. rückläufig sein;  er war es
           vom 22.6.1606 bis 19.10.1606.  Mars werde vom 17.4. bis 22.6. rückläufig sein;  er war es
           vom 21.04.1606 bis 2.7.1606.  Venus werde vom 9.4. bis 22.5. rückläufig sein;  sie war es
           vom 20.04.1606 bis 1.6.1606.  Merkur erlassen wir uns.  Die Wendung tourner entrer wird
           mit „wenden und eintreten“ wiedergegeben;  für ihre Deutung im Sinne der Rückläufigkeit
           spricht, dass die Zeitabgaben so und nur so passen.  Die geringfügigen Differenzen sind 
           hauptsächlich auf die Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 zurückzuführen;  
           es wurden damals 10 Tage übersprungen, die man zu Datumsangaben aus der Zeit vor der 
           Reform hinzurechnen muss.  Man mag einwenden, dass N. als Seher doch auch die Kalender-
           reform vorausgesehen haben müsse;  aber der Nichtseher sollte sich nicht einbilden, dem 
           Seher vorschreiben zu wollen, was der sehen müsse.
           Festzuhalten ist, dass die Angaben, zusammen genommen, eindeutig dem Jahr 1606 und 
           keinem anderen Jahr zwischen 1558, dem Jahr der Veröffentlichung der Vorrede, und dem
           Jahr 2055, 3/94, zuzuordnen sind.  Die Angaben zu den Planeten in den Zeichen deuten
           auf den  A n f a n g  des Jahres 1606.
           Mit der umständlichen Art, ein bestimmtes Jahr zu benennen, will N. vielleicht seine Fertigkeit 
           zu astronomischer Berechnung und Zeitbestimmung unter Beweis stellen.  Zur Frage, warum 
           er dieses Jahr hervorhebt, s. VH (34).

 

VH (34)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (34)
                  Beginn der Verfolgung der Kirche  -  bis 1792


Text    l‘ année sera pacifique sans eclipse, & non du tout, & sera le commencement                          comprenant ce de ce que durera & commencant icelle annee sera faicte plus grande              persecution à l’ Eglise Chrestienne qui n a esté faicte en Affrique, & durera ceste icy              iusques à l’ an mil sept cens nonâte deux que l’ on cuydera estre vne renouation de                siecle:


              Das Jahr wird friedlich sein ohne Sonnenfinsternis [1], und nichts von allem.  
              Doch es wird der Anfang sein, der etwas enthält, was dauern wird.  Und beginnend
              in demselben Jahr wird eine gewaltige Verfolgung der christlichen Kirche stattfinden [2],
              wie es sie nicht einmal in Afrika gegeben hat.  Und dauern wird dieselbe bis zum Jahr 1792,
              wenn man glauben wird, es gebe eine Erneuerung des Zeitalters [3].


          Anmerkung 1 [Ohne Sonnenfinsternis]  Es wird angegeben, dass das gemeinte Jahr nicht
          durch markant in Erscheinung tretende äußere Ereignisse in die Geschichtsbücher eingehen,
          es insbesondere keine Sonnenfinsternis geben werde.  Daher muss der Gedanke verworfen
          werden, es könne hier das Jahr 1606 der sogenannten „liturgischen Zeitrechnung“ gemeint
          sein,            , das irgendwann um die Wende vom zweiten und dritten nachchristlichen
          Jahrtausend liegt, wenn auch außerordentliche Verfinsterungen zu gewärtigen sind, VH (18).
          Demnach geht es hier um das Jahr 1606 der christlichen Zeitrechnung.


          Anmerkung 2 [Verfolgung der Kirche]  Nicht 1606, aber im Mai 1605 wird mit Paul V. ein 
          Papst gewählt, über den Leopold von Ranke schreibt: 
                   „Indem ein Papst auftrat, welcher die streitigen Ansprüche seiner Gewalt mit rücksichts-                             losem Eifer überspannte, geriet die venezianische Regierung in die Hände von Männern,                           welche
die Opposition gegen die römische Herrschaft zu ihrer persönlichen Gesinnung                               ausgebildet (hatten) …“.

   
          Im Januar 1606 wird Leonardo Donato, einer der antirömisch Gesinnten in Venedig, zum Dogen 
          gewählt.  Der venezianische Widerstand gegen die Eingriffe des römischen Hofes führt zur 
          Ablehnung eines päpstlichen Auslieferungsbegehrens.  Im April 1606 verhängt Paul V. daraufhin 
          die Exkommunikation, das sogenannte Staatsinterdikt über Venedig;  doch es bleibt wirkungslos 
          und wird schließlich zurückgezogen.


          In der damals noch mächtigen Republik Venedig können gegen die Ansprüche der kirchlichen 
          Zentralgewalt staatliche Gesetze erhalten werden, welche die kirchlichen Belange der weltlichen 
          Politik prinzipiell unterordnen  -  darin erkennt N. den  B e g i n n  einer >Verfolgung der Kirche<.  
          Zu voller Entfaltung gelangt diese Auffassung des Verhältnisses von Staat und Kirche dann im 
          Frankreich der Revolution, das die Kirche verstaatlicht und den Priestern den Eid auf die repu-
          blikanische Verfassung abverlangt.  In den beiden Jahrhunderten zwischen diesen Ereignissen, 
          dem 17. und 18. Jahrhundert, entfaltet sich, von Britannien ausgehend, aufklärerisches Denken 
          in Europa, das die absolute Königsherrschaft, ihre Legitimation durch den Glauben sowie die 
          Macht der Kirche zunehmend in Frage stellt.


          Anmerkung 3 [Das Jahr 1792]  Zur Zeit der französischen Revolution werden „die festen
          Fundamente der nach ursprünglicher römischer Art geweihten Kirchen“ als Grundlage der
          Gesellschaftsordnung verworfen,             (Kap.15);  man will von der geistigen Grundlage des
          Königtums nichts mehr wissen.  Auf dem Höhepunkt des revolutionären Elans wird der
          christliche Glaube schlicht für überholt und abgetan erklärt.  An seine Stelle soll ein Kult
          der Vernunft treten, den Robespierre am 8. Juni 1794 tatsächlich einmal zelebriert.
          Dem revolutionären Denken entspringt der Wunsch, das Ende der christlich geprägten
          Ära kenntlich zu machen, indem man eine neue Zeitrechnung einführt.  Man werde 1792
          „glauben, es gebe eine Erneuerung des Zeitalters“, sagt N.  In der Tat tritt am 22.9.1792
          in Frankreich ein neuer republikanischer Kalender in Kraft.  Die christliche Epoche soll 
          durch die „Ära der Franzosen“ abgelöst werden.  Man beginnt mit dem „Jahr 1 der Republik“, 
          die Monate erhalten neue, jahreszeitlichen Erscheinungen der Natur entlehnte Namen, 
          werden anders eingeteilt als früher und sind alle genau dreißig Tage lang, weil man die 
          Ungleichheit nicht mag.  Zwölf Jahre hindurch kann sich dieser Kalender immerhin halten.


 

VH (35)  =  Vorrede an Heinrich II., Abschnitt (35) 

                  Einigung Italiens im 19. Jahrhundert  -  >Venedig< erhebt seine Flügel


Text    apres commencera le peuple Romain de se redresser & deschasser quelques obscures
           tenebres, receuant quelque peu de leur pristine clarté, nô sans grande diuision &                   continuelz changemens.  Venise en apres en grande force, & puissance leuera ses                   aysles si treshault ne distant gueres aux forces de l’ antique Rome.


               Danach wir das römische Volk beginnen, sich wieder aufzurichten und einige finstere                                     Schatten zu vertreiben, und es wird wieder ein wenig von seinem einstigen Glanz em-

               pfangen [1], nicht ohne große Uneinigkeit und ständigen Wandel.  

               Venedig wird darauf mit großer Stärke und Macht seine Flügel sehr hoch erheben, die

               sich von der Macht des antiken Rom kaum unterscheiden [2].


           Anmerkung 1 [Römisches Volk im Abglanz früheren Glanzes]  „Danach“, nach 1792 also,
           werde „das römische Volk“ sich wieder aufrichten und „ein wenig von seinem einstigen Glanz
           empfangen“.  Durch das napoleonische Frankreich zunächst noch gebeutelt, 2/94 (Kap.23),
           erreicht Italien unter jahrzehntelangen inneren Auseinandersetzungen und Kämpfen mit 
           äußeren Gegnern im 19. Jahrhundert das risorgimento, seine >Wiedergeburt< als Nation;  
           seit 1861 gibt es einen König von Italien (Kap.29).  Der „einstige Glanz“ des römischen 
           Volkes hebt ab auf Macht und Ruhm des antiken römischen Imperiums.  Aber es ist nur ein 
           Abglanz der antiken Herrlichkeit, der auf das Italien des 19. Jahrhunderts mit seiner mühsam 
           errungenen Einheit fällt.


           Anmerkung 2 [>Venedig< erhebt seine Flügel]  Das Ende der Republik Venedig im Jahr 1797
           hat N. gesehen und schildert es als ein klägliches Verlöschen,             (Kap.20).  Wenn also
           nach 1792  „Venedig mit großer Stärke und Macht seine Flügel erheben“ werde, kann das nicht
           wörtlich gemeint sein.  Eine >Verfolgung der Kirche< hat N. es genannt, dass die kirchliche
           Zentralgewalt des Papstes ihren Einfluss auf die innerstaatliche Gesetzgebung in kirchlichen
           Belangen verlieren würde;  das kann die Republik Venedig in den Jahren 1606ff für sich 
           durchsetzen, VH (34).  >Venedig< ist hier eine Chiffre für Staaten, die den Bereich von Religion 
           und Kirche nach eigenem Gutdünken ordnen.  Das >Erheben der Flügel< ist ein Bild für das 
           Freiheitsstreben des säkularen (= sich rein weltlich begründenden) Staates, der sich für seine 
           Legitimation nicht mehr auf die alte Religion beruft.  >Venedig< wird zu einem anderen Namen 
           für den säkularen Staat, der sich von der Religion befreit hat.  Die Idee der französischen                           Revolution, dass der Staat seine Legitimation nicht mehr aus dem alten Glauben schöpfen solle, 
           hat sich anschließend in Europa durchgesetzt und sich damit als „stark und mächtig“ erwiesen.


 

Ausgewählte Vierzeiler  -  Übersicht Centurie 1

​        1/01  N. über seine Eingebungen

         1/03  Die Sänfte vom Wirbelsturm umgestürzt

         1/04  Von der ganzen Welt wird einer zum Alleinherrscher gemacht

         1/06  Piemont verdrängt Frankreich und den Kirchenstaat (1861, 1870)

         1/07  Versuch, die Königin zu befreien, ihre Hinrichtung, eine 14.-Sekte

         1/08  Rom von den Deutschen besetzt (September 1943)

         1/09  Alliierte zerstören den Cäsarenwahn der italienischen Faschisten

         1/12  Ein Emporkömmling erweist sich als Bestie und Mussolini als treulos

         1/13​  Exiladel trägt bei zum Ende der Monarchie in Frankreich

         1/14  Menschen im Gefängnis wegen ihrer religiösen Gesinnung

         1/15  Siebzigmal wird Blut vergossen

         1/17  Die Geister scheiden sich am Wort Gottes

         1/20  Fremde Zelte im Tal der Loîre, es sind keine Touristen

         1/21  Ein Fels spendet geistige Säulingsnahrung

         1/23  Ein Adler hilft einem Leoparden und lässt die Sonne aufgehen

         1/25  Ein Hirte, lange vermisst, wird erneut angetroffen

         1/27  Ein Schatz wird unter einer Eiche gefunden

         1/29  Starke Woge trägt landtauglichen Fisch ans Ufer

         1/30  Fremdes Schiff landet bei unbekanntem Hafen

         1/31  Die großen Drei, von Teheran bis Potsdam

         1/33  Schlacht bei Lodi an der Adda, Belagerung Mantuas

         1/34  "Peace for our time" (München 1938)

         1/35  Fanfaren, dann stirbt ein alter Löwe einen grausamen Tod

         1/36  Henri Trois letzter Valois auf dem Thron Frankreichs

         1/37​  Kurz bevor die Sonne sich verbirgt, gibt es Krieg

         1/38  >Weltfriedensordnung<

         1/40  Unsinniger Aufruhr bringt Byzanz eine Wandlung der Gesetze

         1/42  Ein neuer Kalender bricht mit der christlichen Tradition

         1/43  >Wiedergekommener Heiland< wird zum Weltherrscher

         1/44  Aufhebung der Klöster, Verbot der Orden (Februar 1790)

         1/45  Ein Erfinder spaltet die Welt, Gesinnungsschnüffelei von Staats wegen

         1/46  Nach einer langen Nacht Staunen über ein wunderbares Ereignis

         1/47  Der Völkerbund scheitert

         1/48  Den matten Tagen der Sonne folgt die Alleinherrschaft eines Anderen

         1/49  Türken unterjochen "beinah" den Rand des Reiches (1683)

         1/50  Des im Wasser Lebenden Dreifachheit erscheint

         1/51  Jupiter und Saturn beim Haupt des Widders (1940/41)

         1/53  Neue Ader von Gold und Silber gefunden

         1/54  Wandel der Religionsgesetze 1540 und 1598

         1/55  Der Himmel widrig unterhalb von Babylon (1991)

         1/56  Extreme Gräuel im Namen des Islam vor dem Kataklysmus

         1/57  Die Hinrichtung des Königs als Schauspiel für das Volk (21.1.1793)

         1/58  Mutter Kirche gebiert siamesischen Zwilling mit zwei Köpfen und vier Armen

         1/60  Ein Kaiser geboren bei Italien

         1/61  Emigranten arbeiten vom Ausland gegen die neue Obrigkeit

         1/63  Die Geißeln vorüber, die Menschheit vermindert

         1/64  Leuchtmunition, Gasmasken, Kämpfe am Himmel

         1/68  Drei Unschuldige als Gift verdächtigt, schlecht bewacht die Tradition

         1/69  Die Menschheit hält sich für fähig zu Besserung, dann stürzt die Friedensordnung

         1/70  Der schiitische Klerus als Gegner des Monarchen (1978/79)

         1/71​​  Drei Wellen von Angreifer an den Küsten der Provence

         1/75​​​  Italienfeldzug (1796), Aufbruch nach Ägypten (1798)

         1/76  Nomen est omen

         1/78  Greisenhaupt geschmäht, weil es nicht up to date ist

         1/79  Streit um Gesetze und ein Monopol

         1/82  Ein Waldland, Österreich und Wien beben zweimal

         1/84  Globale Götterdämmerung

         1/86  Maria Stuart flieht nach England, wagt zuviel

         1/88  Wenn Napoleon eine Dynastie gründen will, kommt sein Ende in Sicht

         1/91  Die >Götter< selbst verursachen den großen Konflikt um die Religion

         1/93  Britischer Luftanriff auf Turin (11.6.40), aber aus der Konföderation wird nichts

         1/95  >Zwillingsbruder< als Findelkind vor einer Kirche

         1/96  An Einem sollen sich die Geister scheiden

         1/97  Der Völkerbund weckt die Hoffnung auf Frieden, ein Wunschdenken

         1/98  Weit weg von seinem Himmel unter fremder Sitte und Sprache

Ausgewählte Vierzeiler  -  Übersicht Centurie 2

         2/02  Blaue gegen Weiße, Tod für den weißen Kopf

         2/04  Islamische Invasion vom Monaco bis Sizilien

         2/08  Menschenrechte statt heiliger Monarchie

         2/09  Ein Magerer verfällt einem Blutdurst, und ein großes Volk stirbt ohne Glauben

         2/10  Gleichheit:  Die feudale Ordnung ist aufgehoben

         2/11  Napoleon kann keine Dynastie gründen

         2/12  Berufsverbot für Geistliche, dann geißelt ein großer Monarch die Verblendung

         2/15  Nach einem Kometensturz wird ein großer Monarch ermordet, N. glaubt es nicht

         2/19  Menschenleere Gegenden, Bauern arbeiten mit einfachen Mitteln

         2/23  Der Zug der Palastvögel geht weiter (1815)

         2/24  Donauraum verteidigt, Deportationen im eisernen Käfig

         2/25  Frankreich als „Festung, preisgegeben von fremder Schutzwache“  -                                          die Evakuierung des britischen Expeditionscorps von Dünkirchen.

                  Churchill bietet Frankreich eine Union an (16.6.1940)

         2/26  Paris erweist einem Großen seine Gunst, die Lombardei leidet

         2/27  Göttliches Wort vom Himmel geschlagen

         2/28  Ein weit gereister Papst befreit ein großes Volk

         2/31  Überschwemmungen in Kampanien

         2/33  Eine Sturzflut lässt die Etsch zum Po durchbrechen

         2/37  Das revolutionäre Frankreich belagert Mantua, siebzig überwältigt

         2/38  Nürnberger Tribunal, Ende der Anti-Hitler-Koalition

         2/39  Spanischer Bürgerkrieg entschieden ein Jahr vor d. Zusammenbruch Frankreichs

         2/40  Gleich nach der Kapitulation Frankreichs Luftkrieg und Atlantikschlacht

         2/41  Eine Wolke, zwei Sonnen erscheinen, ein Hund heult die ganze Nacht

         2/42  Tod eines Tyrannen

         2/43  Wenn der Komet erscheint, werden drei Große zu Feinden

         2/44  Der Adler durch andere Vögel aus der Umgebung verjagt

         2/45  Himmel und Erde in einer Person

         2/47  Ein uralter Zweikampf entschieden, Souveräne unterjocht

         2/48  Napoleon muss abdanken

         2/49  Belagerung Maltas (1565)

         2/51  Cromwells Staat zerbricht, der Brand Londons 1666

         2/53  Die Pest in London als Rache des Himmels

         2/56  Schiffbrüchige klammern sich an einen Felsen

         2/57  Vor dem Krieg wird die große Mauer fallen (1989)

         2/60  Islamischer Glaube im Morgenland zerbrochen

         2/61  Eine Flucht vom Hof in Paris (Februar 1576)

         2/62  Schreckliche Niederlage von Mensch und Tier, dann sieht man den Kometen

         2/66  Ein Großer hat das Glück gewendet, für kurze Zeit

         2/67  Wilhelm von Oranien verjagt König Jakob

         2/68  Die Herrschaft auf der Insel neu zusammengefügt (1689)

         2/69  Ein König verspricht den Kelten die Treue

         2/73  Mit drei Kronen zum großen Endymion

         2/77  Zusammenbruch des Aufstands der Pariser Kommune (Mai 1871)

         2/79  Der Orient unterworfen vom Weltherrscher

         2/80  Die großen Nazis entkommen nicht

         2/81  Überlebende einer Flut bedroht durch Feuer vom Himmel

         2/82  Der Wolf entkommt seiner Beute nicht

         2/87  Wenn ein Deutscher auf den Thron Großbritanniens kommt, wird Jeanne d'Arc

                  zur Dienstmagd

         2/88 >Weltfriedensordnung<

         2/89  Zwei große Meister vom Joch des Krieges befreit (1945)

         2/90  Ende der Monarchie in Österreich-Ungarn

         2/92  Schlacht bei Sedan, der Kaiser sucht den Heldentod

         2/94  Erfolgloser Terror gegen den Seelöwen

         2/95  Städte unbewohnbar, Streit um Landbesitz, Große werden Brüder

         2/97  Römischer Pontifex speit Blut

         2/98  Philipe Égalité selbst zum Tod verurteilt

         2/99  Eine keltische Nation lernt den Nordwind fürchten (1812)

         2/100 Großbritannien sucht den Rückhalt eines großen Bündnisses​​

N. über seine Eingebungen

   01/01   ESTANT assis de nuit secret estude, 
                Seul repousé sus la selle d'aerain,    
                Flambe exigue sortant de solitude,  
                Fait proferer qui n'est à croire vain. (1555)   

                Sitzend des nachts bei verborgenem Studium

                allein, in Ruhe versetzt auf dem ehernen Schemel.

                Winzige Flamme steigt hervor aus der Abgeschiedenheit,

                lässt hervortreten, was nicht vergeblich geglaubt werden soll.
   
N. hat seine Studien nachts und allein betrieben, um ungestört zu sein.  Er hat zunächst eine "winzige Flamme" wahrgenommen, die er als ''göttliches Leuchten" deutet, 1/02, konnte seine Wahrnehmungen in das Alltagsbewusstsein mit hinübernehmen und mit Hilfe der erschauten Gestirnstände ordnen, VH (11).  Das wird verdeckt durch die Verdunklung seiner Texte, die ihm geboten schien.  Für diese nennt er in der Vorrede nachvollziehbare Gründe, VH (5), VH (10).  

 

Durch das Umstellen der Verse nach einem geheimen Schlüssel und durch Rückgriff auf biblische, mittelalterliche und eigene Metaphorik hat er den Zugang erschwert.  Sein Text würde daher lange als >Machwerk< aufgefasst werden, 3/94, womöglich aus Geltungs- oder Gewinnsucht >erstunken und erlogen<.  Die Visionen seien aber vom Heiligen Geist inspiriert;  ihre Quelle und er als Über-mittler seien vertrauenswürdig.       

 

Seine Wertschätzung der absoluten Monarchie und der Einheit der Kirche erzeugt ein stabiles Muster in seinen Urteilen über Personen, Taten und >andere Gesetze<, 1/53 (---> loy).  Manche Darstellung ist durch Parteinahme einseitig oder sogar falsch.  Am Verlust des Gehorsams gegenüber Monarch und Kirche erkennt er geistigen Niedergang.  Zeitgenössische Wertungen und N.s eigenes Urteil ergeben interessante Perspektivwechsel, Exkurs (7) Divergenz der Urteile. 

   

Die Sänfte vom Wirbelsturm umgestürzt

   01/03   Quand la lictiere du tourbillon versée,    
                 Et seront faces de leurs manteaux couuers,  
                 La republique par gens nouueaux vexée,    
                 Lors blancs & rouges iugeront à l'enuers. (1555)    

                 Wenn die Sänfte vom Wirbelsturm umgestürzt (ist)

                und Gesichter unter Mänteln versteckt sind,

                 wird die Republik von neuen Leuten zerrüttet werden.

                 Dann werden sich Weiße und Rote gegenseitig verurteilen.
   
1)2) lictière heißen die Sänften, die im Ancien Régime dem Adel am Königshof vorbehalten sind.  Sie symbolisieren die Feudalordnung und das Wohlleben der Privilegierten.  Der >Wirbelsturm<, der sie umwirft, bedeutet die Revolution (---> tempeste).  Am 4.8.1789 werden die alten Privilegien abgeschafft.  Adlige, die fliehenden wie die bleibenden, passen ihr Äußeres der neuen Mode an, um nicht angefeindet zu werden.  Manche bedienen sich eilig in der Garderobe ihrer Dienerschaft. 


3)4) Rot ist die Farbe der Revolution (---> rouge) wegen des Blutvergießens, das sie mit sich bringt.  Die Fahne der Bourbonen, die seit 1589 den König von Frankreich stellen, hat goldene Lilien auf weißem Grund;  weiß ist die Farbe der Königstreuen.  Im Jahr 1792 setzen sich in Paris die Radikalen durch und rufen erstmals eine Republik aus.  Während der Diktatur der Jakobiner wird der neue Staat durch Justizterror, Bürgerkrieg und Krieg mit dem Ausland zerrüttet, kann sich aber erhalten.  Im Bürgerkrieg stehen sich die Truppen des Konvents und Königstreue gegenüber, 5/33.  

 

Von der ganzen Welt wird einer zum Alleinherrscher gemacht

   01/04   Par l'vniuers sera faict vng monarque,
                Qu'en paix & vie ne sera longuement:  
                Lors se perdra la piscature barque,
                Sera regie en plus grand detriment. (1555) 

   

                Von der ganzen Welt wird einer zum Alleinherrscher gemacht,

                der nicht lange im Frieden und am Leben sein wird.

                In dieser Zeit wird das Fischerboot untergehen,

                es wird in seine größte Beschädigung gelenkt werden.


Das Prädikat des ersten Hauptsatzes steht eindeutig im Passiv;  Napoleon wird aber nicht von der ganzen Welt zum Alleinherrscher gemacht;  er drängt sich mit militärischer Gewalt Teilen Europas als Alleinherrscher auf;  das ist etwas ganz Anderes. 


Vz 1/2 [Alleinherrscher nicht lange friedlich und am Leben]  Der Vers ist ein Stenogramm der Taten des Mannes, der nach einer außerordentlichen Verfinsterung der Sonne, 3/04, an die Spitze der >Weltfriedensordnung< berufen wird, 1/43.  Denn viele Menschen, darunter viele Christen, werden in ihm den ersehnten Retter und Friedensstifter erkennen wollen.  Aber er wird "nicht lange im Frieden und am Leben" sein.  Zwölf Jahre sind für N. nicht lang, 5/20, 1/12.  Die Dauer des Friedens der >Weltfriedensordnung< beziffert N. mit neun, 2/09, zehn, 8/69, oder zwölf Jahren, Sz 19.  Dann lässt der "Alleinherrscher" es zu, dass Menschen verfolgt werden, die sich nicht zu der von ihm erfundenen >neuen Religion<, Vorschau (X), bekennen.    


Vz 3/4 [Fischerboot in größte Beschädigung gelenkt]  Das >Fischerboot< ist die katholische Kirche, die in ihrem Selbstverständnis das Werk des Menschenfischers Jesus Christus weiterführt.  Die Spitze der katholischen Kirche wird die Hoffnung hegen, den >neuen Heiligen<, 10/30, für ihre Sache dienstbar zu machen, 6/93.  Dieser Kurs des >Fischerboots< führt direkt in den Untergang, denn es kommt  - in der Schau des Katholiken N. -  umgekehrt.  Der neue Mann benutzt die alte Kirche, um seine Anhängerschaft zu mehren.  Mächtig geworden, verbietet er den alten Glauben, 10/65.

Piemont verdrängt Frankreich und den Kirchenstaat (1861, 1870)

   01/06   L'oeil de Rauenne sera destitué,    
                 Quand à ses pieds les aesles fallliront (!),    
                 Les deux de Bresse auront constitué    
                 Turin, Verseil que Gauloys fouleront. (1555)    

                 Das Auge Ravennas wird abgesetzt sein,

                 wenn zu seinen Füßen die Flügel sinken werden.

                 Die zwei von Bresse werden aufgerichtet haben

                 Turin, Vercelli, welche (die) Gallier herabsetzen werden.
   
                    3) Mittelfrz. (Gr) v. constituer errichten (établir), bestimmen (désigner). 

                    4) Mittelfrz. (Gr) v. fouler auch: in Verruf bringen (discréditer), herabsetzen (rabaisser).    
   
1)2) Das Auge bedeutet biblisch Allwissenheit und Vollkommenheit als göttliche Eigenschaften.  Der Papst ist Bischof von Rom (episkopos = Aufseher) und führt die oberste Aufsicht über die katho-lische Wahrheit.  Diesem Selbstverständnis entspricht seine Bezeichnung als >Auge<. Ravenna gehört bis 1798 und ab 1815 wieder zum Kirchenstaat, steht für dessen größte Ausdehnung.  Im Jahr 1860 verliert der Papst die Stadt an die Emilia-Romagna, im Jahr 1870 dann den Rest seines Staates an das Königreich Italien, und er wird als weltlicher Herrscher "abgesetzt". Er nennt sich daraufhin einen Gefangenen im Vatikan, 8/08 ("eingesperrt") und >lässt die Flügel sinken<, wie ein Vogel, der nicht mehr fliegen mag.    


3)4) Ein Teil der Bresse gehört zu Savoyen, das seit 1815 beim Königreich Sardinien-Piemont ist. Dessen König Viktor Emmanuel stammt wie sein Ministerpräsident Cavour (= >Vercelli<, 8/07) aus altem savoyardischem Adel.  Sie sind Vorkämpfer der Einheit der italienischen Nation.  Viktor Emanuel lässt sich 1861 zum König von Italien ausrufen, dessen provisorische Hauptstadt Turin wird (1861-65). Diese Gründung schwächt den Einfluss des imperialen Frankreich in Italien.  Frankreich hat lange den Papst und damit die Kleinstaaterei in Italien unterstützt.  Erst im Juli 1858 hat Kaiser Napoleon III. seine Italienpolitik zugunsten der Einigungsbewegung geändert (wikip. Sardinischer Krieg).    

Versuch, die Königin zu befreien, ihre Hinrichtung, eine 14.-Sekte

   01/07   Tard arriué l'execution faicte    
                Le vent contraire, letres au chemin prinses    
                Les coniures. xiiij. dune secte    
                Par le Rosseau senez les entreprinses. (1555)    

   

                Spät gekommen, die Hinrichtung ist ausgeführt,

                der Wind widrig, Briefe unterwegs abgefangen.

                Die Verschworenen (sind) von einer Vierzehnten-Sekte,

                durch den Rousseau werden die Pläne vereitelt. 


                    4) Lat. v. senescere alt werden, mittelfrz. (Go) v. sener kastrieren (châtrer),

                    räumen (débarrasser), berauben (priver).    
   
1)2) Marie-Antoinette, seit Januar 1793 verwitwet, 1/57, wird im August des Jahres in ihrem Gefängnis streng bewacht.  Ein Freund, der versucht, sie zu befreien, schickt ihr eine Nachricht.  Das Kassiber der Königin, ihre geheime Antwort kommt auf, wird "abgefangen". (Stefan Zweig, Marie-Antoinette, Eine Biographie, Frankfurt 1980, S. 498-508).  Das Todesurteil wird am 16.10.1793 vollstreckt.    


3)4) Der königstreue N. nennt die vorherrschende revolutionäre Gesinnung >widrigen Wind< und die Revolutionäre >Verschworene< einer >Sekte<.  Gemeint sind die Anhänger der revolutionären Republik, Exkurs (6) zum Begriff der secte bei N.  Jean Jacques Rousseau ist einer der geistigen Väter der Revolution.  Deren Erfolg am 14.7.1789 hat den 14. Juli zum französischen National-feiertag  gemacht; er wird am 14.7.1793 zum 4. Mal begangen.  Die Anhänger der Revolution vereiteln den Befreiungsversuch des Grafen Axel von Fersen.    

Rom von den Deutschen besetzt (September 1943)

   01/08   Combien de foys prinse cité solaire    
                Seras, changeant les loys barbares & vaines.    
                Ton mal s'aproche:  Plus seras tributaire    
                La grand Hadrie reourira tes veines. (1555)    

                Wie viele Male erobert, Sonnenstadt,

                wirst du werden, wenn Gesetze sich wandeln, barbarische und sinnlose!

                Dein Unheil naht, noch abhängiger wirst du sein,

                der große Hadrian wird erneut deine Adern öffnen.
   
                   4) Ein v. reourir gibt es nicht.  V.t. rouvrir wieder öffnen.  

                   Die Korrektur recourira zu Hilfe eilen der Ausgabe (1568) ergibt keinen Sinn.    
   
1)2) Weil für den Katholiken N. Christus das größte aller geistigen Lichter ist, ist die Sonnenstadt Rom (---> sol).  Nach der Revolution 1789 erobert eine französische Armee 1798 Rom und verschleppt den Papst, 1/75.  Im Jahr 1850 bringen erneut Franzosen Rom in ihre Gewalt, helfen aber diesmal einem Papst zurück auf seinen Thron, 6/13.    


3)4) Als Italien eine separate Waffenruhe mit den Alliierten schließt (3.9.1943), lässt Hitler Italien und Rom besetzen (10.9.43), 5/81.  Der Krieg, in den sich Italien an der Seite Deutschlands hat hineinziehen lassen, 8/31, ist nun in Italien angekommen, 8/81;  er ist das nahende Unheil.  Das Land ist "abhängig" von der Willkür des Usurpators und dem Befreiungskampf der Alliierten.  Das >Ausbluten< bedeutet, dass die Stadt das Leben aus eigener Kraft und eigenem Recht verliert. Kaiser Hadrian hat in den Jahren 132-36 die in Palästina ansässig gebliebenen Juden massakrieren lassen.  An allen fünf Fundstellen steht dieser alte Kaisername für Hitler (---> Hadrie).    

Alliierte zerstören den Cäsarenwahn der italienischen Faschisten

   01/09   De l'Orient viendra le cueur Punique    
                Facher Hadrie & les hoirs Romulides,  
                Accompaigne de la classe Libycque,  
                Trembler Mellites: & proches isles vuides. (1555)   

                Vom Orient wird er kommen, der punische Kampfesmut,

                zu erzürnen Hadrian und die Erben der Romuliden,

                begleitet von der libyschen Flotte.

                Es beben die Malteser und die nahen unbewohnten Inseln.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.m. coeur auch: Mut (courage), Wille (volonté), Geist (esprit).  

                   Die Punier in Nordafrika sind Gegner der Römer in der Antike.
   
Die Romuliden sind die Nachfahren des Romgründers Romulus.  Die italienischen Faschisten träumen 1922ff vom Imperium ihrer antiken Vorfahren.  Die Briten haben 1943 Stützpunkte in Gibraltar, Malta, Alexandria und Palästina;  die beiden letzten gehören zum Orient.  Im Mai kapituliert das deutsche Afrika-Korps, Libyen und Tunesien sind in alliierter Hand.  Von da aus landen sie ab dem 10.7.43 auf Sizilien.  Dass Briten und Amerikaner hier Nordafrikaner (Punier, Libyer) genannt werden, weil sie von da kommen, ist absichtliche Verschleierung. 


Bei Malta kreuzen sich die Nachschubwege der Alliierten und der Achsenmächte.  Die Insel erleidet ab Dezember 1941 bei deutschen Luftangriffen schwere Zerstörungen.  Denn sie dient den Alliierten als stationärer Flugzeugträger.  Malta ist ein Archipel aus drei bewohnten und zwei kleinen unbe-wohnten Inseln. 

   

Zwei Monate nach der Landung auf Sizilien lässt der erzürnte große ---> Hadrian Italien samt Rom besetzen, 1/08.    

Ein Emporkömmling erweist sich als Bestie und Mussolini als treulos

   01/12   Dans peu dira faulce brute, fragile,  
                De bas en hault esleué promptement:    
                Puys en instant desloyale & labile    
                Qui de Veronne aura gouuernement. (1555)    

                In Kürze wird man nennen eine verkehrte, schwache Bestie,

                (den, der) von unten nach oben emporgehoben (wurde) geschwinde.

                Dann gleich (erweist sich als) treulos und unbeständig,

                der über Verona die Regierungsgewalt haben wird.
   
1)2) Im ersten Weltkrieg nur Gefreiter, wird Hitler von den Eliten der Weimarer Republik belächelt, sogar noch, als er 1933 an die Macht gekommen ist (Emporkömmling).  Nach Kriegsende wird er auch von manchen Deutschen als "Bestie" eingestuft, als der Umfang der Gräuel gegen die Juden allgemein bekannt wird.  

   
3)4) Im Wendejahr 1943 des Krieges zeigt sich das verbündete Italien, verkörpert durch den Duce, aus deutscher Sicht (!) als "treulos und unbeständig".  Mussolini wird am 26. Juli 1943 abgesetzt, 6/31, und dann inhaftiert.  Ab Anfang August führt Italien Geheimverhandlungen mit den Alliierten.  N. nimmt die Beschimpfung der Italiener als Verräter in der deutschen Propaganda wahr ("treulos").  Die Deutschen befreien den Duce und stellen ihn an die Spitze der >Italienischen Sozialrepublik<, eines kurzlebigen Satellitenstaates des deutschen Reichs.  Sitz dieser Regierung ist Salo am Gardasee, wo Verona nicht weit ist. 

   
Zeitangaben: "Geschwind", vierzehn Jahre nach der Demütigung Deutschlands in Versailles, kommt Hitler empor.  Weitere zehn Jahre vergehen bis zur Endphase des Holokaust ab 1943, "in Kürze" begründet Hitler seinen Ruf als Bestie.  "Dann gleich", im selben Jahr noch, wird sein Verbündeter entmachtet.  Das ist aus großer Distanz gesprochen, aus der Überschau der Zeiten.  

 

Exiladel trägt bei zum Ende der Monarchie in Frankreich

   01/13   Les exiles par ire, haine intestine,    
               Feront au roy grand coniuration:    
               Secret mettront ennemis par la mine,    
               Et ses vieux siens contre eux sedition. (1555)   

               Die Exilanten werden, aus Zorn und tiefem Hass,

               gegen den König eine große Verschwörung anzetteln.

               Heimlich werden sie Feinde schicken im Tunnel,

               und seine alten Gefolgsleute (betreiben) gegen sie den Aufstand
   
                  3) Mittelfrz. (Greimas) n.m. mine auch:  Tunnel, der bei einer Belagerung unter

                  den Befestigungsmauern angelegt wurde  (tunnel qu'on pratiqait pendant un siège

                  sous les murailles d'une fortification).    
   
Die Emigranten, voran der jüngste Bruder des Königs, versuchen 1789ff, die europäischen Mächte zum Krieg gegen das Regime der Revolution zu bewegen.  Nach der gescheiterten Flucht der Königsfamilie am 21.6.1791 verstärken sie ihre Bemühungen.  Der Comte d'Artois erreicht, dass die bei Dresden versammelten Fürsten, darunter der Kaiser aus Österreich, erklären, dass der König von Frankreich wieder in seine Rechte als Souverän eingesetzt werden müsse (Pillnitzer Deklaration vom 27.8.1791).  Die Initiatoren bleiben im Hintergrund (Heimlichkeit und Verschwörung).  

 

Die Erklärung trägt dazu bei, dass in Paris ein Klima der Konfrontation entsteht, in dem die Kriegs-erklärung an Österreich im April 1792 beschlossen wird.  Während des Krieges wird der König im September 1792 abgesetzt und die Republik ausgerufen.  Die implizite >Festung<, die geschleift wird (---> forteresse), ist die Institution der Monarchie in der Defensive, wie in 8/37.  Der >Tunnel< unter der Festungsmauer zeigt an, dass die Revolutionäre als innere Feinde der Monarchie zusammen mit im Exil lebenden Franzosen  diese >Festung<, d.h. die Monarchie zu Fall bringen.    

Menschen im Gefängnis wegen ihrer religiösen Gesinnung

   01/14   De gêt esclaue chansons, châtzs & requestes,    
                Captifs par princes & seigneur aux prisons:    
                A l'auenir par idiots sans testes    
                Seront receus par diuins oraisons. (1555)    

                Von versklavter Schar (ertönen) Lieder, Gesänge und Bitten,

                gefangen von Fürsten und Herr(en) in Gefängnissen.

                Für die Zukunft werden sie als Einfältige ohne Hirn

                erkannt werden wegen der an Gott gerichteten Gebete.
   
Menschen werden wegen ihrer religiösen Gesinnung, die sich in Gesängen und Gebeten äußert, von der Obrigkeit in Gefängnisse gesteckt.  Sie könnten sich ihrem Los entziehen, tun es aber nicht, obwohl man ihnen dazu rät, 9/47.  Wer nichts verbrochen hat und es sich doch gefallen lässt, wegen seiner Gesinnung eingesperrt zu sein, wird denen als "einfältig ohne Verstand" gelten, die sein Gottvertrauen nicht teilen.  Es liegt hier wohl jene Art von >Dummheit< vor, die Verfolgung, wo sie wegen des Glaubens unausweichlich wird, auf sich nimmt, 1 Kor 4,9-13.  Man kann hier an die letzte Zeit der alten Erde denken, wenn "das heilige Volk Gottes, in Befolgung seiner Gebote, und jeder christliche Orden schwer verfolgt und heimgesucht werden wird", VH (42).    

 

Siebzigmal wird Blut vergossen 

   01/15   Mars nous menasse par sa force bellique  
               Septante foys fera le sang espandre:   
               Auge & ruyne de l'Ecclesiastique    
               Et plus ceux qui d'eux riê voudrôt entendre. (1555)    

               Mars bedroht uns mit seiner kriegerischen Macht,

               siebzigmal wird er das Blut vergießen.

               Aufstieg und Sturz des Klerikersm

               und mehr noch jener, die von ihnen nichts werden wissen wollen.
   
1)3) Das "Wir" der ersten Verszeile ist im Kontext des Klerikers nicht die Nation des Sehers, sondern die katholische Christenheit.  "Der" Kleriker ist der Papst, weil N. sich für das Schicksal der ganzen katholischen Kirche interessiert hat.  "Aufstieg und Sturz":  Der letzte Papst wird eine Zeit lang glauben, dass seine Kirche durch Zusammengehen mit dem >wiedergekommenen Heiland<, 1/95, einen ungeahnten Aufstieg erleben werde.  Aus seinen Höhenflügen stürzt er hart ab, wenn die Glaubenslehren seiner Kirche verboten werden, 10/65. 


2)4) Die Übersetzung der hebräischen Bibel in das Alltagsgriechisch der Zeit heißt Septuaginta (lat. = siebzig), weil sie der Legende nach von siebzig Autoren verfasst wurde.  >Blut< kann die katholischen Glaubensinhalte bedeuten, die aus N.s Sicht den Menschen geistig beleben (---> sang).  Wenn siebzigmal Blut vergossen wird, bedeutet das die vollständige >Abschaffung< der Bibel (AT = pars pro toto), VH (42).  >Krieg< ist hier die Unterdrückung des Glaubens durch ein totalitäres Regime.  Erst auf der neuen Erde sind dann jene Menschen, die an der Haltung der Liebegebote, an der Wahrheit und am ewigen Leben nicht interessiert sind, nach ihrem Aufstieg "gestürzt" und nicht mehr da.    

Die Geister scheiden sich am Wort Gottes 

   01/17   Par quarante ans l'Iris n'aparoistra,  
               Par quarante ans tous les iours sera veu:  
               La terre aride en siccité croistra,    
               Et grands deluges quand sera aperceu. (1555)    

               Vierzig Jahre hindurch wird der Regenbogen nicht erscheinen,

               vierzig Jahre wird er alle Tage zu sehen sein.

               Das verdorrte Land wird während der Trockenheit wachsen,

               und große Überschwemmungen (gibt es), wenn er zu sehen ist.
   
Wörtlich verstanden, ist der Vers ein barer Unsinn, da würde niemand überleben, und brauchte auch niemand mehr eine Prophetie.


''..wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt.., so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück", Jes 55,10.   Das Wort Gottes ist >lebendiges Wasser<, das den Geist transportiert, der lebendig macht, wenn er im Herzen aufgenommen wird, Joh 4,6ff; 6,63.


Die Zahl vierzig deutet biblisch auf die Trennung von der Welt, Übergang, Prüfung, Reinigung.  Als die Sintflut nach vierzig Tagen abzieht, geht ein Regenbogen auf zum Zeichen des erneuerten Bundes Gottes mit der gereinigten Schöpfung, Gen 9,12.  >Erde< kann bei N. Menschen im irdischen Leben bedeuten (---> terre), und >Trockenheit< die Abwesenheit des >lebendigen Wassers<, d.h. des Wortes Gottes (---> siccité).

   
Z u s a m m e n f a s s u n g:  In der letzten Zeit der alten Erde erreicht >das verdorrte Land<, d.h. die Gottvergessenheit der Menschen, seine größte Ausdehnung.  Aber ebenso gipfeln die Bemü-hungen des Himmels um ihre Rückgewinnung in >Überschwemmungen< mit dem prophetischen Wort.  Ein Beispiel ist das Werk Jakob Lorbers (1800-1864).    

Fremde Zelte im Tal der Loîre, es sind keine Touristen

   01 /20   Tours, Orleâs, Bloys, Angiers, Reîs, & nâtes 
                  Cités vexées par subit changement: 
                  Par langues estrâges seront tendues tentes   
                  Fluues, dards Renes, terre & mer trêblemêt. (1555)  

 

                  Tours, Orleans, Blois, Angiers, Reims und Nantes,

                  Städte gepeinigt durch plötzliche Veränderung.

                  Durch fremde Sprachen werden Zelte aufgespannt,

                  Flüsse, Spieße (in) Rennes, Erschütterung (auf) Land und Meer.
   
                      2) Mittelfrz. (Gr) v. vexer peinigen (tourmenter).    
   
Nach der Landung der Alliierten in der Normandie werden die genannten Städte im Tal der Loîre sowie Rennes und Reims bis zum August 1944 von der deutschen Besatzung befreit, zuletzt Reims am 30.8.44. Amerikanische Feldlazarette, in Containern und Zelten untergebracht, folgen den Fronten eines Bewegungskrieges.  Aber "Peinigung" und "Erschütterung" sind kein eindeutig militärischer Kontext. -    


Das >Land< kann für den weltlichen, das >Meer< für den religiösen Bereich stehen (---> terre, ---> mer).  Das >Beben auf Land und Meer< (---> tremblement) kann die Erschütterungen durch den Bann gegen die alten Religionen bedeuten, 9/83.  Der kommt "auf einen Schlag", 8/41;  "plötzlich gekommen, wird der Schrecken groß sein", 5/65.

Die Zelte deuten auf Eindringlinge, die weiterziehen nach getaner Tat.  Sie sprechen wohl arabisch, ihre religiöse Sprache ist der Islam.  Wenn die alten Religionen dann illegal geworden sind, sollen die Fremden die >neue Religion< durchsetzen, in Italien, 9/80, hier in Frankreich  -  für die Christen noch eine >fremde Sprache< auf dem Feld der Religion (---> langue).    

Ein Fels spendet geistige Säuglingsnahrung 

   01/21   Profonde argille blanche nourrir rochier,  
                Qui d'vn abysme istra lacticineuse,    
                En vain troubles ne l'oseront toucher  
                Ignorants estre au fond terre argilleuse. (1555)    

                Tiefen weißen Ton nährt ein Felsen,

                der aus einem Abgrund hervorgehen wird milchspeiseartig.

                Vergebens verwirrt, werden sie nicht wagen, ihn zu berühren,

                nicht wissend, dass sie im Grunde Tonerde sind.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) v. istre, issir hervorgehen (sortir).    

                   3) Mittellat. n.n. lacticinium Milchspeise.  

                   4) Wendung au fond im Grunde genommen, eigentlich.    
   
Der >Fels Israels< ist der Gott der Israeliten, Gen 49,24.  Frühe Christen erkannten in Christus den geistlichen Felsen, von dessen Quell sie tranken, 1 Kor 10,4.  Den Menschen, die durch die Erfahrung des Abgrunds von Krieg und Kataklysmus gegangen sind, bietet sich ein >Fels<, ein Mann Gottes als Retter an (---> roche).  Nach dem Absturz sind die Überlebenden "verwirrt", müssen sich neu orientieren.  N. vergleicht sie mit >weißer Tonerde<, d.h. die Überlebenden sind formbar und halten sich für geläutert, 1/69.  

Bei ihrer Orientierungsuche werden sie von einem >Felsen< bedient.  Der fühlt sich zum "Formgeber" berufen, 9/12, und scheint es leicht zu haben, die Menschen nach seinem Willen zu modellieren.  Wer geistig oder religiös ohne Bindung ist, ist formbar.  Einem Mann, der die Identität Christi als Maske trägt, 4/24, wird mit Ehrfurcht begegnet, Vz 3.  Sie halten ungeprüft für wahr, was er zu sagen hat.  Einem vermeintlichen Mann Gottes wird kindliches Vertrauen geschenkt, und er spendet geistige Säuglingsnahrung.  Die Neuorientierung basiert auf Täuschung, ist "vergebens". 

   

Ein Adler hilft einem Leoparden und >lässt die Sonne aufgehen<

   01/23   Au mois troisiesme se leuant le soleil,    
                Sanglier, liepard au châp mars pour côbatre:    
                Liepard laisse au ciel extend son oeil,    
                Vn aigle autour du soleil voyt s'esbatre. (1555)    

                Im dritten Monat, wenn die Sonne sich erhebt,

                (stehen) Keiler, Leopard auf dem Schlachtfeld kampfbereit.

                Leopard im Stich gelassen, reckt sein Auge zum Himmel,

                sieht einen Adler um die Sonne herum sich tummeln.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. laisser aufhören (cesser), im Stich lassen, verlassen,

                   räumen (abandonner).    Lat. v. extendere ausstrecken.    
   
Der Leopard steht für Großbritannien, das drei Leoparden im Wappen hat, 7/16.  Nach der Landung bei Antibes, 10/23, ist Napoleon am 20.3.1815 wieder in Paris und wieder an der Macht.  Er hat vierzehn Jahre lang, 7/13, "ein sehr großes Toben und Wüten" entfacht, 5/60, und die alte Ordnung Europas zerstört, 5/61.  Daher tritt er als gefährlicher Keiler ins Bild.  (Keiler bedrohen in anderem Kontext Christen ohne den Schutz eines Herrschers, 9/10).               

 

Im dritten Monat nach der Rückkehr kämpfen am 18.6.15 bei Waterloo die Briten gegen das Heer Napoleons.  Der erschöpfte Leopard erhält Hilfe vom preußischen Adler (wikipedia Schlacht bei Waterloo).  Wellington am Spätnachmittag wird zitiert mit:  ''Night or the Prussians must come".  Die Preußen unter Blücher kommen gerade noch rechtzeitig.  Preußen hilft, den >Keiler< zu besiegen, 2/23.  Aus der Sicht des Königstreuen N. macht Preußen sich dadurch verdient um das Gottesgnadentum (wikip.) des Ancien Regime, das anschließend in Frankreich restauriert wird, 10/76.  Die >Sonne< bedeutet bei N. den in Christus offenbar gewordenen Vater (---> sol). 

   

Ein Hirte, lange vermisst, wird erneut angetroffen

 

   01/25   Perdu, trouué, caché de si long siecle    
                Sera pasteur demi dieu honore,    
                Ains que la lune acheue son grand cycle    
                Par autres veux sera deshonoré. (1555) 
  

                Verloren, gefunden, verborgen für sehr lange Zeit,

                wird (der) Hirte halb wie Gott geehrt werden.

                Wenn der Mond seinen großen Zyklus vollendet hat,

                wird ihm durch andere Autoritäten die Ehre aberkannt.
   
                   2) N.m. demi-dieu  1. Mensch mit außerordentlichen Eigenschaften  2. Halbgott.    

                   4) "veux" ist ein fehlerhaft gesetztes "vieux" Alte.    
   
1)2) Die ersten Menschen sind aus dem Paradies vertrieben worden und haben danach das Interesse an Gott verloren, Gen 6,5-8.  In der Person Jesu Christi, der von sich sagt "Ich bin der gute Hirte", Joh 10,11, ist Jahrtausende später Gottes Sohn angetroffen worden im Urteil derer, die ihn angenommen haben.  Dann ist er wieder für "sehr lange Zeit verborgen" geblieben, jedenfalls für den, der ihn draußen in der Welt erwartet hat.  Doch nun nähert sich erneut ein >Hirt< der Menschheitsherde.  Anders als bei seinem >ersten Auftreten< vor 2000 Jahren werden ihm nun höchste Ehren zuteil, 10/71.     


3) Der "große Zyklus des Mondes" kann die gesamte Lebensdauer des Islam bedeuten.  Denn die islamischen Glaubensgemeinschaften werden wie die der anderen Offenbarungsreligionen durch den zum Weltherrscher aufgestiegenen >Hirten< zerstört, 1/30, 10/30, 8/77.    


4) Der vermeintlich >Wiedergekommene< wird sich als der große Richter der Geschichte aufspielen, 10/73.  Später sprechen Kleriker ihrerseits ein Urteil über ihn:  Er sei "untreu" (desloial, 10/73) geworden, habe die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt.  In Wahrheit sind  s i e  Jesus Christus untreu geworden, indem sie den Falschen als >wiedergekommenen Heiland< ausgerufen, ihn bejubelt, sich an ihn gebunden und dadurch groß gemacht haben. -     Das ist ein Urteil, keine Verurteilung.  

Ein Schatz wird unter einer Eiche gefunden 

   01/27   Dessoubz de chaine Guien du ciel frappe, 
                Non loing de la est caché le tresor,  
                Qui par longs siecles auoit este grappé, 
                Trouue mourra:  l'oeil creué de ressort. (1555)   

                Unter (einer) Eiche großer Führer vom Himmel geschlagen,

                nicht weit von dort ist verborgen der Schatz,

                der lange Zeiten hindurch gesammelt gewesen war.

                (Der ihn) gefunden (hat), wird sterben.  Das Auge ausgestochen vom Zuständigen.
   
                    1) Mittelfrz. (Go) n.m. guion Führer (guide).    

                    3) Mittelfrz. (Gr) v. graper auch: sammeln (recueillir).    

                    4) N.m. ressort Feder;  Fach, Zuständigkeit.    
   
Die Wiederkunft Christi, im Neuen Testamen angesagt, Mk 13, 24-27, ist der >Schatz<.  Verborgen war er, weil die Christen nicht wussten, wann, wo und wie Christus wiederkehren werde.  Aber man hat die Hoffnung nie ganz aufgegeben, lange an ihr festgehalten.  Nach dem Kataklysmus tritt ein Mann auf, der sich verdächtig macht, 1/95.  Die römische Kurie fängt Feuer, 8/13.  Ein "großer Führer", eine "große Kappe", 8/19, will >den Schatz heben<.  

 

Wo er gefunden wird, ist eine Eiche nicht weit.  Eichen wachsen im Tempelbezirk des Zeus;  Zeus war der oberste Gott der griechischen Antike.  Der neue Messiasprätendent steigt, auch dank der anfänglichen Hilfe des >Schatzfinders<, zur weltweit höchsten religiösen Autorität auf.  Wenn >Zeus< später seine >Blitze< schleudert, wird der >Schatzfinder<, der zugleich das >Auge< ist, das die Orthodoxie beaufsichtigt (oberster episkopos), 1/06, entmachtet;   bildlich wird dieses >Auge ausgestochen<, 3/41.    

>Starke Woge trägt landtauglichen Fisch ans Ufer<

   01/29   Quand le poisson terrestre & aquatique 
                Par forte vague au grauier sera mis,
                Sa forme estrange suave & horrifique,
                Par mer aux murs bien tost les ennemis. (1555) 

                Wenn der Fisch, land- und wassertauglich,

                durch eine starke Woge an den Strand getragen wird,

                (erscheint) seine fremdartige Form lieblich und schrecklich.

                Über's Meer zu den Mauern (kommen) recht bald die Feinde.
   
Warum es nicht die Landung der Alliierten in der Normandie sein kann, wird in Vorschau (III) erklärt. 

Ein grausiger landtauglicher Fisch lässt sich aus dem Wasser ziehen, 3/21.  Die Herkunft aus dem Meer besagt, dass der Gemeinte dem Bereich der Religion anzugehören den Anschein erweckt.  Er fängt an als begeisternder Prediger, 4/31, ist aber auch Diplomat, 4/15, also politisch kompetent, dem Bilde nach >landtauglich<.  Die fremdartige, amphibische Form ist ein Bild für den Anschein der doppelten Kompetenz und Zuständigkeit. 


Überlebende haben die drohende Vernichtung durch Krieg und Naturgewalten erfahren, suchen einen Retter.  Die >Woge<, die den Retter >an Land< trägt, bedeutet die Schubkraft, die die Hoffnung auf Rettung durch Frieden entfaltet.  Wer diese Hoffnung mit dem >Fisch< verbindet, dem erscheint er "lieblich".  Am Ende Schrecken durch Feinde:  Kirchen, die geistlich Schutz bieten, werden entkernt, es bleiben nur tote Mauern, die niemanden mehr schützen, 10/65.    

Fremdes Schiff landet bei unbekanntem Hafen 

   01/30   La nef estrange par le tourment marin    
                Abourdera pres de port incongneu,  
                Nonobstant signes de rameau palmerin    
                Apres mort, pille:  bon auis tard venu. (1555)    

                Das fremde Schiff wird durch den Seesturm hindurch

                anlanden nah bei einem unbekannten Hafen.

                Trotz Signalen des Palmzweiges

                (erleidet es) danach Tod, Plünderung.  Guter Rat ist spät gekommen.
   
                   1) N.m. tourment Qual.  N.f. tourmente Sturm, Unwetter (tempête) (---> tempeste).    
   
1)3) Das >Fischerboot< ist die katholische Kirche, 1/04, das >Meer< der gesamte Bereich der Religion (---> mer).  Das >fremde Schiff< steht für die Glaubensgemeinschaft(en) des Islam, der >Seesturm< für eine akut gewordene Rivalität Orient-Okzident, für die sich N. zeitenübergreifend interessiert.  Mit Palmzweigen wird Jesus beim Einzug in Jerusalem begrüßt;  sie bedeuten den Frieden mit Gott, Offb 7,9.  Hier signalisieren sie die Ehrungen, die dem >Wiedergekommenen< zuteil werden.    


2)4) Das >Haupt der Weisheit<, 5/31, bietet seine >Friedenskompetenz< an als >Hafen<, den alle Religionen anlaufen können (---> port). Auch das >fremde Schiff< nimmt Kurs darauf.  Aber später wird dieser >Hafen zerstört<, 10/80.  Die dort ankernden >Schiffe<, auch die islamischen, 10/30 Vz 4, erleiden eine >Plünderung<, ihre Besatzung den Tod, sofern sie nicht von Bord geht, 9/79.  Die >neue Religion<, die der >Weise< am Ende verordnet, bedient sich beim Geistesgut der alten Religionen, ist Ideologie und ein synkretistisches Konglomerat.    

Die großen Drei  -  Von Teheran bis Potsdam

   01/31   Tant d'ans les guerres en Gaule dureront, 
                Oultre la course du Castulon monarque,    
                Victoire incerte trois grands couronneront  
                Aigle, coq, lune, lyon, soleil en marque. (1555)   

                So viele Jahre werden die Kriege in Frankreich andauern,

                über den Lauf des kastilischen Monarchen hinaus.

                Sieg (noch) ungewiss, werden sie drei Große krönen,

                indem sie Adler, Hahn, Mond, Löwe (und) Sonne markieren.
   
                   2) Mittelfrz. Präp. oultre über etw. hinaus (au-dela qch.).  

                   Castulon ist ein abgewandeltes castillan Kastilier, kastilisch, wie in 1/93.    
                   3)4) Mittelfrz. (Gr) n.f. marque auch: Grenze (limite).   Die unklare Syntax

                   der 2. Vershälfte klärt sich, wenn "en marque" ein verstümmeltes Gerund    
                   ''en marquant" ist, reim- und versmaßbedingt verkürzt.    

   
1)2) Die spanische Monarchie erhält sich bis 1931, als Alfons XIII. ins Exil geht.  Der erste Krieg in Frankreich nach 1931 ist der zweite Weltkrieg. 


3)4) Seit Dezember 1941 besteht die Anti-Hitler-Koalition aus drei Hauptmächten:  Großbritannien, der Sowjet-Ubion und den USA.  Im November 1943, als der Krieg noch nicht aus ist ("Sieg noch unge-wiss"), treffen sich die Chefs dieser Koalition erstmals, 4/59.  Seitdem werden US-Präsident Roosevelt, der sowjetische Regierungschef Stalin und der britische Premier Churchill von der anglo-amerikanischen Presse The Big Three genannt.  Ihnen werden keine Kronen aufgesetzt, aber sie bestimmen als Entscheidungsträger über die militärische Strategie.  

 

Dass sie dann auch (1945 in Jalta und Potsdam) über die Grundlinien der Nachkriegsordnung bestimmen, weiß Vz 4.  Es müssen Grenzen "markiert" werden.  Zu den Markierenden gehört der britische "Löwe" als Siegermacht.  Der gallische "Hahn" beansprucht einen Sektor in Deutschland. Passiv beim Markieren ist der unterlegene deutsche "Adler".  Am Rand geht es um den >Mond<, Stalin beansprucht Libyen.  Die Grenzen der >Sonne< (---> sol), wo die christliche Religion ungehindert ausgeübt werden darf, werden bestimmt, indem der Machtbereich der Sowjet-Union festgelegt wird.

Schlacht bei Lodi an der Adda, Belagerung Mantuas

   01/33   Prés d'vn grand pont de plaine spatieuse,  
                Le grand lyon par forces Cesarées    
                Fera abbatre hors cité rigoreuse,    
                Par effroy portes luy seront reserées. (1555)
    

                Nah bei der großen Brücke der weiträumigen Ebene

                wird der große Löwe (erscheinen) mit cäsarischen Truppen.

                Er wird (Feinde) niederwerfen, hinaus aus unbeugsamer Stadt.

                Erschrocken werden ihm die Tore aufgesperrt.
   
                   3) Adj. rigoreux streng, unerbittlich > lat. rigorosus starr, unbiegsam.    

                   4) Lat. v. reserare aufsperren, öffnen    
   
1)2) Nach Siegen über die Piemontesen, 7/30, beginnt im Mai 1796 eine französische Armee unter dem Oberkommando des Generals Napoleon Bonaparte, der den Löwen im Namen hat, 1/76, mit der Eroberung der Lombardei.  Den Po haben die Franzosen, von Süden kommend, bei Piacenza überquert.  Bei Lodi an der Adda kommt es am 10.5.1796 zum Kampf mit den Österreichern.  Die von der Artillerie des Gegners gesicherte, etwa 200 Meter lange Brücke im Sturm zu nehmen, ist gewagt. Aber es gelingt, und die Erstürmung wird legendär für Napoleons militärisches Genie.  Die Brücke ist >groß< Sinne von berühmt (Cronin S. 148-151).    


3)4) Fünf Tage später zieht Napoleon in Mailand ein und belagert anschließend Mantua, mit Erfolg, 7/15. Dann geht es weiter nach Venetien, 8/33.  Der erste Italienfeldzug legt den Grundstein für Napoleons Ruhm als Feldherr und wird zum Ausgangspunkt seiner politischen Karriere.  Er steigt sogar zum Kaiser auf, weshalb N. aus seiner Überschau die Truppen unter Bonaparte hier schon "cäsarisch" nennt.  Aus dem wird mal ein Kaiser, hätte 1796 ansagen können, wer den Vers damals verstanden hätte.    

 

"Peace for our time"  (München 1938)

   01/34   L'oyseau de proye volant a la senestre    
               Auant conflit faict aux Francoys pareure    
               L'vn bon prendra, l'vn ambigue sinistre,    
               La partie foyble tiendra par bon augure. (1555)    

 

               Der Raubvogel fliegt nach links,

               (wird) vor dem Konflikt den Franzosen Zusicherung gegeben haben.

               Der eine nimmt es für gut, der andere als zweideutig, unheilvoll.

               Die schwache Partei wird am guten Vorzeichen festhalten.
   
                  2) Altes n.m. parère rechtswirksame Bescheinigung, vom alten v. parer

                  schützen (protéger), zusichern (garantir) (Großer Larousse parer 3.).    
   
1)2) N. nennt Hitler einen "finsteren Räuber", weil Landraub sein wichtigstes Kriegsziel ist, 9/76. Raubvogel Hitler hat im September 1938 die Regierungschefs Großbritanniens und Frankreichs auf eine Konferenz nach München geladen.  Er wendet sich nach Westen (links auf der Landkarte), fliegt also nicht selbst, lässt aber die Verhandlungspartner von Westen einfliegen.  Es geht um die von Deutschen besiedelten Gebiete in der Tschechoslowakischen Republik.  Das Ergebnis ist Hitlers Zusicherung, dass die Abtretung des Sudetenlandes seine letzte Gebietsforderung sei.  

   
3)4) Aber darf man einem Raubvogel, der seine Beute für heute geschlagen hat, glauben, er werde auch morgen noch satt sein?  Die offizielle Politik in Großbritannien und Frankreich "nimmt" Hitlers Zusicherung "für gut".  Denn militärisch gehört Großbritannien damals zur "schwachen Partei", 9/94.

   

Fanfaren, dann sirbt ein alter Löwe einen grausamen Tod

   01 /35   Le lyon ieune le vieux surmontera,  
                 En champ bellique par singulier duelle,  
                 Dans caige d'or les yeux luy creuera:  
                 Deux classes vne, puis mourir, mort cruelle. (1555)  

                 Der junge Löwe wird den alten Löwen besiegen

                 auf dem Schlachtfeld im Kampf Mann gegen Mann.

                 Im Käfig aus Gold die Augen wird er ihm ausstechen,

                 zwei Fanfaren, (noch) eine, dann stirbt er einen grausamen Tod.
   
                    2) Ein combat singulier ist ein Zweikampf, gleichbedeutend

                    das n.m. duel Duell, Zweikampf.        

                    4) N.m. glas Totengeläut > mittelfrz. (Go) n.m. clas Trompetensignal,

                    Fanfare (son de trompette) > lat. n.n. classicum Fanfare (der ein n.f.

                    classis Heer folgt).  Regulärer Plural wäre clas, nicht classes.    
   
Zwei Hinweise gibt es, dass es um einen König geht.  Der Löwe galt als der König der Tiere, dem Physiologus zufolge, einem im 16. Jahrhundertneu aufgelegten antiken Buch.  Der >Sonne< (Gott) entspricht irdisch das >Gold< (Lehren Christi);  es verweist auf das christliche Königtum, einen christlichen Herrscher (---> or).       

 

Das >Schlachtfeld< ist die Stechbahn in der Pariser Rue St.-Antoine.  Am 30.6.1559 schwitzen die Turnierteilnehmer in ihren Panzern.  Aber unter den Augen der Damen einen Gegner aus dem Sattel zu werfen, ist verlockend.  Beim Tjost ertönt vor jedem Stechen eine Fanfare.  Beim ersten Gegner des Königs Henri II., dem Herzog von Savoyen, gelingt der Abwurf;  der zweite, der Herzog von Guise, hält stand.  Die zerbrochene Lanze des dritten, eines sieben Jahre jüngeren Gefolgs-mannes, dringt beim Aufeinanderprallen durch den Helm des Königs (>goldener< Käfig) in ein Auge und weiter ins Hirn (Jean Orieux [1985] S.199 ff).  Der Vierzigjährige stirbt zehn Tage später nach qualvollem Krankenlager.  Mehrere Warnungen hat er ignoriert, 4/57.    

 

Henri Trois letzter Valois auf dem Thron Frankreichs

   01/36   Tard le monarque se viendra repentir    
                 De n'auoir mis à mort son aduersaire:    
                 Mais viendra bien à plus hault consentir 
                 Que tout son sang par mort fera defaire. (1555)   

                 Spät wird der Monarch bereuen,

                 seinen Widersacher nicht in den Tod geschickt zu haben.

                 Doch wird er dem Höchsten gänzlich beistimmen/  und wird

                 sein ganzes Geblüt durch Tod eine Niederlage erleiden lassen.
   
Im Edikt von Nemours hat König Henri III. auf Druck der katholischen Liga 1585 die protestantische Religion in Frankreich verboten.  Im Sommer 1588 muss er erneut die uneingeschränkte Katholizität Frankreichs bestätigen.  Damit stimmt er dem Papst bei, denn der duldet keine anderen christlichen Konfessionen.     

Die Ausweglosigkeit seiner Lage bestimmt den König, auf der Ständeversammlung in Blois im Dezember 1588, seinen Widersacher Henri de Guise und dessen Bruder ermorden zu lassen.  Das geschieht im fünfzehnten und vorletzten Jahr seiner Herrschaft.  Das späte Bedauern, etwas nicht getan zu haben, bedeutet hier also, dass das Unterlassene schließlich doch noch getan wird, 1/85.  Der Kinderlose wird ein halbes Jahr später dann selbst ermordet.  Damit ist er der Letzte aus dem Geblüt der Valois auf dem Thron Frankreichs.    

Kurz bevor die Sonne sich verbirgt, gibt es Krieg 

   01/37   Vng peu deuant que le soleil s'esconse    
                Conflict donné, grand peuple dubieux:    
                Proffligés, port marin ne faict responce,    
                Pont & sepulchre en deux estranges lieux. (1555)    

                Kurz bevor die Sonne sich verbirgt,

                gibt es Krieg.  Ein großes Volk unschlüssig.

                Überwältigte, Hafen am Meer gibt keine Antwort..

                Brücke und Grab an zwei fremden Orten.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) v. s' esconser sich verbergen (se cacher), untergehen (Sonne).

                   2) Lat. Adj. dubius unsicher, unschlüssig; unsicher, gefährlich.

                   3) Lat. v. profligare niederschlagen, überwältigen, vernichten, stürzen.    
   
1) "Kurz bevor ... Krieg".  Parallele: "Während der behaarte Stern erscheint, werden die drei großen Fürsten zu Feinden", 2/43.  Wenn beide Sätze in denselben Kontext gehören, "verbirgt sich" die Sonne nach der Erscheinung des gemeinten Kometen.  Eine Verfinsterung der Sonne (eclipse solaire) gibt es in einem julianischen Oktober = 14.10. bis 14.11., VH (18), und hält drei Tage an, 1/46.  Von der Entdeckung eines neuen Kometen bis zur Zeit seiner größten Erdnähe dauert es meistens nur einige Monate, selten länger als ein Jahr ("kurz bevor...").    


2) "Großes Volk unschlüssig".  Da N. hauptsächlich Frankreich und Europa in den Blick nimmt, ist es wahrscheinlich ein Krieg in Europa.  Da einzugreifen, sind die USA verpflichtet, wenn NATO-Staaten angegriffen werden (vorausgesetzt, die USA sind noch in der NATO).  Aber sie zögern. 

  
3) Häfen sind nicht mehr erreichbar;  vielleicht sind sie zerstört;  Hilfe aus Großbritannien oder den USA bleibt auch deshalb aus.    


4) Die >Brücke< kann der Papst (pontifex maximus) sein;  er verlässt Rom, 2/41.  Das >Grab< kann ein >Auferstandener< sein (---> sepulchre).

>Weltfriedensordnung<

   01/38   Le Sol & l'aigle au victeur paroistront:    
                Responce vaine au vaincu l'on asseure,  
                Par cor ne crys harnoys n'arresteront    
                Vindicte, paix par mort si acheue à l'heure. (1555)    

                Die Sonne und der Adler werden beim Sieger erscheinen.

                Eine nutzlose Garantie wird dem Besiegten gegeben.

                Ganz leise werden sie die Waffen  n i c h t  wegsperren.

                Rache, Frieden vollendet sich pünktlich durch Tod.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.f. response auch: Garantie,  mittelfrz. v. asseurer

                   jds. Sicherheit garantieren (garantir sûreté de qu), versprechen (promettre).    
                   3) Wendung à cor et à cri ungestüm, lauthals, hier durch Verneinung ins

                   Gegenteil verkehrt.   Mittelfrz. (Gr) n.f. vindicte Rache (vengeance).    
   
Ein "Sieger", der gleiche wie in 4/56, gründet mit christlichem Segen (Sonne ---> sol) ein Imperium (Adler ---> aigle) und gibt den Besiegten Zusicherungen.  Lauthals verkündet er, dass er den Krieg aus der Welt schaffen werde, 6/94.  Aber er wird sein Versprechen nicht halten, 2/88, 1/100.  Der Besiegten Gutgläubigkeit rächt sich.  Besiegt sind alle Staaten und Glaubensgemeinschaften, die einem globalen Regime erst freiwillig ihre Souveränität opfern, 4/21, und dann zwangsweise die Regimegegner ausliefern.  >Feinde des Friedens< werden getötet im Namen eines >Friedens<, der d a d u r c h vollendet werden soll, 6/38.    

Unsinniger Aufruhr bringt Byzanz eine Wandlung der Gesetze

   01/40   La trombe faulse dissimulant folie    
                Fera Bisance vn changement de loys:  
                Hystra d'Egypte qui veult que l'on deslie   
                Edict changeant monnoyes & aloys. (1555)    

                Der unsinnige Aufruhr, der Narrheit verbirgt,

                wird Byzanz eine Wandlung der Gesetze einbringen.

                Es wird ausgehen von Ägypten, das will, dass man es entbinde.

                (Eine) Verordnung ändert Münzen und Legierungen.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. trompe auch:  Wirbelsturm (cyclone), ---> tempeste.    

                   3) hystra ist Futur vom mittelfrz. (Gr) v. issir ausgehen (sortir).    
   
3)4) Der Ausgangspunkt:  Ägypten strebt im 19. Jahrhundert nach Unabhängigkeit vom osmani-schen Reich, dessen Oberhoheit das Land seit 1517 untersteht.  Seit 1873 hat es eine unabhängige Verwaltung und darf eigene Münzen prägen (wikip. Ismail Pascha).   Ein Aufstand ermöglicht es 1882 den Briten, das Land zu besetzen.  Daher können sie es im ersten Weltkrieg als Aufmarsch-gebiet nutzen, von dem aus sie nach Palästina und Syrien vordringen und so zum Zusammenbruch des Osmanenreichs im Dezember 1917 beitragen.    


1) Der erste Weltkrieg heißt hier "unsinniger Aufruhr, der Narrheit verbirgt".  Diese Einschätzung haben nur wenige Zeitgenossen des ersten Weltkrieges geteilt, darunter der bayrische Dichter Oskar Maria Graf, der sich bei der Musterung vor Lachen nicht halten kann und für geistesgestört gehalten wird.  Aber aus der Distanz von heute wie von 1555 trifft dieses Urteil zu.  In Deutschland ist der närrische Unsinn dadurch verborgen, dass wahrheitswidrig die Verteidigung der Heimat und des Vaterlandes auf die Fahnen geschrieben wird.


2) Aus dem Rumpf des Osmanenreichs wird sechs Jahre nach dessen Niederlage die laizistische Republik Türkei, ein Wandel der Gesetze, 2/90. Das >maurische Gesetz<, d.h. der Islam >wird schwach<, 3/95, lebt als Religion weiter, begründet aber nicht mehr die politische Ordnung.

Ein neuer Kalender bricht mit der christlichen Tradition

   01/42   Le dix Kalendes d'Apuril de faict Gothique    
                Resuscité encore par gens malins:    
                Le feu estainct, assemblée diabolique   
                Cherchant les or du d'Amant & Pselyn. (1555) 

                Der (Tag) zehn (vor den) Kalenden des April der barbarischen Sache

                (wird) nochmals auferweckt durch üble Leute.     

                Das Feuer gelöscht, (eine) teuflische Versammlung

                auf der Suche nach dem schmutzigen Gold des Liebenden und des Psellos.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) Adj. gothique  barbarisch (barbare).      

                   4) "Or du" geschuldetes Gold ergibt keinen Sinn.  N.f. ordure Unrat, Schweinerei.    
   
Im "Jahr 1792" werde man "glauben, es gebe eine Erneuerung des Zeitalters", VH (34).  Tatsächlich wird 1793 vom französischenNationalkonvent  - das ist die "teuflische Versammlung" -  rückwirkend ab dem 22.9.1792, dem Tag der Abschaffung der Monarchie, 6/92, die Einführung eines neuen Kalenders beschlossen.  Er beginnt mit dem Jahr 1 der Republik zur Zeit der herbstlichen Tagundnachtgleiche 1792.    


Man will einen rationalen, an der Natur orientierten, von allem >Aberglauben< befreiten Kalender.  In Vz 1 ist die Frühlings-Tagundnachgleiche nach altrömischer Zählweise genannt.  Für N. sind es "üble Leute", die das uralte Feuer der christlichen Tradition ausgehen lassen.  Mit dem neuen Kalender werde das Heidentum in die christlich geprägte Kultur einbrechen, wie einst die Barbaren ins römische Reich einbrachen.  Zu Psellos, einem byzantinischen Gelehrten des 11. Jahrhunderts, s. das historische Kapitel 15.

 

>Wiedergekommener Heiland< wird zum Weltherrscher 

   01/43   Auant qu'auienne le changement d'empire,   
                Il auiendra vn cas bien merueilleux,    
                Le champ mué, le pilier de porphyre    
                Mis, translaté sus le rochier noilleux. (1555)    

 

                Bevor es zur Verwandlung der höchsten Gewalt kommt,

                wird ein recht wunderbares Ereignis eintreten.

                Der Acker umgegraben, die Säule aus Porphyr

                aufgestellt, überführt auf den Frohe-Weihnachts-Felsen.
   
                 4) noilleux gibt es auch mittelfrz. nicht.  Es als Kontraktion aus Noel

                   (Weihnachten) und joyeux (froh) aufzufassen, passt in den Kontext.    
   
Der >umgegrabene Acker< ist die durch Kriege und Kometensturz gegangene Welt, bereit für einen grundlegenden Wandel.  Aus dem Abgrund geht ein >nährender Felsen< hervor, jemand, der sich als Mann Gottes aufführt, 1/21 (---> roche).  Katholischen Christen wird er als >wiedergekommener Christus< ausgegeben, 1/95.  Wer das glaubt, wird sich freuen über diese >Geburt< (---> naistre), d.h. das Erscheinen dieses Mannes auf der Bühne der Geschichte (joyeux Noel = frohe Weih-nachten). 

       
Es wird eine >Säule aus Porphyr< aufgestellt, es ist die "vierte Säule, die man dem Saturn weiht", 8/29, dem Herrscher im Goldenen Zeitalter des Friedens.  Porphyr ist das den Herrschern vorbehaltene Gestein.  Mit der Porphyrsäule ist eine Instanz gemeint, die N. an das Kaisertum der römischen Antike erinnert.  Diese oberste weltliche Instanz wird >auf den Felsen gebaut<.  Wie im alten Rom gibt es eine personelle Union von politischer Macht und staatlichem Kult, 9/09.  Ein planetarer Kaiserkult entsteht, für viele Zeitgenossen ein "wunderbares Ereignis";  etwas Vergleichbares gab es seit der Antike nicht mehr, 2/47.           

 

Erst danach kommt es zu einer "Verwandlung der höchsten Gewalt", Vz 1.  Das Prinzip, dass "alle Gemeinwesen willkommen" sind, wird dann "ganz zurückgestellt", 4/32.    

Aufhebung der Klöster, Verbot der Orden (Februar 1790)

   01/44   En brief seront retour sacrifices,   
                Contreuenants seront mis à martyre:   
                Plus ne seront moines abbes ne nouices:   
                Le miel sera beaucoup plus cher que cire. (1555)   

                In Kürze werden Opferungen zurückgekehrt sein,

                zuwiderhandelnde werden dem Martyrium ausgeliefert.

                Es wird keine Mönche, Äbte, Novizen mehr geben.   

                Der Honig wird sehr viel teurer sein als Wach


Im Februar 1790 hebt die Verfassunggebende Versammlung die Klöster auf und verbietet die Orden.  Im Juli 1790 wird die Zivilverfassung des Klerus verabschiedet;  die Priester müssen den Eid auf die Verfassung leisten.  Wer ihn verweigert, hat Berufsverbot, muss mit Deportation und Gefängnis, während der Terreure 1793/94 auch mit dem Todesurteil rechnen.  N. erkennt Märtyrer in denen, die wegen der verweigerten Unterwerfung unter die neue Nationalkirche und den heidni-schen Staat zu Tode kommen.  Der >Honig< bedeutet die Süße des  Wortes Gottes, Ps 119,103. Sich nicht zu unterwerfen, der Papstkirche treu zu bleiben, werde teuer sein, denn es kostet die Existenz, manchen auch das Leben.  >Wachs< bedeutet eine biegsame Haltung, die sich dem neuen Denken und den neuen Herren anpasst.    
 

Ein Erfinder spaltet die Welt, Gesinnungsschnüffelei von Staats wegen 

   01/45   Secteur de sectes grand preme au delateur:   
                Beste en theatre, dressé le ieu scenique:    
                Du faict antique ennobli l'inuenteur,    
                Par sectes monde confus & scismatique. (1555)    

                Schlachter der Sekten (lobt aus) hohe Belohnung dem Denunzianten.

                Wildes Tier im Theater, aufgebaut das Bühnenspiel. 

                Für antike Tat (wird) hoch geehrt der Erfinder.

                Durch Sekten (ist die) Welt verwirrt und gespalten.
   
                   1) N.m. secteur Sektor.  Aber hier ist eine Person gemeint.  Lat. n.m. sector

                   Abschneider, Zerschneider.  Lat. n.n. praemium Vorteil, Belohnung.    
   
In den alten Kirchen gibt es viele Befürworter und wenige Gegner des globalen Regimes.  Der >größte Philosoph aller Zeiten<, 5/31, schlachtet die alten Religionen aus, stellt ihre Lehren in neue Kontexte.  Er greift souverän in den Fundus der Geschichte und deutet das Vorgefundene um, wie es in sein Machtkalkül passt, 9/09.  Er erfindet am Ende eine für alle verbindliche, 1/79, >neue Religion<.  

Bei zunehmendem Anpassungsdruck spalten sich die alten Glaubensgemeinschaften in regimetreue und widerständige Gemeinden;  "die Welt ist verwirrt und gespalten", VH (14).  Wer an seinem alten Glauben festhält, wird als Sektierer verdächtigt, Exkurs (6) zum Begriff der secte bei N.  Abweichler bei den Behörden zu melden, wird hoch belohnt.  "Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten", Mt 24,10.     

 
Das >antike Theater< kann bei N. die >Weltfriedensordnung< bedeuten, die er mit dem Imperium der römischen Antike vergleicht, 9/83 (---> theatre).  Aber hier sieht es so aus, als sei das "Tier im Theater" wörtlich zu verstehen, als besonders grausame Hinrichtungsart.  

Nach einer langen Nacht Staunen über ein wunderbares Ereignis 

   01/46   Tout aupres d'Aux, de Lectore & Mirande    
                Grand feu du ciel en troys nuicts tumbera:    
                Cause auiendra bien stupende & mirande:    
                Bien peu apres la terre tremblera. (1555)    

                Ganz in der Nähe von Auch, Lectoure und Mirande

                wird großes Feuer vom Himmel in drei Nächten fallen.

                Eine Sache wird sich ereignen, sehr erstaunlich und wunderbar.

                Recht bald danach wird die Erde beben.
   
1)2) Die genannten Städte im Département Gers westlich von Toulouse erwähnt 8/02 im gleichen Kontext.  Dort wird eine Konstellation angegeben, die auf mögliche Jahre schließen lässt.  Das Feuer vom Himmel (---> foudre) ist hier kein Bann (Verbot), weil das für drei Nächte keinen Sinn ergibt.  Es kann nur natürliches oder militärisches "Feuer vom Himmel" sein.  Der Komet führt Staub und Gase mit sich, die eine tiefe Finsternis bedingen, VH (18).  Sie hält drei Tage und Nächte an.  Es werden auch weiträumige Brände ausgelöst, 6/35 Vz 3/4.  Vorher ist ein Krieg im  Gang, den der Kometensturz beendet.  Krieg und Naturgeschehen betreffen den ganzen Kontinent, nicht nur das Département Gers.    


3)4) Nach der besonderen >Nacht< zeigt sich ein plötzlicher Wandel des Firmamentes, 3/46.  Und es macht eine >Ankunft< (advent) der besonderen Art von sich reden, VH (6).  Das Gerücht geht um, der Heiland sei wieder auf Erden erschienen.  Das >Beben der Erde< sind die Erschütterungen durch das Vebot der alten Religionen einige Jahre später (---> tremblement).    

Der Völkerbund scheitert

   01/47   Du lac Leman les sermons facheront:    
                Des iours seront reduicts par sepmaines,  
                Puis mois, puis an, puis tous defailliront,    
                Les magistrats damneront leur loys vaines. (1555)    

                Die Predigten vom Genfer See werden zornig machen.

                Aus Tagen werden Wochen,

                dann Monate, dann (ein) Jahr, dann wird alles scheitern.

                Die hohen Beamten werden ihre nutzlosen Gesetze verwerfen.
   
Der erste Weltkrieg endet durch Waffenstillstand am 11.11.1918.  1919 wird die Satzung des Völker-bundes verabschiedet, ebenso die Friedensverträge mit den unterlegenen Mächten.  Deutschland und seinen Verbündeten wird die alleinige Kriegsschuld zugeschrieben;  ihnen werden Repara-tionen für viele Jahre auferlegt.  1920 nimmt der Völkerbund in Genf seine Arbeit auf.  

 

Die über drei Jahre dauernde Genfer Abrüstungskonferenz 1932-35 scheitert daran, dass 1933 die Nationalsozialistenan die Macht kommen, die Versailles revidieren wollen (Zorn).  Deutschland tritt 1933 aus dem Völkerbund aus, Italien 1937.  Die USA sind nie dabei.  ''Sein Ziel, den Frieden durch schiedsgerichtliche Beilegung internationaler Konflikte, internationale Abrüstung und ein System der kollektiven Sicherheit dauerhaft zu sichern, konnte er nicht erfüllen" (wikipedia).  Der Völkerbund ist gescheitert, er wird 1946 aufgelöst.  

Bei N. ist  kein Bedauern zu spüren.  Ein Völkerrecht, mit hehren Worten verkündet, lässt Feinde stark werden, die sich nicht daran halten, 1/97.

   

Den matten Tagen der Sonne folgt die Alleinherrschaft eines Anderen

  01/48    Vingt ans du regne de la lune passés/
                Sept mil ans autre tiendra sa monarchie:/
                Quand le soleil prendra ses iours lasses/
                Lors accomplir & mine ma prophetie.  (1555)


                Zwanzig Jahre der Herrschaft des Mondes (sind) verstrichen./  
                Im siebten Jahrtausend wird ein Anderer seine Alleinherrschaft antreten./  
                Wenn die Sonne ihre matten Tage nimmt,/
                dann wird sich meine Prophetie erfüllen und aufzehren.


                   2) wörtlich: "wird, siebentausend Jahre, ein Anderer seine Alleinherrschaft innehaben".

                   4) V.t. miner  verminen;  untergraben;  aushöhlen;  verzehren, aufreiben.
                   Mittelfrz. v. miner auch: drohen (menacer). Aber das ist eher nicht gemeint, weil prophetische

                   Ansagen immer als Drohungen oder Warnungen verstanden werden können, Exkurs (8).

Der zunehmende Halbmond ist Symbol des Islam.  1979ff wird in Iran ein islamischer Gottesstaat errichtet, 1/70, 8/70.  Wenn seitdem zwanzig Jahre verstrichen sind, ist von der Zeit nach 1999 die Rede.  Aus VH (6) geht hervor, dass es die Zeit nach dem Kataklysmus bis zum Ende der alten Erde ist, die N. mit dem >siebten Jahrtausend< meint.  Nach 1999 und nach dem Kataklysmus errichtet zwar einer seine Alleinherrschaft, aber ein "Anderer".         

 

Die Hoffnung, dass Christus sein Friedensreich errichten möge, lebt gewaltig auf durch Krieg und den ''natürlichen Umsturz", VH (4), der die "matten Tage" der natürlichen Sonne mit sich bringt.  Daher wird die Gefahr mächtig, dass Wunschdenken um sich greift und einen Menschen für Christus hält, der in Wahrheit ein ganz "Anderer" ist.  Dieser Andere errichtet dann im Namen des Gottesreichs seine Herrschaft.  Aber in Wahrheit zielt dieser falsche Heilige, 6/48, darauf ab, die geistige Sonne dadurch >matt< werden zu lassen, dass Christus endgültig begraben wird, 3/72. 

Seine Prophetie solle bis 2055 im wesentlichen erfüllt sein, gibt N. in 3/94 zu verstehen.

Türken unterjochen "beinah" den Rand des Reiches

   01/49   Beaucoup beaucoup auant telles meneés  
                Ceux d'Orient par la vertu lunaire  
                L'an mil sept cens feront grand emmenées    
                Subiuguant presques le coing Aquilonaire. (1555)   

                Sehr sehr lange vor diesen Umtrieben

                werden die vom Morgenland durch die mondene Kraft

                (um) das Jahr 1700 herandrängen zu großen Eroberungen

                und dabei beinah die aquilonische Ecke unterwerfen.
   
Die Wörter Aquilon/Aquilonaire sind gebildet nach dem lat. n.m. aquilo Nordwind oder dem lat. n.f. aquila Adler (---> Aquilon).  Hier ist der südöstliche Rand des alten Kaiserreichs gemeint, das den Reichsadler als Hoheitszeichen führt.  Dafür, dass 1/49 direkt an 1/48 anschließt, spricht, dass in beiden Versen der Mond als Symbol eine Rolle spielt und 300 Jahre auch für N. "sehr sehr lange" sind. 

      
Nach 1453 sind die Osmanen (Türken) auf dem Balkan vorgedrungen, 6/49.  Aber 1683 belagern sie Wien vergeblich, und werden 1697 noch einmal geschlagen.  Im Frieden von Karlowitz verlieren sie 1699 bereits eroberte Gebiete, u.a. Ungarn, Siebenbürgen und Slawonien.  Das Jahr markiert einen Wendepunkt, die Expansion der Türken ist beendet.  Mit dem Wort "beinah" kündigt N. ihren Misserfolg an.    

Des im Wasser Lebenden Dreifachheit erscheint

   01/50   De l'aquatique triplicité naistra    
                D'vn qui fera le ieudy pour sa feste:  

                Son bruit, loz, regne, sa puissance croistra,    
                Par terre & mer aux orients tempeste. (1555)   

                Des im Wasser Lebenden Dreifachheit wird erscheinen

                von einem, der den Jupitertag zu seinem Fest machen wird.

                Sein Ansehen, Ruhm, Herrschaft und Macht werden wachsen.

                Auf Land und Meer für die Morgenländer Verwüstung.
   
                   1) Adj. aquatique im Wasser lebend.  N.f. triplicité Dreifachheit (caractère de ce qui est triple).

                   4) Mittelfr. (Gr) n.f. ---> tempeste auch: Verwüstung (devastation).    
   
Das Meer als Gleichnis für den Schöpfungsgrund war schon geläufig, bevor die Wissenschaft entdeckte, dass tatsächlich alle Lebewesen ihrer Stammesgeschichte nach im Meer angefangen haben.  Es begegnete schon ein schrecklicher Fisch, der an Land kommt, 3/21.  Das >Leben im Wasser< bedeutet, dass er sich als Mann Gottes und der Religion aufführt.  Doch sein Anspruch, >an Land kommen< zu wollen, bedeutet, dass er auch weltlich (politisch) zuständig sei, also ein Mann mit Doppelkompetenz, 1/29. 

     
Aber es kommt noch >besser<.  Seine Dreifachheit erweist sich daran, dass  - nacheinander -  alle drei Offenbarungsreligionen, die jüdische, die christliche und die islamische Religion ihn als von Gott gesandt anerkennen, ihm so "drei Kronen" aufsetzen, 2/73.  Die letzte Verszeile besagt, dass die Orientalen  i h r e  Krone nicht freiwillig vergeben, sondern dazu gezwungen werden, VH (28). 

 

Die drei Religionen kommen als Dreiheit auch vor in VH (25), 1/68, 8/77.  Am Ende ist er Welt-herrscher, 1/04, von N. belegt mit dem Namen des obersten Gottes der römischen Antike (---> Jupiter).  Die Zeit seiner Herrschaft heißt >Donnerstag< oder >Jupitertag<, 10/71.    

1940/41:  Jupiter und Saturn beim Haupt des Widders

   01/51   Chef d'Aries, Iuppiter & Saturne,  
                Dieu eternel quelles mutations!    
                Puis par lôg siecle son maling têps retourne,    
                Gaule & Itale quelles esmotions! (1555)    

                Haupt des Widders, Jupiter und Saturn -

                ewiger Gott, welche Umwälzungen!

                Dann kehrt für lange Zeit seine böse Zeit zurück.

                Frankreich und Italien, welche Erschütterungen!

    
1) Die Detailanalyse der Deutungsmöglichkeiten ergibt, dass in der ersten Vershälfte der Widderkopf des Sternbildes Widder gemeint ist, der in den alten Darstellungen durch den Stern Alpha Arietis markiert wird.  Der rückt von 1555 bis 2055, 3/94, vor, von 31,5° bis auf 38° ekliptikaler Länge. Jupiter-Saturn-Konjunktionen gibt es alle 20 Jahre, in der gleichen Himmelsgegend nur alle 60 Jahre.  Der genaue Treffpunkt rückt dabei alle 60 Jahre um etwa 9° vor.  Es gibt zwischen 1555 und 2055 nur drei Annäherungen dieser Konjunktion an die Position des Widderkopfes, 1880/81, 1940/41 und 1999/2000; die genaueste und längste ist die mittlere (s. Detailanalyse Datei 1.4).    


2)3)4) Der deutsche Westfeldzug beginnt am 10.5.40, der Waffenstillstand wird 22.6.40 geschlossen. Dann ist das Land vier Jahre lang besetzt, Kollaborateure und Widerständler bekämpfen sich.  "Seine böse Zeit", die Zeit des Mars, des Krieges, hier eines Partisanenkampfes, 6/07 Vz 4, gegen eine übermächtige Besatzungsmacht, ist wieder da.  Italien erklärt am 10.6.40 Frankreich den Krieg, der zwei Wochen lang an der Alpenfront geführt wird, 1/93.  Massiv betroffen vom Krieg ist das Land erst ab 1943, 8/81. 

Neue Ader von Gold und Silber gefunden 

   01/53   Las qu'on verra grand peuple tormenté    
                Et la loy saincte en totale ruine  
                Par aultres loyx toute Chrestienté,   
                Quand d'or d'argent trouue nouvelle mine. (1555)   

                O weh, dann wird man sehen, wie ein großes Volk gequält wird

                und das heilige Gesetz völlig ruiniert ist.

                Anderen Gesetzen ist die ganze Christenheit (unterworfen),

                wenn von Gold (und) Silber eine neue Ader gefunden (wird).
   
Ein "großes Volk" sind die Franzosen in ihrem Selbstverständnis seit 1789, 5/61.  Aber sie machen ihre Revolution selbst, werden nicht von Anderen gequält.  Und sie sind auch nicht die "ganze Christenheit". Mit Pfändler (1996) wird diese Deutung verworfen. -    


Die Ideologie der >Weltfriedensordnung<, die nach Krieg u. Kataklysmus errichtet wird, macht nach etwa zehn Jahren einen Formwandel durch zu einer >neuen Religion<.  Dabei werden christliche und islamische Lehren umgedeutet und vermischt, 6/10.  Sie treten hier als ausbeutbare Minen von Edelmetallen ins Bild (---> or), und die >neue Ader< ist die >neue Religion<.  Sie wird für alle verbindlich sein (ganze Christenheit) und sich höchster Wertschätzung erfreuen, 9/12.  Altgläubige Christen, die sich den "anderen Gesetzen" nicht fügen, werden "gequält", 1/45.     

Wandel der Religionsgesetze 1540 und 1598

   01/54   Deux reuolts faits du malin falcigere,    
                De regne & siecles faict permutation:   
                Le mobil signe à son endroict si ingere   
                Aux deux egaux & d'inclination. (1555)
    

                Zwei Umläufe vom üblen Sichelträger vollendet,/ (dann ist)

                Wandel der Regierung und Wechsel der Jahrhunderte geschehen.

                Das bewegliche Zeichen, auf dessen Gebiet mischt er sich ein

                zwischen zwei Gleiche, (gleich) auch der Neigung nach.
   
                   1) Lat. Adj. falcifer, falciger sichelführend.  Die Sichel ist Attribut des Gottes Saturn.  

                    Mittellat. n.f. revolutio Rückkehr, Umlauf (von Planeten gesagt).    
   
1)2) Im Edikt von Fontainebleau (1.6.1540) verurteilt König Francois I. von Frankreich erstmals die Abweichler vom katholischen Glauben als Häretiker und Hochverräter und entzieht ihnen alle Rechte. Knapp 58 Jahre später, kurz vor der Wende zum 17. Jahrhundert, erlässt Henri Quatre am 13.4.1598 das Edikt von Nantes, das den französischen Protestanten das Recht auf freie Ausübung ihrer Religion an bestimmten Orten gibt.  Der Saturn, dargestellt als Mann mit Sense, hat seit 1540 fast "zwei Umläufe vollendet" (nur 9° von 360° fehlen am zweiten Umlauf).     


3)4) Das "bewegliche Zeichen" ist die Waage mit den beweglichen Waagschalen, dem Sigel dieses Tierkreiszeichens.  Es gilt als zuständig für das Ausgleichen.  Und in der Tat ist Henri Quatre nach jahrzehntelangen Glaubenskriegen auf Ausgleich bedacht.  Doch der Katholizismus bleibt Staatsreligion und die "angeblich reformierte Religion" (religion prétendue réformée) wird, dem katholischen Sprachgebrauch folgend, im Edikt mit spitzen Fingern angefasst, ist also  n i c h t gleich der Neigung der Waagschalen nach.  Aber N. ist Partei und urteilt anders:  Es können dann >K e t z e r<  in Frankreich Gottesdienst feiern, "ganz legal", 5/72.  Darin erkennt er abwegige Gleichmacherei.

Der Himmel widrig unterhalb von Babylon (1991)

   01/55   Sous l'opposite climat Babylonique   
                Grande sera de sang effusion,   
                Que terre & mer, air, ciel, sera inique:   
                Sectes, faim, regnes, pestes, confusion. (1555)  

                Unterhalb der gegenüber liegenden babylonischen Gegend

                wird es ein großes Blutvergießen geben.

                Auf Land und Meer (sind) Luft und Himmel feindlich,

                Sekten, Hunger, Herrschaften, Seuchen, Durcheinander.
    
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. climat Region (région), Land (pays).     

                   3) Adj. inique ungerecht > lat. iniquus ungleich oder gefährlich (Kampf), feindlich.    
    
Schaut man von der Provence aus in Richtung Irak, wo Babylon einst lag, dann ist dahinter der persische Golf zu sehen.  Darunter liegt die ganze arabische Halbinsel.  Sie dient 1990/91 den alliierten, von den USA angeführten Truppen des Westens als Aufmarschgebiet.  ''Luft und Himmel widrig" deuten auf einen schwerpunktmäßig in der Luft geführten Krieg.  Erst nach wochenlangem Bombardement der vom Irak eroberten Stellungen in Kuwait werden diese von amerikanischen Panzern überrollt.  Das durch die Niederlage Iraks und den Abzug der Amerikaner entstandene Machtvakuum sorgt für "Konfusion".  Die Schiiten erheben sich, die Kurden sagen sich von Bagdad los.  Die wochenlang brennenden Ölquellen Kuwaits führen zu rußigen Niederschlägen.    

Extreme Gräuel im Namen des Islam vor dem Kataklysmus

   01/56   Vous verrés tost & tard faire grand change   
                Horreurs extremes, & vindications,    
                Que si la lune conduicte par son ange    
                Le ciel s'approche des inclinations. (1555)    

                Ihr werdet früher oder später großen Wandel geschehen sehen,

                extreme Gräuel und Taten aus Rache.

                Denn wenn der Mond von seinem Engel geführt wird,

                nähert sich der Himmel den Neigungen.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.f. vindication Rache (vengeance).  

                   4) Lat. n.f. inclinatio Neigung, Beugung;  Abweichung, Wechsel.    
   
1)2) Der erste Irakkrieg 1990/91, 1/55, wird von der alliierten Streitmacht unter Führung der USA gewonnen.  Wenn hier von "großem Wandel" die Rede ist, deutet das auf Ereignisse, die den Sieg des Westens in anderem Licht erscheinen lassen.  Die USA und der ganze Westen müssen sich auf "extreme Gräuel und Taten aus Rache" gefasst machen.  Die islamistischen Anschläge seitdem, auf das New Yorker World Trade Center 1993 und 2001, Daressalam und Nairobi 1998, Madrid 2004, Paris 2015, Brüssel 2016 und Manchester 2017 bestätigen das. 

   
3)4) Wenn "der Mond von seinem Engel geführt wird", ist das ein Aufschwung des Islam (--> lune). Der war ab 1980 zu erwarten, 1/48, und ist durch die Ereignisse im Iran 1979ff. auch eingetreten, 1/70, 8/70.  Die "Neigungen des Himmels" verweisen auf das Naturgeschehen des Kataklysmus, das sich ankündigt durch einen neuen Kometen.  Danach hat sich die Lage des Planeten auf der Ekliptik (Erdbahnebene) geändert, der Fixsternhimmel ist verschoben, 3/46.  Vgl. den "natürlichen Umsturz", VH (4), und die "große Versetzung", VH (18).  

 

Die Hinrichtung des Königs als Schauspiel für das Volk (21.1.1793)

   01/57   Par grand discord la trombe tremblera.    
                Accord rompu dressant la teste au ciel:    
                Bouche sanglante dans le sang nagera:    
                Au sol la face ointe de laict & miel. (1555)
    

                Unter großem Missklang wird der Sturm erbeben.

                Zusammenklang unterbrochen, man hebt den Kopf zum Himmel.

                Ein blutender Mund wird im Blut schwimmen,

                am Boden das Antlitz, gesalbt mit Milch und Honig.
   
                   1) Das n.f. trombe Wirbelwind bedeutet hier eine revolutionäre Inszenierung;  

                   der Wirbelsturm in 1/03 bedeutet die Revolution als ganze (---> tempeste).    
   
Mit Milch und Honig aus der goldenen Ampulle werden die Könige des Ancien Régime bei ihrer Krönung in Reims gesalbt.  Louis XVI. wird am 21.1.1793 auf der Guillotine hingerichtet.  Der Vers zeichnet mit wenigen Strichen, aber in plastischer Deutlichkeit die Szenerie dieser Hinrichtung.  Kurz vor dem Vollzug wirbeln Trommeln.  Dann fällt das Fallbeil und trennt den Kopf vom Rumpf.  Die Trommeln setzen aus, der Henker spießt den abgetrennten, bluttriefenden Kopf auf und zeigt ihn dem Volk.  Vorher gibt es vereinzelte Rufe nach Gnade, aber nun jubeln die Menschen: "Es lebe die Nation!  Es lebe die Republik!"  Das Fallbeil wird 1793/94 dann noch viel zu tun bekommen, 10/57.  

   
Für den königstreuen N. erzeugen die Trommeln einen "Missklang".  Für ihn ist es eine Blutschuld, die das Volk damit auf sich lädt, 4/49.    

Mutter Kirche gebiert siamesischen Zwilling mit zwei Köpfen und vier Armen

   01/58   Trenché le ventre, naistra auec deux testes,    
                Et quatre bras:  quelques ans entier viura:    
                Iour qui Alquilloye celebrera ses festes    
                Foussan, Turin, chief Ferrare suyura. (1555)    

                Aufgeschnitten der Bauch, wird erscheinen (ein Kind) mit zwei Köpfen

                und vier Armen.  Einige Jahre wird es ungeteilt leben.

                Am Tag, wenn Aquillius' Gesetz seine Feste feiert,

                werden Fossano, Turin dem Haupt von Ferrara folgen.
   
                   3) Aquillius Regulus heißt der Gemeinte.  Der Name wird hier vermengt mit loy Gesetz.    
   
Die katholische Kirche ist in ihrem Selbstverständnis geistliche >Mutter< der Gläubigen, der aufgegeben ist, Christus in den Herzen ihrer >Kinder< zu gebären und zu nähren, d.h. den Glauben an ihn (wikip. Mutter Kirche).  Aber hier >gebiert< sie einen siamesischen Zwilling >mit zwei Köpfen und vier Armen<.

 

Die doppelten Köpfe und Arme sind ein Bild dafür, dass Christus und sein vermeintlicher >Zwillings-bruder<, 1/95, in Wahrheit zwei Personen sind, die sich in ihrem Denken und Handeln unter-scheiden. Das Verwachsensein beider bedeutet, dass man den Unterschied nicht erkennt, sondern beide für geistig >engstens verwandt< hält.  Mancher Christ wird erst lernen, beide >voneinander zu trennen<, wenn ein Kriegsherr >die Seinen< ausrotten will, 9/80.  Und etliche erkennen den Unterschied auch dann noch nicht, 2/56. 

      
Aquillius Regulus ist als politischer Staatsanwalt tätig unter den Kaisern Nero und Domitian.  Er hat sich auf Majestätsprozesse spezialisiert, d.h. er bringt Menschen vor Gericht, die sich weigern, vor dem Bild des vergöttlichten Kaisers zu opfern.  Zur Frage, wie Christen sich in solcher Lage verhalten sollen, siehe Exkurs (14) zur Wiederkunft Christi (am Schluss).    

 

Städtenamen können Personen bedeuten mit einer besonderen Beziehung zur genannten Stadt, 4/46, 8/68, 4/73, 8/07, Exkurs (9).  

 

Ein Kaiser, geboren nah bei Italien

   01/60   Vn Empereur naistra pres d'Italie,    
                Qui a l'Empire sera vendu bien cher,    
                Diront auecques quels gens il se ralie
                Qu'on trouuera moins prince que boucher. (1555)

                Ein Kaiser wird nah bei Italien geboren,

                der das Kaiserreich recht teuer zu stehen kommen wird.

                Sie werden sagen:  Mit was für Leuten er sich umgibt !?

                Man wird weniger einen Fürsten, eher einen Schlächter antreffen.
   
1)3) Kaiser war man nicht von Geburt an.  Napoleon wird als Kind von Landadligen in Ajaccio auf Korsika geboren.  Geografisch liegt die Insel näher bei Italien als bei Frankreich.  Er erlernt den Soldatenberuf und bringt es schon mit 26 zum Oberkommandierenden einer Armee.  Er umgibt sich mit den fähigsten und tapfersten Offizieren, darunter seltsamen Käuzen;  Adelstitel spielen bei der Auswahl keine Rolle, wie es bei seinen Vorgängern auf dem Thron noch üblich war.  Mit 35 legt er sich den Kaisertitel zu.  Wichtige Leitungspositionen seines Empire besetzt er mit Mitgliedern seines Familienclans.     


2)4) Er "trägt ein sehr großes Toben und Wüten vor", 5/60, d.h. er führt mehr oder weniger ständig Krieg, weil er das am besten kann und weil er glaubt, die Legitimität seiner Herrschaft durch  Erfolge auf dem Schlachtfeld beweisen zu müssen, 5/05.  In seinen Kriegen verliert Frankreich etwa eine Million Menschen (R. Duffraisse [1994] S.160).  Ihm macht das nichts aus, seine Menschenver-achtung ist stark ausgeprägt, weshalb N. ihn auch einen "unmenschlichen Tyrannen" nennt, 10/90. Durch den Handelskrieg mit Großbritannien bedingt, ist Frankreich am Ende seiner Herrschaft wirtschaftlich an einem Tiefpunkt angekommen.    

Emigranten arbeiten vom Ausland gegen die neue Obrigkeit

   01/61   La republique miserable infelice    
                Sera vastée du nouueau magistrat:    
                Leur grand amas de l'exil malefice    
                Fera Sueve rauir leur grand contract. (1555)    

                Die Republik, elend, unglücklich,

                wird verwüstet werden von der neuen Obrigkeit.

                Ihnen (tut) eine große Gruppe vom Exil her Übles (an).

                Sie wird Deutsche ihre große Übereinkunft zerreißen lassen.
   
                   1) Lat. Adj. infelix unglücklich.  Lat. v. vastare menschenleer machen, verwüsten.  

                   Mittelfrz. n.f. malefice Missetat (méfait), Vergehen (délit).    
                   4) Suebi oder Suevi heißen bei Tacitus die germanischen Volksstämme zwischen

                   Rhein und Ostsee (mare Suebicum).  Lat. v. rapere rauben, zerreißen.    
   
1)2) Eine "neue Obrigkeit" gibt es in Frankreich seit dem 17.6.1789, als die Generalstände sich zur Verfassunggebenden Versammlung erklären.  Die "Republik" wird erst am 22.9.1792 ausgerufen. Nach der Zerstörung der alten Ordnung werden die Franzosen durch den Justizterror der Jahre 1793/94, durch Bürgerkrieg und Krieg mit äußeren Feinden bedroht und ihr Land verwüstet.    

 
3) In den Jahren 1789 bis 1799 verlassen etwa 150000 Menschen als Dissidenten oder Verfolgte das Land.  Emigranten um den jüngsten Bruder des Königs versuchen, die europäschen Mächte zum Krieg gegen die revolutionäre Regierung zu bewegen, 1/13.       


4) Für das Zerreißen des großen Vertrages werden drei verschiedene Vorschläge gemacht; Näheres im historischen Kapitel 16.  Gemeint ist der westfälische Friede von 1648, der auch die Rheingrenze Frankreichs garantiert.  Ab 1792 werden die Grenzen Frankreichs von den Mitgliedern der ersten Koalition gegen das Land nicht mehr respektiert.

Die Geißeln vorüber, die Menschheit vermindert

   01/63   Les fleaux passés diminue le monde   
                Long temps la paix terres inhabitées   
                Seur marchera par ciel, terre, mer & onde:    
                Puis de nouueau les guerres suscitées. (1555)    

                 Die Geißeln (sind) vorüber, die Menschheit (ist) vermindert,

                 für lange Zeit (herrscht) Frieden, Landstriche (sind) unbewohnt,

                 sicher wird (man) fahren in der Luft, zu Lande und auf dem Meer.

                 Dann (werden) von neuem die Kriege entfacht.


In Zeiten des modernen Verkehrs ist >die Welt kleiner geworden<, zugleich aber ist die Menschheit stetig angewachsen;  "unbewohnte Landstriche" sind da untypisch und legen auch nahe, dass N. diese Gebiete als bewohnt gekannt hat

    
Die Geißeln des Krieges sind vorüber, 10/42, die Verfolgung von Dissidenten auf der alten Erde ist vorbei.  Auf der neuen Erde, Offb 21, hat die Menschheit stark abgenommen.  Deshalb sind viele Landstriche unbewohnt, nicht weil sie unbewohnbar wären, wie manche Areale in der Zeit nach Krieg und Kataklysmus, 2/95.  Es sind nur viel weniger Menschen da.  Wo die Vielen geblieben sind? In Offb 20,14 und 21,8 werden ein Bild und ein Begriff gegeben.       

 

Nach "langer Zeit" gibt es doch wieder Kriege, 10/89.    

Leuchtmunition, Gasmasken, Kämpfe am Himmel

   01/64   De nuit soleil penseront auoir veu    
                Quâd le pourceau demy-homme on verra,    
                Bruict, chant, bataille, au ciel battre aperceu 
                Et bestes brutes a parler lon orra. (1555)    

                Sie werden meinen, nachts die Sonne gesehen zu haben,

                wenn man das Schwein, halb Mensch sehen wird.

                Dröhnen, Pfeifen, eine Schlacht, am Himmel Kämpfe erkennbar,

                und grobe Bestien wird man sprechen hören.
   
                     4) Mittelfrz. (Gr) v. oir, ouir (> lat. audire) hören (entendre), anhören (ècouter),

                     davon das Futur orrai (Rheinfelder S. 286).    
   
1)3) N. erlebt eine Schlacht und schildert, was er hört und sieht.  Die moderne Zeit ist daran zu erkennen, dass auch "am Himmel" gekämpft wird, mit Flugzeugen.  Nachts wird Leuchtmunition verschossen, die die Szenerie taghell beleuchtet.  Man meint, die Sonne zu sehen, aber sie ist es nicht, die da scheint.  Der erste Weltkrieg ist der erste Krieg, dessen Schlachten nicht mit Einbruch der Dunkelheit enden. 


2) Das "Schwein halb Mensch" ist die unbefangene, wohl auch verständnislose Beschreibung eines Menschen mit Gasmaske.  Die Enden dieser Masken mit Luftlöchern erinnern von Ferne an Schweinerüssel.  Seit April 1916 wird erstmals Giftgas als Waffe eingesetzt.    


3)4) Das Dröhnen und Pfeifen deutet auf den Einsatz von Geschützen.  Im ersten Weltkrieg sind Haubitzen schwersten Kalibers im Einsatz, deren Fauchen, Röhren und bohrendes Rollen eindrucksvoll geschildert wird.  Bêtes brutes sind eigentlich ungehobelte, brutale Menschen.  Aber für N. hören sich die unheimlichen Geräusche an, als seien Dämonen losgelassen, denen die Menschen zum Fraß vorgeworfen werden.  Aus dem einstigen Kampf ritterlicher Helden ist der Krieg zu einer anonymen industriellen Tötungsorgie geworden.  Der Glaube, dass die Welt-bemächtigung durch Wissenschaft und technischen Fortschritt in eine stets hellere Zukunft führen werde, wird erschüttert.

Drei Unschuldige als Gift verdächtigt, schlecht bewacht die Tradition 

   01/68   O quel horrible & malheureux torment  
                Troys innocens qu'on viendra à liurer.    
                Poyson suspecte, mal garde tradiment    
                Mis en horreur par bourreaux enyurés. (1555)  

                O welch schrecklicher und unglückseliger Pein

                wird man drei Unschuldige ausliefern!

                (Als) Gift verdächtigt, schlecht bewacht (die) Tradition,

                in Schrecken versetzt durch besoffene Henker.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. tradement Verrat (trahison).  Pfändler (1996) übersetzt:

                   "... schlechte Wache (übt) Verrat."  Ich vermute, dass hier das n.f. tradition reimbedingt

                   abgewandelt ist zu tradiment.  Aber auch der Verrat würde passen, wäre das Bündnis

                   der Kirche mit dem späteren Weltherrscher.    
   
Die "drei" sind die alten Offenbarungsreligionen, die jüdische, die christliche und die islamische Religion. Sie werden vom antichristlichen Weltherrscher "annulliert", 8/77.  Sie werden beschuldigt, >Gift< zu sein, weil sie die Menschen immer gegeneinander aufgebracht und viele Kriege verursacht hätten.  N. hält sie für "unschuldig", da sie die Menschen anleiten, nicht nur diesseitige Ziele zu verfolgen.  Dass Religion missbraucht wurde, um Macht auszuüben und auch Kriege zu führen, ist nicht der Religion anzulasten, sondern denen, die sie missbrauchten.  (Dass Religion missbraucht werden  k a n n, gehört zur Freiheit des Menschen und diese zur Ebenbildlichkeit).    


Der Stifter der >neuen Religion< nimmt die alten Lehren als Sprachmaterial, deutet sie so um, dass der Jenseitsbezug zur leeren Formel wird, VH (20).  Darin besteht die "Pein", die sie erleiden.  Für den Fall der katholischen Kirche ist öfters belegt, dass ihr Lenker, statt zu bremsen, dieser Entwicklung den Weg ebnet, 5/49, 10/55.  Daher spricht N. von schlecht bewachter Tradition.  Die Henker, die die Einhaltung der Urteile über die Vergangenheit sanktionieren sollen, sind >besoffen< von der "geschraubten Sprache", 8/78, des >großen Philosophen<, 5/31.    

Die Menschheit hält sich für fähig zur Besserung,

                                         dann stürzt die Friedensordnung 

   01/69   La grand montaigne rond de sept estades,    
                Apres paix, guerre, faim, inundation,  
                Roulera loing abysmant grands contrades,  
                Mesmes antiques, & grand fondation. (1555) 
  

                Der große Berg, rund mit sieben Laufbahnen,

                wird nach Frieden, Krieg, Hunger, Überschwemmung

                sich weithin wälzen, unter sich begrabend weite Gebiete,

                auch antike Gegenden und eine große Gründung.
   
Dantes Läuterungsberg (Purgatorio) ist eine gewaltige kegelförmige Pyramide mit sieben Stufen übereinander.  Von innen sind es Rundbahnen (Stadien), die den sieben Hauptsünden ent-sprechen.  Die Bußfertigen durchlaufen sie, um sich von ihren Sünden zu reinigen.  Der Berg im Vers ist groß, rund, in Bahnen gestuft, deren Zahl sieben ist.  Das stimmt mit den äußeren Merk-malen des Purgatorio überein.    


>Berge< bedeuten bei N. Staatsordnungen, die sich von Gott her legitimieren, bildlich >zum Himmel streben< (---> mont).  Der Läuterungsberg steht für das "gemeinsame Gesetz", 4/32, das nach Krieg und Kataklysmus den Weltfrieden erzwingen will.  Die Menschheit als ganze hält sich für willig und fähig zur Besserung.     

 

Etwa zehn Jahre, 8/69, nach der Ausrufung dieses Regimes will es alle Konkurrenten um die geistige Orientierung der Menschen beseitigen, 8/77.  Der >Berg wälzt sich weithin<, begräbt alles unter sich und zerstört so sich selbst.  Davon ist auch der Mittelmeerraum, Ort der antiken Zivilisation, und die katholische Kirche betroffen, 10/65, für N. eine große Gründung.

 

Der schiitische Klerus als Gegner des Monarchen (1978/79)

   01/70   Pluie, faim, guerre en Perse non cessée    
                La foy trop grande trahira le monarque,    
                Par la finie en Gaule commnecée:    
                Secret augure pour à vng estre parque. (1555)   

                Regen, Hunger, Krieg nehmen in Persien kein Ende,

                der Glaube allzu stark, wird den Monarchen verraten.

                Am Ende (hat der Glaube) in Frankreich begonnen,

                geheimes Vorzeichen dafür, dass einer weggesperrt wird.
   
                   4) V.t. parquer einpferchen, einlagern, einschließen.  Das korrekte

                   parqué (mit Akzent) passte nicht ins Versmaß.    
   
1)2) >Hunger< kann z.B. Sieges- oder Freiheitshunger sein (---> faim).  >Regen< deutet im Kontext auf missliche Umstände.  Krieg in einem Land ist wahrscheinlich ein Bürgerkrieg.  All das hält lange an, man lässt nicht nach, gibt nicht auf.  Wer gegen wen kämpft, erklärt Vz 2:  Der Glaube steht gegen den Monarchen.  Im Iran kommt es seit Januar 1978 zu Demonstrationen gegen das repressive, westlich orientierte Regime des Schah.  Treibende Kraft ist der schiitische Klerus, an der Spitze der seit 1963 im irakischen Exil lebende Ayatollah Khomeini, 8/70.  

   
3)4) Seine Übersiedlung von Irak nach Paris im Oktober 1978 ist für N. ein "geheimes Vorzeichen" für den Erfolg der revolutionären Bewegung gegen den Monarchen.  Am 1.2.1979 fliegt Khomeini nach Teheran und wird triumphal empfangen.  Der Schah hat zuvor das Land verlassen.  Dass >einer weggesperrt< wird, bedeutet hier, dass der Pfauenthron als Institution abgeschafft wird.

Angreifer kommen in drei Wellen an die Küsten der Provence
 

   01/71   La tour marine troys foys prise & reprise   
               Par Hespagnols, barbares, Ligurins:  
               Marseille & Aix, Arles par ceux de Pise    
               Vast, feu, fer, pillé Auignon des Thurins. (1555)   

               Die Meeresfestung wird dreimal erobert und zurück erobert

               durch Spanier, Barbaren, Ligurer.

               Marseille und Aix, Arles durch die von Pisa

               verwüstet, Feuer, Schwert.  Avignon geplündert von Turinern.
   
                  4) Lat. n.f. vastatio Verwüstung, n.f. vastitas Öde, Verödung, v. vastare

                  öde machen, verwüsten, verheeren.  Mittelfrz. (Gr) n.m. fer Schwert (épée).    
   
Diese Ereignisse sind noch nicht eingetreten. -         Als "Meeresfestung" kommen z.B. in Frage: Port-de-Bouc, 1/28, oder Port-St-Louis-du-Rhône, beide nahe der Mündung der Rhone, beide mit einer Festung am Meer mit Turm.  Aber auch ein großes Schiff, etwa ein Flugzeugträger kann gemeint sein.  In 1/28 ist von  z w e i  Verwüstungen die Rede, erst durch "Barbaren", später durch westliche Schiffe.  Hier sind es  d r e i  Eroberungen.  Die "Spanier" und "Ligurer" können auch Eindringlinge sein, die von dort kommen, 1/09.    


Der Hafen von Marseille ist einmal voller Schiffe mit Muslimen, 1/18.  Wenn am Himmel eine neue Ordnung ist, d.h. nach dem Kataklysmus, dringen Feinde in den Hafen von Marseille ein, 3/79. Einmal sind die Bewohner von Marseille vertrieben worden, und Eindringlinge haben sich breit gemacht, 1/72.  Ein andermal ist ein "Bart" unter den Eindringlingen, 10/88, wohl der "schwarze Krausbart", 1/74.

Italienfeldzug (1796), Aufbruch nach Ägypten (1798)

   01/75   Le tyran Siene occupera Sauone:  
                Le fort gaigné tiendra classe marine:   
                Les deux armées par la marque d'Ancone   
                Par effraieur le chef s'en examine. (1555)    

                Der Tyrann (von) Siena wird Savona in Besitz nehmen.

                Wenn die Festung genommen ist, wird er die Flotte führen.

                Die beiden Armeen (ziehen) durch die Mark Ancona,

                erschrocken wird das Haupt sich daraufhin prüfen.
   
1)2) Im Juni 1796 wird auf Betreiben Bonapartes in Genua, auf dessen Gebiet Savona liegt, eine Ligurische Republik ausgerufen. Nach dem Erfolg in der Lombardei lässt Bonaparte im Juli 1796 Belagerungstruppen vor Mantua zurück, 1/33, und unterwirft das Herzogtum Toskanamit der Stadt Siena.  Für N. ist er ein Tyrann;  Bonaparte gibt sich aus als >Befreier der Völker Italiens<.  Am 2.2.97 gibt Mantua auf, 7/15.  Dann zieht die Armee durch den Kirchenstaat bis Ancona.  In den Marken wird dem Papst am 19.2.97 ein Frieden diktiert.    


3)4) Ein Jahr später wird Bonaparte zum Oberbefehlshaber gegen Großbritannien eingesetzt und greift das Ägyptenprojekt auf (Flotte), 3/23.  Gleichzeitig zieht eine zweite französische Armee nach Italien, besetzt Rom, setzt den Papst als Oberhaupt des Kirchenstaates ab und gründet eine Römische Republik.  Pius VI. wird in Siena interniert.  In der Bedrängnis mag der Papst seine Politik überdacht haben.  Aber zu einer Anerkennung der Zivilkonstitution des französischen Klerus, nach der die Priester den Eid auf die Republik leisten müssen, lässt sich der Achtzijährige nicht bewegen.    

Nomen est Omen

   01/76   D'vn nom farouche tel proferé sera,    
                Que les troys seurs auront fato le nom:   
                Puis grand peuple par langue & faict duira   
                Plus que nul autre aura bruit & renom. (1555)    

                Einen unbändigen Namen wird er haben, so deutlich,

                dass die drei Schwestern ihn prophetisch verkündet haben.

                Dann wird er ein großes Volk mit Worten und Taten führen.

                Weiter als der aller anderen wird sein Ruhm und Ansehen reichen.
                           
                   2) Lat. v. fari (for, fatus sum) prophetisch verkünden.  Lat. n.m. fatum Götterspruch,

                   Weissagung, Schicksal.  Ital. n.m. leone Löwe.    
   
1)2) Napo l e o n e  ist ein "unbändiger Name", denn einen Löwen kann man kaum zähmen, nur wegsperren oder töten. Die "drei Schwestern" sind die Parzen, gefürchtet für ihre Sprüche.  Schon der Name gilt im Mythos als Weissagung.  Der Engel des Abgrunds heisst in Offb 9,11 "Apollyon", d.h. Zugrunderichter, Zerstörer, Verderber;  es fehlt nur das N.  Schon dem Namen nach ist er ein Zerstörer, der die Menschen quält.    


3)4) Der Korse ist ein militärisches Genie.  Er führt Armeen und ab 1799 das Volk der Franzosen. Dieses gilt ab 1789 als "groß" im Sinne von großartig, 5/61, denn es wird weit über Frankreich hinaus für seine Revolution bewundert.  Für einige Jahre hat Napoleon Europa so dominiert wie kein anderer Franzose vor ihm. Sein "herber Ruhm", 2/11, reicht bis in den Orient, 3/23.  

Greisenhaupt geschmäht, weil es nicht up to date ist

   01/78   D'un chief viellard naistra sens hebete,    
                Degenerant par sauoir & par armes    
                Le chef de France par sa soeur redouté:  
                Champs diuisés, concedés aux gendarmes. (1555)

                Von einem Greisenhaupt wird Schwachsinn ausgehen,

                aus der Art schlagend bezüglich Wissen und Waffen.

                Das Oberhaupt Frankreichs von dessen Schwester gefürchtet.

                Gebiete geteilt, überlassen den Kriegern.
   
1)2 Marschall Pétain, geboren 1856, Held des ersten Weltkrieges, ist in der Zwischenkriegszeit Generalinspekteur, dann Kriegsminister, wirkt mit an der defensiven Strategie, 4/80.  Die Deutschen sollen im Kriegsfall wieder in einem Stellungskrieg ausgebremst werden.  Die Weiterentwicklung der deutschen Panzer zur Offensivfähigkeit nimmt er nicht zur Kenntnis.  Als die "Kriegerischen", 6/43, im Juni 1940 durchgebrochen sind, stehen keine Reserven bereit.  Für seine Unfähigkeit und anschließende Kooperation mit Deutschland nennt N. ihn "degeneriert".    


3)4) Frankreich wird dann "geteilt", und Petain darf von Hitlers Gnaden den unbesetzten Teil regieren, nennt sich großspurig Chef d'État Francais.  Italien erklärt Frankreich den Krieg, an der Alpenfront gibt es Schusswechsel.  Über besondere Furcht vor den Franzosen ist nichts bekannt; das ist nur ein weiterer Sarkasmus.  Auf Pétain hat es N.s Sarkasmus besonders abgesehen, 1/97, 8/65, 8/81.    

Streit um Gesetze und ein Monopol 

   01/79   Bazaz, Lectore, Condon, Ausch, & Agine  
                Esmeus par loys, querele & monopole.  
                Car Bourd. Thoulouze Bay. metra en ruine    
                Renouueler voulant leur tauropole.  (1555)    

                Bazaz, Lectoure, Condom, Auch und Agen

                (werden) erschüttert durch Gesetze, Streit und Monopol.

                Carcassonne, Bordeaux, Toulouse, Bayonne wird (es) zerstören,

                wenn diese ihre Taurische wieder aufleben lassen wollen.
   
                   3) Subjekt zu metra en ruine sind querele et monopole.  In "Car" wird mit Pfändler

                   ein abgekürztes Carcassonne erkannt.    
                   4) Mittelfrz. (Gr) v. renouveler auch: wieder aufleben lassen (renaître), wieder

                   beginnen (recommencer).   Altgriech. Adj. tauropolos taurisch, aus Taurien stammend,

                   ein Beiname der Göttin ---> Artemis.    
   
Taurisch ist ein Beiname der Göttin Artemis, die wegen ihrer Keuschheit als Deckname für die Jungfrau Maria und für den christlichen Glauben steht, 9/74.  Aquitanische Städte wollen den christ-lichen Glauben wieder aufleben lassen.  Das führt sie in einen Streit um Gesetze (---> loy).  Eines der Gesetze ist Staatreligion (Monopol).         

In den Glaubenskriegen im Frankreich des 16. Jahrhunderts stehen Reformierte den Katholiken gegenüber, deren Religion Staatsreligion ist.  Da ergreift N. klar für die Katholiken Partei, 5/72, 9/72, und hat gegen das >Monopol< nichts einzuwenden.  Hier aber erkennt er die Staatsreligion als zerstörerisch für südfranzösische Städte.  In der >Weltfriedensordnung< gibt es am Ende eine >neue Religion<, die die alten Religionen ersetzen will, erkennbar auch daran, dass >Hunger und Seuche< öfters gemeinsam auftreten, 6/05, 7/06.    


Wer sich dem entgegenstellt, wird als >Ketzer< verdammt, 3/36, und als >Feind des Friedens< ausgelöscht, 9/44.  Die Altgläubigen sind großer Bedrückung ausgesetzt, VH (25).  Städten, die den christlichen Glauben hoch halten wollen, droht die Zerstörung.    

Waldland, Österreich und Wien beben zweimal 

   01/82   Quand les colomnes de bois grande trêblée
                D'Auster conduicte couuerte de rubriche    
                Tant vuidera dehors grand assemblée,  
                Trembler Vienne & le pais d'Austriche. (1555
)   

                Wenn die Säulen des Waldes ein großes Beben (erleiden),

                vom Süd(ost)sturm begleitet, überzogen vom roten Gesetz ...

                wird (man/es) ebenso sehr die große Versammlung hinauswerfen,

                es beben Wien und das Land Österreich.
   
                   4) Lat. n.m. auster Sturm von Süden, Südosten.   Mittelfrz. (Gr) n.f. rubriche

                   > lat. rubrica rote Erde, rot geschriebenes Gesetz.      
   
1)2) Im Kontext mit Österreich ist das Waldland Deutschland, seit Tacitus' Germania das "Land der schaurigen Wälder und widerwärtigen Sümpfe".  Rot ist die Farbe, die Blutvergießen durch Umsturz oder Krieg anzeigt.  Diese kommen nicht  a u s  Österreich oder Deutschland, sondern die Länder werden von Süden / Südosten damit überzogen.  In 4/82 kommen sie vom Slawenland.  Der >Sturm< und das erste >Beben< sind ein kriegerisches Geschehen, denn das rote Gesetz deutet auf Blutvergießen.    


3)4) Im zweiten Weltkrieg dringen russische Truppen von Osten und amerikanische von Süden nach Österreich vor.  Aber beide ziehen später friedlich wieder ab, die Russen erst nach 10 Jahren. Doch hier werden die Eindringlinge ebenso kraftvoll durch ein zweites >Beben< wieder hinausgeworfen, durch Kriegsgegner und / oder durch ein außerordentliches Naturgeschehen.    

Globale Gotterdämmerung

   01/84   Lune obscurcie aux profondes tenebres,  
                Son frere passe de couleur ferrugine:  
                Le grand caché long temps sous les latebres,   
                Tiedera fer dans la plaie sanguine. (1555) 
 

                Mond verdunkelt in tiefer Finsternis,

                sein Bruder zieht vorbei, von rostiger Farbe.

                Der Große, lange Zeit verhüllt im Verborgenen,

                wird (dann sein) Schwert kühlen in der blutigen Wunde.
   
                   2) Adj. ferrugineux eisenhaltig > lat. ferrugineus rostfarben.        

                   3) Lat.n.f.pl. latebrae Verborgenheit, Schlupfwinkel.     
                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. fer Schwert (épée).  

                   V. tiédir mild werden, laisser tiédir abkühlen lassen.    
   
Der "verhüllte Große", der dann sein Schwert führt, ist kein Himmelskörper.  Daher ist hier keine Naturkatastrophe gemeint. 

  
1)2) >Schwester< der Sonne ist der Mond, 5/36.  Somit ist der >Bruder< des Mondes die Sonne. Die Sonne als Symbol steht bei N. für den christlichen Glauben, der Mond als Symbol für den Islam (---> sol, ---> lune).  Wenn >Mond< und >Sonne< niedrig am Horizont stehen, geben sie >wenig Licht<, 4/30.  Während einer globalen Götterdämmerung verblassen >die alten Götter<, die >alten Engel sinken<, 8/69.    


3)4) Der "Große" ist oberste religiöse Autorität in der Welt, 2/73, aufgestiegen zum Weltherrscher, 1/04, 1/95.  Sein Projekt, den Bereich der Religion ganz neu zu ordnen und die alten Religionen abzuschaffen, bleibt einige Jahre verborgen.  Dann kommt sein heißes Wortschwert zum Einsatz. Das >scharfe Schwert wird allen hineingestoßen bis zum Heft<, 10/65.  Die alten Religionen sollen tödlich getroffen werden.    

Maria Stuart flieht nach England, wagt zuviel

   01/86   La grande royne quand se verra vaincu,    
                Fera exces de masculin courraige:  
                Sus cheual, fluue passera toute nue,  
                Suite par fer:  à foy fera oultrage.  (1555)   
 

                Die große Königin wird, wenn sie sich besiegt sieht,

                ein Übermaß an männlichem Mut aufbringen.

                Zu Pferd wird sie (einen) Fluss überqueren, ganz blank.

                Verfolgung durch's Schwert.  Das wird den Glauben kränken.
   
                   4) Mittelfrz. n.m. fer Schwert, jede schneidende Waffe (épée, toute arme tranchante).    
   
1)2)3) Die neunzehnjährige Königinwitwe Maria Stuart kehrt 1561 von Paris nach Schottland zurück.  Dort neu vermählt, ist sie in die Ermordung ihres zweiten Gatten verstrickt und heiratet dessen Mörder, den sie leidenschaftlich liebt.  Im eigenen Land verfemt und bei Glasgow besiegt, flieht sie im Mai 1568 ganz ohne militärischen Schutz (>blank<) nach England, in das Reich der Königin, deren Thron zu beanspruchen sie nie aufgibt.  Bis zum Golf von Solway ist sie mit wenigen Getreuen ohne militärischen Schutz zu Pferd unterwegs, überquert diesen mit einem Fischerboot und landet auf englischem Boden.  Dort wird sie interniert.


4) Nach damaligem Empfinden verstösst es gegen Gottes Ordnung, eine gesalbte Königin hinzu-richten.  Auch Elisabeth I. empfindet das;  sie will die schon Verurteilte noch ermorden lassen, um die Hinrichtung zu vermeiden, was nicht klappt.  Auf dem Schaffott von Fotheringhay Castle wird für N. die gottgegebene Ordnung verletzt, als Elisabeth I., die nach katholischer Auffassung "Uneheliche", 10/84, und daher nicht rechtmäßige Königin, der alten Rivalin im Februar 1587 den Kopf mit einem Beil abschlagen lässt.    

Wenn Napoleon eine Dynastie gründen will, kommt sein Ende in Sicht

 

   01/88   Le diuin mal surprendra le grand prince    
                Vn peu deuant aura femme espousée,    
                Son puy & credit à vn coup viendra mince,    
                Conseil mourra pour la teste rasée. (1555)
    

                Göttliches Unheil wird den großen Fürsten überfallen.

                Kurz zuvor wird er eine Frau geheiratet haben.

                Rückhalt und Glaubwürdigkeit nehmen auf einen Schlag ab.

                Rat wird schwinden für den geschorenen Kopf.
   
2) Weil Napoleon unbedingt eine Dynastie gründen will, lässt der Vierzigjährige sich von seiner ersten Frau, die von ihm keine Kinder bekommt, scheiden und heiratet im April 1810 die achtzehn-jährige Marie Louise von Habsburg.


1) Die Katastrophe des Russlandfeldzuges Ende 1812 wird von manchem Zeitgenossen als Gottes-urteil gedeutet.  "Mit Mann und Ross und Wagen,/ so hat sie Gott geschlagen./  Es irrt durch Schnee und Wald umher,/  das große mächtge Franzosenheer./  Der Kaiser auf der Flucht,/  Soldaten ohne Zucht./ Mit Mann und Ross und Wagen,/ so hat sie Gott geschlagen"  dichtet ein unbekannter deutscher Zeitgenosse.  N. empfindet die Niederlage Napoleons ebenso.


3)4) Ende 1812 ist der Nimbus der Unbesiegbarkeit Napoleons nach nur einem halben Jahr Russland dahin ("auf einen Schlag").  In Deutschland gibt es Aufstände, der Rheinbund beginnt sich aufzulösen. Der Kaiser findet kein Rezept gegen den Zerfall seines Empire.  Als  eine der Ursachen des Niedergangs wird die mit zunehmendem Alter des Despoten abnehmende Bereitschaft zur Selbstkritik genannt.  

 

Die >Götter< selbst veursachen den großen Konflikt um die Religion 

   01/91   Les dieux feront aux humains apparence,   
                Ce quils seront auteurs de grand conflit:  
                Auant ciel veu serain espée & lance
                Que vers main gauche sera plus grand afflit. (1555)

                Die Götter werden es den Menschen deutlich machen,

                dass  s i e  die Urheber des großen Konflikts sind.

                Bevor ein heiterer Himmel zu sehen ist, Schwerter und Lanzen,

                und linkerhand wird die größte Heimsuchung sein.
   
Die >Weltfriedensordnung< beschreibt N. durch Vergleiche mit dem antiken römischen Imperium. Die römischen Kaiser lassen sich teils schon zu Lebzeiten, teils nach ihrem Tode vergöttlichen.  An die Spitze der neuen Weltordnung wird nach wenigen Jahren ein Mann gestellt, dem messianische Qualität zugetraut und der entsprechend vergöttert wird, 5/73, 10/71.  Das scheint auf das ganze Regime abzufärben, das sich einen heiligmäßigen Anstrich gibt.  Dessen Zelebranten und Statt-halter in den verschiedenen Weltteilen sind es, die hier sarkastisch >Götter< genannt werden. Äußere Feinde hat ein globales Regime nicht.  Der "große Konflikt" sind die Verfolgungen, dann der Befreiungskrieg in der Folge des Verbotes der alten Religionen.  Dieses geht von ganz oben aus. "Linkerhand" bedeutet Westen, womit ganz Europa gemeint sein kann, 4/50.             

 

Erst auf der neuen Erde kann die >Sonne<, der in Christus offenbar gewordene Gott der Bibel, wieder "klar, glänzend und hell" sein geistiges Licht spenden, 4/29 (---> sol).  

 

Britischer Luftangriff auf Turin, aber aus der Konföderation wird nichts

   01/93   Terre italique pres des monts tremblera,    
                Lyon & coq non trop confederés,    
                En lieu de peur l'un l'autre saidera   
                Seul Castulon & Celtes moderés. (1555)    

                Italienisches Land wird bei den Bergen beben,

                Löwe und Hahn (sind) nicht allzu konföderiert.

                Aus dem Grund der Furcht wird einer sich des anderen bedienen.

                Allein (der) Kastilier und (die) Kelten (sind) gemäßigt.
   
                    3) Wendung avoir lieu de faire qc. Grund haben etwas zu tun.  

                    4) Das n.m. castillan Kastilier ist abgewandelt zu Castulon, wie in 1/31.    
   
Der Hahn steht für Frankreich, der Löwe, der Seelöwe steht für Großbritannien, 2/94.  Am 16.6.1940 - Frankreich ist geschlagen - bietet Churchill der französischen Regierung eine "Union" beider Staaten an, 2/25, um den Durchhaltewillen der Franzosen zu stärken und so Zeit für die eigene Aufrüstung zu gewinnen.  Massive Militärhilfe verweigern die Briten, weil Großbritannien selbst auf Krieg nicht vorbereitet ist.  Französisches Militär verweigert der britischen Luftwaffe Basen in Südfrankreich, daher kommt die Royal Air Force direkt von der Insel, um Turin zu bombardieren (11.6.1940).  Großbritannien und Frankreich sind sich selbst die Nächsten, handeln aus Furcht um das eigene Wohl.  Die "Konföderation" ist eine Luftnummer, der ironische Ton deutlich zu spüren.  
 

Kastilien im Zentrum Spaniens steht für Spanien als ganzes.  Der spanische Regierungschef Franco erklärt Spanien am 11.6. als nicht Krieg führend und verweigert sich am 23.10 in einer Unterredung mit Hitler dessen Ansinnen, auf seiten Deutschlands in den Krieg einzutreten.  Dem schließt sich Pétain, der für Vichy-Frankreich spricht, am 24.10. an.  Kelten nennt N. die Franzosen nach dem Untergang des christlichen Königtums (---> Celtes).  Franco und Pétain sind "gemäßigt", indem sie Hitlers Krieg nicht beitreten wollen.    

>Zwillingsbruder< als >Findelkind< vor einer Kirche 

   01/95   Deuant monstier trouué enfant besson    
                D'heroic sang de moine & vestutisque:    
                Son bruit par secte langue & puissance son   
                Qu'on dira fort eleué le vopisque. (1555) 
 

                Vor (einer) Kirche (wird) gefunden ein Zwillingskind

                aus heroischen und uraltem Mönchsgeblüt. 

                Sein Ruhm (erwächst) aus weltanschaulicher Sprache und machtvollem Getön,

                und man wird sagen: Stark aufgestiegen der lebende Zwillingsbruder.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.m. moustier, monstier Kirche (église), Kloster (monastère).
                   Mittelfrz. (Gr) n.m. besson Zwilling (jumeau).

                 2) Lat. vetustus sehr alt.  

                   4) Lat. n.m. vopiscus Zwilling, dessen Bruder zu früh geboren ist und nicht überlebt.    
   
1)2) Der erste Zwillingsbruder ist >zu früh geboren und gestorben<, und zwar vor langer Zeit, denn das "Mönchsgeblüt" ist schon "uralt", wenn der Zweite erscheint.  Der erste Zwillingsbruder ist Jesus Christus.  Sein >Mönchsgeblüt< deutet auf seine Ehelosigkeit und wegen seinem freiwilligen Gang ans Kreuz nennt N. ihn "heroisch".  Der zweite Zwillingsbruder wird  v o r  der Kirche  g e f u n d e n,  ist sinnbildlich ein >Findelkind< (---> enfant).  Seine Eltern haben ihn dort ausgesetzt, 9/84, appellieren an die Nächstenliebe.  Und der Appell wird befolgt von den >Zieheltern<, denn man hält das >Findelkind< für geistig >sehr nah verwandt< mit dem ersten Zwilling, 1/58.    


3)4) Schnitt, Jahre später.  Der >Zwillingsbruder< erwirbt sich "Ruhm", indem er philosophische Diskurse und Anschauungen mit politischem Machtanspruch verbindet.  Er werde dem Gottesreich auf Erden nun zum Durchbruch verhelfen, 1/69.  Begeisterung umtost einen Mann mit weltlichen Zielen, befeuert eine gigantische Karriere, 1/04.  -     Zur Einordnung siehe Exkurs (14) zur Wiederkunft Christi.

An Einem sollen sich die Geister scheiden 

   01/96   Celui qu'aura la charge de destruire    
                Temples, & sectes, changés par fantasie,    
                Plus aux rochiers qu'aux viuâs viêdra nuire    
                Par langue ornée d'oreilles ressaisies. (1555)  

                Der die Aufgabe haben wird, zu zerstören

                Tempel und Sekten, durch Einbildungskraft verwandelte,

                wird mehr den Felsen als den Lebenden schaden.

                Durch brillante Rede (werden sie, die Felsen) an den Ohren ergriffen.

      
2)4) Ein brillanter Philosoph, ein >Haupt der Weisheit<, 5/31, deutet die alten Religionen neu;  ihre wahre Bedeutung sei noch gar nicht richtig verstanden.  >Endlich erklärt einer die alten Lehren so, dass man es auch glauben kann<.  Er verwandelt sie durch Einbildungskraft, vermischt sie, 6/10, wirft sie alle durcheinander (griechisch diaballein).  Alles müsse nun auf den Prüfstand, 9/09.     


1)3) N. meint, dass der Mann von Gott her dazu bestimmt sei, dass sich an ihm die Geister scheiden. Und er hat auch gesehen, dass sich an dieser Person Streit entzündet, 5/46.  "Gebt acht, dass euch niemand irreführt!  Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias, und werden viele irreführen", Mt 24,4.  Wer einen tätigen und dadurch lebendigen Glauben an Christus hat, wird auf den Mann eher nicht hereinfallen.  Die toten Felsen sind im Kontext jene Menschen, deren Glaube nicht lebendig war.  Das erweist sich daran, dass sie ihn bereitwillig aufgeben, weil sie "durch brillante Rede an den Ohren ergriffen" werden.

Der Völkerbund weckt die Hoffnung auf Frieden, ein Wunschdenken

   01/97   Ce que fer flamme n'asceu paracheuer,    
                La doulce langue au conseil viendra faire.  
                Par repos, songe, le roy fera resuer.  
                Plus l'ennemi en feu, sang militaire. (1555)
   

                Was Schwert (und) Flamme nicht zu vollenden gewusst haben,

                das wird die süße Rede im Rat fertigbringen,

                Durch Ruhe, Traum wird sie den König traumwandeln lassen.

                (Umso) mehr (verlegt sich) der Feind auf militärisches Feuer, Blut.
   
Flammenwerfer werden (wie Giftgas, 1/64) im ersten Weltkrieg erstmals in großem Stil eingesetzt, um im festgefahrenen Stellungskrieg die Schützengräben der Feinde zu attackieren.  Die Waffen der Angreifer können Frankreich nicht niederringen.  Aber dann kommt Versailles 1919, 1/47.  Die Satzung des Völkerbundes ist Bestandteil der Friedensverträge.  Man will abrüsten und künftige Konflikte mit Schiedsgerichten lösen.    


Solche Träumereien schwächen die Wehrbereitschaft Frankreichs, meint N.  Für manche Politiker mag das gegolten haben (Wehrpflicht reduziert von drei Jahren auf ein Jahr);  aber für den Kriegshelden und Marschall von Frankreich Philippe Pétain sicherlich nicht.  Er täuscht sich über den Schutz durch die Maginot-Linie und über die Einsatzmöglichkeiten der Panzer im modernen Krieg, 1/78.    

 

Im Juni 1940 geht die III. Republik unter, 4/22.  Pétain wird (nominell) Staatschef, er ist der Souverän, nicht mehr das Volk, und hat (nominell) Befugnisse wie ein König, 3/47.  Er darf den unbesetzten Teil Frankreichs regieren.  Statt Liberté, Égalité, Fraternité heißt es nun Travail, Famille, Patrie.  Ein Militär spielt Gegenrevolution.    

 

Weit weg von seinem Himmel unter fremder Sitte und Sprache

   01/98   Le chef qu'aura conduit peuple infini 
                Loing de son ciel, de meurs & lâgue estrâge:  
                Cinq mil en Crete & Thessale fini, 
                Le chef fuiant sauué en marine grange. (1555) 

                Das Haupt, das zahlloses Volk geführt haben wird,

                (ist) fern von seinem Himmel, unter fremder Sitte und Sprache.

                Fünftausend in Kreta und Thessalien, erledigt,

                das Haupt auf der Flucht, gerettet in (einer) Meeresscheune.
   
1)2)4) Napoleon hat riesige Heere befehligt und als Kaiser viele Völker seines Empire regiert.  Im April 1814 muss er abdanken, 2/48.   Nach der endgültigen Niederlage bei Waterloo, 10/48, will er fliehen (nach Amerika).  Aber der Hafen von Rochefort wird von den Briten blockiert.  Blücher, der preußische General, will ihn erschießen lassen, wenn er ihn fasst.  Napoleon lässt sich von Briten festnehmen und wird im Juni 1815 nach St. Helena eskortiert, einer kleinen Insel im Südatlantik.  Dort ist er vor seinen Feinden "gerettet".    


3)4) Kreta gehört in der römischen, Thessalien in der griechischen Antike zu den Orten, die Verbannte aufsuchen müssen.  St. Helena hat damals etwa 2000 Einwohner (Cronin S. 553). Zusammen mit den 2280 Soldaten der britischen Garnison kommt man auf rund 4300 Bewohner.  Die Meeresscheune ist Longwood House, ein Lagerhaus, wo Napoleon mangels Palästen Quartier bezieht.  Politisch ist er erledigt.  In seinen letzten Jahren diktiert er seine Memoiren.  Im Mai 1821 stirbt der "große Gefangene", 6/32, mit 51 Jahren an Magenkrebs.    

Blaue gegen Weiße, Tod für den weißen Kopf

   02/02   La teste blue fera la teste blanche  
                 Autant de mal que France a fait leur bien.    
                 Mort a l'anthêne grand pêdu sus la branche,  
                 Quand prins des siês le roy dira combien. (1555)   

                 Der blaue Kopf wird dem weißen Kopf

                 ebenso viel Schlechtes antun, wie Frankreich ihnen Gutes getan hat.

                 Tod für die Blume, der Große aufgehängt oben am Ast.

                 Gefangen von den Seinen, wird der König sagen wieviele.
   
                     3) anthene ist gebildet nach dem griechischen n.n. anthos Blume, Blüte.    
   
1)2) Die Flagge der Königstreuen zeigt goldene Lilien auf weißem Untergrund.  Blau ist die Farbe des Waffenrocks der Armee des Nationakonvents (Cronin S.141).  Der >Kopf< der Jakobiner ist seit Juli 1793 Robespierre.  Der >Kopf< der Royalisten ist der König.  Frankreich hat ihnen allen das Leben gegeben.  Ebenso viel nehmen sie dem weißen Kopf.              


3)4) König Louis XVI. mit der Lilie im Wappen (---> lis) wird im Januar 1793 auf der Guillotine hingerichtet.  Sein abgetrennter Kopf wird, auf einer Pike aufgespießt, dem gaffenden Volk präsentiert, 1/57.  Der ab Juli 1793 mächtigste Mann in Paris wird hier "König" genannt, wie in 6/92 (chef du Roy).  Im Konvent redet er von Verschwörungen, schürt Angst vor Denunziationen. Ende Juli 1794 wird er in einer dramatischen Sitzung des Konvents der Tyrannei bezichtigt.  Der Betreiber des Justizterrors muss erkennen, dass er die meisten Anhänger verloren hat.  Er endet da, wohin er Tausende gebracht hat, auf der Guillotine.    

Islamische Invasion von Monaco bis Sizilien

   02/04   Depuis Monech iusque au pres de Secile    
                 Toute la plage demourra desolé,    
                 Il ny aura fauxbourg, cité, ne vile    
                 Que par Barbares pillée soit & vollée. (1555)
    

                 Von Monaco an bis in die Nähe von Sizilien

                 wird das ganze Küstenhinterland verwüstet zurückbleiben.

                 Es wird dort keinen Vorort, keine Stadt noch Ortschaft geben,

                 die nicht von Barbaren geplündert und ausgeraubt wären.
   
                    2) Mittelfrz. (Gr) n.f. plage auch: Hang (coteau), Region (region), Gegend (contrée).    
   
1534 hat ein türkischer Korsar namens Khair ad-Din (wikip.), von Christen Barbarossa genannt, mit einer großen Flotte Menschen erbeutet und versklavt, angefangen beim kalabrischen Reggio;  aber er kam nur bis hinauf nach Latium;  außerdem ist das 1555 schon Geschichte.  -    


Barbaren sind für N. alle, die >die Sprache der Katholiken nicht sprechen< (--> barbare, --> langue). Meist sind die Völker Nordafrikas und des Nahen Ostens gemeint, die einem anderen Kulturkreis angehören.  Nach dem Kataklysmus, 2/54 Vz 2, kommen sie in mehreren Wellen, 1/71, nach Europa. Der Vers schildert nicht die Raubzüge selbst, sondern das Bild nach flächendeckenden Plünderungen. Das ganze Hinterland der italienischen Westküste ist ausgeraubt.  Sizilien, Palermo und Neapel sind "durch barbarische Hand unbewohnt", 7/06, d.h. die Bewohner sind getötet oder vertrieben.

Menschenrechte statt heiliger Monarchie

   02/08   Temples sacrés prime facon Romaine    
                 Reieteront les goffes fondements,    
                 Prenant leurs loys premieres & humaines, 
                 Chassant, non tout, des saints les cultements.  (1555)

                 Die Tempel, geweiht nach ursprünglicher römischer Art,

                 sie werden die tragenden Fundamente verwerfen,

                 indem sie sich ihren ersten und menschlichen Gesetzen unterstellen

                 und die Verehrung fast aller Heiligen abschaffen.
   
                    2) Mittelfrz. (Gr) Adj. goffe schwer, schwerfällig (lourd).        

                    3) Alte Wendung prendre la loy, des loys sich Gesetzen unterwerfen (großer Larousse).    
   
Unter einer ---> loy versteht N. ein religiöses oder philosophisches Prinzip als Grundlage einer Rechtsordnung, Exkurs (4).  Der christliche Glaube ist das "tragende Fundament" der "heiligen Monarchie", 6/57.  Es wird 1789 als Legitimation des Gottesgnadentums der Könige verworfen.  An seine Stelle treten die im 18. Jahrhundert von der Philosophie der Aufklärung konzipierten Menschenrechte, die Verfassungsrang erhalten.  Wie 1776 in den USA wird 1789 in Frankreich die universelle Geltung der Menschenrechte zur Grundlage des neuen Staates erklärt.  ''Erste" Gesetze heißen sie, weil sie allen Menschen kraft Geburt und von Geburt an zustehen und damit älter sind als während des Lebens erst erworbene Rechte.   

 

Die papsttreue Kirche, die die Heiligenverehrung pflegt, wird illegal.  Alle Geistlichen, die ihren Beruf ausüben wollen, müssen den Eid auf die Verfassung leisten.  Die Entchristianisierung (wikip.) des öffentlichen Lebens wird weit vorangetrieben.

 

Ein Magerer verfällt einem Blutdurst, und ein großes Volk stirbt ohne Glauben 

   02/09   Neuf ans le maigre en Paix tiendra,    
                 Puis il cherra en soif si sanguinaire:  
                 Pour luy grâd peuple sans foy & loy mourra    
                 Tué par vn beaucoup plus debonnaire. (1555)    

                 Neun Jahre wird der Magere die Herrschaft im Frieden innehaben,

                 dann wird er einem wahren Blutdurst verfallen.

                 Wegen ihm wird ein großes Volk ohne Glauben und Gesetz zugrunde gehen. 

                 Getötet (wird er) durch einen sehr viel Edleren.
   
                    3) Wendung avoir ni foi ni loi keinen Glauben und keine Moral besitzen, gewissenlos sein.    
   
1) Die Magerkeit ist Sinnbild.  Im Mittelalter werden der Teufel und seine Dämonen mit Hörnern, Huf, Schweif und skeletthaft mager dargestellt.  Die Magerkeit bedeutet den Hunger auf die Seelen der Menschen.  Für N. sind alle Menschenseelen in Gefahr, die von der katholischen Religion abgewendet werden.  Die ganze Welt macht einmal einen zum Alleinherrscher, der "nicht lange" Frieden hält, 1/04, hier sind es neun Jahre.

     
2) Auch der Blutdurst ist ein Sinnbild.  >Blut und Substanz< der katholischen Kirche steht für die Glaubenslehren und die Sakramente, mit denen das Blutopfer Christi als erlösende Tat gefeiert wird. Nach dem >Blut Christi< dürstet es den >Mageren<.  In einer Zeit mit scheinbar besten Friedens-aussichten kassiert er die alten Glaubenslehren, 10/65.      


3) Im Kontext sind die Christen der Welt das >große Volk<, 1/53.  Der Blutdurstige wird den Namens-christen, die ihm folgen, den alten Glauben nehmen können, weil sie akzeptieren, wenn er etwas >Besseres< verordnet, 9/12.    

 

4) Der viel Edlere ist der spätere Herrscher, der als Sieger aus dem Krieg um die Freiheit Europas und der Religion hervorgeht, 6/70, nachdem er den >Mageren< getötet hat, 8/46.    

Gleichheit:  Die feudale Ordnung ist aufgehoben

   02/10   Auant long temps le tout sera range    
                Nous esperons vn siecle bien senestre: 
                L'estat des masques & des seuls bien changé   
                Peu trouerunt qu'a son rang veuille estre. (1555)

                Bevor nach langer Zeit das Ganze in Ordnung gebracht ist,

                sehen wir einem ganz verkehrten Zeitalter entgegen.

                Der Stand der Masken und der Alleinstehenden sehr verändert,

                wenige werden finden, dass sie ihrem Stand angehören wollen.
   
Seit der Zeit Ludwigs XIII. ist es beim französischen Adel Mode, sich das Gesicht zu pudern und Perücke zu tragen.  Diese "Maskierung" kommt 1789 aus der Mode.  Denn die feudalen Privilegien werden wegen der gleichen Rechte aller Menschen aufgehoben.  Der Stand der zölibatär lebenden katholischen Geistlichen verändert sich dadurch, dass eine neue, zivil verfasste Nationalkirche entsteht. Die Priester müssen den Eid auf die Verfassung leisten.  Wer ihn verweigert, hat Berufsverbot. Prozessionen, geistliches Ornat in der Öffentlichkeit sind verboten.  Orden werden aufgehoben, Gelübde dürfen nicht mehr abgelegt werden.   

 

Die Erfüllung der Vz 1 liegt auch heute noch in der Zukunft.  Gemeint ist keine Restauration des Feudalsystems, aber die wieder akzeptierte Souveränität eines Herrschers.

Napoleon kann keine Dynastie gründen

   02/11   Le prochain fils de l'aisnier paruiendra 
                Tant esleué iusques au regne des fors,    
                Son aspre gloire vn chascun la craindra,    
                Mais ses enfants du regne getés hors. (1555)   

                Der nächste Sohn wird (weiter) emporkommen als der Ältere,

                sehr weit erhoben, bis zur Herrschaft über Ausländer.

                Sein herber Ruhm, ein jeder wird ihn fürchten,

                aber seine Kinder werden von der Herrschaft fern gehalten.
   
                   1) asnier ist ein verschriebenes aisnier, es korrespondiert mit prochain.      

                   2) fors > mittellat. n.m. forens Ausländer, passt in den Kontext.    
   
Der Erstgeborene Giuseppe, dann Joseph Bonaparte, hat sich darein gefügt, dass der Zweitgeborene nach dem frühen Tod des Vaters zum Familienoberhaupt wird.  Als Mitglied des Familienclans partizipiert er an dessen Karriere.  Kaiser Napoleon macht nicht nur in Frankreich Karriere, er kann auch erhebliche Teile des europäischen Kontinents seinem Empire einverleiben, 5/61, oder durch Bündnisverträge an das Empire binden.  Sein älterer Bruder bringt es unter ihm zum König von Neapel, dann König von Spanien.

 

Napoleons Ruhm ist auf militärische Erfolge gebaut und für die unterworfenen Zeitgenossen "herb". Bei den Fürsten Europas ist er auch deshalb gefürchtet, weil er Errungenschaften der Revolution exportiert. Als Kaiser will er eine Dynastie gründen und hat dafür auch schon eine junge Frau aus altem Adel geheiratet, 1/88, und mit ihr den nötigen ehelichen Sohn gezeugt, 4/07.  Aber nach der endgültigen Abdankung 1815 wollen die Franzosen von einer napoleonischen Dynastie nichts mehr wissen.

Berufsverbot für Geistliche, dann geißelt ein großer Monarch die Verblendung

   02/12   Yeux clos, ouuerts d'antique fantasie    
                L'habit des seulz seront mis à neant,    
                Le grand monarque chastiera leur frenesie:   
                Rauir des temples le tresor par deuant. (1555)
    

                Augen geschlossen, offen (nur) für antike Phantasien.

                (Die im) Ornat der Alleinstehenden ins Nichts geschickt.

                Der große Monarch wird ihre Verblendung geißeln.

                Sie rauben den Schatz der Tempel zuvor.
   
1) Die Angaben passen auf den Sept. 1792, als die Monarchie abgeschafft und Frankreich Republik wird.  Man huldigt der "antiken Phantasie", mit einer demokratischen Republik besser zu fahren als mit der Monarchie.  Die Demokratie gab es erstmals in antiken griechischen Stadtstaaten.    


2) Geistliche, die nicht auf die Verfassung schwören, haben Berufsverbot.  Orden werden aufgelöst, Klöster aufgehoben.

    
4) Die Kirchengüter sind zuvor per Dekret vom 2.11.1789 in Staatsbesitz überführt worden.


3) In Napoleon erkennt N. einen Tyrannen, 7/13.  >Größe< ist bei ihm, mit wenigen Ausnahmen, nicht die eigene Wertung, sondern wahrgenommene Größe, d.h. die Wertung der Zeitgenossen, Exkurs (5).   Napoleon werde dem Volk ein strengerer Zuchtmeister sein als das Ancien Régime, 7/13.  Er macht faktisch Schluss mit der Demokratie, setzt im Konkordat von 1801 die Kirche in alte Rechte wieder ein und schafft 1806 den neuen nachchristlichen Kalender, 1/42, wieder ab.    

Nach dem Kometensturz wird ein Monarch ermordet, aber N. glaubt es nicht

   02/15   Vn peu deuant monarque trucidé?    
                Castor, Pollux en nef, astre crinite.    
                L'erain publique par terre & mer vuidé  
                Pise, Aste, Ferrare, Turin, terre interdicte. (1555)   

                Kurz bevor (der) Monarch ermordet (wird) ?   

                (sind) Castor, Pollux im Schiff, (erscheint) behaarter Stern.
                Das öffentliche Erz auf Land und Meer entleert,
                Pisa, Asti, Ferrara, Turin (sind) verbotenes Gebiet.

   
Im März 2020 klingt Vz 4 auf einmal anders.  Der pandemiebedingte Lockdown hat Italien besonders hart getroffen.  Und dass das hoch verschuldete Land dann eine Staatspleite erlebt, ist vorstellbar.  Aber ins Meer wird man kein Geld versenken, das passt nicht.


Die Reihenfolge der Vorgänge ist: 1. Zwillinge im Schiff  2. Komet  3. Mord mit Fragezeichen  4. öffentliches Erz weg  5. Interdikt für Städte.    

1. Das >Schiff<, in 1/04 das Fischerboot, ist die katholische Kirche.  Papst Johannes Paul I. hat 33 Tage durchgehalten, Papst Johannes Paul II. 27 Jahre.  Castor ist in der Sage sterblich, Pollux unsterblich, was hier kurz- und langlebig bedeutet.  Bis dahin ist der Vers erfüllt, der Rest kommt noch.    
2. Irgendwann nach diesen beiden Päpsten kommt der Komet, der die Erde schlägt, 2/43 Vz 3..  

3. Wieder einige Jahre später soll die Erinnerung an Christus von der Erde getilgt werden, 3/72.  >Der Himmelsherrscher wird ermordet<.  Ob sich da nicht jemand überhebt?  

4. Glockengeläut wird von Dichtern als Getöse von Erz besungen.  Mit dem Stifter wird auch der Kultus verboten und so das >Meer< entleert, das ist der Bereich der Religion (---> mer).  Auch politisch (---> terre) ist der Rückhalt weg.    

5. Städte, die sich widersetzen, werden mit einem "Interdikt" belegt;  so hieß das Verbot von Gottes-diensten für ein bestimmtes Gebiet. 
 

Menschenleere Gegenden, Bauern arbeiten mit einfachen Mitteln

   02/19   Nouueaux venus, lieu basti sans defense,    
                Occuper place par lors inhabitable. 
                Prez, maisons châps, villes prêdre a plaisâce,   
                Faim, peste, guerre, arpen long labourable. (1555)    

                Neue (Leute) gekommen, bebauter Ort (ist) ohne Verteidigung.

                Sie besetzen den Platz, den bis dahin unbewohnbaren.

                Wiesen, Häuser, Felder, Städte nehmen sie nach Belieben.

                Hunger, Seuche, Krieg, ein Morgen lange zu bestellen.
   
Hier wird die Einwanderung von Juden nach Palästina 1948ff erkannt, ihr Einsatz für die Urbarmachung des Landes, und die Kriege seit 1948.  Aber sie leiden keinen Hunger und sind nicht "ohne Verteidigung", sondern von Anfang an wehrhaft und haben seitdem alle Kriege gewonnen. -    


Dicht besiedelte Gegenden sind nach dem Kataklysmus unbewohnbar, 2/95, weil die industrielle Land-wirtschaft und industrielle Güterproduktion zum Erliegen gekommen ist.  Bauern müssen wieder mit einfachen Mitteln arbeiten, Vz 4.  Städter ziehen auf's Land und beanspruchen einen Anteil am Ackerland, um sich zu versorgen.  Man streitet sich um die Aufteilung des Landes, 2/95.     


2)3) Ein Teil der Flächen ist verseucht und aufgegeben.  Nach Abklingen der Belastung können sie wieder besiedelt werden, nach Belieben, weil sie niemandem mehr gehören.       


1)4) Es gibt keine Streitkräfte mehr, keine Verteidigung.  "Offene Orte", 10/31, sind Orte, die nicht verteidigt werden und daher nicht angegriffen werden dürfen (Kriegsrecht).  Daher haben es fremde Einwanderer leicht, zu kommen und in Konkurrenz zu treten zu den eingesessenen Bewohnern.  Dass sie sich an völkerrechtliche Standards halten, ist eher nicht zu erwarten, 3/82.    

Der Zug der Palastvögel geht weiter (1815)

   02/23   Palais, oyseaux, par oyseau dechassé,    
                 Bien tost apres le prince preuenu,  
                 Combien qu'hors fleuue enemis repoulsé    
                 Dehors saisi trait d'oyseau soustenu. (1555)  

                  Palastvögel (werden) durch (einen) Vogel verjagt.

                  Recht bald danach ist der Fürst vereitelt.

                  Obwohl aus dem Fluss gekommen, werden Feinde (doch) zurückgeschlagen.

                  (Vogel) draußen ergriffen, Vogelzug aufrecht erhalten.

    
                      2) V. prévenir auch:  zuvorkommen, verhüten, vereiteln.  Manche spätere

                      Ausgaben haben "parvenu", was den Sinn ganz entstellt.    
   
3) Die 1793 über den Rhein nach Frankreich vorgedrungenen Truppen Preußens und Österreichs können ab 1794 zurückgedrängt werden.  Das Land der Revolution behauptet sich.  

 

1) Die >Palastvögel< sind all jene zahlreichen Fürsten, die Napoleon 1796ff in Italien, Spanien und dem Reich von ihren Thronen und aus ihren Palästen verjagt hat.  Als Kaiser gehört der Korse ab 1804 dann selbst für einige Jahre zu diesen Vögeln, und zwar gleich als Adler, 2/44.

    
2)4) Diesem Adler treten die anderen Vögel entgegen, und >bald danach<, im Jahr 1814, ist der gemeinte "Fürst vereitelt".  Nach seiner Flucht aus dem Exil wird er "draußen ergriffen", d.h. auf dem Schlachtfeld besiegt, 1/23, und genötigt, endgültig abzudanken.  Die aufgescheuchten Palastvögel können dann ihren Zug durch die Zeit fortsetzen  -  es kommt die Restauration des Wiener Kongresses, 6/04.    

 

Donauraum verteidigt, Deportationen im eisernen Käfig

   02/24   Bestes farouches de faim fluues tranner:    
                Plus part du camp encontre Hister sera,   
                En caige de fer le grand fera treisner,    
                Quand R in enfant Germain obseruera. (1555)    

                Wilde Tiere, unbändig vor Hunger, überqueren Flüsse.

                Der größte Teil des Heeresaufmarschs wird gegen Hister sein.

                In eisernem Käfig wird der Große verschleppen lassen,

                wenn germanisches Kind den Rhein achten wird.
   
                   1) Lat. v. tranare, trannatare hinüberschwimmen, durcheilen.    

                   4) "R in"  ist ein verstümmeltes Rhin.  Das v. observer in der Bedeutung

                   beachten, befolgen, hat Sitten und Gesetze zum Gegenstand.  Der >Rhein<

                   ist hier Metapher  für Sitten und Gesetze im faschistischen Deutschland.    

1)2) Hister ist der lateinische Name für den Unterlauf der Donau.  Seit 1941 mit Deutschland verbündet, werden Ungarn und Rumänien im Frühjahr 1944 gegen den Heeresaufmarsch der Russen verteidigt. Hister bedeutet den Donauraum und wegen der ähnlichen Lautung auch den von dort stammenden, 3/58, Diktator selbst.

>Wilde Tiere< hungern nach Rache für den Feldzug der Deutschen, die ihre Völker vernichten oder versklaven wollten.  Die Russen haben auch die Steppenvölker ihres Imperiums mobilisiert.  Die asiatischen Gesichter dieser Soldaten kommen N. unheimlich vor.

3) Am 30.1.1939 sagt Hitler öffentlich, dass ein neuer Weltkrieg "die Vernichtung  der jüdischen Rasse in Europa" bringen werde, ohne sich als deren Initiator zu bekennen.  Ab 1941 werden die Juden Europas, zusammengepfercht in Güterwaggons, in die Vernichtungslager verschleppt.    


4) Deutschland nach 1918 nennt N. Germanien, 3/76.  An die romantische Verklärung der deutschen Nation im neunzehnten Jahrhundert anknüpfend, will man 1933ff ein Volkstum der fernen Vergan-genheit wiederbeleben.  Im Nibelungenlied ist der Rhein ein Schicksalsfluss der Nation.    

Frankreich als „Festung, preisgegeben von fremder Schutzwache“  - 
die Evakuierung des britischen Expeditionscorps von Dünkirchen.
Churchill bietet Frankreich eine Union an (16.6.1940)

   02/25   La garde estrange trahira forteresse:   
                Espoir & umbre de plus hault mariage.
                Garde deceue, fort prinse dans la presse,  
                Loyre, Son, Rosne, Gar. à mort oultrage.  (1555)  

 

 

                Die fremde Bewachung wird die Festung preisgeben.

                Hoffnung und leerer Schein höchster Heirat. 

                Wache enttäuscht, Festung genommen in der Bedrängnis.

                Loire, Saône, Rhône und Garonne (erleiden) tödliche Schmach.
   
                    2) N.f. ombre Schatten, mittelfrz. (Gr) auch Vorwand (prétexte)  

                    > lat. n.f. umbra Schatten, leerer Schein.    
   
1)3) Die >Festung< (---> forteresse) ist Frankreich zu Beginn des zweiten Weltkrieges, als das Land einer defensiven Strategie folgt.  Man fühlt sich hinter der Maginot-Linie, 4/80, allzu sicher.  Die "fremde Schutzwache" besteht aus zehn britischen Divisionen, ab September 1939 in Nordfrankreich stationiert.

    
Deutsche Panzer erreichen schon zehn Tage nach Beginn des Westfeldzuges die Kanalküste.  Die britischen Truppen werden zurückgedrängt und bei Dünkirchen eingekesselt.  Die Evakuierung läuft vom 27.5. bis 4.6.1940.  Die Briten werden  "abtrünnig von der großen Festung", 4/65 Vz 1.  Über diesen Verlauf ist die "Wache enttäuscht", 6/43 Vz 4.

   
2) Am 16.6.40 bietet der britische Premier Frankreich eine politische Union an, um den Durchhalte-willen der Franzosen zu stärken.  Die Hoffnung vergeht so schnell, wie sie aufkeimt, 1/93.  Schon am 17.6. erklärt der neue französiche Ministerpräsident Pétain, dass Frankreich den Kampf aufgeben müsse, 7/34.    


4) Der größte Teil Frankreichs, ab November 1942 auch der Süden (Rhône, Garonne), wird besetzt.  Der Nationalstolz der Grande Nation wird durch Besatzung und Kollaboration vier Jahre lang auf das Schwerste gekränkt.

   

Paris erweist einem Großen seine Gunst, die Lombardei leidet

   02/26   Pour la faueur que la cité fera    
                 Au gran qui tost perdra champ de bataille,  
                 Fuis le rang Po, Thesin versera  (1555)  
                 De sâg, feuz, morts, noyes de coup de taille.    

                 Wegen der Gunst, welche die Stadt erweisen wird

                 dem Großen, der bald die Schlacht verlieren wird,

                 Fliehe vor der Schlachtreihe, Po!  Tessin wird sich abwenden

                 von Blut, Bränden, Toten, durch Schwertstreich Ertränkten.
   
                     3) Mittelfrz. (Gr) v. verser umwerfen (renverser), umgestürzt werden

                     (être renversé), sich umdrehen (se retourner).    
   
1)3)4) Im März 1796 erweist Paris dem General Bonaparte die Gunst, ihn zum Oberbefehlshaber eines Feldzugs zu ernennen, durch den der Einfluss Österreichs in Italien zurückgedrängt werden soll.  Bonaparte ist da noch kein "Großer", erwirbt aber 1796 ein Renommee, das für seine politische Karriere den Grundstein legt.  In schnell aufeinander folgenden Schlachten besiegt er die Piemon-tesen, wendet sich dann Mailand zu, das damals zu Österreich gehört.  Po und Tessin begrenzen das Herzogtum im Süden und Westen.  An der Adda kommt es zur Schlacht, 1/33.  Eine Brücke wird genommen, die unter feindlichem Feuer steht;  etwa 200 Franzosen kommen in den Fluten um (Cronin S.151).


2) >Bald< danach, im Jahr 1814, werde der "Große" die Schlacht verlieren, 10/76.  N. liebt es, den Wechsel des Kriegsglücks oder den Wandel in der Gunst der Zeitgenossen in einem Atemzug zu nennen, Exkurs (12) über göttliche Gerechtigkeit als prophetisches Schema.  

 

Göttliches Wort vom Himmel geschlagen 

   02/27   Le diuin verbe sera du ciel frappé,    
                Qui ne pourra proceder plus auant.  
                Du reserant le secret estoupé    
                Qu'on marchera par dessus & deuant. (1555)   

                Das göttliche Wort wird vom Himmel geschlagen (werden),

                es wird nicht mehr öffentlich auftreten können.

                Von dem Zusammenschnürenden wird das Siegel geschlossen,

                so dass man darüber hinweg- und daran vorbeigehen wird.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. secret auch: kleines Siegel für Geheimsachen (petit sceau

                   pour les affaires secretes), v. estouper schließen (fermer).    
   
In vorkritischer Zeit, d.h. vor der Aufklärung, gilt die Bibel als das Wort Gottes, Altes und Neues Testament, ohne wenn und aber.  >Der Himmel< kann Metapher für Gott sein, aber der schlägt sein eigenes Wort nicht.  >Der Himmel< bedeutet hier, mit deutlich sarkastischem Unterton, die Mitglieder und Statthalter eines Regimes, auf die die >messianische Qualität< des Mannes an der Spitze abfärbt. Von  d i e s e n >Göttern< geht das Verbot aus, 1/91.  Sie fühlen sich als erhabene Vorkämpfer, wie das bei politischen Ideologen zu beobachten ist, die sich die Avantgarde des >richtigen Bewußtseins< dünken.  

 

Der Vers handelt von der letzten Zeit der alten Erde, wenn das Alte und das Neue Testament ''verworfen und verbrannt" sind, VH (43).  Auch anderes Schrifttum, das >von den alten Göttern inspiriert< ist, wird >begraben<, 8/27.  Viele gehen gleichgültig oder zustimmend darüber hinweg, dass mit >dem ganzen alten Kram< Schluss sein soll.  

 

Ein weit gereister Papst befreit ein großes Volk

   02/28   Le penultime du surnom du prophete    
                 Prendra Diane pour son iour & repos:    
                 Loing vaguera par frenetique teste,    
                 Et deliurant grand peuple d'impos. (1555)    

                 Der Vorletzte mit dem Beinamen des Propheten

                 wird Diana als seinen Tag und für seine Ruhe nehmen.

                 Weit wird er umherfahren wegen seines leidenschaftlichen Kopfes

                 und wird ein großes Volk von Auflagen befreien.
   
                     4) impos ist ein abgekürztes n.m. imposition Steuer, Auflage

                     > lat. v. imponere auflegen, auferlegen, aufbürden.    
   
1)3) Der polnische Kardinal Wojtyla nimmt 1978 den Namen Johannes Paul an;  Johannes v. Patmos hat das letzte prophetische Buch der Bibel verfasst.  Frénésie bedeutet neben Tobsucht auch die noch nicht klinische Leidenschaft.  Der Pole will die Einheit der Weltkirche sichtbar machen, was ihn zum weitest gereisten Papst der Kirchengeschichte macht.  N. erkennt einen >umtriebigen Über-zeugungstäter<.    


2) Diana, die griechische Artemis, dient N. wegen ihrer Keuschheit als Deckname für die Jungfrau Maria. Für seine Marienverehrung ist Wojtyla bekannt.      

 

4) N. erkennt in ihm die treibende geistige Kraft des politischen Prozesses, in dessen Verlauf seine Heimat Polen die kommunistische Diktatur herausfordert und schon vor deren Zusammenbruch große Zugeständnisse erreichen kann. 

   
1) Johannes Paul II. ist der vorletzte Papst, den N. zählt, d.h. Benedikt XVI. ist für ihn der letzte, der Kurs hält, 8/47 Vz 4, und den er akzeptiert.  Nach dessen Abgang sieht er ein Schisma auf die katholische Kirche zukommen, VH (14), 8/93.    

 

Überschwemmungen in Kampanien 

   02/31   En Campanie Cassilin sera tant    
                Qu'ô ne verra que d'eaux les châps couuerts    
                Deuant apres la pluye de long temps  (1555)    
                Hors mis les arbres rien l'on verra de vert.

                In Kampanien wird es bei Capua so schlimm sein,

               dass man nichts sehen wird als von Fluten bedeckte Felder.

                Vor (und) nach dem lang andauernden Regen

                wird man dort außer den Bäumen nichts Grünes sehen.
   
Das antike Casilinum lag dort, wo heute die Stadt Capua liegt, in der Ebene nördlich von Neapel.  Man sieht nichts als von Fluten bedeckte Felder, aus denen Bäume herausragen.  Dass auch  v o r  den intensiven Regenfällen die Felder schon überschwemmt sind, kann mit den Springfluten zusammenhängen, die für Italien (Sizilien und Florenz) angesagt sind, 8/16;  der außerordentliche Dauerregen kommt noch obendrauf.  Wenn das zutrifft, würde der Vers von den Überschwemmun-gen handeln, die als Folge des Kometensturzes angesagt sind (= Kataklysmus).  

Dagegen könnte sprechen, dass die Bäume grün sind, während der Kometensturz, der den Kataklysmus auslöst, für ein viertes Quartal angesagt ist, für die Zeit eines julianischen Oktober (14.10. bis 14.11.), VH (18).  Aber Kampanien hat auch viel immergrüne Vegetation, Macchiewälder, Zitrus- und Olivenkulturen.  Für die Zuordnung zum Kometensturz spricht, dass Gruppenvers 2/81 unter dem Namen Deukalion von den Überlebenden einer außerordentlichen Flutkatastrophe handelt.

Eine Sturzflut lässt die Etsch zum Po durchbrechen 

   02/33   Par le torrent qui descent de Verone    
                Par lors qu'au Po guindera son entrée,    
                Vn grand naufraige, & nô moins en Garône    
                Quât ceux de Gênes marcherôt leur côtrée. (1555)

                Durch die Sturzflut, die von Verona herabkommt,

                dadurch, dass zum Po hoch die Mündung steigt,

                (gibt es) großen Schiffbruch. Und dasselbe auf der Garonne,

                wenn die von Genua ihren Gegenangriff vortragen.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) v.  guinder aufsteigen, in die Höhe steigen (s'élever).    
                   4) N.f. contrée Gegend.  Hier ist das n.m. contre Gegenschlag zu

                   contrée abgewandelt, um den Reim zu erfüllen.    
   
1)2)3) Ursache für die Sturzfluten im Etschtal sind außerordentliche Regenfälle.  Sie sind nach dem Kometensturzgeschehen zu erwarten und lassen auch Po und Tiber übergehen, 2/43.  Die Fluten sind so gewaltig, dass sie imstande sind, den Lauf der Etsch zu ändern.  Bisher hat sie eine eigene Mündung in die Adria, aber danach mündet sie in den Po.  Das bringt großen Schiffbruch mit sich und außerordentliche Überschwemmungen.  Das gewaltige Anschwellen der Flüsse betrifft den Ebro, Tajo, Rhône, Garonne, Po und Tiber, 3/12.  Als Entwarnung für den Norden Europas ist das aber nicht zu verstehen, 10/50 (Maas), 9/37 (Marne).    


4) Das Kometensturzgeschehen greift in einen Krieg in Europa ein, der dann im Gang ist, 2/43.

   

Das revolutionäre Frankreich belagert Mantua

   02/37   De ce grand nombre que lon envoyera  
                Pour secourir dans le fort assiegés,    
                Peste & famine tous les deuorera    
                Hors mi septante que seront profligés. (1555)    

                Von der großen Zahl derer, die man losschicken wird,

                um zu helfen den in der Festung Belagerten,

                wird Seuche und Hungersnot alle verschlingen,

                außer siebzig, die überwältigt werden.
   
                   4) Lat. v. profligare niederschlagen, überwältigen, zugrunde richten.  Lat. septuaginta siebzig.    
   
1)2) Nach dem Sieg Napoleons bei Lodi, 1/33, ist die Lombardei unterworfen (10.5.1796).  Nur die Festungsstadt Mantua ist noch in der Hand der Österreicher.  Ab dem 19.7.1796 wird sie belagert. Um ihr zu Hilfe zu kommen, schicken die Österreicher nacheinander drei Heere, im Juli und Novem-ber 1796 und im Januar 1797;  sie werden alle besiegt.  Am 2.2.97 geben die Belagerten auf, 3/37.

   
3) Während der Belagerung sterben etwa 18000 Österreicher und 7000 Franzosen an Hunger und Seuchen wie der Malaria, Typhus und Dysenterie, dazu auch viele Bewohner der Stadt (wikipedia Belagerung Mantuas).


4) Die Zahl 70 meint die Septuaginta, das aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzte Alte Testament, das der Legende nach von 70 Autoren zusammengeschrieben wurde.  Es steht hier für die auf den christlichen Glauben gegründete Legitimität der Fürsten, das sogenannte Gottes-gnadentum, wie in 1/15 (XI).  Die Franzosen unter General Napoleon Bonaparte stürzen in Italien mehrere Fürstentümer, gründen an ihrer Stelle säkulare Republiken.  Der christliche Glaube selbst wird nicht angetastet.

    

Nürnberger Tribunal und Ende der Anti-Hitler.Koalition

   02/38   Des condemnés sera fait vn grand nombre    
                Quand les monarques seront conciliés:  
                Mais a l'vn d'eux viendra si malencombre    
                Que guerres ensemble ne seront raliés. (1555)    

                Eine große Zahl von Verurteilten wird es geben,

                wenn die Monarchen sich verständigt haben werden.

                Aber von einem von ihnen wird ein so übles Hindernis ausgehen,

                dass die im Krieg Verbündeten nicht (mehr) vereint sein werden.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. encombre fataler Unfall (accident fâcheux),

                   n.m. encombrier schwierige Lage, Klemme (embarras), obstacle (Hindernis).    
   
1)2) Im Juli 1945 konferieren in Potsdam die Siegermächte des zweiten Weltkrieges, vertreten durch die Großen Drei, 1/31, US-Präsident Truman, den britischen Premier Churchill und Stalin, den Regierungschef der Sowjet-Union).  Als Entscheidungsträger haben sie Aufgaben wie in früheren Zeiten die Monarchen.  Man ist sich einig, dass Deutschland entmilitarisiert und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Das Nürnberger Tribunal tagt ab Oktober 1945 und verurteilt 24 Haupttäter und 177 weitere Personen, 2/80.  Auf der Ebene der Besatzungszonen gibt es weitere Prozesse, in der amerikanischen Zone etwa 950000.             

 

3)4) Gegensätzliche Standpunkte gibt es über die Grenzen Polens und die Reparationen Deutschlands. Die "große Allianz", 2/100, ist mit dem Sieg über Deutschland, der Auflösung der Wehrmacht und der Verurteilug der Haupttäter erschöpft.  Der "eine", von dem das "üble Hindernis" ausgeht, ist für N. Stalin, der Herrscher des "neuen Babylon", VH (19), des religionsfeindlichen kommunistischen Machtbereichs.

 

Spanischer Bürgerkrieg entschieden ein Jahr vor dem Zusammenbruch Frankreichs e

   02/39   Vn an deuant le conflit Italique,    
                 Germain, Gaulois, Hespagnols pour le fort:    
                 Cherra l'escolle maison de republique, (1555)    
                 Ou, hors mis peu, seront suffoqués morrs.  

                 Ein Jahr vor dem Krieg, dem italienischen,

                 deutschen, französischen, (kämpfen) Spanier um die Festung.

                 Einstürzen wird das Schulhaus der Republik,/

                 wenn sie, ausser Wenigen, zu Tode erschreckt sein werden.
   
                    2) N.m. fort 1. Starker 2. Stärke 3. (militärische) Festung.  Das v. suffoquer 

                    kann eine atemberaubende Überraschung, einen Schock bedeuten.    
   
1)2) Die Schlacht um Madrid endet im März 1939 mit dem Sieg der Falange.  Der zweite Weltkrieg beginnt mit dem Überfall auf Polen.  Der Überfall auf Frankreich, dessen Standpunkt N. einnimmt, beginnt am 10.5.40, vierzehn Monate nach dem Fall Madrids.  Am 10.6.1940 erklärt Italien Frankreich den Krieg, was N. gesehen hat, 1/93.  Außerdem sind 1940 schon Großbritannien, Belgien, die Niederlande, Dänemark und Norwegen vom Krieg betroffen.     


3)4) Das >Schulhaus der Republik< ist Frankreich, weil sich die Staatsform der Republik dort erstmals 1792 in einem großen europäischen Staat durchgesetzt hat.  In N.s Schau ist Spanien bei Frankreich in die Schule gegangen, als 1931 nach Gemeindewahlen die Republik ausgerufen wird.  Der Einsturz dieses >Schulhauses< ist ein Bild für den Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940. Das Frankreich der Zwischenkriegszeit hat seiner defensiven Strategie zugetraut, die Deutschen an den Grenzen abwehren zu können, 2/25 (Frankreich = >Festung<).  Das Entsetzen ist groß, als es anders kommt. Der Süden mit etwa 40 % der Bevölkerung bleibt zunächst unbesetzt ("ausser Wenigen").  

Gleich nach der Kapitulation Frankreichs Luftkrieg und Atlantikschlacht

   02/40   Vn peu apres non point longue intervalle.
                Par mer & terre sera faite grand tumulte,  
                Beaucoup plus grande sera pugne nauale,  
                Feus, animaux, qui plus feront d'insulte. (1555)   

                Wenig später, nach einer gar nicht langen Zwischenzeit,

                wird es auf Meer und Land ein großes Getümmel geben.

                Sehr viel heftiger wird der Kampf auf dem Meer sein,

                Feuersbrünste, Untiere, sie begehen den schwereren Angriff.
   
1)2) Der Vers setzt 2/39 direkt fort.  Das "Intervall" beginnt Mitte Juni 1940, als Frankreich besiegt ist. Hitler, auf dem Höhepunkt seiner Macht, will mit Großbritannien Frieden schließen, aber Churchill macht nicht mit, 6/90.  Anfang September 1940 endet die weitgehende Waffenruhe mit Großbritannien;  es kommt die Luftschlacht um England.  Die deutsche Luftwaffe greift an auf Land und Meer.

     
3)4) Die Marine betreffend, ist Deutschland auch ohne die USA schon Großbritannien unterlegen.  Im Mai 1941 ist klar, dass aus der geplanten Landung auf der Insel ("Fall Seelöwe") nichts wird.  Auf dem westlichen Schauplatz geht die Atlantikschlacht mit Kriegsschiffen unvermindert weiter und beherrscht das Bild bis Juni 1944, als die Westalliierten in der Normandie landen.  Geleitzüge mit Kriegs- und Transportschiffen werden von Marinefliegern und U-Booten attackiert.  Getroffene Schiffe gehen in Flammen auf und mit Mann und Maus unter.  Die hinterhältigen U-Boote mögen N. wie Untiere erschienen sein.

 

Auch den Luft- und Seekrieg im Pazifik hat N. gesehen, 3/01.  Bei den Midway-Inseln gibt es im Juni 1941 die größte Seeschlacht der Geschichte.  In Japan setzen die USA 1945 Atomwaffen gegen die Zivilbevölkerung ein. 

   

Eine Wolke, zwei Sonnen erscheinen, ein Hund heult die ganze Nacht 

   02/41   La grand'estoile par sept iours bruslera,    
                Nuée fera deux soleils apparoir:    
                Le gros mastin toute nuit hurlera    
                Quand grand pontife changera de terroir. (1555)  

                Der große Stern wird sieben Tage lang brennen.

                (Eine) Wolke wird zwei Sonnen erscheinen lassen.

                Der dicke Hund wird die ganze Nacht heulen,

                wenn (der) große Pontifex die Heimat verlassen wird.
   
                   4) N.m. terroir 1. Boden 2. Region, Gegend, Heimat.    
   
Wie in VH (22) nennt N. hier den Kometen einen "dicken Hund" und deutet damit dessen Herkunft aus der Himmelsgegend des Sternbilds Orion an, 6/35, eines Jägers im griechischen Mythos.  Von da, wo der Jäger des Mythos seine Keule schwingt (Beteigeuze), ist es nicht weit zum Sternbild Zwillinge, 6/35. Was N. >Wolke< nennt, kann kosmisches Material sein, das den Kometen umgibt und ihn verdeckt (B.D. 6324).    


Es gelingt nicht, seine Bahn zu berechnen (B.D. 6313).  Nahe gekommen, erscheint er als "großer Stern", wie eine zweite Sonne, sieben Tage lang.  Kann ein Komet wie eine zweite Sonne erscheinen? Nach den sieben Tagen kommt eine >Nacht<, es ist die Finsternis, 2/91, 3/41, die eine "große Ver-setzung" bringt, VH (18).  Sie hält drei Tage an , 1/46.  Das Heulen des >Hundes< deutet auf schwere Stürme und auf die Jagd nach den Seelen, die ihrer geistigen Heimat besser treu bleiben, um vom Jäger nicht erlegt zu werden.

 

Der Pontifex verlässt danach seine geistige Heimat, indem er auf das Fest eines Anderen geht, 5/49, in einer Zeit bald nach dem Kataklysmus, 10/91.  >Großer Pontifex< ist Selbsteinschätzung des Gemeinten, Sz 1;  bei N. klingt es sarkastisch.  Vgl. auch 3/86.    

Wenn "der" Komet erscheint, werden drei Große zu Feinden 

   02/43   Durant l'estoyle chevelue apparente,  
                Les trois grâs princes seront fait ennemis  
                Frappes du ciel, paix terre tremulente.
                Po, Tymbre vndants, serpant sus le bort mis. (1555)   

 

                Wähend der geschweifte Stern erscheint,

                werden die drei großen Fürsten zu Feinden.

                Geschlagen vom Himmel, beben Friede (und) Erde.

                Po, Tiber gehen über, Schlange wird ans Ufer gespült.
   
                  1) estoile chevelue behaarter Stern, Haarstern, Schweifstern;  so nannte 

                  man zu N.s Zeiten einen Kometen auch (vom griechischen n.f. kome Haar).    
                  3) Mittellat. v. tremulare zittern, beben.        

                  4) Lat. v. undare wogen, Wellen schlagen, fluten.    
   
Das ist nicht irgendein Komet, der vorüberzieht, sondern einer, der die Erde "schlägt", von N. öfter erwähnt, z.B. wortgleich in 6/06.  Während der Komet erscheint, ist er am Himmel zu sehen, als >Leuchte<, 5/93.  In dieser Zeit verfeinden sich drei große Mächte, Vz 2.  Vor dem Kometensturz ist ein Krieg im Gang, 2/62.  "Kurz bevor die Sonne sich verbirgt, gibt es Krieg", 1/37.

             

Das Kometensturzgeschehen bringt Brände mit sich, 6/35, gefolgt von massivsten Regenfällen, auch in Italien, 2/31, auch am Po, 2/33, und am Tiber, 2/93.         

 

Die vielköpfige Meeresschlange Hydra des Mythos verbreitet mit ihrem Gift den Tod, wenn sie an Land kommt.  Ihre Ideen erkennt N. als >giftig<, 3/65.  Das An-Land-Kommen ist ein Bild für das ambitionierte Betreten der geschichtlichen Bühne (---> terre, ---> mer).  In 3/21 ist es wegen der Ortsangabe  a u c h wörtlich gemeint.

    

Der Adler durch andere Vögel aus der Umgebung verjagt

   02/44   L'aigle pousée en tour des pauillons  
                Par autres oyseaux d'entour sera chassée,    
                Quand bruit des cymbres, tubes & sonnaillôs  
                Rendront le sens de la dame insensée. (1555)    

                Das Adlerwappen weggestoßen in der Nähe der Wappenzelte,

                durch andere Vögel aus der Umgebung wird er verjagt werden.

                Wenn Zimbeln, Trompeten und Glocken erschallen,

                werden sie der verrückten Dame die Vernunft zurückgeben.
   
                  1) Wegen poussée ist aigle hier das n.f. aigle Adlerwappen, Feldzeichen mit Adler.  

                  In der Wappenkunde bedeutet pavillon eine Art Zelt.    
                  2) Mittelfrz. (Gr) n.m. entour Umgebung (ce qui entoure).  

                  3) Mittelfrz. (Gr) n.f. sonnaillon kleine Glocke (clochette), (Go) n.f. tube Trompete.    
   
1)2) Der Adler ist seit der römischen Antike das Wappentier derer, die ein Völker übergreifendes Imperium gründen (---> aigle).  Napoleon lässt sein Banner über weite Teile Europas wehen. Manch andere >Palastvögel< hat er aus ihren Palästen vertrieben, 2/23.  Doch andere Vögel dieser Art, die Adler des Kaiserreichs Österreich-Ungarn, des Zarenreichs Russland und des Königreichs Preußen, verjagen ihn schließlich.  Der "Seelöwe" hilft dabei auch mit, 2/94.


3)4) Zimbeln und Trompeten gehören im Alten Testament zur Tempelmusik;  der Klang von Posaunen und Trompeten verbindet das Volk mit Gott.  Trompeten kündigen in Mittelalter und Neuzeit den König an.  Nach dem Abgang Napoleons bekommt Frankreich wieder einen König aus dem alten Königshaus.  Die >Dame<, das französische Volk, wegen der Revolution von N. als verrückt geschmäht, >kommt wieder zur Vernunft< und folgt wieder ihrem >rechtmäßigen Herrn<. 

   

Himmel und Erde in einer Person vereint

   02/45    Trop le ciel pleure l'Androgyn procrée,    
                 pres de ce ciel sang humain respandu,    
                 Par mort trop tarde grand peuple recrée    
                 Tard & tost vient le secours attendu. (1555)    

                 Stark weint der Himmel, wenn der >Androgyn< erschaffen ist.

                 Nah bei diesem Himmel (wird) menschliches Blut vergossen.

                 Durch (dessen) zu späten Tod (wird) ein großes Volk neu erweckt, 

                 früh und spät kommt die ersehnte Hilfe.
   
Jesus Christus ist, anerkannt seit dem Jahr 451, zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott (Zwei-Naturen-Lehre).  Der >Androgyn< scheint auch zwei Reichen anzugehören, der irdischen Welt (Mutter Erde) und dem geistigen Reich des Vaters, und kann daher als Mittler auftreten. Wie ist das einzu-schätzen?  Sein oder Schein?  Jesus hat meist, so gut es ging, Aufsehen vermieden, Mk 1,44;  3,12; 7,36.  Und er hat sich nicht feiern, noch nicht einmal "guter Meister" nennen lassen, Mk 10,17. Der >neue Heilige<, 10/30, dagegen tritt seinen Verehrern nicht entgegen.  Er verspricht, das Gottes-reich auf Erden zu bringen, und lässt sich dafür feiern, 8/74, 10/71.  Menschen, die sich als heilig ausgeben lassen, stehen immer im Verdacht der Heuchelei.                                 

 

Christus will die Herzen der Menschen so wandeln dass sie sich für die Ewigkeit vorbereiten;  sein Reich ist nicht von dieser Welt, Joh 18,36 (ausführlich Jakob Lorber, GEJ, Band 10 Kap.73).  Sein >Wiedergänger<, 1/95, gibt sich den Anschein, dem Projekt des Weltfriedens verpflichtet zu sein.  Er will die irdischen Verhältnisse durchgreifend zum Besseren wandeln.  Er ist ein weltlicher Ideologe, er will das Gottesreich  a u f  E r d e n  bringen, seine >Doppelnatur< ist Blendwerk, eine Lüge.

 

Wenn die Menschen nach den Starkregen des Kataklysmus diesen >Heiligen< erschaffen, trauert der Himmel wegen der Vielen, die er verführt, Vz 1.  In der Zeit seiner Herrschaft (>nah bei diesen Himmel<, Vz 2) wird Blut vergossen, das Blut derer, die an Christus festhalten, wenn der >lebendig begraben<, 3/72, d.h. die Erinnerung an ihn getilgt werden soll, VH (39).    

Ein uralter Zweikampf entschieden, Souveräne unterjocht

   02/47   L'ennemi grand viel dueil meurt de poison: 
                Les souuerains par infinis subiuguez.  
                Pierres plouuoir, cachés sous la toison:  
                Par mort articles en vain sont allegués. (1555)   

                Der Feind (des) großen alten Zweikampfes stirbt an Gift.

                Die Souveräne (werden) zahllos unterjocht.

                Es regnet Steine, verborgen unter dem Schaffell.

                Beschwerden, den Tod betreffend, werden vergeblich vorgebracht.
 

                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. article auch: Gesuch (pétition), Beschwerde, Klage (plainte).  

                   V. alléguer zitieren, vorbringen, sich berufen auf.    
   
2) Die Souveräne, die alten Nationalstaaten, müssen Macht abgeben, damit ein globales, dem Welt-frieden verpflichtetes Regime sich etablieren kann, 4/21.  Die Glaubensgemeinschaften der alten Religionen verpflichten sich auf den Dienst am Weltfrieden, 9/09.    


1) Der Papst ist im Mittelalter jahrhundertelang Gegner des Kaisers im Ringen um die Abgrenzung beider Macht.  Der Papst sieht sich einem Mann gegenüber, der höchste religiöse Autorität mit höchster politischer Macht verbindet, 6/66.  Der verordnet dann auch den Christen das >Gift< seiner >neuen Religion<, die rein weltlich ausgerichtet ist, 5/36.  Der Papst und mit ihm seine Kirche >sterben an Gift<, 3/65.    


3) Die >Steine< des >neuen Weisen<, 4/31, sind seine geistig toten Lehren, die arglos und friedlich >vom Himmel regnen<, 2/18, 3/42.    


4) Beschwerden über das verordnete Verbot der alten Glaubenslehren werden nicht angenommen. Einsprüche oder Rechtsmittel gegen Dekrete, die >unmittelbar von Gott kommen<, sind nicht vorgesehen.

    

Ein Oberhaupt muss sich einem Heerführer beugen,

                                der über die Berge gekommen ist (Frühjahr 1814)

   02/48   La grand copie que passera les monts.    
                Saturne en l'Arq tournant du poisson Mars    
                Venins cachés sous testes de saulmons:    
                Leurs chief pendu à fil de polemars. (1555)    

                Das große Heer, das die Berge überqueren wird.

                Saturn im Bogen (und) Mars an der Wende von den Fischen,

                Gifte verborgen unter Köpfen von Lachsen.

                Ihr Oberhaupt aufgehängt am Faden der Heerführer.
   
2) Das Sternbild Schütze, zu dem der Bogen gehört, ist (im Jahr 1900) bei ekliptikal 265° - 304° zu finden (Werner/Schmeidler, Synopsis der Nomenklatur der Fixsterne, Stuttgart 1986).  Dort kommt Saturn während seines 29,5 Jahre dauernden Umlaufs für mehr als drei Jahre vorbei.  Während der drei Jahre ist Mars mindestens einmal bei 28° ekliptikaler Länge zu finden, am Übergang vom Sternbild Fische zum Sternbild Widder.  

 

1) Der Earl of Wellington  verlässt am 14.2.1814 die Winterquartiere und rückt weiter nach Frankreich vor;  sein Heer ist etwa 70000 Mann stark.  Die Präzession beträgt nur 1,4° pro Jahrhundert.  Für 1814 muss man von der oben angegebenen Lage des Sternbilds 1,2° abziehen.  Saturn steht am 14.2.1814 bei 295° und Mars bei 30° ekliptikaler Länge.     


4) Napoleon dankt am 12. April ab und muss ins Exil, ist zur Marionette in den Händen der feind-lichen Heerführer abgesunken (griech. polemarchos Heerführer).  

 

3) Es gibt keinen Dauphin (Delphin);  das ist der Titel des zur Thronfolge berechtigten Nachfahren des Königs.  Aber es gibt Prinzen von Geblüt, des Königs jüngere Brüder, die N. originellerweise >Lachse< nennt, immerhin auch Edelfische.  Louis XVIII. setzt bei der Thronbesteigung im Juni 1814 die Charte Constitutionelle in Kraft.  Eine Beschränkung der Königsherrschaft durch Konstitutionen gilt dem Seher als >Gift<, 3/80, 2/69, 3/39.  

 

Die Belagerung Maltas

   02/49   Les conseilliers du premier monopole,   
                 Les conquerants seduits pour la Melite:  
                 Rodes, Bisance pour leurs exposant pole:    
                 Terre faudra les poursuiuants de fuite. (1555)    

                 Die Berater des ersten Alleinrechts...

                 Die Eroberer verführt wegen Malta,

                 Rhodos, Byzanz (sind) ihretwegen exponierender (Gegen-)Pol.

                 Land benötigen die Verfolger der Flucht.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. monopole Verschwörung (conspiration),

                    v. monopoler Exklusivrecht genießen (jouir d'un monopole).  

                    2) Lat. Melita ist Malta.    
   
4) Ende 1522 haben die Türken Rhodos erobert und die dort ansässigen Johanniter vertrieben.  Kaiser Karl V. ist als Carlos I. Erbe der spanischen Kronen, der Kronen von Kastilien und Aragon.  Zur Krone Kastiliens gehören damals auch Sizilien und Malta.  Im Jahr 1530 verleiht der Kaiser den Johannitern die Insel Malta als Lehen.  Seitdem nennen sich die Ordensleute Malteser.  Wenn es Verfolger der Geflohenen gibt, können das auch die Vertreiber selbst sein, die die Geflohenen bis in ihr neues Domizil verfolgen.          

2)3)4)  D i e  Eroberer sind im 16. und 17. Jahrhundert aus westlicher Sicht die Türken, 1/49, 6/49.  Sie werfen begehrliche Blicke auf Malta ("verführt", "brauchen Land").  Bei den Blicken bleibt es nicht, im Jahr 1565 schicken sie eine große Flotte, setzen sie damit einer Gefahr aus.  Sie landen auf Malta, rennen gegen die Befestgungen an, vergeblich.        

 

1)3) Das Osmanenreich ist als Machtzentrum der Gegenpol zum christlichen Kaiser.  Der Vers wird 1555, zehn Jahre vor den Ereignissen veröffentlicht.    

Cromwells Staat zerbricht (1658), der Brand Londons 1666

   02/51   Le sang du iuste à Londres fera faute    
                Bruslés par fouldres de vint trois les six    
                La dame antique cherra de place haute:    
                De mesme secte plusieurs sont occis. (1555)    

                Das Blut des Gerechten wird in London fehlen.

                (Sie werden) verbrannt durch zahlreiche Blitze, die drei Sechsen.

                Die antike Dame wird stürzen von ihrem hohen Ort,

                von derselben Partei werden mehrere ergriffen
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. faute Mangel (manque), Abwesenheit (absence),

                   Wendung faire faute fehlen (manquer).    
                   2) Zahlwort vingt 1. zweimal zehn (deux fois dix) 2. zahlreich (nombreux)

                   3. jugendlich (vingt ans, la jeunesse) (großer Larousse).    
   
1) Gerecht ist für N. nur die Herrschaft eines Königs.  Das Blut des Gerechten fehlt in London, als König Charles I. 1649 hingerichtet, 2/53, und die Monarchie abgeschafft wird, 8/37 Vz 4.  

 

3) Der Puritaner Cromwell ruft danach eine Republik aus.  Die >antike Dame< steht für die im antiken Griechenland geborene Idee der Demokratie.  Spätetens ab 1653 ist es damit nicht mehr weit her. Der religiöse Eiferer Cromwell ist faktisch Militärdiktator und nennt sich Lord Protector eines Commonwealth.  Als er im Jahr 1658 stirbt, löst sein Staat sich bald auf, und 1660 kommt die Monarchie mit Charles II. zurück.      

 

4) Zur Rechenschaft werden unter Charles II. nur die regicides gezogen, jene Puritaner, die das Todesurteil gegen seinen Vater unterschrieben haben.      

 

2) Im Brand Londons vom September 1666, dem vier Fünftel der Stadt zum Opfer fallen, will N. den Zorn Gottes über den Königsmord von 1649 erkennen, ebenso in den Pestausbrüchen 1665 und 1667, 2/53 Vz 1/2.    

 

Der Brand Londons als >Rache des Himmels<

   02/53   La grande peste de cite maritime    
                Ne cessera que mort soit vengée    
                Du iuste sang, par pris damne sans crime 
                De la grande dame par feincte n'outragée. (1555)

                Die große Seuche wird von der Stadt am Meer

                nicht weichen, bevor der Tod gerächt ist

                des gerechten Geblüts, zum Lohn verurteilt, ohne Verbrechen,

                von der großen Dame, der vorgeblich nicht gekränkten.
   
                   2) V. venger rächen > lat v. vindicare bestrafen, ahnden, rächen.    

                   3) Mittelfrz. (Gr priser) n.m. prix, pris auch: Belohnung (récompense).    
   
3) >Zum Lohn< für seine Verdienste um das Land werde Charles I. zum Tode verurteilt -  das ist Sarkasmus.  Tatsächlich ist der Vorwurf der Tyrannei seitens der Anhänger Cromwells sehr summa-risch.  Der König ist aus Sicht der Puritaner den gestiegenen Ansprüchen des Bürgertums auf Teilhabe an der Herrschaft nicht genügend entgegen gekommen.      

 

4) Die >große Dame< ist im Kontext das britische Volk, das sich seines Königs mit Gewalt entledigt. Aber N. erkennt auch, dass der König wohl nicht ums Leben gekommen wäre, wenn es wirklich nach dem Willen der Mehrheit gegangen wäre.  Verhandlungsbereite Mitglieder des Langen Parlaments hat Cromwell ausschließen lassen.  Aufbegehrende Mitglieder des Rumpfparlaments setzt er persönlich unter Druck.  

 

1)2) Den Seuchen 1665 und 1667 erliegen über 100000 Menschen, 9/11.  Rache ist Menschenwerk. Aber den Zorn Gottes, Mt 23, in dem Fall über die Schriftgelehrten und Pharisäer, nicht zu fürchten, ist dumm.  

 

Russlands Beitrag zum Sieg über Hitler

   02/55   Dans le conflit le grand qui peuvalloyt,  
                A son dernier fera cas merueilleux:    
                Pendant qu'Hadrie verra ce qu' il falloyt,  
                Dans le banquet pongnale l'orguilleux. (1555)
    

                In dem Krieg wird der Große, der wenig galt,

                zuletzt einen erstaunlichen Ausgang herbeiführen.

                Wenn Hadrian sehen wird, dass es notwendig ist,

                beim Festmahl erdolcht der Hochmütige.
   
                   4) Mittelfrz. (großer Godefroy) Adj. pongnal was man in der Faust hält, z.B. einen Dolch.    
   
1) Die Sowjet-Union ist 1941 bei Hitlers Überfall auf Krieg nicht vorbereitet.  Noch 1942 wird dem Land kaum zugetraut, sich selbst zu verteidigen.  Erst 1943 in Teheran wird der Beitrag Stalins zum Kampf gegen Hitler realistischer bewertet.  

 

2) Es sind russische Truppen, die 1943 eine Wende des Krieges erreichen, noch bevor die Amerikaner 1944 massiv eingreifen.  Sie führen einen, an der anfänglichen Geringschätzung  gemessen, erstaunlichen Ausgang herbei.      

 

3) Wegen der Radikalität seines Vorgehens gegen die europäischen Juden gibt N. Hitler den Namen des römischen Kaisers, der hunderttausende Juden massakrieren ließ, 1/08.  

 

4) Einen Tag vor dem Selbstmord am 30.4.45 heiratet der durch Drogen vorzeitig vergreiste Hitler seine Verlobte und tadelt das deutsche Volk, das seiner nicht würdig gewesen sei (hochmütig).    

Schiffbrüchige klammern sich an einen Felsen 

   02/56   Que peste & glaiue n'a peu seu definer    
                 Mort dans le puys, sommet du ciel frappé.    
                 L'abbé mourra quand verra ruiner  
                 Ceulx du naufraige l'escueil voulât grapper. (1555)
     

 

                 Was Seuche und Schwert nicht geschafft haben,/  der Tod

                 (tritt ein) auf dem Berg, dessen Gipfel vom Himmel geschlagen ist.

                 Der Abt wird sterben, wenn er sieht, wie der Fels zugrunderichtet

                 die Schiffbrüchigen, wenn sie sich an ihn klammern wollen.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) v. definer beenden (finir).  

                    2) Mittelfrz. (Go) n.m. pui Berg (montagne).  

                    4) N.m. écueil Klippe, Riff, Felsspitze (rocher à fleur d'eau)  

                    3)4) Der quand-Nebensat ist wie ein lateinischer A.c.I. konstruiert:  verra als Verbum

                    sentiendi, l'escueil als Subjektsakkusativ.  Und ruiner verlangt ein Objekt: ceulx du naufraige.    
   
1) >Seuche< nennt N. die Lehren des >neuen Messias<, 8/21.  Auch die nach dem Kataklysmus nach Europa vordringenden militanten Muslime werden den christlichen Kirchen erfolgreich Konkurrenz machen, 6/54 Vz 1.  Wie der >Läuterungsberg<, 1/69, bedeutet der >Berg< hier die himmelstrebende >Weltfriedensordnung<.  

2) Auf diesem >Berg< gehen später >Blitze< nieder, 1/65, auch die katholische Kirche wird >vom Himmel geschlagen<, 10/65.  Das >gibt ihr den Rest<, beendet ihre Existenz.              


3)4) Der >Fels< (---> roche) ist jener >Mann Gottes<, der sich den Menschen nach dem Kataklysmus als ruhender Pol anbietet.  In der Endphase seiner Herrschaft werden >Schiffe<, d.h. Glaubensgemeinschaften, in >Seenot < geraten.  >Schiffbrüchige< klammern sich  dann noch an den >Felsen<, halten ihn für >den Ihren< und sich für >die Seinen<, 9/80, 10/44, begreifen nicht, dass er es ist...  Dem Papst, an der Entwicklung nicht unschuldig, bricht es das Herz.    

Vor dem Krieg wird die große Mauer fallen

   02/57   Auant conflit le grand mur tumbera:    
                Le grâd à mort, mort trop subite & plainte:   
                Nay imparfaict la plus part nagera:  
                Aupres du fleuue de sang la terre tainte. (1555)    

                Vor dem Konflikt wird die große Mauer fallen.

                Der Große stirbt, ein sehr plötzlicher und beklagter Tod.

                Geboren (ist er) unvollkommen.  Der größte Teil wird schwimmen.

                Bei dem Fluss (ist) die Erde mit Blut besudelt.
   
                   1) In der Ausgabe P. Rigaud (1558ff) fehlt das Wort "mur".    

                   2) Mittelfrz. (Gr) Adv. trop genug (assez), sehr (beaucoup).    
                   3) Das "Nay" des Urtextes (1555) ist das p.p.p. von ---> naistre geboren werden.  

                   In späteren Ausgaben gibt es "nef" statt "nay", daher dann ganz andere Übesetzungen.   

                   4) Mittelfrz. (Gr) v. teindre auch: besudeln (souiller).    
   
1) Das Wort mur Mauer kann befestigte Verteidigungsanlagen oder einen unbefestigten Frontverlauf bedeuten (---> mur).  Wo Ost- und Westalliierte sich am Ende des zweiten Weltkrieges treffen, liegt in den Jahrzehnten danach eine militärisch gesicherte Grenze.  Der Eiserne Vorhang trennt im Kalten Krieg die politischen Blöcke.  Er teilt einen ganzen Kontinent, es ist eine "große" Mauer.  Sie fällt im November 1989.    


2)3) "Der Große", es gibt Ideen:  Erzherzog Franz Ferdinand 1914, der französische Präsident, der Papst, J.F. Kennedy.  Aber der Große ist der durch den ersten Vorgang (Mauerfall) groß Gewordene, das 1990 wiedervereinigte Deutschland, le grand pays (vgl. le grand = Frankreich 1789ff, 5/61).  Und es ist ''unfertig geboren", denn an der Einheit, den gleichen Lebensverhältnissen in Ost und West, wird noch gearbeitet.  Soweit wäre der Vers erfüllt.    
 

2)3)4) Wenn diese Deutung zutrifft, ist ein kriegerischer Konflikt angekündigt, der Deutschland trifft, plötzlich kommt und den größten Teil des Landes erfasst.  Ein Land, das schwimmt, ist über-schwemmt.  >Überschwemmungen< mit Truppen gibt es, 4/80, 4/59 (---> deluge).     


4) "Der" Fluss ist wahrscheinlich der Rhein, den N. als erstes sieht, wenn er Richtung Deutschland schaut, wie in 6/3 (1806), 2/23 (1815), 3/61 (1936), 4/80 (1940).  Dort tobt ein Krieg.  FAZIT:  Nach 1989 geht es für Deutschland darum, den angesagten Krieg abzuwenden.  Das ist jetzt (2023) schon über 30 Jahre lang gelungen.  Aber der Zerfall der Sowjet-Union werde große Erschütterungen bringen, VH (19).  Mehrere Kriege mit russischer Beteiligung gab es schon, Vorschau (I).

   

Islamischer Glaube im Morgenland zerbrochen

   02/60   La foy Punicque en Orient rompue    
                 Gang. Iud. & Rosne, Loyre, & Tag changeront,    
                 Quand du mulet la faim sera repue,    
                 Classe espargie, sang & corps nageront. (1555)    

                 Der punische Glaube im Morgenland zerbrochen.

                 Ganges, Indus und Rhône, Loîre und Tejo werden sich wandeln.

                 Wenn des Maultiers Hunger gestillt sein wird,

                 (ist die) Flotte besudelt, Blut und Leichen schwimmen.
   
                    2) "Iud." dürfte ein falsch gesetztes "Ind." sein, weil Ganges und Indus

                    zueinander passen wie Rhône und Loîre.    
                    4) Mittelfrz. (Go) v. espargier besprengen, bespritzen (asperger, arroser).    

   
1) Der "schwarze Krausbart wird mit Geschick das grausame und hochmütige Volk unterwerden", 2/79; gemeint sind der Weltherrscher und die Araber.  In seinem Dienst stehende "Westler", die ihrem Bekenntnis nach zu >Jupiter< gehören, setzen diese Unterwerfung durch, VH (28),  5/35.  Die islami-schen Gotteshäuser werden in Tempel der >neuen Religion< umgewidmet, 10/30 Vz 4.

 

2) Das geschieht im Morgenland, auch in Indien;  in ganz Asien, besonders in Kleinasien, 3/60;  aber auch in Europa, besonders in Spanien und Frankreich, wohin Araber dann vorgedrungen sind, 5/14. 


3) Das >hungrige Maultier< bedeutet den Erfinder der >neuen Religion<.  Er stellt sie aus antiker Philosophie, 8/29, aus Wortmaterial der Bibel und des Koran zusammen, 6/10, und bewirkt so eine >große Vermischung der Sprachen<, VH (29).  Der natürlichen Unfruchtbarkeit des Maultiers entspricht geistig das Abkupfern bei den >Vorläufern<.    


4) Das >Meer< bezeichnet den Bereich der Religion, seine Oberfläche den Kultus, die ausgeübte Religion;  die das >Meer< befahrenden >Schiffe sind die Glaubensgemeinschaften. Wenn die >neue Religion< dann ein Monopol beansprucht, 1/79, sind die alten Glaubensgemeinschaften eine >Flotte von Geisterschiffen<, die >untertauchen< müssen, 3/13.

 

Schreckliche Niederlage für Mensch und Tier,

                                              dann sieht man den Kometen 

  02/62   Mabus puis tost alors mourra, viendra    
                De gens & bestes vne horrible defaite:    
                Puis tout à coup la vengence on verra  
                Cêt, main, soif, faim, quâd courra la comete. (1555)   

                Mabuse wird dann bald sterben, es wird kommen

                eine schreckliche Niederlage von Mensch und Tier.

                Dann auf einen Schlag wird man die Rache sehen,

                hundert(fach) Kämpfe, Durst, Hunger, wenn der Komet seinen
   
1)2) In der Zusammenschau der einschlägigen Verse wird nicht eindeutig klar, was zuerst kommt, der Krieg oder der Komet.  Schon wenn der Komet erscheint, werden drei große Mächte zu Feinden, 2/43.  V o r  der Finsternis durch den Kometensturz gibt es einen Konflikt, 1/37.  Hier ist der Komet erst plötzlich zu sehen, wenn die "schreckliche Niederlage für Mensch und Tier" schon geschehen ist; er ist wohl plötzlich mit bloßen Augen und ganz nah zu sehen, 2/41 Vz 2.       


3)4) Der Komet kommt der Erde nahe;  es fallen Steine, Gase, Staub, giftige Stoffe zur Erde.  Eine dreitägige Finsternis ist angesagt, 1/46.  Die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser ist vorher schon schwierig;  danach kann das Oberflächenwasser z.T. ungenießbar sein, Offb 8,10.  Es ist ein Eingriff Gottes (B.D. 3773);  auch N. deutet das ein paarmal an, 2/46 Vz 2, 9/51 Vz 3.         


1) "Mabus" kann die Stadt Mabuse im Hennegau sein, die seit 1678 Maubeuge heißt (Département Nord).  Denn es scheint, dass nicht weit von Maubeuge im Artois (Département Pas-de-Calais) ein Bruchstück des Kometen zur Erde stürzt, 5/59.

    

Revokation des Edikts von Nantes, Emigration vieler

                                            Hugenotten, die Schweiz überlastet

   02/64   Seicher de faim, de soif gent Geneuoise    
                Espoir prochain viendra au defaillir,    
                Sur point tremblant sera loy Gebenoise.    
                Classe au grand port ne se peut acuilir. (1555)    

                Es vertrocknet vor Hunger, vor Durst das Genfer Volk.

                Die nächste Hoffnung wird schwinden.

                Genau dann, wenn das Gesetz der Cevennen bebt,

                wird (eine) Flotte im großen Hafen nicht Aufnahme finden können.
   
3) In den Bergregionen der Cevennen gibt es im 17. Jahrhundert viele Gemeinden calvinistischen Glaubens.  Dass sie im katholischen Frankreich geduldet werden und ihren Glauben ausüben dürfen, verdanken sie dem Edikt des Henri Quatre aus dem Jahr 1598, 5/72.  Dieses Edikt heißt hier "Gesetz der Cevennen".  Es wird 1685 durch Louis XIV. komplett aufgehoben.    


1) Genf ist die Stadt, wo Calvin einst lehrte.  Das >Genfer Volk< sind die seinen Lehren folgenden französischen Protestanten.  Sie dürfen ihre Religion ab sofort nicht mehr ausüben.  Brot und Wein, dargereicht im protestantischen Ritus, fehlen.  Daher >Hunger< und >Durst<.    


2) Seit Louis' XIV. Regierungsantritt 1661 werden die Hugenotten zunehmend unterdrückt und aus-gegrenzt, 3/06.  Trotzdem hofft man, dass der junge König auch seinen protestantischen Untertanen seinen Schutz nicht versagen werde.  Als das Edikt 1685 da ist, hoffen manche noch, dass es bald zurückgenommen werde.     


4) Es sind etwa eine Viertelmillion Menschen, die stark vermehrt seit 1685 ("genau dann, wenn") Frankreich verlassen, um ins protestantische Ausland zu gelangen.  Bevorzugtes, für die Südfranzosen nächstgelegenes Ziel sind die protestantischen Kantone der Schweiz.  Sie dienen als >Hafen in stürmischer See< (---> mer), d.h. als Ort der Zuflucht in religiös bedingter Bedrängnis.  Die >Flotte< sind die vielen fliehenden Hugenottengemeinden (---> classe).  Schweizer helfen, so gut sie können, sind aber durch die Vielzahl der zu ihnen Geflüchteten überlastet (ca. 150.000 1680-90).  Von diesen werden viele ins Reich weiter geleitet, wo einige Fürsten, voran der preußische Kurfürst, ihnen Aufnahme gewähren.  

 

Ein Großer hat das Glück gewendet, für kurze Zeit

   02/66   Par grans dangiers le captif echapé:  
                 Peu de temps grand la fortune changée.    
                 Dans le palais le peuple est atrapé    
                 Par bon augure la cité est assiegée. (1555)    

                 Durch große Gefahren (ist) der Gefangene entkommen.

                 Für kurze Zeit wird (ein Großer) das Glück gewendet (haben).

                 Im Palast wird das Volk getäuscht.

                 Unter gutem Vorzeichen wird die Stadt belagert.
   
1) Der Gefangene ist Napoleon, seit Mai 1814 auf Elba im Exil.  Die erste Gefahr ist, dass die briti-schen Bewacher Wind von den Fluchtvorbereitungen bekommen.  Die zweite Gefahr ist, nach der Landung von loyalen Truppen des Königs gefangen oder getötet zu werden.    


2) Er meistert diese Gefahren, 10/24.  Er wendet sein Geschick, aber nur für hundert Tage, 10/90.    


3) Er bezieht Quartier in den Tuilerien, dann im Elysée. Sein Versprechen demokratischer Reformen wird nicht mehr eingelöst.       


4) Nach Waterloo wird Paris von Truppen der Allianz eingeschlossen.  Die Vorzeichen stehen für N. gut, weil dann der König aus dem alten Königshaus, Louis XVIII., erneut eingesetzt wird.    

Wilhelm von Oranien vertreibt König Jakob

   02/67   Le blonde au nez forche viendra cômetre    
                Par le duelle & chassera dehors:    
                Les exiles dedans fera remetre    
                Aux lieux marins commetât les plus forts. (1555) 
   

 

                Der Goldgelbe mit dem Zinken wird (es) verschulden,

                durch den Zweikampf und wird (den Gegner) hinausjagen.

                Die ins Exil Getriebenen wird er drinnen rehabilitieren.

                Für die Seehäfen ernennt er die Stärksten.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) Adj. blond goldgelb (jaune dorée), n.m. fourchon

                   jeder Zinken einer Gabel (chacune des branches d' une fourche).    
   
1) Das mittelfrz. Adjektiv blond = goldgelb weist verdeckt hin auf die Herkunft des Gemeinten aus dem Hause O r anien-Nassau (or = Gold), 4/89.  An solchem Hintersinn hatte N. seinen Spaß.  Auf den Porträts Wilhelms III. von England ist eine starke Nase zu erkennen (Zinken).


2) Nach Verhandlungen mit den anglikanischen Gegnern von König Jakob II., 4/96, setzt der Nieder-länder im November 1688 mit einer bedeutenden Armada über den Kanal.  Auf der britischen Insel schmilzt die Loyalität der Untertanen Jakobs dahin.  Der verlässt das Land, "wird verjagt", 3/80.  Dass Wilhelm damit eine Schuld auf sich lade, ein Verbrechen begehe, Vz 1, ist die Wertung des Sehers.   


3) Militante Puritaner, unter Jakob II. ins Exil gedrängt und meist in die Niederlande gegangen, können unter Wilhelm III. zurückkehren.    
 

4) Hauptmotiv Wilhelms für sein geglücktes britisches Abenteuer ist es, die Kräfte Englands für den Kampf gegen das katholische Frankreich einzuspannen.  Durch dessen Expansionspolitik und die Vertreibung der Hugenotten 1685 fühlen sich die protestantischen Niederlande bedroht.  Ab 1690 kommt es zum Seekrieg gegen Frankreich.  Die britische Flotte behält die Oberhand, z.B. im Mai 1692 beim Kap La Hogue

Die Herrschaft auf der Insel neu zusammengefügt (1689)

   02/68   De l'Aquilon les efforts seront grands:  
                Sus l'Ocean sera porte ouuerte,  
                Le regne en l'isle sera reintegrand:    
                Tremblera Londres par voile descouuerte. (1555)   

                Vom Adlerland werden die Anstrengungen groß sein.

                Über dem Ozean wird das Tor geöffnet sein.

                Die Herrschaft auf der Insel wird neu zusammengefügt werden.

                Beben wird London, wenn (ein) Segel entdeckt wird.
   
                   3) V. réintégrer jdn. wieder einsetzen (in ein Recht, in einen Besitz)

                   > lat. redintegrare wieder ergänzen, ganz wiederherstellen, erneuern.    
   
1) Das Adlerland ist das Kaiserreich, das die Niederlande einschließt.  Im November 1688 überquert Wilhelm von Oranien mit 500 Schiffen den Ärmelkanal.    


2) König Jakob II. ist Katholik.  Die mehrheitlich anglikanischen Briten fürchten eine Rekatholisierung ihres Landes, hochgestellte Anglikaner um ihre Positionen in Staat und Kirche.  Sie verschwören sich mit dem Holländer, 4/89.  Das >Tor über dem Ozean< ist offen, die Insel wird nicht verteidigt.    

 

4) London >bebt<, Jakobs Herrschaft wird durch die Invasion einer Armada von 500 Schiffen aus den Niederlanden (Segel) erschüttert und stürzt.        

 

3) Unter Wilhelm III. konstituiert sich ein Parlament mit erweiterten Rechten;  und eine Grundrechts-charta (Bill of Rights) wird erstmals beschlossen.  Die innere Zerrissenheit des Landes unter den Vorgängern, 8/58, wird überwunden.

Ein König verspricht den Kelten die Treue

   02/69   Le roy Gauloys par la Celtique dextre  
                 Voiant discorde de la grand Monarchie,    
                 Sus les trois pars fera fleurir son sceptre,  
                 Contre la cappe de la grand Hirarchie. (1555)    

                 Weil er den Kelten die Treue versprochen hat, 

                 sieht der gallische König die große Monarchie in Zwietracht.

                 Über den drei Teilen wird er sein Zepter blühen lassen,

                 gegen das Ornat der großen Hierarchie.
   
                    1) Lat. n.f. dextra rechte Hand, Handschlag, gegebenes Wort.  

                    4) Mittellat. n.f. cappa Mantel, Kapuze; Ornat der Geistlichen.    
   
1) >Kelten< nennt N. Franzosen, die die Könige von Gottes Gnaden vertreiben und sich aus seiner Sicht damit auf eine vorchristliche Stufe der Zivilisation zurückbegeben.  Louis-Philippe d' Orléans nennt sich Roy-Citoyen (Bürgerkönig) und beschwört im August 1830 eine Charte, die die Gleichheit und grundlegende Freiheiten garantiert.                            

 

2) Ein König ist für N. König aus eigenem, von Gott verliehenen Recht, nicht aufgrund einer Verein-barung mit dem Volk.  Wenn das Volk mitbestimmt, kann die "Zwietracht" nicht ausbleiben.  Sie entsteht in dem Fall, weil die Politik des Königs einseitig den Interessen des Großbürgertums folgt und damit Unmut bei den Benachteiligten schafft.  

 

3) Die drei Teile sind die drei Farben der Trikolore, die 1789 zur Fahne der Revolution, ab 1792 der ersten französischen  Republik werden.  Sein Zepter über der Fahne der Republik blühen zu lassen, ist für N. eine Beleidigung >wahren< Königtums, 4/64.    


4) Der "Schwächling im Bürgerkleid", 4/64, stelle sich damit gegen das Königtum seiner Vorfahren, das dem Seher als heilig gilt, 6/57.

    

Mit drei Kronen zum großen Endymion 

   02/73   Au lac Fucin de Benac le riuaige    
                Prins de Leman au port de l'Orguion:  
                Nay de tras bras predict bellique image,   
                Par troys couronnes au grand Endymion. (1555)   

                Beim Fucinersee, Gardasee, am Ufer des Genfer Sees

                übernommen vom Hafen des großen Goldführers.

                Vorhergesagtes kriegerisches Bild dreier Arme (ist) erschienen.

                Mit drei Kronen (geht es) zum großen Endymion.
   
                   1) In den Abbruzzen östlich von Rom gab einen lago Fucino, der 1875

                   trocken gelegt wurde.  Der Gardasee heißt lat. lacus Benacus.    
                   2) N.m. or Gold (---> or).  Mittelfrz. (Go) n.m. guion Führer, 9/33.  

                   Das ergibt einen Goldführer, mit Majuskel einen großen Goldführer.    
   
4) Drei Kronen:  Der Mann, den Juden für ihren Messias halten, 6/18, wird Katholiken als >wiederge-kommener Heiland< vorgestellt, 1/95.  Den Muslimen ist ein >Mahdi< versprochen, der das Unrecht auf der Welt beseitigen werde.  Auch diese Krone wird sich der >große Goldführer< zu verschaffen wissen, VH (28).  Am geistigen Gold (---> or), dem Evangelium, ist er in Wahrheit nicht interessiert.

   
2) Der >Hafen< (---> port) dieses religiösen Charismatikers besagt, dass den Glaubensgemein-schaften (>Schiffen<) der alten Religionen versprochen wird, dass sie in das Gottesreich der nun zu erbauenden großen Friedensordnung mit aufgenommen werden.  Menschen in Mittel- und Nord-italien und in der Schweiz glauben Aufnahme und Schutz in diesem >neuen Hafen< zu finden.

   
3) Seine Anhänger bei Juden, Christen und Muslimen werden zu >drei Armen<, 5/86, die für ihn und die große Sache erst werben, sie dann aber auch gegen Widerstrebende durchsetzen (kriegerisch).  


4) Der Jüngling Endymion wird auf Bitten der Mondgöttin von Zeus in Dauerschlaf versetzt, damit sie ihn nachts besuchen kann.  Der Name steht für die Christen Europas, die im geistigen Dauerschlaf die Mär vom >wiedergekommenen Heiland< glauben.  Sie lassen sich von Zeus (---> Jupiter) einschläfern, nehmen seine Lehren kritiklos an, 1/21.  Dafür verspricht N. ihnen den >Besuch< von Menschen aus Nordafrika, 1/73, von Arabern, 5/73.    

 

Zusammenbruch des Aufstands der Pariser Kommune (Mai 1871)

   02/77   Par arcs feuz poix & par feuz repoussés:    
                Cris, hurlements sur la minuit ouys.  
                Dedans sont mis par les ramparts cassés    
                Par cunicules les traditeurs fuis. (1555)  

 

                Durch Feuerschleudern, Pech und Brände (werden sie) zurückgeschlagen, 

                Schreie, Geheul (sind) um Mitternacht zu hören.

                Zurückgedrängt hinter die überwundenen Festungsanlagen.

                Durch unterirdische Gänge fliehen die Verräter.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. casser, quasser auch: militärisch einnehmen (enlever).    
                   4) Lat. n.m. cuniculus unterirdischer Gang, Schacht, Kanal.    

                   Mittelfrz. (Gr) n.m. traditeur Verräter (traître).     
   
Es fehlen Angaben zu Zeit und Ort, aber einen Anhaltspunkt gibt es:  Die unterirdischen Gänge oder Kanäle deuten auf eine große Stadt.  Seit 1852, als das Zweite Empire beginnt, wird die Kanalisation in Paris systematisch ausgebaut.  Im März 1871 will die bürgerliche Regierung nach Kapitulation und Vorfrieden mit Preussen die Nationalgarde entwaffnen.  Daran entzündet sich ein Aufstand von Arbeitern und Handwerkern.  Es wird eine revolutionäre Regierung gebildet, für N. selbstverständlich "Verräter".  Betriebe sollen genossenschaftlich betrieben, das Volk bewaffnet, Frauen gleich berechtigt werden.  Die bürgerliche Regierung in Versailles stellt (mit Erlaubnis Bismarcks) Truppen auf.  Sie beschießen Festungsanlagen, nach dem Eindringen Barrikaden und kämpfen den Aufstand nieder.  Etwa 17000 aufständische Franzosen werden in den Kämpfen erschossen, Männer wie Frauen.  Etwa 10000 werden zum Tod, zu Haftstrafen oder Verbannung verurteilt.    

 

Der Orient unterworfen vom Weltherrscher

   02/79   La barbe crespe & noire par engin  
                 Subiugera la gent cruele & fiere.    
                 Le grand CHYREN ostera du longin    
                 Tous les captifs par Seline baniere. (1555)    

  

                 Der schwarze Krausbart wird mit Geschick

                 das grausame und hochmütige Volk unterwerfen.

                 Der große HENRYC wird von weither (kommend) herausholen

                 alle durch das Mondbanner Gefangenen.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. engin auch: Geschick (adresse).    

                    3) Mittelfrz. (Go) n.f. longinqueté Länge (longueur), Ausdehnung (étendue).  

                    Mittelfrz. (Gr) v. oster auch: herausholen (rétirer).  

                    4) Selin, vom griech. n.f. selene Mond, ist Chiffre für die Mondsichel

                    als Symbol islamisch geprägter Staaten.    
   
In der Region Aquitanien wird um die Erhaltung des christlichen Glaubens gekämpft werden, 1/79.  Die Bewohner werden vor einem ''schwarzen Krausbart" gewarnt, 3/43.  Dieser ist ihr Feind, gibt sich aber als Freund aus, weshalb eine Warnung nötig ist.  Gemeint ist jener Mann, der Christen als >wiedergekommener Christus< ausgegeben wird, 1/95.  Sein Regime wird die Orientalen über-wältigen, VH (28), 8/79.

Später werden diese eingesetzt, Europäern den christlichen Glauben auszutreiben, 9/80.  Der Krausbart lässt zu, dass Menschen ausgelöscht werden, die sich für "die Seinen" halten, 9/80, weil er anfangs im Namen des christlichen Glaubens aufgetreten ist.  In der zweiten Vershälfte ist der Krieg um die Freiheit Europas und der Religion gemeint.  Erst jener Mann, der später als Henri V. in die Geschichte eingeht, wird die von den Orientalen bedrängten Europäer befreien und den schwarzen Krausbart töten, 1/74.    

Die großen Nazis entkommen nicht

   02/80   Apres conflit du lesé l'eloquence    
                 Par peu de temps se tramme faint repos.   
                 Point l'on n'admet les grands à deliurance:    
                 Les ennemis sont remis à propos. (1555)    

 ​

                 Nach dem Konflikt der gekränkten Beredsamkeit

                 schleicht sich für kurze Zeit eine täuschende Ruhepause ein.

                 Keinesfalls gestattet man den Großen Befreiung,

                 den Feinden werden sie überlassen zur rechten Zeit.
   
1) Die Kränkung der Deutschen durch die Niederlage im ersten Weltkrieg und das Friedensdiktat von Versailles wird von den Nationalsozialisten propagandistisch genutzt zur Militarisierung der Gesell-schaft und zur Vorbereitung eines Revisionskrieges.    


2)3)4) Angesichts des sicheren Sieges sehen die alliierten Oberkommandos von standrechtlichen Maßnahmen ab.  Die Ruhepause ist die Zeit von der Kapitulation am 8.5.1945 bis zum Potsdamer Abkommen vom 2.8.45.  Sie ist kurz, gemessen an der Dauer des zweiten Weltkrieges.  Das Abkommen sieht einen internationalen Militärgerichtshof vor, der Völkerrecht sprechen und in Nürnberg tagen soll.  Gegen 24 Mitglieder der Führung des >dritten Reiches< wird Anklage erhoben. Sie werden zum Tod oder zu langen Haftstrafen verurteilt, 2/38.    


4) Es ist das deutsche Volk, das nach 1919 der "gekränkten Beredsamkeit" gegen die >Versklavung des deutschen Volkes< durch die Bestimmungen von Versailles ausgesetzt ist.  Die Alliierten bleiben aus Sicht der großen Nazis auch nach dem Sieg ihre "Feinde".    

Überlebende einer Flut bedroht durch Feuer vom Himmel 

   02/81   Par feu du ciel la cité presque aduste:  
                L'Vrne menasse encor Deucalion.  
                Vexée Sardaigne par la Punique fuste  
                Apres que Libra lairra son Phaeton. (1555)   

                Durch Feuer vom Himmel die Stadt fast verbrannt,

                (auch) der Feuertod bedroht Deukalion noch.

                Heimgesucht Sardinien durch die punische Knute,

                nachdem die Waage (die Zügel) überlassen wird ihrem Phaeton.
   
                 1) Lat. v. adurere, adussi, adustum verbrennen, versengen.  

                   3) Lat. n.m. fustis Knüppel, mittelfrz. (Go) n.f. fuste Schiff (navire).    
   
2) Deukalion, der griechische Noah, überlebt eine Flutkatastrophe.  Der Kataklysmus (griechisch Überschwemmung, Sintflut), eine singuläre Katastrophe, bringt extreme Überschwemmungen mit sich, 2/31, 2/33.  Unter dem Namen Deukalion ist von den Überlebenden die Rede.

    
4) Die >Weltfriedensordnung< erhebt den Anspruch, das Gottesreich auf Erden zu verwirklichen, 1/69, und verschafft sich auch eine Legitimation durch Wahlen, 8/41.  Lat. ---> Libra = balance = Gleichgewicht bedeutet hier die doppelt legitimierte >Weltfriedensordnung<.  Phaeton ist Sohn des Sonnengottes Helios.  Als Helios Phaeton die Zügel des Sonnenwagens überlässt, geht es chaotisch zu, ganze Länder verbrennen, Quellen trocknen aus.  Phaeton ist der  >wiedergekommene Sohn< Gottes;  der Name bedeutet seine Untauglichkeit.  Aber man überlässt ihm die Zügel.     


1)2)3) Er schleudert dann >Feuer vom Himmel<, bedroht die Überlebenden einer großen Überflutung mit dem Feuertod.  Die >Brunnen und Quellen< der alten Religionen trocknen aus.  Den ihrem Gott treu Bleibenden als Anwärter auf das himmlische Jerusalem (---> cité) droht der Tod.  Die zuvor unterworfenen Orientalen sollen den Europäern die christliche Religion austreiben, 9/80.  

Der Wolf entkommt seiner Beute nicht

   02/82   Par faim la proye fera loup prisonnier  
                 L'assailant lors en extreme detresse    
                 Le nay aiant au deuant le dernier,    
                 Le grand n'eschappe au milieu de la presse. (1555)  

                 Vor Hunger wird die Beute den Wolf zum Gefangenen machen,

                 der Angreifer wird dann in äußerster Not sein.

                 Der zuerst Erschienene (ist) der Letzte,

                 der Große entkommt nicht der Mitte des Drucks.
   
1)2)3) Der Wolf ist Symboltier der Ausgegrenzten, Entrechteten, die sich ihr Recht mit Gewalt glauben holen zu müssen.  In der Person des (Rudel)Führers Hitler sind die wölfischen Instinkte der im ersten Weltkrieg unterlegenen und gedemütigten Nation an die Macht gekommen.  Deutschland ist 1939 der Angreifer und der auf dem Kriegsschauplatz zuerst Erschienene (---> naistre).  1941 verbeißt er sich in eine sehr große Beute, die Sowjet-Union.  Als einziges Beuteland ist sie in der Lage, den Angreifer in einen Kampf zu verwickeln, aus dem sich der Wolf nicht mehr lösen kann.  Er hat sich in eine zu große Beute verbissen und ist in dieser Verstrickung zum "Gefangenen" geworden.      


2)3)4) Der "Große", Hitler und das von ihm geführte Land, ist am Ende in "äußerster Not" und der Letzte im Sinne von Unterlegene.  Und er befindet sich in der Mitte des Drucks der von mehreren Seiten, von Osten, Süden und Westen aufmarschierenden alliierten Truppen. 

   

Wenn ein Deutscher auf den Thron Großbritanniens kommt,

                                       wird Jeanne d'Arc zur Dienstmagd

   02/87   Apres viendra des extremes contrées    
                Prince Germain sus le throsne doré:    
                La seruitude & eaux rencontrees    
                La dame serue, son temps plus n'adoré. (1555)    

   

                Danach wird kommen von entferntesten Gegenden

                (ein) germanischer Fürst auf den goldenen Thron.

                Die Knechtschaft und Fluten zusammengetroffen,

                die Dame dient, ihre Zeit (wird) nicht mehr verehrt


1) "Danach":  König Wilhelm III. von England hat seinen Vorgänger aus dem Land vertrieben, und sich im Seekrieg gegen England behaupten können, 2/67.  Sein Königtum wird 1697 im Frieden von Rijswijk anerkannt.  Vers 2/67 ist ein Kandidat für das "davor".    


1)2) In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beginnt England, die Früchte seiner überseeischen Eroberungen zu ernten.  1694 wird die Bank von England gegründet, seit 1707 sind England und Schottland zusammen Großbritannien.  Der >goldene Thron< ist ein Bild für den gewachsenen Reichtum und eingetroffene Prognose.  Mit Georg von Hannover kommt 1714 ein "germanischer Fürst" auf den Thron Großbritannienes.


3)4) Frankreichs ruhmreiche Zeit unter Louis XIV. hat bei dessen Tod 1715 ihren Höhepunkt über-schritten.  Die Dame ist Jeanne d'Orléans als Verkörperung der französischen Nation (---> dame).  (Die Marianne als Symbol Frankreichs gibt es erst seit 1789).  Wenn ein Deutscher auf den britischen Thron kommt, werde Frankreich in die >Knechtschaft< Großbritanniens geraten.  Das Land werde >überflutet< mit >fremden Ideen< (---> deluge)  -  dass die Macht des Souveräns kontrolliert werden müsse, dass es eine freie Presse und religiöse Toleranz geben müsse.  Das britische  Regierungs-system seit 1689 übt eine große Anziehungskraft auf die Denker der Aufklärung aus.  N. deutet das als >Überfremdung<.  

 

>Weltfriedensordnung<

   02/88   Le circuit du grand faict ruineux    
                Le nom septiesme du cinquiesme sera:    
                D'vn tiers plus grand l'estrange belliqueux.    
                Monton, Lutece, Aix ne garantira. (1555)    

                Der Umweg des großen ruinösen Geschehens (endet so:)

                Der siebte Name wird dem Fünften gehören. 

                Der kriegerische Fremde eines dritten Größten

                wird keine Gewähr bieten für Schaf, Paris, Aachen.
   
                  3) Im Mittelfrz. (Greimas Stichwort "plus") sind die Formen des Superlatifs

                  und des Komparatifs austauschbar (interchangeables).    
   
1)2) Im geozentrischen Weltbild des Ptolemäus bewegt sich Mars durch die 5. und Saturn durch die 7. Sphäre.  "Ein Mars wird Saturn heißen", eine in Wahrheit friedlose Zeit werde sich als >goldenes Zeitalter< des Friedens darstellen.  Bis der wirkliche Frieden (auf der neuen Erde) kommt, gehe man einen Umweg. Das "große ruinöse Geschehen", der jahrhundertelange Niedergang der christlichen Religion, geht einher mit dem Versuch, ein Paradies auf Erden von Menschenhand zu schaffen.  Um des Friedens willen soll die alte Religion am Ende ganz ausgedient haben, 10/65.    


3)4) Der "dritte Größte" ist wie in 9/05 der >dritte Antichrist<, den N. nach Napoleon und Hitler die Bühne der Geschichte betreten sieht.  Das globale Regime schickt unterworfene Orientalen nach Europa, 9/80.  Deren Herrscher >bietet keine Gewähr< für die christliche Religion (>Schafherde des guten Hirten<), für europäische Freiheitsideale (lat. Lutetia = Paris) und für einen christlichen Kaiser (Aachen) schon gar nicht, weil es den dann längst nicht mehr gibt  -  das sind bittere Sarkasmen angesichts der Schutzlosigkeit der Europäer in der Zeit nach dem Kataklysmus, wenn Eindringlinge Orte vorfinden, die nicht verteidigt werden, 10/31.

    

Zwei große Meister vom Joch des Krieges befreit

   02/89   Du iou seront demis les deux grâds maistres    
                 Leur grand pouvoir se verra augmenté:    
                 La terre neufue sera en ses haults estres:    
                 Au sanguinaire le nombre racompté. (1555)    

                 Vom Joch werden befreit sein die beiden großen Meister,

                 ihre große Macht wird sichtbar gesteigert sein.

                 Die Neue Welt wird ihre hohe Zeit erleben.

                 Vom Blutrünstigen (wird) die Zahl berichtet.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. jou Joch (joug), in späteren Ausgaben "Un jour.."

                    3) Mittelfrz. n.m. estre Zustand (état).  4) Mittelfrz. Präp à auch: von (de).    
   
1)2) Vom Joch des Krieges ist die Sowjet-Union am 9.5.1945 befreit.  Als Japan am 10.8.45 kapituliert, haben auch die USA das Kriegsjoch abgeschüttelt.  Ihre militärische Stärke im zweiten Weltkrieg hat den USA und der Sowjet-Union danach die Vorherrschaft in ihrer jeweiligen Sphäre gesichert.  Sie werden von den Zeitgenossen nach 1945 Supermächte genannt (>große Meister<). Ihr Machtzuwachs beruht auch auf den Atomwaffen, über die seit 1949 auch die Sowjet-Union verfügt.  Das charakteristische Bild ihres Einsatzes, der Atompilz, wird in den Medien "sichtbar".

    
3) Die zu Lebzeiten N.s "neue Erde" ist der erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckte Kontinent Amerika, bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Neue Welt / Nouveau Monde genannt.  Die USA erleben nach 1945 die Zeit ihrer höchsten Machtentfaltung und kulturellen Attraktivität.

     
4) Zu den Neuigkeiten nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gehört die "Zahl" der Opfer, die der Krieg und der Völkermord an den Juden gekostet haben.  Die Deutschen müssen spätestens jetzt erkennen, dass sie einem "Blutrünstigen", 9/76, gefolgt sind.

Ende der Monarchie Österreich-Ungarn

   02/90   Par vie & mort changé regne d'Ongrie: 
                 La loy sera plus aspre que seruice,  
                 Leur grand cité d'vrlemêts plaincts & crie:    
                 Castor & Pollux ennemis dans la lyce. (1555)    

                 Durch Leben und Tod gewandelt die Herrschaft von Ungarn.

                 Das (neue) Gesetz wird härter sein als Dienst.

                 Ihre große Stadt (erfüllt von) Heulen, Klagen und Geschrei.

                 Castor und Pollux (sind) Feinde auf dem Kampfplatz.


1)2) Der Aufstand der Ungarn 1956 ist erfolglos, da hat sich keine Herrschaft gewandelt. -       Die alte Ordnung ist untergegangen, und eine neue ist an ihre Stelle getreten (Tod und Leben).  Das "Dienen" hat sein Gegenstück in der "Herrschaft", einer patriarchalen Gesellschaft mit einem Monarchen an der Spitze.  Damit ist es vorbei, als die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn 1918 nach einem ''unsinnigen Aufruhr, der Narrheit verbirgt", 1/40, d.h. nach dem ersten Weltkrieg zusammenbricht.  

 
3)4) Ungebremst durch die alten Autoritäten, kommen dann die konkurrierenden Ideologien zum Zuge, die den Kampf der Nationen, der Klassen oder der Rassen propagieren, 3/76.  Sie spalten die Völker untereinander und in sich;  die Zerwürfnisse reichen bis in die Familien hinein, Mk 13,12.  Die sich bekämpfenden Brüder Castor und Pollux sind nur im Kontext richtig zu deuten, 2/15.    

Schlacht bei Sedan, der Kaiser sucht den Heldentod

   02/92   Feu couleur d'or du ciel en terre veu:    
                 Frappé du hault, nay, fait cas merueilleuz:   
                 Grâd meurtre humaî prîs du grâd le nepueu, 
                 Morts d'espectacles eschappé l'orguilleux. (1555)  

                 Feuer (von der) Farbe des Himmelsgoldes (wird) auf Erden gesehen.

                 Geschlagen von oben, (wieder) da, geschieht Erstaunliches.

                 Großes Gemetzel, (es wird) gefangen vom Großen der Neffe,

                 einem spektakulären Tod entkommen (ist) der Stolze.
   
                    2) nay (né) wörtlich: geboren, bei N. oft im Sinne von

                    "erschienen"  --> naistre, hier frei wiedergegeben.      
   
1) Gold galt als metallische Entsprechung der Sonne (---> or).  Die Sonne als Symbol bedeutet bei N. den Gott der Christen (---> sol).  Das >Himmelsgold< bedeutet ein Herrschertum, das dem Seher als christlich legitimiert erscheint.  Hier aber >verbrennt das Himmelsgold<, und gemeint ist ein Krieg, in dem ein christliches Herrschertum untergeht.  Vgl. 6/46, wo der "Tod des Goldes" das Ende der uralten Kaiserreiches im Jahr 1806 bedeutet.  Kaiser Napoleon III. ist Neffe von Napoleon I., hat den gleichen Familiennamen Bonaparte.  Er hat seinen Thron auch auf die katholische Kirche gestützt. Der Vers handelt vom Ende seines Kaisertums.    


2)3)4) Bei sich abzeichnender Niederlage im Krieg gegen Preußen sucht der Kaiser in der Schlacht bei Sedan am 2.9.1870 einen "spektakulären Tod".  Sein Wunsch zu sterben, ist aktenkundig überliefert (Kap.30).  Im "großen Gemetzel" sieht N. den "Stolzen".  Auch er wird im Granatenhagel "von oben geschlagen".  Aber wenn der Rauch sich verzieht, ist er "wieder da".  Für N. ist es "erstaunlich", dass der Kaiser nicht umkommt wie viele andere, sondern in die Gefangenschaft seines Gegners gerät, des preußischen Königs Wilhelm I.    

Erfolgloser Terror gegen den Seelöwen

   02/94   GRAN. Po, grâd mal pour Gauloys receura,    
                Vaine terreur au maritin Lyon.    
                Peuple infini par la mer passera,    
                Sans eschapper vn quart d'vn milion. (1555)  

                Der kornreiche Po wird großes Unheil wegen Galliern erleiden.

                Erfolgloser Terror gegen den Seelöwen.

                Zahlloses Volk wird das Meer überqueren.

                Kein Entkommen (gibt es für) eine Viertelmillion.
   
                   1) Lat. n.n. granum Korn, lat. Adj. grandis aufgeschossen, großkörnig.    
   
1) Italien wird 1796ff. von einem Mann unterworfen, der aus einer Revolution hervorging und schon deshalb für N. "großes Unheil" bringt.

 
2) Britannien hat drei Löwen im Wappen, 7/16, eigentlich Leoparden.  Der "Seelöwe" ist Groß-britannien in einer Zeit, als es ein großes Kolonialreich unterhält.  Napoleon lässt ab 1806 britische Schiffe von den europäischen Küsten aussperren, um das Land wirtschaftlich zu zerrütten.  Aber Russland macht nicht mit, und die Seeherrschaft der Briten kann nicht gebrochen werden.      

 

3) Ab 1808 landen die Briten in Portugal, von wo sie in den ersten Monaten 1814 bis nach Frankreich vordringen, 2/48.  Gemeinsam mit ihren europäischen Verbündeten können sie Napoleon niederringen, 2/44.  

4) Das gelingt erst nach dem dramatischen Scheitern der Grande Armee im Russlandfeldzug Ende 1812.  Die Zahlen über die Verluste variieren;  Napoleon selbst schätzte sie auf 300.000 Mann.    

 

Städte unbewohnbar, Streit um Landbesitz, Große werden Brüder

   02/95   Les lieux peuples seront inhabitables:    
                Pour champs auoir grande division:    
                Regnes liurés a prudents incapables:  
                Lors les grands freres mort & dissension. (1555)  

                Die dicht besiedelten Orte werden unbewohnbar sein.

                Wegen des Besitzes der Felder (gibt es) große Uneinigkeit.

                Die Regierungen sind klugen Unfähigen überlassen.

                Dann (werden) die Großen Brüder.  Tod und Zwietracht.
   
1) Geschildert wird die Zeit nach Kometensturz und Kataklysmus.  Wenn  a l l e  besiedelten Orte unbewohnbar wären, würde die Menschheit aussterben.  Unbewohnbar sind  d i c h t  besiedelte Orte. Dafür braucht es keinen Einsatz von ABC-Waffen.  Es reicht, wenn die Infrastruktur schwer beschädigt ist und keine Energie mehr nachkommt.  Die industrielle Produktion, auch die landwirtschaftliche, liegt dann am Boden.  In 2/19 allerdings scheint es, dass manche Flächen verseucht sind und erst später wieder genutzt werden können.    


2) Die Städte sind also unversorgt, die Städter strömen auf 's Land.  "division" bedeutet Teilung, aber auch Streit.  Die Städter wollen einen Anteil am Ackerland, die Bauern wehren sich.      

 

3) Die Obrigkeiten halten kluge Reden, sind überfordert.    


4) In dieser Zeit wird beschlossen, Kompetenzen an übergeordnete, supranationale Instanzen zu übertragen, die für gegenseitige Hilfe und den Frieden sorgen sollen.  Später wird die freundliche Aufnahme aller Staaten in die brüderliche Weltgemeinschaft, 4/32, an Bedingungen ideologischer Art geknüpft.  Das führt erneut zu "Tod und Zwietracht".    

Römischer Pontifex speit Blut 

   02/97   Romain Pontife garde de t'approcher    
                De la cité qui deux fleuues arouse,    
                Ton sang viendras au pres de la cracher,    
                Toy & les tiens quand fleurira la rose. (1555)    

                Römischer Pontifex, hüte dich davor, nahe zu kommen

                der Stadt, die zwei Flüsse umspülen.

                Dein Blut wirst du dort in der Nähe ausspeien,

                Du und die Deinen, wenn erblühen wird die Rose.
   
Papst Paul VI. stirbt im August 1799 in Valence an der Rhône an einem Bluthusten.  Aber ansteckend ("und die Deinen") ist die Krankheit nicht.  Einen Sinn hätte die Warnung an einen seiner Freiheit beraubten Greis auch nicht gehabt. -    
 

4) Als >größter Philosoph aller Zeiten<, 5/31, gilt der nach dem Kataklysmus auftretende religiöse Charismatiker seinen Anhängern.  Dieses "Haupt der Weisheit" nennt N. >Rose der Welt< in Anlehnung an die Symbolsprache der Alchemisten, 5/31, Vorschau (III).    


1) Auch der Papst ist "ergriffen" von dem Mann, 5/15.  Die >Verlobung< von >Mutter Kirche< mit dem >wiedergekommenen Heiland< wird in Aussicht genommen, 5/49.    


2) Die Leie mündet beim belgischen Gent in die Schelde.  In der Zwei-Flüsse-Stadt wird dann >Hochzeit< gefeiert, 10/52.    


3) Danach ist der >neue Weise<, 4/31, der Herr im Haus.  An der >Rose< werden ihre Dornen fühlbar, wenn sie später die Kirche ihr >Blut ausspeien< lässt, ihr geistliches Leben, ihren Glauben, sowie dessen liturgischen Vollzug durch die Kommunion.   

 

Zur Frage der der Sinnhaftigkeit der Warnung siehe Vorschau (XI).  Kurzfassung:  Wenn ein Uhrwerk falsch geht, hilft es nicht, an den Zeigern zu drehen.  

 

Philippe Egalité selbst zum Tod verurteilt

   02/98   Celuy du sang resperse le visaige    
                 De la victime proche sacrifiée:   
                 Tonant en Leo augure par presaige:   
                 Mis estre à mort lors par fiancée. (1555)    

                 Jener von Geblüt (wird) bespritzt (haben) das Gesicht

                 (mit dem Blut) des verwandten Opfers, der Gottheit dargebracht.

                 Donner gegen (den) Löwen (ein) Vorzeichen durch Vorhersage:

                 Er wird zu Tode gebracht wegen der Verlobten.
   
                    1) Lat. v. respergo, respersi, respersum bespritzen.    

                    2) N.f. victime Opfer (das man wird), n.f. sacrifice Opfer (das man bringt).    
                    3) Lat. v. tonare donnern, lat. tonans Donnerer, (der Gott) Jupiter, mittellat. tonans Gott.    

   
1)2) Herzog Louis Philippe Joseph von Orléans, seit 1785 erster Prinz von Geblüt, ist ein Cousin von König Louis XVI.  Er stellt sich 1789ff. auf die Seite des Volkes.  Er stimmt im Jan. 1793 für die Verurteilung des Königs zum Tod.  Im Todesurteil sieht N. eine quasi-religiöse Opferung, 1/44.        

 

4) Philippe Égalité, wie er sich zur Demonstration seiner Gesinnung nennt, hofft bis 1791, >sich mit dem Volk zu verloben<, d.h. später selbst König zu werden (---> mariage).  Aber ein Gericht, das der Konvent, letztlich das Volk (die >Verlobte<) bestellt hat, verurteilt auch ihn zum Tod (6.11.93), 3/14.    

 

3) Das Todesurteil gegen den König vom Januar 1793 sei ein Vorzeichen des Todesurteils gegen Égalité.    

 

Eine keltische Nation lernt den >Nordwind< fürchten

   02/99   Terroir Romain qu'interpretoit augure,    
                 Par gent Gauloyse sera par trop vexée:  
                 Mais nation Celtique craindra l'heure,    
                 Boreas, classe trop loing l'auoir poussee. (1555)   

                 Römisches Gebiet, soweit der Seher es deutete,

                 wird durch gallisches Volk allzu sehr bedrängt werden.

                 Aber die keltische Nation wird die Stunde fürchten

                 (und den) Nordwind, (die) Armee allzu weit hinausgetrieben zu haben.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) Relativpronomen que auch: soweit, soviel (à ce que).    

                    4) Lat. n.m. boreas Nordwind.   Lat. n.f. classis Flotte, Heer.    
   
1)3) N. ist sich bewusst, dass er seine Visionen deuten muss, um sie schriftlich niederlegen zu können.  Ein Volk, das seinem weltlichen Herrn den Gehorsam aufkündigt, den es ihm auch von Gott her schuldet (Mt 22, 21, Römerbrief Kap.13), lässt für N. die christlich geprägte Epoche hinter sich. Es gelten wieder keltische, soll heißen vorchristliche Zustände.      


1)2) Die Armeen des revolutionären Frankreich stürzen 1796/97 und 1808ff. die Herrschaft des Papstes, der 1798 nach Frankreich verschleppt wird, 6/46.    


3)4) Der >Nordwind< ist ein Bild für den >Gegenwind< aus Russland, 9/99.  Der Zar will am Wirtschaftskrieg Napoleons gegen Großbritannien nicht teilnehmen.  Frankreichs Grande Armée marschiert im Juni 1812 nach Russland ein.  Sie scheitert gegen einen taktisch überlegenen Gegner, dem der strenge kontinentale Winter zu Hilfe kommt.  Mehrere 100.000 Mann überleben nicht, 2/94.    

Grossbritannien sucht den Rückhalt eines großen Bündnisses

   2/100   Dedans les isles si horrible tumulte,  
                Rien on n'orra qu'vne bellique brigue, 
                Tant grand sera des predateurs l'insulte,
                Qu'on viendra ranger à la grand ligue. (1555) 

                Auf den Inseln (wird) ein schrecklicher Tumult (sein),

                nichts wird man hören als kriegerische Manöver.

                So schwer wird der Angriff der Beutemacher sein,

                dass man sich in das große Bündnis einreihen wird.
   
                    2) Mittelfrz. (Gr) n.f. brigue Streit (querelle), Intrigen (intrigues), Manöver (manoeuvres).  

                    Manche späteren Augaben haben "bien" statt "rien".    
   
Vz 1/2/3 [Auf den Inseln/ Angriff hörbar/ so schwer ...] "Die Inseln" können England, Wales und Schottland, zusammen Britannien sein, wie in den Versen 10/22 und 10/39.  Dort greifen "Beutemacher" an, deren Anführer N. einen "Räuber" nennt, 9/76, weil Landraub sein wichtigstes Kriegsziel ist.  Ab dem 7.9.1940 befiehlt Hitler einen nächtlichen Bombenkrieg gegen die Zivil-bevölkerung der Großstädte in Großbritannien.  Es sind hörbare Ereignisse (Flugzeuge, Explosionen, Flugabwehrkanonen), deren Auswirkungen erst am Tage sichtbar werden. Schrecklich ist der Lärm auch deshalb, weil sich Großbritannien lange allein verteidigen muss.    


Vz 4 [... dass man sich in das große Bündnis einreiht]  Nach dem Zusammenbruch Frankreichs ist "der Rest im Hemd, dazu verdammt, unterstützt zu werden", 10/01.  Wie entscheidend die Verbündeten für das Schicksal Großbritanniens werden, macht Churchill in seinen preisgekrönten Erinnerungen ("Der Zweite Weltkrieg") schon durch die Überschriften deutlich.  Das Zweite Buch (vom 10.5.40 bis 22.6.41) ist mit "Allein" überschrieben.  Das Dritte Buch (ab 7.12.41) lautet "Die Große Allianz".  Erst im Juni 1941 wird die Sowjet-Union zum Verbündeten, und erst im Dezember 1941 stoßen die USA zur Anti-Hitler-Koalition.

 

Kriegseintritt der USA nach Pearl Harbor

   03/01   APRES combat et bataille nauale    
                Le grand Neptune à son plus hault beffroy,    
                Rouge auersaire de fraieur viendra pasle.    
                Metant le grand ocean en effroy. (1555)   

                Nach Gefecht und Schlacht auf See (läuten)

                beim großen Neptun die höchsten Alarmglocken.

                Der rote Feind wird vor Furcht bleich,

                wenn er (Neptun) den großen Ozean in Schrecken versetzt.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. beffroi Turmwarte mit Sturmglocke, auch die Sturmglocke selbst.    
   
1)2) Neptun, der römische Gott des Meeres, steht für eine Macht, die auf den Meeren in Erscheinung tritt.  Ein großer Neptun ist eine bedeutende Seemacht.  Die bedeutendste Seemacht ist seit 1588 Großbritannien, 10/100, im 20. Jahrhundert abgelöst durch die USA.  Den Wendepunkt markiert das Flottenabkommen von 1922, das den USA die gleiche Tonnage für Großkampfschiffe wie Groß-britannien zuspricht.      


2)3)4) Mächte, die kriegerisch (blutig) in Erscheinung treten, nennt N. rot (---> rouge).  Japan beginnt 1940 mit der Eroberung der Inselwelt des Pazifik.  Wegen seines Angriffskrieges und dem Rot in seiner Flagge nennt N. Japan "den roten Feind".  Hitlerdeutschland greift im Juni 1941 die Sowjet-Union an, 10/01 Vz 2, Japan ein halbes Jahr später die USA.  Nach dem Überfall auf ihre Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7.12.1941 treten die USA in den Krieg ein, stellen um auf Kriegswirtschaft.  In der Seeschlacht bei den Midway-Inseln im Juni 1942 verliert Japan vier seiner sechs Flugzeugträger;  sie ist der Wendepunkt des Krieges. 

   
4) "Großer Ozean".  Der erste Weltumsegler Magellan gibt 1519 dem Ozean zwischen Asien und Amerika den Namen Mar Pacifico, Stiller Ozean.  Aber Weltkarten braucht N. als Seher nicht unbe-dingt. S. Exkurs (13) zum räumlichen Geltungsbereich der Centurien.  

 

Zweimal fehlen die Lichter 

   03/04   Quâd seront proches le defaut des lunaires, 
                 De l'vn a l'autre ne distant grandement,    
                 Froid, siccité, danger vers les frontieres,  (1555)    
                 Mesmes ou l'oracle a prins commencemêt. 
  

                 Wenn die Abwesenheit(en) der Lichter nahe sein werden

                 - von der einen bis zur anderen ist es nicht weit - ,

                 (gibt es) Kälte, Trockenheit, Gefahr an den Grenzen,

                 auch da, wo das Orakel seinen Anfang genommen hat.
   
1) Die  e r s t e  Abwesenheit von Sonne und Mond ist die Verfinsterung im Zuge des Kometen-sturzes, VH (18).  Sie soll drei Tage anhalten, 1/46.   Die  z w e i t e  >Abwesenheit von Sonne und Mond< bedeutet, dass die christliche wie die islamische Religion ihr geistliches Licht nicht mehr spenden dürfen, im Klartext: dass diese beiden Religionen verboten sind.     


2) Der Mann, der einige Jahre nach dem Aufruhr der Natur zum Weltherrscher aufsteigt, werde "nicht lange" Frieden halten, 1/04.  Von seiner Wahl / Inthronisation an gerechnet, sollen es neun, 2/09, zehn, 8/69, oder elf Jahre sein, Sz 16.  In einem Frühjahr kommt es zur zweiten >Finsternis<, 9/83, 3/05. "Nicht weit": Ein Zeitraum von zwölf Jahren ist für N. "kurz", 5/20, 1/12.    


3)4) Zur >Trockenheit< s. 3/03.  Den Anhängern der alten Religionen soll ihre vertraute geistigen Heimat genommen werden (Kälte).  Nach Europa kommende Fremde, 6/54, sollen die Menschen "in Übereinstimmung bringen", 3/38.  Auch in Salon-de-Provence, wo N. lebt.    

Bedrückung der Hugenotten

   03/06   Dans temples clos le foudre y entrera,  
                 Les citadins dedans leurs forts greués: 
                 Cheuaux, beufs, hômes. l'ôde mur touchera,  
                 Par faim, soif sous les plus foibles arnés. (1555)

                In verschlossene Tempel wird der Blitz einschlagen

                Die Bürger (werden) in ihren Festungen bedrückt.

                 Pferde, Rinder, Menschen.  Die Woge erreicht (die) Mauer.

                 Durch Hunger, Durst unter den Schwächsten (sind sie) erschöpft.
    
                     2) Mittelfrz. (Gr) v. grever niederdrücken (accabler), heimsuchen (affliger).  

                     4) Altfrz. v. arner, esrener überanstrengen, erschöpfen (éreinter).    
   
1) Ab 1661 werden die Protestanten in Frankreich ins Abseits gedrängt.  Reiche Gemeinden der Hugenotten dürfen arme Gemeinden nicht mehr unterstützen.  Kein Katholik darf bekehrt werden, >Mischehen< sind verboten usw.  Reformierte Gemeinden werden isoliert (verschlossen).  Durch das Revokationsedikt von 1685 wird die reformierte Religion verboten, der >Blitz< ist ein Bannstrahl.      


2)3)4) Protestantische Geistliche müssen sich bekehren oder das Land verlassen, nicht geweihte Hugenotten (Laien) müssen bleiben.  Ihre Gotteshäuser, die Tempel heißen, werden zerstört.  So werden die Menschen in ihren Festen des Glaubens bedrückt.  Viele Gemeinden wandern trotz des Verbots aus, nehmen Tiere mit auf ihre gefährliche Reise.  Der Wunsch, ihre Religion frei ausüben zu können, >Hunger< und >Durst< auf die Sakramente, treibt sie an, 2/64.  Die >Woge< ist ein Bild für den erzwungenen Katholizismus, der alle anderen Lehren verdrängen, sie unter sich begraben will (---> deluge).    

Festgefahrene Fronten, Leichen im Niemandsland, Flugzeuge

   03/07   Les fuitifs, feu du ciel sus les piques:    
                Conflit prochain des corbeaux s' esbatans:    
                De terre on crie aide secours celiques  (1555)    
                Quand pres des murs seront les combatans.    

                Die Flüchtigen, Feuer vom Himmel auf die Waffen,

                im nächsten Kampf tummeln sich die Raben.

                Von unten schreit man um Hilfe, himmlische Hilfe,

                wenn die Kämpfenden bei den Mauern sein werden.


                    1) Mittelfrz. (Gr) v. s' esbatre sich tummeln, freudig die Kräfte erproben.    

                    3) Mittelfrz. (Gr) Adj. celique himmlisch (céleste).    
   
1)4) Trotz fehlender Ortsangabe spricht manches für den ersten Weltkrieg, in dem erstmals Flug-zeuge eingesetzt werden.  Der Stand der Waffentechnik begünstigt den Verteidiger, so dass nach anfänglichem Bewegungskrieg die Gegner sich an festen Fronten gegenüberstehen.  Die Front-stellungen werden zu Graben- und Bunkersystemen ausgebaut (>Mauern<).

    
2) Ein weiteres Indiz für den Stellungskrieg sind die Raben.  Viele Soldaten, die bei Vorstößen im Niemandsland zwischen den Schützengräben liegen bleiben, können nicht zurückgeholt und gerettet oder begraben werden.  Ihre Leichname werden buchstäblich zum Futter der Raben und Ratten.    


1)3) Flugzeuge greifen in den Kampf ein.  Per Telegraph, auch eine neue Technik, wird Luftunter-stützung angefordert.    
 

Spanien beinah entvölkert

   03/08   Les Cimbres ioints auecques leurs voisins,  
                 Depopuler viendront presque l'Hespaigne:    
                 Gents amassés Guienne & Limosins,    
                 Seront en ligue, & leur feront compaignie. (1555)   

                 Die Kimbern, vereint mit ihren Nachbarn,

                 werden kommen, Spanien beinah zu entvölkern.

                 Leute, zusammengeströmt (in der) Guyenne, und die aus dem Limousin 

                 werden im Bündnis sein, mit ihnen verbünden sie sich.


1)2) Die Kimbern waren Germanen, die im zweiten Jahrhundert vor Christus durch Europa wanderten und bis Südfrankreich und Nordspanien kamen.  Im Jahr 1936 >sind sie zurück<.  Die spanischen Putschisten werden von Nazi-Deutschland tatkräftig unterstützt.  Auch das faschistische Italien engagiert sich auf Seiten Francos, 5/51 Vz 3/4.  Es werden Waffen geliefert, die Luftbrücke über Gibraltar abgesichert, deutsche und italienische Kriegsmarine beschießt spanische Hafenstädte. Ein deutsches Expeditionscorps (Legion Condor) tut sich mit Luftangriffen auf Zivilisten hervor. Durch Kriegstote, Massenerschießungen, >Verschwinden< und Flucht leert sich das Land;  laut wikipedia gibt es ca. 500.000 Tote.    


3) Im Februar 1939 gibt es an die 500.000 spanische Kriegsflüchtlinge, die zumeist im Süden Frankreichs Aufnahme in Lagern finden. 


4) Frankreich hat seit 1936 eine linke Regierung, die mit der legitimen spanischen Regierung sympathisiert, aber wegen der gespaltenen öffentlichen Meinung in Frankreich keine offizielle Hilfe für die bedrängte spanische Republik leisten kann.    

Waffen am Himmel über Berlin

   03/11   Les armes batre au ciel longue saison,    
                L'arbre au milieu de la cité tombé:    
                Vermine, rongne, glaiue, en face tyson,    
                Lors le monarque d'Hadrie succombé. (1555)    

                Die Waffen führen Schläge am Himmel für lange Zeit,

                der Baum in der Mitte der Stadt (ist) gefallen.

                Gesindel, Wut, Schwert, vor glühendem Holz,

                wenn der Alleinherrscher Hadrian unterlegen (ist).
   
                   3) N.f. vermine Ungeziefer, metaphorisch Gesindel.  

                   N.f. rogne Krätze, metaphorisch Stinklaune (mauvaise humeur), Zorn, Wut (colère). 

                   N.m. tison glühendes Stück Holz (Großer Larousse).
   
4) Wegen der todbringenden Verfolgung der Juden erhält Hitler hier wie an den anderen vier Fund-stellen den Namen jenes römischen Kaisers, der die Juden Jerusalems zu Hunderttausenden hat massakrieren lassen (---> Hadrie), nachdem ein >Sternensohn< den Aufstand angeführt hat, einer von vielen falschen Messiasprätendenten (Liebi [2011]).  Zu diesen zählt auch der "heilige Barbar" namens Hitler, 10/38 Vz 2, der sich den Deutschen nach dem >Endsieg< als Messias präsentieren wollte.


1)4) Im Jahr 1942 beginnen die alliierten Luftstreitkräfte mit den Flächenangriffen auf deutsche Städte, darunter Berlin, die bis Kriegsende fortgesetzt werden, also mehrere Jahre andauern.  Mit Brandbomben werden Feuerstürme ausgelöst.  Am Ende ist Hitler "unterlegen" samt seinem "Gesindel".  

 
2)3) Der Baum in der Mitte der Stadt ist keine Metapher.  Der Tiergarten bleibt bei den Luftangriffen nicht verschont.  Nur vereinzelte, durch Brände versehrte Baumskelette sind auf den Bildern von 1945 zu erkennen.  Was übrig ist, wird von den Berlinern verheizt. 

   
Also Vorsicht bei allen, die wie Heilige verehrt werden, besonders wenn sie auch noch Macht wollen.

   

Ebro, Tajo, Po, Tiber, Garonne und Rhone schwellen an, ganze Städte überflutet

   03/12   Par la tumeur de Heb. Po, Tag. Timbre & Rosne  
                Et par l'estang Leman & Aretin,    
                Les deux grans chefs & cités de Garonne  
                Prins, morts, noies.  Partir humain butin. (1555) 

                Wenn Ebro, Po, Tajo, Tiber und Rhône anschwellen

                auch der Genfer See und der See bei Arezzo,

                werden die beiden großen Hauptstädte der Garonne

                erfasst, getötet, ertränkt.  Menschliche Beute schwimmt weg.
   
Es schwellen Flüsse an in Spanien (Ebro, Tajo), Italien (Po, Tiber), Frankreich und in der Schweiz (Garonne, Genfer See, Rhône).  Wir erinnern uns an Sturzfluten, unter denen die Etsch bis zum Po durchbricht und Ähnliches an der Garonne geschieht, 2/33, mit den beiden Großstädten Toulouse und Bordeaux, 9/37. 

       

Kampanien (um Neapel) ist einmal so überschwemmt, dass nur noch Bäume herausschauen,  v o r massiven Regenfällen, die noch obendrauf kommen, 2/31.  Es gibt einmal Springfluten bei Sizilien und bei Florenz, 8/16.  Po und Tiber gehen über, nachdem ein Komet erschienen ist und drei große Fürsten Feinde geworden sind, 2/43.  Es ist wahrscheinlich, dass auch hier das Anschwellen der südeuropäischen Flüsse auf massive Regenfälle in der Folge des Kometensturzes zurückzuführen ist. Wo die Penna in den Arno fließt, gibt es ein seeartig verbreitertes Flussbett nahe Arezzo, das dann auch anschwillt, aber genau genommen ein Fließgewässer ist.     

 

Viele Menschen werden zur Beute der Fluten, werden mitgerissen.  

 

Bannstrahl gegen die Arche, Flotte untergetaucht 

   03/13   Par foudre en l'arche or & argent fondu: 
                Des deux captifs l'vn l'autre mangera:    
                De la cité le plus grand estendu,    
                Quand submergée la classe nagera. (1555)    

                Durch Bannstrahl gegen die Arche Gold und Silber geschmolzen.

                Von zwei Gefangenen wird einer den andern verschlingen.

                Von der Stadt wird der Größte vergrößert,

                wenn die Flotte untergetaucht fahren wird,
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. estendre ausstrecken, erweitern, vergrößern (étendre), anschwellen (s'amplifier).    
   
1) >Götterbilder aus Gold und Silber< sind die in Worte gefassten Gleichnisse, in denen sich Gott durch die Stifter der christlichen (Gold) und der islamischen Religion (Silber) offenbart hat, 8/28.  Die edlen Metalle werden vom "Größten" >geraubt<, dann >ins Feuer geworfen<, 8/28, und hier  nun >geschmolzen<.  Es ist das Feuer eines >Blitzes<, der die >Arche<, die katholische Kirche, trifft.  Die alten Glaubenslehren sind gebannt, und mit dem Wortmaterial, aus dem der Geist gewichen ist, macht ein Formgeber eine >Legierung< nach Gutdünken, 9/12.  Vgl. den >Tau< auf's >Mineral<, 5/36, und die >Vermischung der Sprachen<, VH (29)            

 

2) "Gefangen" sind die beiden alten Religionen dadurch, dass sie den >neuen Weisen<, 4/31, als oberste Autorität anerkennen, die Muslime nicht freiwillig.  Sie >verzehren einander<, trachten noch sich zu erhalten, indem sie Elemente der jeweils anderen Religion bei sich aufnehmen.  

3)4) Der "Größte" wird dann zum Erlöser  a l l e r  Menschen proklamiert, auch derer, die mit ihm nichts zu tun haben wollen.  Dadurch wird seine fatale >Größe< noch ausgedehnt.  Die in den Untergrund getriebenen Gemeinden der Altgläubigen sind bei N. eine >untergetauchte Flotte< (---> classe).  

   

König Louis-Philippe (1830-48)

   03/14   Par le rameau du vaillant personage    
                De France infime:  par le pere infelice  
                Honneurs, richesses trauail en son viel aage   
                Pour auoir creu le conseil d' homme nice. (1555)   

                Für den Abkömmling der >heldenhaften Persönlichkeit<

                des untersten Frankreich, mit unglücklichem Vater,

                (gibt es) Ehrungen, Reichtümer, Arbeit im hohen Alter noch,

                weil er auf den Rat eines einfachen Mannes vertraut hat.
   
1)2) Die >heldenhafte Persönlichkeit des untersten Frankreich< ist Louis-Philippe II. Joseph de Bourbon Duc d' Orléans, der sich Philippe Égalité nennt und seine Sympathie für die Revolution und die Jakobiner 1793 mit dem Leben bezahlt, 2/98.  Er wird von seinen Richtern verdächtigt, König werden zu wollen in einer Zeit, als das Land schon Republik ist  -  das reicht damals für ein Todesurteil.  Aber was ist schon zu erwarten, wenn man sich mit Leuten von >ganz unten< einlässt? So urteilt N.  

 

1)3) Der Sohn des >Helden< wird mit 56 gegen alle Erwartungen König, als eine Revolution im Juli 1830 seinen Vorgänger hinwegfegt.  Er hat sich bis dahin der Mehrung seines Vermögens gewidmet und gibt die Parole aus: Bereichert Euch!  Gut passend in die Zeit der fortschreitenden Industriali-sierung, wird der Bürgerkönig erst mit 74 Jahren vom Thron vertrieben.       

 

4) Das mittelfrz. Adj. nice bedeutet einfältig (niais) oder töricht (sot).  Diese Verszeile ist ungeklärt.    

Louis Quinze wird mit fünf Jahren König (1715)

 

   03/15   Cueur, vigueur, gloire le regne changera,    
                De tous points contre aiant son aduersaire  
                Lors France enfance par mort subiugera.   
                Le grand regent sera lors plus contraire. (1555)   

                Beherztheit, Kraft, Ruhm werden das Reich verwandeln,

                in jeder Hinsicht ihm dicht auf den Fersen sein Widersacher.

                Dann wird die Kindheit Frankreich durch Tod unterwerfen,

                der große Regent wird dann ein noch stärkerer Gegner sein.
   
1) Unter Louis le Grand, regierender König 1661-1715, erlebt das französische Königtum seine Glanzzeit.  Er kann sein Reich in vielen kleinen Schritten nach Norden und Osten erweitern (Reunionspolitik). Die spanischen Hauptlande gehen 1713 an ein Mitglied des französischen Königs-hauses, 4/02.  Die Stellung des Hofes gegenüber dem Adel wird gestärkt.  Lebensart und Sprache am Hof in Versailles werden in Europa zum Vorbild.   

 
2) Widersacher Frankreichs ist das aufstrebende Großbritannien.  Im Pfälzer Erbfolgekrieg und im Krieg um die spanische Erbfolge ist Großbritannien Kriegsgegner Frankreichs und bekämpft das französische Hegemoniestreben, wo immer möglich.     


3) Als Louis XIV. 1715 stirbt, ist der thronfolgeberechtigte Urenkel fünf Jahre alt.  Sein Großvater und sein Vater sind wenige Jahre zuvor an Infektionskrankheiten (Pocken bzw. Masern) gestorben.  Infolge dieser Todesfälle kommt ein Kind auf den Thron.    


4) Die Politik des Regenten (bis 1723) räumt der Pariser Ständevertretung eine politische Rolle ein, die sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr hatte.  Dadurch kann sie in den folgenden Jahrzehnten eine Politik der Blockade jeglicher Reformen betreiben.  Der Reformstau und die Unfähigkeit des Thronerben, 5/38, haben zu der Lage beigetragen, in der Jahrzehnte später die Revolution möglich wird.  Der Regent als innerer Feind des Königtums, der schlimmer ist als die äußeren Feinde.  (Der vierzehnte Ludwig ist selbst vier Jahre alt, als er König wird, aber für ihn regiert eine Regent i  n.  Auch die anderen Regenten in Frankreich sind oft Frauen gewesen.)

   

Der Aufstand der Morisken in den Alpujarras (1568-70)

   03/20   Par les contrées du grand fleuue Bethique  
                 Loing d'Ibere, au regne de Granade,    
                 Croix repoussés par gens Mahumetiques    
                 Vn de Cordube trahira la contrade. (1555)    

                 In den Gebieten des Guadalquivir,

                 weit vom Ebroland, im Reich von Granada,/ (werden)

                 Kreuze zurückgedrängt durch mohammedanische Leute.

                 Einer von Cordoba wird das Land verraten.
   
                    1) Der Fluss Guadalquivir in Andalusien heißt lat. Baetis.      

                    4) Provencal (Levy) n.f. contrada Gegend (contrée).    
   
1)2) Hispania Baetica hieß die südspanische Provinz der Römer, und Baetis der Fluss Guadalquivir. Granada ist eine Stadt in Andalusien.    


3) Granada hat die spanische Krone 1492 von den Mauren zurückerobert.  Für ihre Kapitulation wird ihnen freie Religionsausübung garantiert.  Aber das wird von der spanischen Gesellschaft, der Kirche und den Königen nicht eingehalten.  Die Mauren ziehen sich in die Alpujarras zurück, ein schwer zugängliches Gebirge.  Unter Philipp II. wird ab 1556 die Unterdrückung immer brutaler, von Bücher-verbrennung bis Zwangskonversion, das ganze Register.  Ende 1568 kommt es zum Aufstand.         


4) Die Führung übernimmt Abén Humeya, der mit christlichem Geburtsnamen Fernando de Cordoba y Valór heißt.  Er lässt sich zum König von Granada und Cordoba ausrufen.  Das erfüllt aus spani-scher Sicht den Tatbestand des Hochverrats.  Der Aufständische will anknüpfen an die Zeit vor 1492, als es über 200 Jahre lang ein Emirat von Granada gegeben hat.  Der Aufstand wird 1570 nieder-geworfen, die Menschen werden zwangsumgesiedelt.  Für N. sind die Aufständischen die Angreifer. Er nimmt ganz einseitig Partei für Spaniens König, 10/95. 

>Fisch mit menschlichem Antlitz< an der Adriaküste

   03/21   Au crustamin par mer Hadriatique    
                Apparoistra vn horride poisson,    
                De face humaine, & la fin aquatique,    
                Qui se prendra dehors de l'amecon. (1555)    

 

                Beim (Fluss) Conca durch das adriatische Meer     

                wird erscheinen ein grausiger Fisch 

                mit menschlichem Antlitz und fischigem Schwanz, 

                der sich verfangen wird am Angelhaken.

 
                   1) Lat. Crustumium ist ein Fluss, der heute Conca heißt und südlich

                   von Rimini in die Adria fließt, beim Dorf Cattolica.    
   
2)3) Das >Meer< als Urgrund der Schöpfung symbolisiert den Bereich der Religion (---> mer).  Das >Tier<, das in Offb 13 aus dem Meer steigt und seine Macht vom Drachen hat, sieht anders aus, gehört aber zum biblischen Hintergrund ebenso wie der >heilbringende Fisch< als Symbol der frühen Christen (---> poisson).   Der Mann, der da landet, lässt durch den Duktus seiner Rede den Verdacht aufkommen, dass in ihm mehr stecken könnte als ein gewöhnlicher Prediger.  Er >entpuppt sich< dann als >wiedergekommener Christus<.  Wegen der Ortsangabe ist es ein konkreter Landgang. Aber er will auch >an Land kommen<, d.h. für Weltliches zuständig sein, 1/29 (---> terre).    


4) Er >lässt sich fangen<.  Nach dem Kataklysmus suchen Überlebende nach Rettung, sind offen für Heilsansagen.  Die Vorstellung und Erwartung, dass Christus einmal wiederkommen werde, wirkt wie ein Köder, das den vermeintlichen Retter findet.  Und er >beißt an<.  Wer diesen >Fisch an Land zieht<, traut ihm zu, er werde nun das Gottesreich  a u f   E r d e n  bringen, was Christus bekanntlich nicht vorhatte, Joh 18,36-37;  Lk 17, 20-21.  Angesichts des Missbrauchs der christlichen Religion durch einen gänzlich Unbefugten graust es den Seher.    


1) Vorher wird der Mann auf einer Insel, wahrscheinlich im Mittelmeer, gesichtet, 2/07.  Dazu passt der Landgang an der Adriaküste südlich von Rimini.  Nur etwa 70 Kilometer weiter, bei Ravenna, erscheint einmal ein Ungeheuer, 2/32, und >Plünderer<, 9/54.    
 

Paris am sechsten Tag wieder hergegeben

   03/22   Six iours l'assaut deuant cité donné:    
                Liurée sera forte & aspre bataille:    
                Trois la rendront & à eux pardonné  
                Le reste a feu & sang tranche traille. (1555)  

                Sechs Tage (wird) der Angriff vor (der) Stadt vorgetragen,

                man liefert sich einen schweren und harten Kampf.

                Drei werden sie wieder hergeben, und ihnen wird Pardon gegeben.

                Der Rest (ist) in Feuer und Blut, beschnitten (die) Größe.
   
Die britischen Truppen werden bis 4.6.1940 aus Frankreich hinausgejagt, und am 5.6., als Hitler "Fall Rot" auslöst, beginnt der Frankreich-Feldzug der deutschen Wehrmacht, 4/22.  Am 10.6., dem sechsten Tag des Angriffs, erklärt die französische Regierung, dass man Paris nicht verteidigen werde. Die französischen Verfassungsorgane fliehen in den Süden.  Auf französischer Seite fallen in der Zeit vom 10.5. bis 22.6.40 etwa 60.000 Soldaten, bei den Deutschen etwa 27.000 (wikip. Westfeldzug)

 

Marschall Petain, seit 17.6. Chef einer neuen Regierung, setzt sich für die Kapitulation ein, die am 22.6. General Huntziger unterzeichnet, seit 18.6. unter Pétain Kriegsminister.  Der Dritte, der >Paris dem Angreifer hergibt<, ist Pierre Laval, der Pètain dabei unterstützt, die III. Republik zu beenden und dann in Vichy Außenminister des neuen Satellitenstaates Deutschlands wird.

Frankreich, fahre besser nicht nach Ägypten

   03/23   Si France passes outre mer lygustique,    
                Tu te verras en isles & mers enclos:    
                Mahômet côtraire:  plus mer Hadriatique: 
                Cheuaux & d asnes tu rougeras les os. (1555)    

                Wenn du, Frankreich, über das ligurische Meer fährst,

                wirst du dich auf Inseln und Meeren als Gefangenen sehen.

                Mohammed feindlich, mehr noch das adriatische Meer.

                Von Pferden und Eseln wirst du die Knochen abnagen.
   
1) Die Vorbereitungen zum Ägyptenfeldzug laufen nicht nur in Toulon und Marseille, sondern auch in Genua am ligurischen Meer und an weiteren Orten.  Im Mai 1798 sticht eine Flotte von 400 Schiffen unter dem Oberbefehlshaber General Bonaparte in See und erreicht im Juli Alexandria.    


2)3) Die Franzosen besiegen die Verteidiger, sind wegen der hohen Abgaben aber unbeliebt.  Im September kommt es zu Aufständen, so dass Truppen im Land gebunden sind.  Das adriatische Meer steht hier für das Mittelmeer als ganzes (mediterrannée reimt sich nicht auf ligustique).  Und das Meer bedeutet hier die britische Flotte unter Nelson, die den Franzosen gefolgt ist und im August die ankernde Armada Frankreichs fast komplett versenkt.  Durch Nelsons Blockade zur See können die Franzosen nicht mehr zurück (Frankreich gefangen).    


4) Um die Landung osmanischer Truppen zu verhindern, bricht man Anfang 1799 nach Syrien auf.  In der Wüste Sinai werden Kamele und Esel geschlachtet (Cronin S. 205).    

Ägypten wird ein Fehlschlag für Frankreich

 

   03/24   De l'entreprinse grande confusion,    
                Perte de gens, thresor innumerable:    
                Tu ny dois faire encor extension    
                France à mon dire fais que sois recordable. (1555)  

                Des Unternehmens großes Durcheinander

                (führt zu) Verlust an Menschen, an zahllosen Werten.

                Du sollst nicht noch einmal eine Ausdehnung unternehmen,

                Frankreich, sieh zu, dass du dich an meine Worte erinnerst!
   
3) Ausdehnungen hat Frankreich unter Napoleon viele erlebt (hist. Kap. 21).  Aber der Ausdehung hier entspricht die Expansion in 3/23, und in beiden Versen will N. sein Heimatland warnen.  Weil auch die anderen Angaben hier auf den Ägyptenfeldzug passen, haben wir ein Verspaar, d.h. die beiden Verse kommen auch in der ursprünglichen Reihenfolge nacheinander.  

 

1) Durcheinander.  Um Großbritannien in den Kolonien treffen und schwächen zu können, hätte erst mal die französische Marine aufgerüstet werden müssen.  Napoleon hat zugegeben, dass er seinen in Italien erworbenen Ruhm >warm halten< will.  Das gelingt ihm, obwohl das Ganze ein kompletter Fehlschlag wird.  Seine Taten werden romantisch verklärt, und viele Europäer lassen sich von der ägyptischen Geschichte und Kultur faszinieren.  

 

2) Bezahlen müssen dafür die einfachen Soldaten, von denen 1801 nur die Hälfte zurückgeführt wird. Die andere Hälfte ist in Kämpfen umgekommen oder an Krankheiten wie der Pest gestorben.  Die französische Marine ist durch das Desaster bei Abukir geschwächt.

       

3)4) Dazu Exkurs (8) Der Visionär als Warner.    

Der König von Navarra "allzu verbunden" mit Spanien (Juli 1593)

           seine Länder werden Krondomänen des Königs von Frankreich

         

   03/25   Qui au Royaume Nauarrois paruiendra    
                 Quand de Secile & naples seront ioints:    
                 Bigorre & Landes par Foyx Loron tiendra,   
                 D'vn qui d'Hespagne sera par trop côioint (1555)    

                 Dieser wird im Königreich Navarra emporkommen,

                 wenn sie verbunden sein werden mit Sizilien und Neapel.

                 Bigorre und die Landes, durch Foix Oloron wird (man) haben

                 von einem, der mit Spanien allzu verbunden sein wird.
   
                    3) Loron ist ein verkürztes Oloron, ein Städtchen im Béarn.  In dem on

                    am Ende des Wortes auch das Subjekt zu tiendra zu sehen, ergibt Sinn.    
   
1) Im Juni 1572 erbt Henri de Navarre mit 18 die Titel seiner Mutter, wird König von Navarra, Graf von Bigorre, Herzog von Albret (in den Landes), Graf von Foix, Graf von Béarn mit der Stadt Oloron-Sainte-Marie.      

 

2) Sizilien und Neapel sind damals Besitzungen der spanischen Krone und stehen als Decknamen für Spanien.  Sie, die Mitglieder des französischen Königshauses, werden Sommer 1572 >mit Spanien verbunden< sein  -  klingt diplomatisch harmlos, aber gemeint sind die Ereignisse vom 24./25.8.72, als allein in Paris mehrere 1000 Hugenotten niedergemetzelt werden (Bartholomäus-Nacht).  Das erzkatholische Spanien ist immer für ein härteres Vorgehen gegen die >Ketzer< in Frankreich eingetreten.


3) Als Henri de Navarre dann 1589 König von Frankreich wird, vereinen sich seine Titel mit der französischen Krone, seine Länder werden Krondomänen.    


4) Von seiner Mutter im reformierten Glauben erzogen, mit neun Jahren vom Vater unter Androhung von Prügel zur Teilnahme an der Messe gezwungen, tritt Henri nach seiner Flucht vom Hof 1576 wieder in die reformierte Kirche ein, 2/61.  Damit gilt er dem katholischen Eiferer N. als >rückfälliger Ketzer<.  König von Frankreich geworden, erkennt er, dass er den Frieden im Land nur als Katholik werde erwirken können, und tritt im Juli 1593 erneut über.  Aber N. misstraut ihm, er gebe sich nur den Anschein der Rechtgläubigkeit und werde in diesem Sinn mit der katholischen Vormacht >allzu verbunden< sein.  An einem "sinnenfrohen Edikt" werde man das dann auch bemerken, 5/72. 

   

Der Wolf als Symboltier der Entrechteten

   03/33   En la cité ou le loup entrera,    
                 Bien pres de là les ennemis seront:  
                 Copie estrange grand pais gastera  
                 Aux murs & Alpes les amis passeront. (1555)  

                 In der Stadt, wo der Wolf einziehen wird,

                 ganz in der Nähe dieses Ortes werden die Feinde sein.

                 Fremde Truppen werden ein großes Land verheeren,

                 die Freunde werden Mauern und Alpen überqueren.
   
                    3) Lat. n.f.pl. copiae Truppen.  Mittelfrz. (Gr) v. gaster

                    verheeren (ravager), verwüsten (dévaster).    
   
1) Hitlers Ideologie, die mit dem >Kampf ums Dasein< Erkenntnisse der Evolutionsbiologie zum politischen Programm erhebt, ist für Raubtiere konzipiert.  Der Wolf ist Symbol der Entrechteten, auch derer, die sich dafür halten (---> loup).  Die Nazis nutzen die Kränkung Deutschlands durch die Niederlage im ersten Weltkrieg und das Friedensdiktat von Versailles propagandistisch, 2/80.  In Berlin ist Hitler 1933 eingezogen, in Wien wird er 1938 triumphal empfangen, 1939 ist er im besetzten Prag, 1940 in Paris.  

2) Sowjetische Truppen stehen im April '45 vor Berlin und vor Wien.  Sie sind Feinde des Wolfs, im zweiten Weltkrieg alliiert mit Frankreich, aber auf längere Sicht als religionsfeindlicher Bereich auch Frankreichs Feind (---> ennemi).  

 
3) Es sind fremde Bomberflotten, die Deutschland von Westen und fremde Heere, die es von Osten her in die Zange nehmen.    


4) Die Mauern sind der Atlantikwall sowie der Westwall am Rhein, in Lothringen und den Ardennen.  Die Westalliierten, die sie überwinden müssen, kämpfen auch für Frankreich, sind Freunde.  Von Süden her kommen sie über den italienischen Kriegsschauplatz bis in die Alpen, 5/26.  

Ein begabter Redner, Feldherr und Verführer

   03/35   De plus profond de l'Occident d'Europe,    
                 De pauures gens vn ieune enfant naistra,    
                 Qui par sa langue seduira grande troupe:    
                 Son bruit au regne d'Orient plus croistra. (1555)    

 

                 Im hintersten Winkel des abendländischen Europa

                 wird von armen Leuten ein kleines Kind geboren.

                 Er wird durch seine Sprache (eine) große Armee verführen,

                 sein Ruhm wird im Reich des Orients stärker wachsen.
   
3) Ein Europäer niederer Herkunft steigt zum Feldherrn auf.  Ein großer Redner führt eine "große Armee".  Napoleon und Hitler sind beide Emporkömmlinge, Feldherren und begabte Redner.  Besser passt es auf Napoleon, weil der oft unmittelbar zu seinen Soldaten spricht und sie mitreißen kann, während Hitler zu Zivilisten, später zum ganzen Volk spricht.  

 

4) Der Ägyptenfeldzug ist politisch und militärisch ein Fehlschlag, 3/24, erhöht aber Napoleons Ruhm bei den Europäern, die sich von den Berichten aus Ägypten verzaubern lassen.    


1)2) Arme Eltern, Herkunft aus der hintersten Provinz, Verführung (i.S.v. Feindschaft gegen den weltlichen und geistlichen Gehorsam ---> seduire) und zweifelhafter Ruhm zeichnen vergröbernd das Bild eines Mannes, den N. als nicht zum Herrschen berufen darstellen will.  N. spielt wohl auch an auf die Herkunft Christi aus einer Provinz am Rande des römischen Weltreichs.  Nicht wenige Zeitge-nossen des jungen Napoleon feiern ihn als einen >Befreier vom Joch der Fürsten< wie einen Messias;  der Philosoph Hegel sieht in ihm die >verkörperte Weltseele zu Pferde<.    

Krieg geächtet, Kriegswaffen verboten, aber der Begrabene ist nicht tot 

   03/36   Enseueli non mort apopletique  
                 Sera trouue auoir les mains mangées:    
                 Quand la cité damnera l heretique,
                 Qu'auoit leurs loys si leur sembloit changées.  (1555)  

                 (Ein) Begrabener (ist) nicht tot, (nur) gelähmt.

                 Er wird angetroffen werden mit vertilgten Händen,

                 wenn die Stadt den Ketzer dafür verdammen wird,

                 ihre Gesetze, die ihr ganz die eigenen schienen, verändert zu haben.
   
Erst die Erfahrung der selbst geschaffenen Abgünde, die neue große Kriege den Menschen bescheren, führt anschließend zu einem allgemeinen Verbot von Kriegswaffen, VH (36), 6/94.  Es werden die >Hände< des Krieges >vertilgt< sein.  D.h. es werden die Waffen, mit denen der als Person verbildlichte Krieg sein Handwerk ausübt, vernichtet oder weggesperrt.  Der Vers warnt davor, den >begrabenen Krieg< für tot zu halten.  Er werde sich als nur >gelähmt< erweisen, denn "ganz leise werden sie die Waffen  n i c h t  wegsperren", 1/38.         

 

Am Ende gibt es noch einmal "Häretiker", d.h. Abweichler vom >rechten Glauben<.  >Die Stadt<  - alle politischen Zentren einer globalen Ordnung -  wird ein Monopol in Sachen Religion bean-spruchen, 1/79.  Wer an einer der alten Religionen noch festhält, wird als Sektierer und Friedensfeind verfolgt, 6/38, 1/45.  Erst nach dem Ende dieser Zeit der Verfolgungen, auf der neuen Erde, ist dann wirklich >der Krieg in sein Verlies versenkt<, 10/42.

    

Die Lombardei angegriffen, Mantua belagert

   03/37   Auant l'assaut oraison prononcée:  
                Milan prins d'aigle par embusches deceuz:   
                Muraille antique par canons enfoncée,  
                Par feu & sang à mercy peu receuz. (1555)    

                Vor dem Angriff wird eine Rede gehalten.

                Mailand genommen vom Adler, durch Hinterhalte getäuscht.

                Antike Mauer durch Kanonen aufgebrochen,

                unter Feuer und Blut werden Wenige Gnade erfahren
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f.  oraison 1. Gebet (oraison) 2. Rede (discours)

                   3. Prosa, im Unterschied zu Poesie (prose, par opp. poésie)    
   
1) Am 10.5.1796 beschließt General Bonaparte, nach der Einnahme der Stadt Lodi (Lauden ungefähr 30 Km südlich von Mailand), eine strategisch wichtige Brücke über den Fluss Adda zu nehmen, 1/33. Sie wird von den Österreichern mit Kanonen verteidigt.  Es gelingt Napoleon, der auf einem Schimmel die Reihen von 4000 Mann Infanterie entlang reitet, geschickt an die Angst vor der Schande eines Rückzugs zu appellieren.  Gegen 18 Uhr hat er sie genügend aufgeheizt (Cronin [1971] S. 149-151). Die Brücke wird genommen.    


2) Fünf Tage später zieht er triumphal in Mailand ein.  Er hat gerade den Grundstein für sein späteres Empire gelegt.  Der Adler ist das Zeichen derer, die ein viele Völker übergreifendes Imperium gründen (---> aigle).


3)4) Ab dem 19.7.1796 wird die Festungsstadt Mantua, in der sich die Österreicher verschanzt haben, mit Kanonen beschossen.  Insgesamt sterben bei der Belagerung bis zum 2.2.1797 etwa 20000 Menschen, Österreicher, Franzosen und Stadtbewohner, 2/37.  

 

Erster Krieg um die Unabhängigkeit Italiens (1848)

   03/39   Les sept en trois mois mis en concorde    
                 Pour subiuguer des alpes Apennines;    
                 Mais la tempeste & Ligure couarde    
                 Les profligent en subites ruines. (1568)    

                 Die sieben sind in drei Monaten einträchtig darin,

                 die Almen (der) Apenninen zu unterwerfen.

                 Aber das Durcheinander und (ein) ligurischer Feigling

                 stürzen sie in plötzliche Niederlagen.
   
                    1) "Les sept en trois mis en concorde", Ed. Bonhomme (1555).      

                    2) Lat. v. profligare niederwerfen.    
                    3) Mittelfrz. (Gr) n.f. tempeste Verworrenheit (confusion),

                    Heidenlärm (vacarme), brutale Schlacht (combat violent);  --> tempeste.    
   
1)2) Die ersten Kampfhandlungen im ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg datieren vom 8.4.1848.  Die Österreicher tragen den entscheidenden Sieg am 25.7.48 in der Schlacht bei Custoza davon.  Die Italiener tun sich zusammen, um die österreichische Fremdherrschaft abzuschütteln und die schmerzlich vermisste Selbstbestimmung als Nation in einer >Guerra Santa< zu erringen.  Die >Berge< Italiens, d.h. die italienischen Fürstentümer (---> mont), sollen einem gemeinsamen Willen unterworfen werden.  

 

Es sind sieben Fürstentümer:  1) Sardinien-Piemont, 2) Lombardo-Venetien, 3) die Toskana mit Lucca (seit Oktober 1847), 4) Parma, 5) Modena, 6) der Kirchenstaat und 7) das Königreich von Neapel, alias Königreich beider Sizilien.    


3)4) König Karl Albert von Sardinien-Piemont ist es, der Österreich den Krieg erklärt.  Aber zwei Wochen zuvor ist er dem liberalen Bürgertum in seinem Land entgegengekommen und hat einer Konstitution zugestimmt, was ihn für N. zu einem "Feigling" macht.  Nach Anfangserfolgen der Italiener kann Österreich sich noch behaupten.  Im zweiten Unabhängigkeitskrieg 1859 erreichen die Italiener mehr, 5/39.    

 

Großes Theater wieder aufgerichtet 

   03/40   Le grand theatre se viendra redresser:    
                 Le dez geté, & les rets ia tendus.  
                 Trop le premier en glaz viendra lasser, (1555)    
                 Par arcs prostraits de log temps ia fendus.    

                  Das große Theater wird sich wieder aufrichten.

                  Der Würfel ist gefallen, und die Netze (sind) schon ausgeworfen.

                  Allzu sehr wird der Erste auf (dem) Eis ermüden

                  wegen niedergeworfener Bögen, seit langem schon gespalten.

                      3) Mittelfrz. (Gr) n. glas 1. n.m. Geläut (sonnérie), Tumult (tumulte)  2. n.m./f. Eis (glace).  

                      4) Lat. prostratus niedergeworfen.  
   
1) Das >Amphitheater<, in das die Menschen fliehen, 10/06, das den Himmel verstellt, 6/100, und am Ende einstürzt, 9/83, ist ein Bild für die >Weltfriedensordnung<, die nach dem Kataklysmus aufgebaut werden soll.  Parallelen zum Imperium Romanum sind u.a. die nichtchristliche Ideologie, die etappenweise Errichtung eines Kaiserthrones und die Verfolgung derer, die dem Kaiser nicht huldigen wollen.     


2) Durch das Zusammengehen der katholischen Kirche mit dem vermeintlich >wiedergekommenen Heiland<, 5/49, ist ihr Schicksal besiegelt.    


3) Die >neue Religion< lässt das >Meer<, den Bereich der Religion, zu einer >Eiswüste< veröden und erstarren, 10/71 (---> geler).    


4) Die Kirche als >Brücke in die Ewigkeit<, seit dem 16. Jahrhundert gespalten, wird am Ende nieder-geworfen, 10/65.    

Ein Buckliger erwählt 

   03/41   Bosseu sera esleu par le conseil,  
                Plus hideux monstre en terre n'aperceu.   
                Le coup volant prelat creuera l'oeil:    
                Le traistre au roy pour fidele receu. (1555)    

                 Buckliger wird erwählt werden durch den Rat,

                 ein scheußlicheres Monster (ist) auf Erden nicht zu sehen.

                 Der fliegende Schlag wird (des) Prälaten Auge ausstechen.

                 Der Verräter (wird) vom König für loyal gehalten.
   
1)2) Bucklig wird im Mittelalter der Teufel dargestellt.  Missbildungen sind traditionell Sinnbilder geistiger Abnormität, die durch Ungehorsam gegen die Gebote Gottes entsteht (---> monstre). Körperliche Fehler sind sichtbar;  um geistige Fehler zu erkennen, müsste man geistig geweckt sein. Der "Rat", eine Versammlung von Kirchenoberen (wegen des Prälaten), ist  - in der Schau des Nostradamus -  n i c h t  geistig geweckt er erkennt den >Buckel< nicht.  Die Wahl des >Buckligen< bedeutet die Anerkennung eines Menschen als eines von Gott Erwählten, 10/91.  Ein Verschlagener wird da gewählt, 8/41.    


3)4) Der "fliegende Schlag" ist eine Variante des >von oben< niederfahrenden Bannstrahls, der die katholische Kirche trifft, 10/65.  Das >Auge< des >Prälaten< bedeutet die geistliche Aufsicht, die er führt (---> oeil).  Das Ausstechen bedeutet, dass ihm diese Aufsich genommen wird, 1/27.  Dann erweist sich ein anderer Kleriker als loyal zum >König<, nicht zum Prälaten.    

>Das Tier< gibt seine wahre Gesinnung kund durch den Bann gegen die Jungfrau 

   03/44   Quand l'animal à l'homme domestique    
                 Apres grâds peines & saults viendra parler:    
                 Le foudre à vierge sera si maleficque,    
                 De terre prinse, & suspendue en l'air. (1555)    

                 Wenn das Tier, mit dem Menschen in Hausgemeinschaft,

                 nach großen Anstrengungen und Sprüngen redet,

                 wird der Bann gegen die Jungfrau großes Unheil bringen. 

                 Von (der) Erde genommen wird sie und schweben gelassen in der Luft.
   
3) Die Jungfrau, die Mutter Jesu, ist Allegorie des christlichen Glaubens und der Christen (---> vierge). Der >Bann gegen die Jungfrau< bedeutet, dass von der letzten Zeit der alten Erde die Rede ist, wenn den christlichen Glaubensgemeinschaften verboten wird, den alten Glauben weiter zu lehren (---> foudre).  Unheil bringt das irdisch den Gläubigen, weil sie verfolgt werden, und geistig den Ungläubi-gen, 1/96.    
 

4) Das >lebendige Wasser< bedeutet das im Menschenherzen aufgenommene Wort Gottes, Joh 4,6-15. In diesem >Wasser< verbinden sich der Buchstabe, die Sprache als Material (>Erde<) und der im Wort sich äußernde Geist (>Luft<).  Das >Feuer vom Himmel< (der Bann) löst diese Bindung, das Wasser zerfällt in >Mineralien<, d.h. tote Buchstaben, und >Luft< (Dampf), ungebundenen Geist.  Es wird der Sprache der Geist ausgetrieben, der dann ungebunden >in der Luft schwebt< .      


1)2) Das >Tier< als die Seele, die sich selbst zum Leitbild erhebt und ohne Gott auskommen will, ist vielen ein vertrauter Hausgenosse.  Es gilt als harmlos, die Kräfte, die es freisetzt, als zähmbar.  Hinter der Tarnung aus Sprachlosigkeit, Nützlichkeit und Friedlichkeit verbirgt es seine wahre Gesinnung.  Erst ganz zuletzt, wenn es glaubt gewonnen zu haben, stellt es sich kaum getarnt und eigentlich offen gegen Gott.  

 

Fremde treten ein in den Tempel der Vesta

   03/45    Les cinq estranges entrés dedans le temple,  
                 Leur sang viendra la terre prophaner:  
                 Aux Thoulousains sera bien dur exemple    
                 D'vn qui viendra les loys exterminer. (1555)    

                 Die fünf Fremden eingetreten in den Tempel,

                 ihr Blut wird die Erde entweihen.

                 Denen von Toulouse wird das eine recht harte Warnung sein

                 vor einem, der kommen wird, ihre Gesetze auszulöschen.
   
1) Das Feuer im Tempel der ---> Vesta, das die vestalischen Jungfrauen im Auftrag des obersten Pontifex hüteten, war magisch mit dem Wohlergehen des römischen Imperiums verknüpft;  die Verehrung des Staates hatte ein religiöses Gewand.  Glaubensgemeinschaften der alten Religionen werden >Vestalinnen<, wenn sie sich auf das gemeinsame Ziel der PAX MUNDANA (Weltfrieden) verpflichten.  Fremd ist für N. alles, was nicht katholisch ist.  Der Eintritt in den >Tempel der Vesta<, 9/09 Vz 2, bedeutet die Selbstverpflichtung alter Glaubensgemeinschaften auf das planetare Friedensprojekt.  Dort prüft ein Pontifex maximus die alten Glaubenslehren auf ihre zukünftige Brauchbarkeit, 9/09 Vz 3. 

   
2) Das >Blut< der Religionen bedeutet ihr geistliches Leben.  Sie gelten in der >Weltfriedens-ordnung< als gleichwertig, 8/69, und werden anfangs alle für gut befunden, 5/32.  Aber für N. lässt ein Staat, der mehrere Religionen respektiert, Unheiligkeit in die Welt, 9/72.    


3)4) Dann dauere es in Toulouse nicht mehr lang, bis "einer kommt, ihre Gesetze auszulöschen"; "ihre Gesetze" sind die katholischen Glaubenslehren;  die Franzosen sind heute noch überwiegend katholisch.  Dieser "Eine" beansprucht dann nämlich ein "Monopol", 1/79 Vz 2, für die >neue Religion<, die er am Ende aus dem Hut zaubert.  Die Toulouser wollen dagegen ihre alte Religion erneuern, 1/79 Vz 4. 

Plötzlicher Wandel des Firmaments 

   03/46   Le ciel (de Plancus la cité) nous presaige    
                Par clairs insignes & par estoiles fixes,    
                Que de son change subit s'aproche l'aage,  
                Ne pour son bien, ne pour ses malefices. (1555)    

  

                Das Firmament (die Stadt des Plancus) kündigt uns an

                durch klare Anzeichen und durch Fixsterne,

                dass die Zeit seines plötzlichen Wandels herannaht,

                weder zu ihrem Vorteil, noch zu ihrem Nachteil.
   
1)2)3) Der Kataklysmus wird ausgelöst durch die Annäherung eines irregulären Himmelskörpers an die Erde, 6/35.  Nach einer 3-tägigenFinsternis, 1/46, nimmt die Erde plötzlich eine neue Lage auf ihrer Bahnebene ein, erkennbar an einem veränderten Fixsternhimmel.  Eine "große Versetzung" hat stattgefunden, VH (18).    


1) Plancus gilt als der Gründer von Lyon.  Vielleicht hat N. dort seine Vision gehabt.  Aber das ist nebensächlich für den Leser.    


4) Gar nicht nebensächlich ist die letzte Verszeile.  Die Ereignisse, die den Wandel herbeiführen, erregen großen Schrecken.  Aber die neue Lage des Planeten werde nicht schlechter sein als die alte.  Das Klima allerdings ist anders nach dem "natürlichen Umsturz", VH (4).  

 

 

Pétain >fürchtet die Kreuze<, sein Ende auf einer Insel

   03/47   Le vieux monarche deschassé de son regne  
                Aux Orients son secours ira querre: 
                Pour peur des croix pliera son enseigne:   
                En Mitilene ira pour port et terre. (1555)    

                Der alte Alleinherrscher, verjagt aus seinem Reich,

                wird bei den Ostlern um Hilfe nachsuchen.

                Aus Furcht vor den Kreuzen wird er sein Banner einholen.

                Auf Muschelinsel wird er gehen wegen Hafen und Erde.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) v. querir, querre suchen (chercher), bitten, fordern (demander).    

                   4) Mytilini, altgriech. Mytilene ist die Hauptstadt der Insel Lesbos.  Das altgriech.

                   n.m. mytilos bedeutet Miesmuschel.  Daher kann Mitilene frei als Muschelinsel

                   wiedergegeben werden.    
   
1)2)3) Der >Staatschef< Pétain hat sich quasimonarchische Vollmachten ins Verfassungsgesetz vom 10.7.40 schreiben lassen.  Seit November 1942 ist er zur Marionette abgesunken.  Das Ende seines Regimes rückt näher, als die Westalliiierten im Juni 1944 in der Normandie landen.  Im August wird die Exilregierung unter de Gaulle nach Paris verlegt;  es beginnt die Hatz auf die Kollaborateure, deren Prominentester Pétain ist.  Hitler droht ihm, wenn er seine Truppen nicht auf deutscher Seite kämpfen lasse.  Er gibt nach aus Furcht vor den Hakenbekreuzten, aber seine Befehle werden meist nicht mehr ausgeführt.  Am 17.8.44 wird er nach Deutschland gebracht und steht unter Arrest.     


4) Ein Jahr später, am 14.8.1945, wird der einstige Nationalheld wegen Hochverrats durch Kollabo-ration mit dem Feind zum Tode verurteilt.  Im Hinblick auf sein hohes Alter begnadigt ihn de Gaulle zu lebenslanger Haft, 4/91.  Er wird auf der Insel Yeu interniert, die von der Muschelzucht lebt.  So findet er einen geschützten Ort (>Hafen<), an den der einst Gefeierte sich vor dem Hass seiner Landsleute zurückziehen darf.  Er stirbt dort 1951 mit 95 Jahren (>Erde<).  (Diese Deutung hat Jean-Charles de Fontbrune [1980] gefunden). 

   

Frankreich gehorcht fremden Gesetzen, dann Verfolgung der Kollaborateure

   03/49   Regne Gauloys tu seras bien change:    
                En lieu estrange est translaté l'empire    
                En autres meurs, & loys sera rangé:    
                Rouen & Chartres te feront bien du pire. (1555)    

                Gallische Herrschaft, du wirst sehr verwandelt sein.

                An einen fremden Ort ist die Oberherrschaft übertragen.

                Nach anderen Sitten und Gesetzen wirst du dich richten.

                Rouen und Chartres werden dir viel vom Schlimmsten antun.
   
1)2)3) Der Waffenstillstand von Compiègne teilt am 22.6.1940 Frankreich in eine besetzte und eine freie Zone.  Der deutschen Militärverwaltung untersteht der Osten, Norden und Westen des Landes. Der Süden wird vom Kurort Vichy in der Auvergne aus regiert.  Diese Regierung spricht N. an;  sie wird von Berlin (fremder Ort) aus gesteuert.  Frankreich steht unter fremder Oberherrschaft, ist Hitlers Imperium eingegliedert  -  ein starker Wandel gegenüber vor der Zeit vor dem Krieg.  

 

Und die Zone libre im Süden, die Marschall Pétain von Vichy aus regieren darf, heißt auch nur so.  Durch den Pflichtarbeitsdienst werden Franzosen für die Kriegswirtschaft dienstbar gemacht.  Sogar bei der Auslieferung jüdischer Franzosen kooperiert das Vichy-Regime, gehorcht "anderen Gesetzen".


4) Chartres, Orléans und Rouen stehen wie in 4/61 für das wahre, selbstbestimmte Frankreich, in der Résistance weiter lebend, von den Kollaboreuren verraten.  Den Kollaborateuren tun nach der Befreiung Landsleute Schlimmes an, sie lynchen sie oder verurteilen sie offiziell zum Tod, wie Pétain, 3/47. Frauen, die mit Deutschen zusammen waren, werden gedemütigt, manche werden kahl geschoren.    

Der Kaiser getadelt, weil er gegen die Spanier in den Niederlanden nichts unternehme

   03/53   Quand le plus grand emportera le pris  
                De Nurêberg d' Auspurg, & ceux de Basle    
                Par Aggripine chef Francqfort repris 
                Transuerseront par Flamans iusques en Gale. (1555)

                Wenn der Größte einfahren wird den Lohn

                von Nürnberg, von Augsburg, und (von) den Baslern.

                (wird) durch das Kölner Oberhaupt Frankfurt getadelt (werden)

                Sie werden Flandern durchqueren bis nach Gallien.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.m. pris Wertschätzung (estime), Lohn, Belohnung (récompense).    

                   3) Colonia Agrippina ist der lat. Name von Köln.    
   
1)2) Nach dem Nürnberger Religionsfrieden von 1532 erstarkt der Protestantismus in Deutschland und in den Niederlanden, die damals zum Kaiserreich gehören.  Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 bestätigt den protestantischen Fürsten ihre Freiheiten.  Bei den Eidgenossen sind Genf, Zürich und Basel Zentren der Reform.  Die Ausbreitung der neuen Glaubensrichtungen sei die Quittung für die zu nachgiebige Haltung von Kaiser Karl V.  Der >Lohn< ist sarkastisch gemeint, 6/15.    


4) Im Jahr 1567 entsendet der spanische König Philipp II. den Herzog von Alba in seine wider-spenstige Nordprovinz, um ein streng katholisches Regiment einzuführen.  Albas Heerhaufen rücken im August 1567, von Italien kommend, in Brüssel ein.  Es wird ein Rat der Unruhen eingerichtet, der zahllose Adlige wegen Ketzerei und Hochverrats zum Tod verurteilt (>Blutrat<), 7/09.


3) >Frankfurt<, seit dem 12. Jahrhundert Ort der Kaiserwahl, steht hier allegorisch für diese Institution des Reichs.  Der Erzbischof von Köln hält wie die anderen Kurfürsten dem Kaiser vor, dass er das spanische Vorgehen in den Niederlanden nicht dulden könne, weil dieses dem Religionsfrieden zuwiderlaufe, der die Niederlande einschließe.  Ohne Erfolg, in den Niederlanden beginnt ein 80jähriger Freiheitskrieg (1568-1648).    


4) Über 20 Jahre später mischen die Spanier in Frankreich mit beim Kampf um den Thron Frankreichs, 6/83.  Der Seher steht mit seiner Gesinnung auf Seiten Spaniens und gefällt sich hier darin, seinen protestantischen Landsleuten mit der spanischen Knute zu drohen.    

Zu spät gekommenen Völkern wird am Inn ein Großer geboren

   03/58   Aupres du Rhin des montaignes Noriques  
                Naistra vn grand de gents trop tart venu,    
                Qui defendra SAVROME & Pannoniques,  
                Qu'on ne saura qu' il sera devenu. (1555)    

                Am Rhein der norischen Berge

                wird ein Großer geboren werden von zu spät gekommenen Leuten.

                Dieser wird Sarmatien und Pannonien verteidigen,

                und man wird nicht wissen, was aus ihm geworden ist.
   
1) Die römische Provinz Noricum wird im Westen durch den Inn begrenzt und erstreckt sich bis hinauf zur Donau.  Der Inn gleicht dem Rhein darin, dass er aus den Graubündner Alpen kommt und den Alpenraum dann verlässt.  Beim Alpenaustritt führt der Inn mehr Wasser als der Rhein.  Auf der östereichischen Seite des Inn, in Braunau, wird am 20.4.1889 Adolf Hitler geboren.       


2) Ein Großer heißt er, weil die Zeitgenossen ihm große Macht geben, Exkurs (5) über Größe bei N. Die Deutschen finden erst 1871, viel später als Großbritannien, Frankreich, Spanien, die Nieder-lande und Belgien zur politischen Einheit.  Da ist die Welt schon weitgehend aufgeteilt.  In Afrika ergattern die Deutschen noch ein paar Kolonien.  Aber in deutschen Köpfen, auch denen von Generälen, spukt die Idee, zu spät und zu kurz gekommen zu sein.     


3) Sarmaten bewohnten den Raum zwischen Weichsel und Wolga, Pannonien hieß der Raum östlich von Wien.  Diese Gebiete und ganz Osteuropa verteidigt die deutsche Wehrmacht auf ihrem Rückzug 1943-45.  Ab September 1943 verteidigt sie auch Italien, 1/08.    


4) Nach Hitlers Tod gibt es noch lange Gerüchte, er habe fliehen können.  Aber zwei Leichname werden vor der Reichskanzlei abgefackelt, 6/65.  

 

Wenn der Papst als Fürst abgesetzt wird, tut der große Nachbar es ihm gleich

   03/63   Romain pouuoir sera du tout abas,    
                 Son grand voysin imiter ses vestiges:  
                 Occultes haines ciuiles, & debats  
                 Retarderont aux buffons leurs folliges. (1555) 

 

                 Römische Macht wird gänzlich am Boden sein,

                 ihr großer Nachbar wird in ihre Fußstapfen treten.

                 Verborgene Gehässigkeiten, bürgerliche, und Streitereien mit Worten.

                 Ihre Narrheit lässt sie bei Possenreißern sich aufhalten.
   
                    4) N.f. folie Wahnsinn, Verrücktheit, hier reimbedingt abgewandelt.    
   
1)2) Es geht um den Niedergang der weltlichen Macht des Papstes und seines "großen Nachbarn". Die Rolle des Paten der italienischen Einigungsbestrebungen hat im Juli 1858 der französische Kaiser Napoleon III. übernommen.  Er und sein Empire sind der >große Nachbar< der Römer.  

 

Durch die Vollendung der politischen Einheit Italiens wird im Herbst 1870 der Kirchenstaat aufgelöst. Die Römer wollen den Papst "ganz und gar nicht herrschen lassen", 6/13.  Als Frankreich ab dem 19.7.1870 infolge des deutsch-französischen Krieges seine in Rom stationierten Truppen abzieht, können italienische Truppen Mitte September Rom kampflos übernehmen.  Die Truppen des Papstes kapitulieren am 20.9.1870. 


Nach verlorener Schlacht wird Kaiser Napoleon III. am 4.9.1870 in Paris für abgesetzt erklärt, er wird "im Stich gelassen", 4/13.  Gemeinsamer Nenner der beiden Vorgänge in Frankreich und Italien ist die nahezu zeitgleiche Absetzung eines souveränen Fürsten.     


3)4) Das Ressentiment des Sehers gegen den säkularen, d.h. nicht mehr auf die christliche Religion gegründeten Staat und gegen die Demokratie mit ihren Parlamenten wird sehr deutlich.    

Wenn >das Grab eines großen Römers gefunden wird...< 

   03/65   Quand le sepulchre du grâd Romain trouué,   
                 Le iour apres sera esleu pontife,    
                 De senat gueres il ne sera prouué    
                 Empoisonné son sang au sacré scyphe. (1555)
   

                 Wenn das Grab des großen Römers gefunden (wird),

                 wird am Tag danach (ein) Pontifex gewählt.

                 Vom Senat wird er nicht lange mit Beifall bedacht.

                 Vergiftet sein Blut im geheiligten Messkelch.
   
                    3) Adverb ne ... guères kaum, nicht viel, nicht sehr, nicht lange.  

                    Mittelfrz. (Gr)  prouver prüfen (examiner), (Person) auf die Probe stellen

                    (mettre à l'èpreuve), gutheißen, billigen (approuver).    

                    4) Lat. n.m. scyphus Becher, hier im Kontext: Messkelch.    
   
1) Eine Sturzflut >öffnet das Grab eines großen Römers<, 9/84.  Nach dem Kataklysmus wird die Idee ausgegraben, dass die Welt um des Friedens willen zentral regiert werden müsse.  Der >große Römer< ist der Kaiser Roms, der die oberste weltliche Macht und die oberste religiöse Autorität innehatte.  Zugleich mit dem >Fund der Gebeine des großen Römers wird die neue Sekte gegründet<, 6/66.  Das ist die schnell sich mehrende Anhängerschaft des Anwärters auf den Doppelposten des obersten Priesters und Kaisers.    


2) Der Kometensturz bringt eine >Nacht< der besonderen Art mit sich, 2/41, 2/91, 3/91.  Am >Tag< danach wird >der Sabiner< gewählt, den N. so nennt, weil er sich von den Anhängern des >großen Römers< auf deren Fest einladen lässt, 5/46.    


4) Der neue Papst erkennt Christus in einem Mann wieder, den N. auch den >neuen Weisen< nennt, 4/31.  Er >trinkt die Arznei<, die ihm dieser reicht, 8/13.  Das >Blut im heiligen Meßkelch< bedeutet das geistliche Leben, d.h. die Glaubenslehren und die Liturgie der Kirche.  Der >Wiederge-kommene< deutet die alten Lehren neu.  Seine anmaßende Philosophie >vergiftet< den alten Glauben, 2/47.    


3) Wenn die >neue Religion< dann die alten Religionen ersetzen soll, wird der neue Pontifex von der Kurie nicht länger mit Beifall bedacht.    

Vernunftgläubige Aufklärer setzen sich ab von der christlichen Religion

   03/67   Vne nouuelle secte de Philosophes    
                 Mesprisant mort, or, honneurs & richesses,   
                 Des monts Germains ne seront limitrophes:   
                 A les ensuivre auront apui & presses. (1555)   

                 Eine neue Sekte von Philosophen

                 verachtet Ehrungen (für) und Reichtümer (an) Tod und Gold.

                 Den germanischen Bergen werden sie nicht benachbart sein.

                 Von denen, die folgen, haben sie Unterstützung und Pressen.
   
                    2) Diese Verknüpfung der vier Begriffe ist nicht zwingend, aber auch nicht willkürlich.  

                    Sie ergibt sich aus der Bedeutung von Gold bei N. (---> or).    
   
Ein Hauptaugenmerk legt N. auf den Verlust der Religion, nicht auf die Apostasie Einzelner, sondern die Entchristlichung ganzer Völker.   Die Kritik an und die Abkehr von der katholischen Kirche ist für ihn gleichbedeutend mit dem Verlust des Glaubens.
 

2) Mit >Gold< (--> or) kennzeichnet er allgemein hohe Wertschätzung, aber auch konkret die von ihm hoch geschätzten Lehren Christi, wie sie die katholische Kirche weitergibt.  In diesem Kontext ist der Tod nicht irgendein Tod, sondern die Selbstopferung Christi zur Versöhnung mit Gottvater.  Die "Ehrungen" sind die Achtung der Gebote Christi und der Glaube an die Wirkung seiner Tat.  Die ''Reichtümer" meinen die liturgische Teilhabe der Gläubigen an der durch Christus erwirkten Versöhnung.      


1) Die Schriftsteller der Aufklärung (franz. "philosophes") fordern, dass die Menschen endlich anfangen müssen, selbst zu denken, statt das von den Autoritäten Vorgegebene einfach zu glauben.  Von da ist es anscheinend nicht weit bis zur Idee, dass  n u r  das, was der Vernunft  o h n e   w e i t e r e s einleuchtet, als wahr gelten dürfe.  Für die Selbstoffenbarung eines Gottessohnes ist dann kein Platz mehr, weil sie einen Glauben erfordert.  Ihre Gegnerschaft gegen die alte Kirche macht die Aufklärer aus Sicht N.s zu einer Sekte (---> secte).    


3) Symbolische >Berge< bedeuten bei N. Fürstentümer (---> mont).  Die >germanischen Berge< sind die protestantisch gewordenen Fürstentümer des alten Reichs.  Die Aufklärer wollen nicht den Glauben reformieren, sie betrachten das christliche Ideengebäude von außen.  Sein Fundament gilt der >bloßen< Vernunft als nicht zugänglich.

 

4) Das Zeitungswesen und der Buchdruck nehmen im 18. Jahrhundert gewaltigen Aufschwung. Diderots Enzyklopädie findet genügend Abonnenten in Europa, um zwanzig Jahre lang erscheinen zu können.  „Pressen“ bedeuten im Kontext die Zeitschriften, die die aufgeklärten Aufklärer zur Verbreitung ihrer Ideen erfolgreich einsetzen.

 

Guter Alter ganz lebendig begraben 

   03/72   Lebon viellard tout vif enseueli,    
                Pres du grand fleuue par fauce souspecon:    
                Le nouueau vieux de richesse ennobli    
                Prins au chemin tout l'or de la rancon. (1555)    

 

                Der gute Alte ganz lebendig begraben

                beim großen Fluss, wegen falscher Vermutung.

                Der neue Alte, hoch geehrt für Reichtum, 

                (wird) auf dem Weg ergriffen (haben) alles Gold des Lösegelds.
   
                   4) Es wird (aura) prins ergänzt.  Wenn man (sera) prins ergänzt, wäre zu

                   übersetzen:  Es wird ergriffen werden ...    
   
1) Der "gute Alte" ging vor 2000 Jahren über die Erde und nahm es auf sich, die Urschuld der Menschen zu sühnen und zu tilgen.  Als der berühmteste Scheintote der Weltgeschichte gilt Jesus von Nazareth denen, die den Berichten vom leeren Grab und von der Auferstehung glauben.  Man wird Christus, der ganz lebendig ist, >begraben< wollen, wenn der Bannstrahl eines globalen Regimes die christlichen Kirchen trifft.  Der Auferstandene soll aus dem Gedächtnis der zukünftigen Menschheit getilgt und so >endgültig begraben< werden.

    
2) Das >zweite Begräbnis Christi< liegt >beim großen Fluss<, weil das >Blut der Kirchen< dann in Strömen fließt, 10/65.  Dann >röten sich die Flüsse vom Blut<, VH (42), weil die Täter vermuten, dass sie den Geist Christi töten können, wenn sie seine Anhänger töten.  Diese Vermutung erweist sich als falsch, denn wer "das Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen", Mt 10,39.    

 

3)4) Dazu Näheres in Vorschau (XI).    

Konkurrenz boubonischer Linien, >Bastarde< an der Macht

   03/73   Quand dans le regne paruiendra le boiteux 
                Competiteur aura proche bastard:    
                Luy & le regne viendront si fort rogneux,    
                Qu'ains qu'il guerisse son fait bien tard. (1555)    

                Wenn zur Herrschaft gelangen wird der Lahme,

                wird er (als) Rivalen einen verwandten Bastard haben.

                Er und das Reich werden sehr stark krätzig werden,

                doch bevor wieder heil werde, was er getan, wird's recht spät werden.
   
1) Im Jahr 1814 wird Napoleon ins Exil nach Elba geschickt, und es besteigt der jüngere Bruder des in der Revolutionszeit umgekommenen Königs als Ludwig XVIII. den Thron.  Wie vormals sein Bruder ist er ein starker Esser und bezahlt seine Leidenschaft mit der Gicht.  Er kann kaum gehen, wird mit dem Rollstuhl bewegt, ist somit ein "Lahmer".


2) >Bastarde< nennt N. Herrscher, wenn sie eine hybride Legitimation haben, weil sie nicht mehr Herrscher ausschließlich aus eigenem Recht sind, sondern sich auf Konstitutionen verpflichten, die ihr Recht zugunsten von Parlamenten einschränken.  Das gilt für Louis XVIII. und die beiden ihm nachfolgenden Könige.  Eine offene Konkurrenz zwischen älterer und jüngerer Linie der Bourbonen gibt es seit der  Zeit, da Philippe Égalité, der Vater des späteren Bürgerkönigs Louis-Philippe, im Konvent mit den >Königsmördern< gestimmt, d.h. seinen Cousin Louis XVI. zum Tod verurteilt hat, 2/98.    


3)4) Das >Krätzigwerden< ist ein Bild dafür, dass die >Seuche der Demokratie< (---> peste), durch Konstitutionen einmal >ausgebrochen<, sich immer mehr ausbreiten werde.  In der Schau N.s verspielen die Bourbonen die Monarchie für eine lange, aber begrenzte Zeit.  

 

Nationalsozialistische Ideologie als neues Heidentum

   03/76   En Germanie naistront diuerses sectes  
                S'approchans fort de l'heureux paganisme,  
                Le cueur captif & petites receptes,  
                Feront retour à payer le vray disme. (1555)    

                In Germanien werden verschiedene Parteien entstehen,

                die sich stark annähern dem glücklichen Heidentum,

                die Herzen verführt, und klein (die) Rezepte.

                Sie werden umkehren, den wahren Zehnten zu zahlen.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. captiver zwingen (contraindre), verführen (séduire).  

                   Mittelfrz. (Gr) n.f. rece(p)te Art der Zubereitung eines Heilmittels, Verordnung.    
   
1) Franzosen, die den christl. Gehorsam gegen den Monarchen aufkündigen, nennt N. Kelten (---> Celtes).  Deutsche, die nach einem verlorenen Krieg ihren Monarchen verabschieden, nennt er Germanen  -  soll heißen, dass dann vorchristliche Zustände einreißen.  Anhänger einer secte sind für N. Menschen, die sich von der römischen Kirche lossagen und auch politisch die feudale und patriarchale Ordnung in Frage stellen.  Politische Parteien, die ohne Monarchie und katholische Kirche auskommen wollen, erfüllen das.  In der Republik von Weimar sind das die meisten.    


2) Unter ihnen ragen die Nationalsozialisten heraus, weil ihr Heidentum pseudoreligiös verbrämt ist.  Sie verkehren das religiöse Motiv der sittlichen Reinheit zur biologistischen Idee der >reinen Rasse<. Der für das Gottesreich Ausersehene mutiert zum >Herrenmenschen<, prädestiniert zur Eroberung eines Weltreichs.  Das ist mit der Universalität der christlichen Liebegebote und mit dem Jenseitsbezug der christlichen Religion nicht vereinbar.  Der Nationalsozialismus will die Menschen in der Volksgemeinschaft >erlösen<, ist aber nur eine weltliche Ideologie.    


3) Verführung bedeutet bei N. Wegführung vom katholischen Glauben (---> seduire). 

   
4) Wer >umkehrt, den wahren Zehnten zahlen<, kehrt in den Schoß der katholischen Kirche zurück, nachdem er sich von ihr abgewandt hatte.  Nach dem zweiten Weltkrieg können die christlichen Kirchen wieder ungehindert am öffentlichen Leben teilnehmen, jedenfalls im Westen des Landes.

 

Ein Unwürdiger wird verjagt, und dann kommt ein Bastard (1688/89)

   03/80   Du regne Anglois l'indigne deschassé, 
                 Le conseillier par ire mis à feu: 
                 Ses adherans iront si bas tracer, 
                 Que le bastard sera demi receu. (1555)
 

                 Aus dem englischen Reich (wird) der Unwürdige verjagt.

                 Der Ratgeber wird im Zorn ins Feuer geworfen.

                 Seine Anhänger folgen so niederträchtigen Spuren,

                 dass der Bastard halb eingeführt ist.
   
1) Jakob II. von England (1685-89) ist Katholik, seine Untertanen sind meist Anglikaner oder andere Protestanten.  Sie fürchten die Unterdrückung ihrer Religion, wie 1685 in Frankeich geschehen. Ende 1688 muss der König fliehen.  In die neue britische Verfassung wird später (1701) der Satz aufgenommen, dass ein Katholik nicht König sein darf.  Katholiken sind der Krone "unwürdig" für die britischen Zeitgenossen.      


2) Der Verjagte flieht an den Hof Ludwigs XIV, auf dessen Rat und Hilfe er hofft.  Und der neue britische König Wilhelm III. führt dann Krieg gegen Frankreich.     
 

3) Wilhelm wird gemeinsam mit seiner Frau, der älteren Tochter Jakobs, inthronisiert, 4/96.  Die Zustimmung der Briten erwirkt er durch sein Versprechen, die erweiterten Rechte des Parlaments anzuerkennen, 4/96.  Das macht ihn für N. zum halb von den Menschen und halb von Gott legitimierten >Bastard<.  Es sei niederträchtig, die Rechte des Monarchen beschneiden zu lassen, um selbst auf den Thron zu kommen.        


4) Bei den Briten ist Wilhelm 1689 eingeführt, bei den katholischen Fürsten erst 1697 im Frieden von Rijswijk.    

Großer Schreihals zum Oberbefehlshaber der Armee gewählt

   03/81   Le grand criard sans honte audacieux,    
                Sera esleu gouuerneur de l'armée:    
                La hardiesse de son contentieux,   
                Le pont rompu, cité de peur pasmée: (1555)    

                Der große Schreihals, ohne Scham, dreist,

                wird gewählt werden zum Befehlshaber der Armee.

                Die Unverfrorenheit seiner Streitsucht,

                die Brücke zerbrochen, Stadt vor Furcht erstarrt.
     
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.m. criart Schreihals (qui crie d' une manière désagréable).    

                   3) Mittelfrz. (Gr) Adj. contentieux streitsüchtig (querelleur).    
   
1) Im November 1640 wird Oliver Cromwell ins Lange Parlament gewählt.  "Sein Benehmen war geradezu empörend.  Parlamentarische Versammlungen können nicht stattfinden, wenn lautes Schreien und Schimpfen dieser Art erlaubt ist" (Beloc [1936] S. 106).    


2)3) Im April 1645 wird er an die Spitze der Kavallerie eines neuen Berufsheeres gestellt.  Wegen seines soldatischen und religiösen Charismas ist er faktisch schon Oberbefehlshaber.  Schamlos und dreist nennt N. ihn, weil er die britische Monarchie zerstören will, was ihm auch gelingt.

   
4) Im Dezember 1648 ergreift die Armee unter Cromwell die Macht.  Alle gemäßigten Parlamen-tarier, die für eine Verständigung mit dem König eintreten, werden aus dem Parlament ausge-schlossen.  Ein >Brückenschlag< wird unmöglich gemacht.  Am 30. Januar 1649 wird Charles I. Stuart hingerichtet. "Während die Volksmenge bei der Hinrichtung Straffords gejubelt hatte, herrschte bei der Hinrichtung des Königs betretene Stille;  ein entsetztes Aufseufzen lief durch die Menge, als das abgetrennte Haupt emporgehalten wurde" (Maurer [1997] S. 202)    

>Heuschrecken< an der Côte d'Azur 

   03/82   Freins, Antibol, villes autour de Nice,  
                 Seront vastées fer, par mer & par terre:  
                 Les sauterelles terre & mer vent propice, (1555)   
                 Prîs, morts, troussés, pilles sans loy de guerre.    

                 Fréjus, Antibes, Städte rings um Nizza

                 werden mit Waffen verwüstet, zur See und am Land.

                 Die Heuschrecken (kommen) auf Land und Meer bei günstigem Wind.

                 Gefangene, Tote, Verschleppte, Ausgeraubte, ohne Kriegsrecht.
   
                    2) Mittelfrz. (Gr) n.m. fer Schwert (epée), schneidende Waffen (toute arme tranchante).  

                    4) Mittelfrz. (Gr) v. trousser wegschaffen (emporter, enlever).    
   
3) Heuschrecken a) verdunkeln in der Poebene die Sonne, nagen alles ab und verbreiten eine große Seuche, 4/48, und sind b) im Krieg in Deutschland >wegen der Sache der Wolken<, indem sie Fehler  enthüllen, 5/85.  Wie die Heuschrecken im letzten Buch der Bibel (Offb 9,3-12) plündern sie nicht Vegetation und Ernten, sondern quälen und töten Menschen.  Die >Heuschrecken< sind Menschen, die das Licht der christlichen Religion verdunkeln und stattdessen die >neue Religion< verbreiten wollen, die der Weltherrscher erfunden hat, 1/45.  Der >günstige Wind< kommt von ganz oben.  Man kommt >auf Land und Meer<, will Oberherrschaft und Bekenntnis (---> mer, ---> terre).     
1)2) Sie kommen über die französische Riviera, treiben dort zuerst ihr Unwesen, dann in der Po-ebene, 4/48, später auch in  Deutschland, 5/85.   


4) Kriege sollen seit der Antike einen gerechten Grund haben.  Wer Christen wegen ihres Glaubens  tötet, hat für N.  k e i n e n  gerechten Grund.    

N. über seine Prophetie

   3/94   De cinq cent ans plus compte lon tiendra, 

              Celuy qu' estoit l' ornement de son temps: 

              Puis à vn coup grande clarté donrra 
              Qur par ce siecle les rendra trescontens. (1555) 

​               

              Fünfhundert Jahre wird man mehr für ein Märchen halten,

              was der Schmuck seiner Zeit war.

              Dann auf einen Schlag wird es große Klarheit geben,

              was sie in diesem Jahrhundert sehr zufrieden machen wird.
       
                 1) Mittelfrz. (Gr I. conter) n.m. compte auch:  Erzählung, um zu unterhalten

                 (recit pour divertir);  phantasiereiche Erzählung (recit fantaisiste); 

                 erfundener Bericht, um zu betrügen (recit pour tromper).    
       
Vz 1/2 [Märchen/ Schmuck seiner Zeit]  Mit "compte" wird hier eine Einschätzung des Gemeinten bezeichnet, die konträr ist zu dessen Bewertung als "Schmuck ihrer Zeit", die N. für angemessen hält.  Es bedeutet hier demnach etwas Erfundenes, ein Märchen, ein Machwerk.  N. meint seine eigene Prophetie.  Deren verbreitete Geringschätzung hat neben ihrer schweren Verständlichkeit noch andere Gründe.  Das zur Vorherrschaft gelangte wissenschaftliche Weltbild schließt die Möglichkeit von Prophetie aus.  Die Kirchen meinen, Gott habe sich durch Christus >abschließend< offenbart, allenfalls könne es >Privatoffenbarungen< geben, gültig nur für Einzelne.  

 

Aber Petrus sagt laut Apg 2,17: "In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott:  Ich werde von meinen Geist ausgießen über alles Fleisch.  Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein", sollen demnach  n i c h t  für sich behalten, was sie empfangen haben. In VH (11) zitiert N. eine entsprechende Stelle im AT, Joel 3,1.    
 

Vz 1/3/4 [große Klarheit 2055/ große Zufriedenheit]  Aus Vers 1/48 mit VH (6) lässt sich ableiten, dass N.s Prophetie sich im dritten Jahrtausend erfüllen werde.  Vers 3/94 wird 1555 erstmals veröffentlicht. Demnach werde es 2055 "plötzlich große Klarheit" geben  -  nur möglich, wenn und soweit die Centurien dann erfüllt sind.  Die Konstellation in 4/86 verweist auf dieselbe Zeit, die Fünfziger Jahre des 21. Jahrhunderts. 

 

Die Zufriedenheit kann darauf beruhen, dass mit Henri Cinq ein Frieden schaffender Herrscher gekrönt wird, 4/86.  Wer die Centurien des N. kennt, mag zufrieden sein, weil sich an ihnen die Übersicht Gottes über alle Zeiten erwiesen hat.  Echte Prophetie erweist Gott als Herrn der Geschichte und lässt erkennen, dass der Herr der Ewigkeit durch die Zeit mitgeht als Vater seiner Kinder, wie er es versprochen hat, Mt 28,20.
 

Schwäche des Islam, Aufstieg des Kommunismus (1917ff)

   03/95   La loy Moricque on viendra defaillir
                 Apres vne autre beaucoup plus seductiue,    
                 Boristhenes premier viendra faillir:
                 Par dons & langue vne plus attractiue. (1555)

                 Das maurische Gesetz wird man schwach werden sehen.

                 Danach (kommt) ein anderes, sehr viel verführerischeres (Gesetz).     

                 (Der) Dnjepr wird ihm als erster verfallen.

                 Durch Gaben (und) Sprache wird es noch anziehender.


                     1) Modernes v. defaillir schwächeln, versagen, nachlassen.  

                     Mittelfrz. (Gr) v. defaillir auch:  fehlen (manquer), schwach werden (s'affaiblir).    
 

Vz 1 [maurisches Gesetz]  Moros contra Christianos, Mauren gegen Christen während der Recon-quista wird heute noch in Spanien bei Volksfesten aufgeführt.  Das maurische Gesetz bedeutet den Islam und die von ihm begründete politische Ordnung.  Im laizistischen Staat Türkei des Mustafa Kemal lebt ab 1923 der Islam als Religion weiter, ist aber nicht mehr das Prinzip der politischen Ordnung und in diesem Sinn "schwach geworden".

Vz 2/4 [noch verführerischeres Gesetz]  In die Zeit nach dem ersten Weltkrieg fällt der Aufstieg des Kommunismus, für N. verführerisch, weil wegführend vom christlichen Glauben.  Noch verführe-rischer als der Islam:  Er stellt den Menschen nur diesseitige Ziele als erstrebenswert vor.  

Vz 4 [Gaben und Sprache]  Die anfängliche Begeisterung über den technischen und gesellschaftlichen Fortschritt ist mit den "Gaben", z.B. der Elektrifizierung und der als Propaganda eingesetzten >Sprache< angedeutet.

 
Vz 3 [Dnjepr]  Der Dnjepr entspringt in Russland, fließt durch Weißrußland und die Ukraine und steht für diese Länder und
Völker.  Die russische Revolution dauert vom 7.11.17 bis zum Sieg über die Weißen im Dezember 1920. Die Türkei entsteht nach der Niederlage der Osmanen im Dezember 1917 in einem mehrjährigen Prozess und wird am 29.10.1923 gegründet.  Zum Einwand, Petrograd liege nicht am Dnjepr, siehe das historische Kapitel 31. 


 

Neues Gesetz in Syrien, Judäa und Palästina

   03/97   Nouuelle loy terre neufue occuper    
                Vers la Syrie, Iudee, & Palestine:    
                La grand empire barbare corruer,    
                Auant que Phebes son siècle determine. (1555)  

                (Ein) neues Gesetz besetzt neues Land

                nach Syrien, Judäa und Palästina hin.

                Das große Barbarenreich bricht zusammen,

                bevor Phoibe ihr Jahrhundert beschließt.
   
                   3) Lat. v. corruere zusammenstürzen, einstürzen.    

                   4) Mittelfrz. (Gr) v. determiner auch:  beenden, beschließen (terminer).    
   
2) Der Name Syrien umfasst im 16. Jahrhundert das Land der modernen Staaten Libanon, Israel, Jordanien und Syrien.  In biblischer Zeit heißt das Gebiet der Juden Judäa und Samaria.  Das alt-römische Palestina umfasst die Gebiete der heutigen Staaten Israel und Jordanien.

   
1) Erste jüdische Einwandeungswellen gibt es 1881ff., 1904ff. und 1933ff.  Aber gemeint ist die Ein-wanderung infolge der Konstituierung eines "neuen Gesetzes" (---> loy), d.h. eines neuen staatlichen Prinzips.  Erst nach dem Holokaust kann die zionistische Bewegung am 13.5.1948 durch die Gründung Israels ihr Ziel erreichen, dass Juden in ihrem eigenen Staat leben können.    


3) Barbaren nennt N. die islamisch geprägten Völker des Orients, in deren Gebiet Israel entsteht.  Ein islamisches Großreich (empire) hat es trotz mancher Bestrebungen seit dem Untergang des osmanischen Reiches 1917 nicht mehr gegeben.  N. hat den Aufstieg des Islam am Ende des 20. Jahrhunderts, 1/48, und nach dem Kataklysmus gesehen, 6/54, 6/80.    


4) Phoibe ist die griechische Titanin des Mondes.  Das Mondjahr hat 354/355 Tage.  Dem Mond-jahrhundert entsprechen 97 Sonnenjahre unseres Kalenders.  Das Großreich der Orientalen breche vor 2045 zusammen.  Dessen Unterwerfung unter das globale Regime, VH (28), ist vorher.  Gemeint ist die Vertreibung der Orientalen aus Europa durch den späteren Henri Cinq und seine Verbündeten, 5/74.  Er tritt in Erscheinung im Dezember 2037, 4/97, und beginnt den Krieg wohl im Sommer 2038, 6/24.  

 

Amerikanische Verbände ziehen durch N.s Heimat,

                                                    Deutschland schwinden die Kräfte

   03/99   Aux châps herbeux d'Aleî & du Varneigne    
                Du mont Lebron proche de la Durance,    
                Camp de deux pars conflict sera sy aigre:    
                Mesopotamie defallira en la France. (1555) 
  

                Von den begrünten Fluren von Alleins und Vernègues,

                vom Mt. Lubéron aus nah der Durance (sind sie zu sehen,)

                die Truppen.  Von zwei Seiten wird der Konflikt sehr heftig sein.

                Dem Zwischenstromland schwinden die Kräfte in Frankreich.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. camp die Armee, die Truppen (l'armée, les troupes).    

                   Mittelfrz. (Gr) n.f. part Seite (côté), Richtung (direction), Partei (parti).      
   
1)2) Das Weltgeschehen kommt in der Heimat des Sehers vorbei, in einer für Frankreich hoffnungs-vollen Zeit.  Neugierig wie er ist, findet er sich in seiner Vision versetzt auf einen nahen Höhenzug, wenige Kilometer nordöstlich von Salon, wo er lebt.  Oben liegt Vernègues, die Ruine des Schlosses auf 380 m Höhe.  Am Fuß das Dorf Alleins, nur einen Kilometer weg von der N 7, wo man ab dem 20.8.1944 motorisierte amerikanische Verbände, dann auch Infanterie durchziehen sehen kann.  Von hier aus verläuft die N 7 ein Stück weit im Tal der Durance.  Vom Gebirgszug gegenüber (Lubéron) sind die Truppen auch zu sehen.  Seit dem 15.8.44 sind sie an der Côte d'Azur gelandet (wikip. Operation Dragoon).     


3)4) Das "Zwischenstromland" ist einmal ein Name für Deutschland in der Zeit nach 1933;  denn in der Hymne der "kreuztragenden Bande und Sekte" liegt Deutschland zwischen Maas, Memel, Etsch und Belt, 3/61.  Der Landung in der Normandie folgt sechs Wochen später die Invasion vom Mittelmeer. Allein in Frankreich sind die deutschen Truppen von zwei Seiten her unter Druck; gleichzeitig wird in Mittelitalien gekämpft, 5/99.  Im Süden ist schneller Rückzug angesagt (Befehl des deutschen Oberkommandos vom 17.8.1944).  In Frankreich wird sichtbar, dass Deutschland die Kräfte schwinden.

Eroberung Venedigs (1797)

   04/01   Cela du reste de sang non espandu:  
                Venise quiert secours estre donné:  
                Apres auoir bien long temps attendu.    
                Cité liurée au premier corn sonné. (1555)    

                Jener Rest von Blut (wird) nicht vergossen (werden).

                Venedig begehrt Hilfe, sie wird gewährt.

                Nachdem es recht lange erwartet worden war,

                wird die Stadt übergeben, wenn das erste Horn erschallt.


3) Nach dem großen Sieg 1571 beginnt der jahrhundertelange Niedergang der "Königin der Adria", wie die Republik Venedig sich selbst sieht.  Stück um Stück verliert sie ihre auswärtigen Besitzungen. Die Verlagerung des Seehandels infolge der neuen Entdeckungen in Übersee lässt Venedig ins Abseits geraten.  In der Linie dieser Entwicklung liegt der Verlust der Selbständigkeit.    


4) Dem Ersten, der zum Angriff auf sie blasen lassen wird, werde die Stadt gehören.  Das ist der französische General Bonaparte, der ihr am 2.5.1797 den Krieg erklärt, 8/33.  Die Stadt hat 15000 Söldner unter Waffen und ist stark befestigt.  Aber der Wille zu kämpfen ist schwach.      


1)2) Ein venezianischer General lässt Napoleon ausrichten, dass seine Mitbürger wünschen, "französische Soldaten möchten ihnen zu Hilfe kommen, um sie vor Unheil, das sich vorbereite, zu bewahren" (Langewiesche [1955] S. 244).  Venedig begehrt Sterbehilfe, der >Rest von Blut< weicht aus dem altersschwachen Körper der Stadt.  In den folgenden sieben Jahrzehnten gehört sie zu Frankreich oder Österreich und schließt sich 1866 an Italien an, 5/03.

Einige der größten Damen werden nach Frankreich geführt

   04/02   Par mort la France prendra voyage à faire
                 Classe par mer, marcher monts Pyrenees,  
                 Hespagne en trouble, marcher gêt militaire:    
                 Des plus grand dames en Frâce emmenées. (1555)

                 Wegen (eines) Todes wird Frankreich eine Fahrt unternehmen,

                 Flotte über's Meer.  Sie überqueren die Pyrenäen.

                 Spanien in Unruhe, es marschieren die Söldner.

                 Einige der größten Damen (werden) nach Frankreich geführt.
   
1) Im Testament des spanischen Königs Karl II., der im November 1700 stirbt, ist Philipp von Anjou, ein Enkel von Louis XIV., zum Erben eingesetzt.  Mit einer dynastischen Verbindung Spaniens und Feankreichs droht, aus Sicht der Seemächte und Österreichs, die Balance zugunsten Feankreichs sich zu verschieben.    


2)3) In Spanien gibt es Bürgerkrieg, weil der internationale Streit um den Thron interne Konflikte aufbrechen lässt.  Eine französische Flotte landet in Nordspanien, ein französisches Heer dringt über die Pyrenäen vor.  Weitere Schauplätze des Krieges sind Oberitalien, die Niederlande, die Ozeane und die Nordsee.    


4) Ergebnis, 6/02:  Die >größten Damen<, die Völker Spaniens und seiner Besitzungen in Übersee, gehen an Philipp v. Anjou (Friede von Utrech 1713).  Die Spanier werden Untertanen des Königs-hauses der Bourbonen.  Ein Franzose wird als Philipp V. >Herr< dieser >Damen<.    

Paris überrascht von plötzlichem Angriff

   04/08   La grâd cité d'assaut prompt repentin    
                 Surprins de nuict, gardes interrompus    
                 Les excubies & veilles saint Quintin    
                 Trucides, gardes & les pourtails rompus. (1555)   

                 Die große Stadt von plötzlichem, unvermuteten Angriff

                 überrascht des nachts, Schutzleute ausgeschaltet.

                 Die Wachmannschaften und Wachen (von) St. Quentin

                 umgebracht, Schutzleute und die Tore zerschlagen.
   
                     1) Lat. Adj. repentinus plötzlich, unvermutet.   

                     3) Lat. n.m. excubiae Wache, Wachtposten.    
   
Ende August 1572 ist der hugenottische Adel in Paris zu Gast, anläßlich der Vermählung des Hugenotten Henri de Navarre mit Marguerite de Valois, einer Tochter der Königinmutter.  Es soll ein Fest der Versöhnung werden.  Daher rechnet man am 23.8. nicht damit, dass der widerstrebende König dem Befehl zum Losschlagen zustimmt.  Mehrere tausend Hugenotten werden nieder-gemetzelt, auch ihr Anführer Gaspard de Coligny. 

Die zu seinem Schutz aufgestellten zwölf Schweizer Gardeleute werden umgebracht oder gefangen genommen.  Coligny hat sich 1557 bei St. Quentin gegen die Spanier für Henri II., den König von Frankreich geschlagen.  Daher bedeutet hier  >St. Quentin< den Admiral Coligny.  Viele der adligen Hugenotten werden nachts im Schlaf überrascht, nachdem ihre Häuser gewaltsam aufgebrochen wurden.  Die Hochzeit geht als Bluthochzeit, die Nacht als Bartholomäus-Nacht in die Geschichte ein.  

Hitler 1944 unter Druck  -  Attentat  -  Die Schweiz >verrät Genf<

   04/09   Le chef du camp au milieu de la presse  
                 D'vn coup de fleche sera blessé aux cuisses, 
                 Lors que Geneue en larmes & detresse  
                 Sera trahie par Lozan & Suisses. (1555)    

                 Der Armeechef in der Mitte des Drucks

                 wird von einem Pfeilschuß am Oberschenkel verletzt werden.

                 Wenn Genf in Tränen und in äußerster Not ist,

                 wird es verraten durch Lausanne und (die) Schweizer.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. presse auch: Schlacht (battaille), Schlachtgetümmel

                   (mêlée des combattants).  Mittelfrz. n.m. camp die Armee (l'armée).    
   
1) Der Angreifer ist der auf dem Schlachtfeld zuerst Erschienene;  er steht 1944 unter Druck, 2/82, wird >belagert<, 4/59.  Gemeint ist Hitler, der Ende 1941 selbst Oberbefehlshaber wird.  Ab dem 6.6.1944, als die Westalliierten in der Normandie landen, kommt der Druck nicht nur von Osten und Süden, sondern auch aus dem Westen.    


2) Am 20.7.44 wird Hitler nicht durch einen Pfeil, aber bei einem Bombenattentat von Splittern verletzt, 9/76, und zwar am Oberschenkel.    


3) >Genf< bedeutet die Völkergemeinschaft, deren Institutionen die Stadt beherbergt, 4/59, 1/47. Der Völkerbund (>Genf<) hat den Krieg nicht verhindern können, wozu er 1919 erfunden worden ist. Ein Krieg zwischen Nationen ist das genaue Gegenteil der Idee der Völkergemeinschaft (>Genf in Tränen<).

 
4) Die Schweiz bleibt nicht dank ihrer Wehrhaftigkeit vom Krieg verschont, sondern weil sie als Produktionsstandort der deutschen Rüstung und als Bankenplatz der Devisenbeschaffung des Deutschen Reiches dient.  Die Alliierten stufen die Schweizer nach dem Krieg als Kriegsgewinnler ein. Die Schweiz gibt sich neutral;  in Wahrheit dient sie dem Aggressor, der die Völker in den Krieg gestürzt hat.  

 

Frankreichs Armee vernachlässigt, dann ganz aus dem Land getrieben

   04/12   Le camp plus grand de route mis en fuite,    
                Gueres plus outre ne sera pourchassé:  
                Ost recampé, & legion reduicte  (1555)  
                Puis hors des Gaules du tout sera chassé.    

                Das größte Heer wird vom Weg ab in die Flucht geschlagen,

                (aber) es wird nicht weiter verfolgt werden.

                Armee wieder im Heerlager, und die Legion verkleinert.

                Dann wird sie ganz aus Frankreich vertrieben.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. ost Armee (armée) > lat. n.m. hostis Feind.  

                   Provencal v. recampar (wieder) versammeln.    
   
1)2) Das "größte Heer" ist 1918 noch das der deutschen Angreifer, aber Briten, Franzosen und Amerikaner sind zusammen zahlenmäßig überlegen und sind viel besser versorgt.  Als im Frühjahr 1918 die Offensiven der deutschen Armee scheitern, ist sie moralisch am Ende.  Nach dem Waffen-stillstand von Compiègne am 11.11.1918 gehen die Deutschen, die nicht in Gefangenschaft geraten sind, nach Hause.  Frankreich ist für's Erste zufrieden, dass der Krieg auf eigenem Boden beendet ist. Man verfolgt die Abziehenden nicht.      


3) Die Friedensstärke des französischen Heeres 1920 wird mit 872.000 Mann angegeben, die Stärke 1939 mit knapp 600.000 Mann, ein Rückgang von 30 Prozent.  Für N. hat sich die franzö-sische Politik von den Friedenshoffnungen einlullen lassen, die Versailles geweckt habe, 1/97, 1/92.  


4) Im zweiten Weltkrieg wird das Land in wenigen Wochen besiegt.  Die französische Armee wird ganz aufgelöst.  Ausgenommen sind nur die dem Vichy-Regime erlaubten 100.000 Berufssoldaten, französische Soldaten im Exil und die in den Kolonien stationierten Verbände.    

Frankreich besiegt, Kaiser angesetzt, Partisanenkampf

   04/13   De plus grande perte nouuelles raportées,    
                Le raport fait le camp s'estonnera:    
                Bandes vnies encontre reuoltées:    
                Double phalange grand abandonnera. (1555)   

                Von der größten Niederlage werden Neuigkeiten berichtet.

                Wenn der Bericht vorliegt, wird die Armee verblüfft sein.

                Banden vereint, sie werden dagegen revoltieren.

                Doppelte Front wird den Großen im Stich lassen.
   
Wieder ein Vers mit wenigen Details.  Man kann an Russland 1917, Deutschland 1918 und Frankreich 1870 denken.  Will man entscheiden, spielt eine Rolle, dass N. Frankreich fokussiert, und dass die Gruppenverse 3/63 und 6/13 auch von Ereignissen des Jahres 1870 handeln.    


1)2) Die Kunde von der Niederlage der französischen Armee bei Sedan am 2.9.1870 gelangt am Nachmittag des 3.9. durch ein Telegramm des Kaisers an die Kaiserin nach Paris.  Die Truppen bei Sedan geraten in Gefangenschaft, eine andere große Armee ist in Metz eingeschlossen.  Mit einer so deutlichen Niederlage hat man nicht gerechnet.     


3) Und man will sie auch nicht wahrhaben.  Es wird eine neue Regierung der nationalen Verteidigung eingesetzt.  Der neue Kriegsminister ruft Mitte September zum Partisanenkampf auf, ein Aufruf, der auch befolgt wird, 2/50, 5/82.     


4) Der Kaiser wird am 4.9. abgesetzt, und die III. Republik wird ausgerufen.  Der Kaiser ist vom äußeren Feind besiegt und gefangen genommen, und wird von den Feinden seines Regimes im Innern abgesetzt.  Seine Niederlage ist komplett, 3/63.    

Gelehrte Astronomen gejagt wie Verbrecher

   04/18   Des plus letrés dessus les faits celestes    
                Seront par princes ignorants reprouués:    
                Punis d'Edit, chassés, comme scelestes,    
                Et mis à mort la ou seront trouués. (1555)
    

                Die Gelehrtesten in den himmlischen Tatsachen

                werden von unwissenden Fürsten verdammt werden,

                mit Strafe bedroht durch Edikt, gejagt wie Verbrecher,

                und zu Tode gebracht da, wo sie angetroffen werden.
   
1) Astrologen will N. von seinem Werk fernhalten, Einführung (17).  Hier geht es um "himmlische Tat-sachen" und damit um Astronomen.  Das Buch des Kopernikus "De revolutionibus orbium coelestium", das Belege für die Sonne als Mittelpunkt des Kosmos bringt, erscheint 1543, als N. vierzig Jahre alt wird.        

 

2)3) Über siebzig Jahre später, am 5.3.1616 setzt die römische Kongregation für den Index der verbotenen Bücher dieses  Buch auf den Index.  Wer danach das heliozentrische System behauptet, muss damit rechnen, dass seine Veröffentlichungen verboten werden, soweit der Arm Roms reicht.  Die Sonne im Mittelpunkt darf als Hypothese diskutiert, aber nicht als Wahrheit behauptet werden. Aber genau das hat Galilei getan und die Kirche herausgefordert, nachdem Kopernikus' Buch lange unbehelligt geblieben war.  Die Wahrheit muss nicht durchgesetzt werden;  langfristig setzt sie sich selbst durch.  1757 wird das Buch vom Index genommen.     


4) Der geniale Giordano Bruno lehrt, dass alle Fixsterne Sonnen mit Planeten seien und vieles mehr. Für die Existenz von Exoplaneten werden seit 1995 die ersten Beweise erbracht.  Im Februar 1600 wird er in Rom hingerichtet, aber nicht wegen seiner kosmologischen Spekulationen, sondern weil er seine Zweifel an der Trinität, am Dogma vom dreieinigen Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) nicht widerrufen mag.  Astronomen wird das Nihil obstat (Druckerlaubnis) verweigert;  sie werden bedroht, kommen aber nicht ums Leben;  da übertreibt N.  

 

Hochgesinnter eingesetzt.  Sein Staat verwandelt die politische und religiöse Ordnung

   04/21   Le changement sera fort difficile:    
                Cité, prouince au change gain fera:    
                Cueur haut, prudent mis, chassé lui habile.    
                Mer, terre, peuple son estat changera. (1555)    

                Die Verwandlung wird sehr schwierig sein. 

                Stadt (und) Provinz werden beim Wandel gewinnen. 

                (Ein) Hochgesinnter, Umsichtiger (wird) eingesetzt, verjagt (wird), wer ihm taugte.

                Meer, Land, Volk wird sein Staat verwandeln.
   
                  4) Man kann auch übersetzen: "Meer, Land, Volk werden ihren Status ändern."  

                  Das ist der gleiche Vorgang, >von unten< betrachtet.    
   
3) Man hat vom Gemeinten den Eindruck, "hochherzig" zu sein.  Denn er kann geschickt zwischen Verfeindeten vermitteln, 2/71, 4/15.  Er führt den Frieden im Munde und kann ihn auch entscheidend voranbringen, 6/18.  Er vereint die Friedenshoffnungen der Menschen auf seine Person.  Die >hohe Gesinnung< ist Einschätzung der Zeitgenossen, 10/71.  Seine Umsicht setzt er ein, Macht in beispiellosem Umfang zu erringen.  In wenigen Jahren wird eine Instanz geschaffen, die N. mit dem Kaisertum der römischen Antike vergleicht;  sie wird dem >Hochgesinnten< übertragen, 1/43.  Sitzt er dann fest im Sattel, "wird verjagt, wer ihm taugte".    


1)2)4) Die Oberhäupter der Staaten müssen Macht abgeben, um eine globale Friedensordnung zu schaffen, 2/47 Vz 2, auch im mlitärischen Bereich, 6/94.  Städten und Provinzen wird ein Frieden garantiert, in dem ihre Interessen angemessen bedacht und sichergestellt werden.  Den Völkern übergeordnet sind dann die Statthalter und Zelebranten des globalen Regimes.  Am Ende wird auch das >Meer< (---> mer), das ist der Bereich der Religion, ganz neu geordnet, Vorschau (X).

Frankreich plötzlich allein gelassen

   04/22   La grand copie qui sera deschassée,    
                Dans vn moment fera besoing au roy    
                La foy promise de loing sera faussee    
                Nud se verra en piteux desarroy. (1555
)   

                Das große Heer, das hinausgejagt sein wird,

                gleich darauf wird der König es brauchen.

                Die lang versprochene Treue wird plötzlich verlassen sein,

                blank wird er dastehen, in jämmerlichem Chaos.
   
Das ist Frankreich im dramatischen Juni 1940.  Das über 300.000 Mann starke Expeditionscorps der Briten flieht bis 4.6. aus dem Kessel von Dünkirche über den Ärmelkanal, 6/90.  Am 5.6. löst Hitler "Fall Rot" aus, Frankreich soll erobert werden, 4/80.  Die deutschen Panzerverbände stoßen blitzartig vor, französische Armeen werden an der Maginot-Linie eingeschlossen.  

 

Am 10.6., dem sechsten Tag des Überfalls, 3/22, erklärt die Regierung, dass Paris nicht verteidigt werde ("offene Stadt") und flieht in den Süden (nach Bordeaux).  Pétain, der neue Ministerpräsident, gesteht am 17.6. die Niederlage öffentlich ein, 7/34.  Fast zwei Millionen französische Soldaten gehen in deutsche Kriegsgefangenschaft, die Regierung ist blank.  

 

Er lässt dann eine neue Verfassung ausarbeiten, die ihm diktatorische Vollmachten gibt (>König<), und wird Staatschef in der von den Deutschen zunächst nicht besetzten >freien Zone< im Süden Frankreichs.  Die "lang versprochene Treue" ist das Defensivbündnis mit Großbritannien seit 1907 (Triple Entente), als Waffenbruderschaft im ersten Weltkrieg noch bewährt.

   

Jemand erweckt den Eindruck, Christus spreche durch ihn 

   04/24   Ouy sous terre saincte d'ame, voix fainte,   
                Humaine flamme pour diuine voyr luire,    
                Fera des seuls de leur sang terre tainte    
                Et les saints têples pour les impurs destruire. (1555)

                Gehört (wird) im Heiligen Land (einer) Seele vorgetäuschte Stimme. 

                Menschliche Flamme sieht man leuchten statt göttlicher.

                Sie wird bewirken, dass die Erde gefärbt ist von der Priester Blut

                und wird die heiligen Tempel für die Unreinen zerstören lassen.
   
                   1) Die erste Verszeile ist in späteren Ausgaben meist entstellt.  

                   Mittelfrz. (Gr) v. feindre, faindre auch: erfinden (inventer), vortäuschen (simuler).    
   
1)2) Der >neue Messias<, der nach dem Kataklysmus auftritt, entstammt dem Volk des Staates Israel, 7/32.  Er kommt also aus dem Land, das Abraham im Alten Testament von Gott versprochen wurde und in allen drei Offenbarungsreligionen Heiliges Land genannt wird.  Falsche Propheten und falsche Christusse werden "große Zeichen und Wunder tun", Mt 24,24; Offb 13,13-14.  Dort, im Heiligen Land, sei Christus im Originalton zu vernehmen und habe Aktuelles mitzuteilen.  Ein Mensch, dessen "brillante Rede" die Menschen fasziniert, 1/96, trägt die Identität Christi als Maske.  Aber N. sieht, dass es ein Mensch ist, dessen göttliche Natur vorgetäuscht ist.  Er leiht sich immenses Charisma, tritt professionell und mit großer Weltsicherheit auf, 8/74.   Aber sein Status als >Heiliger<, 2/45, 10/30, ist nur Show, 8/41.    


3)4) Einige Jahre später bewirkt dieser Mann, dass die "heiligen Tempel" zerstört werden  -  das sind für N. die katholischen Kirchen.  Die >neue Religion<, die er dann verordnet, gibt sich den Anschein einer Religion, ist aber keine, 10/20.  Sie basiert auf antiker Philosophie, 8/29, 8/30, und vermischt christliche mit islamischen Worthülsen (unrein), 6/10.  Das >Blut der Priester< sind die Lehren der christlichen Religion, die dann verboten sind, 10/65.    

Die alte Regierung hat den Putschisten eingeladen (November 1799)

   04/26   Lou grand essayme se leuera d'abelhos  
                Que non sauran don te siegen venguddos   
                Denuech l'ebousq;, lou gach dessous las treilhos, 
                Cieutad trahido p cinq lêgos nô nudos. (1555)  

                Der große Bienenschwarm wird sich erheben,

                und man wird nicht wissen, woher sie gekommen sind.

                Nachts der Hinterhalt, die Wache unter den Weinstöcken.

                (Die) Stadt preisgegeben durch fünf nicht wehrlose Sprecher.
   
                   1) Prov. essayme Schwarm (essaim), prov. abelho Biene (abeille).  

                   3) Prov. embousque Hinterhalt (embuscade).  Prov. trelhau Weinspalier (treillage).  

                   3) Prov. n.m. gach Wache (sentinelle).  

                   4) Prov. cioudad Stadt (cité), prov. lenguo Sprache, Zunge (langue), lengaud Schwätzer (bavard).    
   
1)4) Es "erhebt sich" jemand gegen das Direktorium aus fünf Sprechern, das seit 1795 Frankreich regiert, eine bankrotte Regierung, die mit der Anarchie nicht fertig wird.  Zwei der Direktoren sind eingeweiht, ein Dritter lässt sich kaufen.  Das Bürgertum will die Ordnung im Land wieder herstellen, lässt einen populären General an die Macht (9.11.1799).  Später als Kaiser lässt Napoleon Bienen in sein Wappen aunehmen.  Er will die bourbonische Lilie ablösen, an Chlodwig anknüpfen, den König aus dem Geschlecht der Merowinger, der im fünften Jahrhundert ein Frankenreich gegründet hat.     


2) Aber an eine lang erloschene heraldische Tradition könne man nicht gültig anknüpfen, meint N. Den Mangel an Legitimität und dynastischer Tradition werde er nicht verbergen können.  Mit dem für Pariser hinterwäldlerisch klingenden Provencal will N. andeuten, dass eine Fehlbesetzung, ein Mann aus der hintersten Provinz nach der Macht greift.        

 

3) Diese Verszeile ist noch nicht erklärt.

Verborgene Form enthüllt 

   04/28   Lors que Venus du sol sera couuert,  
                Souz l'esplendeur sera forme occulte,  
                Mercure au feu les aura descouuert    
                Par bruit bellique sera mis à l'insulte. (1555)    

                Wenn Venus von der Sonne verdeckt sein wird,

                wird unter dem Lichtglanz eine verborgene Form sein.

                Merkur im Feuer;  (dann) wird (man) sie enthüllt haben;

                unter Kriegsgeschrei wird er der Beschimpfung ausgesetzt sein.
   
1)2) Die >Sonne< ist der in Christus offenbar gewordene Gott (---> sol), der >Mond< steht bei N. für den Islam (---> lune).  Das Gesetz der Venus bedeutet die >Weltfriedensordnung<, 5/53 (---> Venus).  Merkur steht als Chiffre für Christus, 9/12 (---> Mercure).  Nach dem Kataklysmus entfaltet die christliche Religion noch einmal große geistige Anziehungskraft, VH (22).  Dabei bleibt im Hinter-grund, was sich im Großen anbahnt, nämlich die >Weltfriedensordnung<, die eine >verborgene Form< ausbrütet.    


3)4) Die >neue Religion< bleibt als Projekt einige Zeit geheim, diesbezügliche Gerüchte werden dementiert, 10/28 Vz 4.  Wird sie dann enthüllt, 8/28, will sie dem Bereich der Religion die >endgültige Form< geben, indem sie >die Vorzüge der alten Religionen in sich vereint und diese in den Schatten stellt<, 9/12.  Jesus Christus wird von ihren Anhängern verunglimpft, seine Anhänger werden bedroht.    

Sonne und Mond bei niedrigem Stand vergrößert 

   04/30   Plus XI. fois [Luna] [Sol] ne voudra,    
                 Tous augmentés & baisses de degré:    
                 Et si bas mis que peu or on coudra:  (1555)
                 Qu'apres faim, peste descouuert le secret. 

                 Mehr als elfmal wird der zunehmende Mond die Sonne nicht wollen, 

                 beide vergrößert und niedrig stehend dem Grade nach,

                 und so tief gestellt, dass man wenig Gold zusammenbringen wird,

                 (und) dass nach Hunger, Seuche, enthüllt (ist) das Geheimnis.


                    1) Statt Luna und Sol stehen im Urtext deren astrologische Symbole.  

                    3) Lon ist kontrahiert aus là on; v. coudre vom lat. cudere zusammenbringen.    
   
1) Der Mond des Islam (---> lune) wird die Sonne der christlichen Religion (---> sol) nicht scheinen lassen wollen.  D.h. Anhänger des Islam werden die christliche Religion zurückdrängen wollen.  Zwei Jahre nach dem Kataklysmus starten sie von den Maghreb-Staaten her, 6/54, und es scheint hier, dass weitere elf Jahre folgen, in denen die Kirchenvölker von den orientalischen Herrschern verfolgt werden, VH (42), passend zur dreizehnjährigen "barbarische Statthalterschaft", 5/78.  Von Nord-afrika her wird Macht in Europa ausgeübt, 6/80.    


2) B e i d e  Lichter stehen >niedrig< und sind scheinbar >größer<, sie werden >aufgeblasen<, der Ungeist ihnen eingeblasen, 8/28.  Der niedrige Stand bedeutet die Geringschätzung der alten Glaubenslehren, 9/12.       


3) Der christliche Kultus ist erloschen, 2/15.  Das Evangelium Christi (---> or) halten wenige hoch.          
4) Das bekannt werdende Geheimnis ist wie in 4/28 und 10/28 die >ganz neue Religion<, die das >Haupt der Weisheit<, 5/31, verfertigt  hat in Anlehnung an antike Philosophie, 8/30.  Diese >neue Religion< wertet N. als geistige >Seuche<, ---> peste (peste & famine).  

 

Neuer Weiser mit einzigartigem Hirn hat Jünger

   04/31    La lune au plain de nuit sus le haut mont,  
                 Le nouueau sophe d'vn seul cerveau la veu:    
                 Par ses disciples estre immortel semond 
                 Yeux au mydi.  En seins mains, corps au feu.  (1555)    

                 Der Mond (steht) mitten in der Nacht über dem hohen Berg.

                 Der neue Weise mit einzigartigem Hirn (hat) ihn gesehen.

                 Durch seine Jünger ist es (eine) ewig gültige Einladung,

                 Augen nach Süden, im Busen Hände, Körper im Feuer.


                    2) Lat. n.m. sophus Weiser.     3) N.f. semonce Tadel, mittelfrz. (Gr) auch:  

                    Einladung (invitation), Warnung (avertissement) > v. semondre warnen.    
   
N. verknüpft Symbole (Nacht, Mond, Berg), reale Personen (neuer Weiser, Jünger) mit deren Orientierung und Vorhaben (Augen, Hände, Feuer).  Der >hohe Berg< bedeutet wie der >Läuterungsberg<, 1/69, die Umrisse einer neuen Weltordnung (---> mont).  Die Gottesfinsternis (>Nacht<) der Menschen erkannt zu haben und eine Vision des neuen >Tages<, einer lichtvollen Zukunft geben zu können, behauptet der >neue Weise<.  Ewig gültig seine Einladung in die neue Zeit, in das Gottesreich auf Erden.  Der >Mond über dem Berg< bedeutet, dass der Islam eine Hauptrolle in der neuen großen Friedensordnung spielen werde, ein leeres Versprechen, VH (28).

 

Er verfügt über ein "einzigartiges" Hirn.  Seine inspirierte Redegabe, 1/96, begeistert Jünger, die ihn als "Haupt der Weisheit" feiern, 5/31.   Augen schauen nach Süden, wo die >Sonne<, bei N. Symbol für den in Christus offenbar gewordenen Gott, am höchsten steht (---> sol).  Und er will weltliche Macht (Hände), um das Gottesreich  a u f  E r d e n  zu errichten.  Am Ende will er auch der Weltenrichter sein, der die Toten in den feurigen Pfuhl wirft, Offb 20,15.

 

Alle Gemeinwesen sind willkommen, aber nicht lange

   04/32   Es lieux & temps chair au poiss. donrra lieu    
                 La loy commune sera faicte au contraire:    
                 Vieux tiendra fort, puis oste du milieu    
                 Le [panta koina philom] mis fort arriere. (1555)    

                 Wenn Ort und Zeit reif sind, wird Fleisch dem Fisch Platz machen.

                 Das gemeinsame Gesetz wird ins Gegenteil verkehrt sein.

                 Altes behauptet sich stark. Dann wird es weggeräumt aus der Mitte.

                 Das "Alle Gemeinwesen (sind) willkommen" wird ganz zurückgestellt.
   
                    1) Wendung en temps et lieu in passender Zeit an passendem Ort (Großer Larousse).      

                    3) Mittelfrz. (Gr) v. oster wegräumen (ôter).    
                    4) Im Urtext stehen in den Klammern [...] griechische Buchstaben;  das Einschiebsel

                    bedeutet wörtlich: "Alle Gemeinwesen (sind) geliebte".    
   
Die >Weltfriedensordnung< schließt anfangs niemanden aus.  Alle Staaten und Religionsgemein-schaften sind willkommen.  Das Alte  - die eigenen staatlichen Ordnungen und Glaubensgemein-schaften der Völker -  "behauptet sich stark".  Der globale Staat im Stadium der Entstehung hebt das Interesse der Menschen am friedlichen Zusammenleben hervor.  Es werden keine Feinde benannt. Die Staaten müssen ihre Souveränität aufgeben, 4/21.  

 

Auf dem Gebiet der Religion ändert es sich plötzlich und radikal.  Das Alte wird aus der Mitte, dem Ort der Gemeinsamkeit, weggeräumt.  Die Lehren der alten Religionen sind  n i c h t  mehr willkommen. Das >Fleisch< ist das in den Leib Christi verwandelte Brot der Kommunion.  An seine Stelle tritt die >neue Religion<, eine geistige Fastenspeise, 10/28.

 

 

Unter dem weißen Glanz Neptun (1846)

   04/33   Iuppiter ioint plus Venus qu'à la Lune    
                Apparoissant de plenitude blanche    
                Venus cachée soubs la blancheur Neptune,    
                De Mars frappée par la granée branche. (1555)    

                Jupiter verbunden mehr der Venus als dem Mond,

                erscheinend in weißer Fülle.

                Venus verborgen, unter dem weißen Glanz Neptun,

                von Mars geschlagen mit dem grimmigen Speer.
   
                   4) N.f. branche Ast.  Schild und Speer sind Attribute des Mars im griechischen Mythos  

                   Mittelfrz. Adj. grain verärgert (fâché), wütend (coléreux).    
   
Das ist die Voraussage von Gestirnständen bei der ersten Sichtung eines bis dahin unbekannten Planeten.  Der Brite James Challis richtet am 4.8. und am 12.8.1846 in Cambridge sein Teleskop auf das vorausberechnete Himmelsareal, sieht den neuen Planeten.  Zwischenzeitlich muss er wegen des Vollmondes am 7.8. seine Beobachtungen einstellen.  Alle fünf Angaben des Verses passen auf die Nächte zwischen beiden Terminen:  

1) es herrscht (nahezu) Vollmond, Vz 2.  

2) Neptun nicht sichtbar wegen des Vollmondes, Vz 3.  

3) Mars in Opposition zu Neptun, Vz 4.    

4) Jupiter näher bei der Venus als beim Mond.      

5) Venus verborgen, d.h. unter dem Horizont.  

 

Auch den Namen des neuen Planeten hat N. wahrgenommen, der anfangs umstritten ist (Tom Standage, Die Akte Neptun [2004]).  N. hat nicht die Bahn Neptuns berechnet, sondern Menschen beobachtet, die sein Interesse an neuen unbekannten Planeten teilen und ihnen sozusagen über die Schulter geschaut.  Die Wahrscheinlichkeit eines Zufallstreffers ist etwa 14/360 x 14/360 x 14/360 x 31/136 (Jup./Venus) x 0,5 (Venus)  =  ca. 1 zu 5 Millionen.  

 

Goldene Ketten werden angeboten

   04/34   Le grand mené captif d'estrange terre,    
                D'or enchainé au roy CHYREN offert,    
                Qui dans Ausonne, Millâ perdra la guerre,  
                Et tout son ost mis à feu & à fer. (1555)    

                Der Große gefangen gesetzt von fremder Erde.

                Golden gekettet (zu sein, wird) dem König HENRYC angeboten.

                Der in Italien, Mailand, wird den Krieg verlieren,

                und sein ganzes Heer (ist) Feuer und Schwert überlassen.
   
                   1) Mittelfrz. v. mener auch:  treiben, stoßen (pousser).  Das hebräische "Mene"

                   bedeutet: Gott hat dein Königtum gezählt und beendet, Dan 5,26.    
                   2) CHYREN ist Anagramm von HENRYC.    

                   3) Ausonia ist ein antiker Name für Mittelitalien.    

                   4) Mittelfrz. (Go) n.m. ost Armee (armée).    
   
Eine goldene Kette als Zeichen einer hohen Stellung in seinem Reich vergibt der Pharao, Genesis 41,42.  Eine goldene Kette lobt auch König Belsazar aus für den, der das "Mene tekel..." an der Wand deuten könne, Daniel 5.  Daniel deutet das als Vorzeichen des Endes der Herrschaft Belsazars, der bald darauf stirbt.  Die Reihe 1. Pharao, 4/27, 2. König von Babylon, setzt 3. der Weltherrscher, 1/04, würdig fort.  Auf europäischer Erde ist er ein Getriebener, Gefangener.  Sie ist ihm fremd, hört nicht auf ihn.  Das Angebot einer goldenen Kette bedeutet, dass er den Gegner an sich binden will.  Der Krieg beider gegeneinander, VH (17), geht dann weiter, das Angebot wird also abgelehnt.  Wenn er, 10/78, oder sein Heerführer in Italien ist, verliert er seine Herrschaft im Kampf mit dem späteren Henri Cinq (HENRYC).    

Das Feuer im Vestatempel gelöscht, Kriegswaffen geächtet

   04/35   Le feu estaint, les vierges trahiront 
                La plus grand part de la bande nouuelle:   
                Fouldre à fer, lance les seuls roy garderont:  
                Etrusque & Corse, de nuit gorge allumelle. (1555)  

                Das Feuer ausgelöscht, die Jungfrauen werden den größten
                Teil des neuen Bandes verraten./  Bann gegen Schwert, Lanze.
                Die Alleinstehenden werden den König bewachen.
                Der Toskana und Korsika wird nachts die Kehle durchschnitten.

   
                   4) Mittelfrz. n.f. alumelle Klinge (lame), hier als Prädikat gebraucht.
   
Die vestalischen Jungfrauen sind dem pontifex maximus unterstellt, unterhalten das Feuer im Tempel der Vesta und dienen durch ihr Opfe (kein Mann, keine Familie) dem Erhalt des römischen Imperiums. Der >Vestakult< bedeutet den Kult des Weltstaats, 9/09 (---> Vesta).  Die Glaubens-gemeinschaften dienen gemeinsam dem Weltfrieden ("neues Band", Sz 1).  So werden sie zu >vestalischen Jungfrauen<.    


1)2) Wenn der pontifex maximus dann die alten Religionen verbietet, 8/77, ist das ein Verrat an dem "neuen Band".  Das >Feuer im Vestatempel< ist damit aus.  Die Vestalinnen, die Führungen der entkernten Kirchen sollen den Verrat selbst vollziehen.  Der "größte Teil" tut das.    


3) Der Krieg ist geächtet (---> foudre).  Wer gegen das Verbot der alten Religionen ist, gilt als Feind des Friedens und ist vogelfrei, 5/85.  Die allein dastehenden Kirchenführungen müssen zum Regime halten, es stützen und schützen.    

4) ist ungeklärt.

Die Großen werden gebunden (19. Jahrhundert)

   04/36   Les ieux nouueaux en Gaule redressés,    
                Apres victoire de l'Insubre champaigne:    
                Monts d'Esperie, les grands liés, troussés:    
                De peur trêbler la Romaigne & l'Espaigne. (1555)   

                Die neuen Spiele werden in Gallien wieder aufgerichtet

                nach dem Sieg des oberitalienischen Landes.

                Berge des Abendlandes, die Großen (werden) gebunden, beseitigt. 

                Vor Furcht beben Römerland und Spanien.
   
2) Der Sieg des oberitalienienischen Landes ist die Einigung Italiens 1861 unter Führung Sardinien-Piemonts, 5/39, die 1870 vollendet wird, 3/63.    


1) Im Juni 1894 wird in Paris das Internationale Olympische Komitee gegründet;  1896 werden in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit abgehalten.    


3)4) [Große gebunden] Sinnbildliche >Berge< stehen bei N. für Fürstentümer, 5/61 (---> mont).  Die Großen, die Fürsten des Abendlandes werden im 19. Jahrhundert durch Verfassungen >gebunden<. Frankreich erhält 1814 eine Charte, 2/48, bestätigt 1830, 2/69.  Sardinien-Piemont ist 1848 dabei, 3/39.  Österreich wird 1867 konstitutionell, 5/42, Spanien 1869, Deutschland 1871.             

[Große beseitigt]  Die Zeit von 1878 bis 1926 gilt als >Blütezeit< anarchistisch motivierter Attentate (wikipedia Propaganda der Tat).  Prominente Opfer sind 1878 der deutsche Kaiser Wilhelm I., der schwer verletzt wird;  zu Tode kommen 1894 der Staatspräsident Frankreichs, 1898 Österreichs Kaiserin, 1900 der König von Italien und 1912 der Ministerpräsident Spaniens.     

 

Parallel zum Bedeutungsverlust der Religion, die die Menschen dazu anhält, s i c h  zu bessern, will man lieber die Welt verbessern, 1) durch Verfassungen, die die Fürstenherrschaft einhegen;  2) durch Gründung von Nationalstaaten;  3) durch olympischen Sport;  4) durch Attentate auf Fürsten und Präsidenten.

Frankreichs Italienfeldzüge, Aufbruch nach Ägypten

   04/37   Gaulois par saults, monts viendra penetrer:  
                Occupera le grand lieu de l'Insubre:  
                Au plus profond son ost fera entrer:  
                Gennes, Monech pousseront classe rubre. (1555)

                (Ein) Gallier wird in Sprüngen die Berge durchdringen.

                Besetzen wird er den großen Ort der Lombardei.

                In die Tiefe (des Landes) wird er seine Armee einziehen lassen.

                Genua, Monaco werden (eine) rote Flotte hinausfahren lassen.
   
                   2) Insubri hieß ein keltischer Stamm, der das Land von den oberitalienischen

                   Seen bis zum Po besiedelte.        

                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m./ f. ost Armee (armée).     
                   4) Monaco hieß lateinisch Portus Herculis Monoeci.  

                   Lat. n.f. classis Flotte, Heer.   Lat. Adj. ruber rot.    
   
1)2) Im ersten Italienfeldzug ab März 1796 rückt Napoleons Armee über die Berge Liguriens nach dem Piemont vor, 7/30.  Im zweiten Italienfeldzug kommt er im Mai 1800 in Gewaltmärschen (>Sprüngen<) über den Großen St. Bernhard Pass in den Walliser Alpen in die Poebene.  Beide Male wird Mailand, die Hauptstadt der Lombardei, besetzt.  1796/97 wird die Festungsstadt Mantua belagert, 2/37, 3/37.    


3) Im ersten Feldzug rückt er nach Mittelitalien bis in die Marken vor (Februar 1797).  Auch die Toskana wird unterworfen, 1/75.  Dann geht es gegen Österreich bis in die Steiermark nach Leoben. Im Mai 1797 wird Venedig besetzt, 4/01.    


4) Am 19. Mai 1798 bricht Napoleon mit einer Flotte von Toulon aus nach Ägypten auf.  An Monaco kommt man vorbei.  Am 21.5.1798 schließt sich eine Flotte mit 72 Schiffen von Genua aus an. Weitere Schiffe kommen von Korsika und von Civitavecchia.  >Rot< ist diese Flotte, weil das revolu-tionäre Frankreich sie schickt (---> rouge).

    

Griechen rufen um Hilfe, Westmächte richten die Sache

   04/39   Les Rhodiens demanderont secours,  
                 Par le neglet de ses hoyrs delaissée    
                 L'empire Arabe reualera son cours,    
                 Par Hesperies la cause redressée. (1555)    

                 Die von Rhodos werden Hilfe fordern,

                 durch Vernachlässigung von ihren Erben verlassen.

                 Das arabische Imperium wird seinen Kurs wieder aufwerten,

                 durch die Westmächte wird die Sache gerade gerichtet.
   
                     2) Das weibl. p.p.p. delaissée bezieht sich auf das n.f. Rhodos.  

                     neglet ist ein verkürztes lat. n.m. neglectus Vernachlässigung.    
   
1)2) "Die von Rhodos" sind die Griechen (pars pro toto).  Die antiken Griechen stehen bei N. für die Idee der Demokratie, 2/51.  Ihre modernen Erben sind in der Schau des Nostradamus die Briten seit 1689 und die Franzosen seit 1789.  Frankreich und Großbritannien haben die Idee der griechischen Souveränität bis 1826 nur diplomatisch unterstützt und die Griechen in diesem Sinne vernach-lässigt.

    
3) Ein Zentrum der griechischen Erhebung in den Jahren 1821ff. liegt auf dem Peloponnes, 5/90. Die Türken und ihr Herrschergeschlecht der Osmanen sind aber keine Araber.  Das Osmanenreich heißt hier "arabisches Imperium", weil eine Armee unter dem ägyptischen Statthalter des Sultans 1825 die rebellische Halbinsel unterwirft.    


1)4) Ein Hilferuf >der< Griechen ist nicht überliefert.  Aber so wird es den Europäern dargestellt (Majoros/Rill [2004] S. 321).  Und N. übernimmt die europäische Wahrnehmung.  Bezogen auf Griechenland, sind Großbritannien und Frankreich Westmächte.  Im Oktober 1827 zerstört eine westliche und russische Flotte die ägyptisch-türkische Marine bei Navarino.  Im Londoner Protokoll von 1830 wird den Griechen ein eigenes Königreich zugesprochen.    

Henri III. wird gewarnt vor dem "nahen Zusammenbruch"

   04/46   Bien defendu le faict par excelence,       
                Garde toy Tours de ta proche ruine.    
                Londres & Nantes par Reims fera defense    
                Ne passés outre au temps de la bruine. (1555)    

                Gut gemacht die Verteidigung, große Leistung,

                (aber) hüte dich, Tours, vor deinem nahen Zusammenbruch!

                London und Nantes werden für Reims eine Verteidigung errichten.

                Dringt nicht weiter vor in der Zeit des Nebels!
   
In Reims werden seit dem 12. Jahrhundert die französichen Könige gekrönt.  Um den Thron von Frankreich geht es in dem Vers.  Paris ist seit 1588 in den Händen der katholischen Liga.  König Henri III. hat Tours an der Loîre zu seinem Hauptquartier gewählt.  Tours wird im Frühjahr 1589 von Truppen der Liga belagert.  Aber der König verständigt sich Anfang April mit Henri de Navarre, dem Führer der Hugenottenpartei.  Der rückt Richtung Tours vor und vertreibt die Truppen des Charles de Mayenne. Dann wird Versöhnung gefeiert auf Schloss Plessis-lès-Tours (30.4.1589).  

 

Doch das Unheil für >Tours<, das ist König Henri III., ist nahe.  Aber wie sich schützen vor dem "nahen Zusammenbruch"?    Als Henri III. drei Monate später nach einem Attentat stirbt, ist Henri de Navarre der verbliebene Träger der Legitimität und damit König von Frankreich.  Aber die katholische Liga erkennt ihn nicht an und stellt einen Gegenkönig auf.  Am 6.8. bricht der neue König sein Lager vor Paris ab und reist in die Normandie, wo ihm in vielen Städten, z.B. Dieppe, gehuldigt wird (Archiv für Geographie, Historie, Bd. 4, S. 153ff [1813]).  Auch eine mächtige Unterstützerin der französischen Protestanten ist hier nicht fern, Elisabeth I. von England, die im Jahr zuvor die spanische Armada geschlagen hat.    


Bemerkenswert, dass N. nicht zur katholischen Partei hält, sondern zum König, der sich mit einem Hugenotten verbündet.    

Heuschrecken verfinstern die Sonne, nagen alles ab 

   04/48   Plannure Ausonne fertile, spacieuse  
                 Produira taons si trestant sauterelles:  
                 Clarté solaire deuiendra nubileuse,    
                 Ronger le tout, grand peste venir d'elles. (1555)   

                Italienische Ebene, fruchtbar, weiträumig,

                wird Schmeissfliegen hervorbringen (und) ganz viele Heuschrecken.

                 (Der) Sonnenschein wird trüb werden,

                 sie nagen alles ab, (und) eine große Seuche geht von ihnen aus.
   
Die >Heuschrecken< kommen über die französische Riviera in die Poebene, 3/82.  Sie enthüllen Fehler und verurteilen Schwärmerei, 5/85.  Tiere und Kampfhubschrauber tun so etwas nicht;  von Außerirdischen weiß man zuwenig.    

 

Die >Sonne< ist der in Christus offenbar gewordene Gott (---> sol).  Die >Sonne wird trüb<, weil >der Himmel<, >die Götter< des globalen Regimes das Evangelium nicht mehr dulden, 1/91, 2/81. Schwarmweise kommen Menschen, die nach verbliebenen Anhängern Christi fahnden.  Die >Heuschrecken< verurteilen >gefährliche Schwärmerei< (Auferstehung, ewiges Leben) und verlangen das Bekenntnis zur >neuen Religion<.  Sie wird von oben verordnet, 2/47, und soll die alten Religionen ersetzen, 1/79.  N. erkennt eine >große Seuche<, 3/19, die sich rasend ausbreitet, 8/21.  So >nagen sie an den Seelen<.     

 

Wer seinen alten Glauben nicht verleugnet, kann das Erdenleben verlieren, hat aber das ewige Leben gewonnen, Offb 13,9-10.  Die Heuschrecken-Menschen schaden nur den Menschen ohne lebendigen Glauben, 1/96.  Vgl. Offb 9,4. 

   

Der Reihe nach sieben Herrscher in Asien

   04/50   Libra verra regner les Hesperies,    
                 De ciel, & terre tenir sa monarchie:  
                 D'Asie forces nul ne verra peries      
                 Que sept ne tiennent par rang la hierarchie. (1555)

 

                 Waage wird (man) beherrschen sehen den Westen,

                 über Himmel und Erde die Alleinherrschaft besitzen.

                 Asiens Macht wird (man) nicht untergegangen sehen,

                 bevor nicht sieben der Reihe nach die Hierarchie innehaben.
   
England heißt einmal "Reich des Gleichgewichts", weil 1689 ein Ausgleich zwischen Parlaments- und Königsherrschaft zustande kommt, 4/96.  Dieser Ausgleich als Prinzip der konstitutionellen Monarchie ist mit der Waage und dem Gleichgewicht gemeint (---> balance).    


1)2) "Der Westen" ist hier als Gegenüber Asiens der Kontinent Europa im ganzen.  Das britische Regierungssysten seit 1689 fasziniert die Denker der Aufklärung im 18. Jahrhundert, 2/87.  In Frankreich kommt die konstitutionelle Monarchie ab 1814 zum Zug.  In fast allen Ländern Europas sehen sich die Fürsten im 19. Jahrhundert genötigt, Verfassungen zuzustimmen.  Die "Großen werden gebunden", 4/36.          


3)4) Die zweite Vershälfte springt ins 20. Jahrhundert.  So wie bis zum ersten Weltkrieg die konstitutionelle Monarchie dominieren werde, so werde es dann die "Macht Asiens" sein.  Gemeint ist die Sowjet-Union, überwiegend in Asien gelegen, wo >das Volk durch Räte herrscht<.  Es herrschen im Namen des Volkes nacheinander sieben >Sekretäre< an der Spitze der "Hierarchie": Lenin, Stalin, Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Tschernenko, Gorbatschow.  Dann geht die Sowjet-Union unter, nach 73 Jahren und sieben Monaten, VH (19).  

 

Die Blockade britischer Schiffe als furchtsamer Bann

   04/54   Du nom qui onques ne fut au Roy Gaulois,    
                Iamais ne fut vn fouldre si craintif:    
                Tremblant l'Italie, l'Espaigne & les Anglois,    
                De femme estrangiers grandement attentif. (1568)   

                Von einem Namen, den niemals ein gallischer König trug,

                ging niemals ein so furchtsamer Bann aus,

                es beben Italien, Spanien und die Engländer.

                Auf (ihre) Frau(en) (sind) Fremde sehr aufmerksam.

                   2) N.f.pl. foudres de l'Eglise war der Bannstrahl der Kirche, die Exkommunikation.

                   Das n.f. foudre Blitz konnte eine Verurteilung (condamnation) oder einen Vorwurf

                   (reproche) bedeuten.  N. verwendet es oft in der Bedeutung Bann (= Verbot).


1) Den Namen Napoleon hat nie zuvor ein französischer Herrscher getragen.  Den Kaisertitel hat der Gallier sich im Dezember 1804 zugelegt, vorher ist er nur Erster Konsul, davor General.  Es müsste also die Zeit ab 1804 gemeint sein.     


2) Schon im August 1805 hat Napoleon seine Pläne zur Invasion Großbritanniens aufgegeben. Weil der offene Seekrieg nicht gewagt werden kann, verhängt der Kaiser ein Jahr später einen europaweiten Handelsboykott gegen Großbritanniens, die sogenannte Kontinentalsperre (---> foudre).  Aus Furcht vor einer Niederlage auf See wie im Oktober 1806 bei Trafalgar, 1/77, >wird der Feind aus der Völkergemeinschaft ausgeschlossen<.


3) Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre gegen die Briten führt Napoleon 1808/09 Krieg u.a. auf der iberischen Halbinsel.  Die Länder werden durch Boykott und Krieg erschüttert.  Der Boykott wird durch Schmuggel unterlaufen, ist letztlich ein "erfolgloser Terror", 2/94. 


4) Die Fürsten Europas sind (zu Recht) besorgt, dass ihre >Frauen<  - soll heißen ihre Völker (---> dame) -  von den Ideen der Revolution in Frankreich angesteckt werden könnten und bekämpfen auch deshalb den aus ihr hervorgegangenen Napoleon.    

>Tollwütige Sprache< siegt 

   04/56   Apres victoire de rabieuse langue,    
                L'esprit tempté en tranquil & repos:    
                Victeur sanguin par conflict faict harangue, 
                Roustir la langue & la chair & les os. (1568)   

                Nach dem Sieg der tollwütigen Sprache

                (ist) der Geist auf die Probe gestellt in Stille und Ruhe.

                Sieger blutig durch Konflikt, Festrede (wird) gehalten.

                Sie rösten die Sprache und das Fleisch und die Knochen.
   
                  1) Lat. Adj. rabiosus wütend, toll, tollwütig.        

                  2) Lat. v. temptare in Versuchung führen.   tranquil ist ein verkürztes tranquillité Ruhe.    
   
1) Die Sprache eines Siegers nennt N. >tollwütig<.  Der sie spricht, heißt auch "Tollwütiger, der den Weisen spielt", VH (20).  Zu den Symptomen der Tollwut gehört die Abneigung gegen Wasser.  Die Sprache der göttlichen Offenbarung wird zum >lebendigen Wasser<, wenn die Menschen aus ihrem Geist leben, Joh 4,6-15.  Das >lebendige Wasser< ist ein Bild für den Heiligen Geist, der in den Menschen wirken kann, wenn sie das zulassen, Joh 7,37-39.  Die >tollwütige Sprache<, also eine Sprache ohne Geist und Jenseitsbezug, wird für kurze Zeit siegen.  Der >Tollwütige< setzt sich durch als höchste spirituelle Autorität bei Juden, Christen und Muslimen, 2/73.        


2) Dann kehrt eine äußere Ruhe ein.  >Der Geist< ist der Geist Gottes, weil es einen anderen nicht gibt.  Dieser Geist, zu dem ein jeder den Zugang in sich hat, wird auf die Probe gestellt, ob er sich gegen das rein weltliche Denken des >Tollwütigen< wehrt und verwahrt.      


3) Dann kommt es zum Konflikt, der >blutig< ist, weil die >alten Götter getötet< werden sollen.  Nach ihrem >Blut< wird der Sieger >durstig< sein, 2/09.  Für seine Taten im Reich des Geistes wird er gefeiert, und man geht mit denen ins Gericht, die nicht mitfeiern wollen.        
 

4) >Das Fleisch< ist das in Christus Fleisch gewordene Wort, Joh 1,14.  Wenn den Evangelien durch >Rösten< das >Wasser< entzogen wird, ist damit die Leugnung des vom Sühnetod Christi für Zeit und Ewigkeit ausgehenden Heils gemeint.  Das ist nicht neu, aber es wird dann explizit zur herrschenden Ideologie, die gegen Widerstände durchgesetzt werden soll, 1/79 Vz 2.  

   

Den Völkern wird von Iran her der Weg gewiesen

   04/59   Deux assiegez en ardante ferueur,    
                 De soif estainctz pour deux plaines tasses:  
                 Le fort limé, & vn vieillart resueur.    
                 Aux Geneuois de Nira monstra trasse. (1568)    

                 Zwei Belagerte (sind) voll brennender Glut

                 des Durstes, gelöscht mit zwei vollen Tassen.

                 Der Starke (wird) verschlissen, und ein Greis (ist ein) Träumer.

                 Den Genfern wird (man) von Iran her (den) Weg weisen.


                    2) Wendungen la grande tasse das Meer, boire à la grande tasse ertrinken.    

                    3) N.m. fort 1. Starker 2. Stärke 3. Festung.  V. limer abfeilen, mittelfrz. auch:

                    abreiben, abwetzen (user).   Mittelfrz. (Gr) n.m. resveur Herumtreiber,

                    Bedeutung "Träumer" schon um 1600 nachgewiesen (großer Larousse).    
   
1) Die >Festung< zu erstürmen, zu der die deutsche Propaganda Europa erklärt hat, sind die West-alliierten angetreten.  Die Achsenmächte Deutschland und Italien sind bis Anfang September 1943 verbündet;  somit sind es "zwei Belagerte".    


2) Hitler hat mit seinem Krieg einen >Brand< entfacht, der fast ganz Europa erfasst.  Die Glut dieses >Brandes< gleicht einem brennenden Durst, der gelöscht werden will, indem man Brand und Brandstifter bekämpft.  Die zwei >großen Tassen< sind das Mittelmeer und der Atlantik.  Vom Mittel-meer, 1/09, strömen ab Juli 1943, vom Ärmelkanal ab Juni 1944 alliierte Truppen in die Festung der Belagerten ein.    


3) Hitler ist der "Starke", der den Krieg angefangen hat.  Ihm werden die Weltmacht-Ambitionen und die besetzten Territorien Stück um Stück >abgeschliffen<.   Der greise Träumer ist Marschall Pétain, der gehofft hatte, Vichy-Frankreich aus dem Krieg heraushalten zu können, ein Traum, aus dem er im November 1942 erwacht, 8/65.   

 
4) >Die Genfer< bedeuten die Völkergemeinschaft, 4/09.  Deren Interesse daran, Hitler und seine Verbündeten niederzuringen, nehmen die USA, Großbritannien und die Sowjet-Union wahr.  Ihre Anführer treffen sich am 28.11.1943 in Teheran (Iran).  Es wird eingewendet, den Namen Iran gebe es erst seit 1935, N. hätte es Persien genannt.  Aber der Name Iran bedeutet, dass eine Zeit nach 1935 gemeint ist, Exkurs (11).    

Pétain als Kollaborateur und Hochverräter

   04/61   Le vieulx mocqué & priué de sa place,    
                Par l'estrangier qui le subornera:   
                Mains de son filz mangées deuant sa face,   
                Le frere à Chartres, Orl. Rouan trahyra. (1568)    

                Der Alte getäuscht und seiner Stellung beraubt

                durch den Fremden, der ihn seine Pflicht vergessen lassen wird.

                Hände seines Sohnes vor seinem Angesicht verzehrt,

                den Bruder in Chartres, Orléans (und) Rouen wird er verraten.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) v. estre mocqué auch: getäuscht werden (être trompé).      
                   2) V. suborner jdn. dazu bringen, pflichtvergessen zu handeln (porter qu.

                   à agir contre le devoir) (großer Larousse).    
                   4) Es könnte auch der Bruder in Chartres Orléans und Rouen verraten,

                   aber das ergibt im vorgeschlagenen Kontext keinen Sinn.    
   
1)2) Hitler ist kein Franzose und in diesem Sinne ein "Fremder".  Er "verführt" den 84jährigen Marschall Pétain am 24.10.40 (Handschlang von Montoire), den unbesetzten Süden des Landes zu übernehmen.  Pétain stellt es als Einladung Hitlers dar, der er in Freiheit gefolgt ist, und mit dem er in Freiheit kollaboriert.  Er hofft dann, den ihm unterstellten Teil des Landes von fremder Besatzung frei- und aus dem Krieg heraushalten zu können.  Im November 1942 besetzen die Deutschen auch seinen Landesteil und verhaften ihn im August 1944.    


3)4) Pétain sieht seine Aufgabe darin, die Résistance, den Widerstandskampf seiner Landsleute (>Brüder<) niederzuhalten.  Er lässt die Widerständler verfolgen und nach ihren Waffenlagern (>Händen<) suchen.  Er verrät die >Söhne Frankreichs<, die ihr Land verteidigen wollen, an den Fremdherrscher.  Der die Résistance aus dem britischen Exil anführt, wird einmal als >Sohn< Pétains bezeichnet, 4/91.


Jeanne d'Arc, deren Tat und Martyrium zum Gründungsmythos Frankreichs verklärt wurde, fand Herberge in Orléans und  wurde in Rouen exekutiert;  Chartres ist ein religiöses Zentrum des Landes. Die Städte bedeuten das wahre, selbstbestimmte Frankreich, das 1940-44 unterdrückt wird, und stehen für das Martyrium jener Franzosen, die es von seinen Peinigern befreien wollen.

Ein >Schwächling im Bürgerkleid<

   04/64   Le defaillant en habit de bourgeois,    
                 Viendra le Roy tempter de son offence:   
                 Quinze souldartz la pluspart Vstagois,    
                 Vie derniere & chef de sa cheuance. (1568)  

                 Der Schwächling im Bürgerkleid

                 wird versuchen den König zu erreichen mit seiner Beleidigung.

                 Fünfzehn Soldaten, die meisten Köhler, (bleiben ihm).

                 Letztes Leben, und (nur noch) Haupt seiner Liegenschaften.
   
                     2) Altfrz. v. tempter zu erreichen suchen (chercher à atteindre).  

                     3) Ustagois gibt es nicht.  Lat. p.p.p ustum gebrannt; n.m. ustor Brenner.    
                     Im Deutungskontext sind die Ustagois Brenner oder Köhler (charbonnieres).    

                     4) Altfrz. n.f. chevance Liegenschaften (bien-fonds).    
   
1)2) N. akzeptiert nur ein absolutes Königtum, 10/22.  Wer sich statt Par la grâce de Dieu Roi de France et de Navarre nur Roi des Francais nennen lässt, um seine Volksnähe zu demonstrieren, und eine Verfassung beschwört, 2/69, wird von N. negativ beurteilt.  König Louis-Philippe repräsen-tiert nicht aus Schwäche, sondern mit Überzeugung ein bürgerliches Frankreich, welches das Ancien Régime und radikales Jakobinertum gleichermaßen ablehnt, 8/43.  Darin erkennt N. eine Beleidigung >wahren< Königtums.  Anders die Zeitgenossen, die ihm Ehrungen und Arbeit bis ins hohe Alter zuteil werden lassen, 3/14.

   
3)4) Nach der Restauration 1814ff bildet sich in Frankreich ein Geheimbund unzufriedener Oppo-sitioneller, der Charbonnerie (Köhlerei) genannt wird, weil die Zusammenkünfte in Wäldern stattfinden.  Dessen führende Mitglieder schließen sich nach dem Wechsel zum Bürgerkönig 1830 der Regierung Louis-Philippes an.  Wenige Bedienstete bleiben ihm, als er im Februar 1848 vom Thron vertrieben wird.  Er stirbt 1850 als Graf im britischen Exil. 

   

>Große Heldentat<:  Bomben auf britische Zivilisten

   04/65   Au deserteur de la grand forteresse,    
                Apres qu'aura son lieu abandonné:  
                Son aduersaire fera si grand prouesse,    
                L'Empereur tost mort sera condemné. (1568)    

                Dem von der großen Festung Abtrünnigen (wird),

                nachdem der seine Stellung verlassen haben wird,

                sein Gegner eine große Heldentat antun.

                Der Imperator bald tot, er wird verurteilt werden.
   
                   1) Zur Festung ---> forteresse.    

                   3) In der Wendung faire prouesse ist prouesse Tat, nicht Gesinnung oder Charakter.    
   
Die Deutung auf 1870/71 passt bei näherem Hinsehen nicht.  Denn  n a c h  der Gefangennahme des Kaisers (3.9.70) und  n a c h  der Kapitulation Bazaines in Metz (27.10.70) belagern die Deutschen Paris, haben aber keine Heldentaten mehr nötig und den Sieg in der Tasche.  

 
1)2) Die Festung ist das zu Beginn des zweiten Weltkrieges defensiv gerüstete Frankreich, 2/25.  In die französischen Linien sind zehn britische Divisionen eingereiht.  Sie werden durch deutsche Panzer an die Kanalküste gedrängt, werden "abtrünnig", indem sie ihre Stellungen aufgeben, 2/25.  


3) Dann werde ''sein", des Abtrünnigen "Gegner" ihm, dem Abtrünnigen (GB), eine >große Heldentat< antun.  Da sind in sarkastischem Ton die Flächenbombardements britischer Städte ab September 1940 gemeint, die Luftschlacht um England.    


4) Hitler wird durch seinen Krieg für ein paar Jahre zum Oberhaupt eines Imperiums, das große Teile Europas umfasst, auch Frankreich, 8/65.  Einmal wird er deshalb "König der Könige" genannt, 9/90. Nach seinem Tod wird er für seine unmenschlichem Befehle verurteilt.  Die Ermordung von Millionen jüdischer Menschen ist "ein großer Skandal", 9/17.    

Krimkrieg und Pariser Frieden (1856), Attentat italienischer Patrioten (1858)

   04/73   Le nepueu grand par forces prouuera.  
                Le pache faict du coeur pusillanime:    
                Ferrare & Ast le Duc esprouuera,  
                Par lors qu'au soir sera le pantomime. (1568)    

                Der große Neffe wird durch Streitkräfte es beweisen.

                Der Vertrag (wird) geschlossen mit kleinmütigem Herzen.

                Ferrara und Asti werden den Kriegsherrn auf die Probe stellen,

                wenn abends das Schauspiel sein wird.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. pache Abkommen (pacte), Vereinbarung (accord).  

                   3) Altfrz. n.m. duc Kriegsherr (chef de guerre), Herzog (Duc).    
   
1) Napoleon III., Kaiser der Franzosen 1852-70, ist Neffe von Napoleon I., trägt dessen Familien-namen Bonaparte.  Im Dezember 1852 hat er sich zum Kaiser der Franzosen proklamieren lassen. Frankreich beteiligt sich 1854-56 am Krimkrieg gegen Russland, der mit dem Fall Sewastopols für die Westmächte siegreich endet, ohne Frankreich viel einzubringen.  Aber der Kaiser >hat es bewiesen<, nämlich >dass er ein Napoleon ist<.     


2) Auf dem Pariser Kongress 1856 will dieser Mann mit der geliehenen Identität feierlich die Annullierung der Wiener Verträge von 1815 fordern.  Als er auf diplomatischen Widerstand trifft, nimmt er davon Abstand (Berl [1947] S. 421).  Das nennt N. "kleinmütig".  Der als Pariser Frieden bezeichnete Vertrag wird unterschrieben von Russland, Frankreich, Großbritannien, Sardinien-Piemont, dem Osmanischen Reich, Österreich und Preußen.    


3)4) Knapp zwei Jahre später, am 14.1.1858, entgeht der Kaiser, als er einer abendlichen Theater-vorstellung beiwohnen will, nur knapp einem Attentat.  Die Bombenleger stellen das Glück des Opfers auf die Probe.  Haupttäter ist der italienische Patriot Orsini, der aus der Emilia-Romagna stammt, zu der die Stadt "Ferrara" gehört.  Er glaubt, dass der französische Kaiser die Einigung Italiens verhindern will, 5/92.  Und ''Asti" gehört zum Königreich Sardinien-Piemont, das sich an die Spitze des Kampfes für die >Auferstehung< Italiens als Nation gestellt hat.

Die Maginot-Linie ist nicht >wasserdicht<

   04/80   Pres du grand fleuue, grand fosse, terre egeste,  
                 En quinze pars sera l'eau diuisée:    
                 La cité prinse, feu, sang, cris conflict mettre   
                 Et la plus part concerne au collisee. (1568)   

                 Nahe beim großen Fluss (ein) großer Graben, Erde fortgeschafft.

                 In fünfzehn Teile wird das Wasser geteilt sein,

                 Stadt eingenommen, Feuer, Blut, Schreie, Krieg bringen sie.

                 Und der größte Teil (ist) betroffen beim Zusammenstoß.
   
                    1) Lat. v. egerere, egessi, egestum fortschaffen.  

                    3) Nach P. Rigaud (1557) soll man maeste (lat. betrübend) statt mettre lesen,

                    weil es den Reim egeste erfüllt.  An der Deutung würde das nichts ändern.    

                    4) Das n.f. collision ist abgewandelt zu collisée, um den Reim zu erfüllen.    
   
1) Der "große Fluss" ist der Rhein.  Hier legen die Franzosen in den 1930er Jahren ein gewaltiges, über 1000 Kilometer langes Festungssystem mit Bunkern, Gräben und Panzersperren an, die sogenannte Maginot-Linie.  Dafür muss "Erde fortgeschafft" werden.     


2)3) Beim Wasser denkt man an die Gräben, und schon ist man auf der falschen Spur.  Die defensive französische Strategie ist nicht >wasserdicht<,  d.h. sie kann den deutschen Einmarsch über Belgien im Mai/Juni 1940 nicht verhindern.  Das Bild der >Überschwemmung< für einen massiven Einmarsch fremder Truppen kommt bei N. vor, 4/59, 2/57.  Ab dem 5.6.40 rücken die Deutschen vor, um Frankreich zu erobern ("Fall Rot").  Zehn Panzerdivisionen und drei motorisierte Divisionen der Wehrmacht, dazu zwei motorisierte Divisionen der Waffen-SS stellen die Spitzen des Einmarschs (wikipedia Westfeldzug, Schaubild Fall Rot).  Am 14.6. nehmen die Deutschen das von der Regierung zur "offenen Stadt" erklärte Paris kampflos ein, 3/22.  

 

4) Der Süden, die sogenannte Zone libre, bleibt noch verschont.  Aber der größere Teil des Landes ist 1940 "betroffen beim Zusammenstoß" der beiden Armeen.  Der Osten, Norden und Westen Frankreichs muss gleich zu Beginn des Krieges die Fremdherrschaft erdulden.

 

 

Spanische Niederlande 1579 bis 1589

   04/81   Pont on fera promptement de nacelles,    
                Passer l'armee du grand prince Belgique:    
                Dans profondrés & non loing de Brucelles,    
                Outre passés, detrenchés sept à picque. (1568)    

                (Eine) Brücke aus Schiffen wird man geschwind bauen,

                überzusetzen die Armee des großen belgischen Fürsten.

                Sie dringen ein, nicht weit von Brüssel.

                Drüber weg gekommen, werden sieben mit Spießen massakriert.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. nacelle Schiff (bateau).    

                   3) Mittelfrz. (Gr) v. profonder vertiefen (approfondir).  

                   4) Mittelfrz. (Gr) v. detrancher massakrieren (massacrer).    
   
[sieben]  Auf einem Teilgebiet der altrömischen Provinz Gallia Belgica liegen die heutigen Nieder-lande und Belgien.  1556 erbt Philipp II. das spanische Königreich seines Vaters, das auch die Niederlande und Belgien umfasst. Wegen seiner Nordprovinz heißt Philipp II. hier der "große belgische Fürst". Gegen das zentralistische, streng katholische Regiment Philipps schließen sich 1579 die calvinistischen sieben Nordprovinzen zusammen;  1581 sagen sie sich ganz vom König los und nennen sich die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen.     


1)2)3) Die Truppen des Generalstatthalters Farnese belagern und unterwerfen im Süden (Belgien) viele Städte. Dann "marschieren Gent und Brüssel gegen Antwerpen", 9/49, damals das Zentrum des Welthandels.  Ab 1584 von Farnese belagert, kann sich die gut befestigte Stadt an der 700 Meter breiten Schelde lange halten.  Erst die Blockade flussabwärts durch eine lange Brücke, die ufernah aus Holzgerüsten und in der Mitte aus Schiffen besteht, zwingt Antwerpen am 17.8.1585 zur Aufgabe (wikipedia Belagerung Antwerpens).    


4) Farnese erobert dann Geldern und Groningen, gerademal zwei der sieben Nordprovinzen; Protestanten werden vertrieben.   Das martialische >Massakrieren der sieben< ist stark übertrieben, N. droht den sieben Nordprovinzen.  Wer nicht katholisch ist, dem droht er gern, 10/95, 3/53.  

 

 

Krönung des Henri Cinq in Reims und Aachen

   04/86   L'an que Saturne en eau sera conioinct,    
                Auecques Sol, le Roy fort & puissant:    
                A Reims & Aix sera receu & oingt,    
                Apres conquestes meurtrira innocens. (1568)    

                In dem Jahr, wenn Saturn im Wasser vereint sein wird

                mit der Sonne, wird der starke und mächtige König

                in Reims und Aachen empfangen und gesalbt werden.

                Nach Eroberungen wird er Unschuldige töten.
   
Louis XIII. (Dufresne 1999) wird am 17.10.1610 in Reims zum König gekrönt.  Aachen spielt in dem Kontext keine Rolle.  Saturn und Sonne stehen nicht in Konjunktion. -


1) Die Krönung fällt in das Jahr, wenn "Saturn im Wasser vereint sein wird mit der Sonne". Konstellationsangaben beziehen sich auf die sichtbaren Sternbilder, 1/51.  Wegen des Sigels mit den beiden Waagschalen nennt N. die Waage einmal das bewegliche Zeichen, 1/54.  Dement-sprechend dürfte bei dem "Wasser" das Sternbild Fische gemeint sein.  Die Frage ist also, wann Saturn und Sonne von ekliptikal 347° bis 30° in Konjunktion stehen, das sind Werte für die Mitte des 21. Jahrhunderts (im Jahr 1600 sind es 341° bis 24°).  Die Konjunktionen in den Frühjahren 2024, 2025, 2026 und 2027 scheiden aus heutiger Sicht (2020) sicher aus.  Eine der Konjunktionen im Frühling 2054, 2055, 2056 oder 2057 ist die gemeinte, gut passend zur Zufriedenheit im Jahr 2055, 3/94.


2)3) Die Könige von Frankreich werden bis ins 19. Jahrhundert in Reims, die deutschen Kaiser zuletzt 1531 in Aachen/Aix-la-Chapelle gekrönt.  Die Salbung gehört zur Krönungszermoniell.  Die Orte zeugen von dem Willen, an diese Tradition anzuknüpfen.  Demnach gehören dann Frankreich und Deutschland zum Kern eines europäischen Reiches.  Auch Spanien wird dabei sein, 4/05, und Italien, 5/06.  Henri Cinq wird zum "König von Europa", 10/86.    


4) Die "Unschuldigen", die er tötet, passen nicht zu dem sehr positiven Bild, das N. von dem Mann zeichnet, 5/74, 5/75.  Er hat eine Schattenseite;  möglich auch, dass die Unschuldigen nicht wirklich unschuldig sind, sondern sich nur so darstellen.

   

In London Verschwörung gegen den König,

                                            dann wird ein König gewählt, gebürtig von Friesland

   04/89   Trente de Londres secret coniureront,    
                Contre leur Roy sur le pont l'entreprise:    
                Luy, satalites la mort degousteront. 
                Vn Roy esleu blonde, natif de Frize. (1568)    

                Dreißig von London werden sich geheim verschwören

                gegen ihren König, auf die Brücke (zielt) ihr Unternehmen.

                Ihm werden Missgeschicke den Tod verleiden.

                Ein König (wird) gewählt, goldgelb, gebürtig von Friesland.
   
                   3) satalites gibt es nicht, gemeint sind fatalités Missgeschicke, Verhängnisse.  

                   4) Mittelfrz. (Gr) blond goldfarben, goldgelb (jaune dorée).    
   
1) James II. von England ist Katholik und erkennt anglikanisches Vorrecht nicht an, 8/58.  Als eine katholische Dynastie droht, verhandeln seine anglikanischen Gegner mit dem Schwiegersohn des Königs, dem protestantischen Wilhelm von Oranien und fordern ihn auf einzugreifen.  Es sind sieben einflussreiche Anglikaner, die am 30.6.1688 zusammenkommen.  Die Zahl 30 spielt an auf die "dreißig Tyrannen" die 404 v. Chr. Sparta dem besiegten Athen verordnet.  Die Hochverräter sind für N. Tyrannen;  er nimmt Partei für James.    
 

2) Die >Brücke des Schiffes< der anglikanischen Kirche soll vor möglichen Eingriffen der Krone frei gekämpft werden (---> pont).    
 

4) Anfang 1689 wird Wilhelm durch das britische Parlament zum König "gewählt".  Sein Geburtsort Haag gehört zu Holland, das mit Friesland und anderen Provinzen seit 1648 die Republik der Vereinigten Niederlande bildet.  Wegen seiner Herkunft aus dem Haus Orange-Nassau ist William "goldfarben"; or bedeutet Gold.  

 
3) Der vertriebene König James II. ist am Ende seines Lebens ein Gescheiterter.  Vom franzö-sischen Exil aus erlebt er, wie ein Anderer auf seinem Thron sitzt und im Frieden von Rijswijk 1697 auch vom Ausland als König anerkannt wird, 3/80. 

   

Französische Flotte von Briten versenkt, Pétain lebenslänglich

                       im Gefängnis, de Gaulle will Präsident werden

   04/91   Au duc Gaulois constrainct battre au duelle,    
                La nef Mellele monech n'approchera,    
                Tort accusé, prison perpetuelle, 
                Son fils regner auant mort taschera. (1568)    

                Vom gallischen Heerführer gezwungen zum Zweikampf,

                wird das Schiff (von) Melilla sich Monaco nicht nähern.

                Zu Unrecht angeklagt, lebenslängliches Gefängnis.

                Sein Sohn wird sich bemühen zu herrschen vor (dem) Tod.
   
                   2) Mellele bedeutet Melilla, die spanische Exklave in Nordafrika.  

                   Lat. Portus Herculis Monoeci = Monaco.    
   
1)2) Seit 1907 mit Frankreich verbündet, erklärt Großbritannien zusammen mit Frankreich Deutsch-land den Krieg (3.9.39).  Schon am 10.6.40 ist absehbar, dass der Abwehrkampf scheitern wird, 3/22. Der "gallische Heerführer" ist Marschall Pétain, der am 17.6. die Regierung übernimmt.  Im Waffenstillstand (22.6.) ist eine von Deutschland geduldete französische Regierung vorgesehen, die auch die Kontrolle über die französische Flotte behalten soll.  Aus Furcht, dass die französische Marine in deutsche Hand fallen könnte, kommt es nach einem Ultimatum Großbritanniens (2.7.) zu Kämpfen britischer Schiffe mit der in Mers-el-Kébir bei Oran (Algerien) ankernden französischen Flotte.  Eben noch Verbündete stehen im "Zweikampf".  Die überraschte französische Flotte wird von den Briten versenkt (3.7.), 1300 Franzosen sterben.  Mers-el-Kebir liegt allerdings 230 Km östlich von Melilla.  An der Grenze zu Frankreich, unweit des Fürstentums Monaco, sind ab 10.6.40 italienische Truppen aufmarschiert;  die französische Flotte kann nicht mehr zur Verteidigung der Heimat auslaufen.    


3)4) Nach Kriegsende wird Pétain wegen Hochverrats zum Tode verurteilt.  Der Chef des nationalen Befreiungskomitees und neue starke Mann de Gaulle begnadigt ihn zu lebenslänglich.  N. stellt Pétain als unfähigen Träumer, 1/78, und Verräter dar, 4/61, aber die Verfolgung von Hochverrat im Namen einer Republik erkennt er nicht an ("zu Unrecht").  De Gaulle ist 34 Jahre jünger und ab 1925 im Stab Pétains, bis man sich zerstreitet.  Er will schon 1945/46 Staatspräsident werden, noch bevor Pétain stirbt (1951).  Er erreicht sein Ziel erst 1958.    

Vestalinnen rebellieren gegen den Krieg der Supermächte

   04/95    Le regne à deux laissé bien peu tiendront,   
                 Trois ans sept mois passés ferôt la guerre    
                 Les deux vestales contre rebelleront,    
                 Victor puis nay en Armonique terre. (1557)   
 

                 Die Zweien überlassene Herrschaft werden sie sehr kurz innehaben;

                 drei Jahre (und) sieben Monate vorbei, werden sie Krieg führen.

                 Die beiden Vestalinnen werden dagegen rebellieren.

                 (Der) Sieger wird dann in Nordwestfrankreich (?) erscheinen.


                     4) Lat. n.m. victor Sieger.   Lt. Pierre Rigaud (1558) ist die Variante Armonique

                     zu lesen als Armorique.  Armorica ist ein antiker Name für die nordwestliche Küste Frankreichs                               zwischen den Flüssen Seine und Loîre, die heutige Bretagne und Normandie.      

                     4) Zu nay ---> naistre.

 

1)2) Wenn Europa nach dem Kataklysmus darniederliegt, sind von den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates zwei übrig geblieben.  Zwei weit voneinander entfernte Mächte verurteilen den einsetzenden Vormarsch der Orientalen auf Europa, rivalisieren aber auch, 6/58.  43 Monate nach der Errichtung ihrer gemeinsamen Herrschaft bekriegen sie sich.  

 

 

2)3) Vestalinnen nennt N. Religionsgemeinschaften, die sich nach dem Kataklysmus auf den Dienst am Weltfrieden verpflichten, 3/45 (---> Vesta).  Sie kämpfen gegen den hier gemeinten Krieg. 
 

4) In Atomkriegen gibt es keinen Sieger.  Den Krieg endlich von der Erde zu verbannen, ist danach unabweisbar geworden.  So profitiert ein Dritter, der >neue Heilige<, 10/30, der sich wegen der ihm zugetrauten Friedenskompetenz zum Pontifex Maximus einer globalen Friedensordnung auf-schwingen kann.  Die >Vestalinnen< dienen ihm dabei.  Was er in der Bretagne vorhat, ist noch nicht abzusehen.  Vielleicht geht es von da aus weiter nach Belgien, 2/97.  

 

Doppel-Inthronisation im Reich des Gleichgewichts

   04/96   La soeur aisnée de l'isle Britannique,    
                 Quinze ans deuant le frere aura naissance:    
                 Par son promis moyennant verrifique,    
                 Succedera au regne de balance. (1568)
    

                 Die ältere Schwester der britischen Insel -

                 fünfzehn Jahre zuvor wird der Bruder geboren werden.

                 Mit seinem Versprechen verhandelnd, (wird er) bestätigt.

                 Er wird nachrücken im Reich des Gleichgewichts.
   
                    3) Altes v. moyenner aushandeln (négocier) (großer Larousse).  

                    Statt verifié steht verrifique, um dem Reim zu genügen.    
   
1)2) Maria II. Stuart, Tochter Jakobs II., die ältere zweier Schwestern, heiratet 1677 den 12, nicht 15 Jahre älteren protestantischen Wilhelm von Oranien, "gebürtig von Friesland", 4/89.  Sie besteigen 1689 als Maria II. und William III. gemeinsam den britischen Thron.  Diese doppelte Inthronisation ohne historisches Vorbild verhüllt N. im Bild von >Bruder und Schwester<.    


3)4) In vorausgehenden Verhandlungen geht es um die Stellung des Königs und seine Rechte. William verspricht, die erweiterten Rechte des Parlaments anzuerkennen, 10/22.  Reich des Gleich-gewichts heißt Britannien hier wegen der Verbindung, die der in dieser sogenannten Glorious Revolution erstarkende britische Parlamentarismus mit dem Prinzip der dynastischen Legitimität in der Verfassung von 1689 eingeht.  Eine Gleichgewicht anzeigende Waage wird zum Sinnbild für die an eine Konstitution gebundene Monarchie (---> balance).    

Henri Cinq

   04/97   L'an que Mercure, Mars, Venus, retrograde,    
                Du grand Monarque la ligne ne faillir:    
                Esleu du peuple l'vsitant pres de Gagdole, 
                Qu'en paix & regne viendra fort enuieillir. (1568)    

                In dem Jahr, wenn Merkur, Mars, Venus rückläufig sind,

                wird die Nachkommenschaft des großen Monarchen Erfolg haben.

                Gewählt vom portugiesischen Volk nahe bei Graulade (?),

                wird er im Frieden und als Herrscher ein hohes Alter erreichen.


                   2) Mittelfrz. (Gr) n.f. ligne Nachkommenschaft (descendance).    

                   Mittelfrz. (Gr) v. faillir u.a.: keinen Erfolg haben (ne pas réussir).    

                   3) P. Rigaud (1558) hat "Gaudole", die Ed. Amsterdam (1668) hat "Graulade",

                   was immerhin den Reim erfüllt.  Lusitania ist ein antiker Name für Portugal.    
   
1) Diese Konstellation tritt alle fünf bis sechs Jahre ein, wenn nicht verlangt wird, dass die Rück-läufigkeit der drei Planeten gleichzeitig oder wenigstens überlappend eintritt.  Den seltenen Fall einer gleichzeitigen Rückläufigkeit gibt es im Dezember 2037.  Wohl im Sommer 2038 beginnt der Krieg um die Freiheit Europas und der Religion, 6/24.  Vor 2045 soll ein Barbarenreich zerfallen, 3/97. 

  
2) Gemeint ist das Geschlecht der Bourbonen, das die letzten 200 Jahre (1589-1792) den König des Ancien Régime in Frankreich gestellt hat, Sz 4, Sz 15.  In dieser Linie ist der Gemeinte der "große Nachgeborene", 7/12.  Es scheint, dass er sie als ein "Fünfter" unter dem Namen Henri Cinq fortsetzt, 10/27. 


3) Ein erster Erfolg ist es, gewählt zu werden.  Der Ort ist eher nebensächlich, und dass er nicht identifiziert werden kann, ist gut so.    


4) Nach einem "sehr harten Kampf", 4/05, wird er friedliebend, 5/06, und kann einen lang anhaltenden Frieden in Europa schaffen, 10/89.    

Ein Großer wird ohne Aufsehen beerdigt,

                                    aber dann kommt der keltische Zusammenbruch

   05/01   AVANT venue de ruine Celtique,
                Dedâs le temple deux parlemêterôt:  
                Poignard coeur, d' un monté au coursier, & picque, 
                Sans faire bruit le grand enterrerôt. (1568)

   

                Bevor der keltische Zusammenbruch gekommen (ist),

                werden im Tempel zwei verhandeln.

                Dolch (im) Herzen von einem, auf's Schlachtroß gestiegen, und Streit.

                Ohne Lärm zu machen, beerdigen sie den Großen.


                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. coursier Schlachtroß, Turnierpferd (cheval de guerre et de tournois).    
                   Mittelfrz. n.f. pique Lanze; Streit unter mehreren Personen.    

   
Vz 2 [Zwei verhandeln im Tempel]  Im Kontext der anderen Ereignisse des Verses sind hier die Verhandlungen des Heiligen Stuhles mit der französischen Republik gemeint, vertreten durch den Ersten Konsul Napoleon, der im November 1799 die Macht an sich gerissen hat, 5/05.  Bei den Verhandlungen ab November 1800 sitzen sich der Gesandte des Papstes und Napoleon gegenüber.  Durch das im Juli 1801 geschlossene Konkordat macht Napoleon die Ordnung stiftende Kraft der Religion für seinen Staat dienstbar.

    
Vz 3 [Aufs Schlachtross Gestiegener trägt Dolch im Herzen]  Der Frieden von Lunéville vom Februar 1801 bestätigt die linksrheinischen Eroberungen Frankreichs und die Neuordnung Italiens durch Napoleon, die Kaiser Franz II. anerkennen muss  -  Schritte hin zur Zurückdrängung der uralten Institution des Heiligen Römischen Reichs (wikip. HRR).  
Durch den Abschluss des Rheinbundes im Juli 1806 erreicht Napoleon dann sein Ziel, dass sein Empire an die Stelle des alten Kaiserreichs tritt.  


Vz 4 [Ohne Lärm beerdigen sie den Großen]  Wenn das uralte Heilige Römische Reich aufhört zu existieren, was im August 1806 vollzogen wird, sollte das großes Aufsehen hervorrufen, meint N. Aber von den Zeitgenossen wird der >große Knoten< ohne viel Aufhebens >in den Rhein geworfen<, 6/40.  

 
Vz 1 [Keltischer Zusammenbruch]  Kelten nennt N. Franzosen, die das christliche Königtum ablehnen, also Franzosen nach 1792 (---> Celtes).  Für ihn gleichen die modernen >Kelten< denen der Vorzeit darin, dass sie >keinen christlichen Glauben haben<, die einen noch nicht, die anderen nicht mehr.  Als Napoleon 1814 abdanken muss, ist das der "keltische Zusammenbruch", weil dann die alte Ordnung des Königtums restauriert wird.    
 

Der neue König Italiens hat Marguerite de Valois im Stammbaum

   05/03   Le successeur de la Duché viendra,    
                 Beaucoup plus outre que la mer de Tosquane:    
                 Gauloise branche la Florence tiendra,  
                 Dans son giron d'accord nautique Rane. (1568)  

                 Der Erbe des Herzogtums wird kommen

                 von weit jenseits des toskanischen Meeres.

                 Gallischer Zweig wird Florenz erhalten.

                 In seinem Schoß (ist) einverstanden seefahrender Frosch.
   
                    4) Lat. n.f. rana Frosch.  N.m. giron Schoß, Ort der Geborgenheit.    
   
1)2)3) Das Großherzogtum Toskana, bis 1859 beim Habsburger Leopold II., wird 1861 Teil des neu ausgerufenen Königreiches Italien.  Nachfolger Leopolds ist somit König Viktor Emanuel II. von Italien (1820-78).  Der hat Marguerite de France (1523-1574) im Stammbaum,  eine Tochter des Königs Franz I. von Frankreich und Zeitgenossin des Sehers.  Wegen der französischen Vorfahren >kommt er aus Frankreich<, von jenseits der Küsten der Toskana.  

 

Über seine Vorfahren Karl Albert v. Savoyen (1798-1849), Karl Emanuel v. Savoyen (1770-1800), Viktor Amadeus II. (1743-80), Louis Victor (1721-78), Viktor Amadeus I. (1690-1741), Emanuel Philibert (1623-1709), Thomas Franz v. Savoyen-Carignan (1596-1656), Karl Emanuel I. (1562-1630), dem Sohn von Marguerite de Valois (1523-74) ist er mit dem Königshaus der Valois verwandt.    


4) Der Wasserfrosch, eine Amphibie, steht für die Veneter mit ihrer in die Adria gebauten Hauptstadt (---> rane).  Die Republik Venedig, durch den Seehandel zu Reichtum gekommen, schließt sich 1866 nach der Niederlage Österreichs gegen Preußen dem neuen Königreich Italien an (seit 1861). Der "seefahrende Frosch" ist "einverstanden" mit dem neuen König.    

Ein dicker Hund erzürnt über ein befremdliches Bündnis

   05/04   Le gros mastin de cité deschassé,    
                Sera fasché de l'estrange alliance    
                Apres aux champs auoir le cerf chasse,   
                Le loup & l'Ours se donront defiance. (1568)   

                Der dicke Hund, aus der Stadt verjagt,  

                wird erzürnt sein über das befremdliche Bündnis.

                Nachdem sie über die Felder den Hirschen gejagt haben,

                werden der Wolf und der große Bär einander beargwöhnen.
   
1) Winston Churchill, im ersten Weltkrieg Schatzkanzler, seit 1930 kaltgestellt, wird von der zeit-genössischen Presse manchmal als Dogge karikiert.  Gegen den Mainstream der britischen Politik in den 1930er Jahren warnt er davor, dass Hitler kein zivilisierter Politiker sei.

 
2) Er schimpft auf die Beschwichtigungspolitik seiner Regierung.  Ein Ergebnis dieser Politik ist das Münchner Abkommen vom 30.9.38, 1/34.  Ein Jahr später, als Deutschland mit der Sowjet-Union einen Nicht-Angriffspakt schließt, schlägt er wieder Alarm.    

3)4) Der Wolf (---> loup), als Angreifer der Herdentiere immer wieder in die Wälder zurückgetrieben, ist Zeichen der Entrechteten, auch derer, die sich dafür halten.  Im September 1939 fallen Deutsch-land und die Sowjet-Union von zwei Seiten über Polen her.  Der Wolf und der große Bär jagen den Hirschen, der seine Souveränität wieder einmal verliert wie Hirsche, die öfter ihr Geweih verlieren. Danach beargwöhnen Deutschland und die Sowjet-Union einander, ob der Hunger des Anderen schon gestillt sei.

   

Ein Usurpator betrügt das Volk der Revolution um seine Freiheit

   05/05   Souz ombre faincte d'oster de seruitude,  
                 Peuple & cité l'vsurpera luy mesmes:  
                 Pire fera par fraux de ieune pute,  
                 Liure au champ lisant le faux proesme. (1568)    

                 Unter dem Vorwand, aus der Knechtschaft zu führen

                 Volk und Stadt, wird er sie selbst widerrechtlich ergreifen.

                 Ärgeres wird er tun durch Betrug des jungen Flittchens,

                 auf's Schlachtfeld gelassen, verkündet er das verkehrte Geleitwort.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. ombre Vorwand (prétexte).      

                    3) Das >Flittchen< variiert die ---> dame, womit N. das Volk meint als >Gattin< des Monarchen.    
                    Der Betrug des jungen >Flittchens< ist doppeldeutig:  entweder es betrügt, oder es wird betrogen.  

                    Im Kontext stimmt die zweite Möglichkeit.    
                    4) Mittelfrz. (Gr) n.m. proeme Vorwort, Geleitwort (prologue, préface).  

                    Das Adj. proesme = nächster ergibt hier keinen Sinn.    
   
1)2) Napoleons Staatsstreich 1799 wird propagandistisch begleitet:  Die Republik sei in Gefahr, er wolle das Volk auf dem in der Revolution eingeschlagenen Weg in die Freiheit weiterführen.  Für N. ist der Coup widerrechtlich, weil er nicht das alte Königtum wiederherstellt, für den Anhänger der demokratischen Republik, weil Napoleon nicht gewählt wird.  Erst später lässt er sich durch ein Referendum bestätigen mit einer Mehrheit, wie sie in Demokratien nicht üblich ist.             


3) Das >Flittchen< = das französische Volk, das seinen >wahren Herrn<, den König vertrieben hat, muss hinnehmen, dass es einen Despoten als >festen Herrn< bekommt.  Die Freiheit der Presse ist bald dahin, und die Gleichheit ab 1804 auch;  so wird das >Flittchen< betrogen.    


4) Vor Beginn des 3. Italienfeldzuges im April 1800 richtet er eine Proklamation an die Franzosen:  Er führe lediglich deshalb Krieg, um ihnen einen endgültigen Frieden zu bringen.  Er verspricht Frieden und bringt Krieg ohne Ende  -  das >Flittchen< wird vielfach betrogen. 

   

Man sucht nach rätselhaftem Schatz,

                  und findet einen unter Marmor begrabenen großen Römer 

   05/07   Du Triumuir seront trouuez les os,    
                Cherchant profond thresor aenigmatique,    
                Ceux d'alentour ne seront en repos,    
                Ce concauer marbre & plomb metalique. (1568)    

                Vom Dreierkollegium werden gefunden die Gebeine,

                wenn man gründlich sucht nach dem rätselhaften Schatz.

                Die aus der Entourage werden keine Ruhe geben,

                ehe sie nicht diesen Marmor mit Bleisiegel ausgegraben haben.
   
                   2) Adj. aenigmatique vom lat. n.n. aenigma Rätsel.    

                   4) Mittelfrz. v. (Go) concaver graben (creuser).    
   
Die Suche nach dem rätselhaften Schatz in einem Grab ist ein Sinnbild, wie in 9/84.  Nach Weltkrieg, Kataklysmus und einem Krieg zwischen USA und China, 4/95, wird es unabweisbar, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie die Selbstzerstörung der Menschheit verhindert und endlich Frieden in der Welt geschaffen und dauerhaft gesichert werden könne. 

   
N. sucht in der Tiefe des Fundus der geschichtlichen Erfahrungen, um die erschauten Vorgänge zu beschreiben.  Er kommt auf ein unter Marmor begrabenes, seinerzeit hoch geschätztes Dreier-kollegium. Ein Triumvirat bildete einst eine Vorstufe zur Herrschaft des Kaiser Augustus Octavian, der die Pax Romana für lange Zeit sichern konnte.  Mit einer von drei Mächten getragenen Herrschaft, VH (30), glaubt man die Pax Mundana, den Weltfrieden sichern zu können.  Aus dem Triumvirat entwickelte sich dann das Prinzipat eines Kaisers.  

 

N. rät dagegen ab, ein bestimmtes Grabmal zu öffnen, 9/07.  Blei galt als metallische Entsprechung des Saturn/Kronos und verweist auf das Goldene Zeitalter des Friedens mit den Göttern, in dem der Sage nach Saturn/Kronos herrscht, bis er durch Jupiter/Zeus abgelöst wird.  ---> Jupiter ist bei N. Chiffre für den Weltherrscher, 1/04.

    

Der Freund vorzeitig empfangen, die große Arche verschrottet

 

   05/09   Iusques au fondz la grand arq demolue,   
                 Par chef captif, l'amy anticipé:  
                 Naistra de dame front face chevelue,
                 Lors par astuce duc, à mort attrape. (1568
)
 

                 Bis auf den Grund die große Arche abgerissen,

                 durch gefangenes Oberhaupt der Freund vorzeitig empfangen.

                 Geboren von einer Dame, behaart an Stirn und Gesicht,

                 dann wird Heerführer durch List tödlich getäuscht sein.

   
                    1) N.f. arche Arche > lat. n.f. arca;   arc Bogen ist n.m. > lat. n.m. arcus.  

                    Korrektes p.p.p. demolie reimbedingt abgewandelt.    
                    2) V. anticiper vorwegnehmen, vorgreifen, zuvorkommen.    

   
Die >große Arche< ist wie in 3/13 ein Bild für die katholische Kirche mit den Gläubigen als Passagieren.  Menschen, die Christus nachfolgen, nennt Christus seine Freunde, für die er sein Leben gibt, Joh 15,13-15.  Wer "den Freund vorzeitig begrüßt", kann es nicht erwarten und begrüßt den Falschen.  Das "Oberhaupt", der letzte Papst, ist "ergriffen" vom Charisma eines Mannes,           , und gerät durch seine Politik in eine Verstrickung und Gefangenschaft, aus der er sich nicht mehr befreien kann, 8/45.     


Der vermeintliche Freund ist geistig vom Geblüt der Medusa, 9/84, einer Dame mit Schlangen als Haaren, vor der fast alle erstarren.  Auf Geheiß des späteren Heerführers (Duc) und somit weltlichen Herrschers wird die >große Arche abgerissen<, 10/65.  Unzerstörbar wie die Medusa ist er, solange die Menschen an ihn glauben oder ihn fürchten.  Wer sich seiner entledigen will, müsste nicht ihn zerstören, sondern den Glauben an ihn.  Dazu wird er selbst viel beitragen, indem er die Erinnerung an Christus auslöschen will, 3/72.  Auch Prophetie hilft, wenn sie die Gestalt des Geschehens spiegelt und die Übeltäter kenntlich macht.

 

Verszeile 4 ist ungeklärt.    
 

Calvin entmachtet 1555 in Genf die Opposition. 

                          N. droht ihm mit dem Augsburger Reichstag - eine leere Drohung

   05/12   Aupres du lac Leman sera conduite,    
                Par garse estrange cité voulant trahir:  
                Auant son meurtre à Auspourg la grand suitte    
                Et ceux du Ryn la viendront enuahir.  (1568)    

                Beim Genfersee wird (die) Leitung sein,

                die durch fremdes Weibsstück die Stadt verraten will.

                Vor ihrer Ermordung in Augsburg die große Verfolgung,

                und die vom Rhein werden dort einfallen.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. conduite Führung, Leitung (direction), Regierungsgewalt

                   (competence de gouverner), Schutz (protection).    
                   2) Das n.f. garce Weibsstück, Biest, Garstige ist eine Variante der ---> dame.      

                   3) Mittelfrz. (Gr) n.f. suite, sieutte Verfolgung (poursuite).    
   
Am 1.6.1540 hat der König von Frankreich Protestanten zu Hochverrätern erklärt, 1/54.  Seit 1541 lehrt der französische Theologe Jean Cauvin wieder in Genf.  Eine sinnbildliche >Dame< ist bei N. ein Volk als ganzes, auch ein Kirchenvolk, eine Gemeinde  -  als Gegenüber ihres jeweiligen >Herrn<. Genf wird zur Zuflucht von Calvins französischer Gemeinde (>fremdes Weib<), durch deren starken Zuzug sein Einfluss wächst.  1555 wird die Calvin-kritische Ratsfraktion entmachtet (wikip. Calvin).  So >verrät< er die Genfer Katholiken.


Aber Vz 3/4 passen nicht dazu, außer man verstünde sie als Drohung.  Drohungen gegen Anders-gläubige hat N. im Repertoire.  Als 1589ff um den Thron Frankreichs gekämpft wird, droht er seinen protestantischen Landsleuten mit der spanischen Knute, 6/83.  Als der spanische Statthalter 1585 Antwerpen einnimmt, droht N. den sieben abtrünnigen Provinzen, sie würden allesamt massakriert, was stark übertrieben ist, 4/81.     
 

Hier ist der katholische Eiferer sich nicht zu schade, leere Drohungen auszusprechen.  Wegen Calvin Truppen nach Genf zu schicken, wird auf dem Augsburger Reichstag nicht diskutiert.  1555 wird ein Landfrieden zwischen katholischen und lutherisch reformierten Fürsten ausgehandelt, der N. nicht passt, 3/53.  Daraus, dass andere Bekenntnisse (Calvin, Zwingli, Wiedertäufer) im Reichgesetz von 1555 nicht erwähnt werden, macht N. eine Drohung.  Ausdrücklich wird nur die "Augsburgische Konfession" (von 1530) akzeptiert, die an der Wittenberger Theologie Luthers und Melanchthons orientiert ist.  Aber eine Verfolgung und Ermordung von Anhängern Calvins wird auf dem Augsburger Reichstag nicht beschlossen, auch nicht ausgelöst. -        Calvin stirbt 1564, zwei Jahre vor N.  

 

 

Ganz Spanien von Nordafrika aus besetzt

   05/14   Saturne & Mars en leo Espagne captifue,    
                Par chef lybique au conflict attrapé,  
                Proche de Malthe, Heredde prinse viue,  
                Et Romain sceptre sera par coq frappé. (1568)    

                Saturn und Mars im Löwen, (dann ist) Spanien besetzt,

                durch (ein) libysches Oberhaupt im Konflikt überlistet.

                Nahe bei Malta, (die) Erbin (?) gefangen, lebend,

                und römisches Zepter wird vom Hahn geschlagen werden.

                   2) Mittelfrz. (Gr) v. attraper anlocken (attirer), täuschen (tromper).  

                   3) Lat. n.f./m. heres Erbin, Erbe, n.f. hereditas Erbschaft.    
   
Das islamische Emirat von Granada fällt 1492 an die spanische Krone, die letzten Mauren werden 1609 aus dem Land getrieben.  Seither sind sie nicht zurückgekehrt, jedenfalls nicht als Eroberer. Doch hier wird Spanien noch einmal erobert, von Nordafrika (Libyen)  aus, b e g i n n e n d  nach dem Kometensturz, 5/59.       

 

Konstellationsangaben beziehen sich bei N. auf die sichtbaren Sternbilder, 1/51.  Das ist vorteilhaft, weil Verschiebungen des Fixsternhimmels, 3/36, nach der "großen Versetzung", VH (18), dann egal sind.  An den Bahnen der Wandelsterne vor dem Fixsternhintergrund ändert sich nichts, wenn die Erde eine andere Lage auf ihrer Bahnebene einnimmt.  Das Sternbild Löwe liegt in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts bei 138 bis 172 Grad ekliptikaler Länge.  Dort kommen Saturn und Mars das nächste Mal vorbei von Juli bis September 2036 und im Juli/August 2038.  Dann ist die "Rück-eroberung Spaniens durch Muslime", VH (27), komplett und  b e e n d e t, Vz 1.  Aber lange können sie sich wohl nicht halten, ihr Reich soll  v o r  2045 wieder zusammenbrechen, 3/97. 

        
Einer der Lilienbrüder, das sind Nachfahren der Bourbonen, wird libysches Volk jagen, 5/13, und einmal das Römerland besitzen, 5/50.

Ergriffen der große Pontifex

   05/15  ​ En nauigant captif prins grand pontife,   
                Grans apretz faillir les clercz tumultuez:  
                Second esleu absent son bien debife, 
                Son fauory bastard à mort tue. (1568)    

                Beim Lenken des Schiffs gefangen, ergriffen (der) große Pontifex.

                Große Vorbereitungen schlagen fehl, die Geistlichen in Aufruhr.

                Zweiter gewählt.  Abwesender, sein gutes Recht ausradiert.

                Sein Günstling, (ein) Bastard, stirbt, wird tödlich ruiniert.
   
                   3) Die Syntax der Vz ist mehrdeutig, d.h. es sind auch andere Übersetzungen möglich.  

                   V. debiffer ausstreichen, für ungültig erklären, wie in 5/56.    
   
Dem Papst wird gemeldet, man habe da einen Mann angetroffen (trouvé, 1/95), der sich verdächtig so benehme, als sei Christus noch einmal auf Erden erschienen.  Er lässt ihn tatsächlich >an Bord< und ist ergriffen vom Charisma dieses Mannes.  Dieser "Zweite" wird  dann "gewählt", d.h. seine Erwählung durch Gott ihm bestätigt, 10/91.  Und der Papst ist dann nur noch, aber immerhin noch "Günstling" des Neuen.

 

In Wahrheit ist Christus bei der Begegnung der Kirchenführung mit dem neuen Charismatiker "abwesend".  Der letzte Papst leitet sein Recht nicht mehr nur von Christus her, den er vor sich zu haben glaubt, sondern auch von dem neuen Messiasprätendenten.  Damit hat er aus der Perspektive des Sehers eine hybride Legitimation, ist in diesem Sinn ein >Bastard<.         

 

Am Ende sind die Geistlichen in Aufruhr, weil der "Abwesende" gar nichts mehr gelten soll, was den Günstling des Neuen "tödlich ruiniert".   ​

Katholiken fühlen sich bedroht von inneren und äußeren Feinden (16. Jahrhundert)

   05/16   A son hault pris plus la lerme sabee,    
                D'humaine chair par mort en cendre mettre,    
                A l'isle Pharos par croisars perturbee,  
                Alors q'a Rodes paroistra dur espectre. (1568)    

                Bei ihrem hohen Preis ist die sabäische Träne nicht mehr,

                Menschenfleisch wird beim Tod zu Asche verbrannt.

                Bei der Insel Pharos (wird sie) durch Piraten (?) gestört,

                während bei Rhodos ein hartes Schreckgespenst erscheint.
   
                   3) Das Wort croisar gibt es so nicht.  N.m. corsaire Pirat, n.f. croisade Kreuzzug.  

                   Mittelfrz. (Go) n.m. croisage Tribut, den man dem Feind zahlt.    
                   4) N.m. spectre Erscheinung eines Toten (fantôme, revenant); etwas sehr

                   Bedrohliches: le spectre de la famine, de la guerre (großer Larousse).    
   
Im Süden der arabischen Halbinsel, wo es ein Königreich Saba gab, wird aus dem flüssigen Harz eines Baumes der Weihrauch gewonnen, den das katholische Abendland im Gottesdienst verwendet. Im nüchternen protestantischen Gottesdienst wird auf den Weihrauch weniger Wert gelegt.  Das Sinken des Weihrauchpreises bedeutet den Aufstieg der Protestanten.  Feuerbestattungen werde es geben, weil >die Ketzer< nicht mehr an die leibliche Auferstehung glaubten  -  eine haltlose Verleumdung, denn am Auferstehungsglauben rütteln die Protestanten nicht.  

 

Je uneiniger das Abendland, desto bedrohlicher seien die Türken (Schreckgespenst).  Im selben Jahr 1517, in dem Luther seine Thesen anschlägt, wird Ägypten (Pharos) den Osmanen tributpflichtig, 7/13, auch der äußere Feind erstarkt.  1522 werden die Johanniter von Rhodos vertrieben.  1566 wird Chios, 1571 Zypern türkisch.  Einhalt erst bei Lepanto, 9/30.  >Die Religion< ist in der Defensive, hat innere und äußere Feinde.    

Große Armee zieht über die Alpen, vertreibt den großen Toskaner

   05/20   Dela les Alpes grand armée passera,    
                 Vn peu deuant naistra monstre vapin:    
                 Prodigieux & subit tournera,    
                 Le grand Tosquan à son lieu plus propin. (1568)    

                 Über die Alpen hinaus wird (die) große Armee ziehen,

                 kurz vorher wird das rauchende Untier erscheinen.

                 Erstaunlich(erweise) und plötzlich wird sich umdrehen

                 der große Toskaner, hin zu einem näheren Ort.
   
                     1) Mittelfrz. (Gr) ist delà nicht nur Adverb, sondern kann auch Präposition

                     sein: jenseits von ..., über ... hinaus (au-delà de).    
                     2) Mittelfrz. (Gr) n.f. vapeur auch: Rauch (fumée).  

                     Lat. Adj. propinquus benachbart.  Adj. propice gnädig, günstig.    
   
1)3)4) Im Frühjahr 1800 führt der Erste Konsul Bonaparte die französische Hauptstreitmacht (grande armee) über die Alpenpässe Kleiner und Großer St. Bernhard sowie über den St. Gotthard und dringt vor in die oberitalienische Ebene, 4/37.   Nach Siegen gegen die Österreicher bei Marengo und Hohenlinden muss Ferdinand III., Großherzog von Toskana, im Februar 1801 auf sein Land verzichten (Frieden von Lunéville).  Er wird dann Kurfürst von Salzburg, ein den habsburgischen Stammlanden näherer Ort.     


2) Im rauchenden Untier wird meist die Dampfmaschine erkannt, die Ende der 1780er Jahre erstmals in industriellem Umfang eingesetzt wird (in Großbritannien).  Der Wortlaut lässt diese Deutung zu, aber Nationalökonomie zählt nicht zu Nostradamus' Hauptinteressen.  Das rauchende Untier ist der Drache als Bild für die widergöttliche Macht.  Sie hat in N.s Schau die Revolution inspiriert, indem sie die Franzosen von dem Gehorsam in weltlichen Dingen ihrem Fürsten gegenüber abgewendet hat, den sie ihm auch von Gott her schulden, Mt 22,15-22, Römerbrief Kap.13.  Die zwölf Jahre von 1789 bis 1801 sind für N. "kurz", wie die Jahre 1933-45, 1/12.    

Der Vatikan hat die Kriegstreiber unterstützt

   05/21   Par le trespas du monarque latin,  
                Ceux qu'il aura par regne secouruz:    
                Le feu luyra, diuisé le butin,  
                La mort publique aux hardis incoruz. (1568)    

                Beim Hinscheiden des lateinischen Monarchen

                (zündeln) jene, die er durch seine Politik unterstützt haben wird.

                Das Feuer wird aufflammen, geteilt die Beute.

                Den öffentlichen Tod (erleiden) die dreisten Verbrecher.
   
                   1)2) Die erste Vershälfte hat kein Prädikat.  Die Interpolation "zündeln" ergibt

                   sich aus dem Feuer, das gleich anschließend aufflammt.    
                   4) Mittelfrz. (Gr) v. encourir sich etw. zuziehen, erleiden, namentlich Vorwürfe,

                   Strafen (s'exposer à).  Modernes v. encourir qc. sich fatalen Folgen aussetzen

                   (s'exposer à qc. de fâcheux) (Großer Larousse).

                   Mittelfrz. (Gr) Adj. hardi kühn (hardi), aber auch abwertend: keck, dreist (audace).    
   
1) Papst Pius XI., Staatsoberhaupt des einzigen Staates mit der Amtssprache Latein (Vatikanstaat), stirbt im Februar 1939.

    
2)3) Im März 1939 marschiert die deutsche Reichswehr in die >Rest-Tschechei< ein, im April '39 annektiert Italien Albanien;  die Kriegstreiber zündeln.  Der Brand lodert auf am 1.9.1939;  erste "Beute" ist Polen, das sich Deutschland mit der Sowjet-Union teilt, gemäß dem geheimen Zusatz-protokoll zum Hitler-Stalin-Pakt.  

 

Schon vorher habe der Vatikan die faschistischen Regime in Italien und Deutschland "unterstützt". Papst Pius XI. und sein Staatssekretär, der ihm am 2.3.39 als Pius XII. nachfolgt, sehen in Mussolini einen großen Staatsmann.  Der Vatikan versöhnt sich in den Lateranverträgen von 1929 offiziell mit dem faschistisch beherrschten Italien.  Durch das Konkordat mit dem Deutschen Reich (5.7.1933) wird Hitlers Regime im Innern und international aufgewertet.  Näheres im historischen Kapitel.    


4) Die Führer der Angriffskriege kommen nicht mit dem Leben davon.  In Mailand wird am 29. April 1945 die Leiche Mussolinis öffentlich zur Schau gestellt, nachdem er tags zuvor von Widerständlern erschossen wurde, 6/31.  Nachdem sich Hitler am 30.4.1945 selbst tötete, wird im Radio mitgeteilt, dass >der Führer, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist<. 

Die Landung auf Sizilien beendet die Achse Berlin - Rom

   05/23   Les deux contens seront vnis ensemble  
                Quant la pluspart à Mars seront conioinct:    
                Le grand d'Affrique en effraieur & en tremble:  
                DUUMVIRAT par la classe desoinct. (1568)  

                Die beiden Kämpfer sind miteiander vereint,

                wenn die Meisten im Krieg miteinander verbunden sind.

                Der Große von Afrika in Furcht und Zittern,

                großer Zweimännerbund durch die Flotte getrennt.
   
                  1) Mittelfrz. (Gr)  v. contendre kämpfen, streiten (combattre).  

                   "Zwei Zufriedene" passen nicht in den Deutungskontext.    
                   4) Duumviri heißen im antiken Rom öffentliche Ämter, die doppelt besetzt werden.    

   
Mussolini träumt vom impero, dem Weltreich der antiken Vorfahren.  Das Mittelmeer ist mare nostro, und Kolonien in Afrika gehören auch zum antiken Vorbild.  1931-36 werden Libyen und Abessinien erobert (Großer von Afrika).  Der einzige Staatsmann, der ihm dafür Beifall spendet, ist Hitler, sich mit ihm zu verbünden, folgerichtig.  Sie schließen 1936 die Achse, 5/29, hier Zweimännerbund genannt. 

 

Im Krieg haben die Achsenmächte Deutschland und Italien wenige Verbündete (Japan, Südost-europa).  Die Alliierten der Koalition sind 1939 nur Polen, Großbritannien und Frankreich, aber ab 1941 auch die Sowjet-Union und die USA (die Meisten).  Als Amerikaner und Briten ab dem 10. Juli 1943 auf Sizilien landen, wird Mussolini zwei Wochen später abgesetzt, 6/31.  Die Erfolge der alliierten Flotte bewirken das Ende der Achse Berlin-Rom, 5/29.

 

 

Das Gesetz der Sonne erleidet Schlimmstes durch die vom Saturn 

   05/24   Le regne & loy soubz Venus esleué,    
                Saturne aura sus Iupiter empire:    
                La loy & regne par le Soleil leué,    
                Par Saturnins endurera le pire. (1568) 
   

                Die Herrschaft und das Gesetz unter Venus aufgestiegen,

                Saturn wird über Jupiter seine Herrschaft besitzen.

                Gesetz und Herrschaft durch die Sonne (wird) aufgehoben.

                Durch die vom Saturn wird es das Schlimmste erdulden.
   
                   3) V. lever 1. emporheben, aufrichten 2. wegschaffen, wegnehmen, aufheben (Gesetz, Urteil).  

                   Im Kontext (Vz 4) passt hier nur die 2. Bedeutung.    
                   3) par le soleil ist 1. complément d'agens zu lever oder 2. complément déterminatif

                   zu loy & regne.  Im Kontext macht nur die zweite Möglichkeit Sinn.    
   
Das "gemeinsame Gesetz", das alle Staaten und Glaubensgemeinschaften willkommen heißt, 4/32, heißt hier "Gesetz und Herrschaft unter Venus", der Liebesgöttin, die alle beglücken will.  Gemeint ist die >Weltfriedensordnung<, die nach Krieg und Kataklysmus errichtet werden soll.  Im sagenhaften Goldenen Zeitalter des Friedens mit den Göttern regiert Saturn/Kronos, und Jupiter/Zeus ist noch ein Kind.  Erwachsen geworden, entmachtet er Saturn.  Im Namen des Weltfriedens wird dann das >Gesetz der Sonne<, d.h. die christliche Religion ''aufgehoben".  Die Machthaber des globalen Regimes, die dann immer noch im Namen des imaginären Weltfriedens auftreten und alles Recht auf ihrer Seite wähnen, nennt N. "die vom Saturn" (Saturnins).  

 

"Freiheit nicht wiedererlangt":  Das Diktat der Siegermächte

                                wird abgelöst durch die Diktatur Hitlers

   05/29   La liberté ne sera recouréee,
                L'occupera noir fier, vilain inique:
                Quand la matiere du pont sera ouurée, 
                D'Hister, Venise faschee la republique. (1568)  

                Die Freiheit wird nicht wieder erlangt werden,

                es wird sie an sich reißen (ein) finsterer König, hochmütig, niederträchtig, ungerecht.

                Wenn die Sache der Brücke eröffnet ist,

                (wird) die Republik wegen Hitler, Venedig erzürnt (sein).
   
                   2) Noir  (---> Roi(n)) kann einen finsteren König bedeuten.   Mittelfrz. (Gr) Adj. vilain

                   auch:  niederträchtig (ignoble), bösartig (méchant).    
                   3) N.m. pont  Brücke, Deck (von Schiffen), Achse (von Fahrzeugen).    

   
Vz 1/2 [Freiheit nicht wiedererlangt]  Gegen das Diktat der Siegermächte von Versailles (1919) fordert Hitler das Recht Deutschlands auf eine Armee ein.  Angetreten ist er, das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen und in diesem Sinn ihre Freiheit wieder herzustellen.  An die Macht gekommen, errichtet er dann aber 1933ff selbst eine Diktatur.  So gesehen, erlangen die Deutschen "die Freiheit nicht wieder".

   

Vz 2 [hochmütig/ niederträchtig/ ungerecht] In Hitlers Wahn von der >arischen Herrenrasse<, denen >die nicht-arischen Rassen< als angeblich minderwertig gegenüber gestellt werden, zeigen sich Hochmut und Niedertracht als zwei Seiten derselben ungerechten Medaille.    


Vz 3/4 [Sache der Brücke/ Venedig]  Im Oktober 1936 verbündet sich Hitler (---> Hister) in Venedig mit Mussolini;  das Bündnis wird öffentlich "Achse Berlin - Rom" genannt.    
 

Vz 4 [Republik erzürnt]  "Erzürnt" darüber ist die französische Republik, die ihre Beziehungen zu Italien einfriert und die mit Großbritannien verstärkt.

    

Belagerung von Paris, großer Beutezug in Rom

   05/30   Tout à l'entour de la grande cité,    
                 Seront soldatz logez par champs & villes  
                 Donner l'assaut Paris, Rome incité,    
                 Sur le pont lors sera faicte grand pille. (1568) 

                 In der ganzen Umgebung der großen Stadt

                 werden Soldaten lagern auf Feldern und in Städten.

                 Sie veranstalten den Angriff auf Paris, Rom (ist) aufgewiegelt.

                 Auf der Brücke wird dann ein großer Beutezug stattfinden.
   
1)2) Nach der Schlacht bei Sedan Anfang September 1870 und dem Fall des belagerten Metz Ende Oktober dringen deutsche Truppen vor und erreichen bald die Umgebung von Paris, das belagert und angegriffen wird und im Januar 1871 in deutsche Hand fällt.      


3)4) Im September 1870 sind die Römer "aufgewiegelt", denn es vollzieht sich eine Revolution.  Dem Papst wird die Souveränität über den Kirchenstaat aberkannt, die Italiener nehmen ihm seinen Staat weg  -  das nennt N. einen "großen Beutezug".  Er ist der >Kapitän auf der Brücke< des >Schiffes<, als welche seine Kirche hier verdeckt angesprochen wird (---> nef).  Dieses >Fischerboot<, 1/04, verliert mit dem Kirchenstaat seinen großen >Stützpunkt an Land<, es verbleibt ihm nur ein kleines Areal in Rom als >Ankerplatz<.    


1) bis 4) Die Vorgänge beider Vershälften fallen in dieselbe Zeit und hängen militärisch zusammen. Der Griff der Italiener nach dem Kirchenstaat wird dadurch ermöglicht, dass die französische Garnison aus Rom abzieht, weil die Truppen wegen des Krieges gegen die Staaten des Norddeutschen Bundes mit dessen süddeutschen Verbündeten in der Heimat benötigt werden.    

>Haupt der Weisheit< in Amerika 

   05/31   Par terre Attique chef de la sapience,    
                Qui de present est la rose du monde:    
                Pont ruiné & sa grand preeminence,  
                Sera subditte & naufrage des vndes. (1568)    

                Durch attisches Land (kommt das) Haupt der Weisheit,

                das vom Anwesenden ist, die Rose der Welt.

                Brücke zerstört, und ihr großer Vorrang

                wird unterworfen sein, und Schiffbruch in den Wogen.
   
                   1) Es fehlt ein Prädikat: Er "kommt durch" oder "herrscht über" attisches Land.  

                   2) In Vz 2 beziehen sich beide Genitive auf "la rose".     
                   2) Mittelfrz. (Gr de) de present gegenwärtig (actuellement).  

                   Lat. v. subdare, subdidi, subditus darunterlegen, hinabsenken, unterwerfen.    
   
1)2) Der >neue Weise mit einzigartigem Hirn<, 4/31, heißt hier "Haupt der Weisheit".  Die Rose ist in den Allegorien der Alchemisten Symbol höchster Weisheit, ihre Röte und ihre Dornen wurden mit dem Martyrium Christi in Verbindung gebracht.  Das "Haupt der Weisheit" gilt als >mit Christus geistig engstens verwandt<, 1/58, 1/95.  Durch ihn sei Christus auf Erden >wieder anwesend<.  Auf dem Weg zum Ausbau seiner Macht kommt er auch in die USA, wo ihm Beifall, Feier und Andacht zuteil werden, 8/74.  Die USA sind >attisches Land<, weil sie die moderne Heimat der Demokratie sind, die sich in Stadtstaaten des antiken Griechenlands erstmals durchsetzte. 


3)4) Am Ende wird >das Fischerboot<, 1/04, die katholische Kirche, >Schiffbruch< erleiden.  Die >Brücke< dieses Schiffes, der Kommandostand, ist unterworfen und zerstört.  "Wie du es mit anderen getrieben hast, so sollen sie es nun treiben mit dir" (Lorber, Himmelsgaben Band 2, S.197).

 

   

Ungehöriges Leben, unbekümmertes Regieren,

                                                      und am Ende >versagt das salische Gesetz<

   05/38   Ce grand monarque qu'au mort succedera    
                Donnera vie illicite & lubrique,     
                Par nonchalance à tous concedera,   
                Qu'à la parfin faudra la loy Salique. (1568)    

                Dieser große Monarch, der dem Toten nachfolgt,

                wird sich hingeben einem ungehörigen und unzüchtigen Leben.

                Aus Unbekümmertheit wird er allen  Zugeständnisse machen,

                bis am Ende das Salische Gesetz versagt.
   
                   4) Mittelfrz. (Gr) n.f. parfin Ende (fin).   Mittelfrz. (Gr) v. falloir auch:  fehlen, versagen (manquer).    
   
Größe ist bei N. wahrgenommene Größe, d.h. sie spiegelt die zeitgenössische Wertung, Exkurs (5). König Ludwig XV. übernimmt 1723 die Regierung und ist bis zu seinem Tod 1774 unbestrittener König, ein mächtiger Mann.       

 

Die "Unbekümmertheit" Ludwigs zeigt sich darin, dass im Jahrhundert der Aufklärung die nötigen Reformen, besonders bei der Besteuerung, versäumt werden.  Bis zu 70 % des Aufkommens wird von den Bauern getragen, während der Adel seine Befreiung von der Grundsteuer verteidigen kann und der Klerus nur freiwillige Abgaben leistet.       

 

Das Salische Gesetz besagt in Frankreich seit 1328, dass für die Thronfolge nur die männliche Linie in Frage kommt.  Das Erbfolgegesetz steht hier aber für das französische Königtum schlechthin (pars pro toto).  Das Versagen des Salischen Gesetzes bedeutet den Bankrott des Königtums, durch das auch alle Regeln des Erbgangs gegenstandslos werden.  N. macht die Fehler der Regierung Ludwigs XV. verantwortlich für die fünfzehn Jahre nach seinem Tod ausbrechende Revolution.  Der politische Einfluss seiner Mätressen schadet dem Ansehen des Königtums.  Ludwig XV. ist sich der Notwendig-keit von Reformen bewusst, greift aber zu spät und zu zaghaft durch (Hartmann [1994] S.270).  Ein riesiger Schuldenberg wird angehäuft, den er seinem Nachfolger hinterlässt.  Das Ancien Régime bezahlt dafür am Ende mit seiner Existenz, und der Nachfolger mit dem Leben.  

 

Der König von Italien hat eine Valois im Stammbaum,

                                                 Florenz wird provisorische Hauptstadt

   05/39   Du vray rameau de fleur de lys issu    
                 Mis & logé heritier d'Hetrurie:    
                 Son sang antique de longue main tissu,    
                 Fera Florence florir en l'armoirie. (1568)    

                 Aus dem wahren Zweig der Lilienblume entsprossen,

                 (wird er) eingesetzt und aufgenommen als Erbe Etruriens.

                 Sein uraltes Geblüt, von langer Hand ausgeheckt,

                 wird Florenz unter dem Wappen erblühen lassen.
   
Henri d' Artois (1820-83), Graf von Chambord, beansprucht sein Leben lang den Thron Frankreichs, hat ihn aber nie bekommen, bleibt ein reicher Landadliger.  N. interessiert sich aber nur für die "Großen". 

    
1)2) Viktor Emanuel von Sardinien-Piemont wird 1861 zum König von Italien ausgerufen.  Das Großherzogtum Toskana auf dem Gebiet  des antiken Etrurien schließt sich 1860 an Piemont an und gehört daher ab 1861 zum neuen Königreich Italien, 5/03.  Florenz ist 1865-70 dessen provisorische Hauptstadt.  Unter dem Wappen eines Königs "erblüht" Florenz für den Anhänger der Monarchie.    


3) Nach dem Wiener Kongress (1815), auf dem Italien nur als Verfügungsmasse behandelt wird und als Nation gar nicht zählt, beginnt die Bewegung für die >Wiedergeburt< Italiens als Nation, ist also fast 50 Jahre alt, als sie ihr Ziel zu erreichen anfängt.

 

3)4) Zu Viktor Emanuels Vorfahren gehört das französische Königshaus der Valois, die die Lilie im Wappen führen.  Er hat die Königstochter Marguerite de Valois (1523-74) im Stammbaum, 5/03.  Sie ist Tochter des Königs Francois I., Schwester von König Henri II. von Frankreich.

   

Geburt des Henri Cinq

   05/41   Nay soubz les vmbres & iournee nocturne  
                Sera en regne & bonté souueraine:    
                Fera renaistre son sang de l'antique vrne,    
                Renouuelant siecle d'or pour l'aerain. (1568)   

                Geboren unter Schatten und an nächtlichem Tag,

                gelangt er zur Herrschaft und souveräner Güte.

                Er wird sein Geblüt aus der antiken Urne wieder erstehen lassen

                und das Goldene Zeitalter erneuern statt des Eisernen.


Das Wiederaufleben eines Geblüts "aus der Urne" bedeutet wie in 10/72, dass Frankreich wieder ein König erwächst, nachdem 1792 >der König begraben< wurde.  "Antik" ist das begrabene Königs-geschlecht, weil die Bourbonen (bis 1848) ihren Stammbaum auf einen Trojaner zurückführten, 5/74.  

 

Hier geht es um die Geburt des späteren Herrschers, die sich vollzieht "im Schatten" und an "nächtlichem Tag".   Davon handelt auch 10/72, der explizit vom Juli 1999 spricht.  Am 11.8.1999 gibt es in Europa eine totale Sonnenfinsternis.  Nach dem julianischen Kalender, den N. zugrundelegt, VH (33), findet diese Sonnenfinsternis am 30.7.1999 statt (wikip. Umrechnung zwischen julianischem Datum und gregorianischem Kalender).  Dieser Mann erregt Schrecken bei seinen Feinden, 5/74, kann aber dann als ''friedenschaffender Kaiser", 5/06, lange in Frieden herrschen, 4/97.  Der Krieg (Eisen) ist dann "versenkt in sein Verlies", 10/42.  

 

Savoyen zieht sich aus Italien zurück, Österreich wird konstitutionell

   05/42   Mars esleué en son plus haut befroy,    
                 Fera retraire les Allobrox de France:    
                 La gent Lombarde fera si grand effroy, 
                 A ceux de l'Aigle comprins soubz la balance. (1568)

                 Krieg, angestiegen zu höchstem Alarm,

                 wird die Allobroger Frankreichs sich zurückziehen lassen.

                 Das lombardische Volk wird sehr großen Schrecken bringen

                 denen vom Adler, zusammengefasst unter dem Gleichgewicht.
   
1)2) Die drei italienischen Unabhängigkeitskriege fallen in die Zeit 1848-70.  Die meisten Schlachten gibt es im Jahr 1859, als Piemontese und Lombarden, unterstützt von Frankreich, Siege gegen die Österreicher (Adler) davontragen, 8/12.  Schon 1858 hat Sardinien-Piemont den Franzosen als Lohn für ihre Kriegsteilnahme auf italienischer Seite Savoyen versprochen, ein Versprechen, das 1860 erfüllt wird, 7/31.  Die keltischen Allobroger siedelten in Gebieten, zu denen neuzeitlich Savoyen gehört;  gemeint sind also die Savoyarden.  Von Italien, dem Schauplatz des Verses aus gesehen, >ziehen sie sich zurück<, weil sie nach 1860 zu Frankreich gehören.    


3)4) Der kaiserliche Adler ist Signum völkerübergreifender Reiche wie dem der Habsburger.  Unter dem Sinnbild der >Gleichgewicht anzeigenden Waage< erfasst N. die Einschränkung der Königs-herrschaft durch Konstitutionen, die die Ansprüche des Volkes oder führender Schichten auf Teilhabe an der Herrschaft verbriefen (---> balance).  Die Niederlagen Österreichs gegen die Italiener 1859 und gegen Preußen 1866 haben Konsequenzen für das Herrschaftsgefüge im Innern.  Im Februar 1867 kommt ein Österreichisch-Ungarischer Ausgleich zustande.  Die kaiserliche und königliche Doppelmonarchie entsteht;  dann ergeht die Dezemberverfassung von 1867.    

Großbritannien und Frankreich stemmen sich gegen die deutsche Expansion

   05/51   La gent de Dace, d'Angleterre & Polonne  
                Et de Boesme feront nouvelle ligue:  
                Pour passer outre d'Hercules la colonne,  
                Barcins, Tyrrens dresser cruelle brigue. (1568)   

                Das Volk von Rumänien, von England und Polen

                und von Böhmen werden ein neues Bündnis bilden.

                Um über die Säulen des Herkules hinaus vorzudringen,

                werden Katalanen und Italiener grausame Vorstöße machen.
   
1)2) Die Bemühungen von Großbritannien und Frankreichs um die Erhaltung des Friedens führen im Herbst 1938 zum Münchner Abkommen, in dem sich Hitler verpflichtet, mit den sudetendeutschen Randgebieten der Tschechoslowakischen Republik zufrieden zu sein.  Am Abend des 27.9. diktiert  er einen Brief an Chamberlain, in dem er eine förmliche Garantie für die Existenz der Tschechoslowakei zusichert, die aber nicht Teil des Abkommens wird.  Großbritannien und Frankreich bemühen sich stark um die Erhaltung der Tschechoslowakischen Republik.  Darin kann man ein Bündnis sehen (formell nur mit Frankreich).  Als dann ab dem 15.3.39 deutsche Truppen >die Rest-Tschechei erledigen< (Hitlers Worte), sprechen Großbritannien und Frankreich Grenzgarantien für Polen und Rumänien aus, um Hitlers Expansion zu stoppen.  Man mag einwenden, dass Grenzgarantien kein Bündnis seien. 


3)4) Italien unterstützt ab Juli 1936 die spanischen Putschisten substanziell.  Es beteiligt sich an der Luftbrücke von Marokko nach Spanien und vertreibt republikanische Schiffe aus der Straße von Gibraltar.  Italienische Schiffe greifen Schiffe mit Kriegsmaterial für die Republik an, bombardieren im März 1938 u.a. Barcelona, 6/64.    

Die christliche Religion rivalisiert mit der Ideologie der >Weltfriedensordnung< 

   05/53   La loy du Sol, & Venus contendens,  
                Appropriant l'esprit de prophetie:  
                Ne l'vn ne l'autre ne seront entendens,  
                Par Sol tiendra la loy du grand Messie. (1568)   

                Das Gesetz der Sonne und (das der) Venus rivalisieren,

                indem sie für sich beanspruchen den Geist der Prophetie.

                Weder das eine noch das andere (Gesetz) wird (ihn) begriffen haben.

                Durch Sonne wird Bestand haben das Gesetz des großen Messias.
   
                   1) Die Ausgabe P. Rigaud (1558) hat contendus und entendus.    
                   1) Mittelfrz. (Gr) v. contendre sich streiten (se disputer), kämpfen (combattre),

                   rivalisieren (rivaliser), streitig machen (contester).    
                   2) V. approprier sich zu eigen machen, meist pejorativ: sich unrechtmäßig

                   zu eigen machen, usurpieren, fremdes Eigentum beanspruchen.    
   
Das >Gesetz der Sonne< ist die christliche Religion (---> sol, ---> loy).  Das >Gesetz der Venus< ist jede rein weltliche Ideologie im Allgemeinen, und speziell die Ideologie der >Weltfriedensordnung<, die nach dem Kataklysmus errichtet werden soll (---> Venus).  Nach dem Kataklysmus wird Prophetie, so scheint es hier, ernstlich gefragt sein, denn man streitet um ihr Verständnis.  Vertreter des Regimes deuten sie als Bestätigung der aktuellen Bemühungen um den Weltfrieden.           
 

Viele christliche Kleriker werden meinen, die Verheißung der Wiederkunft Christi habe sich bereits erfüllt, 1/95.  Der >wiedergekommene Heiland< werde nun sein Friedensreich errichten, tatkräftig unterstützt durch die ihm ergebenen Kirchen.  Auch die Erbauer der neuen großen Friedensordnung werden das verheißene Friedensreich auf ihre Gegenwart beziehen.  Da aber das Gottesreich nicht von dieser Welt ist, Joh 18,36, liegen alle falsch, die darin ein weltliches Reich, eine politische Ordnung oder eine bestimmte Glaubensgemeinschaft erkennen wollen.  

 

Der wahre Mittler zwischen Gott und den Menschen (Messias) ging vor 2000 Jahren im Fleisch über die Erde, und ist im Geist "bei uns bis zum Ende der Welt", Mt 28,20.  Sein Evangelium hat Bestand durch Gottvater (---> sol).  Auf der neuen Erde, nach der Scheidung der Geister, kann er sein Friedensreich in den Herzen der Menschen und von daher auch in der Welt errichten.

    

Islamische Invasion Südeuropas

   05/55   De la felice Arabie contrade,  
                Naistra puissant de loy Mahometique:    
                Vexer l'Espaigne conquester la Grenade,    
                Et plus par mer à la gent lygustique. (1568)    

                Aus der Gegend des glücklichen Arabiens 

                wird erscheinen ein Mächtiger des mohammedanischen Gesetzes.
                Sie suchen Spanien heim, erobern Granada
                und mehr noch über's Meer das ligurische Volk.

   
1)2) Arabia felix heißt in der römischen Antike eine Region im Süden der arabischen Halbinsel, heute Jemen und angrenzende Gebiete.  Es kann Osama bin Laden gemeint sein, der väterlicherseits aus dem Jemen stammt, mütterlicherseits aus Saudi-Arabien.  Er erlebt 1991, dass seine Heimat in den ersten Irakkrieg 1990/91, 1/55, verwickelt ist und wird Anführer einer Terrororganisation, deren Taten sich in 1/56 und 6/97 spiegeln.  Im Jahr 2011 von Soldaten der USA außergerichtlich getötet, ist er heute (2020) Ikone einer militant islamistischen, den militanten Dschihad auf die Fahnen schreibenden Gesinnung, die noch genauso virulent ist wie zu seiner Zeit. 

     
3)4) Dass es noch einmal zu einem Ansturm von Muslimen auf Spanien kommen wird, ist mehrfach belegt, 5/14, VH (27).  Das gilt auch für den Ansturm auf Ligurien, 2/04, 2/29, 4/68.  Damit geht es aber erst nach dem Kometensturz los, 5/59, oder kurz davor, 5/27.    

 

Der Heilige Stuhl verliert an Ansehen

   05/56   Par le trespas du tresueillart pontife,    
                Sera esleu Romain de bon aage:    
                Qu'il sera dict que le siege debiffe,  
                Et long tiendra & de picquant ouraige. (1568)    

                Durch das Hinscheiden des sehr greisen Pontifex

                wird (ein) Römer gewählt werden in gutem Alter.

                Von ihm wird es heißen, der Thron sei geschwächt.

                Und lange wird er ihn innehaben mit hervorstechender Arbeit.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. debiffer schwächen (affaiblir), verschleißen, zermürben (user),

                   (aus)streichen (rayer), aufschürfen, abschürfen (écorcher).    
   
1)2) Nach 1555 werden fünf Römer zum Papst gewählt, aber lange haben nur Paul V. (1605-21) und Pius XII. (1939-58) das Amt inne.  Die beiden Angaben zur Amtsführung passen zu Pius XII.  Der Spross eines römischen Adelsgeschlechts wird an seinem 63. Geburtstag am 2.3.1939 gewählt, nachdem sein Vorgänger Pius XI. mit 82 Jahren gestorben ist, und hat das Amt inne bis 1958.  

 
3)4) In den beiden inhaltlichen Angaben spiegelt sich die Gespaltenheit des Urteils über Pius XII., die selbst zum Kennzeichen seines Pontifikats wird.  Über die Gräuel in den Vernichtungslagern ist der Papst informiert.  Seine Verlautbarungen lassen zwar die Verurteilung erkennen, sind aber diploma-tisch und vorsichtig formuliert.  Viele Betroffene deuten das als ein Schweigen der Kirche angesichts des schreienden Unrechts.  Die moralische Autorität der Kirche sei geschwächt.  Aber N. erkennt kein Versagen, 6/31, und will die Verurteilung des Papstes nicht stehen lassen.  Am Schluss moduliert er nach Dur und hebt er die Arbeit des Papstes an Kirchenrecht und Dogma hervor.

Der geschorene Kopf kommt mit seiner Fuhre nicht durch die Tür

   05/60   Par teste rase viendra bien mal eslire,   
                 Plus que sa charge ne porte passera:    
                 Si grand fureur & raige fera dire,    
                 Qu'a feu & sang tout sexe trenchera. (1568)    

                 Mit (dem) geschorenen Kopf wird (man) ein großes Übel wählen,

                 zu übel, als dass seine Fuhre durch die Tür kommen wird.

                 Ein sehr großes Toben und Wüten wird er vortragen,

                 und wird mit Feuer und Blut beide Geschlechter spalten.
   
                    4) Mittelfrz. (Gr) v. trencher, trancher spalten (fendre), zuschneiden, behauen, schleifen (tailler).    
   
Wegen seines (seit 1799) kurzen Haars ist Napoleon ein "geschorener Kopf", 1/88, 7/13.  Das Plebiszit, mit dem sich der Erste Konsul seine Ambition auf den Kaisertitel 1804 absegnen lässt, ist formell eine Wahl.  Das "Übel" erkennt N. darin, dass ein "inhumaner Tyrann", 10/90, und "Schlächter", 1/60, an die Macht kommt.  Er werde >Damen und Herren<, d.h. Fürsten und ihre Völker (---> dame) spalten, sie gegeneinander aufbringen.  Denn er setzt (im Ausland) Fürsten ab und lässt Republiken gründen, >exportiert die Revolution<.  

 

Aber 1815 ist dann klar, dass er >mit seiner Fuhre nicht durch die Tür kommt<, denn er ist am Ende ein Gescheiterter.  Sein Traum vom Grand Empire und von der Begründung einer napoleonischen Dynastie, 2/11, ist 1815 zerstoben.    

Das Kind eines großen Volkes erschüttert Briten, Spanier und einen greisen Berg

   05/61   L'enfant du grand n'estant à sa naissance,    
                Subiugera les haultz monts Apennis:    
                Fera trembler tous, ceux de la balance    
                Et des monts feux iusques à mont Senis. (1568)    

                Das Kind des Großen, nicht von seiner Geburt an (Großen),

                wird die hohen Berge des Apennin unterwerfen.

                Es wird erbeben lassen all die vom Gleichgewicht

                und (die) von den Feuerbergen bis zum Greisen Berg.
   
                   1) "grand peuple" passte nicht ins Versmaß.  

                   4) Das Adj. sénile > lat. Adj. senilis hier reimbedingt verkürzt und nicht zufällig groß geschrieben.    
   
1) Fürstenkinder sind nie von Geburt an, frühestens ab der Volljährigkeit groß im Sinne von mächtig; eine einzelne Person ist "der Große" nicht.  In seinem Selbstverständnis ist das französische Volk seit 1789 groß im Sinne von großartig, weil es eine Revolution erfolgreich gegen alle Widerstände durch-gesetzt hat.  Als ein Kind dieses Volkes 1769 geboren wird, ist das französische Volk noch nicht groß im angegebenen Sinn (---> enfant).  

 
2) Italien ist das Land, das den General Bonaparte als erstes zu spüren bekommt, 7/30.  Die "hohen Berge des Apennin" werden 1796ff unterworfen.  Aber wieso Berge?  Täler und Ebenen etwa nicht? >Berge< stehen hier als Sinnbild für Fürstentümer, hierarchisch geordnet mit dem Fürsten an der Spitze, im Mittelalter als Lehenspyramiden konzipiert (---> mont).  Napoleon unterwirft viele italieni-sche Fürstentümer, 4/37, 1/75, 5/20.    


3) Er ist im Ausland gefürchtet wegen seiner militärischen Erfolge, 2/11, ab 1799 dann auch in Frank-reich, 7/11.  "Die vom Gleichgewicht" leben in einer konstitutionellen Monarchie (---> balance).  Gemeint ist Großbritannien, das seit 1806 mit Handelskrieg überzogen wird.  

 
4) Auch das über 800 Jahre alte Kaiserreich wird erschüttert;  dieser >Greise Berg< stürzt sogar, im selben Jahr 1806, 5/01.  Die hinter den >Feuerbergen<, den Pyrenäen (griechisch pyr = Feuer), die Spanier also erleiden durch Napoleons imperiale Politik 1808-14 Krieg und Guerilla.  

 

 

Alliierte nahe Rom gelandet, Papst verurteilt Attentat

   05/63   De vaine emprise l'honneur indue plaincte    
                Galiotz errans par latins froit, faim, vagues    
                Non loing du Tymbre de sang la terre taincte    
                Et sur humains seront diuerses plagues. (1568)    

 

                Die Ehre der sinnlosen Heldentat (wird als) ungebührlich beklagt.

                Boote irren durch lateinische (Gewässer), Kälte, Hunger, Wellen.

                Nicht weit vom Tiber die Erde mit Blut getränkt.

                Und über die Menschen kommen verschiedene Geißeln.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. emprise auch: Heldentat (prouesse).  

                   4) Mittellat. (Niermeyer) n.f. plaga Geißel, Plage, Strafe Gottes > lat. n.f. plaga Schlag.    
   
1) Rom ist seit September 1943 von deutschen Truppen besetzt, es herrschen "sinnlose und barba-rische Gesetze", 1/08.  Im deutsch besetzten Italien verübt die Resistenza Anschläge, will beitragen zur Befreiung ihrer Heimat von den faschistischen Besatzern ("Heldentat").  Am 23.3.1944 gibt es in Rom das Attentat in der Via Rasella (wikip.), bei dem 33 deutsche Polizisten umkommen.  Der deutsche Feldmarschall befiehlt am Tag darauf das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen (wikip.); 335 italienische Zivilisten werden erschossen.  Papst Pius XII. will neutral sein, verurteilt aber nur die Attentäter, die das Massaker der Deutschen heraufbeschworen hätten (25.3.44).

    
2)3) Ab dem 22.1.44 sind die Alliierten an der Küste Latiums südlich von Rom gelandet (wikip. Operation Shingle).  Bei den anschließenden schweren und anhaltenden Kämpfen werden über 50000 Soldaten getötet oder verletzt.  Erst im Juni ziehen die Deutschen aus Rom ab.    

4)  "Die Menschen“ sind hier die Bewohner Roms und Latiums.  Römische Juden werden seit einer großen Razzia am 16.10.43 verhaftet und deportiert.  Die größte Geißel für die Italiener ist die deutsche Besatzung selbst, die ein Land lähmt, das gerade erst einen Monat zuvor die eigenen Faschisten verabschiedet hat, 10/77.  Knappheit und galoppierende Inflation während der neun-monatigen Besatzung treffen wie diese die ganze italienische Gesellschaft. 
 

Papst Pius IX. 1848ff, 1870ff

   05/67   Quand chef Perouse n'osera sa tunique    
                Sens au couuert tout nud s'expolier:    
                Seront prins sept faict Aristocratique,    
                Le pere & filz mors par poincte au colier (1568)    

                Wenn das Haupt (von) Perugia seinen Rock nicht riskiert,

                (steht sein) Sinn auf Schutz.  Total blank (lässt er) sich ausrauben.

                Aufgenommen werden sieben (durch) aristokratische Tat.

                Der Vater und Sohn tot durch Spitze am Halsband.


                   2) Mittelfrz. (Gr) à couvert an geschütztem Ort (dans un lieu couvert, protégé des intempéries).  

                   Lat. v. exspoliare ausplündern, ausrauben.    
   
Von zwei kurzen Unterbrechungen abgesehen, gehört Perugia, die Hauptstadt Umbriens, seit 1354 durchgehend zum Kirchenstaat, bis zu dessen Auflösung 1870.  Alle Päpste in dieser Zeitspanne sind weltliche Häupter Perugias.                 

 

Im Frühjahr 1848 tun sich die sieben italienischen Fürstentümer zusammen, um die Herrschaft Österreichs in Italien zu beenden, noch ohne Erfolg, 3/39.  Als sein Ministerpräsident im November 1848 ermordet wird, befürchtet Pius IX., dass die Revolutionäre, die es auf seinen Kirchenstaat abgesehen haben, auch ihm etwas antun könnten und flieht, als einfacher Pfarrer verkleidet, in die Seefestung Gaeta bei Neapel.

 

Durch seine Ablehnung der politischen Einigung Italiens gerät er ins Abseits und muss 1870 erleben, dass er als Souverän abgesetzt wird, 6/13.  Die sieben italienischen Fürstentümer, 3/39, werden auf-genommen im Königreich Italien, ausgerufen 1861, vollendet 1870 ("aristokratische Tat").  Der >Heilige Vater< bleibt Kirchenoberhaupt, ist aber politisch tot, sieht sich als >Gefangenen im Vatikan<, 8/08 ("eingesperrt"), fühlt sich >an die Kette gelegt<.  

 

Unter dem Nachfolger (---> fils) Leo XIII. (1878-1903) bleibt das Verhältnis der Kirche zum italieni-schen Königreich zerrüttet.  Auch Leo XIII. hält einen Kirchenstaat für notwendig und verbietet den italienischen Katholiken die Mitwirkung in gewählten Parlamenten.

 

Durch einen großen Krieg schwanken Fürsten,

                                           und am Ende ruft man nach einer neuen Zeit

   05/70   Des regions subiectes à la Balance, 
                Feront troubler les monts par grande guerre 
                Captifz tout sexe deu & tout bisance,  
                Qu'on criera à l'aulbe terre à terre. (1568) 

                Einige Gegenden, unterworfen dem Gleichgewicht,

                werden die Berge schwanken lassen im großen Krieg.

                Kriegsgefangen alle beide Geschlechter und ganz Byzanz,

                so dass man nach dem Tagesanbruch ruft, Land nach Land.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) v. subjecter unterwerfen (soumettre).        

                   2) Mittelfrz. (Gr) v. troubler trüb werden (se troubler), sich bewegen, schwanken (s' agiter).    
                   4) un à un einer nach dem andern, terre à terre ein Land nach dem andern.    

   
Vz 1/2 [Einige Gegenden, unterworfen dem Gleichgewicht...]  Den Begriff des Gleichgewichts verwen-det N. für die Staatsform der verfassten Monarchie (---> balance).  Österreich-Ungarn ist seit 1867 konstitutionell, 5/42.  Das Deutsche Reich ist seit 1871 auch eine konstitutionelle Monarchie. Von ihnen geht der Krieg 1914 aus.    


Vz 2 [... lassen die Berge schwanken durch großen Krieg]  Berge sind dem Himmel näher als die Ebenen, können für die Verbindung von Gott und den Menschen stehen.  Diese Verbindung schaffen die von Gottes Gnaden eingesetzten Fürsten an der Spitze der Lehenspyramide  -  so sieht man das noch am Beginn der Neuzeit.  >Berge< bedeuten also Königreiche (---> mons).   D i e s e  >Berge< geraten durch einen "großen Krieg" ins Schwanken.  

 

Vz 3 [Kriegsgefangen beide Geschlechter und ganz Byzanz]  Mit den Mittelmächten, also dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, ist seit November 1914 das Osmanische Reich verbündet.  Alle drei >Berge< schwanken und stürzen nach der Grande Guerre, wie der Erste Weltkrieg heißt, bevor der Zweite Weltkrieg kommt.  Fürsten und ihre Völker (beide Geschlechter ---> dame) sind in ihren Ehrbegriffen und Siegeserwartungen gefangen und nicht bereit, den Krieg zu beenden.    


Vz 4 [Ein Land nach dem andern ruft nach dem Tagesanbruch]  Auf Seiten der Verlierer wird vielfach nach dem Anbruch einer neuen Zeit gerufen (---> iour).  Die Staatsform der verfassten Monarchie gilt als abgelebt.  Republiken werden ausgerufen, in Deutschland, Österreich, Ungarn, der Tschecho-slowakei und in der Türkei (Byzanz).    

Ein >sinnenfrohes< Edikt

   05/72   Pour le plaisir d'edict voluptueux,    
                On meslera la poyson dans la foy:    
                Venus sera en cours si vertueux,    
                Qu'obfusquera Soleil tout à loy. (1558)    

                Für das Vergnügen eines sinnenfrohen Edikts

                wird man das Gift in den Glauben mischen.

                Venus wird >auf so tugendhaftem Pfad< sein,

                dass sie (den Lauf) der Sonne verdunkeln wird, ganz legal.
   
                   2) Vz 2 in der Ausgabe (1568): On meslera la poyson dans l'a loy.  

                   Diese Variante würde an der Deutung des Verses nichts ändern (---> loy).    
                   4) Mittelfrz. (Gr) v. offusquer verdüstern (rendre sombre), verdunkeln (obscurcir).    

   
Im Edikt von Nantes garantiert Henri IV. von Frankreich 1598 den Hugenotten (französischen Protestanten) religiöse Toleranz und volle Bürgerrechte.  Der Katholizismus, zu dem er selbst 1593 konvertiert, bleibt aber Staatsreligion.  Es ist ein Ausgleich, 1/54, nach über drei Jahrzehnten der Religionskriege in Frankreich.     

Durch diese Konfliktlösung gebe sich Liebesgöttin Venus den Anschein, auf tugendhaftem Pfad zu wandeln, sagt N. in sarkastischem Ton.  Da die Hugenotten ihren Priestern die Ehe erlauben, sei doch klar, dass das geistige Licht, das die christliche Religion spende, verdunkelt und >Gift in den Glauben< gemischt werde.  Aber der Streitpunkt des Priesterzölibats ist nicht geeignet, die Verwerfung des Toleranzedikts zu begründen. 

 

Zum naheliegenden Einwand gegen diese Deutung, dass Henri IV. 1598 in den katholischen Glauben nicht eingegriffen habe, siehe das historische Kapitel 6.  Kurzfassung:  Wer >Ketzertum< legalisiert, schadet nach Meinung des Sehers der Verbindlichkeit des von der römischen Kirche verkündeten Glaubens.  

 

Kirche >verfolgt von Gott<

   05/73    Persecutee sera de Dieu l'Eglise,    
                 Et les sainctz temples seront expoliez:    
                 L'enfant la mere mettra nud en chemise,    
                 Seront Arabes aux Polons raliez. (1568)    

                 >Verfolgt von Gott< wird die Kirche werden,

                 und die heiligen Tempel werden ausgeplündert sein.

                 Das Kind wird die Mutter nackt im Hemd aussetzen.

                 Es werden Araber mit denen von Pol(lux) verbündet sein.
   
                    1) Mittelfrz. kann das Passiv statt mit "par" mit "de" konstruiert werden (Greimas Artikel "de" 5.).    

                    2) Lat. v. exspoliare ausplündern, ausrauben.    
                    3) Mittelfrz. Wendung  mettre en chemise jdn. ins Elend, an den Bettelstab bringen

                    (le réduire à la misère, à la mendicité).    
                    4) Zu "Polons" ---> frère Bruder.  Freilich können die Polons auch die Polen sein,

                    die aber eigentlich Polonais heißen.    
   
Der >Zwillingsbruder< Christi wird >Kind< der katholischen Kirche sein, weil sie ihn entscheidend mit >aufbaut<, ihn groß macht, 1/95.  Pollux ist im Mythos der Unsterbliche zweier Brüder.  Christus ein kurzlebiger schwacher Vorläufer, und er sei der Bleibende.  >Erwachsen< geworden, wird dieses >Kind< (---> enfant) >Mutter Kirche< ins Elend stürzen, die schützende Hand von ihr abziehen, sie >aussetzen<, ihren Feinden preisgeben.  Ihre Inhalte hat er zuvor ausgeplündert, indem er sie für seine weltlichen Zwecke umdeutet, 5/36.     


Er führt sich auf, als wäre Gott durch ihn anwesend, 5/31, und als wäre er Christus, 2/73 (großer Goldführer).  Dass es >Gott< sei, der die Kirche verfolge, ist ein Sarkasmus des Sehers, Exkurs (10). 

     

Das Bündnis der Araber mit denen von Pollux ist auch in 2/88 und 9/80 erkennbar.  Christenverfol-gungen, VH (40), (41), gehören neutestamentlich zu den Vorzeichen des Endes der alten Erde, Mk 13.  

Der spätere Henri Cinq vertreibt die Araber aus Europa

   05/74   De sang Troyen naistra coeur Germanique    
                Qu'il deuiendra en si haulte puissance:   
                Hors chassera gent estrange Arabique,  (1568) 
                Tournant l'Eglise en pristine preeminence.

                Von trojanischem Geblüt wird erscheinen ein germanisches Herz,

                es wird in eine sehr hohe Machtstellung hineinkommen.

                Hinausjagen wird er das fremde arabische Volk

                und die Kirche versetzen in (ihre) einst überragende Stellung.
   
1)2) Die Bourbonen führten ihren Stammbaum auf einen Trojaner zurück, 2/61.  Ein später Nachfahre der Bourbonen, 5/87, wird im Kampf  um die Freiheit der Religion und die Freiheit Europas obsiegen, denn er "regiert vor und nach einem Krieg", 10/72, dem Krieg um die Freiheit Europas und der Religion.  Als germanische Eigenschaften gelten seit Tacitus Wehrhaftigkeit, Tapferkeit und Treue zum Gesetz (als Projektion der altrömischen Ideale).    


3)4) Das globale Regime wird seine strengen Auflagen im Bereich der Religion mit Hilfe der Araber in Europa durchsetzen wollen, 5/73 Vz 4, 2/88, 9/80.  Ein Ziel des späteren Herrschers von Europa scheint es daher zu sein, die Araber zu vertreiben.  Als großer Gesetzgeber tritt er in Erscheinung, nachdem er sich durchgesetzt hat, 5/79.  

 

Lob des Henri Cinq

   05/75   Montera hault sur le bien plus à dextre, 
                Demourra assis sur la pierre quarree:   
                Vers le midy posé à la senestre, 
                Baston tortu en main, bouche serree. (1568)

                Er wird hoch aufsteigen, zum wahrlich Höchsten auf (der) Rechten,

                wird sitzen bleiben auf dem Quaderstein,

                nach Süden gewandt auf der Linken,

                (den) Hirtenkrummstab in der Hand, (der) Mund geschlossen.
   
                   1) Der Superlativ "le..plus" ist der Größte, wegen "monter" auch der Höchste,

                   und "bien" bedeutet hier wirklich oder wahrlich (adverbe emphatique).    
   
Die Rede ist von dem "Königlichen", "der der große Stellvertreter Jesu Christi" sein werde, VH (17). Zur Rechten Gottes sitzt Christus, Mt 26,64.  N. sieht den Gemeinten als "christlichen König der Welt", 4/77, sitzend zur Linken Gottes  -  ein nicht mehr steigerbares hymnisches Lob. 

Der Quaderstein steht für eine fest gegründete, unerschütterliche weltliche Macht.  Daher wird wird er "bleiben" und ein hohes Alter in der Herrschaft erreichen, 4/97.      

 

Der Gute Hirte ist Christus seinem Selbstzeugnis nach, Joh 10,11-12.  Der Krummstab ist Attribut der Bischöfe, weil sie sich als Nachfolger des Guten Hirten verstehen.  Der Gemeinte sieht seine Aufgabe darin, die Christenheit zu hüten und zu schützen.  Er ist Gott zugewandten Willens, nach Süden gewandt, wo die >Sonne<, bei N. Symbol für den in Christus anwesenden Gott (---> sol), am höchsten steht.  Und der geschlossene Mund bedeutet, dass er den Bereich des Glaubens frei lässt, in die Religion nicht eingreift.

   

Unterstellung der Kirche unter den neuen Staat (1790)

   05/77   Tous les degrez d'honneur ecclesiastique,    
                Seront changez en dial. quirinal:    
                En Martial quirinal flaminique,  (1568)    
                Puis vn Roy de France le rendre vulcanal.    

                Alle Ränge der kirchlichen Würde

                werden verwandelt sein in den quirinalischen Jupiter,

                in den quirinalischen Mars, den priesterlichen.

                Dann macht ein König von Frankreich sie vulkanalisch.
   
                   Lat. adl. dialis zu Jupiter gehörig, quirinalis zum Quirinus gehörig, martialis

                   zum Mars gehörig.   Lat. n.m. flamen Priester einer einzelnen Gottheit.  

                   Adj. volcanius zum Volcanus (Gott des Feuers) gehörig    
   
Quirinus, Jupiter und Mars sind die ältesten Haupt- und Staatsgötter im antiken Rom.  Wie im antiken Rom, wo die Götter Staatsgötter sind, werde die Kirche in die Dienste eines heidnischen Staates treten. Nach der Zivilverfassung des Klerus von 1790 werden die Priester von ihren Gemeinden gewählt und vom neuen Staat besoldet.  Zudem wird ein Eid auf die Verfassung verlangt.       

 

Die christliche Zeitrechnung soll ab 1792 nicht mehr gelten, VH (34).  Die Frühlingsmonate des neuen Kalenders heißen Germinal, Floreal und Prairial, 1/42.  Die satirisch wirkende Häufung von Wörtern auf -al entspringt dem Zorn des Sehers auf die Revolution.         

 

Der antike Gott Vulcanus setzt Feuer ein zum Waffenschmieden und hilft, ausgebrochenes Feuer zu löschen.  Der Erste Konsul Bonaparte >löscht das Feuer der Revolution<, indem er sie für beendet erklärt.  Und er >verbrennt die Staatsgötter<, indem er mit dem Papst 1801 ein Konkordat schließt, das der konstitutionellen Kirche die Grundlage entzieht.  Der nachchristliche Kalender wird 1806 auch wieder abgeschafft.  

 

Sieben Monate vor der Besetzung Roms

                                  durch die Deutschen "fällt die Mauer des Ostens"

   05/81   L'oiseau royal sur la cité solaire,    
                Sept moys deuant sera nocturne augure: 
                Mur d'Orient cherra tonnerre, esclaire, (1568)   
                Sept iours aux portes les ennemis à l'heure.   

                Der königliche Vogel über der Sonnenstadt,     

                sieben Monate zuvor wird es ein nächtliches Vorzeichen geben.

                Mauer des Ostens wird fallen.  Donner, Wetterleuchten.

                Sieben Tage, (dann stehen) pünktlich die Feinde an den Toren.
   
                   3) Das n.m. orient bezeichnet den Orient, poetisch auch: Osten, Morgen.     
   
Es soll der preußische Adler über Paris gemeint sein.  Am 28.1.1871 kapituliert die Stadt.  Nicht sieben, sondern drei Monate zuvor ist die Festung Metz an die Preußen gefallen, sie kann die Mauer des Ostens nicht sein.  Außerdem ist für den Katholiken die Sonnenstadt nicht Paris, sondern Rom.  Denn die Sonne als Symbol steht bei N. für den in Christus offenbar gewordenen Gott ( ---> sol).    


1) Der Adler ist seit der römischen Antike das Signum eines Imperiums (---> aigle), hier des Dritten Reichs mit seinen Eroberungen.    


4) Am 25.7.1943 wird Mussolini vom König Vittorio Emanuele III. entlassen, 6/31.  Am 3.9.1943 schließt die italienische Regierung einen Waffenstillstand mit den Alliierten.  Am 10.9., "sieben Tage" später, besetzen deutsche Truppen Rom (>Fall Achse<).  Als Achse Berlin-Rom wird das Bündnis der beiden faschistischen Regime seit der Begegnung der beiden Diktatoren in Venedig 1936 bezeichnet, 8/31.    


2)3) "Sieben Monate zuvor", am 2.2.43, hat eine bei Stalingrad eingeschlossene deutsche Armee kapituliert, für N. ein Verhängnis von Gott (Donner, Wetterleuchten).  Die >Mauer< ist hier der fest-gefahrene Frontverlauf am Don (---> mur).  Als die deutsche Armee in einer Kesselschlacht besiegt wird, können die russischen Truppen danach weit nach Westen vordringen  -  ein Wendepunkt des Krieges. 

   
Wer Anfang 1943, als der >Fall Achse< geplant wird, den Vers verstanden hätte, hätte die Besetzung Roms im September ansagen können.  Aber die >Nacht< über den Versen des Nostradamus war noch stockfinster und lichtet sich bis heute nur langsam.  

 

Aufruf zum Partisanenkampf

   05/82   Au conclud pache hors de la forteresse,    
                Ne sortira celuy en desespoir mis:  
                Quant ceux d'Arbois, de Langres, contre Bresse,    
                Auront monts Dolle, bouscade d'ennemis. (1568)  

                Zum Friedensschluss außerhalb der Festung

                wird nicht herauskommen jener, der in Verzweiflung gestürzt ist.

                Wenn die von Arbois, von Langres, gegen Bourg-en-Bresse

                die Berge von Dôle halten, lauern sie den Feinden auf.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.m. pache Pakt (pacte), Übereinkunft (accord).      
   
1)2) Innenminister Léon Gambetta hat Mitte September 1870, als Frankreich in der Schlacht von Sedan unterlegen ist (Verzweiflung), zu einer allgemeinen Volkserhebung aufgerufen.  Die Freicorps (Franc-tireurs) im Osten des Landes (Dept. Aisne, Meurthe, Moselle, Vosges, Haut-Rhin, Bas-Rhin) haben großen Zulauf und fühlen sich zum Partisanenkampf ermutigt.  Gambetta verlässt Anfang Oktober das von den Deutschen ringsum belagerte, daher "Festung" genannte Paris (mit einem Ballon).  Er will den bewaffneten Kampf aus der Provinz heraus organisieren.  Als am 28.1.71 ein Waffenstillstand vereinbart wird, ist er dagegen.  Er will den Krieg fortsetzen, hat "Paris nicht zur Über-einkunft verlassen".  Der von der neuen Nationalversammlung zum provisorischen Staatsoberhaupt ernannte Adolphe Thiers nennt ihn einen zornigen Verrückten (fou furieux) und unterschreibt am 28.2.71 den Vorfrieden von Versailles.    


3)4) Arbois und Dole im Dept. Jura, Bourg-en-Bresse im Dept. Ain, beide Departments mit Grenze zur Schweiz.  Die französische Ostarmee bei Besancon wird nach Osten abgedrängt und überquert um den 1. Februar 1871 bei Pontarlier (Dept. Doubs) die Grenze zur neutralen Schweiz (Pölking/Sackarnd S. 603-609), wo sie entwaffnet wird.  Damit ist der Widerstand Frankreichs gebrochen.  Die Zitadelle von Langres, ein Stützpunkt mit regulären Truppen, ist eine der wenigen Festungen, die die Deutschen nicht einnehmen können.  
 

Krieg wegen der Sache der Wolken 

   05/85   Par les Sueues & lieux circonuoisins,    
                Seront en guerre pour cause des nuees:    
                Camp marins locustes & cousins,    
                Du Leman fautes seront bien desnuees. (1568)   

                Bei den Sueben und benachbarten Orten

                werden sie im Krieg sein wegen der Sache der Wolken.

                Meerestruppen (kommen), Wanderheuschrecken und Stechmücken.

                (Die) >Fehler< vom Genfer (See) werden deutlich enthüllt.

                   3) Mittelfrz. (Gr) n.m. camp die Armee (l'armée), die Truppen (les troupes).  

                   Mittelfrz. (Gr) v. desnuer entblößen (dénuder), beseitigen (ôter).    
   
Heuschrecken treten auch in der Poebene auf und >nagen alles ab<, 4/48.  Es sind aber keine Tiere, Aliens oder Kampfhubschrauber gemeint, sondern Menschen.  Denn sie können tun, was die >Heuschrecken< tun:  >Fehler< enthüllen und beseitigen.  Mörderbanden ziehen durch Europa (Sueves = Deutsche, 1/61) und >nagen< an den Bewohnern;  das >Abgenagtwerden< ist ein Bild für den Tod der Seele, 2/09.   

 

"Von nun an", sagt Jesus vor Kaiphas, "werdet ihr den Menschensohn auf den Wolken den Himmels kommen sehen", Mt 26,64, und meint damit die Propheten und Seher, die er vor seiner Wiederkunft noch erwecken werde (Jakob Lorber GEJ Band 9 Kap. 94).  Aber >Wolken< können auch phanta-stische oder abergläubische Ideen bedeuten, >gefährliche Schwärmerei< (Auferstehung, ewiges Leben.)   D a m i t  wollen die Quälgeister aufräumen.  Abschwören oder der Tod, denn es ist >Krieg wegen der Sache der Wolken< in einer Zeit, wenn Kriege und Kriegswaffen offiziell abgeschafft sind, 4/35.       

Es scheint, dass die Südschweiz noch einmal zur Zuflucht von Dissidenten wird, 9/44.

   

Großbritannien ist vom Kometensturz sehr schwer betroffen

   05/93   Soubz le terroir du rond globe lunaire,    
                Lors que sera dominateur Mercure:    
                L'Isle d'Escosse fera vn luminaire,    
                Qui les Anglois mettra à desconfiture. (1568)    

                Unter dem Heimatboden der runden Mondkugel (erscheint sie).

                Dann wird Merkur Herrscher sein.

                Die Insel Schottlands wird eine strahlende Leuchte hervorbringen,

                die den Engländern den totalen Ruin bringen wird.  
   
                   3) Mittelfrz. (Gr)  n.m. luminaire strahlende Helligkeit (éclat rayonnant).  

                   Mittelfrz. (Gr) n.f. desconfiture vollständige Niederlage (défaite complète).    
   
Dafür, dass der den Kataklysmus auslösende Komet gemeint ist, spricht die verheerende Wirkung der "Leuchte" und die Ortsangabe.  Als "Heimatboden" des Mondes gilt in der Astrologie der mit dem Namen Krebs belegte Abschnitt der Ekliptik. Dort, beim Sternbild Zwillinge (4° - 24° Krebs), 6/06, erscheint er, genauer  d a r u n t e r, wo der Jäger Orion am Himmel steht, 6/35.  Naturgemäß ist er zunächst nur nachts sichtbar.  In Erdnähe kommt er von "Norden", 6/06;  von Südfrankreich aus gesehen, liegt Großbritannien im Norden bis Nordwesten.  Im Oktober, VH (18), liegt die Himmelsgegend, wo er zuerst erschien, 6/35, hinter dem nordwestlichen Horizont.    
 

Merkur kann Chiffre für Christus sein, 9/12, der durch das Naturgeschehen die Menschen unüberhörbar anspricht.  

 

Venedig als Initiator einer christlichen Allianz und deren Erfolg

   05/95   Nautique rame inuitera les vmbres,  
                Du grand Empire lors viendra conciter:    
                La mer Aegée des lignes les encombres,    
                Empeschant l'onde Tyrrene defflotez. (1568)   

 

                Seefahrender Frosch wird einladen die Schatten

                des großen Kaiserreichs, dann wird (man) sie hervorrufen.

                Ägäisches Meer, von leichten Schiffen (werden sie) aufgehalten.

                Tyrrhenisches Meer sperrend, (sind sie) losgesegelt.
   
                   1) rame ist ein Setzfehler, rane ist gemeint, wie in 5/3, der auch nautique rane

                   hat.  Lat. n.f. rana Frosch.    
                   2) Mittelfrz. (Gr) v. conciter anregen (exciter), hervorrufen (provoquer).  

                   Mittelfrz. (Gr) n.m. ligne Schaluppe, leichte Fregatte (chaloupe, frégate légère).    
   
Der "seefahrende Frosch" ist Venedig, 5/03.  Seit Beginn des 16. Jahrhunderts machen die Türken dem Abendland zu schaffen.  Auf dem Balkan und im Mittelmeer dringen sie vor.  Seit Juli 1570 be-lagern sie das venezianisch beherrschte Zypern.  Nach Hilferufen Venedigs kommt im Mai 1571 unter Vermittlung des Papstes eine Allianz zustande, um die osmanische Expansion zu stoppen.  An ihr beteiligen sich u.a. Spanien, 10/95, Venedig, Genua, Malta und der Kirchenstaat.  Venedig hat das mythische Kaiserreich "eingeladen", d.h. den Zusammenhalt des christlichen Abendlandes beschworen.  Und es klappt, der Mythos schafft eine Wirklichkeit.  

 
Die Ägäis ist die Domäne der Türken.  Bei den ionischen Inseln kommt es im Oktober 1571 zur Seeschlacht, die die westlichen Flotten gewinnen, 9/30.  Danach gehört das westliche Mittelmeer (u.a. Tyrrhenisches Meer) den Europäern, und die Osmanen beschränken sich auf das östliche Mittelmeer (u.a. Ägäis).

 

Alliierte haben Rom besetzt (Juni 1944)

   05/99   Milan, Ferrare, Turin, & Aquilleye,    
                 Capne, Brundis vexés par gent Celtique:    
                 Par le Lyon & phalange aquilee       
                 Quant Rome aura le chef vieux Britannique. (1568)    

                 Mailand, Ferrara, Turin und Aquileia,

                 Capua (und) Brindisi (werden) durch keltische Leute verheert,

                 durch den Löwen und (das) Adlerheer,

                 wenn Rom das alte britannische Oberhaupt haben wird.
   
1)2) Ein Krieg erfasst nahezu ganz Italien, vom Süden mit Brindisi und Capua, wie auch den Norden mit Mailand, Turin und Ferrara und das antike Aquileia nahe dem heutigen Triest.  >Kelten< nennt N. Europäer, die das christliche Königtum angreifen, die Briten seit 1689, die Franzosen seit 1789.  Amerikanische und britische Truppen kämpfen 1943/44 Italien von der deutschen Besatzung frei.    


3) Der Löwe bedeutet hier Großbritannien (---> lyon).  Der Adler steht für ein Imperium, hier für das >Dritte Reich< (---> aigle).  Das Adlerheer besetzt seit September 1943 Italien, und wird dann >den Stiefel hinauf< getrieben.  Am 4.6.1944 hat die 5. US-Armee Rom unter Kontrolle.    


4) Am Ende ist der britische Premier und Oberkommandierende Churchill gemeint, der 1944 siebzig Jahre alt wird.  Er hat seit Dezember 1941 eine Flankenoffensive über Nordafrika und den Süden Europas vorgeschlagen und bei den Amerikanern im April 1942 auch durchgesetzt.  Ohne Churchills Initiative wären die Amerikaner nicht den Weg über Italien gegangen, sondern hätten schon 1943 versucht, in Frankreich zu landen.  Churchill ist die treibende Kraft der Befreiung Italiens durch die Alliierten und in diesem Sinn Haupt von Rom.

   

Die Kirche arrangiert sich mit Napoleon, es beginnt eine >keltische< Zeit

   06/03   Fleuue qu'esproue le nouueau nay Celtique   
                 Sera en grande de l'Empire discorde:    
                 Le ieune prince par gent ecclesiastique,    
                 Ostera le sceptre coronal de concorde. (1568)
  

 

                 (Der) Fluss, den der neu erschienene Keltische erprobt,

                 wird in großer Zwietracht mit dem Kaiserreich sein.

                 Der junge Fürst wird durch Leute der Kirche

                 wegnehmen das zur Krone gehörende Szepter der Eintracht.
   
                    4) Lat. Adj. coronalis zur Krone gehörig    
   
1)2) Napoleon ist ein Emporkömmling ("neu erschienen").  Als >keltisch< im Sinne von neuheidnisch gilt N. die Zeit nach der französischen Revolution (---> Celtes).  Neben Großbritannien ist Österreich, das immer noch den Kaiser stellt, Hauptgegner Frankreichs unter Napoleon.  Denn der will ein Kaiserreich unter französischer Vorherrschaft errichten.  Im 3. Koalitionskrieg verbünden sich 1805 Bayern, Baden und Württemberg mit Frankreich und besiegen Österreich.  Der dann im Juli 1806 geschlossene Rheinbund, ein Militärbündnis deutscher Fürsten mit Frankreich, ist ein offener Verrat an der Reichstreue.  Der >Rhein< wird zum >keltischen Fluss<, 6/04.  Das 1805 erfolgreich erprobte Bündnis mit dem heidnischen Herrscher sorgt für das Ende des Kaiserreichs im August 1806, es wird >im Rhein begraben<, 6/40.        

 

3)4) Der Kaiser verkörpert die Einheit der Christenheit.  Mit der christlichen Eintracht ist es, spätestens seit der Reformation, nie weit her gewesen.  Aber 1806 ist auch das Zeichen der Einheit weg, gestohlen durch einen 37jährigen, der noch keine zwei Jahre ein Fürst ist.  Papst Pius VII. stellt sich dem nicht in den Weg.  Als Realpolitiker arrangiert er sich mit Napoleon, schließt 1801 ein Konkordat, und wird 1804 genötigt, Napoleon zum Kaiser zu salben.  

 

Köln >wechselt das Ufer<, im Krebsgang geht es weiter

   06/04   Le Celtiq fleuue changera de riuaige    
                 Plus ne tiendra la cité d' Agripine:    
                 Tout transmué ormis le vieil langaige,    
                 Saturne, Leo, Mars, Cancer en rapine. (1568)    

 ​

                 Der keltische Fluss wird das Ufer wechseln,

                 er wird nicht mehr die Stadt der Agrippina (Köln) haben.

                 Alles verwandelt außer der alten Sprache,

                 Saturn (für) Löwe (und) Mars.  Krebs auf Beutezug.
   
1)2) Der >neue Keltische< ist Napoleon, 6/03, der aus einer antiklerikalen Revolution hervorgeht (---> Celtes).  Der >keltische Fluss< steht für die deutschen Fürsten, die mit Napoleon 1805 den Rheinbund schließen und dadurch das christliche Kaiserreich begraben, 6/40.  So haben sie zum ersten  Mal >das Ufer gewechselt<.  Nach der von Frankreich verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig 1813 werden die deutschen Fürsten dem Fremdherrscher untreu, >wechseln< erneut >das Ufer<.  Der Rheinbund löst sich auf.  Auch die Kölner sagen sich von Napoleon los.  Seit 1794 französisch besetzt, endet im Rheinland nach fast 20 Jahren die >Franzosenzeit<.  

3) Die Rheinländer bleiben katholisch (---> langue).  Vieles macht die Restauration 1815 rückgängig, aber z.B. nicht die Säkularisation der Kirchenfürstentümer.

 

Vz 4 [Saturn für Löwe, Mars]  Napoleon hat den Löwen, italienisch leone, im Namen, 1/76 (Kap.19).  Der Saturn wurde dargestellt als todbringender Sensenmann und steht hier für das Ende eines monarchischen Herrschers, nämlich Napoleons, sowie für das Ende der sogenannten Befreiungs-kriege 1813-15.


Vz 4 [Krebs auf Plünderung]  Der Krebs, bekannt für seinen charakteristischen Gang seitlich nach hinten, meint hier den >Rückwärtsgang<, den die Geschichte Europas nach dem Sturz Napoleons einlegt.  Die Restauration der vorrevolutionären politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ist eines der Prinzipien, das die Fürsten auf dem Wiener Kongress eint.  Und es gibt Einiges aus der Konkursmasse des napoleonischen Frankreich zu verteilen.  Da sind die Gebiete der ehemaligen rheinischen Fürsten  - darunter das Linke Rheinufer mit Köln -, die Preußen zugeschlagen werden.  Österreich bekommt Gebiete in Oberitalien, Sardinien kriegt Piemont usw.   Nachdem der >Löwe<, der Störenfried, weg ist, verständigen sich die Herdentiere auf ihre Weidegründe und Reviere.
 

"Der" Komet erscheint im Norden 

   06/06   Apparoistra vers le Septentrion,    
                 Non loing de Cancer l'estoille cheuelue:  
                 Suze, Sienne, Boece, Eretrion,   
                 Mourra de Rome grand, la nuict disperue.  (1568)

                 Es wird erscheinen zum Norden hin,

                 nicht weit vom Krebs der behaarte Stern,

                 (über) Susa, Siena, Böotien, Eretria,

                 Sterben wird (der) Große Roms, wenn die Nacht zerstreut ist.
   
                     1) Lat. n.m. septentrio  1. Siebengestirn = Großer Wagen   2. Norden.    

                     2) Lat. n.f. stella crinita behaarter Stern, Komet.  

                     3) dispersé ist reimbedingt abngewandelt zu disperue
   
Papst Benedikt XIV. (di Benuci 2020) stirbt am 3.5.1758;  der Komet Halley wird Ende 1758 entdeckt, erreicht den erdnächsten Punkt seiner Bahn im März 1759.  Im Vers kommt aber umgekehrt erst der Komet, und dann stirbt der Große Roms.      


1)2) Unterhalb von ekliptikal 119° - 139°, wo das Sternbild Krebs steht, erscheint eine "Leuchte", 5/93. Die Wintersternbilder Orion und Zwillinge, 6/35, sind da nicht weit.     


3)4) Nach der Erscheinung des Kometen tritt eine >Nacht< ein, die dann "zerstreut" wird.  Dieser Komet bringt eine dreitägige Finsternis, 1/46.  Staub, Steine, Eis, Gase dringen in die Atmosphäre ein. Der ganze Kontinent ist betroffen;  die Orte deuten auf eine Bahn von Nordwest nach Südost.  Großbritannien ist schwer betroffen, 5/93, im Artois im Norden Frankreichs stürzt ein Bruchstück, 5/59, über Italien und Griechenland erscheint der Komet, Vz 3.

 

4) Im Gesamtkontext der Centurien ist es nicht der Tod eines Papstes, sondern das Ende der Institution des Papsttums wenige Jahre nach dem Kometensturz, das hier angekündigt wird, 2/28. 

Weiße und schwarze Tempel vermischt 

   06/10   Vn peu de temps les temples des couleurs   
                 De blanc & noyr des deux entremeslée:    
                 Rouges & iaunes leur embleront les leurs    
                 Sang, terre, peste, faim, feu, d'eaue affollée.
 (1568)

                 Eine kurze Zeit nur, dann werden die Tempel der Farben

                 weiß und schwarz beide miteinander vermischt:

                 Rote und Gelbe werden ihnen die Ihrigen entwenden.

                 Blut, Erde, Seuche, Hunger.  Feuer von Wasser verdorben.
    
                    3) Mittelfrz. (Gr) v. embler rauben (ravir).  

                    4) Mittelfrz. (Gr) v. affoler zugrunde richten (écraser), verderben (perdre),

                    töten (tuer), verstümmeln (mutiler), verrückt machen (rendre fou).    
   
Weiß bedeutet Licht, Tag und Sonne, schwarz bedeutet Dunkelheit, Nacht und Mond. >Sonne< und >Mond< stehen für den Gott der Christen und der Muslime (---> sol, ---> lune).  Die weißen und schwarzen Tempel sind die Kirchen und die Moscheen.  Von einer Vermischung ihrer Lehren in der >neuen Religion< handeln auch 6/09 und VH (29).  

Feuer läutert Erz zum Metall, Wasser dient der Reinigung.  >Feuer und Wasser< bedeuten hier wie in 9/09 die Lehren des Christentums und des Islam, die die Menschen bessern sollen.  Wenn sie vermengt werden, werden sie "verdorben".  Denn sie sind in Lehre und Praxis unvereinbar. Jesus von Nazareth ist entweder Gottessohn (Christentum) oder er ist es nicht (Islam).  Verschiedene Routen zum Berggipfel kann man nicht gleichzeitig begehen.

 

Rot und Gelb als inhaltliche Kennzeichen der >neuen Religion< bedeuten die Auflehnung gegen das Hergebrachte und die Falschheit des Anscheins einer Religion, die in Wahrheit keine ist, 10/22.

Der Feind eines Capitols kann seine Bürde nicht erhalten

   06/13   Vn dubieux ne viendra loing du regne,   
                 La plus grand part le voudra soustenir.  
                 Vn capitole ne voudra point qu'il regne,    
                 Sa grand charge ne pourra maintenir. (1568)    

​ 

                 Ein Zweifelhafter wird nicht wegkommen von der Herrschaft,

                 der größte Teil wird ihn unterstützen wollen.

                 Ein Capitol wird ihn ganz und gar nicht herrschen lassen wollen.

                 Seine große Bürde wird er nicht erhalten können.
      
                    1) Dubieux ist gebildet nach dem lat. Adj. dubius ungewiss, zweifelhaft.  

                    2) Mittelfrz. (Gr) v. soustenir auch:  widerstehen (resister).    
   
1) Der 1846 gewählte Papst Pius IX. lässt politische Gefangene frei, gewährt beschränkte Rede- und Pressefreiheit usw.  Die Römer freuen sich über einen liberalen Mann auf dem >Stuhl Petri<.  Aber die Revolution 1848 überfordert Pius.  Im März schickt er Piemont ein Heer, ordnet aber im Juni dessen Rückzug an.  Er wolle nicht, dass Katholiken gegen Katholiken kämpfen.  Die Idee der Einheit der italienischen Nation endet für ihn da, wo er seinen Kirchenstaat hergeben müsste.  So sind die Römer schwer enttäuscht von der fehlenden patriotischen Gesinnung des Neuen, 8/53.  Im November 1848 flieht Pius aus Rom aus Furcht vor Attentaten, 5/67.    


2) Er ruft Österreich und Frankreich zu Hilfe, die ihre Heere schicken und ihm die Rückkehr im Frühjahr 1850 ermöglichen.     


3) Das antike Capitol mit den Tempeln der Staatsgötter war der religiöse Mittelpunkt Roms.  Die Italiener halten fest an der Idee der >Auferstehung Italiens< als Nation.  Als die päpstlichen Truppen am 20.9.1870 kapitulieren, wird Pius IX. für abgesetzt erklärt und sein Kirchenstaat gegen seinen Willen in das neue Königreich eingegliedert.  Seine Macht ist "gänzlich am Boden", 3/63.    


4) "Bürde" nennt N. hier den Kirchenstaat.  Über dessen Verlust lieber erleichtert zu sein als ihn zu beklagen, legt er dem Papst nahe.    

Das Erstarken der Protestanten im Reich als Zeichen für das Scheitern Kaiser Karls

   06/15   Dessoubz la tombe sera trouué le prince,    
                Qu'aura le pris par dessus Nuremberg:    
                L'Espaignol Roy en Capricorne mince,    
                Fainct & trahy par le grand Vvitemberg. (1568)    

                Unter dem Grabmal wird gefunden werden der Fürst,

                der den Lohn für Nürnberg erhalten wird.

                Der spanische König (wird) im Steinbock fadenscheinig,

                getäuscht und verraten durch den großen Wittenberger.
 

                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. pris Wertschätzung (estime), Belohnung, Lohn (récompense).    

                   3) V. (GrLar) mincir dünner werden (devenir plus mince).    
   
1) Am 21.9.1558 stirbt Kaiser Karl V. beim Kloster San Yuste in Spanien.  Der Vers wird erstmals 1557 veröffentlicht, als nur noch dieses Ereignis in der Zukunft liegt, während die anderen Vorgänge des Verses schon Geschichte sin

.    
3) Mit der Abdankungserklärung vom 25.10.1555 in Brüssel überträgt Kaiser Karl V. zunächst nur die Herrschaft über die Niederlande an seinen Sohn Philipp.  Kaiser Karl V. ist auch König Karl I. von Spanien.  Am 16.1.1556 erst geht auch das Haupterbe, die Herrschaft über Kastilien, Aragon, Sizilien usw. an Philipp über.  Das Sternbild, 1/51, Steinbock steht damals bei 293° bis 321° ekliptikaler Länge.  Am 16.1.1556 steht die Sonne bei ekliptikal 305°, also mitten im Sternbild Steinbock.    


2) Nach dem Religionsfrieden von Nürnberg 1532 kann sich der Protestantismus in deutschen Landen unbehelligt ausbreiten.  Das nennt N. sarkastisch >Lohn für Nürnberg<.  Der Erfolg der Protestanten habe zur Abdankung Karls und gar zu seinem Tod beigetragen, will N. nahelegen.  Das ist kaum zu belegen;  es entspricht N.s parteilicher Sichtweise und muss nicht stimmen.

    
4) Wittenberg ist durch Luther zum >protestantischen Rom< geworden.  Verraten hat Luther den Kaiser nicht, den er über seine Unbeugsamkeit nicht im Unklaren lässt.  Protestanten sind für N. Verräter, weil sie >einer Irrlehre anhängen<  u n d  die wahren Christen sein wollen. 

Ein Hebräer als Wunderarzt 

   06/18   Par les phisiques le grand Roy delaissé,   
                Par sort non art de l'Ebrieu est en vie:   
                Luy & son genre au regne hault poulsé,    
                Grace donnée à gent qui Christ enuie. (1568)  

                Von den Ärzten (wird) der große König aufgegeben.

                Durch Schicksal, nicht durch Kunst des Hebräers ist er (noch) am Leben.

                Er und Leute seiner Art (sind) in die Herrschaft hoch aufgestiegen.

                Gunst (wird) dem Volk gewährt, das Christus zurückweist.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.m. physicien Arzt (médecin).        

                   3) Mittelfrz. (Gr) v. pousser auch: gesellschaftlich aufsteigen (s' élever dans la societé).     
                   4) V. envier beneiden.  Mittelfrz. (Go) v. envier wegschicken (renvoyer).  

                   Lt. großem Larousse (1. envie) auch: zurückweisen (refuser).    
   
1) Saturn, mythischer König im Goldenen Zeitalter des Friedens, ist sterbenskrank;  die Hoffnung auf Frieden liegt darnieder.  Die >Ärzte< sind die Politiker, die versagt haben.  Nach dem Kataklysmus wird der Ruf laut werden, dass es nun endlich Frieden geben müsse.  Aber im Kleinen, 2/95, wie im Großen, 4/95, gelingt das nicht.      

 

2)3)4) Hebräer hießen die Israeliten, wenn sie in Knechtschaft leben mussten.  Bürger Israels sind ihrer Freiheit beraubt, 6/58.  Juden in der Verbannung kommen durch den Hebräer frei, 2/07.  Durch seine Anhänger in sich bekriegenden Ländern hilft er dem Frieden auf, 4/95 Vz 3;  Saturn steht auf vom Sterbebett. Der Hebräer wird zum Messias des Volkes, das Christus ablehnt, Vz 4, macht dann Karriere >unter Saturn<, 5/24, und zieht seine Entourage mit nach oben.    

 

2) Nicht seine Fähigkeiten, etwa seine rhetorische Begabung, 1/96, und seine Umsicht, 4/21, seien der Grund für die Karriere dieses Mannes.  N. meint, dass Gott mit ihm etwas vorhabe und ihn deshalb gewähren lasse.   An ihm sollen sich die Geister scheiden, 1/96.  Zur Frage einer >jüdischen Weltverschwörung< Exkurs (15).

Unterwerfung der Orientalen unter die >Weltfriedensordnung<

   06/21   Quant ceulx du polle artiq vnis ensemble,    
                En Orient grand effraieur & crainte:    
                Esleu nouueau, soustenu le grand temple,   
                Rodes, Bisance de sang Barbare taincte. (1568)    

                Wenn die vom arktischen Pol vereint sind miteinander,

                (herrscht) im Orient großer Schrecken und Furcht.

                Gewählt (wird ein) Neuer, erhalten (bleibt) der große Tempel.

                Rhodos, Byzanz mit barbarischem Blut befleckt.

 

                   3) Die Ausgabe (1558) hat "tremble" statt "temple".
   
1)2) Der >Nordpol< steht in 6/05 für die >Mächte der Finsternis<;  sie dienen einem Regime, das am Ende die christliche Religion verbietet.  Zwei große Mächte bleiben nach dem Kataklysmus übrig, 6/58.  Nach Rivalität und Krieg, 4/95, gibt es Gemeinsamkeiten.  Beide sind empört über die Gefangenschaft heimatvertriebener Menschen, 6/58.  Von "zwei Seiten" bekämpfen sie die "barbarische Statthalterschaft" des islamischen Reiches, das sich nach Europa vorgeschoben hat, 5/78;  daher Schrecken im Orient.    


3)4)  Der "Neue", der gewählt wird, 8/41, ist der neue religiöse Führer.  "Heilige(r) Tempel" nennt N. manchmal die katholische(n) Kirche(n), 5/73, 8/62.  Die katholische Kirche bleibt im Stadium der Entstehung der >Weltfriedensordnung< noch erhalten, 4/32 Vz 4 (vieux tiendra fort).  Das Angstbeben des Orients kommt daher, dass die Politik des Neuen darauf abzielt, das "grausame und stolze Volk" zu unterwerfen, was ihm auch gelingt, 2/79, VH (28).    

Neffe in London gepeinigt, Boot spalterisch

   06/22   Dedans la terre du grand temple celique,  
                 Nepueu à Londres par paix faincte meurtry:  
                 La barque alors deuiendra scismatique,    
                 Liberté faincte sera au corn & cry. (1568)    

                 Auf dem Boden des großen prächtigen Tempels

                 wird der Neffe in London während des Scheinfriedens gepeinigt.

                 Das Boot wird dann spalterisch werden,

                 eine unechte Freiheit wird lauthals verkündet werden.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) Adj. celique himmlisch (céleste).  

                    2) Mittelfrz. v. meurtrir töten (tuer), verletzen (blesser).    

                    4) Wendung à cor et à cri ungestüm, lauthals.    
   
1)2) Während des Krieges gegen Preußen gerät Kaiser Napoleon III., ein Neffe Napoleons I., 1870 in Gefangenschaft und sucht nach seiner Entlassung Zuflucht in Großbritannien.  In Chislehurst bei London stirbt er 1873 an einer Urämie und den Folgen mehrerer Operationen.  Im Kontext ist der "prächtige Tempel" die anglikanische Kirche.  Das klingt bei N. sarkastisch, denn die Anglikaner sind seit 1534 abtrünnig von Rom.  Die Bedingungen des Friedens von 1871, neben Reparationen auch die erzwungene Abtretung linksrheinischer Gebiete, 10/51, machen für Generationen die Revanche zum Hintergrund des politischen Diskurses in Frankreich (Scheinfrieden). 

   
3) Das 1870 verkündete Dogma der Unfehlbarkeit päpstlicher Lehrmeinungen führt zur Abspaltung der Altkatholischen Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz.


4) Die "unechte Freiheit", VH (21), erkennt N. in der III. französischen Republik, die 1870 ausgerufen wird.  Für den an der Monarchie hängenden Seher ist das Volk ohne festen Herrn schutz- und orientierungslos (---> roy). 

   

Aufstand der Pariser Kommune

   06/23   D'esprit de regne munismes descriées,  
                 Et seront peuples esmeuz contre leur Roy:   
                 Paix, faict nouueau, sainctes loix empirées,    
                 Rapis onc fut en si tresdur arroy. (1568)    

                Vom Geist der Regierung (sind) (Kom)munisten in Verruf,

                und es werden die Leute aufgewiegelt sein gegen ihren König.

                Friede, neue Taten, heilige Gesetze verschlechtert.

                Paris stand nie unter einer so überharten Besatzung.
   
                   1) munismes ist im Deutungskontext ein verkürztes communismes, modern

                   communistes, ein im 16. Jahrhundert noch unbekanntes Wort.    
                   4) Rapis ist Paris, ein von Räubern (lat. rapax) beherrschtes Paris.  

                   Mittelfrz. (Gr) n.m. arroi Mannschaft, Besatzung (équipage), Zustand (état).    
    
1)2) Nach der Kapitulation von Paris am 28.1.1871 bildet sich im März ein revolutionärer Stadtrat, dessen Mitglieder sich Kommunarden nennen.  Die Stadt soll nach sozialistischen Ideen regiert werden;  man lehnt die bürgerliche Zentralregierung und erst recht die Monarchie ab.  Die Aufständi-schen wiederum sind "verrufen" bei den Bürgern;  die Nationalversammlung weicht nach Bordeaux aus.  Aufgewiegelt gegen die Rückkehr der Monarchie sind die Kommunarden, nicht die Bürger-lichen.                

 

3)4) Der Friede mit Deutschland wird am 10.5.1871 in Frankfurt unterzeichnet.  Die Republik wird am 4.9.1870 ausgerufen;  das sind die "neuen Taten";  die lat. res novae bedeuten Umsturz.  Für N. ist das eine Verschlechterung gegenüber der >heiligen< Monarchie, 6/57.  In der blutigen letzten Maiwoche bricht die Kommune zusammen.  Etwa 70 Geiseln werden erschossen;  von den Kommunarden kommen etwa 7000 zu Tode.  Das Pogrom 1572 verzeichnet etwa 3000 Opfer;  durch das Fallbeil werden 1794 in Paris etwa 2500 Menschen getötet;  das wird 1871 übertroffen (Zahlen nach wikip.).    

Beginn des Krieges um die Freiheit Europas und der Religion

   06/24   Mars & le sceptre se trouuera conioinct,    
                 Dessoubz Cancer calamiteuse guerre:    
                 Vn peu apres sera nouueau Roy oingt,    
                 Qui par long temps pacifiera la terre. (1568)    

                 Mars und das Szepter werden sich vereint finden

                 unter dem Krebs, (es beginnt) ein grausamer Krieg.

                 Wenig später wird der neue König gesalbt,

                 der für lange Zeit die Erde befrieden wird.
   
1)2) Der Friedensherrscher ist der bei N. oft angekündigte Mann, der als Sieger aus dem Kampf gegen die Bedrückung Europas durchein globales Regime hervorgeht, 6/70.  Er setzt sich an die Spitze des Widerstandes gegen das Verbot der christlichen Religion, 5/71.  Er wird einen "unheilvollen Krieg" bestehen müssen, einen "sehr harten Kampf", 4/05.  Die nächste Konjunktion von Jupiter und Mars im  Sternbild Krebs (119° bis 139° in der Mitte des 21. Jahrhunderts) nach 2020 gibt es vom 25.5. bis 27.7. 2038;  dann erst wieder im September 2073.    


3)4) Nach seinem Sieg wird er an geschichtsträchtigen Orten, in Reims und Aachen, zum König gesalbt, 4/86, offenbar zum König von Frankreich und Deutschland.  Die Angabe "wenig später" ist aber mit Vorsicht zu nehmen.  Ein Zeitraum von zwölf Jahren für N. kurz 5/20, 1/12.  Die Konstellation in 4/86 verlegt die Krönung in die erste Hälfte der 2050er Jahre.    

Mussolinis Entmachtung und Tod, Pius XII. getadelt

   06/31   Roy trouuera ce qu'il desiroit tant,  
                Quand le Prelat sera reprins à tort:    
                Responce au Duc le rendra mal content,    
                Qui dans Milan mettra plusieurs à mort. (1568)    

                (Der) König wird antreffen das, was er so sehr begehrte,

                wenn der Prälat getadelt werden wird zu Unrecht.

                (Die) Antwort an den Führer wird diesen unzufrieden machen.

                Der in Mailand wird mehrere töten.
   
1) Die Entlassung Mussolinis hat König Viktor Emanuel III. von Italien seit der Landung der Alliierten auf Sizilien im Juli 1943 angestrebt in der Absicht, sein Königtum für die Zeit nach dem Krieg zu erhalten. Der faschistische Großrat stimmt am 24.7.43 mehrheitlich für die Absetzung des Duce, 10/77, und fordert ihn auf, den Oberbefehl in die Hände des Königs zurückzulegen. 

   
3) Mussolini ersucht daraufhin am 25.7. um sofortige Audienz beim König.  Der erklärt ihm seine Entlassung und lässt ihn gleich darauf verhaften.  Diese Antwort des Königs gefällt dem Diktator nicht. 


2) Nach dem Ende des italienischen Faschismus wird Italien von den Deutschen besetzt, 5/81.  Ab Oktober 1943 werden italienische Juden aus Rom deportiet.  Dagegen nicht öffentlich protestiert und den Holokaust nicht deutlich genug verurteilt zu haben, wird Pius XII. dann vorgeworfen  -  zu Unrecht, meint N., 5/56.  Diese Vorwürfe werden allerdings erst nach dem Krieg erhoben und kontrovers diskutiert, nicht schon 1943, wie es hier scheint.


4) Durch sein Bündnis mit Hitler seit der Begegnung 1936 in Venedig, 8/31, mit dessen Schicksal verstrickt, endet Mussolinis Leben zeitgleich mit dem Zusammenbruch Deutschlands.  Am 27.4.45 wird er von kommunistischen Partisanen am Comer See gestellt.  Dorthin reist der Chef des Mailänder Widerstandes und lässt ihn erschießen.  Mussolinis Leiche wird mit fünfzehn anderen tags darauf in Mailand zur Schau gestellt.

   

Von Meeren ausgehender Mehrfrontenkrieg gegen Deutschland

   06/33   Sa main derniere par Alus sanguinaire,    
                Ne se pourra par la mer guarantir:    
                Entre deux fleuues caindre main militaire,    
                Le noir l'ireux le fera repentir. (1568)    

                Sein letztes Aufgebot durch blutrünstigen Saul (gestellt),

                er wird sich nicht schützen können wegen des Meeres.

                Zwischen zwei Flüssen fürchtet er militärische Macht.

                Der finstere König wird den Zornigen es bereuen lassen.
   
                  2) Mittelfrz. (Gr)  Präp. par auch: wegen (à cause de).  

                  Mittelfrz. (Gr) v. guarantir sich schützen (se protéger), sich bewahren (se préserver).    
   
1)3) Es wird vermutet, dass Alus Anagramm für Saul ist, den ersten König der Israeliten (um 1000 v. Chr.). -    Hitler steht 1943/45 in der Mitte des militärischen Drucks, 2/82, inmitten zweier, dann dreier Heeresströme, die sich auf ihn zubewegen, 9/76.  "Blutrünstig" sind sein Rassenkrieg gegen die Slawen und die Vernichtung von Menschen, die er für wertlos oder schädlich hält.  Dass er es speziell auf die Juden abgesehen hat, trägt ihm den Namen ---> Hadrian ein.  Weil er Unschuldige zu Sündenböcken macht, heißt er auch ---> Nero.  

 
Saul war neidisch auf den hoch begabten späteren König David, aus dessen Stamm dann Jesus von Nazareth hervorging, Mt 1,1-17.  Hitler war kein Freund der Christen und der Kirchen und hatte vor, sich nach dem Endsieg den Deutschen als Messias zu präsentieren, als den er sich schon in den 1920er Jahren in einem programmatischen Buch entworfen hatte (Ludolf Herbst, Hitlers Charisma).    

2) Von Meeren ausgehend, wird Deutschland seit 1943 (Sizilien) und 1944 (Normandie, französische Riviera) ein Mehrfrontenkrieg aufgezwungen. 

   
4) Der "Zornige" ist der Revanche-Krieger Hitler;  der Krieg, den er lostritt, ist ein "Krieg der gekränkten Beredsamkeit", 2/80.  Der finstere König (---> noir), der ihn niederringt, ist Stalin, der Chef des "neuen Babylon", VH (19), des kommunistischen Machtbereichs.  Es ist ablesbar, dass Stalin sich durchsetzen werde, 3/33 Vz 2. 

     

Hitler ist aus N.s Perspektive der zweite von drei herausragenden antichristlichen Herrschern, 9/05. Dass N. jemanden, den er so einschätzt, ähnlich gründlich anschaut wie den ersten der drei, leuchtet ein.  Die verschiedenen Decknamen bezeichnen verschiedene Teilaspekte der Person und ihrer Taten.  

 

Beim Orion und bei der Milchstraße erscheint etwas 

   06/35   Pres de Rion, & proche à la blanche laine,  
                Aries, Taurus, Cancer, Leo, la Vierge:  
                Mars, Iupiter, le Sol ardra grand plaine,    
                Boys & cités, lettres cachés au cierge. (1568
)    

                Beim Orion und nah an der weißen Wolle ...

                Widder, Stier, Krebs, Löwe, die Jungfrau,

                Mars, Jupiter.  Die Sonne wird verbrennen eine große Ebene,

                Wälder und Städte.  Buchstaben, verborgen im Wachs.
   
                   1) Der Fluss Rioni in Georgien passt nicht in den Kontext.      

                   3) Mittelfrz. (Gr) v. ardre brennen (brûler), in Flammen stehen (être en flammes).    
                   4) Anstelle des gemeinten n.f. cire Wachs steht hier das n.m. cierge Wachskerze,

                   um den Reim zu erfüllen.    
   
Leoni (1961): "The path of something across the celestial map seems to be traced here."  Da ist einer auf der richtigen Spur.  

 
1)2) Das ist nämlich der Blick ins Firmament einer Winternacht.  Das (ausgelassene) Sternbild Zwillinge in der Mitte steht am höchsten im Januar.  Das Sternbild Orion steht in den Wintermonaten der Nordhalbkugel am Abendhimmel.  Es berührt beim Beteigeuze = alpha Orionis die Milchstraße (>weiße Wolle<), und gegenüber, auf der anderen Straßenseite steht das Sternbild Zwillinge.  Im Norden, nicht weit vom Sternbild Krebs, 6/06, nämlich beim Sternbild Zwillinge, erscheint eine "Leuchte", 5/93.  In deren zunehmendem Lichtschatten treten die Zwillinge zurück und werden vielleicht deshalb ausgelassen.


3) Wenn Mars und Jupiter auch an diesem Nachthimmel  zu sehen sind, wären sie im Spätwinter zwischen 30° und 222° anzutreffen (zur Lage der Sternbilder s. Detailanalyse zu 1/51).  Das ist ziemlich oft der Fall, z.B. in den Frühjahren 2023, 2025, 2027;  dann wieder 2036, 2038 und 2040. (Wenn eine Konjunktion gemeint ist: Die gibt es ca. alle 27 Monate, so im Mai '22, August '24, November '26 usw.).  In Erdnähe gekommen, nimmt sich der Himmelskörper aus wie eine zweite Sonne, 2/41.  Eindringendes Material entzündet sich, verursacht Brände.


4) Damit kann das Buch mit den sieben Siegeln gemeint sein, das nur Christus öffnen kann, Offb 5. N. mag es so erscheinen, als würden seine Visionen ihm Einblicke in dieses Buch verschaffen.    

Der Rheinbund und das Endes des Heiligen Römischen Reiches (1806)

   06/40   Grand de Magonce pour grande soif estaindre,    
                 Sera priué de sa grand dignité:    
                 Ceux de Cologne si fort le viendront plaindre   
                 Que le grand groppe au Ryn sera getté. (1568)  

                 (Der) Große von Mainz wird, um großen Durst zu löschen,

                 beraubt werden seiner großen Amtswürde

                 Die von Köln werden das so heftig beklagen,

                 dass der große Knoten in den Rhein geworfen wird.
   
                    1) Mainz heißt lat. Moguntiacum, franz. Magonce.      

                    4) groppe ist kein Französisch.  Ital. n.m. groppo Knoten, Kloß, Noppe.    
   
2) Die Revolution 1789ff ist für N. von der widergöttlichen Macht inspiriert, 5/20.  Seit 1792 führt das Land der Revolution Krieg gegen Österreich und Preußen.  Der Krieg als Brand, der einem Durst gleich gelöscht werden muss, kommt vor, 4/59.  

   

1) Seit 1794 französisch besetzt, geht das linke Rheinufer der Kurfürstentümer Köln und Mainz 1802 an Frankreich.  Die Kurwürden dieser Fürsten erlöschen 1803, werden dem revolutionären >Durst< in den Rachen geschüttet.    

3) Das ist ein Sarkasmus N.s, der die Aufgeschlossenheit der Kölner für die neuen Freiheiten ironisiert, die die Franzosen mitbringen.            

4) Im Juli 1806 verbünden sich deutsche Fürsten mit Napoleon im Rheinbund.  >Der Rhein ist in großer Zwietracht mit dem Kaiserreich<, 6/03.  Das verbindende Band (Knoten) des Kaisertums >verschwindet im Rhein<.

Verwüstete Gegenden im Norden Frankreichs ein weiteres Mal umkämpft

   06/43   Long temps sera sens estre habitée,  
                Où Signe & Marne autour vient arrouser:  
                De la Tamise & martiaulx tentée,  
                Deceuz les gardes en cuidant repouser. (1568)   

                Lange Zeit wird unbewohnt sein (die Gegend),

                wohin Seine und Marne ringsherum fließen.

                (Die Gegend) von der Themse und Kriegerischen umkämpft,

                die Bewacher enttäuscht, wenn sie versuchen zurückzuschlagen.
   
                   1)3) Die p.p.p. habitée und tentée sind erklärt, wenn das n.f. contrée Gegend interpoliert wird.      

                   3) Lat. Tamesis Themse.    
                   4) Mittelfrz. (Gr) v. cuider + Inf. sich vornehmen (se mettre en tête de), versuchen (essayer),

                   sich anstrengen (s' efforcer de).    
   
1)2) An der Marne werden im ersten Weltkrieg große Schlachten geschlagen.  Bis zur Seine kommen die Deutschen nicht, aber doch in deren Nähe.  Nach den jahrelangen Materialschlachten sind die ehemaligen Frontgebiete entvölkert und sehen danach lange aus wie Mondlandschaften.    


3) Deutsche, Franzosen und Briten kämpfen im Mai/Juni 1940 fast auf denselben Schlachtfeldern wie im ersten Weltkrieg.  Die "Kriegerischen" sind die Deutschen.  Und die >Themse< meint die zehn britischen Divisionen, die seit September 1939 in die französische Verteidigung eingereiht werden.    


4) Sie sollen Frankreichs Verteidigung verstärken, das Land vor deutschen Übergriffen bewahren. Im Kriegsfall sollen die Deutschen in Stellungskämpfe wie 1914ff. verwickelt werden.  Aber die deutschen Panzerstreitkräfte werden unterschätzt.  Aus dem geplanten Zurückschlagen wird nichts. Nur mit knapper Not können die britischen Truppen Anfang Juni aus dem Kessel von Dünkirchen evakuiert werden, 6/90. Wie in Vers 2/25 heißt hier das britische Expeditionscorps, das seine Aufgabe nicht erfüllen kann, die "enttäuschten Bewacher".

 

Der Papst im Exil, Österreich auf dem Rückzug

   06/46   Vn iuste sera en exil renuoyé,    
                Par pestilence aux confins de Nonseggle,  
                Responce au rouge le fera desuoyé,  
                Roy retirant à la Rane & à l'aigle. (1568)  

                Ein Gerechter wird wieder ins Exil geschickt werden

                durch Verseuchung an den Grenzen des Nicht-Säkularen.

                Antwort, die der Rote erhält, wird ihn vom Weg abbringen.

                (Ein) König zieht sich zurück vom Frosch und vom Adler.
   
                   2) Das altfrz (Gr) n.m. secle säkularer, d.h. weltlicher, nicht auf die Religion

                   gegründeter Staat (état séculier) ist hier reimbedingt abgewandelt.    
   
1) Der "Gerechte", Papst Pius VI., wird 1798 genötigt, nach Frankreich ins Exil zu gehen.  Schon einmal (1309) ist der Papst ins französische Exil gegangen ("wieder").    


2) Der "Nicht-Säkulare" ist der Kirchenstaat, in den mit den französischen Soldaten auch die neuen Ideen von Freiheit und Gleichheit eindringen.  Diese hält N. wie Papst Pius VI. für eine geistige >Seuche<.

    
3) >Der Rote< ist das revolutionäre Frankreich, le rouge pays, das rote Land.  Die standhafte Weigerung des greisen Papstes, die Zivilverfassung des französischen Klerus anzuerkennen, seine abschlägige "Antwort" werde Wirkung zeigen.  Napoleon anerkennt die Papstkirche im Konkordat von 1801.    


4) Wasserfrösche sind Amphibien.  Der seefahrende Frosch, 5/03, bedeutet Venetien mit seiner in die Adria gebauten Hauptstadt.  Österreich muss 1805 Venetien aufgeben.  Das alte Kaiserreich wird symbolisiert durch den Adler (---> aigle).  Im August 1806 entbindet Kaiser Franz alle Reichsstände von ihren Pflichten gegenüber dem Reich und legt dessen Krone nieder.  

Der Inzest begangen durch die Stiefmutter 

   06/50   Dedans le puys seront trouués les oz,    
                 Sera l'incest commis par la maratre:    
                 L'estat changé on querra bruict & loz,    
                 Et aura Mars attendant pour son astre. (1568)    

                 In dem Brunnen werden gefunden werden die Knochen,

                 es wird der Inzest begangen werden durch die Stiefmutter.

                 Der Staat gewandelt, man wird suchen Ruhm und Ehre

                 und wird erhalten Mars, wartend auf seinen Stern.
   
                    3) Mittelfrz. (Gr) v. querre, querir suchen (chercher), verlangen (demander),

                    mittelfrz. (Gr) n.m. bruit Ruhm (gloire), n.m. los, loz Ehre (honneur).    
   
1) Eine Offenbarungsreligion hat >Brunnen<, aus denen sie sich speist;  d e r  Brunnen ist für den Christen das Evangelium (---> puits).  Ein Mann wird angetroffen, durch den die Erinnerung an Christus, die die >Knochen< (---> os) bedeuten, wieder wach wird.  Christus wird wieder erkannt in einem Mann, der das Wort Christi authentisch in die Gegenwart hinein spreche.  Aber die Wieder-kunft Christi ist ganz anders gemeint, Exkurs (14).      


2) Statt dem Herrgott, mit dem >Mutter Kirche< geistig die Ehe geschlossen hat, treu zu bleiben, wird sie den >wiedergekommenen Sohn austragen und gebären<, 1/58, ihn schließlich >heiraten<, 10/52, was den Tatbestand des >Inzestes< erfüllt.  Sie wird zur >Stiefmutter< der altgläubigen Katholiken, weil sie nun >einen Anderen hat<, 1/48 (---> mère).    


3) Man will endlich das verheißene himmlische Friedensreich auf Erden schaffen, sucht durch diesen Wandel, 4/21 Vz 1, Ruhm und Ehre.    


4) Der Befreier wird warten müssen, bis er militärisch eingreifen kann, 8/61.  >Mars< heisst er auch in VH (23).

Ein Großer kommt nicht zurück, ein Freund an seiner Stelle

   06/52   En lieu du grand qui sera condemné,  
                 De prison hors son amy en sa place:  (1558)   
                 L'espoir Troyen en six moys ioinct, mort nay,   
                 Le Sol à l'vrne seront prins fleuues en glace.     



                 An die Stelle des Großen, der verurteilt werden wird,/  (tritt,)
                 aus dem Gefängnis entlassen, sein Freund an seinen Platz.
                 Die trojanische Hoffnung in sechs folgenden Monaten (ist) tot geboren,
                 Sonne in der Urne, Flüsse werden gefroren sein, vereist.


1) Kaiser Napoleon III. verliert am 2.9.1870 die Schlacht bei Sedan gegen die Preußen.  Am 4.9. gerät er in Gefangenschaft und wird in Paris für abgesetzt erklärt, weil man ihn für die Niederlage "verurteilt".

       
3) Die Hoffnung des Kaiserpaars, doch noch auf den Thron zurückgerufen zu werden, nennt N. trojanisch.  Dem Trojaner Äneas gelang es, nach Krieg und Verlust der Heimat sich ein neues Reich aufzubauen.  Der Legende nach soll er bei der Gründung des römischen Reiches beteiligt gewesen sein.  Doch in den folgenden "sechs Monaten" zerrinnt die Hoffnung auf Rückkehr und stirbt am 1.3.1871, als die neu gewählte Nationalversammlung die Absetzung des Kaisers bestätigt.    

4) Am 1.3.1871 steht die Sonne bei 340° im Jahreskreis.  Der Krug (Urne) im Sternbild Wassermann, markiert durch die Sterne Alpha bis Lambda Aquarii (Fasching [1996]) steht 1871 bei ekliptikalen 332-350 Grad (Werner/Schmeidler [1986] S. 63-68).  1870/71 herrscht in Mitteleuropa der kälteste Winter seit Jahrzehnten (Pölking [2020] S. 528).    

2) Aus der preußischen Gefangenschaft entlassen, schlägt Marschall Mac Mahon im Mai 1871 den Aufstand der Kommune, 6/22, nieder.  Das qualifiziert ihn für Höheres;  der Anhänger der Monarchie (>Freund<) wird 1875 zum Staatspräsidenten der neuen Republik gewählt.    

Der Maghreb erhebt sich nach dem Kataklysmus

   06/54   Au poinct du iour au second chant du coq,    
                Ceulx de Tunes, de Fez, & de Bugie:    
                Par les Arabes captif le Roy Maroq,    
                L'an mil six cens & sept, de Liturgie. (1568)    

                Gleich wenn es Tag wird, beim zweiten Hahnenschrei,

                (erheben sich) die von Tunis, Fez und Bejaia.

                Von den Arabern gefangen genommen der marokkanische König

                (im) Jahr tausendsechshundertundsieben der Liturgie.
   
Edgar Leoni (1961) meint, die "Liturgie" erfülle nur den Reim und deute auf die christliche Zeitrechnung. Sein Ergebnis: "A nice and clear failure".    

 

Ortsangaben: Bejaia, bis 1963 Bugie, ist eine algerische Hafenstadt.  Die drei Städte stehen für Tunesien, Marokko und Algerien.

     
Zeitangaben:   a) Ein >Tag< kann eine geschichtliche Epoche bedeuten;  so ist der >Donnerstag< z.B. die Zeit der Herrschaft  ---> Jupiters, 10/71.  Der Kataklysmus bringt eine besondere >Nacht< mit sich, 1/46;  der >Tag< kann die Zeit gleich danach sein (---> jour).   
b) Nach Sechszeiler 16 fällt der Kataklysmus in das Jahr 605.  Das Jahr 607 wäre zwei Jahre danach. Die "liturgische" Zeitrechnung wird bald geklärt sein.  

 
Ereignisse:   a) Der Maghreb erhebt sich.  Einen König von Marokko gibt es seit 1957.  Mohammed VI., ein auf Ausgleich bedachter Mann, wird festgesetzt.  Der Iran steht wohl Pate, 1/73. Nach dem Kataklysmus dringen Araber nach Europa vor, nach Italien, 2/04, 2/54, und nach Frankreich, 3/04.  Das "Reich von Fez" reicht später bis nach Europa, 6/80.  Ein "Herrscher des Orients wird, die Abendländler alle auf der Flucht, seine früheren Eroberer unterwerfen", Présage 40.

   
b) Die Araber erheben sich im Zeichen des Islam, darauf weist der >Hahnenschrei<, denn er bedeutet die Verleugnung Jesu, Mk 14,30.  Die erste Verleugnung dürfte N. in der Zeit 1789ff erkennen;  das zweite Mal ist die Reaktion auf den Vormarsch der Muslime auf Europa;  dann kommt noch ein drittes Mal.  Europäer verleugnen den christlichen Glauben;  beim zweiten Mal sind sie daran schon gewöhnt, 3/27.    

 

Ein Gefürchteter beerbt die Monarchie

   06/57   Celuy qu'estoit bien auant dans le regne,    
                Ayant chef rouge proche à la hierarchie:    
                Aspre & cruel, & se fera tant craindre,    
                Succedera à sacré monarchie. (1568)  

                Jener, der es weit gebracht hat in der Herrschaft,

                mit (einem) roten Vorgesetzten nah bei der Hierarchie,

                (ist) hart und grausam und wird dafür sorgen, dass man ihn sehr fürchtet. 

                Er wird folgen auf die heilige Monarchie.
   
1)2) >Rot< nennt N. Revolutionäre wegen des Blutvergießens (---> rouge).  Bei >heiligen Zielen< bilden sich regelmäßig >Hierarchien< der Anführer aus, auch wenn die Ideologie egalitär ist. Napoleon wird nach dem Ende der Terreure von Paul de Barras protegiert, einem Mitglied des neuen Direktoriums. Carnot, zuständig für das Militär, lässt den 26jährigen im März 1796 zum Ober-kommandierenden der Italien-Armee ernennen, 7/30.  1798 betraut man ihn mit dem Ägypten-Projekt. 1799 nach Paris zurückgekehrt, putscht er gegen das Direktorium und lässt sich zum Konsul auf zehn Jahre ernennen.  Damit hat er es schon "weit gebracht in der Herrschaft".     


3)4) Er errichtet eine Militärdiktatur mit demokratischem Anstrich.  Das Regime seines Polizeiministers Fouché im Innern ist gefürchtet.  Das Ausland hat seine überlegene Kriegskunst kennen und fürchten gelernt, 2/11.  Im Dezember 1804 krönt sich Napoleon zum Kaiser, 8/57, folgt als Fürst auf die "heilige Monarchie" des Ancien Régime.  Aber N. hält ihn für einen Usurpator = illegitimen Herrscher, 5/05.  

Islamische Invasion Europas  -  große Rivalität zwischen den USA und China

   06/58   Entre les deux monarques esloignés,    
                 Lors que le Sol par Selin clair perdue:   
                 Simulté grande entre deux indignés,    
                 Qu'aux Isles & Sienne la liberte rendue. (1568)    

                 Zwischen den zwei weit entfernten Mächten (wird),

                 wenn die Sonne durch den Mond ihren Schein verloren hat,

                 eine große Rivalität (sein), Rivalität unter zwei Empörten,

                 so dass den Inseln und Siena die Freiheit zurückgegeben (wird).
   
                    Der Vers besteht aus  e i n e m  Hauptsatz (Vz 1 + 3) mit zwei Nebensätzen.

                    Der Doppelpunkt am Ende von Vz 2 in der Ausgabe (1568) ist fehl am Platz.
                    2) Die griechische Mondgöttin Selene steht für den Mond.  

                    3) Lat. n.f. simultas Eifersucht, Rivalität, Feindschaft.    
   
2) In der Zeit nach dem Kataklysmus dringen Muslime nach Europa vor;  2/04, 6/80, 10/31 und viele andere Verse belegen das.  Dann wird der >Mond< (---> lune) die >Sonne< (---> sol) nicht scheinen lassen wollen, 4/30.  Das bedeutet, dass die nach Europa vorgedrungenen Muslime die christliche Religion verdrängen wollen;  jedenfalls nimmt N. das so wahr.              

 

1)4) Die zwei "weit entfernten Mächte" sind jene, die nach dem Kataklysmus übrig bleiben, wahr-scheinlich die USA und China.  Beide sind gegen die Knechtung von Europäern und israelischen Juden;  letztere vegetieren auf Inseln, 2/07.    


3) Zwischen beiden Mächten gibt es eine "große Rivalität".  Es geht auch um die Vorherrschaft in Europa und um die Zurückdrängung der Muslime.  Die Rivalität entlädt sich nach wenigen Jahren in einem Krieg, 4/95.

 

Ehebruch, dann erleiden siebzehn das Martyrium

   06/59   Dame en fureur par raige d'adultere,   

                 Viendra à son prince coniurer non de dire:   
                 Mais bref cogneu sera le vitupere,  
                 Que seront mis dixsept à martire. (1568)  

                 (Die) Dame in Aufregung wegen der Raserei des Ehebruchs,

                 sie wird zu ihrem Fürsten kommen sich zu verschwören, es nicht (so) zu nennen.

                 Aber bald wird die Schande bekannt werden,

                 so dass siebzehn dem Martyrium ausgeliefert werden.
     
                    2) Pierre Rigaud (1558) schreibt, dass man "non le dire" lesen solle.    

                    3) Mittelfrz. n.m. (Gr) vitupere Tadel (blâme), Schande (honte).    
   
Im Augsburger Vertrag von 1548 werden die siebzehn Provinzen der Niederlande vom Kaiser zu einer staatsrechtlichen Einheit zusammengefasst.  Siebzehn ist die Zahl der Provinzen, die bei den General-staaten, dem Brüsseler Parlament, vertreten sind.  Die spanischen Niederlande umfassen die heutigen Gebiete von  BENELUX und dem französischen Département Nord.  Sie werden im Jahr 1556 spanisch, als Philipp II. seine Herrschaft über Spanien antritt.    


Der Ehebruch ist ein biblisches Bild für den Abfall eines Volkes von Gott (---> mariage).  In den spanischen Niederlanden ist im 16. Jahrhundert der Calvinismus auf dem Vormarsch;  erster Aufstand mit Bildersturm ab Sommer 1566.  Aus erzkatholischer Sicht ist das ein >Abfall von Gott<;  denn >außerhalb der Kirche gibt es kein Heil< (noch im 20. Jahrhundert bestätigt in der Konstitution Lumen gentium [1965] Nr.14).   Die Adligen wehren den Aufrührern nicht, versäumen die Pflichten gegenüber dem König.  Wenn sich Adlige zusammentun ohne Erlaubnis des Königs, ist das Verschwörung und Verrat. 

 

Die >aufgeregte Dame< sind die Untertanen des Königs der spanischen Niederlande (---> dame), die bei der Statthalterin vorsprechen.  Sie macht schriftliche Zugeständnisse, um die Wogen zu glätten. Damit >nennt sie Verschwörung und Ehebruch nicht beim Namen<.  Sie schreibt an Philipp II., aber der setzt ihre Zugeständnisse nicht in Kraft (Parker [1977] S.92).  Stattdessen schickt er 1567 den Herzog Alba mit mehreren zehntausend Soldaten.  Der errichtet in Brüssel ein Tribunal, 7/09, von den Niederländern Blutrat genannt, weil es etwa 1000 Todesurteile fällt.    

Nach 1588 ist Henri Quatre nicht mehr zu verhindern

   06/62   Trop tard tous deux les fleurs seront perdues,  
                 Contre la loy serpent ne voudra faire:  (1568)    
                 Des ligueurs forces par gallotz confondues,  
                 Sauone, Albingue par monech grand martyre. 
   

                 Zu spät, alle beide Blumen sind hinüber,

                 gegen das Gesetz wird (die) Schlange nicht handeln wollen.

                 Die Kräfte der Liga durch Kriegsschiffe zerstört.

                 Savona, Albenga (erleiden) durch Monaco großes Martyrium.
   
                    3) Mittelfrz. (Go) n.m. galiot Galeone, Kriegsschiff (galiotte).  

                    Mittelfrz. (Gr) v. confondre niederschlagen (abattre), zerstören (détruire).    
   
1) Nach Bruder Hercule 1584 stirbt 1589 mit dem kinderlosen Henri Trois der letzte Valois mit der Lilie im Wappen.    

2) Der Hugenotte Henri de Navarre ist nach salischem Gesetz seit 1584 legitimer Thronfolger, den der Papst 1585 exkommuniziert.  König Henri III. verweigert damals die Ratifikation der päpstlichen Bulle. Spitzname seiner wichtigsten Beraterin ist Madame Serpente, 1/10.  Sie betreibt nach der Niederlage gegen die Guisen 1585 eine Verständigung mit Navarra (Heritier [1977] S.323).  

 

3) Im August 1588 wird die spanische Armada im Ärmelkanal besiegt.  Bis dahin wäre  der Protestant auf dem Thron Frankreichs mit spanischer Hilfe zu verhindern gewesen, meint N., aber nun sinke Spaniens Stern ("zu spät").      

 

4) Monaco hat seit 1525 eine spanische Garnison.  Benachbarte Genueser (Savona, Albenga) sind Bankiers der spanischen Krone.  Die Niederlage der Armada 1588 bringt große staatliche Flottenbau-aufträge und beflügelt die Geschäfte der Genueser Banken;  das >Martyrium< ist ein Sarkasmus.

 

Der Völkerbund hält den zweiten Weltkrieg nicht auf

   06/64   On ne tiendra pache aucune arresté,    
                 Tous receuans iront par tromperie:    
                 De paix & trefue terre & mer proteste,    
                 Par Barcelone classe prins d'industrie. (1568)    

                 Man wird das Abkommen nicht halten, keiner wird aufgehalten,

                 alle Beteiligten gehen durch (eine) Täuschung/  über Frieden

                 und Waffenruhe, (die) auf Land und Meer bekräftigt (wurden).

                 Wegen Barcelona wird (eine) Flotte von Betriebsamkeit erfasst.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. pact, pache Abkommen (pacte), Übereinkunft, Einigkeit (accord).    

                    3) Mittelfrz. v. protester schwören (jurer), feierlich erklären (déclarer de manière solennelle),

                    bekräftigen, beteuern (affirmer).      

                    4) Mittelfrz. Präp. par auch: wegen.  Lat. n.f. industria Betriebsamkeit, Fleiß.    
   
1)2)3) Es ist ein Abkommen mit vielen Beteiligten, das Waffenruhe und Frieden bringen soll, weit-räumig, ohne Ortsangabe, auch Seemächte einschließend.  Es könnte der Völkerbund 1919 sein, als "der Friede ausgerufen wird unter Einem", dem geistigen Vater US-Präsident Wilson, 1/92.  Der Bund kann einige kleinere Konflikte lösen.  Große Konflikte wie den spanischen Bürgerkrieg hält er nicht auf.  Auch auf die Vorgeschichte des zweiten Weltkrieges hat er keinen Einfluss.  Auf Frieden hoffende französische Politiker täuschen sich, mit fatalen Folgen, 1/97.    


4) Ab 1936 kommt die Flotte des faschistisch regierten Italien den spanischen Rebellen zu Hilfe, 5/51. Barcelona, eine Hochburg der Republiktreuen, wird im März 1938 von italienischen Schiffen aus beschossen.  Italien ist 1937 aus dem Völkerbund ausgetreten. 

   

Deutschland überfällt Polen ohne Kriegserklärung (1.9.1939),

                      Vor der Reichskanzlei zwei gegrillt (30.4.1945)

   06/65   Gris & bureau, demie ouuerte guerre,    
                 De nuict seront assaillis & pillés:    
                 Le bureau prins passera par la serre,    
                 Son temple ouuert, deux au plastre grillés. (1568)    

                 Halb grau und halb amtlich (wird der) Krieg eröffnet,

                 des nachts werden sie angegriffen und beraubt werden.

                 Der Braune gefangen, wird durch die Kelter gehen,

                 sein Tempel offen, zwei auf dem Gipsboden gegrillt.
   
                    1) Neben der Tarnfarbe grau stehend (---> gris), bedeutet bureau ungetarnt, offiziell.  

                    N.m. bureau Dienststelle, Amt.  Mittelfrz. (Gr) mettre sur le bureau etw. zur Sprache bringen.      

                    3) N.m. bure, bureau auch: ein Stück brauner Stoff (Großer Larousse);  

                    prov. Adj bureu braun wie die Kutte (brun comme la bure)    

1) Es werde gegen Polen nur "zurückgeschossen", erklärt Hitler am 1.9.39 verharmlosend und wahr-heitswidrig im Reichstag.  Dass damit wegen der Grenzgarantien Frankreichs und Großbritanniens für Polen die Schwelle zum Krieg überschritten ist, sagt er nicht.  Am 3.9. erklären Großbritannien und Frankreich dem deutschen Reich den Krieg.

2) Das Feuer auf Danzig beginnt um 4:45 Uhr Ortszeit in der Früh.  Es ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg und ein Raub- und Rassenkrieg, >begründet< durch die Ideen des >Führers< vom >Herrenvolk ohne Raum<.        


3) Braun ist neben schwarz die Kultfarbe des >Dritten Reiches<, zum Zeichen der Ideen Hitlers, die neben >Blut< auch >Boden< zum Gegenstand der Verehrung erheben.  Am Ende werde er zum >Gefangenen< des russischen Bären, dessen Revier er vor allem erbeuten will, und werde dann "im Mittelpunkt des Drucks" stehen, 2/82. 


4) Die Reichskanzlei als Tempel verdeutlicht den pseudoreligiösen Anspruch eines Regimes, das die Menschen in der Volksgemeinschaft erlösen will.  Nach der Selbsttötung werden die Leichen Hitlers und seiner Frau neben der Reichskanzlei mit Benzin abgefackelt.  

Großer Römer auferstanden, neue Sekte gegründet 

   06/66   Au fondement de la nouvelle secte,     
                 Seront les oz du grand Romain trouués,    
                 Sepulcre en marbre apparoistra couuerte,    
                 Terre trembler en Auril, mal enfouetz. (1568)   

                 Bei der Gründung der neuen Sekte

                 werden die Gebeine des großen Römers gefunden,                 

                 (sein) Grab wird erscheinen, mit Marmor bedeckt.

                 (Die) Erde bebt im April, (die Gebeine) waren schlecht begraben.
     
2)3) Das >marmorne Grab eines großen Römers< wird nach außerordentlichen Naturereignissen >geöffnet<, 9/84 (---> sepulchre).  Die Idee eines weltumspannenden Kaisertums wird neu belebt und hoch geschätzt (Marmor).  Es wird ein globales Regime geben, an dessen Spitze ein Alleinherrscher steht, 1/04.  

 

1) Der antike römische Kaiser war zugleich der oberste Priester der römischen Staatsreligion.  Die Verbindung von weltumspannender Herrschaft und dem Priestertum eines Staatskultes ersteht in dem Gemeinten wieder, 1/43.  Mit der neuen Sekte sind die Anhänger dieses >neuen Heiligen<, 10/30, gemeint.    

 

4) Das >Erdbeben< sind die Erschütterungen durch den Bann gegen die alten Religionen, 9/83.  Den Bann gegen die katholische Kirche,10/65, sieht N. als Fortsetzung antiker Christenverfolgungen.

 

Richter verdammen Lehre, altgläubige Christen vor Gericht

 

   06/72    Par fureur faincte d'esmotion diuine, 
                 Sera la femme du grand fort violee: 
                 Iuges voulans damner telle doctrine,  
                 Victime au peuple ignorant imolee.  (1568) 

                 Aus vorgetäuschter Leidenschaft göttlicher Erregung

                 wird der Frau des Großen heftig Gewalt angetan werden.

                 Richter (sind) willens, zu verdammen solche Lehre,

                 (ein) Opfer wird dem unwissenden Volk dargebracht.
   
Man denkt an die spanische Inquisition und die Autodafés, als Menschen zum Tod verurteilt wurden, um dem Glauben des Volkes aufzuhelfen.  Aber so etwas in aufgeklärter Zeit!?  Die >Frau< ist >Mutter Kirche<, deren Vorsteher "ergriffen" ist, 5/15, als >der Heiland wieder auf Erden erscheint<, 1/95.  In großer Freude schließt sie mit ihm die >Ehe<, 10/55.

Wenige Jahre später ist der Traum von der großen Liebe geplatzt, 6/93 Vz 4.  Die >häusliche Gewalt<, die >Mutter Kirche< angetan wird, besteht darin, dass sie >nichts mehr zu sagen hat<, indem ihre Lehren schlicht verboten werden, 10/65.  Das Verbot der christlichen Lehren wird als Opfer gerecht-fertigt, 3/26 Vz 3, das dem Weltfrieden gebracht werden müsse. 

Es leiden dann Gläubige, die trotz des Verbots am alten Glauben festhalten.  Sie sind von staatlicher Propaganda verhetzten Völkern ausgesetzt, 1/45 Vz 1.  Manche werden vor Gericht gestellt, verurteilt, werden Opfer staatlicher Verfolgung, Mt 10,16-33.  Der Hass, mit dem >die Welt<, zu seiner Zeit der weltlich gesonnene jüdische Tempel, Jesus begegnet ist, erstreckt sich auf alle, die ihm folgen, Joh 15,18 bis 16,4. 

Invasion Europas von Nordafrika und Asien her

   06/80   De Fez le regne paruiendra à ceux d'Europe,    
                 Feu leur cité, & lame trenchera: (1568)  
                 Le grand d'Asie terre & mer à grand troupe,    
                 Que bleux, pers, croix, à mort dechassera.    

​ 

                 Das Reich von Fez wird erreichen die von Europa,

                 ihre Städte in Flammen, und Klinge wird schneiden. 

                 Der Große von Asien kommt auf Land und Meer mit vielen Truppen,

                 um Blaue, Väter, Kreuz zu Tode zu jagen.
   
1) Es kann auch "Herrschaft über Fez" übersetzt werden;  dann würden die Europäer Marokko unter-werfen;  das gab es 1844 bis 1956.  Aber im Kontext der Gruppenverse ist eine andere Zeit gemeint. Nach dem Kataklysmus unterwerfen Araber und Perser nach und nach Teile Europas, 5/25.  Der König von Marokko wird interniert, 6/54, der Maghreb erhebt sich, 1/73 Vz 2.  Spanien wird in Besitz genommen, 5/14, bis an die Pyrenäern, 9/73.  Am Ende kommt von Nordafrika her größter Schrecken für die >Römer<, 2/30.  Ein Kriegsherr schickt die bestgerüsteten Orte der Fremden und will >die Seinen< ausrotten lassen, 9/80.    


2)4) Ihre militärisch-politische Dominanz wird durch kulturelle und religiöse Vorherrschaft unterfüttert, 3/27.  Christen, die am alten Glauben noch festhalten, werden mit dem Tod bedroht.  Oder es wird wahllos gebrandschatzt und gemetzelt.    


3) Dazu gibt es mehrere Parallelstellen, voran VH (17).  Die beiden Größten Asiens und Afrikas dringen nach Europa vor, 4/68.  Das Mittelmeer können die Europäer nicht mehr sicher befahren, 5/11. Die Unterwerfung betrifft >Land< und >Meer<, ist politisch-militärische Unterwerfung und am Ende das erzwungene Bekenntnis zur >neuen Religion<, Vorschau (X).    

Militarisierung der Gesellschaft, und ein großer Hinker

   06/84   Celuy en Sparthe Claude ne peut regner,    
                Il fera tant par voye seductiue:    
                Que du court, long, le fera araigner,    
                Que contre Roy fera sa perspectiue. (1568) 
  

                Jener in Sparta große Hinker kann nicht regieren,

                (doch) wird er viel bewirken im Wege der Verführung.

                Und er wird über kurz oder lang den einspinnen,

                der gegen (den) König seine Perspektive stellt.
   
                   1) V. claudiquer hinken, lat. Adj. claudus lahm, hinkend.  Groß geschrieben,

                   ist es ein großer Hinker.    3) N.f. araignée Spinne.    
   
1) Das antike Sparta war ein Staat, den eine allgemeine, schon die Kinder erfassende Militarisierung kennzeichnete;  darin gleicht ihm das nationalsozialistisch beherrschte Deutschland der Jahre ab 1933.  Der große Hinker ist Propagandaminister Goebbels mit seinem Klumpfuß.  Schon vor 1933 stellt er die politischen Differenzen mit Hitler um der Karriere willen zurück, ordnet sich unter.   


2) Seine großen demagogischen Fähigkeiten stellt er in den Dienst des Führerkultes und des Juden-hasses seines Herrn, artikuliert die Begeisterung für das Regime und verführt so das deutsche Volk. Bei N. bedeutet Verführung immer Wegführung vom katholischen Glauben (---> seduction) und verweist auf den unchristlichen Charakter des Nationalsozialismus, das "glückliche Heidentum", 3/76, des >neuen Sparta<.        


3)4) Da ist ein Astrologe gemeint, der dumm genug ist, dem Regime durch Warnungen dienen zu wollen.  Nach dem Englandflug des Führerstellvertreters Rudolph Heß am 17.5.1941 kommt er in "Schwierigkeiten", 2/36, wird verhaftet und stirbt am 8.1.45 im KZ.  Näheres im historischen Kapitel.

Gleich zwei Kaiser nach dem Ende des alten Kaisertums

   06/87   L'election faite dans Frankfort,  
                N'aura nul lieu Milan s'opposera:    
                Le sien plus proche semblera si grand fort   
                Que outre le Ryn és mareschz chassera. (1568)    

                Die Wahl, in Frankfurt gehalten, 

                wird nicht mehr stattfinden, Mailand wird sich entgegenstellen.

                Der Seinige, nächste Verwandte wird so großmächtig erscheinen,

                dass er (ihn) über den Rhein hinweg in Sümpfe jagen wird.
   
                   4) Mittelfrz. (Go) n.f. maresche Sumpf (marais).    
   
1)2) Die Kaiserwahl, seit dem zwölften Jahrhundert in Frankfurt abgehalten, "hat keinen Ort mehr", sie findet nicht mehr statt.  Das ist die Zeit nach 1806, als der letzte Kaiser des alten Reichs abdankt, 10/46.  Es verbleibt ein auf Österreich-Ungarn beschränktes Kaisertum.  Aber auch dieses wird ange-fochten.  Im Jahr 1848 ruft König Karl-Albert von Sardinien-Piemont auf zum >heiligen Krieg< gegen Österreich, dessen Kaiser die Lombardei mit Mailand damals gehört, 3/39.  Doch erst ab 1859 muss Österreich sich aus der Lombardei zurückziehen, 8/12, 10/64.     


3)4) Der "Seinige, nächste Verwandte" des alten Kaisers, ist ein Fürst, der zum alten Reich gehört hat.  Gemeint ist Preußen, das immer mächtiger geworden ist und 1866 Österreich, dann 1870/71 mit seinen süddeutschen Verbündeten Frankreich besiegt.  Das napoleonische Kaisertum, 1852 neu aufgelebt, verschwindet in der Versenkung (Sumpf), es geht unter, 6/52.  Das zweite deutsche Kaisertum unter Führung Preußens wird begründet.  Im Frankfurter Frieden vom Mai 1871 annektiert das deutsche Kaiserreich das Elsass und Teile Lothringens.  

 

Dünkirchen:  Schande, Schrecken und Glück

   06/90   L'honnissement puant abhominable    
                 Apres le faict sera felicité,    
                 Grand excusé, pour n'estre fauorable,    
                 Qu'à paix Neptune ne sera incité. (1568)    

                 Die Schande stinkt Schrecken erregend,

                 (aber) nach dem Ereignis wird Glückseligkeit sein.

                 Dem Großen (wird) verziehen, keine Gunst erwiesen zu haben,

                 so dass Neptun nicht zum Frieden angeregt sein wird.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. honnissement  Unehre, Schimpf (dèshonneur),

                    Schande (honte), Demütigung, Erniedrigung (humiliation).    
   
1)2) Ein britisches, mehrere 100.000 Mann starkes Expeditionscorps bezieht seit September 1939 im Nordosten Frankreichs Stellung.  Nach Beginn der Kampfhandlungen am 10.5.40 werden die Briten an die Kanalküste zurückgedrängt (Schrecken), und rund um Dünkirchen eingekesselt.  Sie werden dann evakuiert und werden so "abtrünnig von der Festung", 4/65, dem defensiv gerüsteten Frankreich.  Das erschreckt die Franzosen, die nun allein dastehen und von den Briten enttäuscht sind (Schande).

 

Die Evakuierung, das "Ereignis", ist aber dann "im Ergebnis unerwartet erfolgreich und führt zu ernormer Erleichterung" (wikip. Schlacht bei Dünkirchen).     


3)4) Churchill steht lange allein gegen die Beschwichtigungspolitik der britischen Regierung, 5/04 ("keine Gunst").  Aber am 10.5.1940 >wird ihm seine Opposition verziehen<, er wird neuer Premier der Seemacht Großbritannien (Neptun).  Am 19.7.40 sagt Hitler im Reichstag, an Großbritannien gerichtet, der Krieg müsse nicht fortgesetzt werden.  Churchill lässt das Angebot eines Separat-friedens von seinem Außenminister zurückweisen.  Großbritannien will keinen Frieden mehr.  Es folgt die Luftschlacht um England 1940/41 und die Atlantikschlacht 1940-44, 2/40.

 

Ein Herrscher erzürnt über Thronzerbrecher, wenn Kriegswaffen verboten sind 

   06/94   Vn Roy iré sera aux sedifragues,    
                 Quant interdicts seront harnois de guerre:    
                 La poison taincte au sucre par les fragues    
                 Par eaux meurtris, mors, disant terre, terre. (1558)    

                 Ein Herrscher wird erzürnt sein über die Thronzerbrecher,

                 wenn verboten sein werden Rüstungen zum Krieg.

                 Das Gift zuckersüß gefärbt durch die Zerbrecher,

                 durch Fluten zu Tode Gequetschte, wenn sie Erde beim Namen nennen.
   
                     1) Lat. n.f. sedes Stuhl, Thron, lat. v. frangere zerbrechen, zertrümmern.    

                     2) Mittelfrz. (Gr) n.m. harnois Bewaffnung, Kriegsrüstung (armure).    
                     4) Spätere Ausgaben, auch (1568),  haben "serre, serre".    

   
1)2) Nach dem Krieg USA-China, 4/95, wird man den Krieg (als Institution) begraben wollen, 3/36. Die Staaten müssen Hoheitsrechte an ein globales Regime abtreten, 4/21.                  

 

3)4) Später liegt eine "große Bedrückung  ü b e r  den Fürsten der Reiche", VH (29).  Die Welt wird mit einer >giftigen< >neuen Religion< geflutet (---> poison, ---> deluge).  Sie hat nur totes Sprach-material ohne Geist zu bieten, weil sie rein diesseitig orientiert ist, 3/44.  Wer das beanstandet und >Erde< (---> terre), den toten Buchstaben ohne Jenseitsbezug beim Namen nennt, hat auf Erden kein Lebensrecht mehr.  Dann eröffnet ein Erzürnter den Krieg gegen die "Thronzerbrecher", 10/44. 

   

Feuer nähert sich der großen neuen Stadt

   06/97   Cinq & quarante degrés ciel bruslera,    
                 Feu approcher de la grand cite neufue,  
                 Instant grand flamme esparse sautera,  (1568)  
                 Quand on voudra des Normans faire preuue.     

                 (Bei) fünfundvierzig Grad wird der Himmel brennen,

                 Feuer nähert sich der großen neuen Stadt.

                 Augenblicklich schießt eine große Flamme ausgegossen empor,

                 wenn man es den Normannen wird zeigen wollen.
   
                    1) N.m. degré Stufe, Rang, Grad;  der degré climaterique in 5/98 ist klar Breitengrad.    

                    2) V. s'approcher de qc. sich einer Sache nähern.    
                    3) Mittelfrz. (Gr) v. espardre ausgießen (répandre).          

                    4) Wendungen faire la preuve de qc. etw. beweisen;  faire ses preuves sich bewähren.    
   
1)2) Normannen sind Eroberer, die über's Meer kommen (---> Normans).  Das können Türken im Mittelmeer im 16. Jahrhundert sein, 9/30, oder Amerikaner im 20./21. Jahrhundert, die mit ihrer Marine als Eroberer auftreten, z.B. im zweiten Weltkrieg, 3/33.  Im Kontext der Amerikaner ist die große neue Stadt am ehesten New York, gegründet 1626 als Neu-Amsterdam, seit 1667 New York.  Zum räumlichen Geltungsbereich der Centurien Exkurs (13).  Aber die Stadt liegt am 41., nicht am 45. Breitengrad, eine Abweichung von etwa 600 Km.  Schaut man sich Karten des 16. Jahrhunderts an, die die wahre Gestalt des neuen Kontinents noch kaum treffen und Breitengrade gar nicht verzeich-nen, ist die Abweichung nicht als so groß zu bewerten, wie sie heute erscheint;  aber klar ist auch, dass N. sich hier zu weit aus dem Fenster lehnt.    


2)3)4) Die Beschreibung des Vorgangs und Motivs passt gut auf Nine-Eleven.  Das Feuer wird von außen in die Türme getragen.  Dann "bebt die Erde beim Turm der neuen Stadt", 1/87.  Man will "es" den Normannen beweisen, nämlich dass sie im eigenen Land verwundbar sind.    

Katholische Kirche Frankreichs durch eine konstitutionelle Kirche ersetzt,

die Revolutionäre berauscht, Guillotine eingeführt, Toulon fügt sich

   07/03   Apres de France la victoire nauale,    
                 Les Barchinons, Saillinons, les Phocens,   
                 Lierre d'or, l'enclume serré dedans la basle,  
                 Ceux de Ptolon au fraud seront consens. (1568)    

                 Nach dem Seesieg Frankreichs (erhalten)/

                 die Barkenverneiner, die (Ver)sailles-Verneiner, die Marseiller

                 Efeu aus Gold.  Der Amboss verschnürt im Bündel.

                 Die von Toulon werden dem Betrug zustimmen.
   
                     2) Barcelona heißt lat. Barciano.   N.f. barque Barke, Boot, 1/04 Vz 3..  

                     Griechen aus Phokaia in Kleinasien haben der Legende nach Marseille gegründet.    
                     3) Altfrz. n.m. bale Warenbündel, wie in 6/91.  

                     4) Ptolon verkürzt aus Portus Toloni = Toulon (Pfändler [1996]).    
   
1) Das >Meer< bedeutet den Bereich der Religion (---> mer), >Schiffe< darauf bedeuten Glaubens-gemeinschaften (---> nef).  Am 2.11.1789 werden alle kirchlichen Besitzungen in Staatsbesitz über-führt;  am 2.7.90 wird mit der Zivilverfassung des Klerus dem Papst jedes Recht über die Kirche Frankreichs abgesprochen.  Kleriker, die ihren Beruf ausüben wollen, müssen einen Eid auf die Verfassung ablegen.  Der neue Staat hat eine neue linientreue Kirche geschaffen und so einen Sieg gegen die Papstkirche errungen.


2) Das >Fischerboot< ist die katholische Kirche, 1/04.  Die Revolutionäre lehnen die Papstkirche ab und ebenso >Versailles<, das alte Feudalsystem.  Die Marseiller steuern ein Lied bei, als sie am 30.7.1792 in Paris einziehen, es wird Nationalhymne.      


3) Mit Efeu sind die wilden Begleiterinnen des Dionysos (Bacchus) bekränzt.  Durch Lieder berauscht, feiern die Verneiner der alten Ordnung ihre eigenen hoch geschätzten (>goldenen<) Ideen.  Die Guillotine, die als fortschrittlich gepriesene neue Hinrichtungsbank, wird im März 1792 eingeführt.  Die Revolutionäre haben ein Gerät >im Gepäck<, das N. an die Werkbank eines Schmieds erinnert.    


4) Toulon lässt im August 1793 die Briten gegen die Revolution ins Land, muss aber im Dezember den Widerstand aufgeben.    

Volk der spanischen Niederlande umworben, dann in Händen des Gerichtsfürsten

   07/09   Dame à l'absence de son grand capitaine, 
                 Sera priee d'amours du Viceroy,   
                 Faincte promesse & malheureuse estraine,   
                 Entre les mains du grand prince Barroys. (1568)    

                 Dame wird in Abwesenheit ihres großen Kapitäns

                 umworben vom Liebeswerben des Vizekönigs.

                 Falsches Versprechen, und unglückliches Vorzeichen,

                 (sie gerät) in die Hände des großen Gerichtsfürsten.
   
                     3) Mittelfrz. n.f. bonne estrene (Go) Glück (fortune) Chance,

                     (Gr) a bonne estrenne bei gutem Vorzeichen (de bon augure).    
                     4) Mittelfrz. (Gr) n.f. barre auch: Gerichtsschranke (barrière du tribunal),

                     die das Publikum von den Richtern trennt.    
   
1) Die >Dame< ist das Volk der spanischen Niederlande, 6/59 (---> dame).  Ihr >großer Kapitän< ist König Philipp II. von Spanien.  Seit Oktober 1555 ist er König der spanischen Niederlande (heute in etwa Benelux + franz. Dept. Nord).  Am 24.8.1559 verlässt er das Land, um in das Hauptland seines Königreichs, nach Spanien zu gelangen;  zurückgekehrt in die Niederlande ist er nie.    


2) Als Regentin setzt er 1559 seine Halbschwester Margarethe von Parma ein, die das Amt bis 1567 ausübt.  Ihre Politik setzt auf Ausgleich mit den niederländischen Adligen.  Einen ersten Aufstand lässt sie 1566 niederschlagen, stimmt aber dann Forderungen nach religiöser Toleranz zu.  Daraus wird bei N., dass sie >um die Liebe des Volkes wirbt<.    


3)4) Der König setzt ihre Zugeständnisse nicht in Kraft, ein Vorzeichen für kommendes Unglück.  Er schickt dann seinen Bluthund, den Herzog von Alba, der 1567 ein Tribunal errichtet gegen Ketzer und Rebellen aus allen 17 Provinzen, 6/59.  Dieses Sondergericht, bald Blutrat genannt wegen der vielen Todesurteile, wird als Instrument Albas zum Kennzeichen dieses Fürsten.    

Napoleon verachtet die demokratische Gesinnung >seiner Mutter<

   07/11   L'enfant Royal contemnera la mere,    
               Oeil, piedz blessés, rude, inobeissant,    
               Nouuelle à dame estrange & bien amere,    
               Seront tués des siens plus de cinq cens. (1568)    

               Das königliche Kind wird die Mutter gering schätzen,

               (an) Auge, Füßen verletzt, rücksichtslos, ungehorsam.

               Neuigkeit für die Dame befremdlich und recht bitter,

               es werden getötet von den Ihren mehr als fünfhundert.
   
                  1) Mittelfrz. (Gr) v. contemner verachten (mépriser), gering schätzen (dédaigner).    
   
1) Die >Mutter<, das französische Volk, ermöglicht ihrem >Kind< Napoleon durch ihre egalitäre Gesinnung eine Karriere, wie sie vorher nicht möglich gewesen wäre.  Er ist ein Kind des revolutio-nären Frankreich, 5/61.  >Kinder< nennt N. Herrscher, bevor sie ihre Herrschaft angetreten haben;  vor dem Putsch am 9.11.1799 ist Napoleon noch >Kind< (---> enfant).    


2) Die letzten fünfzehn Monate vor dem Coup hat Napoleon zwar Ägypten erobert, aber seine Flotte bei Abukir fast ganz verloren, wodurch seine Armee im Land "eingeschlossen" ist, 3/23, und so ihre Bewegungsfreiheit eingebüßt hat.  Die >Augenverletzung< bedeutet den Mangel an Weitblick, den das

Ägyptenprojekt verrät.  Politisch und militärisch hat es Frankreich nur Verluste gebracht.    
 

3) Indem General Bonaparte 1799 durch einen Putsch die Verfassung bricht, ist er "rücksichtslos" und "ungehorsam" gegen seine demokratische >Mutter<, deren egalitäre Gesinnung er verachtet.

4) Die "Ihren", die Kinder Frankreichs, sind die Politiker, die in der Ära des Direktoriums (1795-99) Ämter bekleiden und die Institutionen innehaben.  Der Rat der Alten und der Rat der 500 werden verjagt.  Ihre Mitglieder sind politisch tot.

   

Nach der Ägypten-Exkursion vertreibt ein Tyrann die Demokratie, 14 Jahre lang

   07/13   De la cité marine & tributaire,    
                La teste raze prendra la satrapie:  
                Chasser sordide qui puis sera contraire,    
                Par quatorze ans tiendra la tyrannie. (1568)    

                Von der tributpflichtigen Stadt am Meer

                wird der geschorene Kopf die Satrapie nehmen.

                (Die) Schmutzige verjagt einer, der dann (ihr) Gegner sein wird.

                Vierzehn Jahre lang wird er die Tyrannei innehaben.
   
                    3) Mittelfrz. (Gr) n.m. contraire auch:  Feind (ennemi), Widersacher (adversaire).    
   
1)2) Der geschorene Kopf ist Napoleon Bonaparte, dessen Kurzhaarfrisur (ab 1799) sich an G.J. Caesar orientiert.  Seine Vorgänger auf dem Thron haben noch Perücken getragen.  Im Juli 1798 geht er nahe Alexandria in Ägypten an Land und verjagt die türkische Garnison aus der Stadt.  Ägypten gehört seit 1517 zum osmanischen Reich und ist diesem tributpflichtig.  "Satrapen" hießen die Statt-halter des persischen Großkönigs und heißt hier der von den Türken eingesetzte Pascha als Statt-halter des Sultans.    


3)4) Die >Schmutzige< ist identisch mit dem >jungen Flittchen<, 5/05, das 1792 den König, seinen >wahren Herrn< vertreibt;  gemeint istdas Volk der Revolution.  Der Schmutz ist im Bild der Hure enthalten für ein Volk, das >mit selbst erwählten Liebhabern geht<.  Das werde Napoleon beenden; das Volk erhält wieder einen >festen Herrn<, diesmal einen Despoten, 6/57.  Im November 1799 an die Macht gekommen, 1804 zum Kaiser aufgestiegen, muss er im April 1814 abdanken, nach vierzehn Jahren und fünf Monaten.    

Vernunftgläubige Aufklärer als Sekte

   07/14   Faulx exposer viendra topographie,    
                Seront les cruches des monumens ouuertes:    
                Pulluler secte faincte philosophie, (1568)    
                Pour blanches, noires, & pour antiques vertes.    

 

                Verkehrt wird man die Landkarte aufstellen.

                Die Krüge der Grabmonumente werden geöffnet sein.

                Um sich greift (ein) Bekenntnis, erfundene Philosophie,

                schwarzes (nehmen) sie für weiß, und für uralt das Grüne.
   
                   3) V. feindre vortäuschen, heucheln, so tun als ob.  

                   Mittelfrz. (Gr) v. feindre, faindre auch: erfinden (inventer), sich ausdenken (imaginer).    
   
1)2) Um den Umsturz des Feudalsystems zu zementieren, wird Frankreich im November 1789 ganz neu eingeteilt in Départements, die an die Stelle der alten Fürstentümer treten.  Für N. ist das einfach "verkehrt".  In St. Denis werden 1793 die Gräber geplündert, weil man das Blei der Särge für Munition braucht.

    
3) Die Sekte mit starkem Zulauf ist die Partei der Revolution und ab 1792 auch der Republik (---> secte). Sie bekennt sich zum Glauben an die Vernunft und die Philosophie, 3/67.  Für N. kann von Menschen Erdachtes nicht den gleichen Rang haben wie eine Offenbarungsreligion.    


4) Die Menschenrechte, 2/08, deren universelle Gültigkeit und staatliche Garantie eine Idee der Auf-klärung ist, gelten für so alt wie der Mensch selbst.  Die >natürliche Religion< des Menschen sei älter als alle Religionen, deren Ursprung man angeben kann. 

 

Belagerung Mantuas sieben >Jahre< lang

   07/15   Deuant cité de l'insubre contree,    
                Sept ans sera le siege deuant mis:  
                Le tresgrand Roy y fera son entrée,  
                Cité, puis libre hors de ses ennemis. (1568)  

                Vor (der) Stadt der lombardischen Gegend
                wird sieben Jahre die Belagerung vorgetragen.

                Der sehr große König wird dort seinen Einzug sich verschaffen.
                (Die) Stadt dann frei, (und) draußen seine Feinde.

   
                   1) Insubrien ist ein alter Name aus keltischer Zeit für das Land von den

                   oberitalienischen Seen bis zum Po.

                   4) Es könnten auch i h r e, die Feinde der Stadt sein, die draußen sind.  

                   Aber die haben sich ja zuvor Zutritt verschafft, sind drin.    
   
In der Festungsstadt Mantua verschanzen sich im Sommer 1796 die Österreicher, nachdem sie die Kontrolle der Lombardei an den französischen General Bonaparte verloren haben.  Mit dem Artillerie-beschuss ab 18.7. beginnt der Belagerungsstatus.  Dass die sieben Jahre nicht wörtlich gemeint sind, wurde schon von anderen Interpreten vermutet.  Nach langwierigen, verlustreichen Kämpfen, 2/37, hat sich Mantua am 2.2.1797, im siebten Monat der Belagerung ergeben.  Wir lernen, dass >Jahre< bei N. auch einmal Monate bedeuten können (wie auch umgekehrt >Monate< einmal für Jahre stehen, 5/90).     
In den Jahren 1796/97 ist Bonaparte Oberkommandierender einer Armee, aber noch kein "sehr großer König".  Doch die Einnahme Mantuas und damit zur Macht in Oberitalien ist für den Korsen das Entree zu einer Karriere, die ihn bis zum Titel eines Kaisers emporträgt.  So viel Übersicht wird man N. schon zugestehen müssen, 7/13.

    

Die Briten räumen Calais (Januar 1558)

   07/16   Entree profonde par la grande Royne faicte  
                Rendra le lieu puissant inaccessible:    
                L'armee des troys lyons sera deffaite,   
                Faisant dedans cas hideux & terrible. (1568)  

               Tiefes Einrücken, durch die große Königin befohlen,

               wird den Ort mächtig (und) uneinnehmbar machen.

               Die Armee der drei Löwen wird geschlagen werden

               und darin eine scheußliche und schreckliche Sache machen.
   
3) Während des französisch-spanischen Krieges 1556-59 steht Britannien unter der katholischen Königin Maria I. Tudor an der Seite Spaniens unter Philipp II.  Den Briten dient die Hafenstadt Calais als Stützpunkt auf dem Kontinent;  sie ist seit 1347 bei der englischen Krone.  Im Januar 1558 kann Francois de Lorraine, Herzog von Guise, überraschend die Stadt für Frankreich zurück erobern.  So erleiden die Briten mit den drei Leoparden im Wappen eine Niederlage


1)2) Königinmutter Katharina von Medici lässt ab 1559 Calais zu einer uneinnehmbaren Festung aus-bauen, die dann 1561 fertig gestellt wird.    


4) ist ungeklärt.  Die Briten ziehen ab aus Calais, lassen 300 Kanonen zurück;  https://fr.wikipedia.org/wiki/Siège_de_Calais_(1558) 

Der Starke von Nizza für die Bürger schrecklich

   07/19   Le fort Nicene ne sera combatu, 
                Vaincu sera par rutilant metal 
                Son faict sera vn long temps debatu,
                Aux citadins estrange espouuantal. (1568)

                Der Starke Nizzaner wird nicht im Kampf geschlagen
                besiegt wird er werden durch rotglänzendes Metall.

                Sein Wirken wird lange Zeit debattiert werden,

                für die Stadtbewohner (ist es) befremdlich, schrecklich.

  
                    1)2) Zu übersetzen "... wird nicht bekämpft", passt nicht, denn es ist klar,

                   dass ein Besiegter zuvor bekämpft wird.  2) Lat. v. rutilare rötlich glänzen.    
   
Vz 1 [Der Starke von Nizza ...] Giuseppe Garibaldi, am 4.7.1807 in Nizza geboren, ist Geheimbündler, Berufsrevolutionär, stellt Freiwilligencorps unter seinem Kommando auf und macht die >Wiedergeburt Italiens< zu seiner Sache.  1848/49 führt er offiziell die Revolutionsarmee einer Römischen Republik, die sich fünf Monate halten kann.  Erfolgreicher ist seine Teilnahme am 2. Unabhängigkeitskrieg 1859/60. Seine Freischaren tragen in der Lombardei, in Sizilien und Kampanien, 8/08, bei zum Erfolg der politischen Vereinigung Italiens.    


Vz 2 [... nicht im Kampf, sondern durch rotes Metall besiegt]  Garibaldi erreicht sein Hauptziel, die Einigung Italiens.  Nur hat er für eine Republik Italien gekämpft, nicht für ein Königreich.  Bei einem Treffen mit dem künftigen König Viktor Emanuel im Oktober 1860 in Teano bei Neapel gibt Garibaldi nach, weil er keinen Bürgerkrieg will (Altgeld, Kleine ital. Geschichte S. 310).  Ein Fürst, der Söldner für ihr blutiges Geschäft bezahlen kann, setzt sich durch gegen den idealistischen Revolutionär.    


Vz 3/4 [lange berühmt, für die Bürger schrecklich]  Der Charismatiker hat Gegner im katholischen Bürgertum.  Aber sein erfolgreicher Kampf und sein abenteuerliches Leben haben ihn zum National-helden gemacht, als der er bis heute gilt.  Die negative Wertung der "Stadtbewohner" darf als Projektion N.s verstanden werden.  Militante Revolutionäre, die >von unten< einen Staat schaffen wollen, lehnt er ab, wie nicht wenige Zeitgenossen Garibaldis, die sich vor der Revolution fürchten. Wer als Ministerpräsident mit ähnlichem Ziel einem König dient, gefällt dem Seher besser, 7/20.

Cavour auf dem Pariser Kongress im Frühjahr 1856

   07/20   Ambassadeurs de la Toscane langue,
                 Auril & may Alpes & mer passer:  
                 Celuy de veau exposera l'harangue  
                 Vie Gauloise ne venant effacer. (1568)
  

 ​

                 Botschafter toskanischer Sprache

                 überqueren (im) April, Mai Alpen und Meer.

                 Jener vom Kalb wird die öffentliche Ansprache halten.

                 Französisches Leben zu tilgen, gelingt (noch) nicht
   
Vz 3 [Jener vom Kalb ...]  Ein torino ist ein kleiner Stier, wie er sich auf dem Stadtwappen Turins findet. Graf Benso de Cavour, ein gebürtiger Turiner, somit ein Kind dieser Stadt (Kalb), wird 1852 Ministerpräsident des Königreichs Sardinien-Piemont und avanciert dann zum erfolgreichsten italienischen Politiker des 19. Jahrhunderts, ist als Reichseiniger der >italienische Bismarck<. 

Vz 2/3 [... überquert Alpen/ Ansprache]  Im Frühjahr 1856 nimmt er zusammen mit dem Botschafter des sardinischen Königs am französischen Hof teil am Pariser Kongress, wo es um den Frieden nach dem Krimkrieg geht.  Er fordert von Kaiser Napoleon III. öffentlich Unterstützung ein für die Sache Italiens als Gegenleistung für die Kriegsteilnahme Piemonts auf französischer Seite. 


Vz 4 [tilgt französisches Leben nicht]  Aber erst fünf Jahre später, im März 1861, kann er die Einigung Italiens unter König Viktor Emanuel erwirken, zunächst noch ohne Venetien, Latium und Rom. Französische Truppen, die den Papst stützen, bleiben in Rom stationiert, bis 1870.    


Vz 1 [Botschafter toskanischer Sprache]  Florenz ist von 1865-70 provisorische Hauptstadt Italiens. Das gesprochene Florentinisch wird dann im Zuge der Vereinigung des Landes als hochitalienische Schriftsprache verbindlich.  Die >toskanische Sprache< ist im Verskontext Metapher für die Rede derer, die als Fürsprecher der nationalen Einheit auftreten.  Ein >Botschafter toskanischer Sprache<, wie Cavour zu Beginn des Verses genannt wird, ist mit diesem Prädikat ausgewiesen als italienischer Patriot, der sich auch im Ausland für die Einheit der Nation einsetzt.  

Der Gatte ist nicht treu und plündert die Gemahlin aus

   07/23   Le Royal sceptre sera contrainct de prendre,   
                Ce que ses predecesseurs auoient engaigé:    
                Puis que l'aneau on fera mal entendre,  
                Lors qu'on viendra le palays saccager. (1568)   
 

                Das königliche Szepter wird genötigt sein, (das) zu nehmen,

                was seine Vorgänger (schon zu nehmen) angetreten waren.

                Dann wird man vorgeben, man verstehe den Ring schlecht,

                wenn man den Palast wird ausplündern wollen.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. entendre auch:  empfangen (donner audience).    
   
1)2) Das "Szepter" ist im Mythos als Attribut ---> Jupiters geläufig;  dieser Göttername steht für den Weltherrscher, den es nach dem Kataklysmus geben wird, 1/04.  Seine "Vorgänger" sind Napoleon und Hitler, 8/29.  Dazu macht sie in N.s Schau die Gegnerschaft gegen den christlichen Glauben. Auch sie seien schon angetreten, >mit dem alten Glauben aufzuräumen<.  Da dem neuen Mann auch höchste religiöse Autorität zuerkannt wird, 2/73, könne und werde er konsequenter als seine Vorläufer auftreten, 9/05.    


Dass er >gezwungen< sein werde, die alten Lehren zu verbieten, besagt, dass dies als unver-meidliche Konsequenz aus der Geschichte von Krieg und Terror mit religiöser >Begründung< dargestellt wird, 1/68, 10/73.      


3)4) Der Ring ist Symbol der Bindung und Treue in der Ehe.  Die katholische Kirche, die sich als geistliche >Mutter< der Gläubigen versteht, wird sich mit dem vermeintlich wieder auf Erden erschienenen >Sohn< verbinden;  N. beschreibt das mit dem Bild der >Ehe<, 10/55, und des Inzestes, 6/50.  Aber der >Gatte< hält von Treue nichts, 10/73 Vz 3, und lässt sich von der ganzen Welt verehren, 10/71.  Am Ende >plündert< er die Kirche, 5/73, indem er umgedeutete Versatzstücke ihrer Lehren in seine >neue Religion< einbaut.    

Beginn des Italienfeldzuges 1796

   07/30   Le sac s'approche, feu, grand sang espandu 
                Po grand fleuues, aux bouuiers l'entreprinse,   
                De Gennes, Nice, apres long attendu,  
                Foussan, Turin, à Sauillan la prinse. (1568)    

                Die Plünderung naht, Feuer, großes Blutvergießen,

                (Zum) Po große Flüsse, auf Rinderhirten zielt das Vorhaben.

                Von Genua, Nizza (geht es aus), war lange erwartet.

                (Auf) Fossano, Turin, Savigliano zielt die Eroberung.
   
3) Napoleon hat am 2.3.1796 vom Direktorium, der französischen Regierung, den Oberbefehl über die Italienarmee erhalten.  Am 23. März kommt er in Nizza an, um die Armee zu übernehmen (wikip. Schlacht bei Mondovi).  Am 6.4. verlegt er sein Hauptquartier 100 Km weiter in die Stadt Albenga auf dem Gebiet der Republik Genua (Cronin [1995] S.142).  Genua, durch den Seehandel zu Reichtum gekommen, hat den Höhepunkt seiner Macht lange überschritten;  es macht Geschäfte mit den französischen Truppen, ähnlich wie Venedig, von dem ein Jahr später auch keine ernstliche Gegenwehr zu erwarten ist, 4/01.    


1)2)4) Von Albenga und Savona aus geht es im April weiter in Richtung Piemont.  In mehreren Schlachten besiegt Napoleon Piemontesen und Österreicher.  Fossano und Savigliano liegen im Piemont mit der Hauptstadt Turin, die einen torino, einen kleinen Stier im Stadtwappen hat.  Ihre Bewohner werden daher als >Rinderhirten< angesprochen, 7/20.  Im Frieden von Turin (18.5.) verliert das Königreich Sardinien-Piemont Savoyen und Nizza an Frankreich.  Die >Flüsse< zum Po sind die durchziehenden Heere, die dann weiterziehen Richtung Lombardei, Mantua, Parma, Venetien (---> fleuve).    

Frankreich hilft Piemont, Piemont holt sich Süditalien

   07/31   De Languedoc, & Guienne plus de dix,  
                Mille vouldront les Alpes repasser:  
                Grans Allobroges marcher contre Brundis  
                Aquin & Bresse les viendront recasser. (1568)   

                Aus Languedoc und Guyenne werden mehr als zehn-

                tausend die Alpen wieder überqueren wollen.

                Große Savoyarden marschieren gegen Brindisi.

                Sie kommen, Aquino und (die) Bresse wieder ins Haus zu holen.
   
                   4) Ein Verbum recasser oder rechasser gibt es auch mittelfrz. nicht.  

                   Mittelfrz. (Go) recaser ein Erbe zuweisen (assigner un héritage).    
                   V. recaser jdn. wieder an seinen verlorenen Platz stellen, wieder unterbringen

                   (placer de nouveau qu. qui a perdu sa place) (Großer Larousse).
   
Im Juni 1859 stehen 170.000 französische Soldaten auf italienischem Boden an der Seite Piemonts gegen Österreich.  Nach ihrem Sieg, 8/12, und dem Vorfrieden vom 11.7. sind Teile der französischen Armee wieder abgezogen.  Napoleon III. ist am 14.8. wieder in Paris.     

 

König Viktor Emanuel von Piemont und seinen MP Cavour nennt N. "die zwei von Bresse", 1/06 (dort begründet).  Die antiken Allobroger siedelten im heutigen Savoyen;  ein Teil der Bresse ist savoy-ardisch.  Die beiden sind die "großen Allobroger", denn sie arbeiten für eine große Sache, die Einigung Italiens. 

   
Brindisi und Aquino gehören seit 1816 zum Königreich beider Sizilien (= Süditalien).  In mehreren Schlachten obsiegen 1860 die Piemontesen mit ihren Verbündeten, darunter den Freischaren Garibaldis, und erwirken im März 1861 die Eingliederung des Südens in das neue Königreich Italien, 8/08.  Die Bresse savoyarde hätten sie auch gern gehabt, müssen aber damit Frankreich belohnen für dessen 1859 geleistete Hilfe, 5/42 Vz 2.  

 

Geboren von einer Sesshaften

   07/32   Du mont Royal naistra d'vne casane,    
                Qui caue, & comte viendra tyranniser    
                Dresser copie de la marche Millane,    
                Fauence, Florence d'or & gents espuiser. (1568)   

                Vom königlichen Berg wird geboren werden von einer Sesshaften

                (einer), der Grab und Erzählung tyrannisieren wird.

                Sie stellen Truppen auf vom Mailänder Grenzland, 

                um Faenza, Florenz von Gold und Menschen zu leeren.
   
                   1) N.f. casanière (großer Larousse) sesshafte Frau (sédentaire), reimbedingt verkürzt.    

                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. compte auch: Erzählung (récit).    
   
1) Die Sesshafte ist ein Volk (---> dame).  Nur beim jüdischen Volk ist Sesshaftigkeit in einem eigenen Land etwas Besonderes, nicht Selbstverständliches, nach langer Diaspora 1948 wieder errungen, eine erfüllte Prognose.  Den Berg Zion hat König David einst erobert, von dem Jesus abstammt, Mt 1,1-17.  Auch der vermeintlich wiedergekommene Christus, 1/95, entstammt demnach dem jüdischen Volk.    


2) Es geht um einen Begrabenen und um das, was von ihm erzählt wird.  Das >Grab< ist die Erinnerung an Jesus Christus (---> sepulchre).  Die Erzählung ist die Deutung der Ereignisse nach dem Kreuzestod durch die Jünger.  Die Erinnerung und ihre christliche Deutung als Auferstehung sollen aus dem Gedächtnis und Bewusstsein der ganzen zukünftigen Menschheit gelöscht werden, 3/72 (>Zweites Begräbnis<). 


3)4) >Gold und Menschen<, das Evangelium und dessen Anhänger (---> or), sollen von der Erde getilgt werden, auch in der Emilia-Romagna (Faenza) und in der Toskana, 6/48.

Frankreich reduziert sein Militär (1919-39)

   07/33   Par fraulde regne, forces expolier,    
                La classe obsesse, passaiges à l'espie:  
                Deux fainctz amys se viendront rallier,    
                Esueiller hayne de long temps assoupie. (1568)    

                Durch Täuschung (die) herrscht, plündern sie Truppen.

                Die Flotte belauert, Fahrtrouten für Spion(e).

                Zwei geheuchelte Freunde werden sich verbünden.

                Sie erwecken Hass, der lang geschlummert hat.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) n.f. fraud Täuschung (tromperie).  

                   Lat. v. exspoliare ausplündern, gänzlich berauben.    

                   2) Lat. n.f. classis Flotte, Heer.    Mittelfrz. (Gr). v. obsesser belagern (assieger),

                   angreifen (attaquer).  Mittelfrz. (Gr) n.f./m. espie Spion (espion), Aufklärer (éclaireur).    
   
1) Mit der "Täuschung" sind Illusionen gemeint, die Versailles in Frankreich geweckt habe, 1/97.  In den 1920er Jahren wird die Wehrpflicht in Frankreich von 36 auf 18, dann auf 12 Monate reduziert. Die Friedensstärke der Armee ist 1939 um 30 % gesunken gegenüber 1920, 4/12.    


2) Ein erheblicher Teil der französischen Flotte wird Anfang Juli 1940 von den Briten versenkt oder übernommen, 4/91.  Deutsche Marine erkundet 1939ff mit ihren U-Booten die Fahrtrouten britischer Schiffe und Hilfslieferungen aus den USA.  Durch die eroberten Häfen an der Biscaya hat sie kurze Wege zu den westlichen Zufahrten der britischen Inseln.    


3)4) Kurz vor Kriegsausbruch schließen Hitler und Stalin einen Nicht-Angriffspakt, 10/01, ohne Freunde zu werden.  Damit hat Hitler den Rücken frei und kann Frankreich angreifen, 10/38.  Die deutsche Propaganda hat schon im ersten Weltkrieg gegen die Franzosen als von den Vätern über-nommene >Erbfeinde< gehetzt.  Die Bedingungen des "Scheinfriedens" von 1871, 6/22, besonders die Gebietsabtretungen, werden von den Franzosen als demütigend empfunden und nähren den Groll gegen die Deutschen über Generationen hinweg.  In der französischen Kriegspropaganda 1940ff erscheinen die Boches (Scheißdeutsche) wieder als notorische Gewalttäter.    

Schock, Trauer und Schmerz in Frankreich (17.6.1940)

   07/34   En grand regret sera la gent Gauloise,    
                Coeur vain, leger croira temerité:    
                Pain, sel, ne vin, eaue: venin ne ceruoise    
                Plus grand captif, faim, froit, necessité. (1558)    

                In großem Schmerz wird das gallische Volk sein,

                mutlos wird es leicht Beliebiges glauben.

                Kein Brot, Salz, Wein, (nur) Wasser. Gift, kein Bier.

                Der Größte gefangen, Hunger, Ernüchterung, Verlorenheit.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.f. temerite u.a. blinder Zufall (hazard aveugle), Leichtsinn (legèreté).  

                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. froid auch: Pech (malchance), Ernüchterung (perte de l' enthousiasme).  

                   Mittelfrz. (Gr) n.f. necessité auch: Not (besoin), Verlorenheit, Verzweiflung (détresse).    
   
Der Vers gibt bildhaft die Stimmungslage der Franzosen nach dem Sieg der deutschen Wehrmacht im Sommer 1940 wieder.  Nach der Radio-Ansprache des greisen Nationalhelden und neuen Minister-präsidenten Pétain am Mittag des 17.6. verbreiten sich Scham, Trauer, Mutlosigkeit und Desorien-tierung angesichts der Niederlage (Literatur: Spiegel Edition Nr. 2 [2019] S. 50-55).  Pétain ist bereit, mit den Besatzern zusammenzuarbeiten, 8/65, und wird zum weisungsgebundenen Vasallen Hitlers (>gefangen<), muss sich nach >fremden Gesetzen< richten, 3/49 Vz 3.  

 

Aus einem geplanten großen Fischfang wird nichts 

   7/35   La grande pesche viendra plaindre, plorer   
              D' auoir esleu, trompés seront en l'aage:    
              Guiere auec eulx ne vouldra demourer,  
              Deceu sera par ceulx de son langaige. (1568)    

              Den großen Fischfang wird man beklagen, beweinen,

              (ihn) gewählt zu haben.  Getäuscht werden sie beizeiten.

              Nicht lange wird er bei ihnen bleiben wollen.

              Enttäuscht wird er werden durch Menschen seiner Sprache.
   
                 1) pesche eine alte Schreibweise des n.f. pêche Fischfang.   

                 Mittelfrz. (Gr) v. plorer traurig sein (être triste), sich traurig zeigen (paraître triste).
   
Das >Fischerboot<, 1/04, ist ein Bild für die katholische Kirche, die wie Jesus von Nazareth >Menschen fischen<, d.h. zum Glauben an den Mensch gewordenen Gott und die Erlösung durch seine Tat führen will.  Der Papst trägt den Fischerring als Symbol für diese Aufgabe.  Der >große Fischfang< ist das Unternehmen des letzten Papstes, seine Kirche mit Hilfe des >wiedergekomme-nen Heilandes< zur weltweit dominierenden Glaubensgemeinschaft zu machen, 5/49.  Die Kurie wird den Mann wählen, d.h. anerkennen, 10/91. 


''Beizeiten" wird sie merken, dass der Glaube an den Erfolg dieses Vorhabens auf Selbsttäuschung beruhte, 6/93.  Der Rückhalt durch die Kirche ist für den neuen Mann Mittel zum Zweck seines weiteren Aufstiegs.  Dann wird er sich geistig >von ihr entfernen<, auch andere Religionen seiner Philosophie erschließen, 4/30.  Das Nicht-Bleiben ist die Perspektive derer, die ernstlich an ihn glaub-ten.  In Wahrheit ist er als rein diesseitig orientierter Ideologe, VH (20), ihnen nie >nah< gewesen. Menschen >seiner Sprache< sind die Katholiken, die ihn trotzdem für den erneut auf Erden erschienenen Christus halten.  

Gläubige, die dann lernen, >ihn und Christus zu trennen<, 1/58, werden ihn enttäuschen.    

Feuer vom Himmel, dann extremes Hochwasser an der Garonne 

   08/02   Condon & Aux & autour de Mirande    
                 Ie voy du ciel feu qui les enuironne. 
                 Sol Mars conioint au Lyon puis marmande    
                 Fouldre, grand gresle, mur tombe dans Garône. (1568)  

                 Condom, Auch und rund um Mirande

                 sehe ich Feuer vom Himmel, das sie umgibt.

                 Sonne, Mars gemeinsam im Löwen, dann (bei) Marmande

                 Blitz, schwerer Hagel.  Mauer stürzt in die Garonne.
   
1)2) Die Städte Auch, Mirande und Condom im Département Gers westlich von Toulouse, Marmande an der Garonne schon näher an Bordeaux.  Feuer vom Himmel bei Auch und Mirande hat auch Vers 1/46, und zwar  i n  d r e i  N ä c h t e n.  Die dreitägige Finsternis, ein Topos der prophetischen Literatur, gehört zum Kometensturz, der den Kataklysmus auslöst.  Diese Finsternis hat N. für einen Oktober angesagt, VH (18), einen julianischen Oktober (14.10. - 14.11.), VH (33).    


3)4) Auf den Kometensturz folgen außerordentliche Niederschläge.  Die Garonne ist vom Hoch-wasser schwer betroffen, Häuser stürzen in den Fluss.  Viele andere europäische Flüsse führen Hochwasser, darunter die Rhône mit Lyon, 3/12.  Die Garonne steigt in einem julianischen "Dezember" (14.12. bis 14.1.) so hoch an, dass man ihre Ufer nicht mehr erkennt, 9/37.    


Die Verse 8/02 und 9/37 haben beide extremes Hochwasse an der Garonne;  in beiden Versen ist mehr als nur der Südwesten Frankreichs betroffen.  Das spricht dafür, dass beide Verse von den gleichen Ereignissen handeln.  Sonne-Mars-Konjunktionen gibt es etwa alle 27 Monate.  Sonne und Mars zusammen im Sternbild Löwe gab es im August 2017, und wird es erst wieder geben im August/September 2034.

Richelieu in Monaco, das sich mit Frankreich verbündet

   08/04   Dedans Monech le coq sera receu,    
                 Le Cardinal de France apparoistra    
                 Par Logarion Romain sera deceu (1568)  
                 Foiblesse à l'aigle, & force au coq naistra,    

                 In Monaco wird der Hahn aufgenommen,

                 der Kardinal von Frankreich wird erscheinen.

                 Durch >Wort vom König< wird (der) Römer getäuscht.

                 Schwäche erwächst dem Adler, und Stärke dem Hahn.
   
                     1) Monaco heißt lateinisch Herculis Monoeci portus.  

                     3) Logarion kann aufgefasst werden als Log(os) a Roi(n), Wort vom König.    
   
1)2) Der Hahn (lat. n.m. gallus) kann für Frankreich oder einen Franzosen stehen, weil das gleich lautende Gallus einen Gallier, einen antiken Einwohner Frankreichs bedeutet.  Die Grimaldis ver-bünden sich 1641 mit Frankreich, das Monacos Unabhängigkeit garantiert.  Die spanische Garnison muss abziehen, eine französische Garnison wird stationiert.  Fürst Honoré II. ist ein Onkel des Kardinals Richelieu, der maßgeblich die französische Außen- und Kriegspolitik bestimmt.    


3) Der Kardinal hat das volle Vertrauen seines Königs Ludwig XIII.  Sein Wort gilt Diplomaten wie das des Königs, er verkörpert es gewissermaßen.  Seine Loyalität gilt ausschließlich dem König, dessen Stellung in Frankreich und in Europa er stärken will.  Der >Römer<, der Papst, täuscht sich, wenn er von dem Kardinal irgendwelche Rücksichten auf die katholischen Kirche erwartet.  Denn der verbün-det sich gern auch mit Protestanten, wenn es passt, z.B. mit dem schwedischen König Gustav Adolf, der dadurch bis nach Süddeutschland vordringen kann.    


4) In seiner Zeit als Staatsmann (1624-42) liegen deutsche Länder des alten Kaiserreichs (---> aigle) darnieder durch den immer wieder aufflammenden Krieg.  Unter Richelieu wird Frankreichs Seemacht gestärkt, Spanien aus dem Piemont verdrängt.  "Der bourbonischen Monarchie hatte er ihre Welt-stellung gegeben" (von Ranke, Französische Geschichte, 10. Buch, 7. Kapitel).

>Vercelli< betreibt die Vereinigung Italiens, Lombardei und Toskana

                            sind mit im Boot, der Papst fällt und empört sich

   08/07   Verceil, Milan donra intelligence,    
                 Dedans Tycin sera faite la paye.  
                 Courir par Siene eau sang, feu par Florence.    
                 Vnique choir d'hault en bas faisant maye. (1568)    

                 Mailand wird Vercelli sein Einverständnis geben,

                 im Tessin wird der Lohn bezahlt werden.

                 Es fließen durch Siena Wasser, Blut, Feuer durch Florenz.

                 Einzigartiger fällt von oben nach unten und empört sich.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.f. intelligence Einvernehmen (accord); Übereinkunft (entente).  

                    4) Mittelfrz. (Gr) Adj. mais schlecht (mauvais).    Wendung (Gr mauvais) faire le

                    mauvais sich auflehnen, sich empören (rebeller).    
   
1) Cavour ist ab 1852 Ministerpräsident des Königreichs Sardinien-Piemont.  Er ist Großgrundbesitzer im Verchellese, der Landschaft um Vercelli (Stadler [2001] S.56ff).  Daher ist >Vercelli< hier ein anderer Name für diesen Politiker, Exkurs (9).  Nach dem Sieg piemontesischer und französischer Truppen gegen Österreich im Juni 1859 sorgt Cavour in Mailand für eine Regierung, die die >Wiedergeburt< Italiens unterstützt.    


2) Der Tessin steht hier für die ganze Schweiz.  Im Zürcher Frieden vom 10.11.1859 tritt Österreich die Lombardei an Frankreich ab.  1860 geht diese dann, wie vereinbart, an Piemont.  Frankreich erhält Savoyen und Nizza als Lohn für seine Kriegsteilnahme auf Seiten Piemonts.

    
3) 1865 wird der Sitz der provisorischen Regierung Italiens von Turin nach Florenz verlegt.  Die Patrioten wenden Herzblut und Feuereifer an ihre Sache;  in den Unabhängigkeitskriegen wird aber auch viel reales Blut vergossen.  Siena bekennt sich 1859 als erste Stadt der Toskana zum Piemont und gibt so der Einigung Italiens einen Impuls.


4) Der >Einzigartige< klingt ironisch, 8/53.  Pius IX. lässt am 18.7.1870 seine Unfehlbarkeit zum Dogma machen.  Am 20.9. wird er als weltlicher Herrscher gestürzt, was ihn empört.  Noch 1874 verbietet er den italienischen Katholiken die Teilnahme an Wahlen.

Kämpfe am Vorabend der Einheit Italiens

   08/08   Pres de linterne dans de tonnes fermes,    
                 Chiuaz fera pour l'aigle la menee,    
                 L'eslu cassé luy ses gens enfermez,    
                 Dedans Turin rapt espouse emmenee. (1568)    

                 Nah bei Literno von Kanonen eingeschlossen,

                 wegen des Adlers veranstaltet Chivasso das Gefecht.

                 Der Gewählte kaputt, er (und) seine Leute eingesperrt.

                 Nach Turin (wird) geraubte Gattin geführt.
   
                    1) Mittelfrz. (Gr) n.m. tonneau auch: einfache Kanone (sorte de bombarde).      

                    4) rapt ist ein verkürztes lat. p.p.p. rapta geraubt.    
   
2) Chivasso am Po unweit von Turin, der Hauptstadt des Piemont, steht hier für das Königreich Sardinien-Piemont.  Unterstützt von Kaiser Napoleon III., 8/12, führt >Chivasso< im Jahr 1859 Krieg wegen des österreichischen Kaisers, um diesen Adler von italienischem Boden zu vertreiben;  der Adler ist das Signum des Kaiserreichs (---> aigle).    


1) Mit gleicher Zielsetzung kämpfen bei Villa Literno, lat. Linternum, am Fluss Volturno in der Tief-ebene nördlich von Neapel piemontesische Truppen gegen die Armee des Königs beider Sizilien (= Süditalien). Diese wird in der Festung Caserta "eingeschlossen".  Im Februar 1861 kapituliert der König von Neapel.


4) Daraufhin ruft Viktor Emanuel von Sardinien-Piemont im März 1861 das neue Königreich Italien aus.  Provisorische Hauptstadt wird Turin (bis 1865).  Völker sind bei N. >Damen< (---> dame), wenn sie nicht treu sind, auch mal >Flittchen<, 5/05.  Das Volk Süditaliens hat sich König Viktor Emanuel mit Gewalt geholt;  es wird seine >Gattin<, die er >heimführt<.    


3) Der "Gewählte", Papst Pius IX., muss 1860 hinnehmen, dass sein Territorium z.T. besetzt wird.  Im September 1870 wird auch der verbliebene Rumpf des Patrimonium Petri an das neue italienische Königreich angegliedert.  Pius ist als weltlicher Herrscher "kaputt", wörtlich: zerbrochen.  Beleidigt sieht er sich als >Gefangenen im Vatikan<, fühlt sich >an die Kette gelegt<, 5/67 Vz 4, obwohl man ihm das Reisen nicht verbietet.

   

Zweiter italienischer Unabhängikeitskrieg 1859, Frieden von Zürich 1860

   08/12   Apparoistra aupres de Buffalorre    
                L'hault & procere entre dedans Milan    
                L'abbe de Foix auec ceux de saint morre    
                Feront la forbe abillez en vilan. (1568)    

                Es wird erscheinen bei Boffalora

                der Hohe, Vornehme, eingezogen in Mailand.

                Der Geistliche des Glaubens mit denen von St. Moritz,

                sie werden die Schurkerei begehen, verkleidet als Bürger.
   
                   2) Lat. n.m.pl. proceres Vornehme, Fürsten, Aristokraten.    

                   3) Foix statt gleichlautend foy ist eine absichtlich falsche Fährte;   

                   N. benutzt manchmal Homophone als Tarnung, 9/53.    

                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. fourbe Dieb, Betrüger, n.m. vilain Nichtadliger (roturier).    
   
1)2) Die kleine Gemeinde Boffalora-sopra-Ticino ist Nachbarin der Stadt Magenta, von wo es 35 Km bis Mailand sind.  Im Sommer 1859 stehen französische, piemontesische und österreichische Heere in der Lombardei.  In der Schlacht von Magenta (wikip.) am 4. Juni wird Österreich zurückgedrängt; Boffalora ist umkämpft.  Am 8. Juni ziehen dann Kaiser Napoleon III. und König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont triumphal in Mailand ein, beide nebeneinander hoch zu Ross.  Die Mailänder sind so beeindruckt von ihrem >Befreier<, dass der Kaiser auf seinem Ross heute noch da ist, in einem städtischen Park, in Bronze gegossen.    


3)4) Die zweite Hälfte ist stark verhüllt.  Vorkämpfer und Gralshüter der mit pseudoreligiösem Pathos arbeitenden Bewegung für den risorgimento, die >Wiedergeburt Italiens< als Nation, ist Piemonts Ministerpräsidenz Cavour, ein Adliger, 8/07.  Adlige tragen nach 1789 in Frankreich, spätestens seit 1848 auch im übrigen Europa im Alltag bürgerliches Gewand, >verkleiden sich<.  Der Frieden zwischen Frankreich und Österreich wird in der Schweiz verhandelt (St. Moritz pars pro toto).  In Zürich erhält Frankreich im November 1859 die Lombardei, gibt sie im März 1860 weiter an Piemont und begnügt sich mit Savoyen und Nizza.

 

Frankreich hilft, einem (noch) absoluten Kaiser die Lombardei zu entreißen und reicht sie durch an verkleidete Adlige in Turin, die an die Erlösung durch die >Wiedergeburt Italiens< glauben  -  für N. ein Stück aus dem Irrenhaus.   

Aus unbändiger Liebe trinkt man eine Arznei mit tödlicher Wirkung 

   08/13   Le croisé frere par amour effrenee    
                Fera par Praytus Bellerophon mourir,    
                Classe à mil ans la femme forcenee    
                Beu le breuuage tous deux apres perir. (1568)    

                Der Kreuzesbruder wird vor unbändiger Liebe

                durch Proitus den Bellerophon sterben lassen.

                Flotte beim Jahrtausend, die Frau leidenschaftlich,

                getrunken die Arznei, gehen danach alle beide zugrunde.
   
                   1) croisé 1. n.m. Kreuzfahrer 2. p.p.p. gekreuzt.  

                   3) mil ans 1000 Jahre, millénaire Jahrtausend. Adj. forcené leidenschaftlich, verrückt.    
   
1)3) Eine >Flotte< kann eine Vielzahl von Kirchen und Gemeinden bedeuten (---> nef).  In VH (6) spricht N. von sieben Jahrtausenden im Sinne von Weltaltern seit der Erschaffung Adams.  Die großen Gefühle wären erklärt, wenn hier der Wechsel vom 6. zum 7. >Jahrtausend< gemeint wäre, der mit einer >Ankunft< der besonderen Art beginnt.  Nach einer singulären Naturkatastrophe betritt ein Mann die Bühne, der im Verdacht steht, von Gott gesandt zu sein.  Die katholische Kirche hat seit Jahrhunderten einen Rückgang ihrer weltlichen Macht wie ihrer spirituellen Attraktivität erlebt.  Wenn ernstlich Christus wieder auf Erden erschienen wäre, könnte das wie ein Jungbrunnen für die Kirche sein. 

   
2) Durch des Papstes "große Liebe", 8/14, zum Neuen geraten später die Distanzierten in existenzielle Gefahr, Näheres siehe Vorschau.    


4) >Mutter Kirche< trinkt aus einem Kelch mit dem Neuen, hofft auf Gesundheit und Kraft.  Aber an dieser >süßen Arznei< gehen Kreuzesbruder und >Mutter Kirche< später zugrunde.  Das >Blut im geheiligten Messkelch<, die Lehre der Kirche, wird vergiftet, 3/65.    

Liebesverlangen führt zum Ehebruch 

   08/14   La credit d'or, & d'argent l'abondance    
                Fera aueugler par libide l'honneur    
                Sera cogneu d'adultere l'offence,    
                Qui paruiendra à son grand deshonneur. (1568)    

                Das große Ansehen von Gold, und von Silber der Reichtum

                wird aus Liebesverlangen das Ehrgefühl blenden.

                Bekannt werden wird des Ehebruchs Sünde,

                die zu ihrer großen Schande werden wird.
   
1) >Gold< (---> or) und >Silber< (---> argent) bedeuten die Lehren der christlichen und der islamischen Religion.  Der >neue spirituelle Führer<, der nach dem Kataklysmus erscheint, wird den Anschein erwecken, dass diese Lehren bei ihm in höchstem Ansehen stehen, 10/28.  Das wird für die Befürworter der >Weltfriedensordnung< allgemein gelten, 5/32.      


2) >Mutter Kirche< will aus unbändiger Liebe, 8/13, eine enge Bindung an den Neuen.  Ihr Ehrgefühl müsste sie mahnen, dem Vater im Himmel treu zu bleiben.  Geblendet durch die Aussichten, die der >wieder erschienene Sohn< bietet, >heiratet< sie diesen, 10/55.    


3)4) Sinnbildlich ist das ein >Ehebruch<, denn die Kirche als geistliche >Mutter< der Gläubigen ist an den Vater im Himmel gebunden.  Doch es fehlt das Unrechtsbewußtsein, man erkennt nicht, mit wem man es in Wahrheit zu tun hat.  Könnte man es erkennen?  Ungewiss.  Also lieber Vorsicht mit der "großen Schande", das Richten überlassen wir besser dem, der uns ernstlich davon abrät, Mt 7,1.

Kaiser und Phönix sind derselbe

   08/27   La voye auxelle l'vne sur l'autre fornix  
                Du muy deser hor mis braue & genest,    
                L'escript d'empereur le fenix    
                Veu en celuy ce qu' à nul autre n'est. (1568)  

                Der hilfreiche Weg, ein Bogen über dem anderen,

                von vielen verlassen außer den Tapferen und Störenden.

                Die Schrift des Kaisers, des Phönix,

                ist zu sehen auf jenem (Weg), der keinem anderen gehört.
     
                   1) Lat. n.m. fornix Gewölbe, Bogen, bedeckter Weg.  Lat. Adj. auxiliaris Hilfe leistend.    

                   2) Evtl. span. muy (zu) sehr, (zu) viel.   Mittelfrz. (Go) n.m. geneste Ginster (genêt),

                   aber das ergibt keinen Sinn.   V. gêner stören, hindern, lästig fallen.    
   
1) Ein Aquädukt ist da schon gemeint, aber ein sinnbildliches.  Aquädukte bringen >reines Wasser vom Fels<, (---> roche, ---> eau), das unverfälschte Wort Gottes, für N. die katholische Lehre, 5/66. Die Kirche selbst will die hilfreiche >Brücke in die Ewigkeit< sein, 3/40.      

 

3)4)  Bei frühen Christen ist der Vogel Phönix Symbol der Auferstehung.  Gemeint ist der >wieder-gekommene Heiland<, dem weltliche Macht übertragen wird, die N. mit der eines antiken Kaisers vergleicht, 6/66.  >Seine Schrift< auf dem marmornen Grabstein der Kirche, 8/28, macht klar, dass er allein die Deutungshoheit hat.       


2) Dann behalten nur noch wenige Tapfere die alte Religion.  Denn als >Störenfriede< erleiden sie Ausgrenzung und Verfolgung.    

Begräbnisse erster Klasse für die alten Religionen 

   08/28   Les simulachres d'or & d'argent enflez,  
                Qu'apres le rapt au lac furent gettez  
                Au descouuert estaincts tous & troublez.    
                Au marbre escript prescripz intergetez. (1568)  

                Die Götterbilder aus Gold und aus Silber aufgeblasen,

                so dass sie nach dem Raub in den See geworfen wurden.

                Bei der Enthüllung ausgelöscht allesamt und verworren,

                auf dem Marmor (eine) Schrift, Vorschriften eingefügt.
   
                   1) Lat. n.n. simulacrum Bild, Götterbild (---> simulacre).

                   4) Mittelfrz. n.m. (Gr) prescript Vorschrift (précepte), Verordnung (préscription).    
   
1)2) Am Schluss ist von Schriften die Rede, die verbindlich ausgelegt werden.  Mit den >Götterbildern< sind die in Worte gefassten Bilder und Gleichnisse gemeint, in denen sich die Gottheit durch die Stifter der christlichen (Gold) und der islamischen (Silber) Religion offenbart hat. Die Sprachen der Bibel und des Koran werden >aufgeblasen<, ihnen ein anderer Geist eingeblasen. Der >neue Weise<, 4/31, raubt die Tradition, deutet alles um;  die alten Deutungen werden >in den See geworfen< (---> lac), sie sollen vergessen werden.    


3)4) Dann wird eine verborgen gehaltene Form enthüllt, 4/28, die >neue Religion<.  Die alten Religio-nen erhalten Grabsteine aus Marmor, Begräbnisse erster Klasse, weil viele froh sind, sie endlich los zu sein.  Mit Inschriften und Vorschriften, vom Kaiser verfügt, 8/27, werden die Zeugnisse der >unvollkommenen Vorläufer< versiegelt, 2/27.  

 

Legendäres >Unglück bringendes Toulouser Gold wird gefunden< 

   08/29   Au quart pillier lon sacre à Saturne.    
                Par tremblant terre & deluge fendu    
                Soubz l'edifice Saturnin trouuee vrne,  
                D'or Capion rauy & puis rendu. (1568)
   
   

                Bei der vierten Säule, die man dem Saturn weiht,   

                bei bebender Erde und durch gespaltene Flut hindurch

                wird unter dem Gebäude Saturnins eine Urne gefunden

                mit dem geraubten Gold des Caepio, und dann zurückgegeben.


1) Im Mythos ruht der Himmel auf Säulen, und Saturn herrscht im Goldenen Zeitalter des Friedens mit den Göttern, 5/32.  >Säulen< bedeuten Institutionen, die beanspruchen, eine friedliche Welt-ordnung zu tragen.  Vorbild ist die >Porphyrsäule< als Bild für das Kaisertum der römischen Antike, 1/43.  Erste nachantike >Säule< dieser Art ist das mittelalterliche Kaisertum.  Es erlischt 1806, als Napoleons Empire (zweite Säule) Europa beherrscht, 6/40.  Hitler will ein drittes Goldenes Zeitalter für sein Volk begründen, 9/17.  Die vierte >Porphyrsäule< wird nach dem Kataklysmus >gefunden<, 9/32.  Ein globales Regime will den Weltfrieden erzwingen.    


2) Die >bebende Erde< bedeutet die Erschütterungen durch die Naturereignisse des Kataklysmus.  Die >gespaltene Flut< deutet auf die Rettung des auserwählten Volkes, Exodus 14.  Die überlebende Menschheit glaubt, sich grundlegend bessern zu können, 1/69 (>Läuterungsberg<), und auf dem Weg ins verheißene Land zu sein. 

   

3)4) Der heilige Saturnin war Bischof in Toulouse und starb dort um 250 n. Chr. als Märtyrer;  die Basilika St-Sernin wurde über seinem Grab errichtet.  Aus den Ruinen eines antiken Tempels in Toulouse hatte ein Quintus Servilius Caepio 106 vor Christus einen Goldschatz geraubt und dann eine Schlacht verloren.  Das aurum Tolosanum, das Gold von Tolosa (wikip.) wurde sprichwörtlich für einen unrechtmäßig erworbenen Gegenstand, der Unglück bringt.  

Das geraubte Gold des Caepio wird "unter" der christlichen Basilika "gefunden", stammt aus vor-christlicher Zeit.  Vorchristliche antike Philosophie wird aufgegriffen und sehr hoch wertgeschätzt (---> or).  An die Stelle des Evangeliums setzt das >Haupt der Weisheit<, 5/31, antike Philosophie, vermengt mit Sprachmaterial aus Bibel und Koran, und präsentiert die krude Mischung als etwas Besseres, 9/12, als "aufregenden Schatz".  Doch dieses >andere Gold< werde Unglück bringen;  wer das Evangelium durch Philosophie ersetzt, werde nicht gerettet, meint N.

Die vielschichtige Symbol-Algebra des Verses wird in Vorschau (X) schematisch dargestellt.
 

 

>Grabungen in Toulouse an der Garonne<

   08/30   Dedans Tholoze non loing de Beluezer    
                 Faisant vn puys loing, palais d'espectacle    
                 Thresor trouué vn chacun ira vexer,    
                 Et en deux locz tout & pres del vasacle. (1568)   

                 In Toulouse, nicht weit von der schön Glänzenden,

                 bauen sie einen tiefen Schacht, Theaterpalast (erscheint),

                 (ein) Schatz (wird) gefunden, (der) einen jeden aufregen wird.

                 Und an zwei Orten alles, und nah beim Bazacle.
   
                    1) Beluezer kontrahiert aus bel schön und dem lat. v. lucere leuchten (Pfändler 1996).  

                    3) Mittelfrz. (Gr) v. vexer auch: erregen, aufregen (exciter).    
   
Die Basilika Notre-Dame de la Daurade an der Garonne, ein Kilometer oberhalb des Bazacle, ist dem Namen nach die Vergoldete, 8/40.  Das Bazacle ist zu N.s Zeiten ein Damm mit Wassermühlen an den Seiten;  jetzt ist dort seit 1890 ein Wasserkraftwerk.  Einhundert Meter oberhalb dieses Kraft-werks hat der Canal du Midi, erbaut 1667-81, Anschluss an die Garonne.  

 

Aber in Toulouse wird in Wahrheit nicht gegraben, der >Schacht< ist imaginär.  Er führt in die >Tiefe<, bis in die vorchristliche Antike mit ihren Amphitheatern, 1/45, und Schätzen (---> thresor).  Antike Philosophie wird hoch geschätzt und >ausgegraben< vom >Haupt der Weisheit<, 5/31, dem >neuen Weisen<, 4/31.  Der >Fund des Toulouser Goldes< bedeutet wie im voraufgehenden Vers 8/29, dass die >neue Religion< antike Philosophie aufgreift.  Die >neue Religion< ist der aufregende >Schatz<; er wird gefeiert, 9/12.  An diesem vermeintlichen Schatz scheiden sich die Geister, 1/79 Vz 2, nicht nur in Toulouse.

Reale Kirchen an zwei Orten, die beiden Basiliken St-Sernin und Notre-Dame de la Daurade und das Wasserkraftwerk namens Bazacle, sollen verschleiern, dass der ganze Vers nur auf der sinnbildlichen Ebene verstanden werden kann, Exkurs (3).

Das Bündnis mit Hitler als Wendepunkt im Schicksal Mussolinis

   08/31   Premier grand fruit le prince de Pesquiere    
                Mais puis viendra bien & cruel malin,    
                Dedans Venise perdra sa gloire fiere    
                Et mys à mal par plus ioyue Celin. (1568)  

                Ersten großen Verdienst (erwirbt) der Fürst von Pesquiera,

                doch dann wird kommen ein wahrer und grausamer Übeltäter.

                In Venedig wird er seinen stolzen Ruhm verlieren,

                und böse mitgespielt (wird ihm) durch (einen) jüngeren Himmlischen.
   
                   4) Wendung mettre à mal übel zurichten, böse mitspielen.  

                   Mittelfrz. (Gr) Adj. celique himmlisch (céleste).    
   
1) Pesquiera am Gardasee liegt im Veneto, wo im ersten Weltkrieg Schlachten zwischen Österreich und Italien geschlagen werden.  Seit 1915 führt König Viktor Emanuel III. selbst das Oberkommando. 1918 ist Italien Siegermacht, der 1919 Südtirol zugesprochen wird (Frucht). 

   
2) Doch dann macht sich der König  n i c h t  verdient um Italien, als er 1922 den Faschistenführer Mussolini zum Regierungschef beruft.  Denn der Duce erweist sich als "grausamer Übeltäter".  Durch Kriege auf dem Balkan und in Afrika, 5/51, erwirbt er sich "stolzen Ruhm".    


3)4) Aber das Bündnis mit Hitlerdeutschland, am 1.11.1936 in Venedig der Öffentlichkeit verkündet, 5/29, ist der Anfang vom Ende des Übeltäters.  Auf deutscher Seite lässt sich Italien in den zweiten Weltkrieg hineinziehen, den Mussolini nicht überlebt, 6/31.    
 

Hitler ist sechs Jahre jünger als Mussolini;  nicht wenige Deutsche feiern ihn inbrünstig als Begründer eines neuen >goldenen Zeitalters< für ihr Land ("himmlisch"), 9/17 Vz 4 (siecle d'or).  Zuvor schon hat sich Mussolini als Salvatore d'Italia (Retter Italiens) feiern lassen.  Auch der Papst, der sich mit Heilsbringern doch auskennen sollte, hält Mussolini mindestens bis 1929 für einen famosen Staats-mann, 5/21.  

Das britische Königtum, in die Defensive gedrängt, unterliegt seinen Feinden

   08/37   La forteresse aupres de la Tamise    
                Cherra par lors le Roy dedans serré,    
                Aupres du pont sera veu en chemise    
                Vn deuant mort, puis dans le fort barré. (1568)   

                Die Festung bei der Themse

                wird fallen, wenn der König darin eingesperrt (sein wird).

                Bei der Brücke wird er gesehen werden im Hemd,

                einer vor (dem) Tod, dann in der Festung weggesperrt.
   
1)2) Die >Festung< (---> forteresse) ist hier Sinnbild für eine Institution, für das in der Mitte des 17. Jahrhunderts in die Defensive geratene britische Königtum.  In den 1642 beginnenden Bürger-kriegen setzt sich am Ende das Parlamentsheer unter Oliver Cromwell durch.  Als die Institution des Königtums durch ihre siegreichen Gegner abgeschafft wird, ist diese >Festung gefallen<.    


2) Der König wird nach einer Schlacht gefangen genommen und interniert, zuletzt auf Schloss Windsorcastle, einer realen Festung.      


3)4) Am 27.1.1649 wird Charles I. wegen Hochverrats zum Tode verurteilt.  Nahe Whitehall, wo die gerade gekrönten Könige sich dem Volk zeigen, wird das Blutgerüst errichtet.  Eine eigens errichtete hölzerne Brücke führt zum Schaffott, zum Hinübergehen, wörtlich wie sinnbildlich, Exkurs (3).  Der König ist seinen Richtern schutzlos ausgeliefert, >im Hemd<.  Nach Ablegung seines Mantels steht er am 30.1. dann auch wörtlich im Hemd da.     


4) Nach seinem Tod wird Charles nicht mehr weggesperrt.  Es ist vielmehr der Thron als Institution, der >weggesperrt< wird, als durch Parlamentsbeschluss im Februar 1649 die Monarchie abgeschafft und stattdessen eine Republik (Commonwealth) proklamiert wird.

 

Ein Fuchs spielt den Heiligen und wird gewählt

 

   08/41   Esleu sera Rena(r)d ne sonnant mot
                Faisant le saint public viuant pain d'orge, 
                Tyrannizer apres tant à vn cop, 
                Mettant à pied des plus grans sus la gorge. (1568)

   

                Gewählt werden wird (ein) großer Fuchs, kein Wort sagt er,

                spielt den öffentlichen Heiligen, lebt (von) Gerstenbrot.

                Er tyrannisiert später so viele, auf einen Schlag,

                stellt die Größten kalt, setzt ihnen den Fuß auf die Kehle.


1)2) Falsche Propheten, die das Volk Gottes irreleiten, den Frieden ausrufen, wo keiner ist, sind bei Ez 13,4 "Füchse in den Ruinen".  Der Gemeinte wird den Frieden ausrufen, wo keiner ist, und den Heiligen spielen, der er nicht ist, 2/45.  Genügsamkeit gehört zum Klischee eines heiligmäßigen Lebens.

 

Rhetorisch hoch begabt, 1/96, setzt er die Wirkung der Pause auch im Großen virtuos ein.  Wenn es gilt, den Ruf des Auserwählten in den Status des Gewählten umzumünzen, hüllt er sich in bedeutungsvolles Schweigen.  So eignet sich seine Person zur Projektion der hochfliegenden Wünsche der Wähler.    


3)4) "Später", wenn das Regime des >Fuchses< sich voll entfaltet hat, werden die Statthalter wie im Rom der Kaiserzeit aufgefordert sein, ihre Völker >vor dem Bild des Kaisers opfern< zu lassen, 1/58. Der >Fuß auf der Kehle< ist ein Bild für das Leben von Herrschers Gnaden.  Die Wendung mettre qu. à pied bedeutet kaltstellen oder entlassen.  Die Macht der Vorsteher der alten Glaubensgemein-schaften geht dann gegen Null.  Das kommt "auf einen Schlag", "plötzlich", 5/65, "aus heiterem Himmel", 10/80.    

Der Neffe von Geblüt rollt die Fahnen ein (September 1870)

   08/43   Par le decide de deux choses bastars   
                Nepueu du sang occupera le regne    
                Dedans lectoyre seront les coups de dars    
                Nepueu par peur pleira l'enseigne. (1568)    

                Durch den Sturz der beiden gescholtenen Bastarde

                wird (der) Neffe von Geblüt die Herrschaft übernehmen.

                In Le Torcy werden die Granateneinschläge sein,

                furchtsam wird der Neffe die Fahne einrollen.
   
                   1) Lat. v. decidere herabfallen, stürzen.    

                   Mittelfrz. (Go) v. choser schelten (gronder), tadeln (blâmer).    
                   3) Aus lectoyre wird durch Buchstabenumstellung Le Torcy, seit 1846 ein Stadtteil von Sedan.  

                   N.m. dard Wurfspieß wird modern übersetzt.    
   
1)2) Die beiden hier gemeinten Könige Charles X. (1824-30) und Louis-Philippe (1830-48) beschwören Verfassungen, 2/48, 2/69.  Aus N.s Sicht, der nur ein absolutes Königtum akzeptiert, sind sie im politischen Sinn >Bastarde<, weil sie ihr Recht nicht nur von Gottes Gnaden, sondern auch von einer von Menschen gemachten Verfassung herleiten (---> bastard).  Beide Könige werden durch Revolutionen vom Thron vertrieben, weil ihre Untertanen mit ihrer Regierung nicht mehr zufrieden sind ("gescholten").  Nach dem Sturz Louis-Philippes im Februar 1848 kommt die II. Republik, zu deren Staatspräsident Louis Napoleon, ein Neffe Napoleons I., im Dezember gewählt wird.  Er putscht 1851 erfolgreich gegen die Republik und lässt sich im Dezember 1852 zum Kaiser ausrufen (2. Empire).    


3)4) In der Präfektur von Le Torcy, einem Stadtteil von Sedan, verbringt der Kaiser ab dem 30.8.1870 die Nacht (Berl [1947] S. 532).  Am 2.9. kapituliert er vor den Preußen (Fahne eingerollt)  -  eine Niederlage, die auch das Ende seines Kaisertums besiegelt.

Einer spielt den Weisen und richtet konservative Katholiken zugrunde 

   08/47   Lac Trasmenien portera tesmoinage,    
                Des coniurez sarez dedans Perouse,    
                Vn despolle contrefera le sage,    
                Tuant Tedesc de sterne & minuse. (1568)    

                Der trasimenische See wird Zeugnis ablegen

                von den Verschwörern, eingesperrt in Perugia.

                Einer mit Mattscheibe (?) spielt den Weisen 

                und richtet den Deutschen zugrunde, der zu den Sturen und Aufrechten gehört.
   
                   2) Prov. v. sarra verschließen (serrer).  

                   3) V. dépolir matt schleifen, verre dépoli Milchglas.  Nach Le Pelletier (1867) ist mittelfrz.    
                   despolle ein Dummkopf (sot).  Auch möglich ist die Herleitung vom lat. v. despoliare

                   ausplündern (dépouiller) ("Plünderer").    
                   4) Ital. n.m. tedesco Deutscher.   Lat. Adj. sternax störrisch, widerspenstig.  

                   Lat. Adj. minax emporragen, trotzig, Endung -use reimbedingt.    
   
1) In einer Zeit, da "die Schar sich allzu sehr berauscht, wird der Azurne beim trasimenischen See ergriffen", 6/39.  Er wird niedergeschlagen, 6/82 (assomé), und in den See geworfen, 8/94.  Wenn die Leiche gefunden wird, >legt der See Zeugnis ab<.    


2) Die Verschwörer sind wohl die Anstifter der Tat.  Über Gründe für ihre Internierung erfahren wir nichts.  Vielleicht sollen die Mordtat oder wenigstens ihre Hintergründe nicht an die Öffentlichkeit gelangen.    


3) Ein Mann, "der den Weisen spielt", VH (20), heißt auch >das Haupt der Weisheit<, 5/31.  Dessen >Weisheit< inspiriert einen Papst zu hohen Ambitionen, 5/49.  N. wertet den Intellekt eines Papstes ab, dessen Politik die Kirche ruiniert, 8/90.    


4) Unter einem "Sturen und Aufrechten" versteht N. einen Kirchenmann, der die Tradition hoch hält und Abweichungen bekämpft.  Papa emeritus Benedikt XVI., Vordenker der Traditionalisten in der Kurie, bei Gegnern einst verrufen als >Panzerkardinal<, ist am 31.12.2022 friedlich gestorben.  N. nennt Benedikt und meint das Schicksal der Konservativen der Kurie.  Oder diese Vision ist nicht eingetroffen.  

Ein Fehlerhafter vollbringt ambitionierte Dinge

   08/53   Dedans Bolongne vouldra lauer ses fautes,  
                 Il ne pourra au temple de soleil,    
                 Il volera faisant choses si haultes,    
                 En hierarchie n'en fut oncq vn pareil. (1568)  

                 In Bologna wird er seine Fehler abwaschen wollen,

                 aber er wird das nicht können im Tempel der Sonne.

                 Er wird sehr ambitionierte Dinge vollbringen.

                 In der Hierarchie gab es nie einen Ebenbürtigen.
   
1) 1848 gerät die katholische Kirche in Konflikt mit dem Wunsch vieler Italiener, ihr Land politisch zu einen.  Pius IX. fordert sie stattdessen auf, ihren Fürsten, zu denen er selbst gehört, gehorsam zu sein. Im November muss er aus Rom fliehen, 5/67 Vz 1, und ruft ausländische Mächte als Besatzer zu Hilfe.  Dies und der fehlende Einsatz für die >Wiedergeburt< Italiens gelten bei den italienischen Patrioten als schwere "Fehler".    


2) Nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1850 unternimmt er monatelange Reisen, um seinem gesun-kenen Ansehen aufzuhelfen.  Er traut seiner Autorität noch zu, den drohenden Umsturz aufzuhalten. Aber in Bologna bricht nach dem Abzug der Österreicher 1859 die Empörung offen aus;  die Stadt sagt sich los vom Kirchenstaat, dem "Tempel der Sonne" (---> temple, ---> sol).    


3)4) Papst Pius IX. verkündet 1854 das Dogma von der Erbsündefreiheit Mariens und belehrt die Gläubigen 1864 im Syllabus Errorum über die bürgerlichen Freiheiten als Irrtümer der Zeit. Höhepunkt seines Schaffens ist das Dogma vom Juli 1870, dass der Papst unfehlbar sei, wenn er Lehrmeinungen verkünde.  Zwei Monate später wird er als weltlicher Herrscher abgesetzt, 8/08, der Kirchenstaat ist Geschichte.    


Pius IX. lässt einen Kult um seine Person veranstalten ("Die Kirche bin ich"), 8/07, hat ein hohes Bild von sich und seiner Bedeutung.  Nicht wenige Zeitgenossen sehen in ihm einen aus der Zeit gefallenen Reaktionär.  Dieser Kontrast lässt Verszeile 4 ironisch klingen.

Fronten im Herbst 1944 an Maas und Memel

   08/55   Entre deux fleuues se verra enserré,    
                Tonneaux & caques vnis à passer outre,    
                Huicts pontz rompus chef à tant enferré,  
                Enfans parfaictz sont iugulez en coultre. (1568)    

 

                Zwischen zwei Flüssen wird er sich umschlossen sehen.

                Kanonen und Granaten vereint, um überzusetzen.

                Acht Brücken zerbrochen, Haupt in starken Ketten.

                Tadellose Kinder mit Messern werden gebändigt.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. tonneau Kriegsgerät, Kanone (engin de guerre,

                   sorte de bombarde);  (Gr) n.f. caque  Art Granate (sorte d' obus).    
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. enferrer in Ketten legen (enchaîner, mettre aux fers).      

                   4) V. juguler zügeln, bändigen, Einhalt gebieten.    
   
1)2) Ab Juni 1944 "entkommt ein Großer nicht der Mitte des Drucks", 2/82, er steht "inmitten zweier Ströme", 9/76, die sich auf ihn zu bewegen, der russischen und der westalliierten Heere (---> fleuve). Und es geht hier auch wörtlich um "zwei Flüsse".  Deutschland ist 1933ff "Zwischenstromland", 3/61, 3/99, weil es im damals benutzten Text der Nationalhymne zwischen Maas und Memel liegt.  Panzer und Infanterie überqueren gemeinsam Flüsse.  Im Oktober 1944 hat die Ostfront die Memel erreicht.     
3) Im Herbst 1944 werden sechs Brücken über die Maas gesprengt, eine bei Visé, zwei in Maastricht, eine bei Gennep, zwei bei Venlo.  Eine bei Sclayn und eine in Lüttich sind seit 1940 zerstört.  Die >starken Ketten< bedeuten die dem Haupt sich nähernden Fronten.    


4) Durch Führererlass vom 25.9.44 wird ein sogenannter Volkssturm gebildet.  Neben Alten bis 60 werden 16- bis 20jährige mobilisiert.  >Tadellos< erscheinen sie in der Propaganda, manche sind noch fanatisiert, aber ihre Ausrüstung taugt nichts. 

Ein Karrierist quetscht die Kirche aus

   08/57   De souldat simple paruiendra en empire,    
                De robe courte paruiendra à la longue    
                Vaillant aux armes en eglise ou plus pyre,
                Vexer les prestres comme l'eau fait l'esponge. (1568)  

                Vom einfachen Soldaten wird er emporkommen zum Kaiserreich,

                vom kurzen Rock wird er es bringen zum langen.

                Beherzt mit Waffen, für die Kirche viel schlimmer,

                plagt er die Priester, wie (es) der Schwamm (mit) Wasser macht.
   
1) Im September 1785 erwirbt Napoleone Buonaparte mit 16 das Offizierspatent eines Leutnants der Artillerie, "einfacher Soldat" war er nie.  Am Maßstab des Ancien Régime gemessen, kommt er von ganz unten.  Die Revolution gibt ihm die Möglichkeit zu einer unerhörten Karriere bis dahin, dass er "auf die heilige Monarchie folgt", 6/57, als er sich 1804 selbst zum Kaiser krönt.    


2)3) Der Mann erweist sich für die aus der Revolution hervorgegangenen Regierungen als "tüchtig mit Waffen".  Zum militärischen Genie kommt seine starke Persönlichkeit, Präsenz, Mut, die Fähigkeit zu begeistern und enorme Tatkraft.    


3)4) Mit der katholischen Kirche geht er unsanft um.  Waffenstillstände und Friedensschlüsse lässt er sich teuer bezahlen, mit Geldsummen und mit Kunstschätzen.  Das durch Krieg und Bürgerkrieg verarmte Frankreich gleicht einem Schwamm, dem das >Wasser< aus Napoleons Kriegszügen gut tut.  Das Land wird wieder >flüssig< durch seine reichen Feinde.    

Katholische Könige Charles II. und James II. als Gegner der Anglikaner

 

   08/58   Regne en querelle aux freres diuisé,    

                Prendre les armes & le nom Britannique 

                Tiltre Anglican sera tard aduisé,    
                Surprins de nuict mener à l'air Gallique. (1568)    

   

                Reich in Aufruhr, unter den Brüdern entzweit,

                sie nehmen den Kampf auf und den britannischen Titel an.

                Anglikanisches Anrecht wird spät angestrebt.

                Nächtliche Überraschung führt in gallische Luft.


                   3) Mittelfrz. (Gr) v. adviser auch: anvisieren, anstreben (viser).    
   
1)2) Der Anglikaner Karl II. wird 1660 König von England, Schottland und Irland, "nimmt den britanni-schen Titel an".  Die Parlamente blockieren seine Vorhaben, er kämpft mit seinen Befugnissen als König gegen die Waffen des Parlaments.  Dieses...    


3) .. beschließt 1673 ein Gesetz, das Ämter nur für Anglikaner vorsieht.  So wird "anglikanisches Anrecht angestrebt".  Seit 1679 kämpft das Unterhaus dafür, den katholischen Bruder des Königs von der Erbfolge auszuschließen.  Doch der wird 1685 als Jakob II. König und hat legitime Kinder.  Aus Sicht der Anglikaner will der neue König >der Scheidung von Rom nicht zustimmen<, 10/22, sie befürchten eine katholische Dynastie.  So ist "das Reich unter den Brüdern entzweit" und ab 1685 einem neuen Bürgerkrieg nahe.


4) Im November 1688 landet der Protestant Wilhelm von Oranien, ein Niederländer, eingeladen von britischen Verschwörern, mit einer großen Flotte auf der Insel, 2/68.  König Jakob II. wird nachts (10./11. Dezember) verhaftet, flieht dann an den Hof des Sonnenkönigs.

Das Morgenland zweimal oben, zweimal unten

   08/59   Par deux fois hault, par deux fois mis à bas  
                 L'orient aussi l'occident foyblira    
                 Son aduersaire apres plusieurs combats, 
                 Par mer chassé au besoing faillira. (1568)  

                 Zweimal oben, zweimal am Boden,

                 wird das Morgenland auch das Abendland schwächen.

                 Sein Gegner, nach mehreren Schlachten

                 über das Meer gejagt, wird in der Not unterliegen

 

                     4) Mittelfrz. (Gr) v. faillir fehlen (manquer);  erfolglos sein (ne pas réussir),

                     enden (finir);  stranden, Schiffbruch erleiden (échouer).
   
[Erstes Mal oben]  Die Zeit der Blüte des Osmanenreichs fällt zusammen mit dem Sultanat Süleymans des Prächtigen (1520-1566), der Eroberungen auf dem Balkan macht (Kapitel 11).  Kaiser Karl V. benötigt Hilfe gegen die Türken, muss den protestantischen Reichsständen entgegen-kommen (1532, 1555).  Mit dem Fall Konstantinopels 1453 erleidet die Ostkirche eine Niederlage. Die erste Zeit, in der "der Orient oben"  sein und das Abendland in Bedrängnis bringen werde, ist die Zeit des Sehers (1503-66) und die folgenden etwa 130 Jahre.  In N.s Gegenwart wird "auch" die lateinische Kirche und das Abendland "geschwächt", der Orient ist das erste Mal "oben".
 

[Erstes Mal unten]  Den Wendepunkt markieren die erfolglose Belagerung Wiens 1683 und der Frieden von Karlowitz 1699, der Gebietsverzichte für die Osmanen bringt, 1/49.  Ihr Abstieg zieht sich dann hin.  Der im 19. Jahrhundert oft so genannte >kranke Mann am Bosporus< muss Niederlagen hinnehmen (Kap.29), erweist sich aber als zählebig.  Erst das Bündnis mit den Mittelmächten während des ersten Weltkriegs gibt ihm den Todesstoß, 1/40, 3/95.       


[Zweites Mal oben]  Den Beginn des zweiten Aufstiegs des Islam erleben wir seit 1980, 1/48.  Er wird sich nach dem Kataklysmus fortsetzen, wenn "ein König des Orients seine früheren Eroberer unterwerfen wird", Présage 40.  "Sein Gegner, nach mehreren Schlachten über das Meer gejagt, wird unterliegen".

 

[Zweites Mal unten]  In der >Weltfriedensordnung< werden die Orientalen dann aber durch das globale Regime unterworfen, VH (28), 2/60.  Danach werden sie zur Unterwerfung der Europäer eingesetzt, 9/80.  Erst im letzten Krieg auf der alten Erde um die Freiheit Europas und der Religion wird der spätere Henri Cinq mit seinen Verbündeten das "fremde arabische Volk" aus Europa wieder "hinausjagen", 5/74.

    

Pétain liefert sein Land einem grausamen Tyrannen aus

   08/65   Le vieux frustré du principal espoir,    
                il paruiendra au chef de son empire:    
                Vingt mois tiendra le regne à grand pouuoir,   
                Tiran, cruel en delaissant vn pire. (1568)   

                Der Alte, um seine hauptsächliche Hoffnung gebracht,

                wird emporkommen zum Oberhaupt seines Imperiums.

                zwanzig Monate wird er die Herrschaft innehaben mit großer Macht,

                (es) so einem grausamen Tyrannen überlassen, einem schlimmeren.
   
1)2) 1940 ist Frankreich als >Festung< aufgestellt, 2/25.  Aber die große Hoffnung, die Deutschen in einem erneuten Stellungskrieg aufzuhalten, ist im Juni nach wenigen Tagen zerstoben.  Im Waffen-stillstand (22.6.) ist eine von Deutschland geduldete französische Regierung vorgesehen, die den unbesetzten Süden des Landes verwalten soll.  An deren Spitze wird der greise Marschall Pétain berufen, der ein autoritäres Vasallenregime im Schatten der Besatzungsmacht errichtet;  das >Oberhaupt des Imperiums< ist Sarkasmus, Exkurs (10).

    
3)4) Ab dem 11.11.42 wird auch Vichy-Frankreich von den Besatzern übernommen, 8/81.  Das Regime wird vom Kollaborateur zum Handlanger.  Zwanzig Monate >mit großer Macht< vergehen bis zur Befreiung Frankreichs im August 1944;  wenn man den 25.8.44 nimmt (Paris), sind es 21 Monate und 14 Tage.  Durch seine Kollaboration hat Pétain das Land einem übleren Tyrannen überlassen, als er selbst es ist.  Das Vichy-Regime hilft den Besatzern, den Widerstand seiner Landsleute niederzuhalten und gibt sich sogar dazu her, jüdische Franzosen zur Deportation auszuliefern.

Wenn die Inschrift "D.M." erscheint, wird das Königreich Italien bald begraben

   08/66   Quand l'escriture D.M. trouuee,    
                 Et caue antique à lampe descouuerte,    
                 Loy, Roy, & Prince Vlpian esprouuee,    
                 Pauillon Royne & Duc sous la couuerte. (1568)

                 Wenn die Inschrift D.M. gefunden

                 und (eine) antike Höhle im Lampenschein entdeckt (wird),

                 (sind) Gesetz, König und Fürst Ulpian auf die Probe gestellt.

                 Mutterbusen (der) Königin und Führer darunter begraben.

 
                     4) Altfrz. n.m. pavillon auch: Mutterbusen (sein de la mère), was sich

                     im Kontext der Königin (reine > royne) anbietet.    
   
1) Das Graffitto D.M. für Duce Mussolini findet sich 1922 an vielen italienischen Hauswänden.  N. kennt es von antiken Grabsteinen, wo es Diis Manibus bedeutet;  antike Römer ehren die Seelen ihrer Verstorbenen (Manen) und bitten sie um Schutz.  Auch die italienischen Faschisten >verehren die Toten<, indem sie als "Erben der Romuliden", 1/09, an Ruhm und Glanz des antiken Imperiums anknüpfen wollen, 5/23. 


2)3) Ende Oktober 1922 marschieren sie kampflos nach Rom ein.  Am 29.10. erhält Mussolini vom König den Auftrag zur Regierungsbildung.  Am 4.11.22 entdeckt der britische Archäologe Howard Carter bei der altägyptischen Stadt Theben das Grab des Pharaos Tut-Anch-Amun.  Ein Bild, das den Entdecker zeigt, wie er das Grab mit einer Lampe ausleuchtet, geht um die Welt.    


3)4) Nach dem Duce 1945 wird ein Jahr später auch das Königreich Italien begraben.  Zur Begründung dieser Deutung siehe das historische Kapitel 37.

Der Tod Richelieus und Ludwigs XIII.

   08/68   Vieux Cardinal par le ieusne deceu,    
                 Hors de sa charge se verra desarmé,    
                 Arles ne monstres double soit aperceu,    
                 Et Liqueduct & le Prince embausmé. (1568)  

                 Alter Kardinal durch den Jungen getäuscht,

                 von seinem Amt entfernt, wird er sich entwaffnet sehen.

                 Arles, du sollst nicht zeigen, (dass ein) Duplikat aufgekommen ist.

                 Und Flüssiggeführter und der Fürst einbalsamiert

    
                    4) Lat. p.p.a. liquens flüssig, mittellat. (Ha/Gö) liquentia ruhiges Wasser,  lat. p.p.p. ductus geführt.    
   
1)2) Der alte Kardinal ist Richelieu, unter Louis XIII. mächtigster Mann in Frankreich.  Der Junge ist Henri Coiffier Ruzé d' Effiat, Marquis de Cinqmars (* 1620), den Richelieu (* 1585) protegiert hat und von ihm Loyalität erwartet.  Aber Cinqmars nimmt 1641 an einer Verschwörung teil, schließt einen geheimen Vertrag mit Spanien.  Richelieu verliert vorübergehend an Einfluss beim König (von Ranke, Französische Geschichte, 10. Buch, 7. Kapitel, S. 93-95).      


3)4) Ein Duplikat des Dokuments wird Richelieu zugespielt, als er sich in Arles aufhält (wikip. Cinq-Mars-Verschwörung).  Er lässt die unverhoffte Munition dem König zukommen.  Daraufhin wird Cinqmars wegen Hochverrats hingerichtet, 3/85.  Wegen seiner Gicht reist der Kardinal in einer Sänfte und gern mit Schiffen auf Flüssen, also >flüssig< im Sinne von erschütterungsfrei.  Er stirbt im Dezember 1642, im Mai 1643 folgt ihm König Louis XIII.  Dem Ende so nah, hält N. es nicht für ratsam, sich noch die Mitschuld am Tod eines jungen Mannes aufzuladen.    

Junger, alter und älteste Engel zehn Jahre lang "gleichauf"

   08/69    Aupres du ieune le vieux ange baisser,
                  Et le viendra surmonter à la fin: 
                  Dix ans esgaux aux plus vieux rabaisser,
                  De trois deux l'vn l'huitiesme seraphin. (1568)

                  Im Vergleich zum jungen wird der alte Engel sinken

                  und wird (doch) über ihn hinaus steigen am Ende.

                  Zehn Jahre gleichauf mit den ältesten (Engeln), sinken sie nieder.

                  Von dreien (bleiben) zwei, (dann) der Eine,        

                                     (wenn) der achte Seraph (den Fall Babylons verkündet).


                        3) Mittelfrz. (Großer Godefroy) v. rabaisser den Wert mindern, gering schätzen,

                        an Wert verlieren (déprécier), heruntergehen, niedersteigen (descendre en bas).          

                        4) enthält keine Prädikate;  andere Interpolationen als angegeben sind möglich.    
   
>Siebtes Jahrtausend< nennt N. die Zeit vom Kataklysmus bis zum Ende der alten Erde, VH (6).  Die Zeit der neuen Erde ist demnach das >achte Jahrtausend<.  In Offb 18,2 verkündet ein achter Engel den >Fall Babylons<.  Im Neuen Testament ein Deckname für die römische Weltmacht, steht >Babylon< sinnbildlich für Gottlosigkeit und alle aus ihr erwachsende weltliche Macht.

     
Die anderen Engel stehen für die großen Religionen, der alte Engel für das Christentum, der junge Engel für den Islam, die ältesten Engel für die jüdische Religion, den Hinduismus usw.  Die Vorgänge in der Zeit vor und nach dem Kataklysmus sind demnach folgende:

    

  •  Aufstieg des Islam und Rückgang des Christentums, seit 1980 zu erwarten, 1/48, 8/70.  

  •  In der >Weltfriedensordnung< können sich die alten Religionen gleichberechtigt behaupten,   4/32, zehn Jahre lang.  

  •  Das globale Regime wird totalitär, das "Alte wird fortgeschafft aus der Mitte", 4/32, zugunsten   einer für alle verbindlichen >neuen Religion<, Vorschau (X).    

  •  Es bleibt "der Eine", Christus, wenn Gott eingegriffen hat und >Babylon< gefallen ist.  Die       Vorgänge unter Punkt 1 bis 3 sind Menschenwerk.

Schrecklicher König von finsterer Physiognomie zieht ein

                               in Teheran.  Der Krieg gegen den Irak

   08/70   Il entrera vilain, meschant, infame/
                 Tyrannisant la Mesopotamie,/
                 Tous amis fait d‘ adulterine dame,/
                 Terre horrible noir de phisonomie.  (1568)


                 Er wird Einzug halten, abstoßend, bösartig, verrufen,/
                 und Mesopotamien tyrannisieren./
                 Er macht alle zu Freunden der ehebrecherischen Dame./
                 (das) Land (hat einen) schrecklichen König, von schwarzer Physiognomie.


                      4) Die Lesart tertre Anhöhe erfüllt das Versmaß nicht und ergibt keinen Sinn.
                      Das Adj. noir schwarz ist hier zugleich Anagramm von Roi(n) König


Vz 1/2 [Hält Einzug/ tyrannisiert Mesopotamien]  In Vers 1/70 (s.o.) ist von Unruhen in Persien und davon die Rede, dass „der allzu starke Glaube den Monarchen verraten“ und ihn „in die Enge treiben“ werde.  Daran anknüpfend, ist hier vom Gegenspieler des Schah die Rede, einem im Exil lebenden Geistlichen namens Khomeini.  Die Bemühungen der Islamisten, an die Stelle des westlich orientierten Schah-Regimes einen islamischen Gottesstaat zu setzen, fokussieren sich auf die Person dieses Mannes, der am Ende seiner langjährigen Bemühungen am 1. Februar 1979 in Teheran „Einzug hält“.  Bald darauf, im Jahr 1980, bricht der Krieg mit dem Irak aus, der bis 1988 dauert.  Das Regime der Mullahs lässt so „Mesopotamien tyrannisieren“.


Vz 3 [macht alle zu Freunden der ehebrecherischen Dame]  Auf biblische Vorbilder zurück gehend, bedeutet das Sinnbild der >Braut< und >Ehefrau< ein Volk als ganzes, dessen >Gatte< dann der König ist (---> mariage).  Beide, Volk und König, haben als >Eheleute< Rechte und Pflichten, dienen einander.  Eine >ehebrecherische Dame< ist ein Volk, das mit >einem Anderen< liebäugelt, eine Affäre hat.  Dieser Andere ist hier Khomeini.  Er tut im Exil alles, um dem aufrührerischen Volk im schiitischen Klerus möglichst viele Freunde zu schaffen, die sich gegen die Schah-Herrschaft und für eine islamische Theokratie einsetzen.  So will er die >Scheidung< des iranischen Volkes vom Schah erwirken, um seine eigene >Heirat< zu ermöglichen.


Vz 1/4 [Schrecklicher König, von schwarzer Physiognomie]  Das Wort noir ist hier Anagramm von Roi König und zugleich Hinweis auf das finstere Wesen des Gemeinten (---> noir).  Die Attribute, die der herrschsüchtige Geistliche im Vers darüber hinaus erhält, lassen diese Einschätzung durch den Seher noch deutlicher werden  -  eindrucksvoll das Wort von der „schwarzen Physiognomie“, in dem das dunkle Habit des Ayatollah wie auch sein finsterer Gesichtsausdruck eingefangen sind.

 

US-Amerikaner als Untertanen, Beifall und Andacht, Heimtücke findet Widerhall

   08/74    En terre neufue bien auant Roy entré  
                 Pendant subges luy viendront faire acueil,  
                 Sa perfidie aura tel rencontré    
                 Qu'aux citadins lieu de feste & recueil. (1568)    

                In der Neuen Welt (wird) ein großer König weithin gut aufgenommen, 

                geneigte Untertanen werden ihm Beifall spenden.

                Seine Heimtücke wird solchen Widerhall finden,

                dass sie den Bürgern Grund zu Feier und Andacht gibt.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) v. pendre auch: neigen zu (pencher de).    

                   Mittelfrz. (Gr) n.m. subject Untertan eines Königreichs (sujet d'un royaume).    
                   4) N.m. recueillement innere Sammlung, Andacht, reimbedingt verkürzt.     

   
1)2) Aus der Perspektive des 16. Jahrhunderts ist Amerika ein neuer Erdteil, eine "neue Welt", 2/89. Den Einwanderern gelten die USA als land of the free and home of the brave, als das gelobte Land der Freiheit.  Die Trennung von Staat und Kirche ist seit 1791 Verfassungsgrundsatz (First Amend-ment).  Da mutet die Rede von König und Untertanen befremdlich an.  Einem verehrten ausländi-schen Staatsoberhaupt (z.B. Mandela) wären die Bürger nicht untertan.    


2)4) Politische Unterordnung und religiös anmutende Verehrung derselben Person lassen den Verdacht aufkommen, dass hier von dem Mann die  Rede ist, der die Menschen nach dem Kataklysmus durch den Anschein einer Verbindung von spiritueller und politischer Kompetenz fasziniert, 1/29.  Sein Ruf, der wiedergekommene Christus zu sein, 4/24, öffnet ihm die Türen.    


3) Nicht die amerikanische Gemeinde, aber N. nimmt wahr, dass der Mann den Heiligen nur spielt, 8/41, was zur "Heimtücke" passt.  Die Feiernden fallen auf einen Menschen herein, der ihrer Geistesart entspricht.  Wo es im TV Shows gibt und in Stadien Massenveranstaltungen mit Bekehrungen, Heilungen und anderen Wundern, ist die Gefahr groß, dass Heuchelei und Scheinheiligkeit um sich greifen.    


Man darf schlussfolgern, dass in der Zeit der Unterdrückung der alten Religionen mit einer Hilfe aus Amerika eher nicht zu rechnen ist.

 

   

Mehr Schlächter als König in England

   08/76   Plus Macelin que roy en Angleterre  
                 Lieu obscur nay par force aura l'empire:    
                 Lasche sans foy, sans loy saignera terre, (1568)   
                 Son temps s'approche si pres que ie souspire.    

                Mehr Schlächter als König in England,

                von niedriger Herkunft, wird er mit Gewalt an die Macht kommen.

                Losgelassen ohne Glauben, ohne Gesetz, wird er die Erde schröpfen. 

                Seine Zeit ist so nah, dass ich seufze.
   
                   1) Mittelfrz. (Go) n.m. maceclier Metzger, ital. n.m. macellaio Metzger (boucher).  

                   2) Lat. obscurus auch:  niedrig (der Herkunft nach).    
   
1)2) Oliver Cromwell, geboren 1599, ist Spross einer neureichen Grundbesitzerfamilie.  Die furcht-bare Alternative Calvins, zu den Auserwählten zu gehören oder von Gott  für die ewige Verdammnis prädestiniert zu sein, macht ihn zum Religionskrieger.  In den Bürgerkriegen 1642ff  siegreich, kommt er 1648 an die Macht.  Auf Feldzügen gegen die katholischen Iren 1649/50 werden Massaker an der Zivilbevölkerung verübt.    


3) 1649 wird der König hingerichtet und die Monarchie abgeschafft, 8/37.  "In London fehlt das Blut des Gerechten", 2/51.  Cromwell will ohne die Monarchie auskommen und erweist sich für N. schon dadurch als Mann "ohne Glauben".  Er lässt sich zum Schutzherrn einer Republik ausrufen mit dem Titel "Lord Protector" (= Herr Beschützer).  Faktisch ist er Militärdiktator.    


4) Für N., der 1566 stirbt, ist die Mitte des 17. Jahrhunderts die nähere Zukunft, weil er noch viel weiter schaut, 3/94.    

Der Antechrist wird drei recht bald zunichte machen

   08/77   L'antechrist trois bien tost annichilez,  
                Vingt & sept ans sang durera sa guerre,    
                Les heretiques mortz, captifs exilez, (1568)    
                Sang corps humain eau rogie gresler terre.   

                Der Antechrist (wird) drei recht bald zunichte gemacht (haben).

                Siebenundzwanzig Blutjahre wird sein Krieg dauern.
                Die Ketzer tot, gefangen die Exilanten,

                Blut von Leichnamen rötet das Wasser, Hagel schlägt das Land.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) v. anichiler für nichtig oder ungültig erklären (annuler),

                   (von Gesetzen gesagt) abschaffen, aufheben (abolir).    
   
N. hat drei herausragende Herrscher gesehen, deren Gesinnung und Taten er als antichristlich einstuft, 9/05 (---> Antechrist).  Auf Napoleon und Hitler folgt nach Kometensturz und Kataklysmus ein Dritter, der es bis zum Weltherrscher bringt, 1/04.  Ein >Auferstandener< erscheint, der Kaiser wird, 8/27.    
 

Die drei Offenbarungsreligionen und andere alte Religionen können sich in der nach dem Kataklysmus errichteten >Weltfriedensordnung< erst noch erhalten, 8/69.  Aber bald stehen sie im Verdacht, Gift zu sein, 1/68, und werden dann >abgeschafft<, VH (25).  Die >alten Götter verbluten< auf dem >Meer<, 5/62 (---> mer).  Wer am Alten festhält, gilt als Sektierer oder Anhänger einer Irrlehre.    
 

Diese versucht man noch zu gewinnen, 8/78.  Aber wer sich dann nicht fügt, wird getötet.  Die >Blutjahre< sind Jahre der Verfolgung wegen des Glaubens (---> sang).   Andernorts gibt N. 25 Jahre an, VH (44).  >Jahre< können bei ihm Monate bedeuten (---> an).  Das ist hier gemeint, denn der Weltherrscher wird nicht alt, 1/04 Vz 2.  Und die Tage der Bedrängnis sollen verkürzt werden, Mt 24,22.  >Hagel< ist ein Bild für die geistig toten Lehren der >neuen Religion<, 1/22 (---> gresle).    
 

Gläubige der alten Religionen als Ketzer

   08/78   Vn Bragamas auec la langue torte   
                Viendra des dieux le sanctuaire,    
                Aux heretiques il ouurira la porte  
                En suscitant l'eglise militaire. (1568)
  

                Ein Vielschreier mit der geschraubten Sprache

                wird treten an der Götter Hochaltar.

                Den Ketzern wird er das Tor öffnen,

                dadurch aufrichtend die militärische Kirche.
   
                  1) V. brailler kreischen > mittellat. v. bragulare schreien;  n.m. amas Haufen.  

                  Ein Brag-amas schreit einen Haufen zusammen.    
   
Eine "militante Kirche" werde "das heilige Volk Gottes hart verfolgen", VH (42).  Der militante Pazifismus eines globalen Regimes liefert die Vorwände dafür, die alten Religionen abzuschaffen, 1/68.  Als >Ketzer<, d.h. Anhänger einer Irrlehre, gelten dann alle, die an ihrem alten Glauben noch festhalten wollen.  Ihnen wird noch einmal im Guten >das Tor geöffnet<;  es gibt Umarmungen und Begnadigungen, 10/78.  So wird die militärische Kirche aufgerichtet (lat. suscitare erhöhen, auf-richten). Auf dem Hochaltar der >neuen Religion< werden >die alten Götter< geopfert.  Ein Vielschreier liefert den philosophisch geschraubten Begleittext.    

Von Sizilien her kommt die Erschütterung des Reichsadlers und seiner Satelliten

   08/81   Le neuf empire en desolation,    
                Sera changé du pole aquilonaire.  
                De la Sicile viendra l'esmotion    
                Troubler l'emprise à Philip tributaire. (1568)    

                Das neue Imperium in Trostlosigkeit,

                es wird gewandelt sein vom Mittelpunkt des Reichadlers.

                Von Sizilien her wird die Erschütterung kommen,

                zu stören die Macht dem abhängigen Philippe.
   
                   2) Adj. aquilonaire kann nach dem lat. n.f. aquila Adler gebildet sein, 1/49.  

                   N.m. pôle Pol, Gegensatz, Punkt, Mittelpunkt.    
   
1) >Neues Imperium< heißt hier sarkastisch, wie in 8/65, die von der Vichy-Regierung unter Philippe Pétain ab Juli 1940 verwaltete >freie Zone< im Süden Frankreichs, die von den Deutschen geduldet wird.  Pétain hat sich damit einverstanden erklärt, ein weisungsgebundener Vasall der Besatzungs-macht zu sein.    


2) Im November 1942 lässt der deutsche Kriegsherr auch Pétains >Imperium< besetzen.  Dieser Wandel geht also vom Reichsadler aus (---> aigle).  Seitdem nimmt sich die Lage für die Franzosen noch trostloser aus als vorher schon, 7/34.    


3)4) Nach der Kapitulation der Achsenmächte in Nordafrika im Mai 1943 landen die ersten amerikanischen Truppen auf europäischem Boden im Juli 1943 auf Sizilien.  Sie kommen von Nordafrika, 1/09.  Die Landung dieser Flotte sprengt einen Zwei-Männer-Bund, 5/23.  Von Sizilien her nimmt die Erschütterung des Reichsadlers und seiner Satellitenregime ihren Ausgang. 

Frankreich unterliegt den Briten, die über die Pyrenäen vordringen

   08/86   Par Arnani tholoser ville franque,  
                 Bande infinie par le mont Adrian,    
                 Passe riuiere, Hurin par pont la planqúe    
                 Bayonne entrer tous Bihoro criant. (1568)    

                 Über Ernani, Tolosa (und) Villafranca

                 ein endloser Zug über den Berg von San Adrian,

                 überquert Fluss (bei) Irun, durch Brücke der Übergang,

                 sie ziehen ein in Bayonne, alle schreien Bichoro.
   
                    3) Mittelfrz. (Gr) n.f. planche auch: Übergang (passage),

                    Zugang (moyen d'accès), hier reimbedingt abgewandelt.    
   
Nach ihrem Sieg gegen die Franzosen in der Schlacht von Vitoria im Juni 1813 zieht der britische General Wellington mit einem "großen Heer", 2/48, etwa 70000 Mann, Briten, Spaniern und Portugiesen, über die Berge weiter Richtung Frankreich.  Der Weg über die Pyrenäen führt durch den vielbegangenen Hohlweg von San Adrian und weiter über die baskischen Städte Villafranca, Tolosa und Ernani bis an den Grenzfluss Bidasoa, der bei der spanischen Stadt Irun in den Atlantik mündet.  Am Bidasoa hat der französische General Soult seine erste Verteidigungslinie aufgebaut, die am 7.10. überwunden wird.  Die dritte Linie am Nive-Adour wird am 10.11. überschritten. Unterhalb von Bayonne bauen die Briten eine Bootsbrücke über den Adour für den Nachschub.  Im Dezember geht es in die Winterquartiere.  

 

Mitte Februar 1814, 2/48, zieht Wellington weiter und besiegt die Franzosen bei Orthez.  Sein General John Hope belagert Bayonne;  aber die Stadt gibt erst am 28.4.1814 auf, 22 Tage nach der Abdankung Napoleons (wikip. John Hope, 4. Earl of Hopetoun).  Der ist zur Marionette der feind-lichen Heerführer geworden und muss ins Exil, 2/48.    

Synagoge aufgenommen unter den Ungläubigen von Babylon

   08/96   La synagogue sterile sans nul fruit  
                 Sera receue entre les infideles  
                 De Babylon la fille du porsuit    
                 Misere & triste luy trenchera les aisles (1568)  

 ​

                 Die Synagoge, ohne Empfängnis, ohne Frucht,

                 wird aufgenommen werden unter den Ungläubigen

                 von Babylon.  Die Tochter des Verfolgten,

                 elend und traurig, wird ihm (Babylon) die Flügel abschneiden.
    
                    Das gänzliche Fehlen von Satzzeichen gibt zu denken.  Durch einen Punkt

                    hinter Babylon ergeben sich zwanglos zwei vollständige Sätze.    
                    3) le porsuit ist wohl nicht das n.f. la poursuite Verfolgung, sondern eine

                    Nebenform des p.p.p. poursuivi (Rheinfelder [1976] S. 300).    
   
1)2) Die >Synagoge< bedeutet das jüdische Volk.  Jüdische Menschen werden seit dem 19. Jahrhundert, verstärkt seit der Gründung Israels 1948, aufgenommen "unter", nicht von Menschen anderen Glaubens, die sich feindlich zu ihnen verhalten wie Babylon zu den Juden des Alten Testaments.  1948 haben die Juden ihren Messias noch immer nicht empfangen (ohne Empfängnis, ohne Frucht).    


3)4) Im Erleiden einer tödlichen Verfolgung gleichen die Juden 1933ff. dem Juden Jesus von Nazareth (der Verfolgte).  Das Volk Israels ist die >Tochter< von Verfolgten der Shoah.  Das >Abschneiden der Flügel< bezieht sich auf die Siege Israels gegen die Araber (1948ff).  Elend und traurig nennt N. ein Volk, das, obzwar wieder sesshaft im Land der Väter, 7/32, seinen Frieden nicht findet.

   

Rückzug der alten Kolonialmächte 1956ff

   08/97   Aux fins du VAR changer le pompotans,  
                Pres du riuage les trois beaux enfans naistre.
                Ruyne au peuple par aage competans  
                Regne au pays changer plus voir croistre. (1568)
    

                 Auf den Gebieten des VAR wandelt sich der Triumphzügler,

                 In Ufernähe werden die drei schönen Kinder geboren.

                 Zerrüttung für das Volk in volljährigem Alter,

                 Herrschaft im Land wandelt sich, (man) sieht es wachsen.
   
                     1) Lat. n.m. finis Grenze, Gebiet, Land.      

                     3) Mittelfrz. (Gr) Wendung  age competans volljähriges oder heiratsfähiges Alter.    
   
1) In Pompotans steckt u.a. der römische Triumphzug (pompa);  ein pempotam sendet Ströme von Menschen aus, 10/100;  gemeint ist das britische Weltreich, das Empire.  Der Wandel ist ein Machtverlust und Rückzug dieser Großmacht.  1956 kommt es um den Suezkanal, der international ist, zum Konflikt, in dem sich Ägypten gegen die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich stellt.  Er endet mit einer Niederlage der alten Großmächte.  1958 ruft Präsident Nasser in Ägypten die Republique Arabe Unie (RAU) aus, die Vereinigte Arabische Republik, die außer Ägypten noch Syrien und Jemen umfasst (bis 1961).    


2) Die >schönen Kinder in Ufernähe< sind die Maghreb-Staaten, die während und nach der Suez-Krise >geboren<, d.h. unabhängig von Frankreich werden, Marokko und Tunesien 1956, Algerien 1962.  Auch hier ein Rückzug der Kolonialmacht.    


3)4) Das volljährige Alter eines Volks kann bedeuten, dass es einen Monarchen bekommt (---> mariage).  Marokko ist von Anfang an eine Monarchie, Tunesien und Algerien sind es nicht.  Das >Wachstum< der Länder kann eine territoriale Expansion bedeuten, etwa indem die einst Koloni-sierten ihrerseits in Europa Kolonien gründen, 6/54, 6/80.  

 

Die dritte Zehe des Fußes gleicht der ersten

 

   09/05   Tiers doit du pied au premier semblera, 
                 A vn nouueau monarque de bas hault 
                 Qui Pize & Lucques Tyram occupera 
                 Du precedent corriger le deffault. (1568)
  

                  Dritte Zehe des Fußes wird der ersten gleichen,

                  einem neuen Monarchen, von unten nach oben (gekommen).

                  Der wird Pisa und Lucca (als) Tyrann in Besitz nehmen,

                  um des Vorgängers Unzulänglichkeit zu korrigieren.
   
Das Betreten zusammen mit dem In-Besitz-Nehmen bedeutet das Streben nach Eroberung und Alleinherrschaft (monarque).  Dabei treten drei Männer nacheinander auf.  Napoleon will sich Europa untertan machen.  Wenn Großbritannien erfolglos terrorisiert werde (Kontinentalsperre), werde Italien 1807ff (und vorher schon) durch Frankreich viel zu leiden haben, 2/94.  

 

Der zweite Herrscher, der ganz Europa unterwerfen will, dessen Truppen 1943/44 in Italien stehen, 5/99, ist Hitler.          
 

Der dritte ist der >wiedergekommene Heiland<, der zum Weltherrscher aufsteigt, 1/95.  Alle drei sind Emporkömmlinge (de bas hault), d.h. Männer ohne dynastische Tradition.  "Des Vorgängers Unzu-länglichkeit" ist, dass Napoleon den Papst und dessen Kirche >nur< stark bedrängt, 6/46, sie aber nicht zerstört hat.  Das zu >korrigieren<, wird der "dritte Größte", 2/88, antreten.  Aus dem Mund eines kirchentreuen Katholiken, als der N. sich versteht, VH (8), ist das ein abgründiger Sarkasmus. Zugleich benennt es das Selbstverständnis eines Regimes, das >mit dem alten Aberglauben end-gültig aufräumen< will, 5/85.

      
Die "bestgerüsteten Orte der Fremden" werde ein Kriegsherr losschicken, um "durch Tyrannei Pisa und Lucca zu zerstören", 9/80.  Der "Kriegsherr" ist das globale Regime der >Weltfriedensordnung<, dessen oberste Autorität der >wiedergekommene Heiland< ist.

Im Tempel der Vestalinnen streicht ein Kind Wasser und Feuer durch ein Sieb

   09/09   Quand lampe ardente de feu inextinguible    
                 Sera trouué au temple des Vestales, (1568)    
                 Enfant trouué feu, eau passant par crible:    
                 Perir eau Nymes. Tholose cheoir les halles.   
 

                 Wenn die brennende Fackel des unauslöschlichen Feuers

                 gefunden wird im Tempel der Vestalinnen,

                 (wird ein) Kind gefunden, Feuer, Wasser streichend durch ein Sieb.

                 Nîmes geht unter (im) Wasser, (in) Toulouse stürzen die Hallen.
   
Das Feuer im altrömischen Tempel der Vesta durfte nie erlöschen, sein Unterhalt war mit dem Wohl-ergehen Roms magisch verknüpft.  Der zeremonielle Dienst an einem Weltreich galt als Religion und bot den Anschein einer Religion (---> Vesta).  Indem sie sich auf den globalen Staat und seinen Frieden verpflichten, werden die Glaubensgemeinschaften der alten Religionen zu >Vestalinnen<. Die Pax Mundana, der globale Frieden wird zum gemeinsamen >höheren Ziel< (das Gott sein sollte, nicht der Staat). 

    
>Kind< nennt N. einen Herrscher vor Antritt seiner Herrschaft (---> enfant).  Ein >Findelkind< wird als >Zwillingsbruder< Christi im Geist erkannt, 1/95.  Feuer läutert Erz zum Metall, Wasser dient der Reinigung.  >Feuer und Wasser< bedeuten die verschiedenen Religionen, die der Läuterung der Seelen dienen, deren je eigene Zugänge aber verschieden sind wie Wasser und Feuer;  verschieden in dem Sinne, dass sie nicht gleichzeitig begangen werden können.  Der Gemeinte gilt als kompe-tent, die alten Lehren >genau zu prüfen< (passer au crible: durch ein Sieb geben, unter die Lupe nehmen). 

  
In der von ihm später erfundenen >neuen Religion< werden die alten Lehren vermischt, 1/53, 6/10.  Die Welt wird mit der staatstragenden Propaganda der >neuen Religion< >überflutet<;  die alten Religionen sollen untergehen.

   

Die Pest in London 1665 als Sühne für den Königsmord 1649

   09/11   Le iuste à tort a mort lon viendra mettre 

                Publiquement, & du millieu estaint:  

                Si grand peste en ce lieu viendra naistre,    
                Que les iugeans fuyr feront constraint. (1568)  

                Den Gerechten wird man zu Unrecht dem Tod übergeben,

                öffentlich und von (seinem) Umfeld ausgelöscht.

                Eine so schlimme Seuche wird an diesem Ort ausbrechen,

                dass die Richter gezwungen sein werden zu fliehen.
   
                   4) Ausgabe Pierre Rigaud (1558) hat "seront contraints", was in den Kontext passt

                   statt "feront constraint" in der Ausgabe (1568), was keinen Sinn ergibt.

​​​

1)2) Der "Gerechte" ist der britische König Charles I., der die für N. gottgefällige Ordnung der Monarchie verkörpert;  seine Verurteilung durch Angehörige seines Volkes geschieht daher "zu Unrecht".  So haben das auch die meisten Zeitgenossen beurteilt und empfunden.  Das Schaffott wird im Januar 1649 vor Whitehall in aller Öffentlichkeit errichtet, 8/37.

 

3)4) Die schlimmste Pestepidemie im London des 17. Jahrhunderts grassiert 1665 mit 68000 Toten, die zweitschlimmste 1667 mit 35000 Toten (Rouffe/Sournia [1987] S. 53).  Die 84 Angehörigen des Unterhauses, die 1649 das Todesurteil unterschrieben haben, gelten ab 1659 als Königsmörder (regicides);  die meisten fliehen ins Ausland, denn sie werden zum Tod verurteilt.  Sie gehören daher nicht zu den  Bessergestellten, die im Sommer 1665 vor der Seuche fliehen können.  Für N. ist ganz London, das ganze Umfeld des Königs (milieu) 1649 schuldig geworden.  Mit der Pest wird der Mord >gesühnt<, 2/53.  Auch der Brand im Jahr 1666 ist >Strafe Gottes<, 2/51.  

 

Ein Formgeber wird mit Gold überschüttet 

   09/12   Le tant d'argent de Diane & Mercure    
                Les simulachres au lac seront trouuez,    
                Le figulier cherchant argille neufue    
                Luy & les siens d'or seront abbreuvez. (1568)    

                Das Große von Diana und Merkur (nur) aus Silber,

                die Götterbilder werden im See angetroffen werden.

                Der Formgeber auf der Suche nach neuer Tonerde,

                er und die Seinen werden mit Gold überschüttet werden.
   
                  1) tant als Hauptwort ist abgeleitet vom lat. n.n. tantum so Großes, so Vieles.      

                  3) Lat. n.m. figulus Töpfer, Bildner.    
   
Diana, die griechische ---> Artemis, ist Deckname für die Jungfrau Maria, 2/28, und die christliche Religion.  Das Große, das die christliche Religion nach Meinung N.s zu bieten hat, die Sprachbilder der Bibel (---> simulacre), gilt als zweitrangig und soll versinken und vergessen werden (---> lac).       

 

Ein spiritueller Lehrer findet die Menschen als >Tonerde< vor, 1/21, und fühlt sich zum >Formgeber< berufen.  Mit der >neuen Religion< aus seiner >Töpferhand< gelingt es ihm, seine Anhängerschaft zu mehren (>neue Tonerde<).  Er, seine Zelebranten und sein Produkt genießen höchste Wert-schätzung (---> or). 
 

Merkur steht hier neben Diana mit gleicher Sinnrichtung, ist demnach Chiffre für Christus (---> Mercure).    

Franco und Rivera besiegen die Republik

   09/16   De castel Franco sortira l'assemblee.  
                L'ambassadeur non plaisant fera scisme:    
                Ceux de Ribiere seront en la meslee,    
                Et au grand goulphre desnieront l'entree. (1568)    

                Aus (einer) Festung wird Franco die Armee herausführen.

                Der Botschafter nicht angenehm, er wird (eine) Spaltung bewirken.

                Die von Rivera werden dabei sein im Kampfgetümmel.

                Dem großen Abgrund werden sie den Eintritt verwehren.
   
                   1) N.m. castel Schloss  > lat. n.n. castellum Festung.    

                   Mittelfrz. (Gr) n.f. assemblee Armee (armée), Schlacht (bataille).    
                   3) Ribiere ist ein französisch abgewandeltes Rivere.    

                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. gouffre Abgrund (abîme), Wirbelsturm (tourbillon).    
   
1)4) Als 1931 in Spanien die Republik ausgerufen wird und der König ins Exil geht, ist mancher "nicht einverstanden", 6/45.  Als 1936 auch noch eine linke Regierung gewählt wird, >tut sich der Abgrund auf<, aus dem in Offb 11,7 der Drache steigt.  Ähnlich apokalyptisch sehen das Teile der spanischen Generalität und sind nicht mehr bereit sich unterzuordnen.  Zu ihnen gehört General Franco, der am 25.7.36 in der alten Festungsstadt Burgos zum Chef einer Gegenregierung ernannt wird.  Vom Oberkommando in Burgos werden die revoltierenden Armeen geführt.    


2) Seine Revolte enthält die Botschaft, dass die Republik in Gefahr ist.  Diese Botschaft ist "nicht angenehm", denn sie bedeutet Bürgerkrieg.  Das Land ist gespalten in Republiktreue auf der einen und Nationalisten sowie Faschisten auf der anderen Seite.  Das Wort Schisma = Glaubensspaltung verdeutlicht, das der Krieg auf Weltanschauungen zurückgeht, die unvereinbar sind.    


3) Auf Seiten Francos kämpfen die Truppen der faschistischen Falange, 1933 gegründet von Juan Antonio Primo de Rivera.    


4) Es lässt sich ablesen, dass die Gegner der demokratischen Republik, des >großen Abgrundes<, sich durchsetzen werden (---> goulfre).  

Blut wird vergossen im Namen eines >goldenen Zeitalters<

   09/17   Le tiers premier pys que ne feit Neron, 
                Vuidez vaillant que sang humain respandre: 
                R'edifier fera le forneron, 
                Siecle dor, mort, nouueau Roy grand esclandre:  (1568)

                 Der dritte Erste (wird) Schlimmeres (tun) als Nero tat.

                 Deportierte, mutig (wird er sein), (ihr) Blut zu vergießen.

                 Wiedererbauen lassen wird er den finsteren Ofen.

                 Goldenes Zeitalter tot, neuer König (ein) großer Skandal.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) v. vuider entleeren (rendre vide), altfrz. v. vuider auch: evakuieren (évacuer).  

                   3) forneron ist zusammengesetzt aus dem altfrz. n.m. fornier Ofen (fournier) und dem ital. Adj.

                   nero schwarz, finster.   4) Mittelfrz. (Großer Godefroy) n.m. esclandre Skandal (scandale).    
   
Vz 1/4 [Dritter Erster/ Goldenes Zeitalter]  Wegen des Kaisernamens Nero beziehen sich die Ordnungszahlen auf Kaiser oder Kaiserreiche.  Nach dem Verlöschen des alten Kaiserreichs 1806, 5/01, und dem zweiten Kaiserreich (1871-1918) ist es Hitler, der ein drittes europaweites Imperium beherrscht, das diese Zählweise auch aufgreift.  Im sogenannten Dritten Reich ist Hitler "der Erste".  In den Jahren seit 1933 soll eine neue Zeit nationaler Größe und in diesem Sinn ein >Goldenes Zeitalter< für die Deutschen anbrechen.  Aber dieser "Erste" ist "von Güte weit entfernt", 6/67.    


Vz 2/3 [Deportierte getötet/ Ofen wiedererbaut]  Die Deportierten sind die in den Osten verschleppten jüdischen Deutschen.  Sie werden >evakuiert<, ein Tarnwort der SS für töten  -  ein Sarkasmus, denn es braucht keinen Mut, um Wehrlose zu töten, nur ein taubes Gewissen.  Die Opfer werden durch Gas getötet und die Leichname verbrannt.  Schon einmal wurden Juden in einen Ofen geworfen, von Babylons Nebukadnezar, den sie nicht anbeten wollten, Daniel 3.    


Vz 4 [Goldenes Zeitalter tot/ Neuer König ein großer Skandal]  Nach zwölf Jahren ist das >Goldene Zeitalter< schon wieder vorbei.  Das Grauen der Vernichtungslager beurteilt die Nachwelt als  ''großen Skandal".  Der "Imperator wird verurteilt werden", 4/65 Vz 4.  Die daraus und mehr noch aus dem verlorenen Krieg resultierende Kehrtwende im Urteil vieler Deutscher über den >neuen König< Hitler wird bündig benannt.

Ludwig XIII. schlägt Rebellion nieder, belagert Nany

   09/18   Le lys Dauffois portera dans Nansy  
                Iusques en Flandres electeur de l'empire,   
                Neufue obturee au grand Montmorency,    
                Hors lieux prouez deliure à clere peyne. (1568)    

                Die delphinische Lilie wird er nach Nancy bringen,

                bis nach Flandern (bringt man) einen Kurfürsten des Reichs.

                Neue (Rebellion) blockiert für den großen Montmorency,

                abseits bewährter Orte (wird er) ausgeliefert klarer Strafe.
   
                   1) Das Adjektiv dauphinois ist hier verkürzt zu Dauffois.  

                   3) Mittelfrz. (Go) v. obturer blockieren (boucher);  das n.f. rebellion als Subjekt ergänzt.    
   
1) Der Graf der Dauphiné trug den Titel Dauphin und übertrug ihn im 14. Jahrhundert auf den König von Frankreich.  Dass der König diesen Titel seinem erstgeborenen Sohn und damit ersten Thron-folger überträgt, wurde gängige Praxis.  Bis zur Geburt seines Sohnes am 5.9.1638 hält Louis XIII. den Titel.  "Delphinisch", noch ohne Sohn, ist der Bourbone mit der Lilie im Wappen bis 1638.  Im Jahr 1633 erobert Louis XIII. Nancy in Lothringen, dessen Herzog ihm die Treue schwören muss. 

   
2) Im Jahr 1635 wird der Kurfürst von Trier wegen seiner frankreichfreundlichen Politik auf Befehl des Kaisers Ferdinand II. gefangen gesetzt.  Er wird nach Brüssel in die spanischen Niederlande gebracht und an verschiedenen Orten inhaftiert.    


3)4) Henry II. Montmorency, ein Enkel des großen Feldherrn, nimmt 1632 an einer offenen Rebellion gegen den König imLanguedoc teil, dessen Gouverneur er ist.  Er wird gefangen genommen und vom Gerichtshof in Toulouse zum Tode verurteilt.  Die für seine Begnadigung Eintretenden können nur erreichen, dass die Strafe nicht wie üblich auf dem Marktplatz, sondern auf dem Hof des Gefängnisses vollstreckt wird (von Ranke, Franz. Geschichte, Band II, S. 37-42).    

Türken als Eroberer im Mittelmeer, "fanatischer Abgrund" abgewendet

   09/30   Au port des PUOLA & de sainct Nicolas,  
                 Peril Normande au goulfre Phanatique,  
                 Cap. de Bisance rues crier helas,     
                 Secors de Gaddes & du grand Philipique.
  (1611) 

 

                 Im Hafen der Wölfin und des heiligen Nicolas

                 normannische Gefahr vom fanatischen Abgrund.

                 Haupt von Byzanz, Straßen schreien o weh,

                 Hilfe von Cadiz und dem großen Philippischen.
   
                     2) Die meisten Ausgaben haben perir statt peril.  

                     Mittelfrz. (Gr) n.m. gouffre Abgrund (abîme), Bucht (baie),

                     mittelfrz. Adj. fanatique wovon man glaubt, dass es göttlich inspiriert sei

                     (que l'on croit être d' inspiration divine), von poetischem Feuer ergriffen (pris de fureur poétique).    

                     3) Lat. n.n. caput Haupt, Hauptstadt.      

                     4) Die spanische Stadt Cadiz hieß zur Römerzeit Gades.    
   
1)2) Venedig ist der >seefahrende Frosch<, 5/03;  die Stadt verdankt ihren Reichtum dem Seehandel im ganzen Mittelmeer;  der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Seefahrer.  Aus PUOLA wird durch Umstellung der Buchstaben LOUPA, was lateinisch Wölfin bedeutet (Dank an Taurec [schauungen.de]);  in der Sage von der Gründung Roms spielt eine Wölfin die Hauptrolle.  Demnach sind hier Rom, d.h. der Kirchenstaat, und Venedig als Seemächte (Hafen) angesprochen.  

 

Die Normannen waren Seefahrer, die fremde Länder eroberten und dort ansässig wurden (---> Normans).  Im 16. Jahrhundert expandieren die Türken nicht nur zu Lande, sondern auch auf dem Meer, erobern z.B. Rhodos (1522), belagern 1565 Malta, 2/49, erobern 1571 Zypern.  Der Islam ist für den militanten Katholiken N. ein >Abgrund<, der nur vorgibt, von Gott inspiriert zu sein (---> goulfre). 


3)4) Die erste Vershälfte entfaltet das Problem, die zweite hat die Lösung.  Gemeint ist die Seeschlacht bei Lepanto im Oktober 1571, wo die Türken (Byzanz) eine Niederlage erleiden.  Rom und Venedig haben sich mit Spanien (Cadiz) verbündet.  Spaniens König Philipp II. schickt Schiffe unter Don Juan d'Austria, der den Oberbefehl über die vereinte Flotte erhält, 8/50.

Flotte schwenkt zum Hafen des Metellus 

   09/32   De fin porphire profond collon trouuee    
                 Dessoubz la laze escriptz capitolin:  
                 Os poil retors Romain force prouuee,  
                 Classe agiter au port de Methelin. (1568)  

                 (Eine) Säule aus feinem tiefen Porphyr (wird) gefunden,

                 unter der Grabplatte capitolinische Inschriften,

                 Knochen, gelocktes Haar, r ö m i s c h e  Macht wird bewiesen.

                 Flotte schwenkt zum Hafen des Metellus.
   
                    2) Altfrz. n.f. loze, lose Steinplatte (carreau), Grabplatte (tombe), Grabinschrift (épitaphe).    

                    4) Lat. n.f. classis Heer, Flotte.    
   
Es geht um Macht, was gegen eine archäologische Deutung spricht.  Auf Säulen ruht im Mythos der Himmel (---> colonne).  Die Porphyrsäule bedeutet eine Institution, die wie das antike Kaisertum >den Himmel tragen<, eine auf Gott/Götter sich berufende irdische Ordnung aufrichten und erhalten will.  Das >Finden< bedeutet, dass eine alte, schon begrabene Idee wieder ausgegraben und belebt wird. Der >große Römer<, dessen Gebeine auch >gefunden< werden, ist Kaiser Augustus, der die Pax Romana verkörpert, 6/66. Die capitolinischen Inschriften verweisen auf einen Tempel, der den römischen Staatsgöttern, darunter Iuppiter, geweiht ist  -  ein verdeckter Hinweis auf den Mann an der Spitze und die Verehrung, die er erfährt, 10/71 (---> Jupiter).   


Der Hafen des Metellus ist der >Hafen der Ehe<, Begründung s. Vorschau.  Die >Flotte< der alten Glaubensgemeinschaften soll und will sich an >Jupiter< binden, d.h. ihn als >Herrn< anerkennen.  Der >Hafen der Ehe< ist dabei die Schnittstelle von Ehe- und Schiffsmetaphorik. 

Sturz des Königtums im Sommer 1792

   09/34   Le part soluz mary sera mittré,    
                 Retour conflict passera sur le thuille:  
                 Par cinq cens vn trahyr sera tiltré  
                 Narbon & Saulce par coutaux auons dhuille. (1558)

                  Dem parteilichen alleinstehenden Gatten Mütze aufgesetzt,

                  erneuter Konflikt, wird übergreifen auf den Ziegelstein.

                  Durch Fünfhundert verraten sie Einen. Geehrt werden sein

                  Narbonne und Saulce, aus Messern ziehen sie Gewinn.


                     1) Bei P. Rigaud (1558) ist das wichtige Wort "mary" Ehemann nicht verunstaltet.  

                     Mittellat. mitra Bischofsmütze.  Auch part ist hier Attribut, in Frage kommt part(ial) parteilich.    

                     2) N.f. tuile Ziegel.   

                     3) Les gens titrés sind die Adligen (Großer Larousse).      

                     4) Wendung tirer huile d'un mur aus allem Gewinn ziehen.    
   
Deutlichster Hinweis auf König Louis XVI. ist seine Anrede als >alleinstehender<, von seinem un-gehorsamen Volk (---> dame) verlassener >Gatte<.  Als im Sommer 1792 die Auslandskontakte des Königs bekannt werden, wird der Tuilerienpalast zweimal erstürmt.  Beim ersten Mal am 20.6. wird dem König eine Jakobinermütze aufgedrängt (Michelet, Bd. I S. 780-782).  Beim zweiten Mal am 10.8. spielen Fünfhundert aus Marseille eine wichtige Rolle, weil sie schwer bewaffnet sind (Michelet Bd. I S. 820, 834ff.).  Am 21.9. wird der König offiziell abgesetzt.    


Sauce, Amtsanwalt in Varennes, hilft zur Vereitelung der Flucht des Königs im Juni 1791, 9/20, und wird dafür vom Konvent belohnt (Michelet Bd. I S. 504ff.).  Auch der Graf von Narbonne-Lara, seit Dezember 1791 Kriegsminister, wird zum Helden des Volkes, als der Konvent am 20.4.1792 Österreich den Krieg erklärt.  Beide profitieren davon, dass sie >den König ans Messer liefern<.    

Garonne und Marne führen extremes Hochwasser

   09/37   Pont & molins en Decembre versez    
                En si hault lieu montera la Garonne:   
                Murs, edifices Tholose renuersez,   
                Q'on ne scaura son lieu autant matronne. (1568)

                Brücke und Mühlen im Dezember umgestürzt,

                so hoch wird der Pegel der Garonne steigen.

                Mauern, Gebäude (in) Toulouse umgestürzt,

                so dass man ihre Lage nicht kennen wird, ebensowenig (an der) Marne.
   
Die Überschwemmung in Südfrankreich ist so extrem, dass der Gardon sein Flussbett verlässt und Nîmes überschwemmt, 10/06.  Und in 10/06 ist eine Abfolge ablesbar:  Die Überschwemmungen gehören zum Kataklysmus, denn anschließend sucht man Zuflucht in einer großen >Friedens-ordnung<, der zu dienen die Glaubensgemeinschaften der alten Religionen sich verpflichten. 

  
Die Garonne mit Toulouse ist vom Hochwasser betroffen, 8/02.  Auch die Rhône schwillt an, ebenso Po und Tiber, Ebro und Tajo, 3/12.  Hier ist auch vom Norden Frankreichs die Rede;  denn Matrona ist der lateinische Name der Marne.  Demnach stehen weite Teile Europas unter Wasser.         

 

Zu einer außerordentlichen Verfinsterung der Sonne und der folgenden "großen Versetzung" kommt es in einem Oktober, VH (18), einem julianischen, VH (33), d.h. zwischen einem 14.10. und 14.11.  Im "Dezember" folgen extrem hohe Pegelstände an Garonne und Marne.  Wegen der in 8/02 angegebenen Konstellation kommen der 14.12. 2034 bis 14.1.2035 in Frage.    

Der Feind des Friedensfürsten wird alle ausrotten 

   09/44   Migres, migres de Genesue trestous,    
                 Saturne d'or en fer se changera,    
                 Le contre RAYPOZ. exterminera tous,    
                 Auant l'aduent le ciel signes fera. (1611)  

                 Zieht weg, zieht allesamt weg von Genf!

                 Saturn wird sich aus Gold in Eisen verwandeln.

                 Der gegen den Friedensfürsten (ist), wird alle ausrotten.

                 Vor der Ankunft wird der Himmel Zeichen wirken.
   
                    3)4) Ausgabe P. Rigaud (1558) hat FAYPOZ und l'aduent.  

                    Ausgabe B. Rigaud (1568) hat RAYPOZ und "l'a ruent" (statt l'aduent),     
                    womit man nichts anfangen kann.  

                    Aus RAYPOZ wird ROYPAZ, wenn man A und O tauscht; span. n.f. paz Frieden.    
   
3) In RAYPOZ kann ein verfremdetes ROYPAZ erkannt werden, was wörtlich "KönigFrieden" bedeutet. Friedensfürst ist einer der vier Titel, die dem Messias (= Versöhner der Menschen mit Gott) zustehen, der den Juden versprochen ist, Jesaja 9,5.  Von der christlichen Theologie wird der Titel daher Jesus von Nazareth zugesprochen.  Der nach dem Kataklysmus auftretende >neue Messias<, 1/95, wird, aufgestiegen zum Weltherrscher, 1/04, nach einigen Jahren die Erinnerung an Christus von der Erde tilgen wollen, 3/72.  Er wird also "gegen den Friedensfürsten" sein.    


4) Vor der "Ankunft", VH (6), dieses Gegners Christi findet der Kataklysmus (Vorschau II) statt, ange-kündigt durch einen sichtbaren irregulären Himmelskörper.  Welche Zeichen am Himmel es vor der Ankunft des Gegners in Genf gibt, wird nicht erklärt.

    
2) Saturn ist der Friedensherrscher des Goldenen Zeitalters;  nach dem Kataklysmus soll es eine große Friedensordnung geben.  Deren Wertschätzung (Gold) wird fragwürdig, wenn gegen die Christen das Schwert erhoben wird (Eisen), VH (42).    


1) Wie schon mehrmals in der Vergangenheit, 2/64, wird die Schweiz noch einmal zur Zuflucht für Abweichler, 5/85.  Und es gibt Christen, die den Gegner noch nicht als solchen erkennen, 2/56.  Der kommt nach Genf und stellt sich gegen jene, die sich immer noch für >die Seinen< halten, 10/44, und Wunder erwarten;  N. warnt, das werde nicht gut ausgehen, Exkurs (8).

    

Der große Vendôme wird sein Reich erhalten

   09/45   Ne sera soul iamais de demander,    
                Grand Mendosus obtiendra son empire    
                Loing de la cour fera contremander,    
                Pymond, Picard, Paris, Tyrron le pire. (1568)  

                Kein Einziger wird jemals danach verlangen,

                der große Vendôme wird sein Imperium erwerben.

                Weit vom Hof wird er Gegenbefehl geben.

                (Für) Piemont, Pikardie, Paris, Thyrren(isches Meer) ist er der Ärgste.
   
                   2) Lat. Adj. mendosus fehlerhaft, lasterhaft.  Aus Mendosus kann man

                   Vendosm machen, wobei ein S überzählig ist.    
                   3) Mittelfrz. (Go) v. contremander hindern, verhindern (empêcher),

                   Einigung ablehnen; (Gr) Befehl widerrufen (révoquer un ordre).    
   
Henri de Navarre, geboren 1553, seit 1562 Herzog von Vendôme, werde ein Imperium erwerben.  Da muss es sich um mehr handeln als das abgelegene kleine Königreich von Navarra, das er 1572 erbt. Von Paris ist die Rede, Frankreich ist gemeint.  Dass der im reformierten Glauben erzogene Henri de Navarre einmal König von Frankreich sein werde, ist in den 1550er und 1560er Jahren noch gar nicht abzusehen.  Bevor er 1589 soweit ist, hat er an den Religionskriegen auf Seiten der Reformierten als deren Anführer teilgenommen und katholische Fürsten bekämpft.  Henri Quatre ist für N. ein >rückfälliger Ketzer<, 3/25.  Aber 1593 tritt er erneut zum Katholizismus über.  Sogar der Papst, dessen Staat ans Tyrrhenische Meer grenzt, hilft diesem >Ketzer<, als er 1595 dessen Exkommu-nikation aufhebt  -   für N. ein Missgriff Roms, ein Beitrag zum Scheitern der katholischen Liga Frankreichs, 10/18.    

Spanische und britische Monarchie auf dem Rückzug (1648/49)

   09/49   Gand & Bruceles marcheront contre Enuers    

                 Senat de Londres mettront à mort leur roi    
                 Le sel & vin luy seront à l'euuers,    
                 Pour eux auoir le regne en desarroy. (1568)    

                 Gent und Brüssel werden gegen Antwerpen marschieren,

                 Senat von London wird seinen König zum Tod verurteilen.

                 Salz und Wein werden sich gegen ihn wenden.

                 wegen ihnen haben sie das Reich in Unordnung.
   
1) Im Jahr 1579 haben sich Flandern ("Gent"), Brabant ("Brüssel") und andere Fürstentümer in der Union von Utrecht zusammengeschlossen und sich vom spanischen König losgesagt.  Daraufhin erobern die Truppen des spanischen Statthalters viele Städte, darunter Gent und Brüssel.  Von da aus marschieren sie 1584 gegen Antwerpen und erobern es nach langer Belagerung, 4/81.  Erst im Haager Frieden von 1648 können die Niederlande nach 80 Jahren Kampf ihre Unabhängigkeit von Spanien erwirken.    


2)3)4) >Salz und Wein< als wichtige Handelsgüter bedeuten die Kaufleute der Londoner City.  Seit Karl I. König ist (1625), versucht das Unterhaus, seine Macht zu beschneiden, bewilligt z.B. Steuern nicht.  Aufstrebendes Bürgertum und militante Puritaner wollen einen absoluten katholischen Herrn nicht mehr anerkennen.  Die "Unordnung" ist ein schwacher Ausdruck für die Bürgerkriege 1642-48, endend mit der Enthauptung des Königs 1649.           

 

Das Gemeinsame der Vorgänge ist der Niedergang des spanischen und des britischen Königtums durch Protestantismus und aufstrebendes Bürgertum, kulminierend in den Jahren 1648/49.    

Der Rote im Interregnum erblasst (1589-94)

   09/50   Mandosus tost viendra en son hault regne    
                 Mettant arriere vn peu le Norlaris:    
                 Le rouge blaisme, le masle à linterregne,    
                 Le ieune crainte & fraieur Barbaris. (1568)    

 

                 Übler Vendosme wird bald in seine hohe Stellung gelangen

                 und dabei ein wenig zurücksetzen den Lothringer.

                 Der Rote (ist) erblasst, der Mann im Interregnum,

                 der Junge gefürchtet, und Furcht vor den Barbaren.
   
                     1) Lat. Adj. mendosus fehlerhaft, lasterhaft.    

                     2) Aus Norlaris wird durch Buchstabenumstellung Lorrain Lothringen.    

                     3) Mittelfrz. (Go) v. blesmer erblassen (rendre blême).    
   
Henri de Navarre, Anführer der französischen Protestanten, seit 1562 Herzog von Vendôme, 9/45, wird 1589 König von Frankreich.  Die katholische Liga stellt Karl von Bourbon, den Kardinal von Lothringen (>Roter<), zum Gegenkönig auf.  In jahrelangem Kampf kann Navarra sich bis 1594 durchsetzen.  Die Zeit vom Tod Heinrichs III. von Frankreich 1589 bis zur Krönung Navarras 1594 kann man als Interregnum bezeichnen.  Danach ist der Gegenkönig >erblasst<, zurückgesetzt, sein Anspruch abgewehrt.    


Wer in Sachen Religion nicht die Sprache der katholischen Kirche spricht, ist für N. Barbar (---> barbare).  Mancher fürchtet wie N., dass Navarra sich an Katholiken rächen werde, 10/26;  aber das tut er nicht, sondern ist auf Ausgleich bedacht, 1/54.    

Friedliche Juden in Kamine geworfen

   09/53   Le Neron ieune dans les trois cheminees    
                 Fera des paiges vifz pour ardoir getter,    
                 Heureux qui loing sera de telz meneez,    
                 Trois de son sang le feront mort guetter, (1568)   

                 Der junge Nero wird in die drei Kamine

                 friedliche Juden werfen lassen, um sie zu verbrennen.

                 Glücklich, wer fern ist von solchen Machenschaften.

                 Drei von seinem Geblüt werden ihn auf den Tod belauern.
   
                   2) Das Wort paige gibt und gab es nicht.  Die Wortfolgen paiges vifz

                   und paix juifs lauten gleich.  Paix juifs wörtlich: Frieden Juden.    
   
1) Hitler wird als "junger Nero" angekündigt, weil er Unschuldige als Sündenböcke verfolgen lässt  - so wie Kaiser Nero unschuldige Christen zum Tode verurteilen ließ, weil er Schuldige am Brand Roms brauchte.  Das Stammlager von Auschwitz verfügt wie andere Vernichtungslager in der ersten Ausbaustufe (Frühjahr 1942) über drei Öfen, 9/17, mit den zugehörigen Kaminen.     


2)3) Es  s c h e i n t, als enthielte der Vers keinen Hinweis auf die Identität der Opfer;  denn die hat N. einfallsreich durch gleich klingende Wörter (Homophone) versteckt, worauf man kommen kann, weil eines gar nicht existiert (paiges).  Dass er den Holokaust gesehen hat, ist aber auch andernorts ablesbar, 8/96.  Glücklich, wer an den Gräueln wenigstens nicht direkt mitschuldig wird.

   
4) Das Versende handelt vom deutschen Widerstand mit Goerdeler, Beck und Stauffenberg als führenden Köpfen.  Das von dem praktisch einhändigen Stauffenberg verübte Attentat, 9/76, schlägt fehl.

Hohe Staaten tief gefallen, niedrige aufgestiegen

   09/66   Paix, vnion sera & changement,    
                 Estatz, offices bas hault, & hault bien bas,    
                 Dresser voiage le fruict premier torment,    
                 Guerre cesser, ciuil proces debatz. (1568)    

                 Frieden, Zusammenschluss und Wandel,

                 niedrige Staaten, Ämter aufgestiegen, und hohe tief gefallen.

                 Sie rüsten zu (einer) Reise, erste Frucht (ist) Verlust,

                 Krieg weicht zivilen Streitigkeiten, Debatten.
   
                    3) Mittelfrz. (Go) n.m. torment auch: Verlust (perte).    
   
Sehr allgemein gehalten, aber alle Teilaussagen passen dazu, wie N. Versailles 1919 wahrnimmt (historisches Kapitel 31a).  Nach dem ersten Weltkrieg zerfallen die Vielvölkerreiche der Habsburger, der Romanows und der Osmanen.  Die unterlegenen Mächte verlieren ihre Monarchien, 5/70, noch vor Beginn der Pariser Friedenskonferenz;  zwei Kaiser danken ab, ein Zar wird ermordet (erste Frucht Verlust).    


Einige Völker erhalten erstmals unabhängige Staaten, "steigen" dadurch "auf":  die Tschecho-slowaken, die Ungarn, die Esten, Letten und Litauer.  Serben, Kroaten, Bosnier und Slowenen erhal-ten Jugoslawien;  die Staaten der Polen und Rumänen werden erheblich vergrößert.  Unter einem, der aus den USA anreist, Präsident Woodrow Wilson, wird die Satzung eines Völkerbundes ausge-handelt, 1/92;  Friedensverträge und Abrüstung werden beschlossen (Zusammenschluss und Wandel).  

 

Die unterlegenen Mächte lässt man spüren, dass sie "tief gefallen" sind;  sie dürfen kaum mitreden. Der Völkerbund nimmt ab 1920 seine Arbeit in Genf auf.  Aber dieses internationale Abkommen wird letztlich nicht eingehalten, man täuscht sich über Frieden und Waffenruhe, 6/64. 

>Heilige Tempel verunreinigt und ausgeplündert<

   09/72    Encor seront les sainctz temples pollus,    
                 Et expillez par Senat Tholossain,    
                 Saturne deux trois cicles reuollus  
                 Dans Auril, May, gens de nouueau leuain, (1568)    

                 Noch dazu werden die heiligen Tempel verunreinigt

                 und ausgeplündert durch den Senat von Toulouse.

                 Saturn zwei, drei Umläufe zurückgelegt,

                 (dann) werden im April, Mai die Leute von neuem aufgescheucht.
   
1)2) Im Edikt von St.-Germain sichert die französische Regentin im Januar 1562 den Hugenotten eingeschränkte Glaubensfreiheit zu.  Der Stadtrat von Toulouse stellt daraufhin Bewaffnete ab, um Gottesdienste der Reformierten außerhalb der Stadtmauern zu schützen.  

 

Wer die wahre Religion wie einen heiligen Gral zu besitzen glaubt, mag sich wie beraubt (lat. expilare ausplündern)  f ü h l e n, wenn Andersgläubige die wahren Christen sein wollen, dadurch diesen Gral >rauben<, >verunreinigen<, 5/72 Vz 2, und dabei von der Obrigkeit auch noch beschützt werden.  Die Parteinahme N.s für die katholische Religion verzerrt hier offensichtlich die Wahrnehmung, was auch bei vielen seiner Zeitgenosssen wohl so gewesen ist.
 

Der Hass solcher sich >beraubt< und >besudelt< Fühlender schürt Unruhen, bei denen ab April 1562 tausende Menschen in Toulouse zu Tode kommen, bis die Hugenotten am 17.5.1562 besiegt sind (fr.wikipedia.org/wiki/Troubles_de_1562_à_Toulouse).  Saturn, der für einen Umlauf 29,45 Erdjahre braucht, steht damals bei 4° Krebs.    


3)4) Auf einem Feldzug Ludwigs XIII. im Jahr 1621 gegen aufständische Hugenotten belagert und unterwirft der König mehrere Städte, und zieht am 15.11.1621 auch in Toulouse ein.  Seit 1562 hat Saturn etwas mehr als zwei Umläufe zurückgelegt und steht bei 20° Krebs.   Und im Herbst 1652 gibt es eine Pestepidemie in Toulouse mit mehreren 1000 Toten (fr.wikipedia.org/wiki/Histoire_de_ Toulouse).  Seit 1562 hat der Saturn etwas mehr als drei Umläufe zurückgelegt und steht am 1.9.1652 bei 7° Löwe.    

Heidnische Menschenopfer

   09/74   Dans la cité de Fertsod homicide    
                Fait & fait multe beuf arant ne macter,    
                Retour encores aux honneurs dartemide    
                Et a Vulcan corps mortz sepulturer. (1568)    

                In der Stadt des starken Aufstands (wird) Tötung

                begangen, oft begangen, pflügende Ochsen opfern sie nicht.

                Rückkehr wieder zu den Ehrungen der Artemis.

                Und dem Vulcan begraben sie Leichen.
   
                   1) Wenn in Fertsod die zwei Vokale getauscht werden (wie in 9/44),

                   erhält man Fortsed;  lat. fort(is) sed(itio) starker Aufstand.    
                   2) Lat. multi viele, lat. v. arare pflügen, p.p.a. arant pflügend;  

                   lat. v. mactare einem Gott opfern.    
   
1)2) Während der Terreure von Juni 1793 bis Juli 1794 werden in Paris mehrere tausend Menschen ohne nennenswerte Gerichtsverfahren dem Fallbeil übergeben.  Der bloße Verdacht oder die bloße Verleumdung, dass jemand der neuen Göttin (Vernunft) nicht huldige, also kein zuverlässiger Anhänger der Revolution sei, lässt ihn zum Opfer werden. Jeder Ochse, der zum Pflügen taugt, ist mehr wert als ein Gegner der Revolution - ein Hohn für die gerade erst zur Grundlage des neuen Staates proklamierten Menschenrechte, 2/08.


3)4) Artemis, die keusche Göttin als Chiffre für die Jungfrau Maria, steht für den katholischen Glauben. Der Gott Vulcanus nutzt Feuer zum Waffenschmieden und soll ausgebrochene Feuer löschen helfen.  Napoleon >löscht das Feuer der Revolution<, indem er ab 1799 eine Diktatur errichtet.  Und er >verbrennt die Staatsgötter< der Revolution, 5/77, weil die katholische Religion als Religion der Mehrheit der Franzosen anerkannt wird (Konkordat von 1801).  Der Usurpator, 10/46, imponiert N. doch als Ordnungsstifter.  

 

Das Attentat vom 20.7.1944

   09/76   Auec le noir Rapax & sanguinaire.    
                Ysseu du peaultre de l'inhumain Neron,    
                Emmy deux fleuues main gauche militaire    
                Sera murtry par ioyne chaulueron. (1568)   

                 Überdies wird der finstere Räuber, der blutrünstige,

                 hervorgegangen aus dem üblen Bett des unmenschlichen Nero,

                 inmitten zweier Ströme (mit) linker militärischer Hand

                 verletzt werden durch einen jungen Hitzkopf.
   
                   1) Lat. n.m. rapax Räuber.    

                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. peautre schlechtes Bett (mauvais lit).    

                   3) Mittelfrz. (Gr) Präp. emmi inmitten von (au milieu de).    
                   4) Mittelfrz. (Gr) v. meurtrir töten (tuer), quetschen (contusionner), verletzen (blesser).  

                   Mittelfrz. (Gr) n.m. chauderon Dampfkessel (chaudière).    
    
Hitler zielt von Anfang an auf Landraub im Osten Europas (Räuber).  Seine Rassenpolemik ent-menscht ganze Völker (Slawen, Juden, Roma).  Die Radikalität seiner Konsequenz macht ihn "blutrünstig".  Er ist geistig >von denselben Eltern< wie Kaiser Nero;  beide machen Unschuldige zu Sündenböcken, um sie dann unmenschlich zu behandeln.  

 

Die >zwei Ströme< sind die Heere der Russen und der Westalliierten, wie in 2/82, 6/33 und 8/55.  Der 36jährige Attentäter vom 20.7.1944 hat in Tunesien die rechte Hand verloren, die linke wurde verstümmelt (wikip. Claus Schenk Graf von Stauffenberg).

 

Die Königin von Frankreich teilt das Schicksal ihres Gatten

   09/77   Le regne prins le Roy conuiera,  
                La dame prinse à mort iurez à sort,   
                La vie à royne filz on desniera,  
                Et la pellix au fort de la consort. (1568)    

                Die Herrschaft ergriffen, wird der König vorladen lassen.

                Die Dame ergriffen, (sie werden) zum Tod verurteilt durch's Los,

                Das Leben wird man dem Sohn (der) Königin verweigern,

                und die Hure (verweigert es) schließlich der Schicksalsgefährtin.
   
                   4) Lat. v. pellicere anlocken, davon lat. n.f. pellex Hure.  

                   Mittelfrz. (Gr) au fort auch: schließlich (enfin), übrigens (au reste), im Grunde (apres tout).    
   
1)2) Nach der Hinrichtung des Königs im Januar 1793 betreibt Robespierre ab März 1793 die Gründung eines Revolutionstribunals, eines außerordentlichen Strafgerichtshofes.  Richter und Staatsanwälte werden ernannt, Geschworene durch das Los aus den Konventsmitgliedern bestimmt. Robespierre wird zum mächtigsten Mann (>König<) in der Regierung und nutzt das Tribunal, um seine Gegner auszuschalten.  Dem Tribunal wird auch die abgesetzte Königin Marie-Antoinette über-stellt.    
 

3) Ihr kränklicher achtjähriger Sohn Louis Charles wird im Juli einer Handwerkerfamilie zur Um-erziehung übergeben, 10/57, die ihn verkommen lasst.  Er stirbt 1795 mit zehn Jahren, wohl an Tuberkulose.    


4) Die >Hure<, das Volk des revolutionaren Paris, hat den Nationalkonvent gewahlt,  die Volks-vertreter errichten das Tribunal.  Marie Antoinette wird im Oktober 1793 zum Tod verurteilt und hingerichtet, wie neun Monate zuvor ihr Mann. 

Das Ende der demokratischen Republik in Spanien

   09/78   La dame Grecque de beaute laydique,    
                 Heureuse faicte de procs innumerable,    
                 Hors translatee proche au regne hispanique    
                 Captiue prinse mourir mort miserable. (1568)    

 

                  Die griechische Dame von käuflicher Schönheit,

                  glücklich gemacht von zahllosen Freiern,

                  (wird) exportiert ins spanische Reich.

                  Gefangen genommen, stirbt sie einen elenden Tod.
   
                    1) Lais hießen im antiken Korinth zwei Hetären (Edel-Prostituierte).   

                    2) Lat. n.m. procus Freier.    

                    3) Mittelfrz. hors auch adverbiell:  hinaus (dehors).    
   
1) Die >Dame< ist das Volk, das seinem >Herrn<, dem Monarchen verbunden ist (---> dame).  Die >griechische Dame< ist ein Volk, das ohne Monarchen auskommen und selbst herrschen will.  Die Demokratie setzt sich erstmals im antiken Griechenland durch.    


2)3) Als der spanische König, "höchst pflichtvergessen", 6/45, ins Exil gegangen ist, wird in Spanien die Republik ausgerufen.  Die kurzlebigen sieben oder acht Ministerpräsidenten bis 1936 geraten allegorisch zu >Freiern<, mit denen das spanische Volk >geht<.

     
4) Es kämpfen bei großem Verlust an Menschen Nationalisten/Faschisten gegen Anhänger der Republik.  Die Demokratie wird in den Hochburgen der Republik belagert (>gefangen<) und stirbt Anfang 1939, als die Diktatur Francos an ihre Stelle tritt. 

 

Ein Kriegsherr will >die Seinen< ausrotten 

   09/80   Le duc vouldra les siens exterminer,    
                 Enuoyera les plus forts lieux estranges,    
                 Par tyrannie Pize & Luc ruiner,  (1568)  
                 Puis les barbares sans von feront vendanges.    

                 Der Kriegsherr wird die Seinen endgültig ausrotten wollen.

                 Losschicken wird er die bestgerüsteten Orte der Fremden,

                 durch Tyrannei Pisa und Lucca zu zerstören.

                 Dann werden die Barbaren ohne Wein Weinlese halten.
   
Der an der Spitze der >Weltfriedensordnung< stehende Mann wird als Heiliger, 2/45, von Christen als >wiedergekommener Heiland< verehrt, 1/95.  Wenn er den Bann gegen die alten Religionen verfügt hat, 1/65, werden auch die Christen, die sich bis dahin für >die Seinen< gehalten haben, mit dem Tod bedroht.  Von der obersten Ebene des Regimes selbst geht die Bedrohung aus, 1/80. 

   
Widerständler scheinen sich in der Toskana zu befinden, 9/05, 2/15.  Diese auszurotten, werden (auch) Araber in Gang gesetzt, 6/80, die zuvor vom Regime unterworfen wurden, VH (28).  Die >Weinlese ohne Wein< ist Sinnbild und bedeutet, dass die wegen ihres Glaubens Getöteten geistig unbeschadet als >reife Trauben< in die Ewigkeit eingehen, 9/65.  

Großes Theater stürzt ein, wenn die Erde mächtig bebt 

   09/83   Sol vingt de taurus si fort terre trembler.    
                 Le grand theatre rempli ruinera,    
                 L'air, ciel & terre obscurcir & troubler,    
                 Lors l'infidelle dieu & sainctzs voguera. (1568)    

 

                 Sonne (bei) zwanzig Stier, es bebt mächtig die Erde,

                das große, voll besetze Theater wird einstürzen.

                 Die Luft, Himmel und Erde verfinstern sich und geraten in Aufruhr,

                 dann stechen die Untreue, Gott und Heilige in See.
   
                    2) Mittelfrz. (Gr) v. ruiner auch intransitiv: einstürzen (s'écrouler).  

                    3) Mittelfrz. (Gr) v. obscurcir sich verdunkeln (s'obscurcir).    
                    4) Mittelfrz. (Gr) Adv. lors da, dann (alors), mittelfrz. (Gr) v. voguer fahren,

                    von einer Flotte gesagt (avancer, en parlant d'une flotte).    
    
Nach dem Kataklysmus "werden die meisten ins Kolosseum fliehen", 10/06.  Dieses ist Sinnbild der >Weltfriedensordnung<, die N. öfters durch Bezüge auf die römische Antike charakterisiert, VH (30) (---> theatre).  Im Kolosseum wurden der Sieg des Augustus Octavian, dessen >Auferstehung< an-gesagt ist, 6/66, und seine aurea aetas (Goldenes Zeitalter) gefeiert. 

        
Das >Beben der Erde< tritt auf als Folge von >Blitz und Donner<.  Damit sind die Erschütterungen gemeint, die der Bannstrahl gegen die alten Religionen, besonders gegen >die Untreue< bewirkt. Diesen Namen erhält >Mutter Kirche< (die römische Kirche), weil sie sich an den >wieder-gekommenen Heiland< gebunden hat, 10/55.  Der lässt sich wie Gott verehren, 10/71.  Der Bann verfinstert den Schein der >Sonne<, die den Gott der Christen symbolisiert (---> sol).  Der >Einsturz des Theaters< bedeutet, dass es mit dem ersehnten Frieden in der Welt vorbei ist, weil die alten Religionen  unterdrückt werden sollen.  Bis zum Kataklysmus bedeuten 20° Stier einen 11. Mai.  Zu Erdbeben im Mai s.a. 10/67, 6/88.  

Ausgesetzter findet seinen Ursprung, später vollendet er das Blutbad 

   09/84   Roy exposé parfaira Lhecatombe,  
                Apres auoir trouué son origine, 
                Torrent ouurir de marbre & plomb la tombe    
                D'vn grand Romain d'enseigne Medusine. (1568) 

 

                König ausgesetzt.  Er wird das Blutbad vollenden,

                nachdem er seinen Ursprung gefunden hat.

                (Eine) Sturzflut öffnet das Grab aus Marmor und Blei

                eines großen Römers vom Zeichen der Medusa.
   
Von einem Herrscher ist die Rede, erst am Ursprung, dann am Höhepunkt seiner Macht.

 

Am Beginn gehört er einem Volk an, das in großer Gefahr ist, durch ein großes Blutbad (Hekatombe) und eine "Sturzflut".  Viele werden  getötet, andere fliehen oder werden "auf Inseln deportiert", wo sie hungern, 2/07, und "ausgesetzt" sind.  Die Sturzflut gehört zum Kataklysmus, 2/33. 

    
Durch seine Umsicht, 4/21, und Redegabe, 1/96, kann er die Lage seines Volkes verbessern, 2/07.  Und er kann nach einem weiteren Krieg dem Frieden aufhelfen, 4/95.  Es setzt sich die Idee durch, dass es um des Friedens willen eine Weltregierung geben müsse.  Der >große Römer<, Kaiser Augustus und seine Pax Romana werden >ausgegraben<, 6/66 (---> sepulchre).  D.h. die Idee einer weltumspannenden Herrschaft wird wieder belebt und hoch geschätzt (Marmor, zu Blei ---> plomb). 

   
Ein >Hebräer< wird hoch erhoben, 6/18, und wie Gott verehrt, 9/83.  Aber er erweist sich als Monstrum, 3/34, wenn sein Projekt einer Einheitsreligion für alle Menschen enthüllt wird.  Auf den Friedensfesten seines Regimes werden jene Menschen geopfert, die nicht mitfeiern wollen, 10/74. Das anfängliche Opfer ist Täter geworden und "vollendet das Blutbad", >um das Gottesreich perfekt zu machen<, 10/73.

   

Demütigung der Araber, dann ratlos om Süden

   09/89   Sept ans sera Philip. fortune prospere,  
                 Rabaissera des Arabes l'effaict,  
                 Puis son mydi perplex rebors affaire  
                 Ieusne ognyon abysmera son fort. (1568)    

                 Sieben Jahre wird Philipp (das) Glück hold sein,

                 erniedrigen wird er die Macht der Araber.

                 Dann (in) seinem Süden ratlos, die Sache ins Gegenteil verkehrt.

                 Junge Zwiebel wird seine Stärke zugrunde richten.
   
                    2) P. Rigaud (1558) hat l' effort, was den Reim erfüllt.  

                    4) ognyon kann als Abwandlung von oignon Zwiebel aufgefasst werden.    
   
1) Der Bürgerkönig Louis-Philippe ist nur anfangs populär, als man sich noch Reformen von ihm erhofft.  Gegen Revolten und Attentate flüchtet er sich in eine repressive Polititik.  "Sieben Jahre" des Glücks können nicht bestätigt werden.  N. stellt schematisierend die Erfolg versprechende Anfangs- der scheiternden Spätphase einer Herrschaft gegenüber.    


2)3) Die Erniedrigung der Araber ist die Errichtung der franz. Kolonialherrschaft in Algerien ab 1830. 1839/40 ist der Höhepunkder Orient-Krise um Ägypten und Syrien, in der Frankreich allein gegen die anderen europäischen Mächte steht.  Der König macht wegen der Kriegsgefahr einen Rückzieher, und Frankreich spielt von da an keine Rolle mehr im Mittelmeerraum, außer in Algerien.    


4) 1848 dankt Louis-Philippe zugunsten seines minderjährigen Enkels ab.  Der ist die >Zwiebel<, eine noch nicht aufgeblühte Lilie, welche die Bourbonen im Wappen haben.  Er kann nicht durch-gesetzt werden, das Haus Orléans-Bourbon stellt nicht mehr den König.    

Der Anschluss der >Ostmark< als Vorstufe eines Revanchekrieges

   09/90   Vn capitaine de la grand Germanie    
                 Se viendra rendre par simulé secours  
                 Au Roy des roys ayde de Pannonie,    
                 Que sa reuolte fera de sang grand cours. (1568)    

                Ein Feldherr des großen Germanien

                wird den Kümmerer machen durch vorgeblichen Beistand.

                Dem König der Könige (kommt) Hilfe von Pannonien.

                Und sein Umsturz wird ein großes Blutvergießen bewirken.

 

                  4) Das Wort "revolte" ist bereits um 1600 in der Bedeutung

                  Aufstand, Umsturz nachgewiesen (Großer Larousse).
     
1) Der Zusammenbruch der Monarchie in Deutschland 1918 führt in N.s Schau zu einem Rückfall in die Zeit vor der Christianisierung und sogar vor der römischen Zivilisierung -  daher der Name Germanien für Deutschland.  (Analog werden die Franzosen 1789 zu >Kelten<).  Nach dem Anschluss Österreichs 1938 kommt die Bezeichnung Großdeutsches Reich auf, die im zweiten Weltkrieg offiziell gebraucht wird, 5/94.  Diese Art von >Größe< wird regelmäßig mit den Leben von Millionen Menschen bezahlt.

    
2) Als Grund für seine expansive Politik gibt Hitler an, deutschen Volksgruppen in den oder außer-halb der Reichsgrenzen beistehen zu müssen, in der Rheinlandzone 1936, in den Sudeten 1938. Diese Besetzungen bzw. Annexionen sind Vorstufen eines Krieges, dessen Umrisse Hitler schon in den 1920er Jahren in einem Buch plant, das wenige lesen.    


3) In der Stärke der Nationalsozialisten in Österreich kann man den Beistand sehen, den Hitler benötigt, um den >Anschluss< der >Ostmark< an das Deutsche Reich im März 1938 kampflos durchzusetzen.  Das antike Pannonien hat eine Schnittmenge mit Österreich.    


4) Der zweite Weltkrieg ist Hitlers ''Revolte", weil mit ihm das für Deutschland schmachvolle Ergebnis des ersten Weltkrieges getilgt werden soll, 2/80.  Während des Krieges wird der Diktator wie vorher nur Napoleon zum Herrscher über große Teile des Kontinents und setzt nach Gut-dünken Herrscher ein, handelt wie ein "König der Könige".  Der wahre "König der Könige" ist das "Lamm", Offb 17,14, beim Evangelisten ein Symbol Christi.  In Hitler erkennt N. einen großen Anti-christen, den zweiten seiner Zählung, 9/05.    

Deutschland tarnt Angriffspläne, die Schwachen angegriffen

   09/94   Foibles galleres seront vnies ensemble.    
                 Ennemys faux le plus fort en rampart:    
                 Faible assaillies Vratiflaue tremble,    
                 Lubecq & Mysne tiendront barbare part. (1568)    

                Schwache Galeeren werden miteinander vereint sein.

                Feinde unaufrichtig, der Stärkste im Bollwerk.

                (Die) Schwachen angegriffen, Pressburg bebt.

                Lübeck und Meißen werden barbarischen Teil besetzen.
   
                  3) Namen können, müssen aber nicht lateinisch zu lesen sein.  Es kann Pressburg

                  slowakisch Bratislava gemeint sein, und es muss nicht Breslau sein, lat. Vratislavia.    

                  4) Mittelfrz. (Gr I. tenir 6.) tenir un pays ein Land besetzen (l'occuper).
   
2) Am 26.9.1938 erklärt Hitler in München, dass mit der Abtretung des Sudetenlandes seine Gebiets-forderungen erfüllt seien.  Am 21.10.38 erteilt er den Geheimbefehl >zur Erledigung der Rest-Tschechei<.  Zu Hitlers Kriegsvorbereitungen gehört neben der diplomatischen die militärische Mimikry gegenüber Frankreich.  Ein 600 Km langer Westwall aus Panzersperren und Minenfeldern von Basel bis Luxemburg wird ab 1938 errichtet.  Europas stärkste Militärmacht Deutschland gibt sich den Anschein einer defensiven Strategie.  Frankreichs Feinde sind "unaufrichtig", auch gegen-über der Sowjet-Union, 5/94.    


1)3) Frankreich und Großbritannien, seit 1907 verbündet, versuchen 1933ff., die deutsche Expansion einzudämmen.  Aber im März 1939 wird die Tschechoslowakische Republik überfallen;  auch Pressburg >bebt< unter dem kriegerischen Einmarsch.  Ab September 1939 werden zehn britische Divisionen in Nordfrankreich stationiert.  Sie werden bis Anfang Juni 1940 (4.6.) infolge des deutschen Überfalls auf Belgien und die Niederlande ("Operation Sichelschnitt") evakuiert, 2/25. 

   
4) Berberei oder Barbarei ist vom 16. bis zum 19. Jahrhundert ein Name für die Gebiete zwischen Mittelmeer und Sahara (ohne Ägypten);  heute spricht man vom Maghreb.  Ab 1941 dringen deutsche Marine und deutsches Heer vor in die libysche Cyrenaika.

   

Nordwind vertreibt eine Belagerung

   09/99   Vent Aquilon fera partir le siege,    
                 Par murs geter cendres, chauls, & pousiere    
                 Par pluye apres qui leur fera bien piege,    
                 Dernier secours encontre leur frontiere. (1568)  

 

                 Nordwind wird die belagernde Armee vertreiben.

                 Über Mauern werfen sie Asche, Hitze und Staub.

                 Nachher bei Regen, der ihnen eine ordentliche Falle stellt,

                 treffen letzte Hilfstruppen auf ihre Landesgrenze.
   
                    1) Lat. n.m. aquilo Nordwind, griechisch Boreas, 2/99 (---> Aquilon).  

                    2) Mittelfrz. (Gr) v. jeter, gecter schleudern (lancer), verstreuen (disséminer).    
   
Im Juni 1812 überschreitet Napoleons Grande Armée die Grenze nach Russland.  Schon vor der Schlacht bei Borodino (kurz vor Moskau) Anfang September 1812 sterben wegen des ausbleibenden Nachschubs viele der eingedrungenen Soldaten an Hunger, Erschöpfung und Krankheiten.  Napoleon zieht am 15.9. in das von seinen Bewohnern verlassene Moskau ein.  Die Armee belagert nicht die Stadt, sie bedrängt das Zarenregime.  Von diesem zurückgelassene russische Sträflinge zünden die Stadt an.  Der Brand dauert fünf Tage.  Napoleon bekommt keine Antwort auf seine Depeschen an den Zaren.  

 

Erst am 18.10. befiehlt er den Rückzug.  Der >Nordwind< ist ein Bild für die Widrigkeiten Russlands, die Gegenwehr auf dem Rückzug und den Wintereinbruch im November 1812, 2/99.  Durch Regen werden die schlechten Wege noch schwerer passierbar.  Russische Kavallerie greift immer wieder an.  Viele sterben im Schnee, 4/75, nur wenige tausend Soldaten erreichen im Dezember die Grenze der verbündeten Preußen.    

Hitler-Stalin-Pakt gebrochen, Europa angewiesen auf Hilfe

   10/01   A Lennemy lennemy foy promise:  
                Ne se tiendra, les captifz retenus,   
                Prins preme mort & le reste en chemise 
                Damné le reste pour estre soustenus. (1568)    

                Vom Feind (wird) dem Feind Treue versprochen,

                er wird sich nicht daran halten, die Gefangenen zurückgehalten.

                Genommen, tödlich bedrängt, und der Rest im Hemd,

                der Rest dazu verurteilt, unterstützt zu werden.
   
                  3) Mittelfrz. (Go) v. premer bedrücken (accabler), bedrängen (presser).  

                  Wendung mettre qn. en chemise jdn. an den Bettelstab bringen.    
                  Wer >im Hemd< gesehen wird, 8/37, 5/73, ist schutzlos, wehrlos, ausgeliefert.    

   
1)2) Feinde sind bei N. Feinde der katholischen Religion oder die Feinde Frankreichs (---> ennemi). Nur ausnahmsweise nimmt er einmal die Perspektive eines Feindes ein und bezeichnet dessen Feind als Feind, 2/80.  Hitler, ein Feind Frankreichs, verspricht seinem Feind Stalin im Nichtangriffs-pakt vom 23.8.1939 "Treue", aber beide sind nur "geheuchelte Freunde", 7/33.  Im geheimen (zurückgehaltenen) Zusatzprotokoll teilen sie sich Osteuropa auf.  Die zur Unterwerfung frei gegebenen osteuropäischen Länder werden dann besetzt, zuerst Polen (Gefangene).  Hitler hält sich dann nicht an den Pakt, lässt im Juni 1941 die Sowjet-Union überfallen.    


3)4) Vor dem zweiten Weltkrieg ist Frankreich defensiv gerüstet, hat sich hinter der Maginot-Linie als >Festung< aufgestellt, 2/25, 4/65.  Diese Festung< wird "genommen, tödlich bedrängt", als die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 in wenigen Wochen siegt.  "Der Rest" sind die anderen zu dieser Zeit mit Deutschland im Krieg stehenden Länder: Polen, Großbritannien, Benelux, Dänemark und Norwegen.  Diese Länder und Europa insgesamt hätten sich ohne die Hilfe eines "großen Bünd-nisses", 2/100, mit den späteren Supermächten USA und Sowjet-Union nicht mehr befreien können.    

Charles II. kehrt sieben Jahre nach seiner Flucht zurück

   10/04   Sus la minuict conducteur de l'armee  
                Se sauluera, subit esuanoy,    
                Sept ans apres la fame non blasmee,    
                A son retour ne dira oncq ouy. (1568)  

                Um die Mitternacht wird (der) Führer der Armee

                sich retten, (ist) plötzlich verschwunden.

                Sieben Jahre später, das Ansehen unbeschädigt,

                wird er bei seiner Rückkehr niemals ja sagen.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.f. fame Ansehen (réputation), guter Ruf (renommée).    
   
Charles II., der Sohn des 1649 hingerichteten Königs von England, stößt im Sommer 1651 noch einmal nach Schottland vor, das ihn zum König ausgerufen hat.  Am 3.9.1651 erleidet er eine schwere Niederlage.  Die Dynastie der Stuarts erlebt nach 1649 noch eine dunkle Stunde, als der Königssohn ins Exil nach Frankreich flieht.     

 

Am 3.9.1658, sieben Jahre später, stirbt Cromwell;  seine Regime wird instabil.  Man verhandelt mit Charles, der im Mai 1660 aus dem Exil zurückkehrt.  Das Ansehen der Monarchie erweist sich als "unbeschädigt".  Es wird gesetzlich festgelegt, dass nur jene Gesetze weiter gelten sollen, denen Charles I. noch zugestimmt hat.  Alle nach 1642 erlassenen Gesetze werden ungültig.  So ist es gemeint, dass Charles II. "niemals ja sagt".    

Überflutung von Nîmes, dann >Flucht ins Kolosseum< 

   10/06   Sardon Nemans si hault desborderont,    
                 Qu'on cuidera Deucalion renaistre,    
                 Dans le collosse la plus par fuyront,    
                 Vesta sepulchre feu estaint apparoistre: (1568)    

                  Der Gard wird die von Nîmes so hoch überfluten,

                  dass man glauben wird, Deukalion sei wiedergeboren.

                  In das Kolosseum werden die meisten fliehen.

                  Das Grab der Vesta, erloschenes Feuer erscheint.
   
1) Der Gardon fließt an Nîmes vorbei, kommt nicht näher als einige Kilometer;  an seiner stadt-nächsten Stelle liegt er tiefer als das Stadtzentrum.  Er müsste gewaltig anschwellen und sein Flussbett verlassen wie die Garonne, 9/37, um die Stadt zu überfluten, 9/09. Gewaltige Über-flutungen treffen einmal Südfrankreich, 2/33, und ganz Europa, 3/12.  Die antike Arena, zwanzig Meter hoch, ein Amphitheater wie das in Rom, böte Schutz bei Fluten, aber nur für die Anlieger, nicht "die meisten".      


2)3)4) Mitten im Vers springt N. von der wörtlichen auf die bildliche Redeweise. Mit dem Namen >Deukalion<, dem griechischen Noah, belegt er die Überlebenden der Flut, 2/81.  Das >Amphi-theater, das den Himmel verstellt<, 6/100, bezeichnet die nach dem Kataklysmus entstehende Weltordnung, die N. durch die Verhältnisse im antiken römischen Imperium zu charakterisieren versucht (--> theatre).   

 

Der Kult des vestalischen Feuers, das nie erlöschen durfte und von den vestalischen Jungfrauen gehütet wurde, bedeutet dabei den Kult des Weltstaats, 9/09 (---> Vesta).  Bei diesem Kult werden die "meisten" Überlebenden Zuflucht suchen.  Dieser Kult wächst sich ein paar Jahre später zu einer >neuen Religion< aus.  Die Verehrung des Staates erscheint im Gewand, d.h. im Anschein einer Religion, wie im alten Rom.

   

Feind der ganzen Menschheit lässt Feuer und Wasser zur Hölle fahren 

   10/10   Tasche de murdre enormes adulteres,    
                Grand ennemy de tout le genre humain   
                Que sera pire qu'ayeulx, oncles, ne peres    
                En fer, feu, eau, sanguin & inhumain. (1568) 

                Befleckt mit Mord (und) außerordentlichen Ehebrüchen,

                (ein) großer Feind des ganzen Menschengeschlechts,

                der schlimmer sein wird als Vorfahren, Onkel und Väter

                mit Waffen, Feuer, Wasser, blutig und unmenschlich.
   
Da ist der Weltherrscher gemeint, 1/04, von N. oft angekündigt, Vorschau (VIII).  Denn niemand vor ihm hat Macht gehabt über das ''ganze Menschengeschlecht".  Der Gegner Gottes verführt die ganze Welt, Offb 12,9; 13,7.  Daher kann er mehr Schaden anrichten, als alle Machthaber über einzelne Völker, die ihm vorangegangen sind.  Sein >Vorgänger< Napoleon ist z.B. sehr unsanft mit der Papstkirche umgegangen, aber der dritte ---> Antichrist in N.s Zählung wird ihn noch deutlich überbieten, 9/05 Vz 4. 

                
Der >Ehebruch< (---> mariage), zu dem der Weltherrscher die Menschen verführt, ist die Untreue ihrem jeweiligen Gott gegenüber.  Vorbild dieser Metaphorik ist der Bund Gottes mit den Israeliten im Alten Testament.  Die Mehrzahl >Ehebrüche< bedeutet, dass alle Anhänger der alten Religionen gezwungen werden sollen, sich von ihnen loszusagen, Christen, 9/10, wie Muslime, 2/60.  >Feuer und Wasser<, Mittel zur Läuterung und Reinigung, sind ein Bild für die inkompatiblen Wege zu Gott, die die verschiedenen Religionen aufzeigen, 9/09.  Sie sollen  a l l e  zur Hölle fahren, d.h. die >alten Gesetze< werden >abgeschafft<, für ungültig erklärt, 8/77  -  nur möglich, wenn und soweit die alten Religionen wirklich nur Menschenwerk wären.  Andernfalls wird der Himmel das nicht lange zulassen.

Liebenswürdiger zum Papst gewählt, stirbt plötzlich nachts

   10/12   Esleu en Pape, d'esleu sera mocqué, 
                Subit soudain esmeu prompt & timide, 
                Par trop bon doulx à mourir prouoqué, 
                Crainte estainte la nuit de sa mort guide. (1568)    

                Gewählt zum Papst, wird (man) sich über den Gewählten getäuscht haben.

                Plötzlich gleich angerührt, bereit und furchtsam.

                Zu gut (und) liebenswürdig, (wird) sein Tod hervorgerufen.

                Furcht getilgt, die Nacht (wird zur) Führerin seines Todes.
   
                   1) Mittelfrz. (Gr) v. être mocqué getäuscht werden (être trompé).  

                   3) Mittelfrz. (Gr) Adj. doux, doulx gewinnend (agréable), liebenswürdig (gentil).    
   
Albino Luciani (wikip. Johannes Paul I.) wird am 26.8.1978 zum Papst gewählt.  Indiskretionen zufolge wird der Herzkranke gewählt, um Andere zu verhindern und soll sich gegen seine Wahl gesträubt haben.  Getäuscht hat man sich über seine Gesundheit.  Nach nur 33 Tagen im Amt wird der 65jährige am Morgen des 29.9. in seinem Bett tot aufgefunden;  der Eintritt des Todes wird auf den 28.9. um 23 Uhr geschätzt;  als Ursache vermutet man einen Herzinfarkt oder eine Lungen-embolie;  der Leichnam wird nicht obduziert.      

 

Bekannt wird er für sein freundliches Auftreten.  Durch die Namenswahl und die pauschale Bestätigung der Vorsitzenden der päpstlichen Kongregationen steht er für Kontinuität und ist kein Mann, der sich Feinde macht.  Nach den Recherchen John Cornwells war er ein furchtsamer Mensch und ahnte, dass er bald sterben werde.  Vz 3 legt nahe, dass er als Persönlichkeit von der Last des Amtes überfordert war, was seinen frühen Tod ausgelöst habe.    

Zuviel Glaube an die Küche

   10/16   Heureux au regne de France, heureux de vie   
                Ignorant sang mort fureur & rapine,    
                Par non flateurs seras mys en envie,    
                Roy desrobé trop de foy en cuisine. (1568)  

                Glücklich in der Herrschaft über Frankreich, voller Lebensfreude,

                weiß er nichts von Blut, Tod, Raserei und Raub.

                Von nicht Furzenden wird du beneidet werden.

                König des Amtskleides beraubt, zu viel Glaube an die Küche.
   
                   3) N.m. flatteur Schmeichler.  Lat. n.m. flatus Blähung.  

                   Mittelfrz. (Gr) flatueux Blähungen treibend.      

                   4) Mittelfrz. (Gr) v. desrober entblößen (dépouiller),

                  des (Amts-)Kleides berauben (ôter la robe).    
   
Louis XVIII. wird einmal für 100 Tage vertrieben, stirbt aber 1824 als König, wird nicht abgesetzt. -       


Dieses Schicksal erleidet sein älterer Bruder Louis XVI., dem erst eine Konstitution aufgedrängt wird, und der dann abgesetzt und zum Tod verurteilt wird, 6/92.  Wie sein Bruder ist Louis XVI. ein starker Esser.  Die unzureichende Versorgung der Pariser Bevölkerung bildet einen Kontrast zum Wohl-leben am Königshof und gehört zum Hintergrund des Aufstandes.  Am Hof herrscht >zuviel Glaube an die Küche<;  man glaubt, dass es mit dem guten Leben immer weiter gehen werde, weil das in der gottgewollten Ordnung so vorgesehen sei.  Die non flateurs haben daran keinen Anteil;  N. stellt sie als bloße Neider dar, als gäbe es keine echten Missstände. 

   

Der Vers ironisiert die Abgehobenheit des Lebens am Hof, das gutartige Wesen des Königs und seine Ahnungslosigkeit angesichts der heraufziehenden Revolution mit "Blut, Tod, Raserei und Raub".  

Eine Königin als Häftling, eine zerstörte Familie

   10/17   La royne Ergaste voiant sa fille blesme,  
               Par un regret dans l'estomach encloz,  
               Crys lamentables seront lors d'Angolesme, 
               Et au germain marriage fort clos. (1568)
   

               Die Königin (als) Häftling sieht ihre Tochter blass,

               durch einen Schmerz, in der Seele eingeschlossen.

               Jämmerliche Klagen gibt es dort von der Angoulême.

               Und mit dem Neffen eine ausgeschlossene Heirat.
   
                  1) Lat. n.m. ergastulus Häftling.    

                  4) N.m. germain Cousin, früher auch (Großer Larousse): Bruder (frère),

                  naher Verwandter (proche parent).    

                  4) Mittelfrz. (Gr) v. forclore ausschließen (exclure), verhindern (empêcher).    
   
1)2)3) Seit September 1792 wird die abgesetzte Königin Marie Antoinette mit ihrer 14jährigen Tochter Marie Thérèse Charlotte im Temple gefangen gehalten.  Anfang 1793 wird ihr Mann Louis XVI. hingerichtet.  Dann setzt Hébert, ein Mann niedrigster Gesinnung, es durch, dass man der Königin den achtjährigen Sohn Louis Charles, der Tochter den Bruder entzieht.  Grund zur Trauer gibt es für die zerstörte Familie genug.  Als am 16.10 93 ihre Mutter hingerichtet wird, 9/77, ist die Tochter Vollwaise.    


4) Sie heiratet später ihren Neffen, den Sohn des Comte d' Artois, eine nach katholischem Kirchen-recht nicht zulässige Verbindung, die nur ausnahmsweise genehmigt wird (wikip. Verwandtenheirat). Ihr Mann trägt den Titel eines Herzogs von Angoulême, und sie wird durch die Heirat Herzogin von Angoulême.  Mit dem Namen des Fürstentums im Titel wird man damals angeredet.    

Der Lothringer Konkurrent um die Krone Frankreichs unterliegt

   10/18   Le ranc Lorrain fera place à Vendosme,  
                Le hault mys bas & le bas mys en hault,  
                Le filz d' Hamon sera esleu dedans Rome,    
                Et les deux grands seront mys en deffault: (1568)    

                Die Haus Lothringen wird für Vendôme Platz machen,

                der Hohe erniedrigt, und der Niedrige kommt hoch.

                Der Sohn des Amon wird erwählt werden in Rom,

                und die beiden Großen lässt man scheitern.
   
Henri de Navarre hat 1562 den Titel eines Herzogs von Vendôme geerbt, 3/25.  Am Pariser Hof nennt man ihn abschätzig den >kleinen Vendôme<.  Seit 1589 kämpfen die lothringischen Guisen an der Spitze der katholischen Liga mit Vendôme um den Thron Frankreichs.  Sie haben Karl von Bourbon zum König aufgestellt, 9/50.  Er ist der "Hohe" und der verachtete Hugenotte Navarra ist "der Niedrige", der sich aber bis 1594 durchsetzen kann.  

 

Dass alle Fürsten dem neuen König die Treue schwören müssen, ist selbstverständlich und keine >Erniedrigung<, wie es N. parteilich wertet.  1593 in die römische Kirche übergetreten, erhält Navarra 1595 die Absolution aus Rom;  der Papst >lässt die katholische Liga scheitern<.  N. verun-glimpft Henri de Navarre als geistig Verwandten des Königs Amon, der wegen seiner Vielgötterei den Zorn Gottes auf sich zog, 1 Kön 21.    

 

Die >Neue Religion<, eine fixierte große Nichtigkeit 

   10/20   Tous les amys qu'auront tenu party,    
                 Pour rude en lettres mys mort & saccagé,   
                 Biens publiez par fixe grand neanty,    
                 Onc Romain peuple feut tant outragé. (1568)    

                 All die Freunde, die ihre Rolle gespielt haben,

                 (werden) wegen (dem) in Briefen Harten getötet und ausgeraubt.

                 Güter konfisziert durch fixierte große Nichtigkeit,

                 nie hat römisches Volk so schwere Kränkung erfahren.
   
                  1) Mittelfrz. (Gr parti 6.) tenir le parti de qu. auf Seiten von ... sein (être de côté de),

                    seine Rolle spielen.  

                    3) Lat. v. publicare dem Staat  zueignen.    N.m. néant Nichts, Nichtigkeit, reimbedingt

                    abgewandelt.  Mittelfrz. (Gr) n.f. neanté Elend (misère), Niedrigkeit (basesse).    
    
1) Die Freunde des >wiedergekommenen Heilandes< sind jene Katholiken, die ihn >als Findelkind groß ziehen<, 1/95, voran der Papst, von unbändiger Liebe zum Neuen entbrannt, 8/13.  Die ihm folgenden Katholiken berauschen sich allzu sehr, 6/39.    


2)4) Der >neue Weise<, 4/31, nimmt das Geistesgut der alten Religionen her und verfügt nach Belieben darüber, 9/09 (Güter konfisziert).  Per Dekret verbietet er die katholische Religion, 10/65;  für die Katholiken, das >römische Volk<, ist das die größtmögliche Kränkung.    


3) Die stattdessen verordnete >neue Religion< hat keinen Jenseitsbezug, 4/56, ist daher eine Nichtigkeit.  Es wird genau fixiert, was von nun an geglaubt und nicht mehr geglaubt werden soll. Diese Vorschriften erscheinen auf den Grabsteinen der alten Religionen, 8/28.

 

König Jakob II. >will nicht einwilligen in die Scheidung<  -

                                                       der Church of England von Rom

  10/22   Pour ne vouloir consentir au diuorce,    
                Qui puis apres sera cogneu indigne,    
                Le roy des Isles sera chassé par force    
                Mis à son lieu qui de roy n'aura signe. (1568)    

                Weil nicht einwilligen will in die Scheidung,

                der dann später bekannt wird (als) unwürdig,

                wird der König der Inseln mit Gewalt vertrieben werden.

                An seine Stelle gesetzt (einer), der das Zeichen des Königs nicht hat.
   
1)3) Die Scheidung Heinrichs VIII. von Katharina v. Aragon hat 1534 zu einer >Scheidung< der sinn-bildlichen Art geführt, zur Trennung der Church of England von der katholischen Kirche.  Jakob II., der 1685 den Thron besteigt, ist König von England, Schottland und Irland (Inseln).  Er ist liberaler Katholik und verordnet weitgehende Religionsfreiheit.  Aber damit sind die Anglikaner nicht zufrieden, weil sie befürchten, dass die katholische Kirche als Staatskirche restauriert werden solle.  Aus ihrer parteilichen Sicht will der König der Trennung der Anglikaner von Rom nicht zustimmen.  Ende 1688 ergreift James die Flucht, 8/58, als eine Armada unter dem Niederländer Wilhelm von Oranien in England landet, 2/68.  Jakobs Herrschaft wird mit Machtmitteln beendet.    


2)4) 1701 werden dann Katholiken vom britischen Thron ausgeschlossen.  James' Vertreibung wird damit nachträglich gerechtfertigt, weil er als Katholik des Thrones unwürdig gewesen sei, 3/80.  Ihm folgen 1689 auf dem Thron William III. und dessen Frau Maria II., 4/96.  Der Krönungseid, den sie schwören müssen, enthält den Satz, sie regierten "according to the statutes in parliament agreed on". Solche Rechte des Parlaments haben britische Könige zuvor noch nie beschwören müssen.  Für N., der nur die absolute Monarchie akzeptiert, hat William damit nicht mehr das Zeichen des Königs, nämlich dass sein Wort Gesetz ist.    

Einem undankbaren Volk werden >Vorhaltungen< gemacht

   10/23   Au peuple ingrat faictes les remonstrances,    
                Par lors l'armee se saisira d'Antibe,    
                Dans l'arc Monech feront doleances,  
                Et à Freius l vn l'autre prendra ribe. (1568)    

                Dem undankbaren Volk werden Vorhaltungen gemacht,

                wenn die Armee von Antibes Besitz ergreifen wird.

                Im gestohlenen Monaco werden sie kondolieren,

                und bei Fréjus wird der eine dem anderen das Ufer nehmen.
   
                   3) N.m. arc Bogen.  l' arc kann aber auch ein getarnter larc Dieb sein,

                   vom n.m. larcin kleiner Diebstahl.  Mittelfrz. (Gr) faire les doleances    
                   kondolieren, sein Beileid ausdrücken.    

                   4) Das lat. n.f. ripa Ufer hier reimbedingt abgewandelt.    
   
1)2) Louis XVIII., der Napoleon auf dem Thron folgt, ist beim Volk als Günstling der Briten wenig beliebt. Als Napoleon am 1.3.1815 bei Golfe-Juan (zwischen Cannes und Antibes) mit etwa 1000 Mann landet, hätte das Volk seinen König verteidigen sollen, meint N.  Da es das nicht tut, den Konkurrenten in Paris sogar noch einmal triumphal empfängt, nennt N. das Volk "undankbar".  

 
4) In Fréjus hat sich Napoleon 1814 ins Exil nach Elba einschiffen lassen müssen.  Ein knappes Jahr später will er wieder >bei seinem Volk landen< und damit seinem Rivalen >das Ufer weg-nehmen<, ihn aus dem Land treiben.

     
1) Die "Vorhaltungen" werden dem Volk nicht mit Worten gemacht, weil da keine Einsicht zu erwarten gewesen wäre.  Es sind vielmehr ''große Anstrengungen von Ausländern", 10/24, militärischer Art nötig, um Napoleon endgültig zu besiegen, 1/23, 2/23.    


3) Monaco, 1793 von Frankreich eingemeindet, unter Napoleon Satellitenstaat Frankreichs, wird über die Rückkehr nicht erfreut gewesen sein.  Aber das ist noch nicht recherchiert.

Gefangener Fürst bei den Italern,

                            durch große Anstrengung von Ausländern überwunden

   10/24   Le captif prince aux Italles vaincu    
                Passera Gennes par mer iusqu'à Marseille,  
                Par grand effort des forens suruaincu    
                Sauf coup de feu barril liqueur d'abeille. (1568)    

                Der gefangene Fürst bei den Italern, besiegt,/  wird

                über's Meer an Genua vorbeifahren bis nach Marseille.

                Durch große Anstrengung von Auswärtigen überwunden,

                unversehrt (vom) Feuerschlag (das) Fass Bienenlikör.
   
1) Der besiegte Napoleon wird im April 1814 vom Senat in Paris und seinen Generälen zur Abdankung genötigt.  Die Sieger beschließen seine Verbannung nach Elba.  Aithalia war der griechische Name der Insel, der hier anklingt.

    
2) Am 26.2.1815 bricht Napoleon mit sieben Schiffen und ca. 650 Mann nach Frankreich auf.  Das schnellere Hauptschiff nimmt Kurs auf Genua, 9/26.  Die anderen Schiffe nehmen Kurs auf den Golf von Juan, wo man sich treffen will (Cronin S. 508). Napoleon will der Nachricht von seiner Rückkehr vorauseilen und wählt den kürzesten Weg über die Alpen, n i c h t  durch die Provence mit Marseille.  Doch seit 1795 ist die Marseillaise der chant national und damit >Marseille< der Ort, an dem der Franzose das Gemüt zu den Prinzipien seiner revolutionären Nation erhebt.  Mit dem Nationalgefühl zu spielen, es glaubhaft zu verkörpern, gelingt Napoleon noch einmal mit Bravour, auch unter Einsatz der Marseillaise (Kap. 25 und Exkurs (9)).    


3) Die vereinten Armeen der Briten, Preußen und Österreicher besiegen ihn drei Monate später beim belgischen Waterloo. 


4) Bienen gehören zu Napoleons Wappentieren, 4/26.  Den 45jährigen, seit seiner zweiten Heirat rundlich Gewordenen nennt N. ein >Fass Bienenlikör<.  Dieses >Fass<, in seinen letzten Schlachten unversehrt, gerät wieder in britische Gefangenschaft.  

Henri Quatre als >Rächer<

   10/26   Le successeur vengera son beau frere,    
                Occuper regne souz vmbre de vengeance,  
                Occis ostacle son sang mort vitupere,  (1568)   
                Long temps Bretaigne tiendra auec la France.    

                Der Thronfolger wird seinen Schwager rächen,

                er greift nach der Herrschaft im Schatten der Rache.

                Erschlagene Gegnerschaft klagt sein Blut an wegen des Todes.

                Lange wird Britannien es halten mit Frankreich.
   
3) In den Religionskriegen in Frankreich 1562ff gibt es auf beiden Seiten Opfer, die N. einseitig allein Henri IV. anlastet. 

   
1)2) Henri Quatre hat eine Schwester von Henri Trois geheiratet.  Den 1589 Ermordeten zu rächen, mit dem er zuletzt verbündet war, hätte er Grund gehabt.  Aber nach seiner Krönung ist er auf Ausgleich bedacht, 1/54.  Keine Spur von Rache, N.s Darstellung ist hier nicht einseitig, sondern falsch.    


4) Britannien, seit 1534 nicht mehr katholisch, hat die französischen Protestanten unterstützt, auch durch den Seesieg über Spanien im Jahr 1588.  Erst hundert Jahre später, ab 1689 führen England und Frankreich wieder einmal Krieg gegeneinander.    

Christliche Religion und Islam >hoch geehrt< vom König 

   10/28   Second & tiers qui font prime musicque    
                Sera par Roy en honneur sublimee,  
                Par grasse & maigre presque demy eticque    
                Raport de Venus faulx rendra deprimee. (1568)    

                Zweite und Dritte, die die erste Musik machen,

                werden beim König in erhabener Ehre stehen.

                Wegen Fleisch- und Fastenspeise, fast auszehrender,

                (eine) Falschmeldung über Venus, sie macht (sie) schlecht.
   
                    3) jours gras sind Fleischtage, jours maigres Fastentage.  

                    Das fehlende n.f. kann im Kontext z.B. das n.f. nourriture Speise sein.    
   
1)2) Das Gesetz der ---> Venus, 5/24, ist eine Chiffre für die >Weltfriedensordnung<.  An deren Spitze wird ein Charismatiker berufen, 8/41 Vz 2, der aus Israel stammt, 7/32, und vielen seiner Landsleute als der Messias gilt, 6/18.  Nach der jüdischen sind die christliche und die islamische Religion entstanden. Sie sind allesamt beim >neuen Heiligen<, 10/30, angeblich hoch geschätzt. Wie bei der jüdischen, ist bei der zweiten und dritten Religion noch >eine Stelle frei<.  Am Ende hat der >König< alle "drei Kronen", 2/73.    


3)4) Gerüchte, die von einer >neuen Religion< für die >Weltfriedensordnung< wissen wollen, werden als Falschmeldung zurückgewiesen.  Man wolle das Gesetz der Venus nur herabsetzen. Aber die Meldung wird sich als wahr erweisen "bei der Enthüllung", 8/28 Vz 3, einer "verborgenen Form", 4/28 Vz 2.  Die >Fleischspeise< bedeutet den in der Kommunion genossenen Leib Christi. An seine Stelle tritt eine >Fastenspeise<, der der Jenseitsbezug völlig fehlt, 4/56.  An die Stelle von >Fleisch< werde >Fisch< treten, 4/32.    

Neuer Heiliger lässt Muslime verfolgen

   10/30   Nepueu & sang du sainct nouueau venu,  
                 Par le surnom soustient arcs & couvert    
                 Seront chassez mis à mort chassez nu,    
                 En rouge & noir conuertiront leur vert. (1568)   

                 Neffe und Geblüt des neuen Heiligen gekommen,

                 durch den Beinamen hält er aufrecht Bögen und Dach.

                 Sie werden gejagt und verfolgt, getötet, wehrlose Verfolgte.

                 In Rot und Schwarz werden sie ihr Grün verwandeln.
   
Grün ist die heilige Farbe des Islam.  Muslimische Gemeinden steuern einmal den >Hafen< an, 1/30, der ein Bild ist für die Friedenskompetenz, die dem >neuen Heiligen< zugetraut wird.  Die Muslime werden später unterworfen, 2/79, VH (28).  Wenn dann noch eine >neue Religion< verord-net wird, die ein Monopol beansprucht, 1/79, wird der Islam genauso kassiert wie die christliche Religion.    


Das >Blut< der >alten Götter< wird vergossen, und sie werden begraben (rot und schwarz).  Jener Mann, den viele Christen für den >wiedergekommenen Heiland< halten werden, 1/95, heißt hier bündig >neuer Heiliger<, die N. als falsche Heiligkeit erkennt, 6/30.  Dem Mann werden höchste weltliche Macht (Porphyrsäule), 1/43, und hohe majestätische Titel verliehen, z.B. >Säule der Welt< o.ä.  Er schickt einen Günstling (---> neveu) und Gesinnungsgenossen (--->  sang), der Muslime verfolgen lässt.    

Deutschland wird gegen Araber nicht verteidigt.

                                               Schiiten von Sunniten bedrängt

   10/31   Le saint empire viendra en Germanie,    
                Ismaelites trouueront lieux ouuerts.    
                Anes vouldront aussi la Carmanie,    
                Les soustenens de terre tous couuerts. (1568)  

                Das >heilige Reich< wird nach Germanien kommen,

                Ismaeliten werden die Orte frei zugänglich finden.

                Esel werden auch Carmanien (besitzen) wollen,

                die Verteidiger sind alle mit Erde bedeckt.
   
1)2) Kommen und Finden sind Aspekte der gleichen Invasion.  Die Nachfahren des biblischen Ismael, die Araber, sind bisher nicht als Herren, die ein Reich bringen, nach Germanien (= Deutschland nach 1918, 3/76) gekommen.  Wenn sie es versucht hätten, hätte man sie nicht herein-gelassen.  Es scheint hier, dass Europa nach dem Kataklysmus so vollständig darniederliegt, dass eine Verteidigung nicht mehr möglich ist.  "Bebaute Orte" sind ohne Verteidgung, 2/19.  Offene Orte sind Orte, die nicht verteidigt werden.     


Die Offenheit kann auch bedeuten, dass die Fremden aus Angst, 6/54, oder aus Begeisterung für die fremde Geisteswelt, 3/27, aufgenommen werden.  Ein islamisches heiliges Reich der Araber wird sich einmal vom marokkanischen Fez bis nach Europa erstrecken, 6/80.  Bei N. klingt das befremdet und sarkastisch, zumal die Eingedrungenen sich als die Oberherren gebärden.      


3)4) Die Esel sind wohl wieder die Araber, von N. als Dummköpfe geschmäht.  Sie stoßen auch nach Iran vor;  Carmanien hieß das  Land hinter der Straße von Hormuz, 3/90.  Dort treffen sie, anders als in Europa, auf Widerstand, den sie aber überwinden können.

Murat verrät Napoleon, der lange gehasst wird

   10/34   Gauloys qu'empire par guerre occupera   
                Par son beau frere mineur sera trahy, 
                Par cheual rude voltigeant traynera,  
                Du fait le frere long temps sera hay. (1568)   

                Gallier, der das Imperium durch Krieg in Besitz nimmt,

                wird durch seinen untergebenen Schwager verraten.

                Durch rüdes, durchgehendes Pferd schleift er (ihn) mit.

                Wegen seiner Taten wird der Schwager lange gehasst.


                    4) Im Kontext der Vz 2 ist der frère ein verkürzter beau-frère.    
   
1) Napoleons Popularität durch seine Leistungen als Feldherr und der Wunsch des Bürgertums, die Ordnung im Land wieder herzustellen, ermöglichen es dem Korsen, sich 1799 an die Macht zu putschen.  De facto wird er Diktator, der sich fünf Jahre später den Titel eines Kaisers der Franzosen zulegt (empire).      


2) Joachim Murat hat Napoleons Schwester Caroline geheiratet.  Als Mitglied des Familienclans macht er unter dem Kaiser Karriere.  Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 löst sich der Rheinbund auf.  Auch Murat sagt sich vom Clanchef los und verbündet sich im Januar 1814 mit Österreich, um König von Neapel bleiben zu können.    


3) Napoleon >gehen die Pferde durch<, die er geritten hat  -  die Herrscher, die er unterworfen hat, beginnen >ihn abzuwerfen<. Er wird noch >mitgeschleift< von durchgegangenen Pferden, darunter Murat, bis zur Abdankung im April 1814, 2/48, 10/76.    


4) Noch lange nach seinem Tod wird nicht Murat, sondern Napoleon gehasst, der Schwager Murats. Namentlich Deutsche und Italiener bewahren die Erinnerung an den blutigen Fremdherrscher.  Sie beginnen, sich als zugehörig zu Nationen zu empfinden, die einen eigenen nationalen Staat brauchen, um sich kulturell, politisch und militärisch behaupten zu können.    

Nach einem >Tyrannenmord< kommt erst der wahre Tyrann

   10/36   Apres le Roy du soucq guerres parlant    
                L'isle Harmotique le tiendra à mespris,    
                Quelques ans bons rongeant vn & pillant    
                Par tyrannie à l'isle changeant pris. (1568)    

                Nachdem der König vom Stumpf von Kriegen spricht,

                wird die tyrannenmörderische Insel auf ihn weniger Wert legen.

                Einige gute Jahre ist einer am Nagen und Plündern,

                durch Tyrannei gegen die Insel ändert (man) die Wertschätzung.
   
                   1) N.f. souche Holzklotz, Baumstumpf, Fuß eines Baumes.    

                   2) Harmodios ist im Lateinischen ein sprichwörtlicher Tyrannenmörder.    
                   4) Mittelfrz. (Gr priser) n.m. prix, pris Achtung, Wertschätzung (estime).    

   
1)2) Der König vom Klotz oder Stumpf ist wohl eine Anspielung auf die Todesart des Gemeinten;  mit einem Beil wird ihm der Kopf abgeschlagen, den er auf einen Holzklotz hat legen müssen.  Zuvor im Prozess gegen ihn hat er das Rumpfparlament gewarnt, dass erneut Bürgerkriege ausbrechen könnten, wenn er beseitigt würde.  Das beeindruckt seine Richter aber nicht.  Sie verurteilen ihn als "Tyrann, Verräter und bekannter Feind aller guten Engländer" (Maurer 1997 S. 201f.).

     
3) An die Spitze der neuen Republik tritt dann Oliver Cromwell, von N. abschätzig "einer" genannt. Seine Feldzüge gegen Irland und gegen die schottische Armee unter dem Sohn des hingerichteten Königs wie auch der Seekrieg gegen die Niederlande werden durch hohe Steuern finanziert.  Die drückende Besteuerung ist ein Hauptgrund dafür, dass sich das Regime nicht lange halten kann.  Für N. stürzen die Menschen ohne König sowieso ins Chaos, die >guten Jahre< sind sarkastisch gemeint.    


2)4) Erst Cromwell werde eine wahre Tyrannei errichten, d.h. eine Willkürherrschaft durch Nichtachtung des Rechts.  Dass man auf den angeblichen Tyrannen Charles I. "weniger Wert legt", hat die Abschaffung des Königtums zur Folge.  Nach dem Tod Cromwells 1658 nimmt man mit dem Sohn des gestürzten Königs Kontakt auf, "ändert die Wertschätzung" des Königtums.  Im Mai 1660 kehrt Charles II. aus dem Exil auf dem Kontinent als König nach London zurück.

Hitler-Stalin-Pakt als Voraussetzung für den Westfeldzug

   10/38   Amour alegre non loing pose le siege,    
                Au sainct barbar seront les garnisons,    
                Vrsins Hadrie pour Gaulois feront plaige,   
                Pour peur rendus de l'armee aux Grisons. (1568)    

                Muntere Liebe wird nicht lange die Belagerung aufstellen.

                Dem heiligen Barbaren werden die Garnisonen gehören.

                Bärige werden Hadrian wegen (der) Gallier Garantie geben.

                (Sie werden) aus Furcht vor der Armee ausgeliefert den Grauen.
    
                   3) Lat. Adj. ursinus bärig, vom Bären.    

                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. plege Bürgschaft (gage), altfrz. n.m. plege Bürge, Garantie (garantie).    
                   4) Grisons können die Graubündner sein, aber hier sind die Grauen les gris reimbedingt

                   abgewandelt (---> gris).    
   
Hitler wird von den Deutschen als Mann verehrt, der das Land wieder in die Höhe geführt hat.  Um seine Person wird ein Kult veranstaltet, der religiöse und erotische Züge aufweist (>heilig<).  Er ist nach Gesinnung, nach Anschauungen und Taten kein Katholik und damit für N. ---> Barbar und heißt ---> Hadrian wegen seiner Judenfeindschaft.  Die "Bärigen" sind die Russen, 5/04.    


Gemäß dem Pakt vom 24.8.1939 garantiert man sich gegenseitig Neutralität bei Kriegen mit Dritten. Als wahres Motiv Stalins gibt N. Furcht an, was kaum belegbar ist.  Stalin will die Aggression Hitlers gen Westen lenken.  Die >muntere Liebe< der beiden Bestien meint N. sarkastisch;  in Wahrheit sind sie "geheuchelte Freunde", 7/33.  Hitler hat lange seine Friedensliebe verbreiten lassen, 1/34, er tarnt sein Projekt (>grau<).

 

Nach acht Tagen >Belagerung< (nicht lange) fallen ab dem 1.9.39 erst Deutsche, ab dem 17.9. auch die Russen über Polen her.  Den Pakt im Rücken, ordnet Hitler acht Monate später den Westfeldzug an. Durch das Arrangement mit Hitler hat Stalin, eigentlich seit 1935 mit Frankreich verbündet, die Franzosen tatsächlich der deutschen Aggression "ausgeliefert".  

Erster Sohn der Witwe wird König in unfähigem Alter

   10/39   Premier fils vefue malheureux mariage,    
                Sans nuls enfans deux Isles en discord.    
                Auant dixhuict incompetant eage,   
                De l'autre pres plus bas sera l'accord. (1568)    

                Erster Sohn (der) Witwe (führt eine) unglückliche Ehe,

                ganz ohne Kinder.  Zwei Inseln in Zwietracht,

                Vor achtzehn, in unfähigem Alter,/  dem anderen

                Verwandten wird (in) noch jüngerem Alter das Einverständnis gegeben.
   
                    3) Mittelfrz. (Gr) Begriff age competent heiratsfähiges Alter (competent pour le mariage).    
   
1)2) "Erster Sohn" der durch den Unfalltod ihres Gatten verwitweten Katharina v. Medici ist Franz, der im Juli 1559 mit fünfzehn König wird.  Im Jahr davor hat er die ein Jahr ältere schottische Königin Maria Stuart geheiratet.  Die Ehe der beiden Jugendichen wird wahrscheinlich nie vollzogen, bleibt kinderlos und endet nach weniger als zwei Jahren durch Franz' frühen Tod.    


2)3) Seit seiner Heirat als volljährig geltend, ist Franz II. wegen seiner labilen körperlichen und seelischen Verfassung und wegen der Schwäche der natürlichen Autorität eines Halbwüchsigen in "unfähigem Alter", das Amt des Königs auszufüllen.  Als er wenige Wochen vor dem 17. Geburtstag stirbt, geht seine Witwe Maria Stuart im August 1561 zurück nach Schottland.  Sie hat auf den englischen Thron nie verzichtet.  Elisabeth I. unterstützt die schottische Opposition gegen Maria.      


4) Auf Franz II. folgt der erst zehnjährige Karl auf den Thron Frankreichs.  Einem noch Jüngeren wird der Treueid geschworen.    

Großbritannien unterstützt den Aufstand in der Vendée (1793)

   10/40   Le ieune nay au regne Britannique,  
                Qu'aura le pere mourant recommandé,    
                Iceluy mort LONOLE donra topique,    
                Et à son fils le regne demandé. (1568)
    

                 Der Junge (ist) erschienen in der britischen Regierung,

                 was der sterbende Vater empfohlen haben wird.

                 Wenn jener tot ist, wird (man) Olonne eine örtliche Arznei geben,

                 und von seinem Sohn wird die Herrschaft gefordert.
   
                     2) Mittelfrz. (Gr) v. recommander auch: anvertrauen (confier).  

                     3) N.m. topique 1. örtlich wirkendes Heilmittel 2. stereotype Redewendung, Topos.      
   
1)2) William Pitt der Ältere, Earl of Chatham, eine durch Redegabe und Tatkraft beeindruckende Persönlichkeit in der britischen Politik, bringt es 1757 zum Premierminister und bleibt bis zu seinem Tod 1778 einflussreich.  Dass er seinen 1778 neunzehnjährigen Sohn als Nachfolger empfohlen habe, ist nicht überliefert.  Aber das Standing des Vaters hat dazu beigetragen, dass William Pitt dem Jüngeren 1783 mit nur 24 Jahren das Amt des Premiers anvertraut wird.  Er behält es mit einer Unterbrechung bis 1806.      


3)4) Olonne ist eine Küstenstadt in der Vendée, wo es 1793 zu einem Aufstand der königstreuen Bevölkerung kommt, 5/33.  Großbritannien tritt 1793 der Koalition gegen das revolutionäre Frank-reich bei und unterstützt die Royalisten in der Vendée.  Gegen eine Revolution, die das Herz und von daher große Teile des Landes erfasst hat, verordnet Großbritannien ein >lokales Heilmittel<, dessen Anwendung wenig Erfolg verspricht und auch keinen hat.  Von Großbritannien unter Führung Pitts wird "die Herrschaft gefordert", nämlich die des legitimen Königs in Frankreich, 1793 noch ohne Erfolg.  Erst 21 Jahre später wird diese Forderung durchgesetzt, 10/76.    

Frieden und Einheit unter Henri Cinq

 

   10/42   Le regne humain d'Angelique geniture,
                Fera son regne paix vnion tenir: 
                Captiue guerre demy de sa closture, 
                Long temps la paix leur fera maintenir. (1558) 

   

                Die menschenfreundliche Herrschaft von engelhafter Herkunft

                wird ihrem Reich Frieden (und) Einheit erhalten.

                Gefangen (der) Krieg, versenkt in sein Verlies.

                Lange Zeit wird (sie) ihnen den Frieden bewahren.


                    3) Mittelfrz. (Go) n.f. closure Einfriedung (clôture).   demy statt démise hier verkürzt

                    vom lat. p.p.p. demissus niedergeworfen, herabgelassen, versenkt.    
                    4) Hier ist wieder le regne humain der ersten Vz Subjekt.    

   
Der Krieg (als Institution) wird in der >Weltfriedensordnung< für tot erklärt werden, sich dann aber als nur >gelähmt< erweisen und unvermutet wieder aus seinem Grab auferstehen, 3/36. 

            

Hier aber wird der Krieg wirklich  >gefangen und versenkt in sein Verlies<, aus dem er dann lange nicht mehr >ausbricht<.  Diese Zeit beginnt, wenn der Mann sich durchgesetzt hat, der Europa von der Fremdherrschaft befreien, 5/74, und die Erde für lange Zeit befrieden wird, 6/24.  Es sollen immerhin 57 friedliche Jahre sein, 10/89.  Auch in 10/72 stellt N. den zukünftigen Henri Cinq als vom Himmel gesandt und in diesem Sinne >engelhaft< vor.    

 

Allzu große königliche Güte

   10/43   Le trop bon temps trop de bonté royalle: 
                Fais & deffais prompt subit negligence,    
                Legier croira faux d'espouse loyalle,    
                Luy mis à mort par sa benevolence. (1568)    

                Allzu gute Zeit, allzu große königliche Güte,

                Taten, gleich rückgängig gemacht, plötzliche Nachlässigkeit.

                Leichtfertig glaubt (man) der Verleumdung der loyalen Ehefrau.

                Er kommt zu Tode durch sein Wohlwollen.
   
2)3) Die Zeit Louis' XVI. beginnt hoffnungsvoll mit Sparmaßnahmen und Reformen.  Doch der junge König ist nicht der Mann, seine Vorhaben auch durchzusetzen.  Gegen den Widerstand der Gerichts-höfe und des Adels, der seine Privilegien bedroht sieht, kommt er nicht an.  Auch seine Ehefrau will ihre aufwändige Lebensführung durchaus nicht einschränken.  Sie wird als Madame Deficit verhöhnt und zieht sich den besonderen Hass des Volkes zu, der zu übelsten Verleumdungen führt.  In der Bedrängnis erweist sie sich als loyale Gattin und teilt das Schicksal ihres Mannes, 9/77.    


1)4) Ludwig ist ein Mann guten Willens, der eine für seine Zeit liberale Politik macht.  Diese gestattet es den Gegnern der alten Ordnung, sich zu entfalten.  In der Bedrängnis halten ihn Naturell wie christliche Gesinnung von einem harten Durchgreifen zurück.  Sein Zurückweichen vor Widerständen hat beigetragen zum Ausbruch der Revolution, die ihn das Leben kostet. 

Henri Cinq will Religionsfreiheit zurückbringen

   10/44   Par lors qu'vn Roy sera contre les siens,    
                Natif de Bloyes subiugera Ligures:    
                Mammel, Cordube & les Dalmatiens,
                Des sept puis l'ôbre à Roy estrênes & lemures.  (1568)

                Weil ein König sich gegen die Seinen stellen wird,

                wird (ein) in Blois Geborener (die) Ligurer unterwerfen,

                Mohammeds Meer (?), Corduba und die Dalmater./  Von

                sieben Hügeln der Schatten, für (den) König Vorzeichen und abgeschiedene Seelen.
   
                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. pui Anhöhe, n.m. puis Brunnen.  N.f. ombre > lat. n.f. umbra Schatten.  

                   Mittelfrz. (Go) n.f. estrene Chance, Glück, Zufall (chance, fortune, hazard)  > lat. n.f. strena

                   Vorzeichen.    Lat. n.f. pl. lemures abgeschiedene Seelen.      
   
Wenn es darum geht, den alten verbotenen Glauben aufzugeben, wird der vermeintlich wieder-gekommene Christus, 1/95, sich gegen jene stellen, die sich für die Seinen halten, 9/80, die sich an ihn klammern, 2/56, weil sie immer noch an ihn glauben. 

   
Der spätere Henri V., in Blois geboren, 8/38, will >den Tempel öffnen<, d.h. Religionsfreiheit zurück-bringen, 10/27.  Vom Meer  her erobert er Küsten, 2/05 (Latium), 9/75 (Griechenland).  Mohammeds Meer ist das von Muslimen beherrschte Mittelmeer, 5/11. 

  
N. prophezeit ihm die Weltherrschaft, 4/77 (sieben Hügel Roms).  In seine Zeit falle das Weltgericht über die Seelen, die bis dahin gelebt haben, Offb 20, und damit die Scheidung der Geister, Mt 25,31ff, und der Übergang zur neuen Erde, Offb 21.

 

Henri der Navarre als König von Frankreich gilt N. als illegitim

   10/45   Lombre du regne de Nauarre non vray,  
                Fera la vie de sort illegitime:    
                La veu promis incertain de Cambray,    
                Roy Orleans donra mur legitime. (1568)    

                Der Schatten der Herrschaft Navarras, unwirklich,

                er wird das Leben führen eines bösen Zaubers.

                Das abgelegte Gelübde von Cambrai (ist) unsicher.

                Der König von Orléans wird die Stadt legitim machen.
   
                   2) Mittelfrz. (Gr) n.m. sort  böser Zauber (maléfice), Fluch (sortilège).  

                   4) Eine Stadtmauer kann eine Stadt bedeuten (pars pro toto).    
   
1)2) Nach seiner Flucht vom Pariser Hof, 2/61, wird Henri de Navarre, kurz Navarra genannt, zum Anführer der französische n Protestanten.  Als Henri III. aus dem Geschlecht der Valois 1589 ermordet wird, rückt Navarra nach salischem Gesetz, 5/38, auf den Thron Frankreichs nach.  Aber N. nimmt den Standpunkt der katholischen Partei ein, die als Hindernisse für die Anerkennung Navarras als König anführt 1. dessen protestantisches Bekenntnis (= sein >Ketzertum<), 2. die Exkommuni-kation durch den Papst (seit 1585) und 3. seinen langjährigen Kampf gegen die katholische Liga, 9/45.  N. ist entrüstet, das könne nicht wahr sein;  einen Hugenotten auf dem Thron Frankreichs empfindet er als unwirklich, illegitim, wie einen bösen Zauber.    


3) Der Frieden mit Spanien (Cateau-Cambresis 1559) sei dann in Gefahr.  In der Tat wehrt Henri IV. 1594 eine spanische Invasionsarmee ab, beendet aber nach der päpstlichen Absolution 1595 den Krieg mit Spanien und versöhnt sich mit Philipp II.    


4) Die Stadt Orléans steht für den Erfolg der Franzosen im englisch-französischen Krieg, errungen unter Johanna von Orléans.  Der König, der anknüpfend an Nationalheldin Jeanne d' Arc, das Land zu Größe und Ruhm führt, ist Louis XIV.  Cambrai kommt 1678 im Frieden von Nimwegen an Frankreich;  die Stadt wird "legitim", der Hoheit des Königs von Frankreich unterstellt.    

Preußen kann nicht helfen gegen Napoleon, ein Falscher wird Kaiser

   10/46   Vie sort mort de L'OR vilaine indigne, 
                Sera de Saxe non nouueau electeur:  
                De Brunsuic mandra d'amour signe,    
                Faux le rendant au peuple seducteur. (1568)   

                Leben weicht, Tod des Goldes, gemein, schändlich,

                es wird keinen neuen Kurfürsten Sachsens geben.

                Von Braunschweig ruft Zeichen der Liebe (Hilfe) herbei,

                (ein) Falscher gibt es dem Volk zurück, (ein) Verführer.
   
2)3) Im Dezember 1805 bei Austerlitz unterliegt Österreich gegen Napoleon.  Hilfe hätte dem >Zeichen der Liebe<, dem Reichsadler als dem Zeichen des christlichen Kaisers, von Preußen kommen sollen.  Aber auch Preußen, die zweite Großmacht des Reiches, mit seinen Verbündeten, unter ihnen das Herzogtum Braunschweig, verliert gegen Napoleon die Schlacht im Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt.  Im August 1806 hat Kaiser Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römi-schen Reiches (wikip. HRR) niedergelegt, >sich vom Adler zurückgezogen<, 6/46.    


1) Der >Tod des Goldes< ist eine weitere Allegorie für das Ende des alten Kaisertums.  Aufgabe des Kaisers ist es, die sich am Evangelium, dem geistigen >Gold< (---> or) orientierenden Christen des Reiches gegen äußere Feinde zu schützen. 

   
4) Napoleons Kaisertum tritt seit 1804 an die Stelle des christlichen Kaisers.  Ein aus einer antichrist-lichen Revolution hervorgegangener Herrscher werde diese Stelle besetzen wollen.  So jemand sei ein illegitimer Herrscher und Verführer.  Verführung bedeutet bei N. Wegführung vom katholischen Glauben (---> seduction).

Durch Zusammenschluss besiegt

   10/48   Du plus profond de l'Espaigne enseigne,    
                Sortant du bout & des fins de l'Europe,  
                Troubles passant aupres du pont de Laigne, 
                Sera deffaicte par bande sa grand troppe. (1568)  

                Vom hintersten Winkel Spaniens (ein) Banner,

                ausgehend vom Ende und von den Grenzen Europas.

                Bedrängte kommen vorbei an der Brücke von Ligny (?),

                besiegt wird ihre große Truppe durch Zusammenschluss.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.f. laigne Holz (bois).  Aber groß geschreiben, müsste

                   es ein Eigenname sein.    4) Mittelfrz. (Gr) v. bander sich gegen jdn.

                   zusammentun (se bander contre qu.), n.f. bande Zusammenschluss (groupement).    
   
1)2) Das Banner, das ab 1808 an der Küste Portugals landet, ist der britische Union Jack.  Die Schiffe kommen vom westlichen Ende Europas und landen "im hinterstern Winkel Spaniens" -  von Paris aus gesehen, weil es in dieser Zeit um den Thron Frankreichs geht.  Von da rücken sie über das Baskenland vor, 8/86, und überschreiten 1814 die Pyrenäen, 2/48.    


3)4) Am 16.6.1815, zwei Tage vor Waterloo, können die von einer Allianz bedrängten Truppen Napoleons ihre preußischen Gegner beim wallonischen Ligny noch einmal zurückschlagen (wikip. Schlacht bei Ligny).  Aber der "Zusammenschluss" der Briten, Preussen, Österreicher, Württem-berger und Russen besiegt dann doch die "große Truppe" Frankreichs.    

Deutsche wieder vereint (1871)

   10/51   Des lieux plus bas du pays de Lorraine,    
                Seront des basses Allemaignes vnis,  
                Par ceux du siege Picards, Normans, du Maisne  
                Et aux cantons se seront reunis. (1568)   

                Einige tiefer gelegene Regionen des lothringischen Landes

                werden mit deutschen Tieflanden vereint werden

                durch jene, die Pikardie, Normandie und Maine belagern.

                Und aus den Regionen werden sie sich wieder vereint haben.
   
3) Der deutsch-französische Krieg 1870/71 beschränkt sich auf Schauplätze im Norden und Osten Frankreichs.  Das Elsass und Teile Lothringens sind seit September 1870 deutsch besetzt.  In der Schlacht von Amiens (Pikardie) siegen im November 1870 die Preußen.  Deutscher Sieg auch in der Schlacht bei Le Mans (Maine) im Januar 1871.  Auch die östlichen Teile der Normandie werden besetzt.


1)2) Die "deutschen Tieflande", nämlich das federführende Preußen, besiegt mit seinen süd-deutschen Verbündeten das französische Empire.  Im Frieden von Frankfurt werden im Mai 1871 das Elsass und Teile Lothringens dem neuen deutschen Kaiserreich zugeschlagen;  es dehnt sich aus "über den Rhein hinweg", 6/87.          

 

4) Unter dem Eindruck des grandiosen Sieges wird schon im Januar 1871 in Versailles das (zweite) deutsche Kaiserreich ausgerufen.  Die deutschen Belagerer Frankreichs sind, zwar ohne Österreich, doch "wieder vereint", nachdem ihnen das einende Band des alten Kaisertums 1806 abhanden kam, 5/01.

Von langer Hand vorbereitete >Hochzeit< 

   10/52   Au lieu où LAYE & Scelde se marient,  
                Seront les nopces de long temps maniees,    
                Au lieu d'Anuers où la crappe charient,    
                Ieune vielleisse consorte intaminee. (1568)  

                Am Ort, wo Leie und Schelde heiraten,

                werden die Hochzeitsfeiern sein, die seit langer Zeit vorbereiteten.

                An den Ort Antwerpens, wohin sie den Unrat fahren,

                (erscheint) junge Greisin (als) Gattin, unbefleckt.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) n.f. crape Schmutz (crasse), Unrat (ordure).  

                   4) Lat. Adj. intaminatus unbefleckt.   N.f. vieillesse Greisenalter, betrifft beide

                   Geschlechter, ist hier wegen consorte / intaminee weiblich zu deuten.  

                   Lat. n.m./f. consors Gefährte, Gatte.    
   
Nach dem Kataklysmus >verlobt sich< >Mutter Kirche< mit dem >wiedergekommenen Heiland<, 5/49.  Hier ist es nun so weit, die katholische Kirche wird >Gattin< ihres neuen Helden.  N. erkennt sie als Greisin vor dem Ende, die sich auf der Hochzeit auf jung, gar jungfräulich schminkt  -  ein grausiges Bild.

 

Von langer Hand arrangiert sei das, weil Christus schon damals gesagt habe, er werde wieder-kommen und die Auserwählten zusammenführen, Mt 24,31.  Es wird in Gent gefeiert, am Zusammenfluss von Leie und Schelde, 2/97.  Abwässer wurden früher ungeklärt in die Flüsse geleitet.  Von der >Heirat< bis zur >Entsorgung< der Kirche als >Unrat< werde es nicht lange gehen. N. meint es nicht zynisch, aber sarkastisch.  

Eine Beischläferin in den Niederlanden doppelt fruchtbar

   10/54   Nee en ce monde par concubine fertiue,
                A deux hault mise par les tristes nouvelles,    
                Entre ennemis sera prinse captiue,    
                Et amené à Malings & Bruxelles. (1568)    

                Geboren in diese Welt durch fruchtbare Beischläferin,

                zu zweit aufgerichtet durch die traurigen Neuigkeiten.

                Sie wird unter Feinden ergriffen und gefangen genommen

                und abgeführt werden nach Mechelen und Brüssel.
   
                   1) Das Adjektiv fertive ist das lateinische fertilis fruchtbar, reimbedingt abgewandelt.    
   
2) Im Jahr 1575 erklärt Spanien einen Staatsbankrott, 1576 stirbt der Generalstatthalter der spani-schen Niederlande (heute B/NL/LUX + Dept. Nord). Soldaten ziehen mordend und plündernd durch die nördlichen Erblande Spaniens.  1578 stirbt der nächste Statthalter, 6/75.  Traurig sind diese Nachrichten für N., weil er mit der katholischen Vormacht sympathisiert.      


1) Die >griechische Dame<, 9/78, bedeutet ein Volk, das sich demokratisch verfasst (---> dame). Wird diese Idee aufgegriffen, dann ist sie >fruchtbar< und hat >Kinder<.  Im Januar 1579 schließen sich die südlichen Provinzen zur Union von Arras zusammen, fordern Rechte ein und wollen keine ausländischen Truppen mehr dulden.  Die nördlichen Provinzen vereinen sich zur Union von Utrecht und sagen sich ganz von Spanien los.

    
3)4) Flandern und Brabant mit Brüssel, der Hauptstadt der spanischen Niederlande, tendieren zur Union von Utrecht, werden aber von den Spaniern bezwungen, 4/81;  protestantische Bewohner müssen fliehen.  Der Bischofssitz Mechelen steht für die kirchliche, Brüssel für die weltliche Herr-schaft.  Die >Konkubine<, die Idee, dass das Volk politisch in Ständeversammlungen mitbestimmen und seine Religion selbst bestimmen solle, wird in den Südprovinzen >festgenommen und einge-sperrt<.  Vgl. 9/78 Vz 4.

    

Das Gesetz über Verdächtige (17.9.1793)

   10/57   Le subleué ne conoistra son sceptre,    
                Les enfans ieunes des plus grands honnira:   
                Oncques ne fut vn plus ord cruel estre,    
                Pour leurs espouses à mort noir bannira. (1568)    

                Der Emporgekommene wird sich nicht auf sein Szepter verstehen,

                die kleinen Kinder der Größten wird er zugrunde richten.

                Nie gab es ein schändlicheres, grausameres Wesen.

                Wegen ihrer Ehefrauen wird (der) Finsterling (sie) zu Tode jagen.
   
                   1) Lat. v. sublevare emporheben.  

                   2) Mittelfrz. (Gr) v. honnir zugrunderichten (dévaster).    

                   4) Mittelfrz. (Gr) v. bannir auch: jagen (chasser).    
   
2) Die Kinder des Königs Louis XVI. werden durch die Todesurteile gegen ihre Eltern, 1/57, 1/07, im Jahr 1793 zu Vollwaisen.  Der kränkelnde Sohn Louis Charles wird einer Handwerkerfamilie zur Umerziehung übergeben und stirbt 1795 mit 10 Jahren.    


4) Unter dem Eindruck von Niederlagen gegen Österreich und Großbritannien wird am 17.9.1793 das Gesetz über Verdächtige beschlossen, das den Terror justiziabel macht.  Verdächtig ist schon, wer nicht aktiv seine revolutionäre Gesinnung beweist.  Schon der Umgang mit Personen, die als Anhänger der alten Ordnung bekannt sind, kann zur Verhaftung führen.  Männer, deren Frauen zu eidverweigernden Priestern gehen, können so denunziert werden.     


1)3) Der Emporgekommene ist Robespierre, der der Blutjustiz immer neue Impulse gibt.  Immer wieder deutet er an, dass es belastendes Material auch über Konventsmitglieder gebe.  Er benutzt sein "Szepter", um die Menschen zur Gesinnungsschnüffelei anzuhalten.  Am Ende überspannt er den Bogen und wird selbst ohne Prozess hingerichtet, 2/42.    

Österreich verliert Lombardei und Toskana, Papsttum gewandelt

   10/64   Pleure Milan, pleure Lucques, Florence,    
                Que ton grand Duc sur le char montera,   
                Changer le siege de Venise s'aduance,    
                Lors que Colonne à Rome changera. (1568)  

                Weine, Mailand, weine, Lucca (und) Florenz (darüber),

                dass dein großer Herzog den Wagen besteigen wird.

                Sie verlegen den Sitz, (man) favorisiert Venedig.

                Dann wird (eine) große Säule in Rom sich wandeln.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) v. avancer, advancer vorantreiben (hâter),

                   begünstigen (favoriser), bevorzugen (avantager).    
   
2)3) Der Großherzog Leopold II. von Toskana (1797-1870) ist Habsburger, ein Enkel des Kaisers Leopold II.  Als ihn seine Untertanen 1859 nötigen wollen, auf italienischer Seite gegen Österreich für die Unabhängigkeit Italiens zu kämpfen, verlässt er mit seiner Familie das Land und geht zu-nächst nach Bologna (Emilia-Romagna).  Österreich verliert in diesem Krieg neben der Lombardei (Mailand) auch die Toskana (Florenz, Lucca).  Venetien bleibt noch bei Österreich, bis 1866.    


1) Österreich hat bis 1806 den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gestellt und 1804 ein auf Österreich-Ungarn begrenztes Kaisertum begründet.  Der Rückzug dieser Monarchie aus Lombardei und Toskana ist ein weiterer Schritt zum Verfall des verbliebenen Restreiches.  N. sieht vorletzte Rudimente der mittelalterlichen Ordnung Europas versinken.  Auf Untergänge dieser Art ist er spezialisiert.    


4) Der Kirchenstaat heißt bei N. bildlich >Tempel der Sonne<, 8/53.  (Die geistige Sonne ist der Gott der Christen ---> sol).  Zentrale >Säule< in diesem Tempel ist die Institution des Papsttums (---> colonne).  Der Papst verliert 1870 den Kirchenstaat.  Aber ihm bleibt ein kleines Areal in Rom, der Vatikanstaat, und er bleibt Kirchenoberhaupt.  So wandelt sich diese >Säule<.    

Von >Rom< stehen nur noch die Mauern 

   10/65   O vaste Romme ta ruyne s'approche,    
                Non de tes murs, de ton sang & substance:   
                L'aspre par lettres fera si horrible coche, 
                Fer poinctu mis à tous iusques au manche. (1568)   

                O gewaltiges Rom, deine Zerstörung naht,  

                nicht deiner Mauern, (sondern) deines Blutes und deiner Substanz.

                Der Grausame macht mit Briefen (einen) ganz schrecklichen Einschnitt,

                (das) scharfe Schwert wird allen hineingestoßen bis zum Heft.
   
                   3) Mittelfrz. (Gr) aspre auch: roh (rude), grausam (cruel),

                   n.f. coche auch: Einschnitt (entaille).      

                   4) Mittelfrz. (Gr) n.m. fer Schwert (epée).    
   
Es könnten hier Bluttaten in der Stadt Rom gemeint sein.  Aber die "Briefe" eines Machthabers werden  a l l e n, Vz 4, >Römern< den Tod bringen.  Eine sinnbildliche Deutung ist naheliegend wegen der universellen Wirkung und wegen der Rede vom >Blut Roms<.  >Rom< ist hier die Spitze der katholischen Kirche, und die >Römer< sind die Katholiken.  >Blut und Substanz Roms< ist der liturgische Vollzug des  Glaubens;  gewandelt in den Leib und das Blut Christi, beleben Brot und Wein die Katholiken geistig. 

 

Damit ist es vorbei, von >Rom< stehen nur noch die Mauern.  Die "Briefe" enthalten einen "mächtigen Bann", 5/65, es sind Dekrete.  Zum Schwert werden hier Worte, "die mehr zerschneiden als jedes Schwert in den Händen eines Irrsinnigen",              .  Der >wiedergekommene Christus<, 1/95, zum Weltherrscher aufgestiegen, 1/04, führt sein Wortschwert radikal und universell.    


Man wird hier einwenden, das könne nicht sein, dagegen stehe die Felsenzusage Christi an Petrus, Mt 16,13ff: "... und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwinden" (Einheitsübersetzung). Näheres dazu in Vorschau (XI). 

   

>Das Weltmeer vereist<

 

   10/71   La terre & l'air gelleront si grand eau,
                Lors qu'on viendra pour ieudi venerer,
                Ce qui sera iamais ne feut si beau, 
                Des quatre pars le viendront honorer. (1568)  

                Die Erde und die Luft werden ein sehr großes Wasser vereisen lassen,

                wenn man kommt, Jupiters Tag zu verehren.

                Der so schön sein wird, wie nie einer gewesen ist  -

                aus vier Richtungen werden sie kommen, ihn zu ehren.


2)3)4) Der Weltherrscher, den es nach dem Kataklysmus geben wird, 1/04, hat bei N. auch den Decknamen ---> Jupiter, 5/24.  Sein >Tag< ist die Zeit seiner Herrschaft, die er feiern lässt, 1/50 (jeudi entstanden aus lat. Iovis dies).  Anfangs glaubt man in ihm einen Hochgesinnten, 4/21, und gar den >wiedergekommenen Heiland< zu erkennen, 1/95, der endlich den Frieden bringt.  Später wird ihm höchste Macht übertragen, 1/43.  >Jupiter< übernimmt religiös  u n d  politisch die Führung der Welt, wie einst der römische Kaiser.  Menschen kommen aus der ganzen Welt, aus allen Himmels-richtungen, ihm zu huldigen.  Und da er >Christus durch die Erringung der Weltherrschaft übertrifft<, 1/95, ist er >so schön wie niemals einer war<.     


1) Ausgewiesen durch die vier Himmelsrichtungen und den Namen des obersten Gottes der römi-schen Antike, meint der Vers Vorgänge, die die ganze Welt betreffen.  Wenn es um die ganze Welt geht, ist das sehr große Wasser das Weltmeer.  Das >Meer< als Sinnbild bedeutet bei N. den Bereich der Religion, seine >Oberfläche< den Kultus, die ausgeübte Religion (---> mer).  Dieses >Meer< kann seit Urzeiten frei strömen und wird befahren von >Schiffen<, den Glaubens-gemeinschaften (---> nef).  Die unter dem geistigen Einfluss Jupiters (>Luft<) stehende Menschheit (>Erde<) vollzieht selbst die >Vereisung des Weltmeers<.  Die Pseudoreligion des Weltstaats beansprucht Ausschließlichkeit, 1/79, wird gefeiert, 9/12, und lässt den Bereich der Religion erstarren und veröden.

Henri Cinq geboren 1999  -  Krieg um die Freiheit Europas und der Religion

   10/72   L'an mil neuf cens nonante neuf sept mois,  
                Du ciel viendra vn grand Roy deffraieur    
                Resusciter le grand Roy d'Angolmois.  
                Auant apres Mars regner par bon heur. (1568)    

               Im Jahr 1999, sieben Monate,

               wird vom Himmel kommen ein großer König des Schreckens,

               es wird auferstehen der große König von Angoumois,

               (um) vor (und) nach einem Krieg zu herrschen, zum Glück.
   
2) N. kündigt den gemeinten König als von Gott gesandt und in diesem Sinn >vom Himmel kommend< an.  Ein Furcht erregender Gegner werde er für seine Feinde sein, die er "mit zähne-knirschender Wut jagt", 5/13.  Noch nach seinem Sieg ist er gefürchtet, 6/70.       

 

1) "Unter Schatten und an nächtlichem Tag" wird ein Herrscher "geboren", in dem ein uraltes Geblüt aufersteht, 5/41. Das Kommen ist hier demnach das Zur-Welt-Kommen.  Und der nächtliche Tag ist der 11.8.1999, an dem es in Mitteleuropa eine totale Sonnenfinsternis gibt.  Der 11.8.1999 entspricht dem 29.7.1999 im siebten Monat des alten julianischen Kalenders, mit dem N. arbeitet, VH (33), weil er zu seiner Zeit noch gilt, bis 1582 (wikip. Umrechnung zwischen julianischem und gregoria-nischen Kalender).    


3) Mit dem "großen König von Angoumois" ist der große Renaissancefürst Francois I. von Frankreich gemeint, der 1515-47 herrscht.  Bevor er König wird, ist er Graf von Angoumois.  N. idealisiert ihn als König, der die Einheit der Kirche in Frankreich noch bewahrt habe, 1/54.  Henri Cinq wird als Restaurator, 5/74, und Reformer, 5/79, der Kirche auftreten.    


4) Zuvor führt und gewinnt er den Krieg um die Freiheit Europas und der Religion, gegen das globale Regime, VH (17).  Sein Erfolg erschließt sich hier daraus, dass er nach diesem Krieg noch herrscht  -  "zum Glück" für alle, die es erleben werden. 

   

Geschichte und Gegenwart erhalten ihr Urteil von >Jupiter< 

   10/73   Le temps present auecques le passé    
                Sera iugé par grand Iouialiste,    
                Le monde tard luy sera lassé,    
                Et desloial par le clergé iuriste. (1568)  
 

                Die Gegenwart wird zusammen mit der Vergangenheit

                ihr Urteil erhalten vom großen Jupiterhaften.

                Die Welt wird spät seiner müde sein,

                und (für) untreu (wird er erklärt) durch Kirchenjuristen.
   
1)2) Jupiter/Zeus ist der oberste Gott der antiken Römer vor der Christianisierung, der oberste Gott der Heiden. verwendet N. verwendet den Namen Jupiter als Decknamen für den Weltherrscher wegen der >Blitze<, die er am Ende schleudert.  Da er zugleich oberste religiöse Autorität ist, 2/73, sieht er sich berufen, die ganze Vergangenheit vor seiner Herrschaft als unvollkommen zu verwerfen. Erst seine Herrschaft habe das prophetisch verheißene Friedensreich verwirklicht, 5/53.  Dann will er die Überwindung der Vergangenheit perfektionieren, 9/84, und verbietet die alten Religionen, VH (43).    


3)4) Wenn später die Macht >Jupiters< gebrochen ist, werfen ihm Kleriker vor, er sei durch das Verbot der alten Glaubenslehren seiner Rolle als >wiedergekommener Heiland< "untreu" geworden, 7/23.  Dass er der, für den sie ihn hielten, niemals war, wollen sie dann anscheinend immer noch nicht begreifen.  Denn dann müssten sie zugeben, einer fatalen Fehleinschätzung erlegen zu sein. Nach seinem baldigen Tod, 1/04, hängen ihm noch viele Menschen an, "die Welt ist spät seiner müde".

Am Ende des >siebten Jahrtausends< das jüngste Gericht

   10/74   Au reuolu du grand nombre septiesme  
                Apparoistra au temps Ieux d'Hecatombe,    
                Non esloigné du grand aage milliesme,  
                Que les entrés sortiront de leur tombe. (1568)   

                Bei der Vollendung der großen Zahl, der siebten,

                wird offenbar werden zur Zeit der Spiele des Schlachtfests,

                nicht (mehr) weit zum großen Jahrtausend,

                dass die ins Grab Gestiegenen ihrem Grab entsteigen werden.

Das "siebte Jahrtausend"  b e g i n n t  mit der Auftritt des >wiedergekommenen Heilandes<, VH (6), unmittelbar nach dem Kataklysmus, 1/46, 3/91.  Es  e n d e t  mit dem Übergang zur neuen Erde, Offb 21, wenn in N.s Zählung das achte Jahrtausend anbricht, 8/69.    


Vor dem Ende dieser Zeit gibt es Christenverfolgungen, VH (42).  Eine Hekatombe ist ein Sühn-opfer, eine >religiös motivierte< Massentötung, ein Blutbad, 2/16, 5/18, 9/84; 1/45.  N. erkennt an den Gräueln, dass der Eingriff Gottes nah herangekommen ist.  Damit verbunden ist das jüngste Gericht, Offb 20,11, das über die Lebenden und die auf Erden gelebt Habenden ergeht, Offb 20,12.    

Napoleons Abdankung

   10/76   Le grand senat discernera la pompe,    
                A l'vn qu'apres sera vaincu chassé,  
                Ses adherans seront à son de trompe,  
                Biens publiez, ennemys deschassez. (1568)   

                Der große Senat wird abtrennen den Prunk

                von Einem, der später besiegt (und) vertrieben wird.

                Seine Anhänger werden beim Schall der Trompete

                - ihre Güter (sind) konfisziert - (als) Feinde weggejagt.
   
                  1) Mittelfrz. (Gr) v. discerner trennen, abtrennen (séparer).  

                  4) Mittelfrz. (Go) v. publier versteigern (vendre à l'encan).    
   
1) Nach der Eroberung von Paris durch die Alliierten im März 1814 stimmt der Senat für die Absetzung des Kaisers.

   
3) Biblisch verbindet der Schall von Trompeten und Posaunen Gott mit seinem Volk, 4 Mose 10,9.  Es werde ein legitimer König wieder den Thron besteigen, zeigt N. damit an.  Am 5.4.1814 beruft der Senat den jüngeren Bruder des von der Revolution gestürzten Königs als Louis XVIII. auf den Thron Frankreichs.    


2) Später, im Juni 1815, wird Napoleon nach Verbannung und Rückkehr endgültig von Briten und Preußen "besiegt und vertrieben".    


4) Am 12.1.1816 beschließt das Parlament in Paris, dass binnen zwei Monaten das Land verlassen müsse, wer während der hundert Tage, 10/90, Ämter innegehabt habe.  Außerdem wird verfügt, dass die Vermögen der Verbannten an den Staat fallen.    

Zusammenbruch des Faschismus in Italien nach der Landung der Alliierten

   10/77   Trente adherans de l ordre des quyrettes  
                Bannys leurs biens donnez ses aduersaires,    
                Tous leurs bienfais seront pour desmerites   
                Classe espargie deliurez aux corsaires. (1568)  

                Dreißig Mitglieder des Ordens der Quiriten

                verbannt, ihre Güter ihren Gegnern überlassen.

                All ihre Wohltaten werden für verdienstlos (erklärt).

                Flotte zerstreut, ausgeliefert den Korsaren.
   
                   4) Mittelfrz. (Gr) v. espardre zerstreuen (disperser), répandre (verschütten).  

                   Korsaren, Kaperer waren Freibeuter im Auftrag von Fürsten.    
   
1) Quiriten heißen die Vollbürger der römischen Antike.  Der Duce will an den Ruhm des antiken Imperiums anknüpfen und wählt die Fasces (Liktorenbündel) als Parteisymbol.  Als er 1922 Ministerpräsident wird, 8/66, gründet er zwei Monate später neben und über den Verfassungs-organe des Landes den Großen Faschistischen Rat zur Absicherung seiner Macht.  Dieser innere Kreis des Faschismus (>Orden<) besteht aus zwanzig festen Mitgliedern und weiteren vom Duce ernannten Einzelpersonen.  Auf dessen letzter Sitzung am 24./25.7.1943 sind 27 Mitglieder anwesend.  Davon stimmen neunzehn für, und nur acht gegen die Absetzung des Duce.    


2)3) Damit ist der Faschismus am Ende.  Mehrere Mitglieder des Rates fliehen ins Ausland oder werden inhaftiert (wikip. Prozess von Verona).  Die Alliierten bringen dann italienische Emigranten und Antifaschisten an die Regierung.  

 
4) Ursache des Zusammenbruchs ist die alliierte Flotte, die ab dem 10.7.43 erfolgreich auf Sizilien gelandet ist, 8/81.  Die italienische Marine hat sie nicht aufhalten können, und am 3.9.43 nimmt Italien die geforderte bedingungslose Kapitulation an.    

Ein Großmächtiger >öffnet die ehernen Tore zum Reich Gottes<

   10/80   Au regne grand du grand regne regnant,    
                Par force d' armes les grands portes d' airain    
                Fera ouurir le roy & duc ioignant,  
                Port demoly nef à fons iour serain. (1568)    

                Im großen Reich regierend von hoher Herrschaft her,

                wird er mit Waffengewalt die großen Tore aus Erz

                öffnen lassen, der König und dann Kriegsherr.

                Hafen zerstört, Schiff auf Grund, (an) heiterem Tag.
   
1) Von der ganzen Welt wird einer zum Alleinherrscher gemacht werden, 1/04.  Das "große Reich" ist die ganze Welt.  In dem Gemeinten sieht N. den Augustus Octavian wieder erstehen, 6/66.  Aber erst das Reich des Neuen ist wirklich universell.    


2)3) Seine Anhänger glauben, er werde die verschlossenen Tore des Gottesreich öffnen kraft seiner Heiligkeit, 2/45.  Aber das hat Jesus Christus schon vor 2000 Jahren getan, indem er selbst die Tür zum Gottesreich wurde, Joh 10,7.  Und die Tore des neuen Jerusalem stehen seitdem offen, Offb 21,25, müssen also nicht mehr geöffnet werden.  Geistige Tore werden als symbolische Gegen- stände gern aus Erz gefertigt wie die Heilige Pforte im Petersdom.  Sie können nur >in der Waffen-rüstung Gottes< eröffnet werden, Eph 6,10-17, über die zu verfügen der Gemeinte keinen Zweifel aufkommen lässt.  Bei der Ausführung dieses Projekts wird ein Kriegsherr eingesetzt (---> duc);  es ist der "kriegerische Fremde eines dritten Größten", 2/88.  

 
4) Der >Hafen< bedeutet die Bereitschaft des globalen Regimes, die alten Religionen und ihre Glau-bensgemeinschaften aufzunehmen, 1/30 (---> port).  Den vermeintlichen Schutz dieses >Hafens< anzulaufen, sind alle aufgefordert.  Der Preis dafür wird sein, sich auf den >neuen Heiligen< zu verpflichten, 9/32 (>Hafen der Ehe<).  Schon nach wenigen Jahren ist dieser >Hafen zerstört<, die dort ankernden >Schiffe werden geplündert<, 1/30, erleiden >Schiffbruch<, 5/31, und >liegen auf Grund<.    

Zaghafter Widerstand gegen die Deutungshoheit eines Tribunen 

   10/85   Le vieil tribung au point de la trehemide   
                Sera pressee captif ne desliurer,  
                Le vueil non vueil le mal parlant timide    
                Par legitime à ses amys liurer. (1568)   

                Der Alte (wird) Tribun genau dann, wenn die Dreifeuchtigkeit

                bedrängt wird, (den) Gefangenen nicht auszuliefern.

                Der Wille, (dann) Unwille benennt das Übel zaghaft,

                (will) rechtmäßigen Gefährten von seinen >Freunden< befreien.
   
                    1) In trehemide wird eine Kontraktion erkannt aus lat. tres und humidus feucht.    

                    2) Mittelfrz. (Gr) v. delivrer auch: ausliefern (livrer).    
                    3) Mittelfrz. (Gr)  n.m. vueil Wille (volonté), Begehren (désir).    

                    4) Mittelfrz. (Gr) n.m. pair, par Gefährte (compagnon).    
   
Das Wort Gottes wird zum >lebendigen Wasser<, wenn der Mensch es im Herzen aufnimmt, 3/44. Wer das Wort Gottes in allen drei Offenbarungsreligionen erkennt, sich auf einen vermittelnden >höheren Standpunkt< stellt, für den sind diese eine dreifache Erscheinung, 1/50, 1/68, hier eine >Dreifeuchtigkeit<.  Beharrende Kräfte in den alten Glaubensgemeinschaften wollen >den Gefange-nen<, den jeweiligen Begründer ihres Glaubens, nicht gänzlich der Deutungshoheit des >neuen Weisen<, 8/27, 8/28, ausliefern.  Da erst läuft das rhetorische Talent des neuen Mannes, 1/96,  zur Hochform auf;  er tritt auf als "Tribun", als Verfechter des Anliegens der Völker.  

 

Die willigen Unwilligen sind jene Christen, die den "Tribun" als Friedensstifter begrüßten, nun aber die Umdeutung der alten Lehren, 9/09, beklagen.  Angesichts der Macht, die dem "Tribunen" durch jubelnde Völker, 10/71, zuwächst, fordern sie nur zaghaft die Befreiung des rechtmäßigen Gefährten (Christus) von seinen falschen Freunden.    

Der Tyrann stirbt hundertmal, an seiner Stelle ein Gebildeter

   10/90   Cent foys mourra le tyran inhumain,    
                Mys à son lieu scauant & debonnaire,  
                Tout le senat sera dessoubz sa main,    
                Faché sera par malin temeraire. (1568)
    

                Hundertmal wird sterben der unmenschliche Tyrann,

                an dessen Stelle ein Gebildeter und Gutmütiger tritt.

                Der ganze Senat wird in seiner Hand sein.

                Erzürnt wird er sein über einen leichtfertigen Übeltäter.
   
1) So nennt N. Napoleon wegen seines rauen Umgangs mit der Kirche 1796-1801, 1/76, und seiner zahlreichen, hohen Blutzoll kostenden Kriege, 1/60.  Er erkennt in ihm den ersten von drei großen Antichristen, 9/05.  Einhundert Tage lang erfährt der Rückkehrer aus dem Exil, dass er die Armee wieder führen kann, der Glaube an sein Genie aber verblasst ist (cent foys hundertmal lautet wie sans foi ohne Glauben).  

 
2)3) Ludwig XVIII. wird von den Siegermächten als König eingesetzt.  Gebildeter als seine Brüder, hat er sich in der Emigration mit dem Ausgleich von Monarchie und bürgerlicher Revolution beschäftigt.  Er beschwört eine Verfassung, 2/48, die ihm weitgehende Rechte über beide Kammern des Parlamentes einräumt, und betreibt eine Politik der Versöhnung.    


4) Damit ist die Ermordung eines Mitglieds des Königshauses gemeint, 6/32, am 13. Ferbuar 1820, 3/96.  

Spaniens König erniedrigt die vom Freitag auf Land und Meer

   10/95   Dans les Espaignes viendra Roy trespuissant  
                Par mer & terre subiuguant or midy,    
                Ce mal fera rabaissant le croissant,  
                Baisser les aisles à ceux du vendredy. (1568)  

                Nach Spanien wird kommen ein sehr mächtiger König.

                Auf Land und Meer unterwirft er südliche Küsten.

                Dieser Männliche erniedrigt den Zunehmenden

                und macht, dass denen vom Freitag die Flügel sinken.
   
                   2) Lat. n.f. ora Küste, Küstenland.  

                   3) Statt mal hätte mâle männlich stehen sollen,

                   korrespondierend mit dem "sehr mächtigen König".    
   
Philipp II. erbt 1556 die spanischen Kronen und kommt 1559 aus den NL in sein Reich.  1569/70 werden aufständische Muslime in Granada besiegt, 3/20;  1571 ein großer Seesieg gegen die Osmanen errungen, 5/95;  1580 die Herrschaft über Portugal durchgesetzt. Mit den zahlreichen Kolonien in Übersee hat er ein "Reich, in dem die Sonne nicht untergeht".  Männlich nennt N. einen Monarchen nach  seinem Geschmack, der >die Religion<, den katholischen Glauben, streitbar beschützt.

    
Es wird eingewendet, Philipp habe im Süden keine Landgewinne erzielt, wovon der Vers doch handle, und sei als Verlierer im Seekrieg gegen England 1588 auch nicht "sehr mächtig" gewesen, wie angesagt.  Die Einwände treffen zu, verkennen aber, dass N. nicht wie ein objektivierender Historiker, sondern parteilich urteilt.  Er hebt die Erfolge Philipps hervor und übertreibt, wie um dessen Feinde einzuschüchtern, und lässt die unbestreitbaren Misserfolge des Monarchen unerwähnt.  

Das britische Weltreich endet nach mehr als dreihundert Jahren

   10/100   Le grand empire sera par Angleterre,  
                  Le pempotam des ans plus de trois cens:   
                  Grandes copies passer par mer & terre,    
                  Les Lusitains n'en seront pas contens. (1568)    

                  Das große Weltreich wird (errichtet) sein durch England,

                  den Ströme-Aussender von mehr als dreihundert Jahren.

                  Große Verbände ziehen über Meer und Land.

                  Die Portugiesen werden damit nicht zufrieden sein.
   
                     2) Im Kunstwort pempotam stecken das griechische v. pempein schicken

                     und das n.m. potamos Fluss;  es ist wörtlich eine Ströme-Aussender.

Der pempotam steht im Kontext für ein Land, das Ströme von Menschen auf Handels- und Kriegs-schiffen aussendet und in den eroberten Ländern Kolonien gründet.  Der Seesieg der Briten über Spanien 1588 markiert den Beginn des Aufstiegs Englands zum Weltreich (Empire).  Es entstehen Handelsgesellschaften, die wichtigste, die Ostindische Kompanie, wird 1600 gegründet.  Im 17. Jahr-hundert greifen Niederländer und Briten viele iberische Kolonien an, z.B. Ceylon, den Norden Brasiliens, Java und die Molukken.  In den Seekriegen gegen die Niederlande 1652ff, 1665ff und 1672ff werden die Briten zur dominierenden Seemacht
 

Nach 1918 erreicht das britische Empire seine größte Ausdehnung, als Großbritannien deutsche Kolonien übernimmt und vom Völkerbund Mandatsgebiete erhält.  Die Dominions, das sind Kanada, Australien und Südafrika, werden aber bereits eigenständige Staaten.  Die Umwandlung des Empire in den lockeren Bund des Commonwealth of Nations ist schon im Gang.  Nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 lösen sich weitere Kolonien von Großbritannien.  Die Suez-Krise von 1956 endet mit einem weiteren Rückzug, 8/97.  

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